Bei einer Patrouillenfahrt sind am vergangenen Samstag zwei Polizisten der peruanischen Antidrogenpolizei getötet worden. Die Polizisten waren offenbar über ein improvisiertes Drogenlabor informiert worden und waren unterwegs, um die Information zu prüfen. Auf halber Strecke zwischen San Francisco und Kepashiato wurden sie von mehreren Personen überfallen, in peruanischen Medien wird darüber spekuliert, dass es sich dabei wohl um Anhänger der Terrororganisation Sendero Luminoso handelte, die in der Umgebung in den vergangenen Monaten ihr Unwesen trieben.
Zwei weitere Polizisten wurden verletzt. Die Provinz La Convención ist für Peru wirtschaftlich sehr bedeutsam, beherbergt sie doch wichtige Komponenten des „Camisea“-Erdgasprojektes. Erst vor wenigen Tagen wurden drei Hubschrauber des zum „Camisea“-Projekt gehörenden Transportadora de Gas del Perú (TgP)-Konsortiums in Brand gesetzt und zerstört.
Bislang noch hinter schwedischen Gardinen: A. Fujimori. Bild: ANDINA
Die Kinder des zeitweise autokratisch regierenden peruanischen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori haben heute wie angekündigt bei der peruanischen Regierung ein Gnadengesuch eingereicht. Das entsprechende Schreiben, in dem sie auf die angeblichen gesundheitlichen Probleme Fujimoris hinweisen, wurde am Mittag bei der Poststelle des Justizministeriums abgegeben, eine Kopie soll an Präsident Ollanta Humala übergeben werden. Alberto Fujimori sitzt derzeit eine 25jährige Haftstrafe ab, wegen Korruption, Entführung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sowie diversen anderen Verbrechen. Seit Antritt seiner Haft wurde er bereits mehrfach wegen eines Tumors medizinisch behandelt. Sollte das Justizministerium, sowie eine spezielle Begnadigungskommission die Bedingungen als Gegeben ansehen, eine Begnadigung zu prüfen, wird wohl ein medizinisches Gutachen angefordert werden, um festzustellen, ob der Tumor wirklich lebensbedrohlich ist. Begnadigungen aus humanitären Gründen sind in Peru keine Seltenheit und werden immer wieder verurteilten kriminellen, insbesondere alten Menschen mit unheilbaren Krankheiten zugestanden.
Keine Begnadigung bei Entführung?
Seit Wochen hatten peruanische Medien über das Gnadengesuch spekuliert, erst vor wenigen Tagen erklärte Präsident Humala, das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung. Das hat sich nun wohl geändert. Die Juristen, die den Präsidenten beraten, werden vorher wohl aber noch ausführlich prüfen, ob eine Begnadigung aus humanitären Gründen bei Kriminellen, die wegen Entführung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurden, rechtlich überhaupt zulässig sind. Auch die Vorgängerregierung hatte sich der Frage stellen müssen, ein formelles Gesuch war aber nie vorgelegt worden. Beobachter sehen den Grund dafür darin, dass die Bitte um Begnadigung ein Schuldeingeständnis beinhaltet. Außer im Fall der Korruption – einer Bonuszahlung an den korrupten Geheimdienstchef und Berater Vladimiro Montesinos – hatte die Fujimori-Familie stets jede Schuld von sich gewiesen. Dass nun doch um Gnade ersucht wird, hängt wohl damit zusammen, dass bis zur nächsten Präsidentschaftswahl noch einige Jahre fehlen. Wenn das Thema nun abgehandelt wird und die für die Fujimoristen unbequemen Tatsachen zum jetzigen Zeitpunkt auf den Tisch kommen, ist bis zur kommenden Wahl wieder vieles vergessen. Es wird erwartet, dass dann wieder Fujimoris Tochter Keiko Fujimori antritt – oder gar Alberto Fujimori selbst. Die Chancen stünden wohl nicht schlecht – bei der Wahl im letzten Jahr unterlag Keiko Fujimori nur knappdem heutigen Präsidenten Ollanta Humala.
Neuer Prozess wegen Kauf von Boulevard-Schlagzeilen?
Gleichzeitig droht Alberto Fujimori neues Ungemach, diesmal aus Chile. Dort war er vor einigen Jahren festgenommen und nach Peru ausgeliefert worden. Für jedes Verbrechen, wegen dem die peruanische Justiz ihm den Prozess machen möchte, muss zunächst ein chilenisches Gericht angerufen werden. Und ein solches hat nun grünes Licht gegeben, Alberto Fujimori wegen des Kaufs der redaktionellen Linie mehrerer Boulevardzeitungen/Revolverblätter („Diarios Chicha“) anzuklagen. Beginnen kann der Prozess allerdings noch nicht: Fujimori ließ vor dem chilenischen Gericht Berufung einlegen. Seine Verteidigung geht davon aus, dass der Fall bereits verjährt ist. Perus oberster Korruptionsbekämpfer Julio Arbizu, der den peruanischen Staat in der Frage vertritt, bestreitet das.
Nach einem Monat im Streik haben Lehrerinnen und Lehrer in allen Teilen Perus nun wieder ihre Unterrichtsaktivitäten aufgenommen. Nach Angaben des peruanischen Bildungsministeriums war bereits gestern in 16 Regionen das gesamte Lehrpersonal wieder im Einsatz, während die Lehrer-Anwesenheit in Áncash, Arequipa, Ica, Junin und Lambayeque sich um 95% abspielte. Auch in Lima Provincias, sowie in Piura kehrten die Lehrerinnen und Lehrer wieder in ihre Klassenzimmer zurück, lediglich in Huancavelica, Madre de Dios und Tumbes wird es bis zur Normalisierung des Schulbetriebs wohl noch einige Tage dauern.
Perus Bildungsministerin Patricia Salas. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / ANDINA.
Bildungsministerin Patricia Sala o’Brien kündigte derweil einen Plan an, um die verlorenen Unterrichtsstunden aufzuholen. Lehrerinnen und Lehrern, die die während des Streiks ausgefallenen Einheiten bis Schuljahresende nachholen, versprach sie, man werde auch für September 2012 das volle Gehalt bezahlen. Das gelte allerdings nicht für das Lehrpersonal, das an den Ausschreitungen vor dem Bildungsministerium beteiligt gewesen sei, so Salas. SUTEP-Generalsekretär René Ramírez erklärte, es sei möglich, die verlorenen Stunden noch vor den Ende Dezember beginnenden Sommerferien nachzuholen. Die Gewerkschaft gehe von 120 verlorenen Stunden aus, die bis Ende Dezember nachgeholt werden könnten, weshalb es nicht notwendig sei, sie auf Januar und Februar zu verschieben, so Ramírez.
Die Lehrergewerkschaft SUTEP hatte Ende der vergangenen Woche das Ende ihres einmonatigen Streiks angekündigt, nachdem sich Gewerkschaft und Bildungsministerium auf eine Einmalzahlung von 300 Nuevos Soles, sowie eine Nachzahlung diverser ausstehender Bonis geeinigt hatten. Zudem war die Einrichtung eines Runden Tisches beschlossen worden, dem neben dem Bildungsministerium und der Lehrergewerkschaft auch Vertreter des Präsidenten des Ministerrates angehören sollen.
Lage der Pressefreiheit in Peru. Quelle: peruanischer Journalistenverband ANP
Die peruanische Journalistin Rosario Huayanca Zapata, die derzeit für die Menschenrechtskommission Ica (CODEHICA) arbeitet, hat mehrere Morddrohungen erhalten, sowohl telefonisch, als auch durch vier Patronen in einem Briefumschlag. Auf einem beiliegenden Zettel wurde zudem die Zahlung von 30.000 US-$ gefordert. Auch mehrere Familienmitglieder wurden bedroht, berichtet das Institut für Presse und Gesellschaft (IPYS), eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Pressefreiheit einsetzt. Zuletzt hatte Huayanca Zapata offenbar einen Verwaltigungsfall in der Stadtverwaltung von Tate untersucht. CODEHICA erstattete Anzeige gegen unbekannt.
Während der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Ausblick für das Wachstum der Weltwirtschaft erst kürzlich nach unten korrigiert hat, stemmt sich Peru weiter gegen den Trend. Nach heute veröffentlichten Zahlen erwartet der IWF für das laufende Jahr ein Anwachsen des Bruttoinlandsprodukts um 6% – bislang war man noch von 5,5% ausgegangen. Gleichzeitig verringerte der IWF allerdings seine Prognose für das kommende Jahr von 6,0 auf 5,8%. Den Grund dafür sieht der IWF im düsteren Ausblick auf die Weltwirtschaft, der die Andenländer als Rohstoffexporteure wohl besonders treffen wird. Dennoch rechnet der Währungsfonds mit einer weiter sinkenden Arbeitslosigkeit und einer geringen Inflationsrate.
Seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 2000 weist die peruanische Wirtschaft ein stetiges Wachstum und eine relativ stabile Währung auf. Das Bruttoinlandsprodukt des Andenlandes lag 2011 bei 176,7 Milliarden US-Dollar. Das deutsche Außenministerium bezeichnet Peru als „wichtigen Handelspartner“, das deutsch-peruanische Handelsvolumen lag 2011 bei 2,4 Milliarden US-Dollar.
Eigentlich sollte das Gas aus dem Projekt Camisea Peru energetisch unabhänig machen. Tausende Autos wurden in den vergangenen Jahren teils mit staatlicher Förderung auf Erdgas umgerüstet, gigantische Gaskraftwerke gebaut und in der Hauptstadt Lima mit dem Bau fester Gasleitungen begonnen. Alfredo Dammert, ehemals Chef der Energie- und Bergbau-Aufsichtsbehörde OSINERGMIN, malte heute den Teufel an die Wand: Peru müsse sich auf häufige Stromausfälle einstellen, wenn die Regierung es nicht schaffe, die Gas-Pipeline in die Hauptstadt Lima zu sichern. Der Hintergrund: Anhänger der Terrororganisation Sendero Luminoso haben ihren Aktionsradius auf die Provinz La Convención in der peruanischen Region Cusco ausgeweitet – dort, wo das Gas gefördert wird.
Erinnerungen an die Zeit der Stromausfälle
Noch heute erinnern sich Limeninnen und Limenen an die 80er und 90er Jahre, als es in der peruanischen Hauptstadt zu Terroranschlägen des Sendero Luminoso (dt. leuchtender Pfad) kam, viele davon gezielt auf Strommasten, andere auf Polizeistationen, Banken, Lagerhallen, Geschäfte, Parteizentralen oder Rathäuser. Häufig waren ausgedehnte Stromausfälle die Folge. Der Abschlussbericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission (CVR), der sich damit befasst, ließt sich beklemmend. Von Hunden, die -teils mit Hammer und Sichel bemalt- tot von Straßenlaternen herabbaumeln und von Menschen wie der Vizebürgermeisterin von Villa el Salvador (VES) María Elena Moyano und anderen Stadtteilvertreterinnen und -vertretern, die gleich dutzendweise grausam ermordet wurden. Das sind die Erinnerungen an die Zeit der Stromausfälle. Und diese neu zu schüren, war wohl einer der Hintergedanken der Terroristen, die am vergangenen Samstag auf dem Flugfeld von Kiteni in der Provinz La Convención drei Hubschrauber in Brand gesetzt haben.
Geht es Sendero doch nur um Geld?
Oder ging es vielleicht doch „nur“ um Schutzgeld? In der peruanischen Presse wird den Anhängern der Sendero Luminoso-Fraktion im Tal der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (VRAEM), die nun offenbar eine neue Strategie fährt, nachgesagt, sich längst von ursprünglich maoistischen Zielen entfernt und zu einer Art Söldnerbande im Drogengeschäft entwickelt zu haben. Als Anfang April rund 40 Mitarbeiter des Camisea-Konsortiums als Geiseln genommen wurden und die Entführer ihre Geiseln nach einigen Tagen alleine zurück ließen, sprach die Regierung von einem Erfolg militärischen Drucks, während Beobachter darüber spekulierten, wie viel die Freilassung wohl gekostet haben möge. Die Forderung der Terroristen damals: 10 Millionen US-Dollar, Sprengstoff, Zünder, Handys oder Funkanlagen, sowie Kleidung.
Konsortium zieht Mitarbeiter ab
Der Brandanschlag am Samstag könnte also auch eine drastische Aufforderung zur Zahlung von Schutzgeld gewesen sein. Was auch immer der Hintergrund war: Teile des Camisea-Konsotriums ziehen bereits Konsequenzen. Die für die Pipeline zuständige Transportadora de Gas del Perú (TGP) kündigte heute an, ihre Operationen künftig von Malvinas und Quillabamba aus zu organisieren. Dabei geht es vor allem um Reparaturen an der Pipeline. Man sehe sich zudem nicht mehr in der Lage, in einigen Abschnitten für die Einsatzfähigkeit zu garantieren, so TGP in einer Pressemitteilung. Die drei Hubschrauber wurden von den TGP-Mitarbeitern für ihre Arbeiten genutzt. Auch Fedia Castro Melgarejo, Bürgermeisterin der Provinz La Convención, forderte einen besseren Schutz der Infrastruktur. Das größte Gasförderungsprojekt des Landes sei sonst in Gefahr, so Castro Melgarejo.
Regierung in Aufruhr
Obwohl es bislang keine terrorbedingten Stromausfälle gab, haben die Anschläge auch in Lima bereits für Chaos gesorgt, vor allem in der Regierung von Präsient Ollanta Humala. Denn die hat trotz der Präsentation einiger „Terror-Köpfe“ in den vergangenen Monaten offenbar noch keinen Weg und keine Strategie gefunden, den Quispe Palomino-Clan, der hinter der VRAEM-Fraktion des Sendero Luminoso steht, hinter Gitter zu bringen. Und 730 Kilometer Pipeline bieten reichlich Angriffsfläche.
SNMPE: Investieren weiter im Land
Vom Camisea-Konsortium selbst gibt es trotz der Anschläge bislang allerdings noch keine Stimmen, die auf einen Rückzug hindeuten. Vielmehr kündigte der Lobbyverband der Bergbau-, Mineralöl und Energiewirtschaft (SNMPE) an, seine Mitglieder werden weiter im Land investieren. Dafür, so der Verband, müsse der Staat aber die notwendigen Schritte ergreifen, die Sicherheit zu gewährleisten. Ohne dabei, was das Vorgehen gegen den Terror angeht, wie in den 80er und 90er Jahren in Exzesse zu verfallen, möchte man da anmerken.
NACHTRAG (11.10.2012): Sicherheitskräfte unterließen Bewachung offenbar auf Bitten von CAMISEA
Wie sowohl die peruanische Regierung, als auch das TgP-Konsortium gestern einräumten, wurde der Flugplatz offenbar auf Bitte des Konsortiums nicht von den peruanischen Sicherheitskräften überwacht worden. TgP befürchtete offenbar, dadurch erst zu einem Angriffsziel zu werden. Verteidigungsminister Cateriano erklärte gestern, das sei „unintelligent“ gewesen.
Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Landwirt bei Montevideo (Alto Utcubamba). Foto: D. Raiser.
Der peruanische Kongress debattiert regelmäßig darüber, ob es eine Größenbegrenzung von Agrarland geben sollte, gleichzeitig weiß aber niemand, wie groß die Felder und Ländereien peruanischer Landwirtinnen und Landwirde eigentlich sind – und, wie viele von ihnen es eigentlich gibt. Deshalb führt das peruanische Nationalinstitut für Statistik und Informatik (INEI) in den kommenden Wochen nun nach 18 Jahren Pause den vierten Landwirtschafts-Zensus durch.
Das war dringend nötig, da sind sich auch die meisten politischen Kräfte im Land einig. Denn: In den vergangenen Jahren hat sich in der peruanischen Agrarwirtschaft einiges getan. Die Landflucht verlangsamte sich zwar, hielt aber an, an der Küste entstehen mitten in der Wüste durch gigantische Bewässerungsanlagen Flächen für Landwirtschaft im großen Stil, manchmal auch auf Kosten von Kleinbauern. Der Agrarchemie- und Landmaschinenmarkt ist im Höhenflug und erreicht heute auch abgelegene Regionen. Und während mancherorts industrielle Landwirtschaft betrieben wird, gibt es nicht nur in den Hochanden Substistenzlandwirte und andere, die auf traditionelle Art und Weise häufig ökologisch und in relativ kleinen Mengen produzieren – manchmal in Eigenregie, in seltenen Fällen auch als Kooperativen.
Maiskolben. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
In den vergangenen Jahren wurde mehrmals versucht, über staatliche Programme Landwirten in geographisch schwieriger Lage den Marktzugang zu ermöglichen. So wurden beispielsweise Züge voll Kartoffeln aus den Anden nach Lima transportiert – die Breitenwirkung war aber eher mäßig. Diese begrenzte Wirkung lag vermutlich auch an kulturellen Eigenarten des Agrargeschäfts in den Hochanden und an fehlender Infrastruktur, es fehlten aber auch belastbare Daten, um richtig planen zu können. Die sollen nun erhoben werden: Neben Agrarflächen, die per GPS registriert werden sollen, sammeln die INEI-Mitarbeiter auch Informationen über Vieh, den Zugang zu Wasser, den Einsatz von Agrarchemikalien, die angebauten Feldfrüchte, sowie allgemeine Daten über Landwirtinnen und Landwirte.
Reisfeld in der Provinz Utcubamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Diese Daten werden wohl auch zu einem Wiederaufflammen der Diskussion über eine Größenbegrenzung von Agrarland führen. Im Moment stehen mehrere Vorschläge im Raum, von denen einige den Ruf haben, „leyes con nombre propio“ zu sein – also Gesetzesinitiativen, die sich gegen einen bestimmten Agrarkonzern richten. Vielleicht war auch die Angst vor dieser Diskussion ein Grund dafür, warum seit 1994 kein Landwirtschafts-Zensus mehr durchgeführt wurde.
Insgesamt besteht der Fragebogen der Erhebung aus 122 Fragen, die, darauf weist das INEI ausdrücklich hin, geschlechtsneutral formuliert sind. So waren bei der Befragung vor 18 Jahren Landwirtinnen offenbar noch nicht vorgesehen. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Fragen, die Situationsabhängig gestellt werden, da sie beispielsweise die Situation in indigenen Gemeinschaften oder der industriellen Hühner- oder Meerschweinchenmast betreffen. Das INEI kündigte an, im Rahmen des „IV Censo Nacional Agropecuario“ selbst das abgelegendste Feld zu registrieren. In wieweit das gelingt, wird sich spätestens Mitte November zeigen, wenn die Datenerhebung beendet wird. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist, ist noch nicht bekannt.
Auf dem Flugfeld von Kiteni (Provinz La Convención / Region Cusco) haben Terroristen, die von peruanischen Medien der Terrororganisation Sendero Luminoso zugeordnet werden, gestern kurz vor Mitternacht (Ortszeit) drei Hubschrauber in Brand gesetzt. Die Terroristen hatten zuvor offenbar die beiden Wachleute des Flugfeldes außer Gefecht gesetzt. Der Landeplatz wird nicht nur von Mitarbeitern des Camisea-Erdgasprojekts, sondern auch von peruanischen Sicherheitskräften genutzt . Einheiten der peruanischen Streitkräfte sind inzwischen vor Ort, um die Polizei bei der Suche nach den Urhebern des Anschlags zu unterstützen – bislang offenbar ohne Erfolg.
Erst vor wenigen Monaten hatten Terroristen des Sendero Luminoso 43 Mitarbeiter des Erdgasförderprojektes Camisea als Geiseln genommen.
Seit einem Monat waren tausende Lehrerinnen und Lehrer auf der Straße, um für eine bessere Bezahlung und gegen das neue Lehrergesetz zu demonstrieren, gestern hat die Lehrergewerkschaft SUTEP ihre Protestaktionen beigelegt. Man stehe weiter zu denForderungen, sei aber dem Bitten von Eltern- und Schülervertretern nachgekommen, so SUTEP-Generalsekretär Renee Ramírez gegenüber dem Nachrichtensender RPP. Stärker wirkte aber wohl die Drohung des peruanischen Bildungsministeriums, das gestern angekündigt hatte, Lehrerinnen und Lehrer, die weiter Streiken, für September und Oktober nicht zu bezahlen, sowie andere an ihrer Stelle einzustellen.
Der SUTEP-Entscheidung vorausgegangen war eine mehrstündige Versammlung von Delegierten aus allen Teilen Perus, die in der Hauptstadt Lima zusammen gekommen waren. Diese beschlossen, ab Dienstag wieder in die Klassenzimmer zurück zu kehren. Zuvor hatte das Bildungsminsterium angekündigt, die Einkommenssituation peruanischer Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern.
Ob auch der radikale Zweig des SUTEP, SUTEP-Conare, seine Protestaktionen beilegen wird, ist bislang noch nicht bekannt.
Hungerstreik in Chachapoyas beendet
Auch die vier Lehrer, die in Chachapoyas aus Protest in einen Hungerstreik getreten waren, haben diesen inzwischen beigelegt. Zuvor hatte es Gespräche zwischen örtlichen SUTEP-Delegierten mit Vertretern der Bildungsdirektion Amazonas gegeben, in denen offenbar Zugeständnisse gemacht worden waren. Die vier Lehrer wurden mit Wassermangel in das Essalud-Krankenhaus von Chachapoyas eingeliefert, sollen aber inzwischen nach Hause gebracht worden sein.
Mehr Information zum Streik und seinen Hintergründen finden Sie in folgenden Beiträgen:
Fast alle der rund 4,5 Millionen am vergangenen Sonntag abgegebenen Stimmen sind ausgezählt und mehr als jeder vierte Bürgermeister, der sich der Abwahl stellen musste, hat sein Amt verloren. Auch 390 der 1.018 zur Abwahl gestellten Stadträtinnen und -Räte müssen abtreten. Dabei verlief der Abwahlprozess, vor dem eine Sammlung Unterschriften von mindestens 25% aller Wahlberechtigten vorausgeht, weitgehend friedlich. Lediglich aus ein paar Orten wurden Probleme gemeldet, beispielsweise aus Amshca (Provinz Carhuaz / Region Áncash), wo eine Gruppe von rund 150 Personen versuchte, den Zugang zum Wahllokal zu verhindern. Wahlhelferinnen und Wahlhelfer wurden bedroht und eingeschüchtert. Im Distrikt Tanta (Provinz Yauyos / Region Lima) weigerten sich die Wahlhelfer, die Auszählung vorzunehmen und in Tintay (Provinz Aymaraes / Region Apurimac) hatte der örtliche, von der Abwahl bedrohte Bürgermeister offenbar versucht, die Personalausweise von Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern zurück zu halten und so deren Zugang zu den Wahllokalen zu unterbinden. In Huacaña (Provinz Sucre / Region Ayacucho) und Colasay (Provinz Jaén / Region Cajamarca) kam es zu Straßenblockaden, um die Teilnahme an der Abwahl zu verhindern.
An mehreren Orten wurden die Abwahlen annuliert, weil nicht das notwendige Quorum einer (Ab-)Wahlbeteiligung von über 50% erreicht wurde, darunter in Huacaña (Provinz Sucre / Region Ayacucho), Canaria (Provinz Victor Fajardo / Region Ayacucho) und El Parco (Provinz Bagua / Region Amazonas).
In Cusco mussten sich insgesamt drei Bürgermeister der Abwahl stellen, nur eine davon wurde wirklich abgewählt: Óscar Valencia, Bürgermeister von Machupicchu (Provinz Urubamba / Region Cusco). Sein Nachfolger wird Neil Castro von der Umwelt-Partei Tierra y Libertad.
Auf Provinzebene musste lediglich ein Bürgermeister gehen, Francisco Mariñas Vergaray, bis jetzt Bürgermeister der Provinz Bolívar (Region La Libertad). Insgesamt vier Bürgermeister mussten sich der Abwahl stellen. Von 22 Stadträten wurden 7 abgewählt.
Die Wahlbeteiligung lag -obwohl für Abwahlen keine Wahlpflicht gilt- bei rund 70%.
Wie und wann es Abwahlen gibt, können Sie hier nachlesen, die Ergebnisse in Amazonas hier.