Die Region Amazonas liegt im Norden Perus. Zur Kolonialzeit und in der jungen Republik Peru war die Region – insbesondere die Hauptstadt Chachapoyas – Ausgangspunkt für Entdeckungs-, Missions- und Handelsreisen in das Amazonasbecken.
Heute ist Amazonas nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, der Perus Küste über die Anden mit den Regenwaldregionen Loreto, Huánuco und San Martín verbindet, sondern auch ein Reiseziel, das mit dem Ruinenkomplex Kuelap und „Gocta“, dem dritthöchsten Wasserfall der Welt, fernab der etablierten Tourismusrouten mit seinem Regenwald im Norden und den Hochanden im Süden einiges zu bieten hat.
Nach 13 Tagen in über 400 Metern unter der Erdoberfläche wurde der 47jährige spanische Höhlenforscher Cecilio López Tercero soeben aus der Inti Machay-Höhle südlich der Ortschaft Leymebamba (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) gerettet. Er liegt derzeit in einem Zelt nahe des Höhleneingangs, wo die Rettungskräfte auf besseres Wetter warten, damit López Tercero mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden kann. Seine ersten Worten außerhalb der Höhle waren „Hallo aus der Tiefe der Erde: Zuerst möchte ich meine Mama beruhigen“. Unter den insgesamt rund 140 Personen, die an der Rettungsaktion beteiligt waren, brach Jubel aus.
Inti Machay-Höhle bei Leymebamba. Bild: EspeloeKandil / GEODA
Das gab es so noch nie. „Das Risiko, das organisierte Verbrechen – Drogenschmuggel, Mordanschläge, Erpressung – könnte den genannten politischen Prozess durchdringen, macht uns Sorgen“, schreiben die peruanische Wahlbehörde ONPE und das Wahltribunal JNE in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Vielerorts sei es in den letzten Jahren zu politischen Gewalttaten, Drohungen und Hetze gekommen, die nicht nur das Leben, die Gesundheit, die körperliche Integrität von Amtsträgern, politischen Aktivisten und Meinungsführern beeinträchtigt hätten, sondern auch deren Freiheit und Grundrechte, heißt es in dem Schreiben weiter.
Nicht nur, dass es sich in mehreren Regionen Personen mit äußerst zweifelhaftem Ruf um politische Ämter bewerben. Insbesondere aus den Regionen Ancash und Túmbes wird in den vergangenen Wochen intensiv über brutale Methoden der Amtsinhaber berichtet. Sowohl in Ancash, als auch in der Region Amazonas gab es im Vorfeld der Wahlen am kommenden 5. Oktober eine Reihe von politisch motivierten Morden.
Starke Regenfälle haben in den vergangenen Tagen im Distrikt Balsas (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) den Jahuay-Bach über die Ufer treten lassen und damit mehrere Erdrutsche ausgelöst, durch die große Teile der Ortschaft Chacanto, sowie einige Straßenabschnitte zerstört wurden. Wie der Zivilschutz Amazonas berichtet, wurden vier Häuser vollständig zerstört, 20 weitere sind so schwer beschädigt, dass sie im besten Fall unter großem Aufwand wiederhergerichtet werden können. Auch der Polizeiposten nahe der am Marañón gelegenen Chacanto-Brücke wurde beschädigt. Da auch mehrere Abschnitte der Straße Chachapoyas – Leymebamba – Balsas weggeschwemmt wurden, ist eine Versorgung der Ortschaften am Ufer des Marañón derzeit nur von Cajamarca aus möglich.
Chacanto, Amazonas, Peru. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Auch mehrere Räumtrupps der Provinzverwaltung Chachapoyas sind auf dem Weg, um die betroffenen Straßenabschnitte zu reparieren. Schwierigster Teil der Arbeiten wird dabei der Wiederaufbau der Brücke, die Chacanto mit der Distrikthauptstadt Balsas verband und von den Wassermassen zerstört wurde. Gestern riefen aufgebrachte Einwohner Chacantos immer wieder bei Radiosendern in der Regionalhauptstadt Chachapoyas an, um sich über den Ausfall der Strom- und Wasserversorgung zu beschweren. Der peruanische Zivilschutz begann derweil auch in Chacanto mit Sicherungsarbeiten, stellte Zelte, Decken und Nahrungsmittel zur Verfügung. In Chachapoyas wurde zu Kleider-, Geld- und Essensspenden für die Betroffenen aufgerufen.
Yerbabuena: Schwere Schäden an Häusern und Forellenteichen
Auch der Río Santo Tomás in der Provinz Luya (Region Amazonas) trat über die Ufer – und richtete schwere Schäden an. In der Ortschaft Yerbabuena wurden mehrere Häuser weitgehend zerstört, zahlreiche weitere sind schwer beschädigt. Am härtesten traf das Wasser aber eine Gruppe von Kleinbauern, die eine Reihe von Forellenzuchtanlagen errichtet hatten. Ein Teil der Forellen wurde einfach weggeschwemmt, viele verendeten unter herabströmenden Schlammmassen.
Damals Plastikplanen, heute Häuser: Invasión 16 de Octubre in Chachapoyas. Foto: MPCH.
In der illegalen Siedlung „16 de Octubre“ nördlich von Chachapoyas (Region Amazonas) liegen die Nerven blank. Ein Richter ordnete die sofortige Räumung der Siedlung an – in den kommenden Tagen steht offenbar eine Polizeiaktion bevor. Einige der „Invasoren“ kündigten bereits an, Widerstand zu leisten und dabei bis zum Äußersten zu gehen. Sie haben bereits tausende Nuevos Soles in den Bau von Häusern investiert, die auf Grundstücken stehen, die nicht ihnen gehören und vom peruanischen Zivilschutz als besonders Risikoreich und deshalb unbebaubar eingestuft werden.
Siedler kündigen an, bis zum Äußersten zu gehen
Wie INFOAMAZONAS aus Kreisen illegaler Siedler erfuhr, hindert eine Bürgerwehr die Bewohner mit Drohungen daran, teure Baumaterialien wie Wellblech vor der anstehenden Räumung in Sicherheit zu bringen. In der Siedlung, die sich unterhalb des alten Flughafens von Chachapoyas befindet, leben vor allem Menschen aus Dörfern und kleinen Städten im Süden der Region Amazonas, die sich von der Zahlung von mehreren hundert Nuevos Soles an die Invasions-Initiatoren ein eigenes Haus am Rande der Regionalhauptstadt Chachapoyas erhofften. Hunderte Familien haben auf dem besetzten Gebiet bereits ganze Häuser und Straßen gebaut.
Stadtverwaltung und Staatsanwaltschaft fordern derweil in Radiospots die Siedler auf, die Siedlung freiwillig zu räumen. Bei den selben Radiosendern gehen gleichzeitig Anrufe von Siedlern ein, die ankündigen, ihre Häuser um jeden Preis zu verteidigen.
Siedlungsbewegungen und Landnahme dieser Art ist in Peru weit verbreitet, fast alle großen Städte – inklusive der Hauptstadt Lima – vergrößern sich bis heute auf diese Weise, obwohl seit Mitte 2012 dafür mehrere Jahre Haft drohen.
Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Wer in Peru Sicherheitskräfte oder Verwaltungsbeamte angreift, muss in Zukunft mit einer Haftstrafe von bis zu 35 Jahren rechnen. Das hat vorgestern der peruanische Kongress mit großer Mehrheit beschlossen. Ist für Gewalt gegen Polizisten, Militärs, Justiz- und Verwaltungsbeamte im Normalfall eine 20jährige Freiheitsstrafe vorgesehen, kann diese, im besonders schweren Fall, auf bis zu 35 Jahre erhöht werden. Dieser liegt zum Beipsiel dann vor, wenn Polizisten oder Militärangehörige ihre Stellung für eine solche Straftat ausnutzen, indem sie beispielsweise ihre Dienstwaffe dazu verwenden.
Das Gesetz muss nun noch von Präsident Ollanta Humala unterzeichnet werden.
Erst vor wenigen Tagen war in der Provinz Rodriguez de Mendoza (Region Amazonas) ein Polizist des Polizeipostens Limabamba ermordet worden. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich beim Täter offenbar um einen Minderjährigen, der für seine Tat Geld von einer dritten Person erhalten hatte, die von dem Polizisten Tage zuvor wegen einer Straßenschlägerei in Gewahrsam genommen worden war.
Polizist beim Regeln des Verkehrs in Lima. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
Eine Gruppe von 10 Kriminellen hat am Donnerstag einen Geldtransporter überfallen, der 900.000 Nuevos Soles zur Nationalbank-Filiale in Santa María de Nieva (Provinz Condorcanqui / Region Amazonas) bringen sollte. Dabei töteten sie einen der beiden Fahrer. Wie die in Bagua Grande (Provinz Utcubamba) erscheinende Tageszeitung „Ahora“ unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtet, hatten sich die Räuber als Bauarbeiter verkleidet und die Straße mit Steinen versperrt. Als einer der beiden Fahrer, der 28jährige Lester Barturen, das gepanzerte Fahrzeug verließ, um Durchlass zu erbitten, eröffneten die Räuber das Feuer. Sein Kollege ergab sich darauf hin. Die Polizei geht davon aus, dass die Räuber über Insiderinformationen über Route und Fahrtzeit des Geldtransporters verfügten.
Hunderte Piratensender nicht eingerechnet, Repeater großer Rundfunkanstalten dagegen schon: In Peru sind nach Angaben des Rundfunkrates CONCORTV 4.694 Radio- und Fernsehstationen gemeldet. Größter Frequenzhalter ist dabei der Staatsrundfunk des peruanischen Nationalinstitutes für Radio und TV (IRTP) mit insgesamt 344 Sendestationen allein für das Staatsfernsehen TV Perú. Die meisten dieser Sendestationen bestehen aus einer Satelitenschüssel mit einem Durchmesser von rund drei Metern, einem Empfangsgerät, einem Sender, sowie mehreren Antennen und sind selbst in abgelegenen Gebieten zu finden. Insgesamt 97 Radio- und Fernsehkanäle werden von staatlichen Stellen betrieben, neben dem nationalen Rundfunk vor allem von Regional- und Kommunalverwaltungen und Universitäten. Die lange Tradition peruanischer Community-Radios scheint aber langsam ihrem Ende zu zu gehen: Peru-weit verfügt lediglich eine Radiostation noch über eine entsprechende Lizenz.
Die meisten Fernsehsender in Lima, die wenigsten in Tumbes
Allein im Großraum der peruanischen Hauptstadt Lima sind 125 Fernsehstationen registriert. Während Schlusslich Tumbes (14) nicht überrascht, zeigt sich auch die südliche Hochlandregion Puno äußerst sendefreudig, wo 104 Fernsehstationen gemeldet sind. In der Region Amazonas blieb die Zahl gleichbleibend niedrig (21), während die Regenwaldregionen Madre de Dios (26) und Ucayali (21) zwischen 2012 und 2013 einen Anstieg um 18,2%, beziehungsweise 5% verzeichneten. In Cajamarca schloss eine Fernsehstation, es gibt dort nun 76 Stück.
Nicht nur Peru Außengrenzen bieten weiter Stoff für Diskussionen. Auch im Landesinneren sind die Grenzverläufe zwischen vielen Regionen, Provinzen und Distrikten bis heute nicht genau festgelegt. Das führt häufig zu Konflikten, die in der Vergangenheit mancherorts bereits gewaltätig ausgetragen wurden. Wie Premierminister Juan Jiménez gestern ankündigte, sollen sich diesem Thema künftig besondere Tribunale widmen.
Dort, wo die südperuanischen Regionen Tacna, Puno und Moquegua aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu Konflikten. Jede der drei Regionen beansprucht die Wasserläufe, die sich nicht um künstliche Grenzverläufe scheren, für sich. Und, vielleicht noch wichtiger: Der Bergbaubetrieb im Grenzgebiet sorgt für Begehrlichkeiten. So wird beispielsweise das Bergwerk von Toquepala historisch zu Tacna gezählt, in der jüngeren Kartographie aber eher Moquegua zugestanden. Den entsprechenden Regionen sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Ortschaft Toquepala vermutlich egal. Weniger egal sind ihnen aber die Abgaben in Millionenhöhe, die an die zuständigen Provinzen und Regionalregierungen fließen würden – und die den Konflikt Jahr für Jahr neu anheizen. Eigentlich obliegt die Aufgabe, die Grenzen genau festzulegen, allein dem peruanischen Kongress. Der hat aber in den vergangenen 10 Jahren nach Regierungsangaben lediglich 11 Grenzverläufe genau definiert, die Frage wird ständig hinter andere – häufig ebenfalls wichtigen – Entscheidungen gestellt.
Regierung setzt auf Tribunale
La morada – Provinz Chachapoyas? Montage: D. Raiser. Kartenmaterial: INEI, IGN
Andere Lösungsversuche, wie dem in den Regionen San Martín und Amazonas im Streit um die Ortschaft La Morada verfolgten Ansatz, bei kontroversen Grenzverläufen einfach ein übergreifendes Schutzgebiet zu schaffen, scheiterten. Deshalb verabschiedete der Kongress bereits 2010 ein Gesetz*, das Mechanismen zur Lösung von Grenzkonflikten enthielt – bislang aber nicht reglementiert war und deshalb nicht umgesetzt werden konnte. Dieses Reglement, so Premierminister Juan Jiménez, werde die Regierung nun vorlegen. Damit könnte der Grenzverlauf bereits vor Beginn des formellen Gesetzgebungsprozesses geklärt werden. Dem Kongress würden dann konkrete und im besten Fall von beiden Seiten akzeptierte Vorschläge vorgelegt.
Anrufung der Tribunale bleibt freiwillig
Spezialisierte Tribunale, besetzt aus jeweils einer Vertreterin oder einem Vertreter der Konfliktparteien, sowie einer oder einem Entsandten der Nationalregierung, würden sich dem Reglement entsprechend den 100 Provinzen widmen, die derzeit mit Nachbarprovinzen über den Verlauf ihrer Außengrenzen streiten.
Ob sich damit alle Konfliktparteien zufrieden geben, steht allerdings noch in den Sternen: Beide Seiten müssen mit der Anrufung eines solchen Tribunals einverstanden sein. Ob es dazu wirklich kommt, ist insbesondere dort, wo Konflikte bereits schwelen, noch nicht abzusehen.
Raumordnung auch in anderen Bereichen Konfliktthema
Neben den Grenzverläufen ist das Thema Raumordnungsplanung in Peru insgesamt weiter ein sehr konfliktbehaftetes. So verfügen bis heute nur wenige Regionen über entsprechende Pläne, die bestimmte Gebiete für bestimmte Tätigkeiten ausweisen. Das verschärft auch die zahlreichen Bergbaukonflikte: So gibt es beispielsweise eine Debatte darüber, ob Bergbau in Quellregionen zulässig ist oder ob Regionen über die Raumordnungsplanung Gebiete für „Bergbaufrei“ erklären dürfen.
Mit Jorge Neyser Arista Vargas, Bürgermeister des Distrikts Cochamal in der nordostperuanischen Provinz Rodriguez de Mendoza (Region Amazonas), wurde in diesem Jahr in der Region bereits der dritte politische Würdenträger getötet.
Jorge Neyser Arista Vargas befand sich zum Zeitpunkt der Tat nach Berichten lokaler Medien auf dem Rückweg von einem Arbeitsbesuch in der Regenwaldstadt Tarapoto und machte in einem Restaurant in Rioja (Region San Martín) eine kurze Pause, als eine – manche Zeugen sprechen von zwei – bewaffnete Person das Restaurant betrat und den Bürgermeister erschoss. Arista Vargas wurde noch lebend in ein nahegelegenes Krankenhaus eingeliefert, wo er dann aber kurze Zeit später verstarb.
Arista Vargas stand seit 2002 an der Spitze der Distriktverwaltung von Cochamal. Er wurde 41 Jahre alt.
Hochwasser: Der Utcubamba, Prov. Bongara. Foto: Region Amazonas.
Regenfälle von mehr als 24 Stunden haben in den vergangenen Tagen in der nordperuanischen Andenstadt Chachapoyas große Schäden angerichtet. Nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes stürzten mehrere Hütten ein, einige Häuser wurden beschädigt oder überflutet. An den Straßen, die aus der Stadt in Richtung Cruze Achamaqui führen, kam es nahe des Ortsausgangs zu mehreren Erdrutschen. Die Straße von Chachapoyas nach Pedro Ruiz musste wiederholt für den Verkehr gesperrt werden, nachdem Erdrutsche und Gerölllawinen sie an mehreren Stellen unbefahrbar gemacht hatten. Nahe Pedro Ruiz rollten Felsbrocken mit einem Durchmesser von über 2 Metern die Straße. Auch droht der nahe Utcubamba-Fluss an einigen Stellen über die Ufer zu treten. Helfer des Zivilschutzes und Bagger der Regionalregierung sind pausenlos im Einsatz. Beiderseits der versperrten Straßenabschnitte bildeten sich lange Schlangen wartender Fahrzeuge.
Bagger versuchen, Felsen zu bewegen. Foto: Region Amazonas.
Während der Zivilschutz auf abnehmende Regenfälle hofft, kamen am vergangenen Montag zwei junge Erwachsene nur knapp mit einem Schrecken davon: Sie waren mit dem Motorrad auf dem Weg nach Pedro Ruiz, als sich direkt vor ihnen eine Gerölllawine löste. Das Motorrad wurde zerstört, die jungen Erwachsenen konnten mit Verletzungen geborgen werden.
Auch einige Nachbarprovinzen sind betroffen. So war die Straße, die Chachapoyas mit der Ortschaft Nuevo Tingo (Provinz Luya) verbindet, zeitweise überschwemmt – und kann bis heute mit normalen Fahrzeugen nicht passiert werden. In Lamud wird damit gerechnet, dass der Jucusbamba-Bach über die Ufer tritt.