• Mehrere Tote bei Erdrutschen und Überschwemmungen in Arequipa (Peru)

    Die anhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage haben in der südperuanischen Andenstadt Arequipa große Schäden angerichtet. Bei Erdrutschen und Überschwemmungen wurden nach offiziellen Angaben bislang mindestens vier Menschen getötet. Wie der peruanische Zivilschutz mitteilt, wurden die Regenfälle am Freitag Nachmittag immer stärker. Das führte zu mehreren Erdrutschen, insbesondere die Distrikte Alto Selva Alegre, Miraflores, Cerro Colorado, Mariano Melgar, Paucarpata, San Juan de Siguas, Jose Luis Bustamante y Rivero, sowie der Cercado de Arequipa (Provinz Arequipa) waren betroffen. Drei der vier Toten – Lokalmedien sprechen bereits von sechs Toten – sind bislang nicht identifiziert.

    Bislang zählte der Zivilschutz 15 Häuser, die komplett zerstört wurden, sowie rund 4.000, die Beschädigungen davon trugen. In manchen Stadtteilen brach die Wasserversorgung zusammen, große Teile Arequipas sollen noch immer ohne Strom sein. Straßen auf einer Länge von über 5 Kilometern sind wegen Erd- und Wassermassen unpassierbar.

    Auch in anderen Teilen Arequipas soll es Probleme geben, der Nachrichtensender RPP berichtet über einen Erdrutsch an der Panamericana Sur in Richtung Arequipa. National- und Regionalregierung kündigten Hilfe an.

  • Lufthansa dementiert Berichte über geplanten Direktflug nach Lima/Peru

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruVerschiedene peruanische und deutsche Medien hatten in den vergangenen Tagen über angebliche Pläne der Fluggesellschaft Lufthansa berichtet, in Zukunft Direktflüge nach Lima anzubieten, heute dementierte das Unternehmen die Berichte offiziell. Ein Lufthansa-Sprecher teilte auf Anfrage von INFOAMAZONAS mit, im Unternehmen gäbe es derzeit keine Pläne, „eine eigene Verbindung mit einem Direktflug nach Lima zu fliegen“. Lima/Peru sei für Lufthansa als Codeshareziel mit einer Partnerairline über Bogota und Caracas aber eine wichtige Destination, so der Sprecher.

    Außenhandels- und Tourismusminister José Luis Silva Martinot. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / ANDINA.
    Außenhandels- und Tourismusminister José Silva. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / ANDINA.

    Die Gerüchte über die direkte Flugverbindung nach Lima hatte der peruanische Außenhandels- und Tourismusminister José Luis Silva mit der Erklärung gesät, ein „hoher Vertreter von Lufhansa“ habe ihm versichert, das nächste Ziel, das angesteuert werde, sei Lima, so der Minister vor zwei Tagen. Dabei war aber offenbar vor allem viel Wunschdenken im Spiel.

    Perus Regierung und Wirtschaft bemühen sich um Direktverbindung
    Sowohl Perus Regierung, als auch die Wirtschaft des Andenlandes bemüht sich immer wieder, Lufthansa zu einer Aufnahme von Direktflügen zum Hauptstadtflughafen Jorge Chávez bei Lima zu überzeugen, bislang offenbar erfolglos. Insbesondere der Tourismussektor erhofft sich davon neue Impulse.

  • Peru: Peruanische Marine bestätigt Ölverschmutzung im Pazifik vor Ventanilla (Callao)

    Im Meer vor dem peruanischen Distrikt Ventanilla (Provinz und Region Callao schwimmt ein etwa zwei Kilometer langer Ölteppich. Die ersten Berichte über das Problem kamen bereits am 4. Februar durch Anwohner und Umweltschützer und wurden inzwischen von der peruanischen Marine bestätigt. Wie ein Sprecher der Distriktverwaltung Ventanilla gegenüber dem Nachrichtensender „Canal N“ erklärte, trat das Öl offenbar beim betanken eines Frachtschiffes an der Raffinerie La Pampilla aus, die (noch) von dem spanischen Konzern REPSOL betrieben wird. Besonders betroffen sind offenbar die Strände Playa Cavero, sowie Teile der Playa Costa Azúl, die beide während der derzeitigen Sommerferien stark frequentiert sind.

    Die Umweltkontrollbehörde OEFA hat derweil erste Proben genommen, um den Grad der Verschmutzung feststellen zu können, während Mitarbeiter der Raffinerie La Pampilla mit Reinigungsarbeiten begannen.

  • Perus Präsident Humala plant Antarktis-Reise

    Forschungsschiff Humboldt in antarktischen Gewässern. Foto: ANDINA.
    Forschungsschiff Humboldt in antarktischen Gewässern. Foto: ANDINA.

    Vor 25 Jahren startete die erste peruanische Antarktis-Expedition, derzeit befindet sich dort ein Team peruanischer Wissenschaftler und Militärs, um die Antarktis-Forschungsstation Machu Picchu wieder auf Vordermann zu bringen. Das hat Peru international einige Aufmerksamkeit gebracht, die der peruanische Präsident Ollanta Humala nun offensichtlich für sich nutzen möchte: Er beantragte beim peruanischen Kongress die Genehmigung, das Land mit Ziel Antarktis vom 8. bis zum 11. Februar verlassen zu dürfen. Es wäre der erste Besuch eines peruanischen Präsidenten auf dem Kontinent.

    Wissenschaft und/oder Öl?

    Offiziell heißt es, es handle sich um eine Gedenkmission wegen des Jahrestages der ersten peruanischen Antarktis-Expedition, sowie zur Unterstützung der Forschungsaktivitäten, zu denen sich Peru mit der Unterzeichnung des Antarktis-Vertrages 1981 verpflichtet hat. Es dürfte aber auch darum gehen, Präsenz zu zeigen, um gegebenenfalls eines Tages territoriale Ansprüche stellen zu können, sollte wegen des Klimawandels eine Ausbeutung von unter der Antarktis vermuteten Ölquellen möglich werden – und der Antarktis-Vertrag, der alle Unterzeichnerstaaten zwingt, ihre Territorialansprüche ruhen zu lassen, scheitert.

    So ließe sich auch die Aussage des Antarktis-Beauftragten des peruanischen Außenministeriums, Julio Romero, gegenüber der Tageszeitung „El Comercio“ interpretieren. Romero hatte erklärt, die Antarktis beherberge „alles, was die Welt in den nächsten 35 Jahren“ brauche. Deshalb, so Romero, sei es wichtig, dass Peru dort seine Präsenz festige. An dritter Stelle nannte er schließlich auch die Forschungsmission. Es sei zudem wichtig, den Einfluss des Kontinents auf Peru genauer zu untersuchen, der das Klima und die Meeresströmungen reguliere.

    Forschungsstation Machu Picchu seit fünf Jahren verlassen

    Die peruanische Forschungsstation in der Antarktis war 5 Jahre lang verlassen gewesen, bis sich vor wenigen Wochen das Forschungsschiff Humboldt mit insgesamt 108 Personen an Bord auf den Weg machte. Sie wurde 1989 errichtet.

    NACHTRAG: Permanente Kongresskommission genehmigt Reise
    Noch am gestrigen Mittwoch hat die permanente Kommission dem Antrag der Regierung stattgegeben. Humala darf nun vom 8. bis zum 11. Februar zur Forschungsstation „Machu Picchu“ reisen.

  • Warum das Indígena-Konsultationsgesetz in Peru bis heute nicht angewendet wird…

    …erklärt der peruanische Journalist Marco Sifuentes in einem Beitrag für den Informationsdienst INFOS, der im Folgenden  zusammengefasst wird:

    Kurz nach seinem Amtsantritt 2011 hat Perus Präsident Ollanta Humala öffentlichkeitswirksam ein Gesetz unterzeichnet, das den Staat dazu verpflichtet, vor Verwaltungsakten und Neuregelungen, die Indígena betreffen, ein Konsultationsverfahren durchzuführen. Das bedeutet, dass Indígena, also Nachkommen peruanischer Ureinwohner, die bis heute nach ihren Traditionen und auf dem Land ihrer Ahnen leben; im besten Fall sogar noch deren Sprache sprechen, um ihre Meinung gebeten werden müssen, bevor Entscheidungen getroffen werden, die sie betreffen. Abgelehnt werden kann die Entscheidung nicht. Aber sie kann unter Umständen den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden.

    Konsultationsverfahren wiederholt verschoben

    Seit Monaten wird nun das erste Konsultationsverfahren angekündigt, es geht dabei um das Öl-Bohrfeld 1AB in der nordostperuanischen Region Loreto. Dort möchte das Unternehmen Pluspetrol weiter Öl fördern, muss allerdings noch Altlasten entfernen, vergangene Öl-Förderprojekte haben ein Umweltdesaster hinterlassen. Indígena-Organisationen aus der Region fordern, zunächst die Altlasten zu beseitigen. Der Beginn der Konsultation wird derweil immer wieder verschoben. Ähnlich wie an anderen Orten, wo Konsultation angekündigt wurde.

    Knackpunkt Indígena-Datenbank

    Bis Ende 2013 sollen trotz allem mindestens fünf Konsultationsverfahren durchgeführt werden. Aber: Bis heute hat das Kulturministerium die zentrale Datenbank nicht veröffentlicht, in der die indigenen Völker Perus eingetragen sind, die ein Anrecht auf Konsultation haben. Offiziell ist diese Datenbank noch nicht fertig. In Wirklichkeit liegen die Daten längst vor, mutmaßt Sifuentes, der ständige Aufschub liegt nach ihm viel mehr darin begründet, dass die Regierung eine Welle von Konsultations-Forderungen fürchtet, sobald die Datenbank veröffentlicht wird. Oder aber Klagen von Ortschaften, die gerne aufgenommen werden möchten. Während, so Sifuentes, im Amazonas-Becken eine Abgrenzung zwischen Indígena- und Nicht-Indígena-Bevölkerung möglich ist, sei dies insbesondere im Andenraum schwierig.

    Müssen 90.000 Bergbaukonzessionen „nachkonsultiert“ werden?

    Zudem herrscht offenbar Unsicherheit, wie mit den 90.000 Bergbaukonzessionen umgegangen werden soll, die seit 1995 vergeben wurden. Damals hat Peru das Übereinkommen 169 der internationalen Arbeitsorganisation ILO ratifiziert – und sich damit zur Konsultation verpflichtet. Nach Ansicht mancher Juristen könnten Indígena-Organisationen gegen solche Konzessionen klagen. Der Journalist Marco Sifuentes vermutet, die peruanische Regierung habe Angst vor einer dann anstehenden Klagewelle und versuche daher, das Thema aus den Medien zu halten, einzelne Konsultationsverfahren mit den etablierten Indígena-Dachverbänden durchzuführen und gleichzeitig Stück für Stück nachträglich Konsultationsverfahren für die vergebenen Bergbaukonzessionen durchführen zu lassen – wenn eine Indígena-Gemeinschaft dies einklagt.

    Verbreitete Konsultations-Irrtümer

    Schließlich klärt der Autor noch eine Reihe verbreiteter Irrtümer über das Konsultationsverfahren auf:

    • es ist nicht bindend. Es gibt keine Abstimmung – und falls doch, ist diese dennoch nicht binden.
    • nur, weil ein Ort abgelegen liegt oder eine organisierte Bauernschaft hat, stellt er noch keine indigene Gemeinschaft dar, die konsultiert werden muss (was für große Teile von Cajamarca gilt, nicht aber für Cañaris, wo die Umgangssprache zu einem großen Teil bis heute Quechua ist).
    • es geht nicht nur um Bergbau. Auch andere Bereiche, beispielsweise die Gesundheitspolitik, die Indígena im speziellen betrifft, muss (eigentlich) vorab konsultiert werden.

    Dabei ziehen sich auch Konflikte durch die Regierung. So gilt insbesondere Bergbau- und Energieminister Jorge Merino als Bremser, was die Veröffentlichung der Namen von Gemeinschaften, die auf Gebieten mit vergebenen Bergbaukonzessionen leben, angeht.

    Augenhöhe und Angst vor heißen Kartoffeln

    Sifuentes‘ Fazit: Die Regierung hat Angst, sich an der „heißen Kartoffel“ zu verbrennen, bremst lieber und überlässt das Thema den Gerichten, die den Behörden Zeit verschaffen, Stück für Stück Lösungen für Einzelfälle zu finden. Das Gute an der Sache: Indígena-Organisationen haben dadurch Drohpotenzial, sie können das Konsultationsverfahren notfalls gerichtlich erzwingen. Zum ersten Mal verhandle Peru mit seinen indigenen Gemeinschaften auf Augenhöhe, schließt Marco Sifuentes.

  • Yanacancha / Pasco: Häuser durch Regenfälle stark beschädigt

    Im Ortsteil Columna Pasco des peruanischen Distriktes Yanacancha (Provinz und Region Pasco) haben starke Regenfälle mehrere Häuser teils stark beschädigt. Wie der peruanische Zivilschutz mitteilt, war insbesondere der Jirón Villa de Pasco betroffen. 39 Personen mussten vorübergehend in Notungerkünften untergebracht werden.

  • Peru: Autohändler weiter auf Rekordkurs

    Kleinbusse und Autos in der peruanischen Hauptstadt. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Kleinbusse und Auto in der peruanischen Hauptstadt. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Die Zahl der in Peru verkauften Neuwagen steigt weiter an: Nach Angaben des Dachverbandes peruanischer Autohändler (ARAPER) wurden im Jahr 2012 über 190.000 Neuwagen verkauft, fast 30% mehr als im Vorjahr, so viele wie nie zuvor. Am stärksten stieg dabei offenbar die Nachfrage nach PKW, von denen im vergangenen Jahr 128.295 Stück verkauft wurden – 2011 waren es noch 93.055 gewesen. Bei Kleintransportern fiel der Anstieg etwas geringer aus, so wurden nach ARAPER-Angaben 38.834 solcher Fahrzeuge verkauft (2011: 35.658).

    Auch das Schwerlast-Transportgewerbe erneuerte offenbar seine Flotte und stockte sie auf: Die Zahl der verkauften Lastwagen stieg um 8,9% auf 21.055 Stück. Bei Omnibussen ergab sich keine Änderung.

    Den größten Marktanteil haben dabei asiatische Autoproduzenten. Fabrikate aus Korea, Japan, China und Thailand deckten nach Angaben des Verbandes 73% des Marktes ab.

    Durschnittsalter peruanischer Fahrzeuge um ein Jahr gesunken

    Trotz des starken Wachstums liegt Peru im internationalen Vergleich noch weit zurück. So zählte beispielsweise das Kraftfahrtbundesamt in Deutschland im Jahr 2012 3.082.504 Neuzulassungen. Auch liegt das Durchschnittsalter peruanischer Fahrzeuge mit 12,5 Jahren noch weit über dem in Deutschland (PKW: 8,5 Jahre). Dabei ist im Moment allerdings einiges im Fluss, so lag das Durchschnittsalter peruanischer Fahrzeuge 2011 noch über 13 Jahren.

  • Mega-Stromausfall legt große Teile Südperus lahm

    Mehrere Blitzeinschläge in der Hochspannungsleitung Mantaro-Socabaya haben gestern Abend gegen 19:20 Uhr Ortszeit in großen Teilen Südperus Stromausfälle verursacht. Wie César Butrón, Vorsitzender des Kommitees peruanischer Stromnetzbetreiber (COES SINAC), gegenüber dem Nachrichtensender RPP erklärte, waren insbesondere die Regionen Cusco, Tacna, Puno, Abancay und Arequipa betroffen. „Die Leitung versorgt den Süden Perus mit großen Mengen Energie, manchmal mit bis zu 50% der Gesamtnachfrage“, so Butrón.

    Nach 10 Minuten fuhren dann einzelne Stromproduzenten wieder ihre Kraftwerke hoch, weswegen in einigen Teilen der betroffenen Regionen wieder Strom floss. Nach Angaben des COES war die Stromversorgung gegen 22 Uhr wieder vollständig hergestellt.

    In Cusco, Tacna und Puno kam es wegen des Stromausfalls offenbar zu mehreren Verkehrsunfällen und Staus, nachdem plötzlich Ampeln, sowie die Straßenbeleuchtung ausgefallen waren.

  • Carabaya / Puno: Regenfälle richten Schäden an Häusern und Feldern an

    Starke Regenfälle haben in den vergangenen Tagen in Teilen der südperuanischen Region Puno große Schäden angerichtet. Wie der peruanische Zivilschutz berichtet, war der Distrikt Crucero in der Provinz Carabaya am schwersten betroffen. Die Häuser und Hütten von 968 Personen wurden beschädigt, 183 Personen sind deshalb nun obdachlos. Bei den Betroffenen handelt es sich nach Angaben des Zivilschutzes um Personen, die am Ufer des río Ramis leben, der wegen der anhaltenden Regenfälle über die Ufer trat. Auch Felder wurden zerstört, zahlreiche Familien verloren ihre Kartoffel-, Quinua- und Cañihua-Ernte.

    Auch Abschnitte der Straße Potoni-Crucero wurden zerstört. Die Rosario-Brücke soll vom Einsturz bedroht sein.

  • Wie der peruanische Staat seine Präsenz in der Fläche vorantreiben möchte

    Peru, mit einer Fläche, die fast dreieinhalb Mal die Bundesrepublik Deutschland fassen würde, hat ein Problem: Viele Sozialprogramme und Dienstleistungen des Staates sind für die Ärmsten der Armen gedacht, kommen aber in besonders armen, abgelegenen Regionen überhaupt nicht an.

    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.
    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.

    Das erschwert die Arbeit, lohnt es sich doch für alte Menschen in manchen Landesteilen kaum, beispielsweise die Armengrundrente „Pensión 65“ zu beantragen. Denn: Diese beträgt zwar 125 Nuevos Soles pro Monat – wird aber bislang nur über die Filialen der Nationalbank (Banco de la Nación) ausgezahlt. In manchen Orten, beispielsweise Chapiza am Río Santiago, einem Zufluss des Marañón in der nordperuanischen Provinz Condorcanqui (Region Amazonas) nahe der Grenze zum Nachbarland Ecuador, kostet die Reise zur nächstgelegenen Filiale in der Provinzhauptstadt Santa María de Nieva mehrere hundert Soles. Ähnlich verhält es sich mit anderen Sozialprogrammen – und das, obwohl Condorcanqui die mit Abstand ärmste Provinz der Region ist.

    Staat überzeugt bislang nicht

    Ermittlungsarbeit bislang nur mit Maulesel: Polizeiposten Cocabamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Ermittlungsarbeit nur mit dem Maultier: Polizeiposten Cocabamba (Provinz Luya / Region Amazonas). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Gleichzeitig siedeln sich in diversen Teilen Condorcanquis Goldschürfer an, um die Ufer des Marañón und seine Seitenarme illegal auf der Suche nach dem Edelmetall umzugraben. Die peruanische Regierung hat in den vergangenen Jahren ihr Vorgehen gegen den illegalen Bergbau verschärft und möchte erreichen, dass die Goldwäscher, zumindest grundlegende Umweltstandards einhalten und Steuern abführen.

    Doch, wie so häufig im von informellem Wirtschaftstreiben sehr geprägten Peru, ist es nicht einfach, Menschen dafür zu begeistern und davon zu überzeugen. Denn: Vielerorts ist der Staat höchstens marginal präsent, im besten Fall durch gewählte Bürgermeisterinnen, Lehrer oder Gesundheitspersonal. Die -nicht nur- wegen ihrer geringen Mitarbeiterzahl chronisch überforderte peruanische Polizei kann in zahlreichen großen und schwierig zugänglichen Regionen lediglich stichprobenartige Einsätze organisieren, weil ihr für mehr die Mittel, die Ausrüstung und die Infrastruktur fehlen.

    Coca-Bauern bislang ohne legale Alternative

    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Auch staatliche Fördermittel für den Hausbau oder die Grundbucheintragung von Häusern und Grundstücken können in vielen Regionen wegen fehlenden Wissens über deren Existenz und der großen Entfernung zu den Dienststellen der staatlichen Programme nicht abgerufen werden*. Ein Beispiel dafür ist die Region um Monzón (Provinz Huamalies / Region Huánuco), in der vor wenigen Tagen Perus Anti-Drogen-Zarin Carmen Masías (DEVIDA) öffentlichkeitswirksam erklärte, der Staat sei zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in der „Coca-Bastion“ präsent. Die Gegend ist in Peru bekannt für die Coca-Produktion für die Herstellung von Kokain und ging im vergangenen Jahr wegen der spektakulären Festnahme eines seit Jahrzehnten gesuchten Terroristen, sowie ihm angeblich nahestehender Cocabauern-Verbandsführer durch die Presse. Auch deshalb steht sie seit Jahren im Zentrum von vor allem durch die USA finanzierten Coca-Vernichtungsaktionen.

    Jede der vergangenen Regierungen in Lima hatte die Coca-Bauern dazu aufgerufen, die Coca-Pflanzungen zu Gunsten legaler Produkte aufzugeben und sich somit in den formellen Wirtschaftskreislauf einzuklinken. Aber der Anreiz dafür war gering: das Tal liegt -obwohl an einer Nationalstraße (14A) gelegen-  fernab attraktiver Märkte, Polizei und Vertreter von Sozial- und Agrarförderprogrammen hatten keine festen Büros vor Ort. Wenn der Staat in Form der Antidrogenpolizei auftauchte, führte das zu brutalen Konflikten, bei denen in den vergangenen Jahren mehrere Cocabauern-Vertreter getötet wurden. Die legale Wirtschaft und der Staat boten – und bieten teils noch immer – keine gangbare Alternative.

    Mit „Tambos“ in die Fläche

    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.
    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.

    Das soll sich nach Plänen der derzeitigen Regierung in den kommenden Jahren ändern. Nicht nur, dass der Bau eines Polizeipostens in Monzón bereits geplant ist. Vielmehr wurde ein Programm („Servicio de Apoyo al Hábitat Rural“) aufgelegt, das nach mythologischen Inka-Verwaltungszentren und -herbergen „Tambos“ benannt wurde. Im Rahmen des Programms werden in besonders abgelegenen Regionen im Einheitsdesign kleine Verwaltungszentren gebaut, die insbesondere Dienstleistungen der Nationalregierung, Fortbildungen, aber auch Finanzdienstleistungen der Nationalbank anbieten sollen. Seither sieht man Perus Präsident Humala, der 2013 zum „Jahr der Investitionen für die ländliche Entwicklung und die Ernährungssicherheit“ erklärt hat, mindestens einmal pro Woche einen solchen „Tambo“ einweihen.

    VRAEM: mit „Tambos“ gegen den Narcoterror?

    Eine Reihe solcher Gebäude wird derzeit auch in den Tälern der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (kurz: VRAEM) errichtet, die andere prominente peruanische „Coca-Bastion“ neben dem Gebiet um die Flüsse Monzón und Huallaga. Das Kalkül dahinter: Einem dort im Bund mit der Drogenmafia agierenden Arm der Terrororganisation „Sendero Luminoso“ durch Unterstützung der Bevölkerung den Boden zu entziehen. Bisher war auch im VRAEM der peruanische Staat nur marginal präsent. Und dort, wo staatliche Einrichtungen vorhanden waren, ließ sich häufig kein Personal finden. Zu groß war die Angst vor dem Terror. Zu recht: Immer wieder gab es Anschläge auf öffentliche Einrichtungen, selbst Gesundheitzentren waren davor nicht sicher. Ob sich das mit dem „Tambo“-Bau verändern wird, muss sich noch zeigen.

    Erfolgreiche Strategie?

    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.
    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.

    Für Carmen Masías, Chefin der staatlichen Anti-Drogen-Behörde DEVIDA, ist das Engagement aber ein Zeichen dafür, dass „Niemandsland“ erobert wird, um der Bevölkerung zu helfen, aus der illegalen Coca-Wirtschaft herauszukommen. Auch wenn diese Sichtweise wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist, gibt es erste Anzeichen, dass die Strategie zumindest mancherorts aufgeht: Zum ersten Mal gibt es seit kurzem im genannten Monzón-Tal keinen nennenswerten Widerstand mehr gegen die Coca-Vernichtungsarbeiten der Polizei, die erstmals vom peruanischen Staat mitfinanziert werden. Und auch zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Umland von Monzón, bisher stets im Kreuzfeuer zwischen Coca-Bauern und Nationalregierung, verpflichteten sich, den Kampf gegen die Drogenmafia zu unterstützen.

    Kein Allheilmittel

    Bei dem ganzen Engagement in Krisenregionen darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass es auch Regionen gibt, in denen kein Konflikt herrscht, die aber dennoch einer größeren Nähe staatlicher Institutionen dringend bedürfen. Regionen wie die Umgebung von Chapiza, wo bislang allerdings noch kein „Tambo“ in Aussicht ist. Andernorts wurden derweil die ersten eingeweiht: In Belén (Provinz Maynas / Region Loreto) und Chivay (Provinz Caylloma / Region Arequipa), bis 2016 will die peruanische Regierung insgesamt 500 Stück errichtet haben. Gleichzeitig sind die „Tambos“ kein Allheilmittel, Bürgerinnen und Bürgern dazu zu bringen, dem Staat zu vertrauen**. Aber die Einsicht, dass etwas kürzere Wege den Zugang zu seinen Dienstleistungen vereinfachen können, war ein wichtiger Schritt.

    * Es sei darauf hingewiesen, dass in der peruanischen Presse zudem häufig noch auf den Faktor „Korruption“ hingewiesen wird.
    ** In der peruanischen, wie auch in der deutschen Presse ist immer wieder davon zu lesen, der peruanische Staat müsse „Vertrauen zurück gewinnen“. Die Frage ist allerdings, ob ihm -insbesondere in abgelegenen Regionen- jemals Vertrauen entgegen gebracht wurde.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen zum Thema VRAEM finden Sie in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“