Peru: Vizepräsident Chehade unter Vorwurf der Vetternwirtschaft

Unter Druck: Perus Vizeräsident Omar Chehade. Foto: Carlos Lezama / ANDINA

Unter Druck: Perus Vizeräsident Omar Chehade. Foto: Carlos Lezama / ANDINA

Schwere Tage für den peruanischen Kongressabgeordneten und Vizepräsidenten Omar Chehade. Ein Polizeigeneral, der im Rahmen einer Polizeistrukturreform vor einigen Tagen nicht ganz freiwillig vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war, wirft ihm und mehreren Familienmitgliedern vor, ihn zur Räumung einer Zuckerfabrik gedrängt zu haben, um damit der peruanischen Unternehmerfamilie Wong einen Gefallen zu tun. Wie Polizeigeneral Guillermo Arteta Izarnótegui in mehreren Zeitungsinterviews erklärte, wurde bei einem Treffen mit Omar Chehade und dessen Bruder Miguel Chehade, León Barandiarán, sowie den Polizeigenerälen Abel Gamarra und Raúl Salazar in einem limenischen Edelrestaurant vor allem darüber gesprochen, wie die Wong-Gruppe die Zuckerkooperative Andahuasi gegen den Willen der Mitarbeiter übernehmen könnte. Im Januar 2010 hatten die Mitarbeiter von Andahuasi ihren Betrieb besetzt, nachdem die Unternehmensleitung 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr als Mitarbeiter, sondern als Subunternehmer einstellen wollte. Eine Räumung fand bislang nicht statt

Die anderen Teilnehmer des Treffens erinnern sich allerdings anders an das Zusammentreffen. So bestätigte Vizepräsident Chehade die Zusammenkunft, es sei aber um das Thema “öffentliche Sicherheit” insgesamt gegangen. Ein weiterer Teilnehmer erklärte, das Thema “Andahuasi” sei “unter anderen” (Themen) angesprochen, aber nicht vertieft worden. Chehade selbst spricht nun von einer “Racheaktion” Arteta Izarnóteguis dafür, dass er im Zuge der Polizeistrukturreform nicht befördert worden sei und vermutete gar einen politischen Hintergrund der Vorwürfe. Chehade ist Teil einer Untersuchungskommission des peruanischen Kongresses, die sich mit Vergehen der Regierung des Ex-Präsidenten Alan García Pérez beschäftigt.

Das investigativjournalistische Internetportal IDL-Reporteros wirft Omar Chehade vor, den Kontakt zwischen seinen der Wong-Gruppe nahestehenden Familienmitgliedern und den Polizeigenerälen hergestellt, vor dem Gespräch über Andahuasi aber das Restaurant verlassen zu haben*. Pikanterweise wurden die beiden Polizeigeneräle, die sich an kein ausführliches Gespräch über Andahuasi erinnern können, inzwischen befördert. Arteta Izarnótegui dagegen wurde in den Ruhestand versetzt.

Mit der Frage, wer sich richtig erinnert, werden sich nun die Justiz, sowie die Ethik-Kommission des Kongresses beschäftigen. Ob nun eine Kampagne der politischen Gegner, private Rache eines Frührentners oder ein wirkliches Vergehen: In jedem Fall beschert der Vorwurf des Polizeigenerals der Untersuchungskommission einen schlechten Start. Und Präsident Humala, der in jeder Richtung darauf bedacht ist, “Vertrauen” zu schaffen, hat ein neues Problem.

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*Interessanterweise haben Tageszeitungen wie “Expresso” und “Correo” breit über die von IDL-Reporteros erhobenen Vorwürfe berichtet. Das ist bemerkenswert, lassen die Redaktionen beider Blätter doch kaum eine Möglichkeit aus, IDL-Reporteros, sowie das Mutterhaus “Instituto de Defensa Legal” zu beschuldigen, das peruanische Rechtssystem aushöhlen, die Demokratie zerstören und das Militär abschaffen zu wollen.

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