Schlagwort: Umweltministerium

  • Peru: Umweltverträglichkeit wird künftig vom Umweltministerium geprüft

    Umweltverträglichkeitsprüfungen führten in Peru bislang eine Reihe von Ministerien durch: Das Landwirtschaftsministerium, das Bergbau- und Energieministerium, in manchen Bereichen sogar das Produktionsministerium. Das ist nun vorbei, wenn Präsident Ollanta Humala in wenigen Tagen das Gesetz* unterzeichnet, das die Kongressabgeordneten gestern in Lima verabschiedeten: Es sieht die Gründung einer eigenen Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit vor, die dem Umweltministerium unterstehen soll.

    Abstimmungsergebnis: 66 dafür. Foto: MINAM.
    Abstimmungsergebnis: 66 dafür, keine Gegenstimme. Foto: MINAM.

    Immer wieder kam es in der jüngeren Vergangenheit in Peru zu Konflikten, insbesondere im Bergbausektor oder bei geplanten Wasserkraftwerken. Der Grund: Anwohnerinnen und Anwohner trauten den Umweltverträglichkeitsstudien nicht, die von Consulting-Unternehmen ausgearbeitet und meist von einem Ministerium geprüft wurden, dessen Aufgabe vor allem in der Förderung von Bergbau- und Energieprojekten liegt. Es kam vielerorts zu Großprotesten, bei den größten – denen um das in der Region Cajamarca geplante Kupfertagebauprojekt „Conga“ – wurden deshalb nachträglich ausländische Gutachter bestellt, um die Umweltverträglichkeit unabhängig zu prüfen.

    Neue Behörde soll Transparenz und Vertrauen schaffen

    Deshalb soll künftig der „Nationale Umweltzertifizierungsdienst“ (sp. Servicio Nacional de Certificación Ambiental para las Inversiones Sostenibles), kurz SENACE, die Prüfung der Umveltverträglichkeitsstudien übernehmen. Unterstellt sein wird die Behörde direkt dem Umweltministerium. Neben der Prüfung soll SENACE zudem ein Register führen, in dem alle Consulting-Unternehmen verzeichnet sind, die fähig sind, eine solche Studie zu erstellen. Der Hintergrund: Einige vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudien waren einfache Kopien anderer Dokumente, die lediglich mit kleinen Änderungen versehen waren. Auch das soll in Zukunft verhindert werden. Zudem soll mehr Transparenz geschaffen werden. So sind bislang die Studien nur schwer in den Tiefen der Internetseiten des Bergbau- und Energieministeriums zu finden, künftig sollen sie auf dem SENACE-Internetportal für jeden offen zugänglich sein.

    Hintertüren im Gesetzestext

    Allerdings hat der Gesetzgeber noch eine Hintertür eingebaut: So kann der Ministerrat in Lima per Dekret bestimmte Projekte von der Prüfung ausnehmen und diese einem anderen Ministerium übertragen. Das klingt zwar hypothetisch, ähnliches geschah aber in der Vergangenheit bereits mehrfach. So wurden Bergbauprojekte zu „nationalem Interesse“ erklärt – und konnten somit Gesetzeshürden wie das Verbot von Bergbau durch ausländische Unternehmen in Grenznähe umgehen. Und eine weitere Lücke findet sich im Text: „kleine“ Bergbauprojekte liegen im Zuständigkeitsbereich der Regionalregierungen – die entsprechenden Studien müssen deshalb nicht vom SENACE, sondern der zuständigen regionalen Stelle gefprüft werden.

    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.
    Setzte sich durch: Umweltminister Pulgar Vidal. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.

    Machtkampf in der Regierung

    Für den Präsidenten der Kongresskommission für Umwelt und Ökologie Víctor Grandez ist das verabschiedete Gesetz dennoch ein großer Fortschritt. Endlich liege die Letztentscheidung und Kontrolle über die Umweltverträglichkeit bei der höchsten nationalen Umweltbehörde, so Grandez. Eingebracht worden war das Gesetz von der peruanischen Regierung, in der es zuvor selbst Streit über die Neuverteilung der Umweltkompetenzen gegeben hatte. Insbesondere das Bergbau- und Energieministerium, sowie das Landwirtschaftsministerium hatten sich gewehrt. Dennoch hatte sich Umweltminister Manuel Pulgar Vidal mit seinen Vorschlägen weitgehend durchgesetzt.

    Bergbau-Lobbyverband uneinig – und ein bisschen dagegen

    Insgesamt 64 Abgeordnete stimmten für das Gesetz, acht enthielten sich – Gegenstimmen gab es nicht. Das war erstaunlich, hatte der Bergbau-Unternehmerverband SNMPE doch kurz zuvor noch einmal seine Lobby-Maschine angeworfen. Zunächst hatte es offenbar keine Einigkeit zwischen den SNMPE-Mitgliedern gegeben, vorletzte Woche war dann Verbandspräsident  Pedro Martínez vorgeprescht und hatte gefordert, SENACE beim Präsidenten des Ministerrates anzusiedeln. Ansonsten bestehe die Möglichkeit von Interessenkonflikten, wenn das Umweltministerium die Regeln mache, aber gleichzeitig auch kontrolliere, so Martínez. Daneben kritisierte die SNMPE, die Zentralisierung der Umweltverträglichkeitsprüfung in einer Behörde könne den Bearbeitungsprozess noch weiter in die Länge ziehen. Diese Gefahr sahen die Abgeordneten offenbar nicht. Vielmehr sah Verónika Mendoza, die vor wenigen Monaten noch der Regierungsfraktion angehörte, es umgekehrt: Die Gründung von SENACE sei ein wichtiger Schritt zur Auflösung von Interessenkonflikten in den entsprechenden Fachbereichen, so Mendoza Frisch.

    Regierung verspricht neues Verhältnis zum Bergbau

    Das Verhältnis zwischen Staat, Anwohnern, Umwelt und Bergbau ist -freiwillig oder unfreiwillig- eines der Hauptthemen der derzeitigen peruanischen Regierung, seit die Konflikte um „Conga“ und ein Bergbauprojekt in der Provinz Espinar, sowie die Problematik des informellen Bergbaus international Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wurden erst vor wenigen Tagen die Höchststrafen für Bergbauunternehmen, die sich nicht an Umweltauflagen halten, drastisch erhöht.

    *Ley 1461

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".

    Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Dossiers „Wasserkonflikte in Peru„, sowie „Bergbaukonflikte“.

  • Peru: Zehnjähriges Gentechnik-Moratorium in Kraft

    Peruanische Maiskolben. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Vermutlich Gentechnikfrei: peruanische Maiskolben. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Mit der Verabschiedung des Reglements durch den Ministerrat ist seit vergangener Woche das vom peruanischen Kongress beschlossene 10jährige Einfuhr- und Herstellungs-Moratorium für genetisch modifizierte Organismen in Kraft getreten. Das Reglement, von Umweltschützern seit langem gefordert, sieht Kontrollen und Strafen vor, letztere bis zu einer Höhe von 10.000 UIT-Steuereinheiten (derzeit etwa 36,5 Millionen Nuevos Soles, rund 11 Millionen Euro). Zudem lege es erstmals spezifische Zuständigkeiten für die Kontrolle fest, so Umweltminister Manuel Pulgar Vidal.

    Demnach sind künftig vor allem das Umwelt-, sowie das Landwirtschaftsministerium zuständig, aber auch der Zoll und das Außenhandels- und Tourismusministerium, so der Minister. Agrarverbände wie Conveagro und der Unternehmerverband CONFIEP, sowie Vertreter von Umweltschutzverbänden sollen bei der Implementierung der Kontrollen unterstützen. Neben Kontrollen und dem vorübergehenden Einfuhrverbot setzt das Umweltministerium vor allem auf Bildung und Wertschätzung des vorhandenen Artenreichtums: Es sei wichtig, die technischen Grundlagen zu erwerben, die heimische Biodiversität zu untersuchen und zu schützen, so Pulgar Vidal.

    Moratorium stand auf der Kippe

    Zuletzt hatte es ausgesehen, als ob das geplante Moratorium scheitern würde, der damalige Präsident Alan García Pérez verweigerte Mitte 2011 seine Unterschrift. Der Kongress beharrte allerdings darauf und beschloss vor rund einem Jahr das 10jährige Moratorium.

  • „Güeppí-Sekime“, „Huimeki“ und „Airo Pai“ (Loreto): Neue Schutzgebiete in Perus Nordosten

    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.
    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.

    Mit dem Nationalpark Güeppí-Sekime und den kommunalen Schutzgebieten Huimeki und Airo Pai (Distrikte Putumayo, Teniente Manuel Clavero und Torres Causana / Provinz Maynas) hat das peruanische Umweltministerium in der nordöstlichen Regenwaldregion Loreto drei neue Schutzzonen errichtet. Die Entscheidung der Regierung sei eine „gute Nachricht für den Umweltschutz und die Biodiversität“, so Umweltminister Pulgar-Vidal gestern.

    Ziel des Güeppí-Sekime-Nationalparks ist vor allem der Schutz der Vielfalt an Landschaften und Ökosystemen an den Flussläufen des Napo, Japurá und Negro. Ähnliches wird auch mit dem kommunalen Schutzgebiet Airo Pai angestrebt, das zudem mehrere spirituell und kulturell wichtige Orte der Secoyas, einer indigenen Gruppierung im Grenzgebiet von Peru, Ecuador und Kolumbien, enthält.

    Erste Nationalparksgründung seit Gründung des Umweltministeriums

    Zusammen umfassen die drei Schutzgebiete eine Fläche von rund 592.750 Hektar und wurden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Umweltbehörden Kolumbiens und Ecuadors konzipiert. Es handelt es sich um die erste Ausweisung eines Nationalparks seit der Gründung des Umweltministeriums vor 4 Jahren.

     

  • Molinopampa / Amazonas: Palmenwald von San José und Ocol (Molinopampa) wird Schutzgebiet

    Bosque de Palmeras. Foto: SERNANP.
    Bosque de Palmeras. Foto: SERNANP.

    Die nordperuanische Region Amazonas ist einer der Vorreiter, wenn es um die Ausweisung privater Schutzgebiete geht. Mit dem „Bosque de Palmeras“ (dt. Palmenwald) hat das peruanische Umweltministerium vor wenigen Tagen im Distrikt Molinopampa (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) bereits das neunte private Schutzgebiet der Region ausgewiesen. Es handelt sich dabei um ein Areal von 10.920,84 Hektar, das zum Dörfchen Taulia gehört und vor allem mit Exemplaren der zur Gattung Ceroxylon gehörenden Palmen bewaldet ist. Diese Palmengattung ist insbesondere in den Anden beheimatet. Durch die Erhebung des Waldes nahe Ocol, Tingo, Pumahermana und San José zum Schutzgebiet soll eine weitere Abholzung und die Umwidmung zu Agrarflächen eingeschränkt werden. Das war nötig, da bereits die Hälfte des Palmenwaldes gerodet worden war.

    Der Entscheidung des Umweltministeriums vorangegangen war ein langwieriges Antragsverfahren, das neben den angrenzenden Ortschaften auch vom peruanischen Amazonas-Forschungsinstitut IIAP unterstützt worden war. Mehrere Forscher des IIAP (Instituto de Investigación de la Amazonía Peruana) hatten zuvor rund ein dutzend Pflanzen- und Tierarten identifiziert, die nur im nun geschaffenen Schutzgebiet zu finden sind.

    Der Palmenwald, für dessen Besuch in Chachapoyas (Hauptstadt der Region Amazonas) bereits erste Reiseanbieter werben, liegt zwischen 2.500 und 2.700 Metern über dem Meeresspiegel im Distrikt Molinopampa, rund 40 Kilometer östlich von Chachapoyas. Verwaltet werden wird er von der Bauernschaft Taulia, die damit die Verantwortung übernahm, das Schutzgebiet nachhaltig zu bewirtschaften, die Schutzgebiet-Behörde SERNANP (Servicio Nacional de Áreas Naturales Protegidas por el Estado) bei ihrer Arbeit zu unterstützen, sowie eine Umwidmung des Areals zu verhindern. In 40 Jahren wird dann erneut über die Vergabe der Schutzgebiets-Verwaltung entschieden.

    Inzwischen gibt es fast 150 Schutzgebiete in Peru, davon rund 50 private, von denen wiederum 9 in der Region Amazonas liegen. Das älteste in Amazonas ist das 2006 anerkannte „ACP Huiquilla“ (ACP – Área de Conservación Privada) Und es scheint sich auch finanziell zu lohnen: Im Jahr 2011 verzeichnete SERNANP in den peruanischen Schutzgebieten 1.035.310 Besucherinnen und Besucher.

  • Leider zu spät: Perus Regierung beschließt, gegen Umweltschäden in Espinar vorzugehen

    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.
    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.

    Eineinhalb Wochen nach den Großprotesten gegen das Bergbauprojekt Tintaya in der südperuanischen Region Cusco hat heute die peruanische Regierung einen Plan beschlossen, in dessen Rahmen Gesundsheits- und Umweltrisiken durch Bergbauaktivitäten identifiziert und behoben werden sollen. Damit reagiert die Regierung nun – mit zwei Wochen Verspätung – auf eine der Forderungen der Anwohner. Wäre der Plan bereits zu diesem Zeitpunkt gestartet worden, wäre es möglicherweise nicht zu den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen, die zwei Menschen das Leben kosteten.

    Wie Umweltminister Manuel Pulgar Vidal nach der Kabinettssitzung am heutigen Vormittag in einer Pressekonferenz erklärte, werde man den entsprechenden Plan gemeinsam mit den Bürgermeistern der Provinz Espinar ausarbeiten. Ob das auch Provinzbürgermeister Óscar Mollohuanca einschließen wird, ließ Pulgar Vidal offen. Mollohuanca wurde nach den Protesten von der Polizei verhaftet und sitzt noch immer in Untersuchungshaft.

    Zunächst sollen detaillierte Untersuchungen in Auftrag gegeben werden, die Aufschluss über die Ursache der bereits mehrfach festgestellten Gewässerverschmutzungen geben soll. Umweltschützer und Anwohner führen diese vor allem auf das Tintaya-Projekt zurück, das Betreiberunternehmen Xstrata verweist dagegen auf die Einhaltung von Umweltstandards und regelmäßige Untersuchungen. Es macht zudem vorherige Bergbauprojekte und den in der Region aktiven illegalen Bergbau für die Verschmutzung verantwortlich. Neben der Wasserqualität soll auch die Boden-, Grundwasser- und Luftqualität untersucht werden.

    httpv://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=vr8yjYKrAm4

  • Cajamarca: 6. Streiktag gegen Bergbauprojekt „Conga“

    Große Teile der Region Cajamarca befinden sich weiter im Streik gegen das von Yanacocha (Newmont etc.) geplante Bergbauprojekt „Conga“. Während diverse Akteure – darunter die Volksanwaltschaft – bislang erfolglos versuchen zu vermitteln, hat der Flughafen von Cajamarca seinen Betrieb vorrübergehend eingestellt. Regelmäßig kommt es zu Protestaktionen vor Yanacocha-Einrichtungen oder im Umfeld der Bergseen, die für das „Conga“-Projekt weichen müssten. Neuen Wind und möglicherweise erste Ansätze für eine Lösung des Konfliktes brachte vor wenigen Tagen Umweltminister Giesecke. Ein Papier seines Hauses bescheinigt der Umweltverträglichkeitsprüfung zahlreiche Mängel. Diese wurde allerdings bereits unter der Vorgängerregierung abgenickt. Für das Bergbauprojekt müssen vier Bergseen verlegt und durch künstliche Resservoirs ersetzt werden – unter zwei soll nach Gold gegraben werden, die anderen beiden sollen als Schlackebecken dienen. Bewohner der Ortschaften unterhalb des „Conga“-Gebietes fürchten eine Abnahme der Wassermenge und Wasserverschmutzung.

    Während Präsient Humala zu weiterem Dialog aufruft, der statt „Gold oder Wasser“ „Gold und Wasser“ ermöglichen soll, glauben dem Versprechen, dass Bergbau ohne Verschmutzung des Wassers funktionieren kann, nur wenige. In der peruanischen Hauptstadtpresse werden die Demonstranten häufig als „manipuliert“, „fehlinformiert“ oder „Extremisten“ bezeichnet. In einigen Fällen mag das sogar zutreffen, das Mißtrauen gegenüber Bergbauaktivitäten insgesamt wird aber aus traurigen Erfahrungen gespeißt. Denn nicht erst seit Yanacocha kam es wiederholt zu Boden- und Wasserverschmutzung. Schon als Peru noch spanische Kolonie wurde vielerorts Bergbau betrieben. Oftmals wurden (und werden) nach dem Ende der Bergbauaktivitäten keinerlei Anstrengungen unternommen, den Umwelt-Schaden zumindest ansatzweise zu bereinigen. Erst seit wenigen Jahren müssen Bergbauunternehmen dafür aufkommen. Und die Studie des Umweltministeriums sieht auch hier Versäumnisse in der Umweltverträglichkeitsprüfung für „Conga“. Die vorgesehenen Mittel seien viel zu niedrig angesetzt.

    Mit einer schnellen Lösung ist wohl nicht zu rechnen. Mit dem Rückzug von Vizeumweltminister José de Echave forderte der Konflikt sein erstes politisches Opfer.

  • Perus Umweltministerium plant Dezentralisierung und sagt Müllkippen den Kampf an

    Ricardo Giesecke, Perus Umweltminister. Foto: MINAM.
    Ricardo Giesecke, Perus Umweltminister. Foto: MINAM.

    In seiner Erklärung zur Haushaltsdebatte für das Jahr 2012 hat der peruanische Umweltminister Ricardo Giesecke vor dem peruanischen Parlament angekündigt, mehrere regionale Umweltbehörden einzurichten und den Kampf gegen inadequate Müllkippen aufzunehmen. Dafür sollen die Mittel des Ministeriums um 0,7% im Vergleich zum Haushaltsjahr 2011 auf 222 Millionen Nuevos Soles erhöht werden.

    Mit der Errichtung von Umweltbehörden in San Martín, Cusco, Junín, Puno, Madre de Dios, Piura sowie zwei weiteren Regionen bricht Giesecke mit der Politik seines Vorgängers Antonio Brack Egg, der den Ansatz verfolgte, direkt von Lima aus mit den verschiedenen Regionalregierungen zusammen zu arbeiten. Die regionalen Umweltbehörden, abgekürzt AAR (Autoridades Ambientales Regionales), sollen in Zukunft vor Ort Umweltverträglichkeitsprüfungen evaluieren, Probleme der Müllentsorgung angehen, sowie die Ausweisung neuer Schutzgebiete initiieren und unterstützen.

    Weniger als 10% aller Stadtverwaltungen mit geregelter Abfallentsorgung

    In seiner Rede vor den Kongressabgeordneten kündigte Umweltminister Giesecke auch eine Initiative zur Lösung des Müll-Problems an. Derzeit verfügen nach Angaben seines Ministeriums weniger als 10% aller Provinz- und Stadtverwaltungen über ein funktionierendes System zur Abfalltrennung und Deponierung. Deshalb sollen in den kommenden Wochen Mitarbeiter des Ministeriums in 96 peruanische Provinzhauptstädte reisen, um eine Bestandsaufnahme des Problems zu machen und Lösungen vorzuschlagen.

    Das Umweltministerium schätzt, dass die peruanischen Haushalte pro Tag 23 Tonnen Müll produzieren – von denen nur rund 30% auf zugelassenen Mülldeponien entsorgt werden. Auch diese Zahlen sollen von den Ministeriumsgesandten geprüft werden. Bis 2021 soll dann aller Müll recycelt oder auf zugelassenen Deponien entsorgt werden.

     

  • Peruanische Regierung knickt vor Gentechnik-Lobby ein

    Die peruanische Regierung hat einem Beschluss des peruanischen Parlaments die Unterschrift verweigert, der ein 10jähriges Einfuhrmoratorium für genetisch modifizierte lebende Organismen (OVM) vorsah. Damit tritt das Moratorium vorerst nicht in Kraft und wird erneut den Kongressabgeordneten vorgelegt. Landwirtschaftsminister Jorge Villasante erklärte, ein 5jähriges Moratorium reiche vollkommen aus, um ein System zur Kontrolle der gentechnisch veränderten Organismen aufzubauen. Zudem verhindere das Moratorium die Einfuhr von Impfstoffen auf Basis von OVM und werde dem Handel mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Uruguay und Argentinien, sowie den CAN-Staaten Bolivien und Kolumbien schaden.

    Am 7. Juni hatte der peruanische Kongress beschlossen, den Import genetisch veränderter Organismen für Anbau und Züchtung für die kommenden 10 Jahre zu untersagen. Während dieser Zeit sollten neue Erkenntnisse gewonnen werden, ob OVM die peruanische Biodiversität beeinträchtigen. Im peruanischen Ministerkabinett gewann offenbar mit der nun erfolgten Entscheidung Landwirtschaftsminister Oberhand gegenüber Umweltminister Antonio Brack, der sich wiederholt für ein „Gentechnikfreies Peru“ ausgesprochen hatte. In der Landwirtschaftskommission des Kongresses hatte Brack betont, Peru sei technisch nicht in der Lage, Gentechnik zu kontrollieren. Unterstützt wurde er dabei von zahlreichen Gentechnik-Gegnern, darunter die Gastronomievereinigung Apega, zahlreiche Landwirtschaftsverbände, sowie das Forum „Peru frei von Gentechnik“.

    Der peruanische Kongress könnte nun auf dem 10jährigen Moratorium beharren, damit würde es auch ohne Unterschrift des Präsidenten in Kraft treten. Wahrscheinlich ist das nicht, da sich die Regierungspartei APRA, die im Moment auch den Kongresspräsidenten stellt, von Beginn an für ein kürzeres Moratorium ausgesprochen hatte und deshalb wohl versuchen wird, die Entscheidung weiter hinauszuzögern. Dann würde sich – wenn überhaupt – erst der neu zusammentretende Kongress nach dem 28. Juli wieder des Themas annehmen.

    Kürzlich war bekannt geworden, dass einer der Berater des Landwirtschaftsministers in Fragen der Gentechnik, Alexander Grobman Tversqui, gleichzeitig über die NGO PeruBiotec Lobbyarbeit für die Gentechnik-Industrie betreibt. Das Ministerium trennte sich inzwischen von dem Berater.

  • Perus Umweltminister Brack sieht Olmos- und Alto Piura-Wasserprojekte in Gefahr

    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA

    Der peruanische Umweltminister Antonio Brack Egg hat bei einem Besuch in der nordperuanischen Stadt Piura davor gewarnt, dass das Wasser des Huancabamba-Flusses für die Projekte Olmos und Alto Piura nicht ausreichen könnte. Das berichtet die Tageszeitung „La República“. Beide Projekte sehen vor, Wasser des Huancabambaflusses von der dem Atlantik zugewandten Ostseite des Andengebirges durch gigantische Tunnel unter den Bergen hindurch zur Bewässerung von Wüstengebieten an der peruanischen Küste westlich der Anden zu leiten. Die Wassermenge gehe zurück und werde weiter zurückgehen, so Brack, da die Quellregion weitgehend entwaldet sei und weiter entwalded werde. Deshalb müsse man eine „aggresive Wiederaufforstung“ betreiben oder einen weiteren Tunnel von San Ignacio (Region Cajamarca) aus dem Schutzgebiet Namballe graben.

    Während das Olmos-Projekt bereits weit fortgeschritten ist, steht das „Alto Piura“-Projekt noch in der Planungsphase.

  • Peru: Umweltministerium veröffentlicht Karte der Maisarten

    Maiskarte. Bild: MINAM.
    Maiskarte. Bild: MINAM.

    Das peruanische Umweltministerium (MINAM) hat eine Karte veröffentlicht, auf der die zahlreichen peruanischen Maissorten, sowie ihr Verbreitungsgebiet verzeichnet sind. Mit mehr als 50 verschiedenen Sorten verfügt Peru über die größte Maisartenvielfalt weltweit. Am weitesten verbreitet ist die Sorte „Cusco Riesenmais“, die in 22 der 25 Regionen Perus angebaut wird. Mais ist für auch ein wichtiges Exportprodukt. Nach Daten der Agraruniversität La Molina wurde allein im Jahr 2009 Cusco-Riesenmais im Wert von fast 10 Millionen US-$ exportiert. Die verschiedenen Maissorten unterscheiden sich nicht nur in der Größe und Bissfestigkeit, sondern auch in der Farbe. Berühmt ist insbesondere der „Maíz Morado“, dessen Lilafarbene Frucht nicht nur der Chicha Morada und der Mazamorra Morada Farbe, Geschmack und Konsistenz verleiht, sondern auch in großem Stil als Lebensmittelfarbstoff nach Japan exportiert wird.