Schlagwort: VRAE

  • Peru: Terroranschlag auf drei Handy-Masten in Huancavelica

    Wenige Wochen ist es her, dass peruanischen Sicherheitskräften ein Schlag gegen Teile der VRAEM-Fraktion der Terrororganisation Sendero Luminoso gelang und wichtiges Material sichergestellt wurde. Die Informationen dazu kamen offenbar von Informanten aus der Nähe – per Mobiltelefon. Das künftig zu Verhindern war wohl der Hintergrund für die Sprengstoffanschläge auf drei Telefonmasten gestern im Distrikt Huachocolpa (Provinz Tayacaja) in der peruanischen Andenregion Huancavelica, vermutet der peruanische Narcoterror-Spezialist Jaime Antezana in der Tageszeitung „Perú 21“.

    Bei den drei Handy-Masten, von América Móvil Perú – Claro im Rahmen des Telefon- und Internet-Infrastrukturförderprogramms FITEL aufgestellt, handelte es sich um normale Mobilfunk-Infrastruktur. Sie wurde aber auch genutzt, so Antezana weiter, um den Kontakt zwischen Informanten und den Sicherheitskräften aufrecht zu erhalten. América Móvil Perú bestätigte inzwischen die zeitgleiche Zerstörung der Masten mit Hilfe von Dynamit.

    Der Distrikt Huachocolpa wird zu den Tälern der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (VRAEM) gezählt, die in Peru als Rückzugsort von Überbleibseln der Terrororganisation Sendero Luminoso, sowie als eines der Hauptanbaugebiete von Coca-Pflanzen für die Drogenproduktion gelten. Zudem war der peruanische Staat in den VRAEM lediglich marginal präsent.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen zum Thema finden Sie daher auch in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“

     

  • Peruanische Sicherheitskräfte verkünden Zerstörung von Terror-Camp

    In Vizcatán (Provinz Huanta / Region Ayacucho), im peruanichen Tal der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (kurz VRAEM), haben peruanische Sicherheitskräfte offenbar ein Camp der Terrororganisation Sendero Luminoso ausgehoben und zerstört. Es soll sich dabei um ein Versteck von „Camarada Raúl“ gehandelt haben, der Nummer drei in der Hierarchie der VRAE-Fraktion des Sendero Luminoso. Es wurden Gerätschaften, Dokumente und persönliche Gegenstände diverser Sendero Luminoso-Mitglieder beschlagnahmt, die „Camarada Raúl“ gehört haben sollen, darunter sein Radio, Geschenke von Unsterstützerinnen und Unterstützern, USB-Sticks, Computerteile, sowie seine Gitarre.

    Wie genau Polizei- und Militärkräfte von dem Terror-Camp erfuhren ist bislang nicht bekannt, allerdings wurden die Bewohner offenbar von den per Hubschrauber eingeflogenen 300 Einsatzkräften überrascht. Dennoch leisteten sie Widerstand, eine Frau aus ihren Reihen wurde dabei nach offiziellen Angaben getötet. Die meisten weiteren Camp-Bewohner konnten fliehen.

    Das Tal der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (VRAEM) ist in Peru als Rückzugsort eines Armes des Sendero Luminoso, sowie der Drogenmafia bekannt, die dort in großen Mengen Coca anbauen lässt.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen zum Thema finden Sie daher auch in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“

  • VRAEM: Perus Innenminister Pedraza kündigt bessere Ausstattung der Polizei an

    Wilfredo Pedraza, Perus Innenminister. Foto: Prensa Presidencia.
    Wilfredo Pedraza, Perus Innenminister. Foto: Prensa Presidencia.

    Die Täler der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (VRAEM) gelten noch immer als eine der peruanischen Regionen, in denen nicht nur in großer Menge Coca für die Drogenproduktion angebaut wird, sondern auch Überbleibsel der Terrororganisation Sendero Luminoso weiter ihr Unwesen treiben – wie zuletzt bei ihrem Angriff auf eine Militärbasis in Mazángaro. Eigentlich ein Grund, die Polizei in dieser Gegend besonders gut ausstatten – mehrere Berichte, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurden, darunter einer des peruanischen Rechnungshofes, zeigen aber das genaue Gegenteil: Baufällige, prekäre und viel zu kleine Gebäude, verschimmelte Matratzen, undichte Dächer, Waffen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs und unzureichende Kommunikationseinrichtungen. Nach scharfer Kritik aus allen Fraktionen kündigte Innenminister Wilfredo Pedraza nun an, die Kommissariate und Polizeiposten zu sanieren und die Ausstattung zu verbessern. Insgesamt 50 Millionen Nuevos Soles sollen dafür in die Hand genommen werden, um Infrastruktur, dem Klima angepasste Dienstkleidung, Gesundheitsversorgung und Fahrzeuge fit zu machen. Zudem sollen weitere Kommissariate, sowie eine große Polizeidienststelle in Pichari (Region Cusco) errichtet werden.

    Auch im Huallaga-Tal, wo erst vor wenigen Monaten der dortige Sendero Luminoso-Kopf verhaftet werden konnte, soll mehr Geld in die Ausstattung der Polizei investiert werden. Zudem kündigte das Innenministerium den Aufbau eines neuen Polizeifunksystems an. Diese Ankündigung ist allerdings nicht neu.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen über das „VRAEM“ und VRAEM-Probleme finden Sie auch in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“

  • Junín / Peru: Offenbar mehrere Tote bei Terroristen-Attacke auf Militärbasis

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruBei einem Angriff von Terroristen auf die Militärbasis Mazángaro (Distrikt San Martín de Pangoa / Provinz Satipo / Region Junín) sind gestern Abend gegen 20:30 Uhr (Ortszeit) nach offiziellen Angaben mehrere Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Soldaten. Genaue Zahlen lägen noch nicht vor, so das Verteidigungsministerium, in Presseberichten ist die Rede von bis zu fünf gefallenen Soldaten. Der Angriff ereignete sich offenbar, als eine Patroullie zur Militärbasis zurückkehren wollte. Die Kämpfe sollen mindestens bis Mitternacht angehalten haben. Benachbarte Militäreinheiten sollen zur Luftunterstützung gerufen worden sein.

    Der Distrikt San Martín de Pangoa ist Teil der in Peru als „VRAEM“ (früher: VRAE) bekannten Flusstäler des Apurímac, des Éne und des Mantaro, die als eines der größten peruanischen Coca-Anbaugebiete für die Drogenproduktion und als Rückzugsort für Überbleibsel der Terrororganisation „Sendero Luminoso“ gelten. Bereits häufiger kam es dort zu Angriffen auf Militäreinheiten. Ob auch diesmal Sendero Luminoso hinter den Angriffen steckt, ist noch unklar, das Oberkommando der peruanischen Streitkräfte spricht lediglich von „verbrecherischen Terroristen“.

    NACHTRAG: Oberkommando bestätigt fünf Tote

    Inzwischen hat auch das Oberkommando der peruanischen Streitkräfte die Zahl von fünf Gefallenen bestätigt. Fünf weitere wurden verletzt und werden in einer Gesundheitsstation des Militärs behandelt. Auch auf Seiten der Terroristen soll es Tote gegeben haben, genaue Zahlen liegen hier allerdings nicht vor.

    NACHTRAG: Einer der Toten aus der Region Amazonas

    Einer derjenigen, die bei dem Angriff getötet wurden, war der Wehrdienstleistende Willians Tuesta Más. Der junge Mann kam aus dem Distrikt Chiliquín in der Provinz Chachapoyas.

  • Pangoa / Junín: Polizei befreit Kinder aus der Hand von Terroristen

    Die peruanische Polizei hat elf Kinder im Alter von 2-7 Jahren befreit, die von Mitgliedern der Terrororganisation Sendero Luminoso festgehalten und indoktriniert wurden. Die Befreiungsaktion, die offenbar bereits am vergangenen Donnerstag stattgefunden hatte, ereignete sich in den als „VRAEM“ bekannten Täler der Flüsse Apurímac, Éne und Mataro, in der Provinz Pangoa in der Region Junín. Nach Schätzungen des peruanischen Frauenministeriums haben die Terroristen noch immer bis zu 200 Kinder in ihrer Gewalt, die sie ebenfalls zu Terroristen auszubilden planen. Die Terrororganisation Sendero Luminoso, zu Deutsch „Leuchtender Pfad“, überzieht schon seit Anfang der 80er Jahre Teile Perus mit Gewalt und Tod und ist für den größten Teil der rund 60.000 Toten des internen Konfliktes in den 80er- und 90er-Jahren verantwortlich.

    Die befreiten Kinder sind derzeit in der peruanischen Haupstadt Lima, wo sie von Psychologen betreut werden. Es soll sich dabei sowohl um entführte und geraubte Kinder, sowie um Kinder der Terroristen selbst handeln. Bei dem Polizeieinsatz wurden auch mehrere Erwachsene verhaftet, ob diese freiwillig die Kinder bewachten oder dazu gezwungen wurden, wird derzeit noch ermittelt.

  • Peru: Das VRAE heißt nun VRAEM

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Die peruanische Regierung hat ihren Aktionsradius im Kampf gegen Drogenproduktion und Terrorismus im Tal des Flusses Apurímac, später Éne, um das Tal des Mantaro-Flusses erweitert – und damit aus dem „VRAE“ das „VRAEM“ gemacht. Das VRAEM, unrühmlich bekannt durch die Drogenmafia und durch Überbleibsel von Sendero Luminoso-Terroristen, steht derzeit im Fokus der peruanischen Politik, die gerne durch mehr staatliche Präsenz die Abkehr von der Coca-Produktion, sowie das Ende des Sendero Luminoso erreichen möchte. Zudem wird versucht, die Coca-Bauern davon zu überzeugen, auf andere Feldfrüchte umzusteigen.

    Fast täglich gibt es Meldungen über staatliche Institutionen, die erstmals an Orten des VRAEM Büros eröffnen, und Sonntagsreden über den Bau neuer Straßen, um den Marktzugang für alternative landwirtschaftliche Produkte zu ermöglichen. Ganz problemlos geht das allerdings nicht, wie in dem INFOAMAZONAS-Hintergrundartikel über Lage und Situation des VRAE (heute VRAEM) zu lesen ist. So kommt es noch immer zu Angriffen auf Militärbasen und Polizeistationen, Schulbehörden haben Schwierigkeiten, Lehrerstellen zu besetzen und hohe Preise für den Kokain-Grundstoff Coca erschweren die Versuche, Bauern zum Umstieg auf legale Produkte zu überzeugen. (mehr …)

  • VRAE / Peru: Bildungsministerium laufen die Lehrer davon

    Wegen der Angst vor der Gewalt zwischen Terroristen des Leuchtenden Pfades (span. Sendero Luminoso), der Drogenmafia und den Sicherheitskräften haben die peruanischen Bildungsbehörden Schwierigkeiten, manche Lehrerstellen an den Schulen im Tal der Flüsse Apurímac und Éne (VRAE) zu besetzen. Das bestätigte Bildungsministerin Patricia Salas gegenüber Panamericana TV. Man habe Schwierigkeiten, die Sicherheit der Lehrerinnen und Lehrer  zu garantieren, weswegen ihr einige Berichte über Lehrpersonal vorlägen, das aus Angst seinen Arbeitsplatz verlassen habe, so Salas. Andernorts würden sich für freie Stellen, die seit eineinhalb Jahren ausgeschrieben seien, keinerlei Bewerber finden. Genaue Zahlen nannte die Ministerin allerdings nicht.

    Das Tal der Flüsse Apurímac und Éne, in Peru als „VRAE“ bekannt, gilt als Rückzugsort der Sendero Luminoso-Fraktion VRAE, sowie als eines der peruanischen Hauptanbaugebiete von Coca-Sträuchern für die Drogenproduktion. Aus diesem Grund versuchen Polizei, Militär, sowie andere staatliche Einrichtungen derzeit, ihre Präsenz in dem Flusstal, das mehrere peruanische Regionen durchfließt, zu verstärken.

  • Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne*. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Das Tal des Flusses Apurímac und Éne – ein und derselbe Fluss, der allerdings dort, wo er die Regionen Cusco und Ayacucho verlässt und nach Junín fließt, den Namen wechselt, ist ein peruanisches Flusstal, das durch den Anbau von Coca, die weitgehende Abwesenheit staatlicher Institutionen, sowie das Fortleben von Überbleibseln der Terrororganisation Sendero Luminoso (dt. leuchtender Pfad) traurige Berühmtheit erlangt hat. Obwohl seit über 30 Jahren als Problemfall auf dem Schirm, erhält das Tal, das in Peru als „VRAE“ bekannt ist, seit rund 5 Jahren erhöhte Aufmerksamkeit. Perus Streit- und Sicherheitskräfte versuchen verstärkt, gegen die Terroristen vorzugehen und den Anbau von Coca für die Drogenproduktion zurückzudrängen. Auch andere staatliche Institutionen versuchen erstmals, dort Präsenz zu zeigen. Schulen werden gebaut, Behörden errichten Büros und diverse Anreize sollen Unternehmen dazu bewegen, im VRAE zu investieren. Das Klima und das schwierige Terrain erschweren allerdings entsprechende Ansätze.

    Anschläge und Entführungen machen VRAE den Ruf kaputt

    Ein besonderer Entwicklungsplan, der 2007 ausgearbeitete „Plan VRAE“**, soll helfen, das Tal auf der Anden-Ostseite mit seinen vielen Nebentälern, voranzubringen. Doch die Umsetzung kommt nur schleppend voran. Die zusätzlichen Soldaten, die Bildungsprogramme, sie zeigen bislang nur langsame Fortschritte. Bis heute gilt in weiten Teilen des VRAE der Ausnahmezustand. Immer wieder kommt es im VRAE zu Terroranschlägen, besonders gegen Polizeistationen oder Militärbasen. Erst Anfang Mai wurde ein Soldat Opfer eines Scharfschützen, als er in einer Militärbasis Dienst tag. Immer wieder werden Militär- und Polizeiangehörige bei Patrouillenfahrten aus dem Hinterhalt angegriffen. Und seit im VRAE intensiver nach Terroristen gesucht wird, weiten diese ihren Aktionsradius aus. So wurden im April rund 40 Mitarbeiter des Erdgasprojektes „Camisea“ von der „VRAE“-Fraktion des leuchtenden Pfades entführt. Mitte Mai wurden Anhänger der „VRAE“-Fraktion des leuchtenden Pfades in Ucayali gesichtet. Immer wieder gibt es Berichte, Sendero Luminoso gehe gezielt in kleine Dörfer, zwinge alle Bewohner, an Versammlungen teilzunehmen, Lebensmittel zu besorgen und verteile Flugblätter, in denen zur „Revolution“ aufgerufen wird. Auch Kinder werden entführt, um sie zu indoktrinieren und zu Terroristen zu machen.

    Premier Valdés verspricht „Befriedung des Vrae bis 2016“

    Perus Premierminister Oscar Valdez. Foto: Jessica Vicente / ANDINA.
    Träumt vom friedlichen VRAE: (Nicht nur) Premierminister Valdes. Foto: Jessica Vicente / ANDINA.

    Und so kommt es häufig zu Verwechslungen, die mal schlimmere, mal weniger schlimme Folgen haben. Denn die vier Buchstaben „VRAE“ lassen in Peru aufhorchen. Der Grund, warum Terrorakte, die außerhalb des VRAE stattfinden, dennoch im VRAE verordnet werden: Spezialeinheiten von Polizei und Militär, die im VRAE stationiert sind, werden – aufgrund ihrer Ausbildung – häufig auch in umliegenden Gebieten eingesetzt. In Pressemitteilungen steht dann eben das Stichwort „VRAE“. Zudem: Für manchen peruanischen Hauptstädter ist der Rest des Landes ein einziges großes VRAE. Premierminister Oscar Valdés kündigte Mitte Februar an, das VRAE sei bis 2016 – dem Ende der Legislaturperiode „befriedet“. Daran wird sich die Regierung des amtierenden peruanischen Präsidenten Ollanta Humala messen lassen müssen.

    Schlecht ist es für einen Ort, den Stempel „VRAE“ aufgedrückt zu bekommen, weil VRAE bislang den Ruf von Gefahr, Terrorismus und Drogenkriminalität in sich trägt. Nur langsam lassen sich Unternehmen und Behörden in das Tal locken, um alternative Perspektiven und Arbeitsplätze zum Coca-Anbau für die Kokain-Produktion zu bieten. Dem Stempel „VRAE“lässt sich aber auch etwas Gutes abgewinnen. Denn: Er weißt auf das nicht nur im VRAE akute Problem hin, mit dem der peruanische Staat vielerorts zu kämpfen hat. Trotz großer Anstrengungen hat es der Staat noch immer nicht vollständig geschafft hat, in der Fläche präsent zu sein. So könnte, werden Terror und Drogenmafia im VRAE dereinst besiegt, anderswo leider ein neues VRAE entstehen. Ganz allein kann der Staat das allerdings nicht schaffen: Wenn im VRAE keine Investitionen getätigt werden und der Zugang zu Absatzmärkten für dort produzierte Produkte nicht verbessert wird, sind die Aussichten, Coca-Produzenten umzuschulen, eher schlecht.

    Tourismus leidet unter Terrorismus und Drogenmafia

    Dabei hat das VRAE einiges zu bieten: Wilde Landschaften, traumhafte Wasserfälle, etwas Kultur und einige kulinarische Spezialitäten.  In Sivia gibt es sogar einen Zoo. Tourismusbehörden und Reiseunternehmer trauen sich allerdings nicht, Werbung für das VRAE zu machen. Der Grund: Touristen könnten im schlimmsten Fall als Geiseln genommen oder für den Drogenschmuggel missbraucht werden oder einfach ins Kreuzfeuer von Terroristen und Sicherheitskräften geraten. Auch das Auswärtige Amt  empfiehlt daher noch immer, einen Bogen um das VRAE zu machen. In den Sicherheitshinweisen des deutschen Außenministeriums heißt es: „Im VRAE kommt es gelegentlich zu Überfällen bewaffneter Gruppen auf Angehörige und Einrichtungen der Sicherheitskräfte. Eine Gefährdung von Reisenden kann nicht ausgeschlossen werden. Es wird empfohlen, die genannte Region zu meiden.“

    Für diese und die kommenden peruanischen Regierungen bleibt also noch einiges zu tun und das nicht nur im VRAE selbst, sondern auch bei der Verhinderung der Entstehung weiterer VRAEs. Neben toten Soldaten und Polizisten hat das VRAE auch schon einige politische Opfer gefordert. Zuletzt mussten Verteidigungsminister Alberto Otárola und Innenminister Daniel Lozada Mitte Mai 2012 ihren Hut nehmen, weil sie der Situation im VRAE nicht Herr werden konnten.

    Ein Fluss, viele Namen

    Dort, wo der río Mantaro in den Apurímac fließt, wird dieser zum Éne. In diesen münden schließlich der río Perbene und der río Panga, wodurch aus dem Éne der río Tambo wird, der schließlich in den Ucayali mündet. Von der Quelle bis zur Mündung in den Ucayali ist es eine Strecke von ca. 690 Kilometern.

    AKTUALISIERUNG (03.07.2012): VRAE wird VRAEM
    Mit der Ausarbeitung eines neuen Aktionsplans hat die peruanische Regierung den Aktionsradius um das Tal des Flusses Mantaro erweitert. Dadurch wurde nun offiziell aus dem „plan VRAE“ ein „plan VRAEM“. Damit wurden auch die Provinzen Satipo, Huancayo und Concepción in der Region Junín mit einbezogen. Eine komplette Liste der betroffenen Regionen, Provinzen und Distrikte finden Sie im Beitrag  „Peru: Das VRAE heißt nun VRAEM“.

    * Die Grafik zeigt nur einen Ausschnitt

    ** DS. 003-2007-DE

  • VRAE / Peru: Zwei Polizisten und ein Soldat durch Terroristen-Sprengfalle getötet

    Auf der Suche nach zwei verschollenen Polizisten sind gestern in den Tälern der Flüsse Apurímac und Éne (kurz: VRAE) zwei Polizisten, sowie ein Soldat durch eine mutmaßlich von Sendero Luminoso-Terroristen angebrachte Sprengfalle getötet worden. Das berichtet die Tageszeitung „El Comercio“ aus Lima. Die beiden verschollenen Polizisten verschwanden am vergangenen 12. April, als ihr Hubschrauber, mit dem sie an der Suche nach rund 40 entführten Mitarbeitern eines Erdgasförderprojektes unterwegs waren, angeschossen wurde. Mehrere Polizei- und Militäreinheiten sind bis heute auf der Suche nach ihnen, bislang allerdings ohne Erfolg.

    Die Sendero Luminoso-Fraktion im VRAE ist bekannt für die Konstruktion heimtückischer Sprengfallen und selbstgebauter Anti-Personen-Minen. Der getötete Soldat war eigentlich Spezialist im Umgang mit dieser Art Sprengkörpern: Er war Teil einer Minenräumeinheit des peruanischen Militärs. Das Unglück ereignete sich offenbar in der Umgebung von Alto Lagunas im Distrikt Vilcabamba (Provinz La Convención / Region Cusco).

    Nachtrag 30.04.2012: Einer der verschollenen Polizisten aufgetaucht

    Wie das peruanische Innenministerium in einer Pressemitteilung bekannt gab, wurde gestern (Sonntag, 29.04.) einer der beiden bei der Suche nach den Geiseln verschollenen Polizisten gefunden. Er soll von der lokalen Bevölkerung gestern nach Kiteni (Distrikt Echarate / Provinz La Convención / Region Cusco) gebracht worden sein. Von seinem Kollegen, der ebenfalls seit einem Sendero-Angriff auf einen Helikopter verschwunden ist, fehlt weiter jede Spur.

  • Region Cusco / Peru: 1.500 Soldaten suchen 43 entführte Camisea-Mitarbeiter

    INFOAMAZONASVor nun drei Tagen hat eine Gruppe von rund 150* mutmaßlichen Anhängern der Terrororganisation Sendero Luminoso in der südperuanischen Region Cusco 43** Mitarbeiter von zwei an einem Erdgasprojekt beteiligten Unternehmen entführt und fordert – unter anderem – ein Lösegeld in Höhe von 10 Millionen US-$. Deshalb verlegte das peruanische Verteidigungsministerium nun insgesamt 1.500 Soldaten in die Provinz La Convención, um die Polizei bei der Suche nach den Entführten zu unterstützen. Justizminister Juan Jiménez schloss derweil Verhandlungen mit den Entführern aus. Die Regierung verhandle nicht mit Terroristen und bewege sich damit auf dem Boden der peruanischen Verfassung, so der Minister gegenüber dem Fernsehsender Panamericana.

    In ihrer, von zwei freigelassenen Geiseln überbrachten Nachricht fordern die Entführer innerhalb von 24 Stunden 10 Millionen US-Dollar, Sprengstoff, Zünder, Handys oder Funkanlagen, sowie Kleidung. Für den Fall, dass die Frist nicht eingehalten wird, Militär oder Polizei auftaucht, drohen die Terroristen mit der Tötung von Geiseln. Inzwischen ist die Frist abgelaufen, Informationen über die Reaktion der Terroristen liegen bislang nicht vor.

    Die Entführer waren offenbar am vergangenen Montag gegen 3 Uhr Morgens in das Dorf Kepashiato eingedrungen, in dem mehrere an dem Camisea-Erdgasförderprojekt beteiligte Unternehmen ihren Sitz haben und entführten deren Mitarbeiter. Auch blockierten sie die Zufahrtswege und machten so ein Entkommen unmöglich. Wie die Tageszeitung „La República“ berichtet, sollen unter den Entführern auch zahlreiche bewaffnete Kinder gewesen sein. Zudem zwangen diese alle Dorfbewohner, sich an einer Versammlung der Terroristen auf offener Straße zu beteiligen und verteilten Flugblätter, auf denen sie die Festnahme des – aus ihrer Sicht abtrünnigen – Anführers der Huallaga-Fraktion Florindo Flores Hala Alias „Camarada Artemio“ guthießen, die Regierung als „Verräter“ bezeichneten und die Freiheit des Sendero Luminoso-Gründers Abimael Guzman forderten.

    Experten gehen davon aus, dass es sich bei den Entführern um Anhänger des Sendero Luminoso-Arms handelt, der in den Tälern der Flüsse Apurímac und Éne (kurz: VRAE) sein Unwesen treibt und von Víctor Quispe Palomino Alias „Camarada José“ angeführt wird. Möglicherweise stand an der Spitze der Entführergruppe sogar dessen Bruder Martín Quispe Palomino Alias „Camarada Gabriel“. In den vergangenen Monaten hatte das peruanische Militär immer wieder seine Fortschritte im Kampf gegen die VRAE-Sektion des Sendero Luminoso betont. Offensichtlich war Sendero Luminoso dadurch gezwungen, sein Operationsgebiet etwas zu verlagern.

    *Andere Quellen sprechen von deutlich weniger Entführern.
    **Die Volksanwaltschaft geht inzwischen von 39 noch verbliebenen Geiseln aus.