Aktuelles zu peruanischen Parteien, Parlamenten, Räten, Ministerien und Ministern, Organisationen der Zivilgesellschaft, Verwaltungsorganen und Gesetzen und allem, was dazugehört, zur peruanischen Politik.
Schon kurz nach der Bekanntgabe des Rücktritts des peruanischen Wirtschafts- und Finanzministers Luis Carranza vereidigte der peruanische Präsident Alan García gestern Abend die bisherige Produktionsministerin Mercedes Aráoz als dessen Nachfolgerin. Mercedes Aráoz hat unter anderem als Außenhandels- und Tourismusministeriun maßgeblich an dem Freihandelsabkommen Perus mit den Vereinigten Staaten von Amerika (TLC) mitgewirkt und gilt als neoliberal. Zuletzt stand sie wegen ihrer Haltung zum Bagua-Konflikt in der Kritik. Bis zum letzten Moment hatte sie darauf beharrt, mehrere Gesetzesdekrete, gegen die tausende Indígena und Mestizen protestierten, seien für das Freihandelsabkommen unverzichtbar. Die Rücknahme der Dekrete nur wenige Tage nach den Zusammenstößen zwischen Indígena und der Polizei im peruanischen Bagua zeigte schließlich das Gegenteil.
Mercedes R. Aráoz Fernández studierte Ökonomie an der Universidad del Pacífico (Lima), anschließend kam noch ein Master und ein Doktorat im selben Fach an der Universität Miami hinzu. Zudem belegte sie wiederholt hohe Plätze bei Wahlen zur „schönsten Politikerin der Welt“.
Sie ist die erste Frau, die das peruanische Finanzministerium übernimmt und gleichzeitig die dritte Person, die während dieser Regierungszeit Garcías das Amt innehat.
Nach einer Reihe von Skandalen rund um die Einrichtung, Qualität und Vergrößerung diverser Universitäten will die peruanische Regierung nun die Notbremse ziehen. Ein derzeit diskutierter Gesetzentwurf sieht vor, die Genehmigung neuer Universitäten auf Eis zu legen, bis alle Universitäten, die derzeit auf dem Weg endgültigen Genehmigung sind, diesen Prozess vollständig durchlaufen haben. Zudem soll eine neue Institution die Lehrqualität der bestehenden Universitäten überprüfen.
Präsident Alan García hatte heute bei RPP noticias angeprangert, die derzeit 98 Universitäten mit über 400 Zweigstellen seien zu viel. 1990 habe es noch 34 gegeben.
Zahlreiche peruanische Universitäten bieten neben den Studien an ihren Hauptstellen auch eine Mischung aus Fern- und Präsenzstudium in zahlreichen Filialen und Zweigstellen auch an kleineren Orten an. Viele dieser Filialen und Zweigstellen verfügen über keine Genehmigung. Schließt nach kurzer Zeit die Zweigstelle am Ort wieder, haben die Studenten oft nur wenige Möglichkeiten, ihr Studium fortzusetzen – unter anderem auch, weil mache dieser Institutionen formal überhaupt nicht existieren. Bereits erbrachte Studienleistungen und bezahlte Studiengebühren sind dahin.
Eine Universität mit einer besonders großen Zahl von Zweigstellen ist die der peruanischen Luftwaffe nahestehende „Alas Peruanas“, die in den vergangenen Wochen wiederholt in die Schlagzeilen geriet, nachdem mehrere Justizbeamte und Kongressabgeordnete angeblich auf Kosten der Privatuniversität Reisen unternommen hatten.
Bewegung im Dozentenstreik
In den seit rund 90 Tagen andauernden Streik der Universitätsdozenten ist Bewegung gekommen. Am kommenden Donnerstag wollen sich Vertreter der streikenden Dozenten mit Abgesandten des Bildungs- und des Finanzministeriums treffen. Die Dozenten und ihre Gewerkschaft FENDUP fordern eine Angleichung ihres Gehalts an das Grundgehalt im Justizsektor.
Die öffentlichen und privaten Schulen Perus dürfen in keinem Fall mit den Begriffen „voruniversitär“ oder „preuniversitär“ werben. Zudem dürfen in Zukunft Schulen, Paukakademien oder Repetitorien nicht mehr einen „garantierten Zugang zur Universität“ versprechen. Das erklärte der Vizeminister für Bildung Idel Vexler. Zum einen könnten diese Einrichtungen den Zugang nicht garantieren, zum anderen widerspräche es dem pädagogischen Konzept der Schulen, nur auf die Beantwortung der Aufnahmetests der Universitäten vorzubereiten, so der Vizeminister.
Vor einigen Wochen hatte das Bildungsministerium mit einer Verordnung öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen die Nutzung, Verbreitung und Werbung von und mit den Begriffen „voruniversitäre Bildungseinrichtung“ verboten. Diese sind – laut der Verordnung – im peruanischen Bildungssystem nicht vorgesehen. Heute wurde die Verordnung noch einmal bekräftigt.
In Peru besuchen Schüler oftmals nach Abschluss der weiterführenden Schule über mehrere Jahre hinweg Repetitorien, die einzig und allein auf den Aufnahmetest einer bestimmten Universität vorbereiten. Noch immer versprechen viele Anbieter dieser Kurse einen „garantierten“ Zugang zu bestimmten Hochschulen- ein Versprechen, das sie zumindest mit legalen Mitteln nicht einlösen können. Viele Universitäten betreiben selbst „Pre“-Akademien.
Seit einigen Monaten reisen Delegationen von Botschaftern und Ministern durch südamerikanische Hauptstädte, um für einen Pakt zu werben, der ursprünglich „Nichtagressionspakt“ hieß, inzwischen „Aufrüstungsbegrenzungspakt“ genannt wird. Darin sollen sich die südamerikanischen Staaten verpflichten, ihre Ausgaben für Rüstungsgüter transparent zu machen – und zu begrenzen, um über mehr Geld für Sozialprogramme zu verfügen. Bis dahin ein guter Plan, der vermutlich in erster Linie auf Waffengroßeinkäufer wie Chile und Venezuela zielen soll.
Ganz glaubhaft wirkt er allerdings nicht. Zwar haben einige südamerikanische Staaten wie beispielsweise Paraguay und Ecuador ihre Unterstützung zugesichert, aber gleichzeitig wurden auf der vor wenigen Tagen nachgeholten Militärparade zum Nationalfeiertag fünf Panzer chinesischer Produktion vorgestellt. Diese Panzer sind derzeit zu Probezwecken in Peru, mehrere Regierungsmitglieder kündigten aber bereits an, den Kauf mehrerer dieser Panzer unterstützen zu wollen.
Auch der Hardliner und Verteidigungsminister Rafael Rey lässt dieser Tage keine Möglichkeit aus, auf sein Lieblingsprojekt „5% der Erlöse aus künftigen Mineralienfunden für die Streitkräfte“ hinzuweisen. Das klingt nicht unbedingt nach Begrenzung der Ausgaben für Waffen.
Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser
Sollte bei der Wahl zum Regionalpräsidenten in einer der 25 peruanischen Regionen in Zukunft kein Kandidat mehr als 30% der gültigen Stimmen bekommen, ist künftig eine Stichwahl notwendig. Das hat der peruanische Kongress beschlossen. Die Befürworter erhoffen sich von der neuen Regelung eine höhere Repräsentativität der Regionalpräsidenten. Bisher waren wiederholt Kandidaten mit weniger als 30% der gültigen Stimmen zu Regionalpräsidenten geworden. In der nun eingeführten Stichwahl, die höchstens 30 Tage nach der ersten Wahlrunde durchgeführt werden muss, treten die beiden Kandidaten gegeneinander an, die in der ersten Runde die höchsten Stimmanteile bekommen. Dort reicht dann die einfache Mehrheit der gültigen Stimmen aus.
Kritiker bemängeln, man habe die Regionalregierungen bei der Entscheidung völlig übergangen. Wenn, dann solle man auch für Kongress- und Bürgermeisterwahlen eine Stichwahl einführen, forderte Hugo Ordóñez, derzeit Vorsitzender der Versammlung der Regionalregierungen. Zudem sei es seltsam, dass die „Spielregeln“ während des Wahlkampfes geändert würden, so Ordóñez. Bereits im kommenden Jahr werden in Peru die Regionalpräsidenten neu gewählt.
Der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser
Auch der ehemalige Direktor der peruanischen Wahlbehörde ONPE, Fernando Tuesta, sprach sich dafür aus, die Gesetzesänderung noch einmal zu überdenken. Eine zweite Wahlrunde würde nur unnötige Kosten verursachen und dabei keine besseren Kandidaten hervorbringen, so Tuesta.
64 Abgeordnete im peruanischen Kongress hatten für die Gesetzesänderung gestimmt. Es gab 28 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen.
Im kommenden Jahr werden in Peru Regionalregierungen und Bürgermeister neu gewählt. In Peru ist die Parteienlandschaft extrem fragmentiert und personalisiert und die Basis der meisten Parteien nicht besonders fest verankert. Daher treibt der Wahlkampf auf lokaler Ebene oft seltsame Blüten. INFOAMAZONAS möchte ein paar wahre Geschichten der vergangenen und der kommenden Wahl vorstellen. Es sei darauf hingewiesen, dass es durchaus Parteien gibt, die über teilweise funktionsfähige Strukturen verfügen und eine verhältnismäßig breite Basis haben. Die Regel sind sie aber nicht.
Kapitel 1: Wie der Kandidat seine Partei findet – und umgekehrt
Eine Provinz im Norden Perus. Gegen Ende des Jahres soll ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Die Wahl möchte eine bestimmte Partei gerne gewinnen, denn mit ihrem Kandidaten im Bürgermeisteramt – oder zumindest mehreren Kandidaten im „Consejo Provincial“, einer Art abgespecktem Kreisrat, sind nicht nur einige Parteikollegen für einige Jahre in Lohn und Brot gebracht, man kann auch wichtiges mitbestimmen. Unter „wichtiges“ fallen in vielen Fällen notwendige Maßnahmen für die entsprechende Provinz. In anderen Fällen fallen darunter aber auch Dinge wie die Asphaltierung einer Straße, die zufällig am Haus eines Kandidaten vorbeiführt. Oder ein gut bezahlter Arbeitsplatz für einen gute Bekannte.
Am günstigsten wäre es da natürlich, wenn der lokale Parteiführer als Spitzenkandidat antreten würde. Eigentlich. Das Problem dabei ist, dass allein der Begriff „Politik“ in Peru eher als Schimpfwort verstanden wird und nicht, wie es beispielsweise der Politikwissenschaftler Rüdiger Robert definiert, als System, das Entscheidungen trifft, die für die Gesellschaft als Ganze von existenzieller Bedeutung sind. So suchen Parteien dann lieber eine Person, die bislang mit Politik nichts am Hut hatte und sich auf einem anderen Gebiet einen Namen gemacht hat.
Es geht aber auch umgekehrt. Ebenfalls in Nordperu, diesmal in einem Distrikt, es geht um die Wahl des Bürgermeisters, auf Gemeindeebene. Ein engagierter Mensch möchte mit einem Grüppchen Vertrauter das Rathaus erobern. Wir unterstellen ihm zunächstmal noble Interessen: Bekämpfung der Korruption, Ausbau der Infrastruktur und dann noch der ganz allgemeine Wunsch „etwas für die Bevölkerung zu tun“.
Es besteht für den engagierte Menschen und seine Freunde nun die Möglichkeit der Gründung einer Partei oder eines eigenen Wahlbündnisses. Das aber ist sehr kompliziert, langwierig und kostet auch einiges Geld. Die Sammlung einer Anzahl von Unterschriften ist dabei nur der erste Schritt. Eine günstige und vergleichsweise unkomplizierte Alternative ist da, sich eine Partei zu suchen, die im Distrikt bisher noch nicht existierte. Diese freut sich darüber, „ihre Basis zu verbreitern“, bietet einen mal mehr und mal weniger bekannten Namen und unterstützt vielleicht sogar noch den Wahlkampf mit Material und Unterstützungsbesuchen populärer Parteimitglieder.
Ganz in der Nähe, ein kleiner Distrikt mit mehreren noch kleineren Teilorten. Ein Abgesandter der Regionalregierung geht von Haus zu Haus und fragt nach den angesehensten Personen des Distriktes. Der Vorsitzende der Bauernvereinigung wird häufig genannt. Auch der örtliche Friedensrichter taucht immer wieder auf. Der amtierende Bürgermeister wird von seinen Familienmitgliedern und Günstlingen mehrfach genannt. Am Ende liegt eine Person weit vor den anderen. der Abgesandte der Regionalregierung stattet ihm einen Besuch ab und bittet ihn oder sie, für die Partei des Regionalpräsidenten als Bürgermeister zu kandidieren. Geld sei kein Problem, man übernehme zudem einen Teil der Kosten des Wahlkampfes.
2. Wie der Kandidat / die Kandidatin zu seinen / ihren Stimmen kommt.
„Die Hoffnung ist Unterwegs“ – Wahlkampfspruch der Regierunspartei APRA. Foto: D. Raiser
In Peru herrscht Wahlpflicht, wer nicht an der Wahl teilnimmt, muss eine Geldstrafe bezahlen, überprüft wird das über einen Aufkleber auf dem Personalausweis. Wer nicht bezahlt, kann ist bis zur Bezahlung von bestimmten Behördenleistungen ausgeschlossen.
Natürlich gibt es auch hier auf lokaler Ebene einen Wahlkampf, in dem alle Parteien versuchen, ihre Ideen bekannter zu machen. Radiospots werden geschaltet, Wände werden mit Namen, Farben und Nummern der Kandidaten und Parteien bemalt. So mancher Hausbesitzer freut sich, auf Kosten einer Partei, der er möglicherweise nicht sehr nahe steht, seine Wand gestrichen zu bekommen. Ganze Berghänge werden mit überdimensionalen Parteilogos überzogen – aus Farbe, aber auch aus angeordneten Steinen. In vielen Fällen gründen Kandidaten nur für ihren Wahlkampf sogar eigene Radio- oder Fernsehsender – interessanterweise häufig ohne Erfolg. Ist die Wahl gelaufen, wird der Sender dann weiterverkauft. Manchmal gehen Medienunternehmen auf Parteien zu, um „Komplettpakete“ zu verkaufen, die neben den normalen Werbeplätzen auch wohlwollende Interviews, sowie die Diffamierung von Gegenkandidatinnen und -kandidaten enthalten.
Daneben gibt es noch andere „Möglichkeiten“. Manche sind auch aus Deutschland bekannt, beispielsweise von der Parteijugend, die für Senioren einen Fahrdienst zum Wahllokal anbietet. Daneben gibt es aber noch weitere, die besonders bei Distriktwahlen häufig zum Einsatz kommen.
Ein Distrikt im Südteil der nordperuanischen Region Amazonas. Der Bürgermeister des Distriktes möchte wiedergewählt werden. Seit der vergangenen Wahl sind einige seiner treuen Wähler in eine nahegelegene Stadt gezogen. Damit müssten sie eigentlich dort wählen, denn sie verfügen am Ort über keinen Wohnsitz mehr. Der Lösungsansatz des Bürgermeisters ist einfach, aber wirksam: Die weggezogenen sicheren Wähler bekommen von der Gemeinde ein kleines Baugrundstück geschenkt, wenn sie sich im Gegenzug wieder in der Gemeinde anmelden. Ob sie dann dort wohnen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Aber auch der Gegenkandidat schläft nicht. Verliert ein Einwohner seinen Personalausweis oder läuft dieser ab, ist er sofort zur Stelle. Ein neuer Personalausweis bei Verlußt oder Diebstahl kostet 22 Nuevos Soles – für den Kandidaten ein Taschengeld für eine wahrscheinliche Stimme. Liegt die wahlberechtigte Bevölkerung unter 800 Personen, könnte diese Stimme die entscheidende sein.
Und so melden sich oft Familienmitglieder oder Freunde von Kandidaten kurz vor der Wahl noch um, dass dafür sogar ein eigener Begriff und ein eigener Strafbestand eingeführt wurde: Voto Golondrino, Schwalben-Wählerstimme.
Trotz allem: Der ganze „Einfallsreichtum“ der Kandidaten und Parteien kann auch nach hinten losgehen. Denn in Peru ist die Wahl geheim. Keiner kann später nachprüfen, ob die mit Geschenken bedachten Wähler das Kreuz bei der Wahl an der „richtigen“ Stelle gemacht haben. In besagtem Distrikt im südlichen Teil der Region Amazonas gibt es garantiert zahlreiche Personen, die dank des Wahlkampfes nun einen neuen Personalausweis und gleichzeitig ein neues Baugrundstück besitzen.
Wie es inzwischen in Peru traurige Tradition ist, kam es auch bei der zentralen Prüfung für Lehrer, die verbeamtet werden, beziehungsweise für das kommende Jahr angestellt werden wollen, zu „seltsamen“ Geschehnissen. Am vergangenen Sonntag wurden zehntausende Lehrerinnen und Lehrer in allen Teilen Perus getestet. Für eine Verbeamtung waren mindestens 14 Punkte (von 20) zu erreichen, für eine Anstellung reichten auch etwas weniger Punkte, je nach Zahl der ausgeschriebenen Stellen. Gestern nun wurden die Ergebnisse veröffentlicht und konnten über die Internetseite des peruanischen Bildungsministeriums eingesehen werden. Das Seltsame dabei: Wie INFOAMAZONAS überprüfen konnte, hatte beispielsweise eine Lehrerin, die beim gestrigen Aufruf der Seite noch 14 Punkte hatte, heute nur noch 12.
Dafür liefert das Bildungsministerium auf der selben Seite gleich eine Erklärung: „Bei der Veröffentlichung des Resultates gab es einen Fehler, durch den auf der Liste die Reihen verschoben wurden, die nach Teilnehmern geordnet waren anstatt nach Punktzahl, was sofort korrigiert wurde“.
Kann passieren könnte man sagen. Wirklich glaubhaft, dass es sich um ein Versehen handelt, ist es aber nicht. So kam es bereits Anfang diesen Jahres beispielsweise in der Region Amazonas zu Unregelmäßigkeiten bei der Lehrerevaluation. Bei dem entsprechenden Einstellungstest hatte eine ungewöhnlich hohe Zahl von Teilnehmern eine sehr niedrige Punktzahl, 1 Punkt und weniger. Nach einer großen Schwelle gab es dann wenige Teilnehmer mit 14 Punkten und mehr. Die wenigen Lehrer, die das Ergebnis anfochten, kamen damit durch und erhielten trotz niedriger Note eine Stelle.
Auch die -permanent evaluationskritische- peruanische Lehrergewerkschaft SUTEP warf dem Bildungsministerium vor, die Prüfung manipuliert zu haben. So sollen in Chiclayo, Cajamarca, Chimbote, Huaraz, Tarapoto, Ica, Cusco, Ayacucho, Huancayo, San Juan de Miraflores und Callao die Lösungen bereits vor der Prüfung im Umlauf gewesen sein. An zahlreichen Orten haben sich diese Lösungen im Nachhinein als Fälschung gewiefter Geschäftemacher herausgestellt. In mehreren Fällen seien es aber die wirklichen Lösungen gewesen, so die Gewerkschaft in einer Stellungnahme. In einem Fall in der Hafenstadt Callao bei Lima habe dies auch die Staatsanwaltschaft bestätigt. SUTEP sieht darin eine Strategie der aktuellen Regierung, ihrer Klientel zu Arbeit zu verhelfen.
NACHTRAG:
Das peruanische Bildungsministerium hat auf seiner Internetseite ein Formular bereitgestellt, über das Klagen über den Prüfungsverlauf und die Bekanntgabe der Ergebnisse eingereicht werden können.
NACHTRAG II (23.11.2009)
Die Lehrergewerkschaft SUTEP kündigte an, in den kommenden Tagen die Bildungskommission des peruanischen Kongresses über die Unregelmäßigkeiten in Kenntniss zu setzen. Zudem werde eine Klage gegen den Bildungsminister geprüft, so SUTEP-Generalsekretär Hammer Villena. Nach Angaben der Gewerkschaft betraf der sog. „technische Fehler“ des Bildungsministerium mehr als 5.000 Personen, die am zentralen Einstellungstest teilgenommen hatten. „Niemand kann glauben, dass im gesamten Bildungsministerium kein Informatik-Experte existiert, der das System überprüft“, so Villena gegenüber dem Radiosenderverbund CNR. Er vermutet dagegen, viele Stellen wären bereits vor dem Test unter Apra-Nahen Lehrern aufgeteilt worden. Als dann 90.000 Lehrer den Test bestanden hatten, habe man das Ergebnis so verändert, dass nur noch 40.000 Personen als „Bestanden“ erschienen, damit die Stellen für die „Apristen“ reichen. Die Partei Apra stellt derzeit den peruanischen Präsidenten, den Premier und den Großteil der Minister.
Vergangene Woche kam in Lima nach einem Fußballspiel eine junge Buchhalterin ums Leben, nachdem sie aus einem Kleinbus gestoßen worden war. Dieser war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur ANDINA mit Fußballfans und -angeblich- auch Hooligans völlig überfüllt. Die Polizei nahm inzwischen einen Verdächtigen fest, der aber abstreitet, die junge Dame gestoßen zu haben. Das Thema hat in Peru eine Debatte über die Behandlung von Hooligans („Barras Bravas“) ausgelößt, die Woche für Woche ganze Straßenzüge im Umkreis der großen Stadien von Lima verwüsten und dabei Angst und Schrecken verbreiten. Dabei ist unter anderem eine Registrierung gewalttätiger Fußballfans im Gespräch oder eine finanzielle Beteiligung der Vereine an den Polizeikosten.
Den jüngsten Geistesblitz hat nun der peruanische Innenminister und ehemalige Präsident der Nationalpolizei Octavio Salazar verbrochen. Er forderte als Universalrezept gegen die Hooligans die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Und nicht nur gegen Hooligans, allgemein könne so der Jugendgewalt vorgebeugt werden, so Salazar. In den Kasernen lernten jugendliche „Disziplin, Vaterlandsliebe und viele andere Werte“, lernten „früh aufzustehen“ und würden „ordentlicher“.
Octavio Salazar war vor wenigen Monaten von seinem Amt als Polizeichef abberufen worden, um Innenminister zu werden.
Würde man die Worte von Perus First Lady Pilar Nores de García und Verkehrsminister Enrique Cornejo für bare Münze nehmen, könnten die Straßen, die Chachapoyas mit der Nachbarprovinz Rodriguez de Mendoza bzw. die Achamaqui-Kreuzung mit Leymebamba verbinden, bald ausgebaut und geteert werden. Leider beginnen sich nach den schönen Ankündigungen von Präsidenten und/oder Verkehrsministern die Machbarkeits- und Umweltverträglichkeitsprüfungen aneinanderzureihen. Das ist grundsätzlich positiv. Wäre denn abzusehen, wann diese fertig gestellt werden. Sollten diese Studien jemals fertig gestellt werden, dann hat vermutlich bereits eine neue Regierung das Ruder in der Hand, die bis zum Putzpersonal alle Mitarbeiter durch „Vertrauenspersonen“ austauscht. Bis sich diese, falls sie etwas von der Materie verstehen, in die vielfältigen Projekte eingearbeitet haben, vergehen dann im besten Fall weitere Jahre, im schlechtesten weitere Jahrzehnte.
Schon hier zeigt sich ein Problem der erfolgten Ankündigungen. Das Jahrhundert, in dem die genannten Straßen gebaut werden sollen, wurde in den Ansprachen des Ministers und der First Lady nicht näher genannt. Dabei hat vermutlich die Straße von der Achamaqui-Kreuzung, die rund 25 Minuten Fahrzeit unterhalb von Chachapoyas liegt, in die Mumien- und Museumsstadt Leymebamba bessere Chancen. Sie würde den Abtransport von Früchten der Chirimoya-Plantage „Fundo Achamaqui“ erleichtern – die im Besitz eines Kongressabgeordneten der Regierungspartei APRA ist.
Die Region Amazonas würde von beiden Straßen sehr profitieren. Rodriguez de Mendoza exportiert ökologischen Kaffee höchster Qualität in diverse Industrieländer, auch andere Produkte wie Rohrzucker und zahlreiche Früchte werden dort angebaut und könnten über eine bessere Straße schneller und günstiger einen Markt finden. Die Strecke zwischen Achamaqui und Leymebamba ist die touristische Hauptroute der Region. Sie verbindet mit Gocta den dritthöchsten Wasserfall der Welt mit den weltweit einmaligen Ruinen der Chachapoya-Stadt „Kuelap“ und dem Museum von Leymebamba, das mehrere dutzend Mumien der Chachapoya-Kultur beherbergt.
Auch das Thema der Flüge von und nach Chachapoyas wurde angesprochen. Derzeit wird der moderne Flughafen nur sporadisch von Militärflugzeugen angeflogen. Nach Angaben des Ministers Cornejo gibt es durchaus interessierte Fluglinien. Allein gäbe es unter Touristen noch keine entsprechende Nachfrage, um die Linie wirtschaftlich zu betreiben.
Mit einem erneuten Anlauf, die Wahlpflicht abzuschaffen versucht derzeit die peruanische Regierung, Druck auf den peruanischen Kongress auszuüben. Nachdem mehrmals auf parlamentarischen Wege erfolglos versucht worden war, die Verfassung entsprechend zu ändern, favorisiert Justizminister Pastor jetzt einen Volksentscheid.
Bislang ist jeder peruanische Staatsbürger im In- oder Ausland verpflichtet, an der Parlaments- und Präsidentschaftswahl teilzunehmen. Gibt er keine Stimme ab, muss er bei seinem nächsten Kontakt mit staatlichen Stellen eine Strafe bezahlen. Geprüft wird das über kleine Aufkleber, die hinten auf dem peruanischen Personalausweis (DNI) aufgeklebt werden.
Neben der Abschaffung der Wahlpflicht möchte die Regierung auch durchsetzen, dass der peruanische Kongress alle zwei Jahre zur Hälfte neu gewählt wird. Begründet wird das mit einer „besseren Repräsentation des Volkswillens“ – genauer wird darauf aber nicht eingegangen.
Daneben ist die Regierung derzeit dabei, sich noch ein weiteres Hintertürchen zu öffnen. Ein von ihr initiiertes Bürgerbegehren wurde inzwischen nach Angaben des nationalen Wahltribunals JNE von 50.000 Personen unterschrieben, die Unterschriften werden derzeit mit dem Personenstandsregister abgeglichen. Damit würde das Thema – auch gegen den Willen der parlamentarischen Mehrheit – noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt.