Bei einem Großteil der aktiven sozialen Konflikte in Peru geht es um Nutzung und Verschmutzung von Wasser. In manchem Fällen ist das Wasser eher der Eskalationspunkt, während hinter dem Konflikt noch ganz andere stehen. Dennoch ist die Frage nach der Verteilung des Wassers für die Zukunft Perus eine ganz zentrale, lebt doch ein Großteil der Bevölkerung an der süßwasserarmen Küste. Der Klimawandel, das Abschmelzen der Andengletscher und die in vielen Regionen weiter fortschreitende Entwaldung machen das Thema noch brisanter.
Ansätze, dem Problem zu begegnen, gibt es viele: Die Umleitung von Flüssen aus dem Amazonasbecken zur Bewässerung von Wüstenregionen an der Pazifikküste wird mit dem Olmos-Tinajones-Projekt schon bald Wirklichkeit sein. Umweltschützer fordern das Verbot von Bergbauaktivitäten in Quellregionen, während peruanische Geologen darauf verweisen, dass durch Bergbau mit Grundwassermanagement die Regulierung der Wassernutzung überhaupt erst möglich gemacht wird.
Diese und andere Konflikte und Lösungsansätze werden in den folgenden, unregelmäßig erschienenen Beiträgen thematisiert.
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Peru: Regierung schnürt Gesetzespaket gegen illegalen Bergbau
Eine Reihe von Gesetzen zur effektiveren Bekämpfung des illegalen Bergbaus bereitet derzeit die peruanische Regierung vor. Insbesondere das Umwelt-, Arbeits- und Innenministerium planen, den Rechtsrahmen zu erneuern und so den Kampf gegen die Verschmutzung von Flüssen, den Transport illegaler Chemikalien, sowie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu erleichtern. Rund um den illegalen Bergbau hat sich in Peru eine Schattenwirtschaft entwickelt, die nach Ansicht der peruanischen Regierung pro Jahr rund eine Milliarde US-$ umsetzt, dabei aber weder Steuern abführt, noch Arbeits- oder Umweltrecht beachtet. Im vergangenen Dezember hatte der peruanische Kongress der Regierung bis Ende April das Recht eingeräumt, an den Parlamentariern vorbei Gesetze zu erlassen, um den Rechtsrahmen entsprechend anzupassen. Im Umweltbereich ist geplant, die stockenden Raumordnungsverfahren fortzuführen, um beispielswese Gebiete ausweisen zu können, in denen Bergbau generell verboten wird. Zudem werden Wiederaufforstungsprojekte für vom illegalen Bergbau zerstörte Wälder geplant. Das Innenministerium arbeitet derweil an einer Reihe von Vorschriften, die Beschlagnahme und Zerstörung von Geräten und Chemikalien ermöglichen sollen, die für den illegalen Bergbau genutzt werden. Das beinhaltet beispielsweise die Zerstörung von Schwimmbaggern und Goldwaschanlagen. Mehrere Großoffensiven zur Zerstörung solcher Anlagen mussten in den vergangenen Monaten wiederholt gestoppt werden, weil die Rechtsgrundlage nicht immer klar war. Zudem soll die Polizei künftig bei Umweltdelikten [...]
Durchbruch am Olmos-Tunnel
Im Beisein des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala haben die Arbeiter des Olmos-Tinajones-Bewässerungsprojektes kurz vor Weihnachten das letzte fehlende Stück Andengebirge durchbrochen und so den Weg für das Wasser frei gemacht, das schon bald große Wüstenflächen der nordwestperuanischen Region Lambayeque urbar machen soll. Wenn der Tunnel von fast 20 Kilometern Länge ausgebaut ist, soll er einen Teil des Wassers des Huancabamba-Flusses von der dem Amazonasbecken zugewandten Anden-Ostseite unter dem Gebirge hindurchleiten und damit Landwirtschaft im großen Stil ermöglichen, vor allem für Agrarexporte. Auf beiden Seiten des Tunnels warteten gespannt Mitarbeiter des Olmos-Tinajones-Projekts gemeinsam mit zahlreichen Regionalpolitikern. Dem Regionalpräsidenten von Lambayeque, Humberto Acuña, wurde symbolisch ein Gefäß mit Wasser aus dem Huancabamba-Fluss überreicht. Die Planungen für das Projekt begannen bereits vor rund 80 Jahren, inzwischen wurde mit “Alto Piura” bereits ein zweites, ähnliches Tunnelprojekt begonnen. Neben dem Tunnel wurde ein gigantischer Staudamm errichtet, der für einen gleichmäßigen Wasserzufluss sorgen soll. Die Bewässerungsanlagen in der Küstenregion sind derweil noch im Aufbau. Nach Ansicht der Regionalregierung bedeutet das Projekt für die Region Lambayeque einen “großen Sprung nach vorn”. Es wird die Entstehung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen erwartet. Während das Olmos-Tinajones-Projekt in Lambayeque grundsätzlich positiv gesehen wird, regt sich Kritik an der Vergabe der [...]
Trotz vorläufigem Stopp: Proteste gegen Bergbauprojekt “Conga” gehen weiter
Die Protestaktionen gegen das Bergbauprojekt Conga gehen in der Provinz Celendín (Region Cajamarca) auch nach der Ankündigung des Unternehmens Yanacocha, das Projekt vorläufig auf Eis zu legen, weiter. Der vorläufige Stopp habe an der Situation “nichts geändert, so Wilfredo Saavedra, einer der Anführer der Proteste, gegenüber dem Nachrichtensender RPP. Die Demonstranten fordern, dem “Conga”-Projekt, in dessen Rahmen Gold gefördert werden soll, endgültig die Genehmigung zu entziehen. Sie fürchten irreversible Beeinträchtigungen für die Umwelt, insbesondere Wasserverminderung und -verschmutzung. Seit nun 7 Tagen kommt es in verschiedenen Teilen der Region Cajamarca zu Protesten. Mehrere Straßen sind blockiert. Nicht nur der Personen-, auch der Nahrungsmitteltransport wird dadurch erschwert, lokale Medien sprechen bereits von steigenden Preisen und leeren Regalen. Der Flughafen stellte vorrübergehend seinen normalen Flugbetrieb ein, lediglich eine Reihe von Flugzeugen der Luftwaffe konnten starten und landen, in denen sowohl militärisches Personal, als auch Zivilisten mit dringenden Reisegründen transportiert wurde. Auch die peruanische Bischofskonferenz forderte die Demonstranten auf, ihre Proteste beizulegen. Alle Möglichkeiten, einen gerechten, ausgeglichen, konstruktiven und tolleranten Dialog in einer Kultur des Friedens zu ermöglichen müssten ausgeschöpft werden, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Mons. Miguel Cabrejos Vidarte. Zudem forderte er Bevölkerung und Sicherheitskräfte auf, auf Gewalt zu verzichten.
Peru: höhere Wasserpreise für Stadt- und Provinzverwaltungen angekündigt
Die peruanische Trinkwasseraufsichtsbehörde SUNASS plant, Distrikt- und Provinzverwaltungen die Subventionen zur Trinkwassernutzung von zu kürzen. Das würde einen starken Anstieg der Wasserpreise für diese Stellen nach sich ziehen. Grund der SUNASS-Pläne ist der großflächige Einsatz von Trinkwasser zur Bewässerung von öffentlichen Grünanlagen, insbesondere in Wüstenregionen der peruanischen Küste. Nach Informationen der Behörde setzen derzeit trotz chronischem Wassermangel alle Distrikt- und Provinzverwaltungen der peruanischen Hauptstadt Lima Trinkwasser zur Bewässerung ein, obwohl dies auch mit geklärten Abwässern möglich wäre. Das Problem liegt dabei allerdings nicht nur darin, dass die Stadtgärtner keine geklärten Abwässer einsetzen möchten, sondern vor allem in einem Mangel an Kläranlagen. Große Teile der limenischen Abwässer fließen ungeklärt in den Pazifik. Mit der Androhung höherer Wasserpreise möchte SUNASS deshalb auch Druck auf die örtlichen Politiker aufbauen, mehr Klärwerke zu bauen. Daneben fordert SUNASS, auf effizientere Bewässerungsmethoden umzusteigen. Kritik aus San Isidro und Pueblo Libre In einer ersten Stellungnahme kritisierten die Bürgermeister von San Isidro und Pueblo Libre den Plan. So sieht Magdalena de Monzarz Stier, seit wenigen Tagen Bürgermeisterin des Geschäftsviertels San Isidro, die Anstrengungen ihrer Distriktverwaltung nicht ausreichend gewürdigt, die bereits geklärte Abwässer zur Bewässerung ihrer Grünanlagen einsetzt. Der Bürgermeister von Pueblo Libre, Rafael Santos Normand, erklärte, er erwarte [...]
Loreto protestiert gegen Olmos-Projekt
Wenige Tage vor dem Ablauf seiner Amtszeit hat der ehemalige peruanische Präsident Alan García Ende Juli noch per Dekret das Olmos-Tinajones-Projekt, durch das Wasser von der Ostseite der Anden die Andenwestseite Urbar machen soll, zu einem Staatsziel erklärt und damit in der Region Loreto eine Protestlawine losgetreten. In seltener Einigkeit wehren sich Regionalregierung, Kirchen, Uweltaktivisten und Kongressabgeordnete gegen den von ihnen befürchteten Eingriff in das “ökologische Gleichgewicht”. Regionalpräsident Iván Vásquez Valera fordert in einer Stellungnahme, das Dekret sofort zurück zu nehmen. Es gefährte das tropische Ökosystem und damit auch die Wirtschaft nicht nur Loretos, sondern aller [amazonischen] Regenwaldregionen, so Vásquez Valera. Gleichzeitig rufen zahlreiche Umweltgruppen für den 19. August zu einer Demonstration auf, um gegen das Dekret der García-Regierung, sowie gegen das Olmos-Projekt überhaupt zu protestieren. Das Olmos-Tinajones-Projekt besteht aus einem Staudaum (“el Limón”), der den Huancabamba-Fluss aufstaut, um einen Teil des Wassers durch einen Tunnel (“trasvase”) in die dem Pazifik zugewandte nordperuanische Wüstenregion zu leiten und dort landwirtschaftliche Großprojekte zu initiieren. Noch etwas weiter nördlich, in der Region Piura, ist ein ähnliches Projekt geplant. Während der Regierungszeit von Alan García kam es häufig zu sozialen Konflikten mit zahlreichen Toten, da wichtige wirtschafts- und sozialpolitische Entscheidungen ohne breite Diskussion und [...]
Perus Umweltminister Brack sieht Olmos- und Alto Piura-Wasserprojekte in Gefahr
Der peruanische Umweltminister Antonio Brack Egg hat bei einem Besuch in der nordperuanischen Stadt Piura davor gewarnt, dass das Wasser des Huancabamba-Flusses für die Projekte Olmos und Alto Piura nicht ausreichen könnte. Das berichtet die Tageszeitung “La República”. Beide Projekte sehen vor, Wasser des Huancabambaflusses von der dem Atlantik zugewandten Ostseite des Andengebirges durch gigantische Tunnel unter den Bergen hindurch zur Bewässerung von Wüstengebieten an der peruanischen Küste westlich der Anden zu leiten. Die Wassermenge gehe zurück und werde weiter zurückgehen, so Brack, da die Quellregion weitgehend entwaldet sei und weiter entwalded werde. Deshalb müsse man eine “aggresive Wiederaufforstung” betreiben oder einen weiteren Tunnel von San Ignacio (Region Cajamarca) aus dem Schutzgebiet Namballe graben. Während das Olmos-Projekt bereits weit fortgeschritten ist, steht das “Alto Piura”-Projekt noch in der Planungsphase.
Proteste gegen Wasserkraftwerk Inambari (Serie Wasser-Konflikte II)
Peru hat mit riesigen Flüssen mit hohem Gefälle, hohen Bergen und tiefen Tälern zweifelsohne ein unglaubliches Potenzial zur Stromerzeugung durch Wasserkraft. Die Projekte, die Tag für Tag durch peruanische Medien geistern, haben wahrhaft gigantische Ausmaße. 2.200 Megawatt Leistung pro Jahr soll beispielsweise das Wasserkraftwerk Inambari erbringen, vier Milliarden US-$ soll es nach Angaben des peruanischen Energie- und Bergbauministeriums MINEM kosten. Dafür müsste in Cusco, Puno und Madre de Dios der Inambari-Fluss aufgestaut werden. 221.000 Hektar Land würden im entstehenden Stausee verschwinden, wie Egasur, ein Konsortium diverser brasilianischer Unternehmen und derzeit im Besitz einer Lizenz für Studien rund um das Projekt, bekannt gab. Von den vier Milliarden US-$ sollen 200 Millionen für die Wahrung der “Umweltverträglichkeit” bereit stehen, so Egasur. Die “Umweltverträglichkeit” schließt auch die Entschädigung für diejenigen ein, die umgesiedelt werden. Das Inambari-Projekt ist eines von fünf, deren Realisierung die peruanische gemeinsam mit der brasilianischen Regierung vorantreibt. In den betroffenen Regionen regt sich allerdings Protest: Bewohner des Inambari-Tals wollen sich nicht damit abfinden, ihre Heimat verlassen zu müssen. Umweltschützer warnen davor, angeblich unberührte Waldflächen dem Stausee zu opfern. Auch die peruanische Ingenieurskammer (Colegio de Ingenieros) kritisiert die derzeitige Planung. Allerdings stellen die Ingenieure nicht das Projekt selbst oder gar die [...]


