Ein Erdbeben der Stärke 5,7 auf der Richterskala hat gestern Abend um 18:02 Uhr (Ortszeit) mehrere Regionen Südperus erschüttert. Wie aus dem jüngsten Erdbebenreport des peruanischen Institutes für Geophysik (IGP) hervorgeht, lag das Epizentrum 32 Kilometer südöstlich von Abancay in einer Tiefe von 90 Kilometern. Besonders stark war es in den Regionen Apurimac und Cusco zu spüren. Aus dem Distrikt Curpahuasi (Provinz Grau / Region Apurímac; 2.337 Einwohnerinnen und Einwohner) berichtet der peruanische Zivilschutz von rund 30 beschädigten Häusern. Im Distrikt Mariscal Gamarra wurden drei Wohnhäuser und ein Schulgebäude beschädigt. Mehrere Personen sollen dabei verletzt worden sein.
In Peru kommt es häufig zu Erdbeben, da sich vor der Küste die unter dem Pazifik liegende Nazca-Platte unter die südamerikanische Platte schiebt – und dabei das Andengebirge weiter auftürmt.
Lars Schneiders Outdoor-Reiseführer „Peru: Inka Trail und Region Cusco“ schafft einen Spagat, an dem Peru- Reiseführer immer wieder scheitern: Er macht richtig Lust auf eine der berühmtesten Trekking-Routen weltweit, warnt vor möglichen Gefahren – übertreibt es dabei aber nicht und bleibt realistisch.
Der weltberühmte Inka Trail in der südperuanischen Region Cusco, an dessen Ende die noch sagenumwobene Ruinenstadt Machu Picchu steht, darf nur nach vorheriger Anmeldung und in Begleitung eines Führers bewandert werden. Wofür also noch ein Reisebuch? Wer gut spanisch spicht und Camping- und Peru-Hochland-Erfahrung hat, schafft den Inka Trail sicherlich auch ohne Schneiders Werk. Für alle anderen lohnen sich die 12,90€ auf jeden Fall, sogar für jene, die gar nicht vorhaben den Inka Trail zu wandern. Denn: Der Inka-Trail steht zwar im Vordergrund, ein genauer Blick offenbar aber, dass Schneiders 160-Seiten-Büchlein viel mehr bietet.
Das sind einmal Ausrüstungslisten, die auch für andere peruanische Trekking-Routen genutzt werden können.Vor allem aber sind es Hinweise und konkrete Empfehlungen zu fast allen nur erdenklichen Fragen, die Peru-Reisewilligen bei der Planung beschäftigen könnten: In den Reise-Infos von A bis Z wird über Sicherheit, Klima, Unterkunft, Gesundheit, Impfungen, Transport, Höhenkrankheit bei Wegabschnitten auf weit über 4.500 Metern Höhe, Geld und Essen informiert – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dabei schafft Lars Schneider, der vor Ort ausführlich recherchiert hat, den schweren Spagat, richtig Lust auf Perus Südanden zu machen, gleichzeitig aber auch auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen – ohne dabei übers Ziel hinaus zu schießen und zu sehr zu dramatisieren.
Historische Einordung etwas kurz, dafür zahlreiche Karten
Die historische Einordnung möglicher Reiseziele in der Region Cusco ist gelungen, aber etwas knapp gehalten. Etwas weniger Werbung (warum muss mitten im Text ein Buch über Knoten für den Outdoor-Urlaub beworben werden?) zugunsten von etwas mehr Geschichte hätte den Gesamteindruck verbessert. Da viele peruanische Trekking-Pfade sowieso nur mit Führer begangen werden dürfen, fällt das allerdings nicht zu schwer ins Gewicht. Außerdem bietet das Outdoor-Handbuch etwas, das man in Peru häufig nicht so einfach bekommt: Zahlreiche Karten, die Wegverläufe halbwegs detailiert darstellen. Und: Neben Cusco, Machu Picchu und dem Inka Trail sind auch andere Nah-Ziele kurz beschrieben, beispielsweise das landschaftlich und historisch beeindruckende Valle Sagrado de los Incas.
Stärkster Teil des gesamten Buches ist aber der kleine Sprachführer am Ende des Buches, womit selbst diejenigen noch etwas lernen können, die von sich meinen, eigentlich gut Spanisch zu sprechen. Wer kennt schon das spanische Wort für den Campingkocher?
Das Buch ist, auch wegen der geringen Größe, ein idealer Begleiter für alle, die Peru erwandern möchten, egal ob auf dem Inka Trail oder anderswo. Rund 150 Gramm Papier, die in den Rucksack passen sollten, obwohl Lars Schneider immer wieder dazu auffordert, diesen möglichst leicht zu halten.
Autor: Lars Schneider
Titel: Peru: Inka Trail und Region Cusco; 4., aktualisierte Auflage 2011
Verlag: Conrad Stein Verlag GmbH
Umfang: 160 Seiten
ISBN: 978-3-86686-339-2
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Die Regenzeit hat große Teile Perus weiterhin fest im Griff. Die Zahl der zerstörten Häuser geht langsam in die Tausende, zahlreiche Menschen wurden getötet, Berichte über Erdrutsche häufen sich. So traf es am vergangenen Samstag (16.2.) den Distrikt Ayaviri (Provinz Melgar / Region Puno), wo Hagel und Regenfälle den río Pacobamba über die Ufer treten ließen und in den Ortschaften Pacobamba und San Luis Häuser und Ackerflächen überschwemmten. Nach Angaben des peruanischen Zivilschutzes wurden dort bislang 17 Wohnhäuser stark beschädigt. Problematisch wird es aber für die Schulkinder von San Luis, wo in wenigen Tagen das Schuljahr beginnen sollte: Die örtliche Schule steht noch immer unter Wasser.
Doch ist der Distrikt Ayaviri bei Weitem nicht der Einzige mit Problemen: Vergangene Woche war im Distrikt Vicco (Provinz und Region Pasco) der Río San Juan über die Ufer getreten und beschädigte nicht nur zwei Dutzend Häuser, sondern auch Teile des Distriktfriedhofs. Auch in den Distrikten Independencia und Huaraz (Provinz Huaraz / Region Áncash) kam es zu Überschwemmungen, 15 Häuser wurden zerstört, über 100 weitere beschädigt.
Ähnlich erging es auch Teilen der Region Ayacucho, unter Anderem dem Distrikt Acosvinchos (Provinz Huamanga). Dort schwoll am Sonntag der Accoyoyascco-Bach dramatisch an und beschädigte mehrere Wohnhäuser. Eine Person wurde verletzt. Auch der Distrikt Ayahuanco (Provinz Huanta) blieb nicht verschont: 42 Personen verloren ihr Obdach durch den Einsturz von 7 Häusern, 30 weitere Wohnhäuser wurden beschädigt. Auch eine Schule und ein Gesundheitszentrum wurde schwer beschädigt. Eine Straße wurde auf einer Länge von fast 500 Metern von Geröll und Gestein überschüttet.
In der Region Cusco kam es ebenfalls zu Problemen. Hier trat der Río Chinche über die Ufer, überflutete Häuser und Äcker, tötete Vieh, brachte eine Brücke der Straße Cusco – Quillabamba zum Einsturz und ließ die Kanalisation zusammenbrechen. Insbesondere die Ortschaften Quintalpata, Kosñipata und Chinche (Distrikt Maranura / Provinz La Convención / Region Cusco) waren davon betroffen.
Am schlimmsten traf es bislang aber offenbar die Region um die Stadt Arequipa, wo Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche Teile der Stadt trafen. Nach dem jüngsten Bericht des peruanischen Zivilschutzes starben dort bislang 5 Personen in den Wasser- und Geröllmassen, 82 Häuser wurden zerstört, rund 6.000 beschädigt. Straßen mit einer Gesamtlänge von 5,5 Kilometern wurden zerstört, 31,75 weitere Straßenkilometer beschädigt.
Mehrere Blitzeinschläge in der Hochspannungsleitung Mantaro-Socabaya haben gestern Abend gegen 19:20 Uhr Ortszeit in großen Teilen Südperus Stromausfälle verursacht. Wie César Butrón, Vorsitzender des Kommitees peruanischer Stromnetzbetreiber (COES SINAC), gegenüber dem Nachrichtensender RPP erklärte, waren insbesondere die Regionen Cusco, Tacna, Puno, Abancay und Arequipa betroffen. „Die Leitung versorgt den Süden Perus mit großen Mengen Energie, manchmal mit bis zu 50% der Gesamtnachfrage“, so Butrón.
Nach 10 Minuten fuhren dann einzelne Stromproduzenten wieder ihre Kraftwerke hoch, weswegen in einigen Teilen der betroffenen Regionen wieder Strom floss. Nach Angaben des COES war die Stromversorgung gegen 22 Uhr wieder vollständig hergestellt.
In Cusco, Tacna und Puno kam es wegen des Stromausfalls offenbar zu mehreren Verkehrsunfällen und Staus, nachdem plötzlich Ampeln, sowie die Straßenbeleuchtung ausgefallen waren.
Ein Antonov-Flugzeug des peruanischen Luftfrachtunternehmens Amazon Sky ist gestern gegen Mittag während eines Fluges vom Flughafen der Hauptstadt Lima zum Flugfeld Las Malvinas in der Region Cusco abgestürzt. Wie die peruanische Luftfahrbehörde CORPAC erklärte, befanden sich zum Unglückszeitpunkt vier Personen an Bord der Antonov AN-26, neben den Piloten zwei Ingenieure. Wie inzwischen offiziell bestätigt wurde, prallte das Flugzeug im Distrikt Tomas (Provinz Yauyos / Region Lima) gegen einen Berggipfel und brannte vollständig aus. Die vier gefundenen Leichname seien stark verbrannt, weswegen sich die Identifizierung bislang schwierig gestalte, erklärte Distriktbürgermeister Elmer Bonilla gegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur ANDINA. Ein erster Versuch der Luftwaffe, zur wahrscheinlichen Absturzstelle zu gelangen, war gestern Nacht an widrigen Witterungsbedingungen.
Die Absturzursache ist bislang unbekannt, peruanische Experten spekulieren über schlechte Witterungsverhältnisse. Der Ort Santísima Trinidad de Tomas liegt auf rund 3.700 Metern über dem Meeresspiegel. Das Unglück ereignete sich offenbar beim Versuch, trotz der schlechten Witterungsverhältnisse die Andenkordillere zu überwinden.
Das Ziel-Flugfeld Las Malvinas liegt im Distrikt Echarate in der Provinz La Convención, wird von Pluspetrol betrieben und ist Teil des Camisea-Gasprojektes.
NACHTRAG (16:19): Absturzstelle bestätigt
Inzwischen hat der Bürgermeister des Distrikts Tomas die Absturzstelle bestätigt. Man habe die Überreste des „zerschellten und abgebrannten“ Flugzeugs gefunden, so der Bürgermeister gegenüber RPP Noticias.
Seit Tagen laufen die Vorbereitungen, seit heute tagen die Außenminister, morgen treffen sich die Staatsoberhäupter: In der peruanischen Hauptstadt Lima findet dieser Tage das Gipfeltreffen der Union südamerikanischer Nationen (UNASUR) statt. Auf der Tagesordnung steht nach offiziellen Angaben die interne und externe Stärkung der noch jungen Organisation, auch was ihr Gewicht auf der Weltbühne angeht. Daneben sollen von den Mitgliedsstaaten erreichte und gesteckte Ziele in den Bereichen Verteidigung, Gesundheit, Wirtschaft, Sozialentwicklung und Energie präsentiert und analysiert werden.
Für das Gipfeltreffen wird dabei mit hochrangiger Besetzung gerechnet. So erwarten die Organisatoren die Präsidentinnen und Präsidenten von Uruguay, Guyana, Surinam, Kolumbien, Chile, Argentinien, Bolivien und Ecuador: José Mujica, Donald Ramotar, Desiré Delano Bouterse, Juan Manuel Santos, Sebastián Piñera, Cristina Fernández de Kirchner, Evo Morales, sowie Rafael Correa.
UNASUR nimmt Regierungswechsel in Paraguay unter die Lupe
Zur Sprache kommen soll unter anderem auch die von den meisten UNASUR-Mitgliedern verurteilte Absetzung von Paraguays Präsident Fernando Lugo. Zu diesem Thema hat der UNASUR-Sondergesandte, Perus ehemaliger Premier Salomon Lerner Ghitis, eine Stellungnahme angekündigt. Ob auch Probleme wie dem anhaltenden Konflikt um die -vom internationalen Gerichtshof in Den Haag neu festgelegte- Seegrenze zwischen Kolumbien und Nicaragua oder dem in nicht all zu ferner Zukunft zu erwartenden Urteil aus Den Haag über den Verlauf der Seegrenze zwischen Chile und Peru gesprochen wird, geht aus dem Gipfel-Programm nicht hervor.
UNASUR – der „große Wurf“?
Die 2004 im peruanischen Cusco gegründete Unión de Naciones Suramericanas (damals noch Comunidad) ist eine internationale Organisation, der derzeit insgesamt 12 Staaten angehören, wobei Paraguay derzeit suspendiert ist. Bereits vor ihrer Gründung gab es zahlreiche Versuche regionaler Integration, die meisten davon waren allerdings nur mäßig erfolgreich und kamen zwar zu durchaus bemerkenswerten Ergebnissen wie der Aufhebung bestimmter Zollschranken, Vereinfachungen für Migranten und Reiseerleichterungen, spielen aber in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle und verfügen über kaum Kompetenzen. Zudem gibt es diverse Projekte, die parallel zum Aufbau der UNASUR laufen, beispielsweise die Pazifik-Allianz, der auch mehrere UNASUR-Staaten angehören. Wie stark die UNASUR künftig sein wird, hängt auch vom Ergebnis des beginnenden Gipfeltreffens ab. Möge die Tatsache, dass am Vortag des Gipfeltreffens der neuste Beitrag auf dem offiziellen UNASUR-Internetportal fast zwei Wochen alt ist, mal kein schlechtes Omen sein.
Mit 35.000 Keramik-Fragmenten trifft dieser Tage die letzte verbleibende Ladung archäologischer Fundstücke in Cusco ein, die 1912 von dem US-Forscher und Abenteurer Hiram Bingham für Untersuchungen ausgeführt und seither von der Yale-Universität verwahrt wurden. Die ersten Stücke waren bereits im vergangenen Jahr übergeben worden und werden derzeit in der Casa Concha in der Regionalhauptstadt Cusco untersucht.
Vorausgegangen war der Rückgabe ein jahrelanger Streit zwischen der Universität und der peruanischen Regierung. Letztere hatte schließlich mit rechtlichen Schritten gedroht, woraufhin sich die Universität bereit erklärte, die Fundstücke zurück zu geben.
Zunächst werden die wertvollen Stücke in die Hauptstadt Lima geflogen, von wo aus sie von der Luftwaffe nach Cusco überführt werden. 218 der rückgeführten Fundstücke sind bereits im Machu Picchu-Museum der Casa Concha ausgestellt.
Bei einer Patrouillenfahrt sind am vergangenen Samstag zwei Polizisten der peruanischen Antidrogenpolizei getötet worden. Die Polizisten waren offenbar über ein improvisiertes Drogenlabor informiert worden und waren unterwegs, um die Information zu prüfen. Auf halber Strecke zwischen San Francisco und Kepashiato wurden sie von mehreren Personen überfallen, in peruanischen Medien wird darüber spekuliert, dass es sich dabei wohl um Anhänger der Terrororganisation Sendero Luminoso handelte, die in der Umgebung in den vergangenen Monaten ihr Unwesen trieben.
Zwei weitere Polizisten wurden verletzt. Die Provinz La Convención ist für Peru wirtschaftlich sehr bedeutsam, beherbergt sie doch wichtige Komponenten des „Camisea“-Erdgasprojektes. Erst vor wenigen Tagen wurden drei Hubschrauber des zum „Camisea“-Projekt gehörenden Transportadora de Gas del Perú (TgP)-Konsortiums in Brand gesetzt und zerstört.
Eigentlich sollte das Gas aus dem Projekt Camisea Peru energetisch unabhänig machen. Tausende Autos wurden in den vergangenen Jahren teils mit staatlicher Förderung auf Erdgas umgerüstet, gigantische Gaskraftwerke gebaut und in der Hauptstadt Lima mit dem Bau fester Gasleitungen begonnen. Alfredo Dammert, ehemals Chef der Energie- und Bergbau-Aufsichtsbehörde OSINERGMIN, malte heute den Teufel an die Wand: Peru müsse sich auf häufige Stromausfälle einstellen, wenn die Regierung es nicht schaffe, die Gas-Pipeline in die Hauptstadt Lima zu sichern. Der Hintergrund: Anhänger der Terrororganisation Sendero Luminoso haben ihren Aktionsradius auf die Provinz La Convención in der peruanischen Region Cusco ausgeweitet – dort, wo das Gas gefördert wird.
Erinnerungen an die Zeit der Stromausfälle
Noch heute erinnern sich Limeninnen und Limenen an die 80er und 90er Jahre, als es in der peruanischen Hauptstadt zu Terroranschlägen des Sendero Luminoso (dt. leuchtender Pfad) kam, viele davon gezielt auf Strommasten, andere auf Polizeistationen, Banken, Lagerhallen, Geschäfte, Parteizentralen oder Rathäuser. Häufig waren ausgedehnte Stromausfälle die Folge. Der Abschlussbericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission (CVR), der sich damit befasst, ließt sich beklemmend. Von Hunden, die -teils mit Hammer und Sichel bemalt- tot von Straßenlaternen herabbaumeln und von Menschen wie der Vizebürgermeisterin von Villa el Salvador (VES) María Elena Moyano und anderen Stadtteilvertreterinnen und -vertretern, die gleich dutzendweise grausam ermordet wurden. Das sind die Erinnerungen an die Zeit der Stromausfälle. Und diese neu zu schüren, war wohl einer der Hintergedanken der Terroristen, die am vergangenen Samstag auf dem Flugfeld von Kiteni in der Provinz La Convención drei Hubschrauber in Brand gesetzt haben.
Geht es Sendero doch nur um Geld?
Oder ging es vielleicht doch „nur“ um Schutzgeld? In der peruanischen Presse wird den Anhängern der Sendero Luminoso-Fraktion im Tal der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (VRAEM), die nun offenbar eine neue Strategie fährt, nachgesagt, sich längst von ursprünglich maoistischen Zielen entfernt und zu einer Art Söldnerbande im Drogengeschäft entwickelt zu haben. Als Anfang April rund 40 Mitarbeiter des Camisea-Konsortiums als Geiseln genommen wurden und die Entführer ihre Geiseln nach einigen Tagen alleine zurück ließen, sprach die Regierung von einem Erfolg militärischen Drucks, während Beobachter darüber spekulierten, wie viel die Freilassung wohl gekostet haben möge. Die Forderung der Terroristen damals: 10 Millionen US-Dollar, Sprengstoff, Zünder, Handys oder Funkanlagen, sowie Kleidung.
Konsortium zieht Mitarbeiter ab
Der Brandanschlag am Samstag könnte also auch eine drastische Aufforderung zur Zahlung von Schutzgeld gewesen sein. Was auch immer der Hintergrund war: Teile des Camisea-Konsotriums ziehen bereits Konsequenzen. Die für die Pipeline zuständige Transportadora de Gas del Perú (TGP) kündigte heute an, ihre Operationen künftig von Malvinas und Quillabamba aus zu organisieren. Dabei geht es vor allem um Reparaturen an der Pipeline. Man sehe sich zudem nicht mehr in der Lage, in einigen Abschnitten für die Einsatzfähigkeit zu garantieren, so TGP in einer Pressemitteilung. Die drei Hubschrauber wurden von den TGP-Mitarbeitern für ihre Arbeiten genutzt. Auch Fedia Castro Melgarejo, Bürgermeisterin der Provinz La Convención, forderte einen besseren Schutz der Infrastruktur. Das größte Gasförderungsprojekt des Landes sei sonst in Gefahr, so Castro Melgarejo.
Regierung in Aufruhr
Obwohl es bislang keine terrorbedingten Stromausfälle gab, haben die Anschläge auch in Lima bereits für Chaos gesorgt, vor allem in der Regierung von Präsient Ollanta Humala. Denn die hat trotz der Präsentation einiger „Terror-Köpfe“ in den vergangenen Monaten offenbar noch keinen Weg und keine Strategie gefunden, den Quispe Palomino-Clan, der hinter der VRAEM-Fraktion des Sendero Luminoso steht, hinter Gitter zu bringen. Und 730 Kilometer Pipeline bieten reichlich Angriffsfläche.
SNMPE: Investieren weiter im Land
Vom Camisea-Konsortium selbst gibt es trotz der Anschläge bislang allerdings noch keine Stimmen, die auf einen Rückzug hindeuten. Vielmehr kündigte der Lobbyverband der Bergbau-, Mineralöl und Energiewirtschaft (SNMPE) an, seine Mitglieder werden weiter im Land investieren. Dafür, so der Verband, müsse der Staat aber die notwendigen Schritte ergreifen, die Sicherheit zu gewährleisten. Ohne dabei, was das Vorgehen gegen den Terror angeht, wie in den 80er und 90er Jahren in Exzesse zu verfallen, möchte man da anmerken.
NACHTRAG (11.10.2012): Sicherheitskräfte unterließen Bewachung offenbar auf Bitten von CAMISEA
Wie sowohl die peruanische Regierung, als auch das TgP-Konsortium gestern einräumten, wurde der Flugplatz offenbar auf Bitte des Konsortiums nicht von den peruanischen Sicherheitskräften überwacht worden. TgP befürchtete offenbar, dadurch erst zu einem Angriffsziel zu werden. Verteidigungsminister Cateriano erklärte gestern, das sei „unintelligent“ gewesen.
Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Auf dem Flugfeld von Kiteni (Provinz La Convención / Region Cusco) haben Terroristen, die von peruanischen Medien der Terrororganisation Sendero Luminoso zugeordnet werden, gestern kurz vor Mitternacht (Ortszeit) drei Hubschrauber in Brand gesetzt. Die Terroristen hatten zuvor offenbar die beiden Wachleute des Flugfeldes außer Gefecht gesetzt. Der Landeplatz wird nicht nur von Mitarbeitern des Camisea-Erdgasprojekts, sondern auch von peruanischen Sicherheitskräften genutzt . Einheiten der peruanischen Streitkräfte sind inzwischen vor Ort, um die Polizei bei der Suche nach den Urhebern des Anschlags zu unterstützen – bislang offenbar ohne Erfolg.
Erst vor wenigen Monaten hatten Terroristen des Sendero Luminoso 43 Mitarbeiter des Erdgasförderprojektes Camisea als Geiseln genommen.