Kategorie: Wirtschaft

Aktuelles aus der peruanischen Wirtschaft, sowie der Wirtschaftspolitik.

  • Trotz Finanzkrise: Arme peruanische Regionen nehmen mehr Steuern ein

    Besonders einige der ärmsten Regionen Perus haben trotz der internationalen Finanzkrise bis Oktober diesen Jahres mehr Steuern eingenommen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das meldet das Institut für Wirtschaftsforschung der peruanischen Handelskammer Perucamaras unter Berufung auf Daten, die von der peruanischen Steuerbehörde SUNAT veröffentlicht wurden. So lagen beispielsweise die Steuereinnahmen der Region Amazonas 35.5% höher als noch im vergangenen Oktober. Auch die südperuanische Region Puno konnte einen Zuwachs von 29.7% verzeichnen und auch die derzeit von Protesten verunsicherte Region Moquegua hat um 24.2% zugelegt. Nennenswerte Sprünge konnten aber auch Huánuco (17.3%), Madre de Dios (7.2%), Huancavelica (6%), Ayacucho (5.5%) und Lambayeque (4.8%) verzeichnen.

    In 12 weiteren Regionen gingen die Steuereinnahmen allerdings zurück. Besonders hart traf es die Regionen Ancash (-49.6%), Cusco (-45.1%), Ica (-37.5%), Pasco (-37%), Arequipa (-32.5%) und Piura (-24.3%), aber auch Tacna (-18.8%), Loreto (-15.7%), Tumbes (-10.7%) und Junín (-5.6%) hatten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Olmos-Staudamm: Bauern beklagen Wassermangel (Serie Wasser-Konflikte I)

    Peru hat ein Wasserproblem. Auf der Westseite der Anden gibt es zu wenig, auf der Ostseite etwas mehr Wasser. Das führt immer häufiger zu Konflikten, nicht zuletzt weil durch den Klimawandel erste Andengletscher am abschmelzen sind – der Hauptwasserspeicher für die peruanische Wüstenregionen an der Küste. Das Thema ist kein neues und zahlreiche Ideen wurden und werden entwickelt, um das Problem zu entschärfen. Der Wunsch, die Wüste als landwirtschaftliche Anbaufläche durch Bewässerung nutzbar zu machen und das unaufhaltsame Wachstum der Städte an der Küste – allen voran die Hauptstadt Lima und die benachbarte Hafenstadt Callao – machen den Bemühungen da immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Großangelegte Werbekampagnen zum Wassersparen, wie sie beispielsweise der limenische Wasserversorger SEDAPAL durchführt, zeigen nur mäßig Wirkung. Eine Verbesserung der Kanalanlagen, durch die der Versickerung des kostbaren Nasses entgegengewirkt werden soll, führen weiter, lösen das Problem aber auch nicht endgültig.

    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA

    So plante bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die damalige peruanische Regierung, die auch wieder die heutige ist, Wasser von der Ostseite der Anden, die dem Amazonasbecken zugewandt ist, durch einen Tunnel in die Wüste zu pumpen. Das Projekt wurde unter dem Titel „Proyecto Especial Olmos Tinajones“ (PEOT) bekannt und umfasst einen gigantischen Staudamm und einen noch gigantischeren Tunnel, der sich über 20 Kilometer durch die Anden bohrt. Schon 2010 soll durch diesen Tunnel Wasser in Richtung Pazifik fließen, das ansonsten in Richtung Atlantik geflossen wäre. 100.000 Hektar Wüste sollen dadurch landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden, erklärte Präsident García, als er sich am 5. Juni diesen Jahres auf der Baustelle fotografieren ließ. Der Staudamm „El Limón“ ist bereits fertig gestellt und der Stausee beginnt sich zu füllen.

    Doch schon bevor der Stausee vollständig gefüllt ist, tritt bereits ein Problem auf, das sich vermutlich in den kommenden Jahren noch verschlimmern wird. Bauern unterhalb des Staudammes berichten von einem extrem niedrigen Wasserstand des aufgestauten Huancabamba-Flusses. Es droht ein Konflikt zu entstehen, in dem sich die Kleinbauern unterhalb des Staudammes – besonders in der Region Cajamarca – als Verlierer und die Landwirte auf der gegenüberliegenden Andenseite als Gewinner gegenüber stehen. Sollte das Beispiel des Wassertransportes zur gegenüberliegenden Andenseite Schule machen und auch in anderen Regionen eingesetzt werden, sind die Folgen nicht abzusehen. Nicht nur in Peru tätige Nichtregierungsorganisationen warnen vor den Folgen, auch Umweltexperten sehen in Projekten dieser Art Probleme für den Wasserhaushalt des Amazonasbeckens – und damit für einen der weltweit größten CO2-Speicher.

    Die betroffenen Kleinbauern in Cajamarca haben inzwischen gemeinsam mit José Felipe Puican Chávez von der lokalen Wasserbehörde und anderen Wasserwirtschaftsexperten einen runden Tisch gegründet, um das Problem genauer zu analysieren und mögliche Lösungen zu suchen. Damit ist ein erster Schritt getan. Die Probleme selbst sind damit aber noch nicht gelößt, das Thema wird wohl noch des öfteren auf die Tagesordnung kommen. Im besten Fall friedlich.

    NACHTRAG:

    In der Provinz Espinar (Region Cusco) kam es nach Angaben der CNR dieser Tage zur Besetzung des Rathauses, nachdem das Gerücht umgegangen war, der örtliche Bürgermeister würde den Protest der Bürger gegen das als „Majes II“ bekannte Staudamm- und Bewässerungsprojekt nicht mehr unterstützen.

  • Tod von Minen-Mitarbeitern: Erneuter Bergbaukonflikt in Piura

    Nachdem gestern mehrere Mitarbeiter des Bergbauunternehmens „Rio Blanco Copper“ in der nordwesperuanischen Region Piura tot aufgefunden worden wurden, heizt sich der Konflikt zwischen lokalen Bauern und Umweltschützern und dem Unternehmen wieder auf. Die amtliche Nachrichtenagentur ANDINA spricht von 3, lokale Medien von 2 Toten. Nach Angaben des Nachrichtensenders RPP handelt es sich bei den Toten um Sicherheitsleute und Bergbauingenieure, darunter auch den Direktor des Bergbauprojektes, Eduardo Segundo Ramírez Montero.

    Das „Rio Blanco Copper“-Projekt befindet sich im Distrikt Carmen de la Frontera in der Provinz Huancabamba. Bereits seit Beginn der Bergbauaktivitäten kam es zu wiederholten, oftmals gewaltätigen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des Bergbaus in der Region. Ob der Tod der Rio-Blanco-Mitarbeiter damit zu tun hat, ist nicht bekannt, in einer Stellungnahme verbreitete das Unternehmens diese Version.

    Ein Sprecher von „Rio Blanco Copper“ verurteilte die Tat und sah dahinter „Extremisten, Aufrührer und Radikale, die Terror und Gewalt anheizen“ und zielte damit indirekt auf die bergbaukritische Umweltorganisation „Frente por el Desarrollo Sostenible de la Frontera Norte del Perú“ (FDSFNP). Diese wieß den Vorwurf energisch zurück. In einer Stellungnahme verurteilte auch FDSFNP den Tod der Bergbaumitarbeiter und sprach den Angehörigen das Beileid aus.

    Weitere Informationen

  • Wer interessantes über Bergbau in Peru erfahren möchte…

    … dem sei der Besuch von http://im-nu-in-peru.blogspot.com/2009/09/ein-tag-in-yanacocha.html empfohlen. Die Seite wird mit Inhalten gefüllt durch den (nach eigenen Angaben) Erfurter David Vollrath, der derzeit in der Region Cajamarca bei GRUFIDES (Gruppierung zur Bildung und Intervention für nachhaltige Entwicklung / Grupo de Formación e Intervención para el Desarrollo Sostenible) mitarbeitet. Neuere Artikel finden sich unter http://im-nu-in-peru.blogspot.com.

  • Hualgayoc/Cajamarca: Consolidada SA stellt Bergbau vorübergehend ein

    Nach mehrfachen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Befürwortern der Bergbauaktivitäten im cajamarquinischen Hualgayoc wurde nun ein Vorläufiger Stopp der Abbauaktivitäten vereinbart. Das berichtetn übereinstimmend die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA und der Radiosenderverbund CNR. Demnach hatten Vertreter der Bevölkerung des Dorfes „Vista Alegre“ nach langem Ringen mit Vertretern der Regionalregierung Cajamarca, sowie Vertretern verschiedener Ministerien beschlossen, dass das Bergbauunternehmen „Consolidada SA.“ vorerst den Abbau stoppt und gleichzeitig ein runder Tisch für den weiteren Dialog eingerichtet wird.

    Mit dem vorläufigen Stopp der Mine soll vor allem die Gewaltspirale gestoppt werden, die sich auch in der Bevölkerung der Provinz Hualgayoc – besonders des Dorfes Vista Alegre – entwickelt hatte. Der Konflikt hatte bereits mehrere Personen das Leben gekostet.

    Die erste Sitzung des runden Tisches ist für die erste Oktoberhälfte angesetzt.

  • Neuer alter Krisenherd: Zwei Tote im Streit um "Consolidada"-Mine

    In der nordperuanischen Provinz Hualgayoc (Region Cajamarca) kamen bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des Bergbauunternehmens „Consolidada SA“ zwei Personen ums Leben, darunter ein Kleinkind. Das berichten übereinstimmend die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA und der regierungskritische Radiosenderverbund CNR. Konkret geht es um den Ort Vista Alegre, dessen Bevölkerung zu Teilen für, zu Teilen gegen den Bergbau in der Nähe ihres Dorfes ist. Die Schuld an den Todesfällen geben sich beide Seiten. Die Bergbaugegner behaupten, Bergbaubefürworter und Mitarbeiter von Consolidada SA hätten eine Versammlung, in der das weitere Vorgehen beraten werden sollte, vorsätzlich angegriffen. Die Bergbaubefürworter werfen den Anführern der Bergbaugegner vor, diese zur Gewalt gegen das Unternehmen anzustacheln.

    Vor wenigen Tagen ging nun ein Tanklaster von Consolidada SA. in Flammen auf, weitere Geräte wurden nach Angaben der Polizei beschädigt. Die Bürgerwehren und die Bauernvereinigung von Vista Alegre werfen dem Unternehmen vor, bewaffnete Sicherheitsleute gegen sie einzusetzen.

    Für die kommenden Tage wird das Gelände von Consolidada von rund 200 Polizisten bewacht. Der Konflikt, der seit langem schwelt, hat eine neue Qualität bekommen. Und wird vermutlich leider noch einiges von sich hören lassen. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

    Nach Angaben der CNR handelt es sich bei Consolidada SA. um ein Joint Venture der Bergbauunternehmen Buenaventura und Gold Fields.

  • "La Oroya" darf wohl weiter schmutzig bleiben

    Die peruanische Regierung möchte dem Bergbauunternehmen Doe Run 20 weitere Monate einräumen, damit dieses sein Umweltreinigungs- und Schutzprogramm (PAMA) durchführen kann. Das gab gestern der peruanische Umweltminister Antonio Brack am Rande eines Bergbaukongresses bekannt, der derzeit in Arequipa stattfindet. Doe Run hatte mehrfach einen Aufschub gefordert und auch bekommen, um mit der Reinigung der Umgebung des als einer der schmutzigsten Orte der Welt bekannten „La Oroya“ zu beginnen. Dieses Mal hatte der Eigentümer die peruanischen Behörden mit der Aussage erpresst, die Durchführung des Umweltprogrammes werde zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Doe Run hatte 36 Monate mehr gefordert. Eine Expertenkommission hatte 20 Monate empfohlen. Diese muss nun noch vom peruanischen Kongress bestätigt werden.

    Gleichzeitig kritisierte Umweltminister Antonio Brack die Informationspolitik von Doe Run. Das Geld für die übergroßen Zeitungsanzeigen, in denen Doe Run regelmäßig seine Positionen darlegt, solle „besser für die Verbesserung und Fertigstellung des PAMA (Umweltprogramms)“ verwendet werden.

    Doe Run beschäftigt derzeit nach Angaben des Ministers 3.500 Personen direkt. Die Verschmutzung von „La Oroya“ ist dabei nicht die alleinige Schuld des Unternehmens: Bereits über ein Jahrhundert werden in der Umgebung der Andenstadt abwechselnd von staatlichen und privaten Bergbauunternehmen Mineralien gefördert und weiterverarbeitet.

  • Peruanische Recycling-Facharbeiter werden Berufsgruppe (und bekommen eigenen Gedenktag)

    Sobald das Gesetz des „Recycling-Facharbeiters- vom Präsidenten unterschrieben- im Gesetzblatt veröffentlicht wird, haben alle Personen, die sprichwörtlich vom Müll leben – also diesen auf die eine oder andere Art weiterverwerten – eine Berufsbezeichnung und Peru einen neuen Gedenktag: 1. Juni, Tag des Recyclers (Día del Reciclador). Außerdem wird es dann einen jährlichen landesweiten Recycling-Wettbewerb geben, in dem besonders herausragende Abfall-Wiederverwertungsideen prämiert werden.

    Dem Gesetzestext nach sind Recycling-Facharbeiter diejenigen, die -egal ob beauftragt oder selbstständig – selektiv wiederverwertbare Materialien aus dem Abfall filtern und möglicherweise mit diesen handeln.

    Was die Recycling-Facharbeiter genau tun und lassen dürfen, müssen und sollen, müssen letztendlich die Städte selbst regeln. Diese müssen dafür ein Recycling-Facharbeiter-Register anlegen. Für die Kontrolle sind dann das Gesundheits- und das Umweltministerium zuständig.

  • INEI: Peruanische Wirtschaft seit 92 Monaten im Aufschwung

    Nach Angaben des peruanischen Nationalinstitutes für Statistik und Informatik, INEI, wächst die peruanische Wirtschaft seit 92 Monaten ununterbrochen. Im Februar diesen Jahres erreichte es mit 0,19% allerdings einen sehr niedrigen Wert. In den vorhergehenden 12 Monaten lag das Wachstum bei durchschnittlich 1,66% pro Monat (8,16% gesamt). Triebfedern des Wirtschaftswachstums waren weiter der Landwirtschafts- und Bausektor. Der Bereich Landwirtschaft wuchs im Februar um 3,96%, besonders die Viehwirtschaft konnte zulegen (6,57%), was nach Angaben des INEI vor allem mit dem für die Bauern vorteilhaften Klima zu tun hat.

    Größter Verlierer war die Fischwirtschaft, die im Februar um 17,62% schrumpfte.

    Auch der Bereich Bergbau verlor 2,01%.

    Der Bausektor zeigte sich mit einem Wachstum von 4,73% stabil.

  • 2005-2008: Bierkonsum verdoppelt

    In den vergangenen drei Jahren hat sich der Bierkonsum in Peru fast verdoppelt. Das erklärte Alfredo Paredes,  Vertreter des Getränkeherstellers Ajegroup, gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ANDINA. Wurden 2005 noch 781 Millionen Liter Bier konsumiert, waren es 2008  bereits 1,3 Milliarden Liter. Das entspricht ca. 41 Litern Bier pro Person und Jahr. Als einen Grund für den starken Anstieg sieht Paredes neben der weiteren Verbreitung durch eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur hauptsächlich die durch den Wettbewerb im Biersektor stark gefallenen Preise. Für die kommenden Jahre wird ein weiterer Anstieg erwartet. Allein in den derzeitigen Sommermonaten diesen Jahres soll der Bierumsatz um 15 bis 20% über dem Umsatz des Vorjahres liegen. In den Sommermonaten, also Januar bis März, tätigen die peruanischen Bierhersteller rund 30% des Gesamtumsatzes. Zudem wird erwartet, dass der Jahresbierkonsum 2009 pro Person um 4 Liter auf 45 Liter ansteigt.