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  • Peru: Unternehmen kaufen weiter illegale Daten – trotz neuem Datenschutzrecht

    „Prüfe, ob die persönlichen Daten deiner Mitarbeiter oder Mieter stimmen, prüfe ihre Solvenz“ – ganz offen bewirbt ein Daten-Hehler auf der in Peru aktiven Auktionsplattform Mercado Libre sein Angebot. Und kaum einen stört es bislang. Datenschutz wird in Peru bislang nicht sehr groß geschrieben. Erst seit rund einer Woche ist das bereits 2011 verabschiedete Datenschutzgesetz wirksam. Ende März wurde ein dazugehöriges Datenschutz-Reglement veröffentlicht, das Unternehmen und Behörden unter anderem vorschreibt, Daten nur dann weiter zu nutzen, wenn Nutzerinnen und Kunden damit einverstanden sind. Die Frage, ob sich Unternehmen daran halten, stand aber in den ersten Tagen nach der Reglementierung nicht auf der Agenda – dafür aber ein gravierendes Problem, das Peru bis heute zu einem Alptraum für Datenschutz-Aktivisten macht: Den freien Verkauf von Daten aller Art im Internet und auf Schwarzmärkten.

    Persönliche Daten von Perus Präsident Humala (Ausweisnummer  44123390). Screenshot infogob.com.pe / JNE.
    Persönliche Daten von Perus Präsident Humala (Ausweisnummer 44123390). Screenshot infogob.com.pe / JNE.

    Möchte in Peru eine Person in ein politisches Amt gewählt werden, wird vorab ihr Lebenslauf ins Internet gestellt. Darin enthalten ist für gewöhnlich auch die Personalausweisnummer. Mit deren Hilfe – und der einen oder anderen Suchmaschine – kann man viel herausfinden, häufig kommen Presse und politische Gegner auf diesem Wege Interessenkonflikten auf die Spur.  Hält eine Politikerin Anteile an einem Unternehmen, das mit Subventionen bedacht wird oder schreibt ein Abgeordneter an Gesetzen mit, die einem Cousin direkte Geldwerte Vorteile bringen? Die Personalausweisnummer reicht oft, um dahinter zu kommen. Doch das, was Transparenz schafft und bei der Korruptionsbekämpfung hilft, kann auch von Erpresserinnen und zwielichtigen Unternehmern genutzt werden. Denn neben den zahlreichen öffentlich zugänglichen Datenbanken von Behörden und Unternehmen gibt es in Peru einen regen Handel mit persönlichen Daten, die gestohlen und verkauft werden, das genannte Beispiel ist lediglich eines von vielen.

    Bankdaten und Krankenakten vom Schwarzmarkt

    DNI-e, der elektronische Personalausweis. Foto: ANDINA.
    Bei Daten-Hehlern beliebt: Persönliche Daten. Foto: ANDINA.

    Doch auch wer kein Internet hat, muss auf spezielle Daten nicht verzichten. Auf einschlägigen Technik-Schwarzmärkten wie den Galerien der Calle Wilson unweit des Stadtzentrums der peruanischen Hauptstadt Lima ist das Angebot noch viel breiter. Einige Stände preisen auf Plakaten und Katalogen ihr gesamtes Warenspektrum an: Von Kopien der Datenbanken der Melderegisterbehörde RENIEC mit oder ohne Fotos über Unternehmens- und Autozulassungsregister bis hin zu Adressen, Telefonnummern, Bankdaten und Krankenakten – für und über jede ist etwas dabei. Gesammelt werden die Daten manchmal von Hackern. Viel häufiger aber von aktuellen oder ehemaligen Angestellten von Behörden und Unternehmen, die sich rächen – oder einfach ein Taschengeld hinzu verdienen möchten. Fehlende Datenschutzmechanismen erleichter(te)n die Arbeit, dass Datendiebstahl bislang nicht als Verbrechen geahndet wird, verschärft das Problem.

    Kein Bankkredit für Krebskranke?

    Für Kriminelle ein gefundenes Fressen: Sie können sich lohnende Opfer praktisch automatisch vom Computer heraussuchen lassen. Doch während man bei ihnen den Datenmissbrauch vermutet, sind sie nicht die einzigen, die sich mit Hilfe der Daten bereichern wollen. Auch eigentlich „legale“ Unternehmen vergreifen sich an illegal kopierten Daten, so Perus oberster Datenschützer Álvaro Quiroga von der Datenschutzbehörde, die dem Justiz- und Menschenrechtsministerium in Lima untersteht, gegenüber der Tageszeitung „Perú.21“. „Wir wissen, dass auf diesem informellen Markt eine große Vielfalt privater Daten zirkuliert, inklusive Krankenakten“, so Quiroga. In Folge dessen könnte beispielsweise eine Bank einer Person einen Kredit verweigern, bei der Krebs festgestellt worden sei, befürchtet der Datenschützer. Oder es könnte kommen wie in dem Fall eines Arbeitssuchenden, der in seiner Verzweiflung im Krankenhaus angeboten habe, seine Organe zu verkaufen. Über verkaufte Krankenakten sei dies mehreren Personalchefs zu Ohren gekommen – die dann erst recht von einer Einstellung des Mannes absahen.

    Weiter Weg zum Datenschutz

    Juan Jiménez Mayor, Perus Premierminister. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.
    Selbst Opfer von Daten-Dieben: Premierminister Juan Jiménez. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.

    Damit liegt noch ein weiter Weg vor Perus Datenschützern. Dass die Nutzung gestohlener Bankdaten durch Kriminelle, die damit ihren nächsten Einbruch planen, schleunigst unterbunden werden muss, ist selbstverständlich. Es reicht aber nicht aus: Auch „normale“ Unternehmen und Behörden müssen ihre Daten besser sichern – und aufhören, illegal erhobene Daten zu nutzen. Das gilt übrigens nicht nur für kopierte Datenbanken, sondern auch für illegal abgehörte Telefongespräche, die insbesondere in peruanischen Wahlkämpfen immer wieder zum Einsatz kommen, um Kontrahenten zu diskreditieren. Auch der Vorsitzende des peruanischen Ministerrates Juan Jiménez Mayor dürfte ein Interesse verbessertem Datenschutz haben. Auf dessen Namen waren illegal dutzende Handys angemeldet worden – mit gestohlenen persönlichen Daten.

    Lesen Sie auch den Hintergrundartikel zum Thema Transparenz und eGovernment in Peru: Peruanisches E-Government zwischen Vorreitern und Offlinern.

  • Peru: Limas Bürgermeisterin muss sich doch der Abwahl stellen

    Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.
    Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.

    Vor dem Abwahlprozess Ende September hatte sie sich noch retten können, nun schafften ihre Gegner das Quorum: Susana Villaran, Bürgermeisterin der peruanischen Hauptstadt Lima, muss sich im kommenden Jahr der Abwahl stellen. Ihren politischen Kontrahenten gelang es, die dafür erforderlichen 400.000 gültigen Unterschriften zu sammeln. Die Personenstandsbehörde RENIEC, zuständig für die Prüfung der Unterschriften, bestätigte diese Information heute Morgen. Nun liegt die Entscheidung beim peruanischen Wahltribunal JNE. Dessen Spruch wird mit Spannung erwartet, sieht RENIEC die zuletzt überreichten Unterschriftenlisten doch als ungültig an, da sie nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist eingereicht worden sein sollen.

    Mindestens 50% der Wahlberechtigten müssten teilnehmen

    Um in Peru auf Distrikt-, Provinz- oder Regionalebene einen Abwahlprozess zu initiieren, müssen mindestens 25% der Wahlberechtigten ihre Unterschrift abgeben, in Großstädten jedoch höchstens 400.000 Personen. Gelingt das, findet zu einem landesweit einheitlichen Termin eine „Revocatoria“ statt, es wird über den Verbleib von Bürgermeistern und Ratsmitglieder abgestimmt. Nähmen mehr als 50% der Wahlberechtigten teil und stimmte mehr als die Hälfte mit „Si“, wäre Limas Bürgermeisterin abgewählt.

    Initiative aus dem Umfeld von Villarans Vorgänger

    Die Unterschriftensammlung zur Abwahl von Villarán de la Puente war Anfang des Jahres mit großem Erfolg gestartet, hatte aber schon bald an Geschwindigkeit verloren. Die notwendigen Unterschriften für den diesjährigen Abwahlprozess wurde nicht erreicht. Hinter der Unterschriftensammlung stehen vor allem politische Freunde des früheren limenischen Bürgermeisters Luis Castañeda Lossio, der bei der Präsidentschaftswahl 2011 scheiterte.

    Formell muss nun noch der Initiator der Unterschriftensammlung der Einleitung des Abwahlprozesses zustimmen. Dabei handelt es sich aber – wie der Name schon sagt – um eine Formalität. Wann genau die Abstimmung statt finden wird, ist noch nicht bekannt.

    Abwahl heute als politischer Spielball

    Ursprünglich als Methode zur besseren Kontrolle der kommunalen und regionalen Verwaltung gedacht, hat sich die Möglichkeit der Abwahl inzwischen zu einem sehr häufig angewandten Mittel der Opposition gewandelt, die oft bereits kurz nach der verlorenen regulären Wahl ihre Kampagne zur Abwahl startet.

    NACHTRAG: Abwahl am 17. März 2013

    Das peruanische Wahltribunal JNE hat die zuletzt eingereichten Unterschriften inzwischen für gültig erklärt. Sie waren zwar erst nach der offiziellen Abgabefrist eingereicht worden, den Abwahl-Initiatoren war zuvor allerdings ein falsches Datum genannt worden. Die Metropolverwaltung kündigte bereits an, nicht juristisch gegen den Spruch vorgehen zu wollen. Als Termin für das Abwahl-Referendum wurde der 17. März 2013 festgelegt. Sollten die „Ja“-Stimmen das Referendum gewinnen, müssten Neuwahlen angesetzt werden. Wegen des einheitlichen Wahltermins bei Regional-, Provinz- und Distriktwahlen blieb einem eventuell neu gewählten Bürgermeister im besten Fall noch eine Amtszeit von rund einem Jahr.

  • Peru: Abwahlinitiative gegen Limas Bürgermeisterin vor dem Aus

    Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.
    Limas Bürgermeisterin Susana Villarán de la Puente. Foto: Héctor Vinces / ANDINA.

    Eine dem ehemaligen Bürgermeister der peruanischen Hauptstadt Lima, Luis Castañeda Lossio, nahestehende Initiative, die für die Abwahl der amtierenden Bürgermeisterin Susana Villaran kämpft, hat einen herben Rückschlag erlitten. Sie hätte mindestens 400.000 gültige Unterschriften vorlegen müssen, nach Überprüfung der 456.424 gesammelten Unterschriften durch die Personenstandsregisterbehörde RENIEC konnten allerdings nur 196.249 als „echt“ bestätigt werden. Bereits bei einer ersten automatisierten Überprüfungsrunde konnten rund 160.000 Unterschriften als falsch identifiziert werden.

    Obschon der Abwahl-Initiative nun offen steht, noch einmal Unterschriften zu sammeln, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie damit Erfolg haben wird – müsste sie doch bis Morgen über 203.000 gültige Unterschriften zusammen bekommen, damit der Abwahlprozess noch in diesem Jahr stattfinden kann.

    Die Unterschriftensammlung für den Abwahlprozess war Anfang des Jahres mit großer medialer Aufmerksamkeit gestartet, Analysten hatten die Chance als realistisch eingeschätzt, dass sich die linksliberale Bürgermeisterin Susana Villaran einem Referendum stellen muss. Dem ist sie nun wohl entgangen.

    Die Möglichkeit des Abwahlprozesses ist im peruanischen Wahlgesetz vorgesehen, abgewählt werden können neben Bürgermeistern auf Distrikt- und Provinzebene auch deren Ratsmitglieder, sowie Regionalpräsidenten und -räte. Von für die Abwahlinitiatoren erfolgreichen Abwahlprozessen hört man allerdings vor allem aus kleinen Ortschaften mit geringer Wählerzahl.

  • Peru: Elektronischer Personalausweis kommt in der zweiten Jahreshälfte

    DNI-e, der elektronische Personalausweis. Foto: ANDINA.
    DNI-e, der elektronische Personalausweis. Foto: ANDINA.

    Noch in diesem Jahr wird in Peru der elektronische Personalausweis (DNI-e) eingeführt, der über zusätzliche Sicherheitsmerkmale, sowie einen kleinen Chip verfügen wird und so schwieriger zu fälschen sein soll. Wie die Personenstandsbehörde RENIEC in der Hauptstadt Lima bekannt gab, wird auf dem Chip neben dem Passbild, dem Fingerabdruck und der Unterschrift auch ein elektronisches Zertifikat gespeichert sein, das die sichere Abwicklung von Online-Transaktionen ermöglichen soll. Die Verteilung entsprechender Zertifikate an die Behörden ist bereits in vollem Gange, das Innenministerium startete bereits eine entsprechende Pilotphase. In einem nächsten Schritt sollen auch Notare und Rechtsanwälte bedacht werden.

    Der neue Personalausweis, der in Form, Aussehen und Größe zwischen einer Kredit- und einer deutschen Krankenversicherungskarte liegt, soll dazu beitragen, das Ziel der Regierung zu erreichen, bis Ende 2014 10% aller Verwaltungsakte online abzuwickeln. RENIEC-Chef Jorge Luis Yrivarren, der den elektronischen Personalausweis voller Vorfreude dem Publikum vorstellte, ließ sich dann aber doch nicht dazu bewegen, das neue Ausweisdokument als „unfälschbar“ zu bezeichnen – es sei „beinahe unfälschbar“, so Yrivarren gegenüber Canal N. Die alten Dokumente bleiben allerdings weiter gültig, zudem haben nur Personen über 18 Jahren ein Recht auf den elektronischen Personalausweis. Zudem, gestand der RENIEC-Chef ein, werde der neue Personalausweis „ein klein wenig teurer“ sein als der Alte, genaue Zahlen nannte er nicht. Die Gültigkeit wird bei jeweils vier Jahren verbleiben.

    Vorangetrieben wurde der elektronische Personalausweis durch die sehr aktive E-Government-Abteilung (ONGEI), die dem peruanischen Premierminister untersteht. Vielerorts wird -mal mehr mal weniger erfolgreich- mit Möglichkeiten des Internets die Bürokratie zu vereinfachen. So können Zahlungen für zahlreiche Anträge bereits jetzt online vorgenommen werden, ebenso manche Anträge selbst. Dieses Angebot soll nach dem Willen von RENIEC und ONGEI

    Angekündigt war der elektronische Personalausweis übrigens bereits für Mitte 2011. Nicht zuletzt der Regierungswechsel fürten aber offenbar zu einer Verschiebung.

  • Peru: Personenstandsregister RENIEC soll in Zukunft Reisepässe ausstellen

    Im Rahmen des Bürokratieabbaus soll nach Plänen des Innenministeriums nicht mehr die Migrationsbehörde DIGEMIN, sondern das Personenstandsregister RENIEC für die Ausstellung peruanischer Reisepässe zuständig sein. Das gab gestern Innenminister Miguel Hidalgo bekannt. RENIEC, das auch für die Ausstellung von Personalausweisen zuständig ist, verfügt bereits über alle wichtigen Daten, die der Migrationsbehörde bislang bei jedem Antrag auf Passerneuerung extra bereitgestellt werden müssen.

    Für Peruanerinnen und Peruaner brächte das Vor- und Nachteile mit sich, denn beispielsweise war es bislang möglich, in der DIGEMIN-Zentrale in Lima innerhalb weniger Stunden nach dem Antrag einen Reisepass zu bekommen. RENIEC dagegen hat zwar insgesamt keinen schlechten Ruf, ist aber vor allem im Zusammenhang mit der Ausstellung von Personalausweisen (DNI) für seine Langsamkeit bekannt, insbesondere außerhalb der Hauptstadt Lima. Dafür wird der Zugang zu einem nun Reisepass erleichtert, da RENIEC peruweit über 250 Büros verfügt – DIGEMIN dagegen nur über 25.

    Der peruanische Kongress muss dem Vorschlag noch zustimmen.

  • "Schwalben-Wähler": Wohnortwechsel für den Wahlbetrug

    Dieser Tage begann RENIEC, die peruanische Institution zur Verwaltung des Personenstandsregisters, Unregelmäßigkeiten in der Häufigkeit von Wohnortwechsel nachzugehen. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, denn 2010 ist in Peru ein Wahljahr, auf lokaler, Provinz- und Regionalebene werden Bürgermeister, Gemeinderäte und Regionalpräsidenten bestimmt. Um einen solchen Posten zu erringen, haben findige Kandidaten ein – in Peru verbotenes – System etabliert, das unter dem Namen „Voto Golondrino“ bekannt ist, was auf Deutsch etwa Schwalben-Wählerstimme bedeutet.

    Schwalben-Wähler wandern in den Monaten vor der Wahl von einem Wahlkreis in einen anderen, um den dortigen Kandidaten oder die dortige Kandidatin zu unterstützen, ohne jedoch einen „echten“ Wohnsitz vor Ort zu haben. Gründe, bei einer solchen Aktion mitzumachen gibt es viele, der Nobelste ist noch, wenn die „Schwalbe“ an ihrem alten Heimatort den „richtigen“ Kandidaten unterstützen möchte. Andere sind Familienangehörige der Kandidaten oder erhalten Geld, Grundstücke oder andere Gefälligkeiten. Dafür müssen sie ihren Personalausweis, „Documento Nacional de Identidad“ (DNI), entsprechend ändern lassen. Bei den vergangenen Wahlen gab es zahlreiche Berichte über diese Art von „Schwalben“, in mehreren Fällen kam es im Anschluss an die Wahl zu Ausschreitungen, da andere Parteien Wahlbetrug vermuteten. So stürmten aufgebrachte Anwohnerinnen und Anwohner 2006 in Chalamarca (Prov. Chota / Reg. Cajamarca) den Sitz der provisorischen Wahlbehörde und zerstörten die Wahlurnen. Anschließend wurde auch das Gesundheitszentrum und das Rathaus besetyt. Die Wahlen mussten 2007 wiederholt werden.

    Besonders in kleinen Distrikten kann eine Horde Schwalben das Wahlergebnis stark beeinflussen. Gibt es nur wenige hundert Wähler, können sie durchaus ein Wahlergebnis ausmachen. Das zeichnet sich nun auch für die diesjährigen Wahlen ab. In 16 Distrikten hat RENIEC Untersuchungen eingeleitet. Zuvor war zwischen Juli 2008 und Juni 2009 – ein Jahr mit nur wenigen Wahlen – der Durchschnitt der Umzüge aus und in einen Distrikt erhoben worden. Damit verglichen die Statistiker die Wohnortänderungen von Juli 2009 bis Januar 2010 – und wurden überrascht. Um bis zu 80% hatte sich die Zahl der Wohnortänderungen in manchen Distrikten erhöht – für RENIEC-Chef Eduardo Ruiz Botto ein klares Anzeichen für „Schwalben“. Um ganz sicher zu gehen, wird nun in 16 Distrikten überprüft, ob die umgemeldeten Personen auch wirklich ihren festen Wohnsitz am Ort haben. Am 6. Juni werden dann die endgültigen Wählerlisten („Padrón Electoral“) festgelegt.

    Wird eine „Schwalbe“ entdeckt, wird ihr letzter Wohnortwechsel sofort außer Kraft gesetzt. Für den „Anstifter“ sieht der Artikel 359, Absatz 8 des peruanischen Strafgesetzbuches eine Haftstrafe zwischen zwei und acht Jahren vor. Die Distrikte mit dem höchsten vermuteten „Schwalben-Anteil“ liegen in Amazonas, Moquegua, Ancash, Arequipa und Huánuco.

    Insgesamt rund 12.000 „atypische“ Wohnortwechsel wurden bis Ende Januar registriert. Besonders „umzugsfreudig“ zeigte sich beispielsweise der Distrikt „Churuja“ (Prov. Bongará / Region Amazonas). Bei der Volkszählung 2007 wurden hier insgesamt 272 Personen registriert. Seit vergangenem Juli ist nach Angaben des RENIEC die Zahl der „Einwohner“ im wahlfähigen Alter um 249 Personen angewachsen. Im Distrikt San Cristóbal (Prov. Mariscal Nieto / Region Moquegua) stieg die Zahl der Wahlberechtigten im Untersuchungszeitraum um 518 Personen – eher ungewöhnlich für einen Distrikt, der vor der Untersuchung über 2.991 Wahlberechtigte verfügte. Ähnliches passierte auch in Cholón (Prov. Marañón / Region Huánuco, von 2.971 auf 3631) und Cahuac (Prov. Yarowilca / Region Huánuco, von 1.617 auf 2.019).

    Die Wahlen finden am 3. Oktober 2010 statt.

  • Lima: Digitalisierung von Personenstandsregister enthüllt 2.000 Polygamiefälle

    „Verheiratete können keine Ehe schließen“. So steht es im Absatz 5 des Artikels 241 des peruanischen Bürgerlichen Gesetzbuches („código civíl“). Um so spannender wird das Ergebnis der Zusammenführung von Familienstandsbüchern durch die peruanische Personenstandsregisterbehörde RENIEC. Die hatte in den vergangenen Wochen die Bücher von 22 der 43 Distriktverwaltungen der Hauptstadt Lima digitalisiert und dabei 2.000 Fälle von Bigamie aufgedeckt. In 200 Fällen war einer der Ehepartner sogar öfter als zwei Mal verheiratet. Nicht auszudenken, welche Zahlen herauskommen werden, wenn RENIEC seine Arbeit vollendet hat.

    Da die Distriktverwaltungen bisher über kein einheitliches System zur Registrierung des Personenstandes – was Hochzeit, Geburt und Tod beinhaltet – verfügten, heirateten die nun ertappten Personen scheinbar ohne große Probleme in einem anderen Rathaus erneut.

    Insgesamt waren 4,6 Millionen Dokumente untersucht worden, darunter auch Geburts- und Todesvermerke. Der eigentliche Zweck war es, der Bevölkerung den Umzug und den Zugang zu den Dokumenten zu erleichtern. Die Entdeckung von Unregelmäßigkeiten wie den Polygamie-Fällen war eher ein Nebeneffekt, so Reniec-Abteilungsleiter Armando García. Der Rekord lag bei sechs gleichzeitigen Ehen. Es handelte sich dabei um einen 57jährigen peruaner, der inzwischen in Kolumbien festgenommen wurde, nachdem er mehrere Frauen geheiratet, betrogen und bestohlen hatte. Eine Hochzeit wurde in San Isidro, eine in La Punta, eine in Magdalena del Mar und drei in San Borja registriert.

    Man darf gespannt sein, welche Zahlen am Ende der Digitalisierung stehen.

  • RENIEC: 11.000 Peruaner haben mehrere Identitäten

    Ob es sich dabei um ungenaue Daten handelt, die das peruanische Personenstandsregister so aus der Routine reissen, ist nicht bekannt. In jedem Fall soll es 11.000 Peruaner geben, die mehrmals im Personenstandsregister – unter verschiedenen Namen – eingetragen wurden. Der Rekord lag dabei bei 4 Eintragungen ein und derselben Person.

  • RENIEC: 8 Mio minderjährige Peruaner ohne Geburtsurkunde und Ausweis

    Rund 8 Millionen Kinder und Jugendliche in Peru verfügen über keine Geburtsurkunde oder keinen Ausweis (DNI) . Das gab Adolfo Herrera vom peruanischen Personenstandsregister RENIEC  bekannt. Als Grund dafür vermutet Herrera den besonders in ländlichen Regionen und indigenen Gemeinschaften verbreiteten Glauben, die Meldung sei unwichtig. Auch eine reaktionäre Familienstruktur trage zu dem Problem bei. Weiters seien auch die Urkunden ein Problem, die bei Naturkatastrophen oder während des peruanischen Bürgerkrieges Ende des vergangenen Jahrhunderts verloren gegangen waren.

    Neues Gesetz soll Probleme mit verschwundenen Urkunden lösen

    Anfang des Jahres war ein Gesetz in Kraft getreten, das insbesondere letztere Fälle regelt. Demnach können verschwundene Personenstandsurkunden auch dann ausgetellt werden, wenn der ursprüngliche Eintrag im Personenstandsregister nicht mehr vorhanden ist. Dafür sind entweder Urkunden anderer staatlicher Einrichtungen anzuerkennen – oder die Aussage zweier Zeugen.

    Nun soll dieses Gesetz im Rahmen einer landesweiten Kampagne bekannt gemacht werden, mit dem Ziel „innerhalb eines Jahres“ alle 8 Millionen minderjährigen Peruaner ohne Geburtsurkunde oder Pass mit eben diesen auszustatten, wie es in einer Pressemitteilung des RENIEC heißt.

    Kinder ohne Geburtsurkunde „existieren“ nicht

    Grund für diese Anstrengungen des RENIEC ist unter anderem, dass Kinder ohne Eintrag im Register – weitgehend unbemerkt – entführt, misshandelt oder gar verkauft werden könnten. Dies ist zwar verboten, aber ohne entsprechende Dokumente nur schwer nachzuweisen.

    Eigene Regelungen für indigene Gemeinschaften

    Deshalb sollen nun verstärkt lokale Autoritäten angehalten werden, für die Registrierung aller Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Zudem soll ein spezielles Registrierungssystem für Angehörige indigener Gemeinschaften eingeführt werden, an dem RENIEC derzeit gemeinsam mit UNICEF arbeitet. Hierdurch soll beispielsweise vermieden werden, dass es zu einer -möglicherweise ungewollten – schlechten Behandlung durch Beamte des RENIEC kommt, wenn es um die Registrierung traditioneller Namen von Angehörigen indigener Gemeinschaften geht.