Die erste ist teilweise in Betrieb, die Konzession für Linie zwei wurde kürzlich vergeben, nun kündigte Perus Transportvizeminister Henry Zaira die Konzessionsvergabe zur 3. Metrolinie in der Hauptstadt Lima für das Jahr 2016 an.
Neuer Triebwagen der Metro Lima. Foto: ANDINA.
Die Linie 3 der Metro Lima soll nach derzeitigen Plänen die Avenida Universitaria im Distrikt Comas mit der Avenida Alfredo Benavides im Distrikt Santiago de Surco verbinden. Auch eine vierte Metrolinie ist bereits in Planung.
Hunderte Piratensender nicht eingerechnet, Repeater großer Rundfunkanstalten dagegen schon: In Peru sind nach Angaben des Rundfunkrates CONCORTV 4.694 Radio- und Fernsehstationen gemeldet. Größter Frequenzhalter ist dabei der Staatsrundfunk des peruanischen Nationalinstitutes für Radio und TV (IRTP) mit insgesamt 344 Sendestationen allein für das Staatsfernsehen TV Perú. Die meisten dieser Sendestationen bestehen aus einer Satelitenschüssel mit einem Durchmesser von rund drei Metern, einem Empfangsgerät, einem Sender, sowie mehreren Antennen und sind selbst in abgelegenen Gebieten zu finden. Insgesamt 97 Radio- und Fernsehkanäle werden von staatlichen Stellen betrieben, neben dem nationalen Rundfunk vor allem von Regional- und Kommunalverwaltungen und Universitäten. Die lange Tradition peruanischer Community-Radios scheint aber langsam ihrem Ende zu zu gehen: Peru-weit verfügt lediglich eine Radiostation noch über eine entsprechende Lizenz.
Die meisten Fernsehsender in Lima, die wenigsten in Tumbes
Allein im Großraum der peruanischen Hauptstadt Lima sind 125 Fernsehstationen registriert. Während Schlusslich Tumbes (14) nicht überrascht, zeigt sich auch die südliche Hochlandregion Puno äußerst sendefreudig, wo 104 Fernsehstationen gemeldet sind. In der Region Amazonas blieb die Zahl gleichbleibend niedrig (21), während die Regenwaldregionen Madre de Dios (26) und Ucayali (21) zwischen 2012 und 2013 einen Anstieg um 18,2%, beziehungsweise 5% verzeichneten. In Cajamarca schloss eine Fernsehstation, es gibt dort nun 76 Stück.
Knapp drei Wochen nach dem Abwahlprozess in der peruanischen Hauptstadt Lima steht nun das amtliche Endergebnis fest. Für Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente sieht es sehr durchwachsen aus. Zwar stimmten 2.548.791 Wahlpflichtige mit „Nein“, also für ihren Verbleib im Amt -116.984 mehr als dagegen-, sie verliert aber ihre Fuerza Social (FS)-Ratsfraktion fast vollständig.
Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.
Insgesamt 20 Fuerza Social-Räte müssen ihren Hut nehmen, darunter auch Villaráns Vizebürgermeister Eduardo Zegarra, der durch Hernán Nuñez Gonzalez, den -neben Villarán- einzigen nicht abgewählten Fuerza Social-Anhänger, ersetzt wird. Einige Abwahl-Opfer werden durch Nachrücker der Fuerza Social-Liste ersetzt, müssen ihr Mandat Ende des Jahres wiederum beenden, da dann ihre Sitze durch Nachwahlen neu besetzt werden.
Ein Blick auf das Wahlergebnis zeigt, dass die Aufforderung der Abwahl-Gegner, 40 Mal mit „Nein“ zu stimmen, nur begrenzt Wirkung entfaltete. Der Abstimmzettel hatte zwei Spalten, von einer Ausnahme abgesehen, nahm die Zahl sowohl der „Ja“- als auch der „Nein“-Stimmen nach unten hin immer weiter ab. Ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler hatte offenbar schlichtweg keine Lust, 40 Kreuze zu setzen. Daneben kreuzten offenbar viele nach „Spalten-Logik“. Auf der linken Spalte befanden sich nur die Namen von Ratsmitgliedern aus Villaráns „Fuerza Social“-Fraktion. Von den beiden „Fuerza Social“-Räten in der rechten Spalte wurde nur einer abgewählt – die meisten PPC-Mitglieder, alle in der rechten Spalte, wurden im Amt bestätigt.
Symbolischer Erfolg bleibt Abwahl-Initiatoren verwehrt
Der symbolische Erfolg blieb den Abwahl-Initiatoren verwehrt: Bürgermeisterin Villarán bleibt weiter im Amt. Doch neben dem Verbleib von Abwahl-Hauptziel Villarán und Nuñez haben die Abwahl-Initiatoren noch eine weitere Schlappe zu verbuchen: Als einzige Mitglieder der bislang oppositionellen christlichen Volkspartei PPC wurden Luis Castañeda Pardo und Jose Alberto Danos Ordoñez abgewählt. Castañeda Pardo ist der Sohn des früheren Bürgermeisters und Abwahl-Mitinitiators Luis Castañeda Lossio, Danos Ordoñez der Mann der Sprecherin der Abwahl-Initiative Patricia Juárez.
In Lima beginnen derweil die Sondierungsgespräche zwischen Fuerza Social und der PPC, die in den verbleibenden zwei Amtsjahren Villaráns diese stützen wollen – nachdem sie über keine eigene Ratsmehrheit mehr verfügt. Das bedeutet vermutlich, dass der PPC mehrere Beigeordnetenposten zugestanden werden.
Bei der Räumung des Großmarktes „La Parada“ durch die Polizei im vergangenen Oktober wurden vier Personen getötet, es kam zu tagelangen Ausschreitungen. Letztendlich wurde das Gelände aber geräumt, das als unhygienischer Großmarkt mit einem Rattenproblem ebenso bekannt war, wie als Tummelplatz von Kleinkriminellen – um einem Park Platz zu machen. Viele Händlerinnen und Händler zogen auf einen neuen, organisierten Großmarkt um. Heute ordnete ein Richter in der peruanischen Hauptstadt Lima an, die Polizeikräfte vor dem vormaligen Großmarktgelände abzuziehen und die Betonsperren zu entfernen, die den Zugang für Lastwagen versperrten. In seinem Urteil stellte der Richter fest, das Grundstück sei der Stadt mit dem Zweck geschenkt worden, dort einen Markt zu errichten – es dürfe nicht umgewidmet werden. Zudem rief er den peruanischen Kongress und die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungsverfahren gegen Innenminister Wilfredo Pedraza und Bürgermeisterin Susana Villarán wegen möglicher Rechtsverstöße im Rahmen der Großmarkt-Räumung einzuleiten.
Für die Stadtverwaltung unter Bürgermeisterin Susana Villarán, die in wenigen Tagen vermutlich fast alle Mitgliederinnen und Mitglieder ihrer bisherigen Ratsfraktion verliert, ist das ein herber Rückschlag. Vor einigen Wochen berichteten peruanische Medien, frühere Großmarkthändler sammelten Geld, um den Richter zu bestechen. Die Justizkontrollbehörde OCMA ordnete bereits ein Untersuchungsverfahren an. Das Schenkungsdokument, auf das sich der Richter berief, war bislang nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Bei den früheren La Parada-Händlern brach nach der Ankündigung des Richters Jubel aus.
Kurz vor Ende der Auszählung der abgegebenen Stimmen lässt sich ein erstes Fazit des Abwahlreferendums am vergangenen Sonntag in der peruanischen Hauptstadt Lima ziehen. 40 Personen, die Bürgermeisterin und 39 Stadträtinnen und Stadträte standen auf den Abstimmungszetteln, zumindest Bürgermeisterin Susana Villarán selbst kann mit einem Erfolg rechnen – und bleibt vorausichtlich im Amt. Doch wie hinterlässt das Referendum Parteien, Institutionen und Personen? Ein Überblick.
Bleibt Limas Bürgermeisterin: Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.
SUSANA VILLARÁN – Darauf, dass die Bürgermeisterin ihr Amt behalten kann, hätte vor einem Monat wohl noch niemand gewettet. Zu groß schien in den Umfragen der Abstand zwischen den Optionen „Si“ – für die Abwahl – und „No“. Sie hat gezeigt, dass sie erfolgreich ums politische Überleben kämpfen – und gewinnen kann. Einen Antritt zur Wiederwahl hat Villarán öffentlich ausgeschlossen – ob ihr dies die Bürgerinnen und Bürger Limas abkaufen, steht auf einem anderen Blatt. Sollte sie ihre Amtszeit aber mit Unterstützung der bislang oppositionellen christlichen Volkspartei (PPC) erfolgreich zu Ende führen, wären weitere politische Ämter (Kongress, Ministerium oder gar Präsidentschaft) durchaus im Rahmen des möglichen.
Das von Susana Villarán gepflegte Image der „sauberen Hände“ wurde allerdings nicht nur durch die Angriffe des politischen Gegners, sondern auch durch manche Mittel ihrer Anhängerinnen und Anhänger dauerhaft beschädigt.Trotz ihres überraschenden Sieges muss Villarán bei Reformvorhaben in Zukunft wohl große Kompromisse eingehen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Fraktion ihrer Partei bei der Wahl zur Besetzung der abgewählten Stadträtinnen und -räte viele Sitze erreichen wird. Sie muss also mit den bisherigen politischen Gegnern zusammen arbeiten, wenn sie überhaupt noch etwas schaffen möchte. Das wird nicht einfach, da Lima – und da liegt noch eine weitere Herkulesaufgabe – durch die Kampagnen der vergangenen Monate politisch gespalten wurde.
Luis Castañeda. Foto: ANDINA/Jorge Paz
LUIS CASTAÑEDA – Bis zum Schluss betonte Limas vormaliger Bürgermeister, nichts mit dem Abwahl-Prozess zu tun gehabt zu haben, bis zum Schluss glaubte es keiner. Der Verbleib Villaráns im Rathaus wird Castañeda zweifelsohne als Niederlage angerechnet werden – die Zweite in Folge, nach seinem Scheitern bei der Präsidentschaftswahl 2011. Für die Unterstützer von Susana Villarán war der Abwahlprozess zudem ein Anlass, in Castañedas Vergangenheit nach Ungereimtheiten zu suchen – und zu finden. So bot der weiter schwelende Skandal um eine Scheinfirma (Comunicore), deren einziger Zweck die Veruntreuung städtischer Mittel gewesen sein soll, Castañedas Gegnern reichlich Angriffsfläche für Kritik. Auch schnitt der in der Öffentlichkeit wenig mitteilsame und deshalb als „el mudo“ (dt. „der Stumme“) bekannte frühere Bürgermeister nicht überragend ab, als die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit mit denen von Susana Villarán verglichen wurden. Seltsam war auch das Verhältnis zu seinem Sohn, der für die PPC im Stadtrat saß – und nun abgewählt wurde. Die Episode zeigte vor allem, dass Castañeda jr. vor allem als „Sohn seines Vaters“ im Rat saß und dieser bereit war, die politische Karriere seines Sohnes für die eigenen Ambitionen zu opfern.
Fuerza Social (FS) – Die Gruppierung stellt zwar weiter die Bürgermeisterin, ist aber stark geschwächt. Nach ihrer erfolglosen Teilnahme an der Kongresswahl 2011 verlor sie den Status einer Partei – nachdem ihre Kandidatinnen und Kandidaten bereits bei Regionalwahlen im Jahr zuvor Federn hatte lassen müssen. Nun werden die Hoffnungsträger von Fuerza Social, allen voran Vizebürgermeister Eduardo Zegarra, bis zur Neuwahl durch Mitglieder aus der dritten und vierten Reihe ersetzt – in vielen Fällen Mitglieder anderer Parteien, die von „Fuerza Social“ eingeladen worden waren. Bei der Neuwahl wird Fuerza Social wohl auch die meisten dieser Mandate verlieren, vielleicht sogar alle, wenn es nicht gelingt, über den Weg einer befreundeten Partei erfolgreich Kandidatinnen und Kandidaten zu platzieren. Ganz am Ende ist „Fuerza Social“ derweil nicht: Zahlreiche Führungspersönlichkeiten der Gruppierung haben demnächst viel Zeit – und in ihrer zweijährigen Amtszeit und dem Abwahlprozess politische Erfahrung sammeln können. Für die weitere Eigenständigkeit müsste Fuerza Social schon bald damit beginnen, Unterschriften für eine Neuregistrierung als Partei zu sammeln. Möglicherweise integriert sich Fuerza Social auch in die Partei des Bergbaukritikers und suspendierten Priesters Marco Arana, Tierra y Dignidad. Während der Anti-Abwahlkampagne stand die Partei an vorderster Front an Villaráns Seite.
Partido Popular Cristiano (PPC) – Wohl kaum einer hat in den vergangenen Monaten so viel gewonnen wie die Partei von Dauerkandidatin Lourdes Flores Nano. Flores Nano, bei der Kommunalwahl 2010 Villaráns aussichtsreichste Gegenkandidatin, hat der Bürgermeisterin wiederholt öffentlich den Rücken gestärkt. Die PPC, eine der „stabilsten“ peruanischen Parteien, aber mit kaum Einfluss außerhalb der Hauptstadt, war schon immer gegen die Möglichkeit, Amts- und Mandatsträger vorzeitig abberufen zu können. Obwohl traditionell als Partei der Reichen und Wirtschaft verschmäht, verteidigte die PPC im Stadtrat Villarán nicht nur wegen ihrem Misstrauen gegenüber Abwahlverfahren, sondern stellte sich auch politisch hinter die gemäßigt linke Susana Villarán. Das hat für die Stellung der PPC wichtige Folgen: Villarán, die über keine eigene Mehrheit mehr verfügt, ist von der Partei abhängig, wenn sie im Rat etwas erreichen möchte. Zudem wird der Bürgermeisterin nichts anderes übrig bleiben, als wichtige Verwaltungsposten mit PPC-Sympatisantinnen und -Sympathisanten zu besetzen. Zudem kann sich die PPC als die staatstragende Partei gerieren, die Lima vor der Unregierbarkeit gerettet hat. Für Lourdes Flores Nano war die Abstimmung übrigens die erste, die sie gewann: Vor der Bürgermeisterwahl 2010 war sie bereits mehrfach bei dem Versuch gescheitert, Präsidentin zu werden.
Werbung der Wahlbehörde ONPE. Foto: ONPE.
Die peruanischen Wahlbehörden – Die Wahlbehörde ONPE und das Wahltribunal JNE haben, ebenso wie das Personenstandsregister RENIEC im Verlauf des Abwahlreferendums keine gute Figur abgegeben. Termine wurden nicht koordiniert, Entscheidungen angefochten – und das Wahltribunal kam mehr als einmal in den Verdacht, eine der Optionen zu bevorzugen. Dass nun die Auszählung der Stimmen wieder weit länger dauert, als eigentlich geplant, war nach den vergangenen Wahlen zu erwarten. Sie stärken aber nicht das Vertrauen in das Abstimmungsergebnis. Der illegal mitgeschnitte Kommentar eines Abwahl-Befürworters, die eigenen Wahlbeobachter sollten bei der Stimmenauszählung noch „4% herausholen“, setzte dem ganzen nur noch die Krone auf.
Lima – Die peruanische Hauptstadt profitierte von dem Abwahlreferendum zumindest in sofern, dass zahlreiche Altlasten -Stichwort „Comunicore“- aufgearbeitet wurden. Zudem muss Villarán nun breitere Bündnisse schmieden. Auch wurden im Zusammenhang mit den Kampagnen viele wichtige Themen auf die Tagesordnung gebracht. So gab es intensive Diskussionen über Alltagsrassismus, Geschlechterverhältnisse und die sozialen Folgen unilateraler Entscheidungen. Auch wurden Politik und Verwaltung in vielen Bereichen zum Handeln gezwungen. Zudem zwang das Referendum die Beteiligten dazu, in der Kommunalpolitik für mehr Transparenz zu sorgen – was eben auch ein gewisses Ausmaß an Öffentlichkeitsarbeit erfordert. Die Verluste waren aber größer: Das Referendum hat die Stadt zumindest im Blick auf die Kommunalpolitik gespalten, dies umzukehren wird keine einfache Aufgabe. Auch wurden auf den Druck hin viele Themen angepackt – der Wahlkampf band aber einen Großteil der Kräfte, die sonst für eine bessere Arbeit der Kommune aufgewendet hätten werden können. Zudem kommt Lima aus dem Wahlkampf nicht mehr heraus. Haben sich die nachrückenden Fuerza Social-Stadträtinnen und Stadträte eingearbeitet, steht bereits die nächste Wahl an, vor der sicherlich mit ähnlich harten Bandagen gekämpft werden wird.
„Die Hoffnung ist Unterwegs“. APRA-Wahlkampfspruch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
APRA – Zu Beginn nicht dabei, übernahm die Partei des zweimaligen peruanischen Präsidenten Alan García gegen Ende eine Führungsrolle in der Abwahlkampagne. García selbst erhoffte sich offenbar einen Erfolg des Referendums, der möglicherweise zur erneuten Wahl von Luis Castañeda geführt hätte. Ein möglicher Kontrahent bei der Präsidentschaftswahl 2016 wäre für ihn damit aus dem Rennen gewesen. Nun kann Castañeda zwar nicht sofort Bürgermeister werden, ist aber in der Öffentlichkeit beschädigt – für die APRA ein ähnliches Ergebnis. Mit der ausbleibenden Abwahl Villaráns erlitt die APRA zwar die zweite Wahlniederlage in Lima in Folge, konnte die Kampagne aber zur Reaktivierung ihrer lange vernachlässigten Basis nutzen – und einige Personen bekannt machen, die als Kandidatinnen und Kandidaten für die Neuwahl in Stellung gebracht werden können.
Die Presse – Die politischen Kommentatoren der größten Medienkonzerne warfen sich mit voller Kraft für eine der beiden Optionen ins Rennen. Das ist für Kommentatoren in Peru nicht ungewöhnlich. Sie ließen sich aber wiederholt als Handlanger der beiden Lager instrumentalisieren und schreckten auch von unlauteren Methoden nicht zurück. Zudem blieben über Monate hinweg andere wichtige Themen auf der Strecke: Die Verabschiedung strengerer Umweltauflagen für Industriezweige wie den Bergbau oder die Fischerei, die Reform des Wahl- und Abwahlrechts, sowie anwachsende Probleme mit der inneren Sicherheit. Die veröffentlichten, von Umfrageinstituten erhobenen Tendenzen bestätigten sich aber -trotz aller Unterschiede und Schwankungen- am Ende.
Peru – Das Land als Ganzes hat von den Konflikten rund um das Referendum sicher nicht profitiert, wurden doch selbst Politiker anderer Regionen und Städte genötigt, sich mit dem Thema zu befassen. Ein Referendum, das Peru als Ganzes kaum betraf, zog alle Aufmerksamkeit auf sich – während zahlreiche Ortschaften im Hochland und in den Regenwaldregionen im wahrsten Sinne des Wortes untergingen. Dennoch hatte der ganze Abwahl-Zirkuns ein Gutes: Absurde und/oder schlecht gemachte Gesetze und Regelungen werden in Peru häufig erst wahrgenommen, wenn sie die Hauptstadt Lima betreffen. Das ist nun geschehen. Eine Novellierung des Abwahl-Gesetzesrahmens erscheint heute wahrscheinlicher denn je. Der massenhafte Missbrauch einer eigentlich für extreme Ausnahmen gedachten Form direkter Demokratie in hunderten peruanischen Kleinstädten und Dörfern hatte bis heute -leider- zu keiner entsprechenden Debatte geführt.
Bleibt wohl Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.
Alle großen peruanischen Umfrageinstitute zeigen ein ähnliches Bild: Mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, die wahlpflichtige Einwohnerinnen und Einwohner in der peruanischen Hauptstadt Lima gestern abgaben, waren offenbar solche, die den Verbleib von Bürgermeisterin Susana Villarán unterstützen. Einfacher wird das Regieren für Villarán allerdings durch das Votum nicht: Die selben Umfragen deuten an, dass ein Großteil der Stadträte ihrer Ratsfraktion abgewählt wurde, ebenso wie auch zahlreiche Mandatsträger der bislang oppositionellen christlichen Volkspartei PPC, die den Verbleib Villaráns unterstützte und wohl künftig ein Bündnis mit dieser eingehen wird.
Bestätigen sich die Zahlen des Umfrageinstitutes DATUM, nach denen mehr als 14 Ratsmitglieder abgewählt wurden, kommt es im Verlauf des Jahres 2013 zu Neuwahlen – bei denen nicht über die Bürgermeisterin oder den gesamten Rat, sondern nur über die Neubesetzung der dann freigewordenen Sitze entschieden wird. Das wäre für Villarán ein großes Problem, da ihre Organisation Fuerza Social im Juli 2007 den Status einer Partei wegen ihrer erfolglosen Teilnahme an den Kongresswahlen verloren hat. Um eine eigene Mehrheit im Rat der Stadt Lima zu haben, müssten Kandidaten von Fuerza Social deshalb auf der Liste einer anderen Partei kandidieren. Das könnte beispielsweise die „Tierra y Dignidad“-Partei des Umweltaktivisten und suspendierten Priesters Marco Arana sein – die in Lima bislang allerdings lediglich bescheidene Erfolge einfahren konnte. Zudem sind zahlreiche bekannte Köpfe von „Tierra y Dignidad“ vermutlich selbst von der Abwahl betroffen, beispielsweise Marisa Glave, die auf Einladung Villaráns über die Liste von Fuerza Social in den Stadtrat gewählt worden war.
Werbung der Wahlbehörde ONPE. Foto: ONPE.
Erste Hochrechnungen der peruanischen Wahlbehörde ONPE werden gegen 7 Uhr Ortszeit erwartet (13h MEZ).
Hintergrundberichte: Warum kam es überhaupt zu dem Abwahlreferendum?
Von dem peruanischen Nachrichtensender RPP in Auftrag gegebene Umfragen deuten einen Verbleib von Hauptstadtbürgermeisterin Susana Villarán an. Die Umfrageinstitute DATUM, APOYO und CPI sehen die Stimmen für „No“, also die Stimmen gegen die Abwahl 4-7% vor den Stimmen für „Si“. Die Wahllokale haben um 16:00 Uhr (Ortszeit, 22:00 Uhr MEZ) geschlossen.
Sollten sich die Umfrageergebnisse bestätigen, hinge der Verbleib Villaráns noch davon ab, dass nicht mehr als 14 Mitglieder des Stadtrates von Lima abgewählt wurden.
Trotz der Probleme in den Morgenstunden, als nicht alle Wahllokale ihre Arbeit aufnehmen konnten, öffneten nach Angaben der Wahlbehörde ONPE bis zum Mittag 99% der Wahllokale ihre Türen.
Seit den frühen Morgenstunden sind die wahlpflichtigen Einwohnerinnen und Einwohner der peruanischen Hauptstadt Lima aufgerufen, ihre Stimme zum Verbleib oder der Abwahl von Bürgermeisterin Susana Villarán und 39 Mitgliedern des Stadtrates abzugeben. Stimmt eine Mehrheit mit „Si“ für die Abwahl von 14 oder mehr Ratsmitgliedern, müssen im Verlauf des Jahres Neuwahlen angesetzt werden – bis dahin übernehmen Nachrückerinnen und Nachrücker die Mandate.
Bereits kurz nach Öffnung der Abstimmungslokale gab es Berichte über Probleme: Hunderte Wahlhelferinnen und Wahlhelfer erschienen offenbar nicht, peruanische Medien berichten, 10-20% der Abstimmungslokale könnten wegen fehlenden Personals ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß wahrnehmen. In vielen Fällen wurden kurzfristig Menschen rekrutiert, die vor den Abstimmungslokalen in der Schlange standen.
Der Grund für die Abwesenheit vieler Wahlhelferinnen und Wahlhelfer: Die zu erwartende komplexe Auszählung der Stimmen nach Schließung der Abstimmungslokale. Für jeden der 40 auf dem Wahlzettel stehenden Namen muss eine eigene Auszählung stattfinden – was bei Wahllokalen mit großem Einzugsgebiet bis in die Morgenstunden dauern kann – weswegen die Wahlbehörde ONPE mit dem Vorläufigen Endergebnis auch erst morgen Nachmittag (Ortszeit) rechnet. Das ist für peruanische Wahlen aber nichts ungewöhnliches – bei der vergangenen Bürgermeisterwahl dauerte es bis dahin mehrere Wochen. Zahlreiche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer bevorzugen aber offenbar, die bei Nichterescheinen fälligen 185 Nuevos Soles Strafe zu zahlen.
Wie das Referendum ausgeht, ist bislang nicht abzusehen, da in der Woche vor der Abstimmung keine Umfrageergebnisse mehr veröffentlicht werden dürfen. Die Ergebnisse der vergangenen Woche zeigten noch keine klare Tendenz. Die Kampagne vor dem Referendum wurde mit harten Bandagen geführt, Abwahlbefürworterinnen und -beführworter wühlten, ebenso wie Gegnerinnen und Gegner, tief im Dreck. Persönliche Angriffe, Beschimpfungen, Verleumdungen und zuletzt sogar die Veröffentlichung offenbar illegal mitgeschnittener Gespräche prägten den Wahlkampf. Bis zuletzt war nicht klar, wer eigentlich warum den ganzen Prozess initiiert hat.
Staus und überfüllte Busse
Mehrere Busunternehmen fahren heute Sonderschichten, dennoch kam es im Umfeld zahlreicher Wahllokale offenbar zu chaotischen Verkehrsverhältnissen, da viele Wahlpflichtige mit dem Auto zur Stimmabgabe fuhren und ihr Fahrzeug mangels Parkplätzen im direkten Umfeld auf der Straße abstellten. Die Stimmabgabe endet offiziell um 16 Uhr (Ortszeit, 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Eine Ausdehnung ist nicht vorgesehen.
HINWEIS: Das Ergebnis des Referendums finden Sie -nach Auszählung der Stimmen- hier auf INFOAMAZONAS.
Transport- und Kommunikationsminister Carlos Paredes. Foto: Vidal Tarqui / ANDINA.
Der Bau der zweiten Start- und Landebahn des peruanischen Hauptstadtflughafens Jorge Chávez kann offenbar erst später beginnen, als ursprünglich geplant. Wie Transport- und Kommunikationsminister Carlos Paredes gestern im peruanischen Kongress erinräumte, liegt die Ursache für die Verzögerungen in fehlender Koordinierung beim Bau eines Tunnels unterhalb der Landebahn, den die Regionalregierung der Hafenstadt Callao plant. Dadurch konnten lediglich 97% der enteigneten Grundstücke zum 14. Februar 2013 für den Bau übergeben werden – nicht 100%, wie eigentlich im Konzessionsvertrag mit dem Lima Airport Partners (LAP)-Konsortium steht, zu dem auch das deutsche Unternehmen FRAPORT gehört. Nun sollen die Arbeiten 2015 oder 2016 beginnen und bis 2020 abgeschlossen sein. Unabhängig davon soll noch in diesem Jahr mit dem Bau eines zweiten Passagierterminals begonnen werden, das 2016 seinen Betrieb aufnehmen soll.
Der Jorge Chávez-Flughafen ist einer mit dem größten Passagieraufkommen der Region – das seit Jahren stetig anwächst. Allein im Februar wurden dort nach Angaben der Fraport AG 1,2 Millionen Passagiere abgefertigt.
Eine Woche vor dem Abwahlreferendum gegen Perus Hauptstadtbürgermeisterin Susana Villarán liegen deren Unterstützerinnen und Unterstützer in den Umfragen nur noch leicht zurück. Seit heute dürfen peruanische Medien allerdings keine Umfragen mehr veröffentlichen, eine Prognose über den Ausgang des Referendums ist deshalb schwierig. Gestern fand ein letztes Fernsehduell statt, in dem die beiden Lager für „Sí“ (Abwahl) und „No“ (keine Abwahl) ihre Positionen darstellen konnten. Über die Teilnehmerlisten gab es in den vergangenen Wochen heftige Debatte mit skurrilen Folgen. So nahm weder Bürgermeisterin Susana Villarán teil, noch der „offizielle“ Abwahl-Initiator Marco Tulio Gutiérrez teil – was aber bereits vorab bekannt war. Seltsam wurde es, als einzelne Unterstützer des „Si“-Lagers einfach nicht zur Debatte erschienen – und die Organisatoren der erschienenen „Si“-Sprecherin Patricia Juárez untersagten, deren Part einfach zu übernehmen. So debattierten die „No“-Anhänger die meiste Zeit mit sich selbst.
Die Hintergründe des Abwahlreferendums, sowie die verschiedenen Positionen finden Sie u.A. in den folgenden Beiträgen: