Kategorie: Medien

Was und wer peruanische Medien umtreibt, wie es um die Pressefreiheit in Peru bestellt ist, was für Gesetze in diesem Bereich geplant sind und was die Zukunft verspricht.

  • Verdacht der Vorteilsgewährung: Perus APRA suspendiert Ex-Justizminister Pastor

    Aurelio Pastor Valdivieso. Foto: congreso.gob.pe.
    Aurelio Pastor Valdivieso. Foto: congreso.gob.pe.

    Die peruanische APRA-Partei, bis Juli 2011 an der Regierung, hat den früheren Justizminister und Kongressabgeordneten Aurelio Pastor Valdivieso vorläufig von all seinen Parteiämtern suspendiert. Der Grund: Eine Provinzbürgermeisterin in seiner früheren Wahlregion San Martín war von einem Gericht wegen Diffamierung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden – und Pastor Valdivieso soll ihr angeboten haben, für die Zahlung von 50.000 Nuevos Soles das Problem aus der Welt zu schaffen. Dafür, so geht es aus einem illegal angefertigten Mitschnitt eines entsprechenden Telefongesprächs hervor, bot er offenbar an, seinen verbliebenen Einfluss im peruanischen Wahltribunal zu nutzen. Vor der Suspendierung durch die APRA-Partei hatte bereits die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

    Bürgermeisterin weiter im Amt

    Die Provinzbürgermeisterin von Tocache, Corina de la Cruz Yupanqui, war Anfang September vom peruanischen Wahltribunal JNE durch ihren Vizebürgermeister ersetzt worden. So ist es im peruanischen Recht Fälle vorgesehen, in denen ein Bürgermeister oder Ratsmitglied rechtskräftig verurteilt wird. Ein Mitarbeiter der Schulbehörde von Tocache hatte de la Cruz Yupanqui vor mehreren Jahren angezeigt. Diese habe ihn in ihrem Radioprogramm „korrupt“ genannt ohne über Beweise zu verfügen, heißt es in der Klageschrift. Ein Zeuge bestätigte den Vorwurf gegen die heutige Bürgermeisterin, die Richter folgten dem Vorwurf des Klägers. Allerdings: die heutige Bürgermeisterin stritt den Vorwurf ab und legte Berufung ein, ein entsprechendes Verfahren ist noch immer anhängig und das Urteil bislang nicht rechtskräftig. Auch deshalb durfte sie Anfang der Woche wieder ihre Amtgeschäfte aufnehmen.

    Zweiter Korruptionsfall um Suspendierung von de la Cruz Yupanqui

    Ihr Einspruch vor dem Wahltribunal trug somit auch ohne den Einfluss des früheren Justizministers Früchte – und sie ging mit ihren Vorwürfen gegen Aurelio Pastor nicht nur zu den Ermittlungsbehörden, sondern auch an die Presse. Dabei hätte sich der frühere Kongressabgeordnete Pastor Valdivieso diesen Ausgang eigentlich denken können. Denn: Ende Oktober war die gelernte Journalistin Corina de la Cruz Yupanqui schon einmal an die Öffentlichkeit gegangen. Damals hatte sie ebenfalls den heimlichen Mitschnitt eines Gesprächs veröffentlicht. Es handelte sich dabei um den Austausch mit einem Richter, der ihr, „für 5.000 (US-)Dollar“ und eine zusätzliche „Extrazahlung“, anbot, die Richter des Wahltribunals zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Nur Stunden später musste der Richter seinen Rücktritt einreichen.

    Pastor: Vorwürfe sind Rache für Abwahlprozess in Lima

    Aurelio Pastor Valdivieso sieht sich dagegen als Opfer einer Kampagne. Er habe der Bürgermeisterin lediglich seine Dienste als Rechtsanwalt anbieten wollen, erklärte er über seinen Twitter-Account. Er vermutet hinter den Vorwürfen eine Kampagne der politischen Linken, mit der er sich während seiner Zeit als Minister überworfen hat. Diese wolle sich für das Abwahlverfahren gegen Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente, sowie die Suspendierung des Kongressabgeordneten Javiér Diez Canseco rächen, so Pastor Valdivieso. Pastor Valdivieso gilt als Befürworter des Abwahlverfahrens.

    Schlechte Presse für APRA und Wahltribunal

        "Die Hoffnung ist Unterwegs" - APRA-Wahlkampfspruch 2006. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    „Die Hoffnung ist auf dem Weg“ – APRA-Wahlkampfspruch 2006. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Auch wenn die APRA-Partei derzeit im peruanischen Kongress nur marginal vertreten ist, ist sie eine der wenigen Parteien des Landes, die über eine Basis verfügen. Mit Alan García Pérez stellte sie bereits zwei Mal einen Präsidenten und gewann sogar noch öfter Präsidentschaftswahlen – konnte auf Druck von autoritären Regierungen das Amt aber nicht immer antreten. Ihre heute sichtbarsten Köpfe – neben Pastor und García derzeit vor allem Mauricio Mulder – sind politische Schwergewichte mit viel Erfahrung. Dennoch umschwirrt die Partei häufig der Vorwurf der Korruption – weswegen sich derzeit eine eigene Kongresskommission mit der Aufarbeitung der vergangenen APRA-Regierung beschäftigt.

    Neben der APRA-Partei lässt der Fall aber auch das Wahltribunal JNE erneut in schlechtem Licht erscheinen, das in der jüngeren Vergangenheit wiederholt durch umstrittene Entscheidungen auf sich Aufmerksam gemacht hat.

  • Peru: Vier Journalisten bei Autounfall getötet

    Beim Absturz ihres Vehikels sind gestern in den Bergen der peruanischen Region Junín vier Journalisten ums Leben gekommen. Das Fahrzeug der Journalisten, auf Reportagereise in die Provinz Chanchamayo, kam in den frühen Morgenstunden aus noch ungeklärter Ursache von der Straße ab und stürzte über 100 Meter in die Tiefe, bevor es im Tarma-Fluss auseinanderbrach und liegen bliebt.

    Unter den Toten befindet sich neben dem 67jährigen Javier Ascue, der sich als Reporter der Tageszeitung El Comercio für besonders gefährliche Missionen einen Namen gemacht hatte, auch María Gilda Gómez, Provinzvorsitzende des Journalistenverbandes ANP. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten offenbar widrige Wetterverhältnisse, ob diese Ursache des Unfalls waren, ist bislang nicht bekannt.

  • Erdbeben in Peru: Allein 2012 schon über 180

    Erdbeben, schematische Darstellung. Bild: IGP.
    Erdbeben, schematische Darstellung. Bild: IGP.

    Wenn der peruanische Zivilschutz einmal im Jahr eine landesweite Erdbeben- und Tsunami-Übung durchführt, kommt für wenige Stunden das ganze Land zum Stehen. Und das ist gut so: Vor der peruanischen Küste schiebt sich die sogenannte Nazca-Platte unter die südamerikanische Platte – ein Vorgang, der nicht nur das Andengebirge auftürmt, sondern auch dafür sorgt, dass die Erde immer wieder bebt. Nach Angaben des peruanischen Institutes für Geophysik (IGP) ist das keine Seltenheit: Allein in den ersten 11 Monaten diesen Jahres verzeichneten die Erdbebenforscher 189 kleinere und größere Erdbeben – der Erdbebenreichste Monat war bislang der Juli mit indsgesamt 25 Stück. Der November setzt aber gerade an, den Juli zu überholen: In der Hauptstadt Lima passieren Erdbeben derzeit im Tagestakt.

    Obwohl keine Region des Landes von dem Phänomen ausgenommen ist, sind manche Orte stärker betroffen als andere. So wurden in diesem Jahr allein in der Region um die Hauptstadt Lima 39 Erdbeben gemessen, gefolgt von der Region Ica mit 32 Stück, der Region also, in der Mitte 2007 ein Erdbeben der Stärke 7,9 auf der Richterskala große Zerstörung anrichtete. 91.240 Familien verloren damals ihr Obdach, 597 Menschen wurden getötet. Die Schäden, die das Beben anrichtete, sind bis heute nur teilweise repariert. Auch in diesem Jahr wurde Ica wieder von einem relativ starken Beben heimgesucht, am 30. Januar erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala die Region. Glücklicherweise lag das Epizentrum nahe Chincha in großer Tiefe – der Schaden hielt sich in Grenzen.

    IGP warnte vor Erdbebenvorhersagen durch „Ufologen“

    Bagua Grande (Utcubamba): Zerstörtes Haus nach dem Erdbeben. Bild: INDECI
    Durch Erdbeben 2010 zerstörtes in Bagua Grande. Bild: INDECI

    Die Hauptstadt Lima selbst, die in ihrer Geschichte bereits mehrfach durch Erdbeben weitgehend zerstört wurde, kam in diesem Jahr glimpflich davon. Lediglich ein Beben kam auf die Stärke 5 auf der Richterskala, der Rest lag im Durchschnitt bei dem Wert 4. Dennoch ist die Angst ein stetiger Begleiter, nicht zuletzt auch wegen der Nähe zum Meer – insbesondere „La Punta“ in der Provinz Callao ist durch Tsunamis besonders gefährdet  -, sondern auch wegen wiederkehrenden Warnungen durch selbsternannte Hellseher und Pseudowissenschaftler. Erst für den vergangenen 21. September hatten zwei selbsternannte russische „Ufologinnen“ vor einem Beben gewarnt – die Prognose dann, nach Nichteintritt, auf den 22. September korrigiert. Es passierte wieder nichts, aber in den sozialen Netzwerken kursierten trotz Aufklärung durch Geologen die Gerüchte weiter.

    Beben in großer Tiefe häufig mit schwächeren Auswirkungen

    Aserradero: Straße nach dem Erdbeben. Bild: Stadtverwaltung Chachapoyas.
    Straße nach Erdbeben 2010. Bild: Stadtverwaltung Chachapoyas.

    Die Wissenschaftler des Institutes für Geophysik sagen keine Beben voraus und verlassen sich statt dessen auf ihre Messungen: Das stärkste Beben des Jahres wurde am 2. August in Pucallpa gemessen. Das Institut gab dessen Stärke mit 6,4 auf der Richtserskala an. Auch hier lag das Epizentrum in großer Tiefe – obschon das Beben auch in umliegenden Regionen zu spüren war, hielten sich die Schäden glücklicherweise in Grenzen.

    Hernando Tavera: Erdbebenhäufigkeit „nichts außergewöhnliches“

    Hernando Tavera, Direktor der Seismik-Abteilung des Institutes für Geophysik, sieht an der Zahl von 189 Erdbeben sowieso nichts dramatisches. „Wir leben in einem Land der Erdbeben, das muss man verstehen“, so Tavera, die Erdbebenhäufigkeit in Peru sei  nichts außergewöhnliches. Auch deshalb ist der peruanische Zivilschutz so erpicht darauf, immer wieder zu üben, wie im Falle eines Erdbebens vorgegangen werden muss. Denn eines macht Erdbeben wirklich gefährlich: Panik.

  • Ica / Peru: Morddrohungen gegen Journalistin

    Lage der Pressefreiheit in Peru. Quelle: peruanischer Journalistenverband ANP
    Lage der Pressefreiheit in Peru. Quelle: peruanischer Journalistenverband ANP

    Die peruanische Journalistin Rosario Huayanca Zapata, die derzeit für die Menschenrechtskommission Ica (CODEHICA) arbeitet, hat mehrere Morddrohungen erhalten, sowohl telefonisch, als auch durch vier Patronen in einem Briefumschlag. Auf einem beiliegenden Zettel wurde zudem die Zahlung von 30.000 US-$ gefordert. Auch mehrere Familienmitglieder wurden bedroht, berichtet das Institut für Presse und Gesellschaft (IPYS), eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Pressefreiheit einsetzt. Zuletzt hatte Huayanca Zapata offenbar einen Verwaltigungsfall in der Stadtverwaltung von Tate untersucht. CODEHICA erstattete Anzeige gegen unbekannt.

  • Nach Mord an Reality-Kandidatin: Peru debattiert über Medien und Frauenrechte

    „Mut zur Warheit“ oder „Wert der Wahrheit“ ist der Titel einer peruanischen Reality-Show, die an den vergangenen Wochenenden höchste Einschaltquoten damit einfuhr, Kandidaten mit Hilfe eines Lügendetektors immer intimere Fragen beantworten zu lassen. Wird wahrheitsgemäß geantwortet, steigt das Preisgeld. Während der ersten Ausstrahlung vor wenigen Monaten saß eine 19jährige vor der Kamera, und gestand- mit Familie und Freund im Studio- ein, sich ihrer Herkunft zu schämen und sich prostituiert zu haben. Vergangene Woche verschwand die junge Frau plötzlich – bis am Wochenende plötzlich ihr Leichnahm auftauchte. Die peruanischen Medien machten den mutmaßlichen Mörder bald ausfindig: Ihr Freund. Obwohl auch die Polizei inzwischen in dessen Umfeld sucht, verneinte dieser in einer ersten Vernehmung die Verantwortung für den Tod des Opfers, gab aber an, mitgeholfen zu haben, den Leichnahm verschwinden zu lassen. Seitdem kocht die Gerüchteküche: Es sei aus Eiffersucht geschehen, titeln Boulevardzeitungen, es sei um das Preisgeld gegangen, sagen andere.

    Wie auch immer die Ermittlungen ausgehen: Der Mordfall hat in Peru eine Debatte ausgelöst, es wird über die Verantwortung von Medien gesprochen, aber auch über Gewalt gegen Frauen. Beto Ortíz, Moderator der Reality-Show, entschuldigte sich inzwischen bei den Eltern dafür, die Reality-Kandidatin nicht weiter begleitet zu haben, schloss aber eine Mitschuld an deren Tod aus. CONCORTV, das Selbstkontrollgremium peruanischer Medien, hatte die Sendung bereits vor dem Mord mehrfach kritisiert. Neben Forderungen nach einer Absetzung der Sendung gab es auch Rufe nach Gesetzesänderungen.

    Gleichzeitig begann aber eine weitere Debatte, die sich mit Frauenrechten beschäftigt. So wies der Blogger und Journalist Marco Sifuentes in seiner Kolumne für die Tageszeitung „La República“ darauf hin, dass das Fernsehformat in 30 Ländern ausgestrahlt wird, es aber nur in Peru zu einem Mord kam. Er vermutet als Ursache, dass in den anderen Ländern Gewalt gegen Frauen inzwischen wirklich als solche anerkannt wird – während es in Peru in 90% aller Fälle von Vergewaltigungen erwachsener Frauen zu keinem Urteil kommt – und eine „Beleidigung der Männlichkeit“ als Grund für Gewalt – in diesem Fall sogar Mord – gesellschaftlich akzeptiert ist.

  • Ab jetzt auf jedem Regierungs-Briefbogen: „Peru, Fortschritt für alle“

    PROGRESO PARA TODOS - Fortschritt für alle. Bild: PCM.
    PROGRESO PARA TODOS – Fortschritt für alle. Bild: PCM.

    Perus Ex-Präsident Alejandro Toledo hatte „Los Peruanos Sí Podemos*“ (dt. Wir Peruaner können es schaffen), sein Nachfolger Alan García setzte auf „El Perú Avanza“ (dt. Peru kommt voran), der heutige Präsident Ollanta Humala setzt nun auf „Perú, progreso para todos” (dt. Peru, Fortschritt für alle). Diesen Spruch müssen künftig alle staatlichen Einheiten, die der Nationalregierung in Lima zugeordnet werden – das bezieht sich beispielsweise auf Ministerien, die meisten Sozialprogramme, die zum Gesundheitsministerium gehörenden Krankenhäuser und das für Schulbücher zuständige Bildungsministerium – in großen grauen Lettern auf ihre Publikationen und Briefe drucken.

    Allerdings, so geht aus der Ministerialresolution N° 232-PCM, hervor, sollen Publikationen mit „El Perú Avanza“ nicht eingestampft, sondern vor dem Neudruck verteilt werden. Ob sich die entsprechenden Stellen daran halten ist fraglich, die Erfahrungen – mit dem einstampfen – der letzten Regierungswechsel  waren häufig eher gegenteilig. Wer sich den neuen Satz ausgedacht hat, ist unbekannt, politisch verantwortlich ist jedenfalls Premierminister Juan Jiménez Mayor, der die Resolution unterzeichnet hat.

    *Auf die Wortspiele, die sich ergeben, soll in diesem Beitrag nicht eingegangen werden.

  • Peruanisches E-Government zwischen Vorreitern und Offlinern

    Vorbildlich: Provinzverwaltung Huamanga.
    Vorbildlich: Provinzverwaltung Huamanga.

    Mehrmals jährlich prämiert die staatliche peruanische Volksanwaltschaft die Regionalregierungen und Stadtverwaltungen, die das transparenteste und aktuellste Internetportal vorweisen. Regelmäßig schneidet dabei die nordostperuanische Regenwaldregion San Martín am besten ab, seit 2010 liegt die Region Amazonas an zweiter Stelle. Auch an Moquegua und Apurímac als Schlusslichter hat man sich bereits gewöhnt. Ein gutes Abschneiden wird von Bürgermeistern und Regionalpräsidenten als Propaganda genutzt, ein schlechtes als Wahlkampffutter für die Opposition, die Amtsinhabern öffentlichkeitswirksam „mangelnde Transparenz“ vorwerfen kann.

    Im Grunde genommen ist Peru – wenn man einmal vom Datenschutz absieht – im Bereich E-Governement ganz weit vorne. Es gibt strenge Vorgaben, wer was wann und in welcher Form auf seiner offiziellen Internetseite zu veröffentlichen hat. Städten, die sich keinen Programmierer leisten können oder wollen, werden fertige Seiten zur Verfügung gestellt, deren Inhalte dann nur noch in vorgefertigte Formulare eingetragen werden müssen. Möchte man beispielsweise die Bilanzsumme verschiedener Städte vergleichen, findet man entsprechende Zahlen immer an der selben Stelle. Und die Wahlbehörde ONPE träumt schon seit Jahren von Wahlen über Internet.

    Überhaupt sind der Phantasie der online-Verantwortlichen peruanischer Institutionen keine Grenzen gesetzt: Glaubt ein Ladenbesitzer, einen gefälschten Ausweis vorgelegt zu bekommen, kann er im Internet innerhalb von Sekunden überprüfen, ob die Daten mit der Einwohnermeldebehörde übereinstimmen. Vor einer Wahl kann ein Wahlberechtigter mit seiner Ausweisnummer nachschauen, in welchem Wahllokal er wählen muss – oder ob er dem Staat noch Geld schuldet, weil er einmal die Wahlpflicht ignorierte. Eine Frau kann per Smartphone nachprüfen, ob der junge Mann, der ihr im Café gegenübersitzt, einer anderen Frau noch Alimente schuldet. Und auch, wenn Busse eines bestimmten Reiseunternehmens regelmäßig die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 90km/h überschreiten, ist diese Information nur einen Klick entfernt. Soweit die theoretischen Möglichkeiten.

    Denn in der Praxis helfen ausführliche Daten auf einer Internetseite einer Distriktverwaltung wenig, wenn beispielsweise der einzige internetfähige Computer im Distrikt im Rathaus steht. Den Bürgerinnen und Bürgern des Distriktes wäre wohl mehr geholfen, wenn die entsprechenden Tabellen ausgedruckt am schwarzen Brett hängen würden. Ähnlich sieht es im Bildungsbereich aus: Seit Antritt von Bildungsministerin Patricia Salas müssen die Noten von Schülerinnen und Schülern vor der Zeugnisausgabe in ein Internetsystem eingetragen werden. Kurz vor Ende der Frist brach das System mehrmals wegen Überlastung zusammen, der Zugang wurde auf bestimmte Uhrzeiten begrenzt. Die Folge: Lehrer kleiner Dorfschulen mussten in die nächstgelegene Stadt reisen und dort -auf eigene Kosten- einen Computer mieten. Das ist nicht immer einfach, war beispielsweise im Dezember 2011 in der Region Amazonas der Zugang auf den Zeitraum 21-1 Uhr beschränkt. Normale Internetcafés sind da längst geschlossen.

    Erschreckend ist dabei nicht so sehr, dass eine bevölkerungsmäßig kleine und ländlich geprägte Provinz wie Chachapoyas (Region Amazonas) mit ihrer Internetseite lediglich 37% der Vorgaben erfüllt (Schlusslicht Tambopata: 0%), sondern dass beispielsweise die Hauptstadt Lima mit enormen finanziellen und personellen Möglichkeiten bis vor wenigen Monaten nur auf 86% kam. Ausnahmen bestätigen die Regel: Huamanga (Region Ayacucho) erreichte Ende 2011 100%.

    Es kann auch schief gehen: Internetseite der Regionalregierung Amazonas gehackt.
    Es kann auch schief gehen: Internetseite der Regionalregierung Amazonas gehackt.

    In der Region Moquegua, wo nur 37% der Vorgaben zum E-Government umgesetzt wurden, verfügen 60% der Haushalte im ländlichen Raum über keinen Anschluss an das Stromnetz, in den Städten der Region sind es immerhin 20%. In Apurímac (44%) ist die Situation ähnlich. Obwohl es im kontrollfreudigen Lima bestimmt gut ankommen würde, wenn auch das letzte Dorf der Region seine Internetseite aktuell hielte, überlegt sich wohl jeder Bürgermeister gut, ob er sich, seine Mitarbeiter, seine Zeit und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nicht besser dazu nutzt, Anträge für den Bau von Stromleitungen zu schreiben. A propos Anträge: Das zentrale System, in das regelmäßig der aktuelle Stand von Projekten eingetragen wird, ist natürlich auch nur online verfügbar – und wird von Regionalpräsidenten und Bürgermeistern regelmäßig als Hemmschuh bezeichnet, der die Durchführung der Projekte selbst weiter verlangsamt.

    Die Volksanwaltschaft selbst, die regelmäßig das Ranking erstellt, hält sich deshalb auch ausdrücklich zurück, die Umsetzung der E-Government-Vorgaben als Indikator für eine generell schlechte Arbeit von Regionalregierungen oder Stadtverwaltungen zu werden. Es handle sich um einen „wichtigen Indikator für die Umsetzung der Gesetze zur Transparenz und den Zugang zu Informationen, zu dem Regionalregierungen und Stadtverwaltungen verpflichtet“ seien, gebe aber keine Auskunft über eine „generell gute oder schlechte Amtsführung“, so Mónica Callirgos, die das Ranking für die Volksanwaltschaft erstellte.

  • Peru: 26% aller Haushalte mit Computer, Youtube jetzt auch auf peruanisch

    In 26,3% aller peruanischen Haushalte stand Ende 2011 mindestens ein Computer – das sind 3,6% mehr als noch im Vorjahr, wie das peruanische Nationalinstitut für Statistik und Informatik (INEI) gestern in der Hauptstadt Lima bekannt gab. In Lima selbst liegt der Anteil der Haushalte mit eigenem Computer mit 43,3% westentlich höher. In den anderen peruanischen Großstädten verfügen 29.3% der Haushalte über mindestens einen Computer, traurig ist die Lage im ländlichen Raum: Dort verfügen lediglich 3% der Haushalte über ein solches Gerät.

    Youtube jetzt auch auf peruanisch
    Nachdem Google vor einigen Monaten eine eigene peruanische Suchseite, sowie ein eigenes Büro in der Hauptstadt Lima eröffnete, gibt es nun auch die Google-Tochter Youtube auf peruanisch. Das ist insbesondere für peruanische Unternehmer interessant, die nun genauere und spezifischere Zugriffszahlen bekommen und so ihre Werbung besser steuern können. Dass ausgerechnet Peru noch vor anderen lateinamerikanischen Ländern ein „eigenes“ Youtube bekam, hat seinen Grund: Pro Seitenbesuch verbringt jeder Nutzer durchschnittlich über 15 Minuten auf der Videoplattform, so Gianfranco Polastri, Geschäftsführer von Google Peru. Das ist nach Angaben des Unternehmens der höchste Wert in ganz Lateinamerika.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Peru: Journalist Hugo Coya neuer Chef der staatlichen Presse

    Der peruanische Journalist und Buchautor Hugo Coya Honores hat die Leitung des staatlichen Verlagshauses „Editora Perú“ übernommen und steht damit nun dem Gesetzblatt „El Peruano“, der Fotoagentur „Segraf“, sowie der staatlichen Nachrichtenagentur ANDINA vor. Bei seinem Amtsantritt versprach Coya, jede Art der Korruption, egal ob „klein, mittel oder groß“ zu bekämpfen und „Ehrlichkeit, Pluralität und Effizienz“ in den Vordergrund seiner Arbeit zu stellen.

    Hugo Coya, der zuletzt angehende Journalisten unterrichtete und sich als Chefproducer der Nachrichtenredaktion von Améria Televisión betätigte, schrieb und produzierte unter Anderem für CNN Español, die Nachrichtenagentur UPI, sowie die Tageszeitung „La Industria“ (Trujillo). Außerdem schrieb er die Bücher „Polvo en el Viento“, ein journalistisches Buch über den als „Vaticano“ bekannten Drogenbaron Demetrio Chávez Peñaherrera, sowie „Estación Final„, in dem er das Schicksal von 23 peruanischen NS-Opfern in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern beleuchtet.

    In wieweit Coya sein Versprechen von Pluralität einlösen kann, werden die kommenden Monate zeigen müssen. Obwohl sich die Situation in den vergangenen Jahren leicht verbessert hat, verstehen sich beispielsweise die staatlichen Unternehmen „ANDINA“ und „El Peruano“ bei Meinungsverschiedenheiten im Zweifelsfall als Sprachrohre der Regierung.

    Weitere Wechsel bei „Editora Perú“
    Coya zur Seite stehen werden der Journalist und Professor Juan Gargurevich Regal, sowie die ehemalige Chefredakteurin der Tageszeitung La República, Blanca Rosales Valencia. Die Tageszeitung „La República“ hatte die Wahl des jetzigen Präsidenten Ollanta Humala unterstützt.

  • Loreto: Brandstifter zerstören Einrichtungen von Lokalsender

    In der nordostperuanischen Region Loreto sind heute in den frühen Morgenstunden das Gebäude, sowie die gesamte Technik des lokalen Radiosenders Radio Nauta in Flammen aufgegangen, die mutmaßlich von Brandstiftern entzündet worden waren. Wie Radio La Voz de la Selva aus Iquitos berichtet, hatten Nachbarn Personen am brennenden Gebäude gesehen, diese aber nicht erkannt. Anwohner und Mitarbeiter versuchten, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, dennoch konnten Gebäude und Technik nicht gerettet werden.

    Ein Mitarbeiter von Radio Nauta machte für das Feuer Personen im Umfeld der Mitarbeiter des örtlichen Bürgermeisters verantwortlich, der gestern von einem Reporter des Senders wegen mutmaßlicher Korruption scharf kritisiert worden sein soll.

    Radio Nauta hatte seine Studios am Streckenkilometer 1 der Straße, die von Nauta (Distrikt Nauta / Provinz und Region Loreto) nach Iquitos führt. Nauta liegt südwestlich von Iquitos und hat rund 15.000 Einwohner.