Kategorie: Wirtschaft

Aktuelles aus der peruanischen Wirtschaft, sowie der Wirtschaftspolitik.

  • Loreto: Amazonas erneut Ölverschmutzt

    Mehrere Ortschaften haben den Schulbetrieb eingestellt und die Trinkwasserversorgung ist nicht gegeben, seit Nahe des nordostperuanischen Ortes Santa María del Ojeal (Distrikt Puchana / Provinz Maynas) der Inhalt von mehrerer Fässern Erdöl der staatlichen Ölgesellschaft Petroperu  in den Amazonas gelaufen ist. Das berichtet Radio La Voz de la Selva aus Iquitos. Der Unfall soll sich beim Betanken eines Frachtschiffes an der Petroperú-Raffinerie Santa María del Ojeal, in derem eigenen Hafen, ereignet haben. Anwohner sprechen von vier Fässern, Petroperú dagegen von zweien.

    Es habe von den Verursachern keine Warnung gegeben, so Percy Rojas Pizango, Gemeindevertreter von Santa María del Ojeal. Wie jeden Morgen seien zahlreiche Bewohner seines Ortes an das Amazonas-Ufer gegangen, um Wasser zu schöpfen. Im Angesicht der schwarzen Flecken habe man aber davon abgesehen. Nach Angaben von Petroperú wurde inzwischen an zahlreiche Familien Trinkwasserbehälter verteilt. Zudem sei man bereits dabei, die betroffenen Stellen des Flusses zu säubern, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

    Für Percy Rojas Pizango ist das aber noch nicht genug. Er hofft darauf, dass möglichst viele Fernsehkameras die Situation dokumentieren. Es sei bereits mehrmals zu ähnlichen Unfällen gekommen, die bei vielen Kindern zu Durchfall und Erbrechen geführt hätten. Deshalb habe man diesmal entschieden, das Problem öffentlich zu machen, so Rojas Pizango gegenüber „La Voz de la Selva“.

    Santa María del Ojeal (nahe „Santa Clara I“, „II“ und „II“) hat rund 507 Einwohner.

  • Peru: Kredite nur noch für Krankenversicherte

    Das peruanische Gesundheitsministerium hat in Peru mit einem Dekret eine heftige Debatte ausgelöst, das die Vergabe von Krediten an Menschen ohne Krankenversicherung verbietet. So fürchtet die Vereinigung der peruanischen Mikrofinanzinstitute, der Erlass würde informellen Geldleihern und Wucherern die Kunden in die Arme treiben.

    Mit dem Dekret verfolgt die peruanische Regierung das Ziel, die Mitgliedschaft in der beschlossenen universellen Krankenversicherung durchzusetzen und doppelte Überschuldung im Krankheitsfall zu verhindern. Deshalb müssen Geldinstitute in Zukunft vor der Kreditvergabe auf dem Internetportal einer noch zu schaffenden Behörde prüfen, ob ein Kunde bei einer Krankenkasse versichert ist. Sollte das nicht der Fall sein, muss ihm der Kredit verweigert werden. Auch, wer beispielsweise als Geschäftsmann Waren oder Dienstleistungen an den Staat verkaufen möchte, muss entsprechend versichert sein. Arbeitgeber werden in Zukunft verpflichtet, ihre Mitarbeiter entsprechend zu überprüfen.

    Innerhalb der kommenden 6 Monate sollen diese Regeln in mehreren Pilotprojekten angewandt werden. Auch in Peru ansässige Ausländer sind davon betroffen, so spricht das Dekret explizit von „Einwohnern“, nicht von „Peruanern“.

    Der Vorsitzende der Vereinigung peruanischer Privatkliniken (ACP), Alberto Valenzuela, begrüßte das Dekret. Es helfe, ganze Familie vor der Überschuldung zu schützen. Dagegen kritisiert Fernando Valencia von der Vereinigung der peruanischen Mikrofinanzinstitute (Asomif) die Regelung als „Absurd“. Damit werde die Arbeit der Finanzinstitute, den legalen Kreditsektor zu stärken und so Wucherern und anderen kriminellen Geldleihern das Geschäft zu entziehen, zunichte gemacht, so Valencia. Perus Wirtschafts- und Finanzminister Ismael Benavides erklärte, die Krankenversicherungspflicht sei wichtig, das Dekret allerdings verbesserungswürdig. Er werde Gesundheitsminister Oscar Ugarte entsprechende Vorschläge unterbreiten.

    Zeit für weitere Debatten und eventuelle Nachbesserungen gibt es dabei noch reichlich, denn die Anwendung wird erst in 18 Monaten verpflichtend. Nach Angaben des peruanischen Gesundheitsministeriums sind 25% der peruanischen Bevölkerung – rund 7 Millionen Menschen – nicht krankenversichert.

  • Weltbank: Rücküberweisungen nach Peru steigen um 4,87%

    Rücküberweisungen nach Peru 2000-2010. Grafik: INFOAMAZONAS. Daten: Weltbank.
    Rücküberweisungen nach Peru 2000-2010. Grafik: INFOAMAZONAS. Daten: Weltbank.

    Die Geldüberweisungen peruanischer Migranten in ihr Heimatland (Rücküberweisungen) werden Ende 2010 wohl 4,87% über dem Wert von 2009 liegen. Das geht aus Schätzungen der Weltbank hervor. Insgesamt werden für dieses Jahr Rücküberweisungen nach Peru in Höhe von 2,494 Milliarden US-$ erwartet. 2009 waren wegen der Wirtschaftskrise weniger Rücküberweisungen vorgenommen worden. Die Rücküberweisungen machten in jenem Jahr 1,8% des peruanischen Bruttoinlandsproduktes aus.

    Bei Perus Nachbarn Bolivien sind Rücküberweisungen noch wichtiger, so machen diese 6,1% des bolivianischen Bruttoinlandsproduktes aus, in Ecuador liegt der Wert bei 4,5%.

    Allerdings ist Peru nicht nur Empfängerland. So wurden 2009 von Peru aus Rücküberweisungen im Wert von rund 85 Millionen US$ getätigt. Dieser Wert liegt dabei weit unter den Vorjahreswerten. Damit setz sich der Trend zum Rückgang der Rücküberweisungen aus Peru weiter fort, der mit der Jahrtausendwende begonnen hat.

    Dabei sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den Zahlen der Weltbank nur um Zahlen zu Rücküberweisungen auf legalem Wege handelt.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Wertpapierbörsen Lima, Santiago und Bogotá beschließen Zusammenarbeit

    Die Wertpapierbörsen von Lima (Peru), Santiago (Chile) und Bogotá (Kolumbien) haben angekündigt, in Zukunft eng zusammen zu arbeiten. Dadurch kann an jedem der drei Handelsplätze mit Wertpapieren der jeweils anderen  gehandelt werden.

    Mit der Zusammenarbeit soll der größte Wertpapiermarkt in Lateinamerika entstehen. Zunächst sollen dafür die Handelsgebühren der drei Börsen vereinheitlicht werden.

  • Grundsteinlegung für peruanischen „Ort der Erinnerung“ am 4. November

    An diesem Donnerstag, dem 4. November, wird in Lima der Grundstein für den „Ort der Erinnerung“, einer Gedenkstätte für die Opfer des Terrors im Peru der 80er und 90er Jahre gelegt. Zur Grundsteinlegung hat sich neben dem peruanischen Präsidenten Alan García auch der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel angekündigt, der derzeit durch Lateinamerika reist.

    Der Bau und Unterhalt des „Lugar de la Memoria“ (Ort der Erinnerung) wird von der BRD finanziell unterstützt. Bereits seine Planung hatte in Peru zu heftigen Debatten geführt. So hätten Teile der peruanischen Regierung, insbesondere der damalige Verteidigungsminister Antero Flores, das zugesagte Geld lieber für andere Projekte ausgegeben.

    Gedenkstätten-Projekt von Heidemarie Wieczorek-Zeul mitinitiiert

    Angestoßen hatte das Projekt, nach Angaben der Planungskommission eine Art „lebendiges Museum“, ursprünglich Niebels Amtsvorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei einem Besuch in Lima. Es entsteht im Stadtteil Miraflores der peruanischen Hauptstadt Lima. Bereits im kommenden Jahr sollen erste Ausstellungsräume zugänglich gemacht werden, Kritiker halten den Termin für utopisch.

    Von der Vargas Llosa-Kommission zur de Szyslo-Kommission

    Der Planungskommission hatte zunächst der peruanisch-spanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa vorgestanden, er verließ sie aber aus Protest gegen ein Regierungs-Dekret, das Straffreiheit für in Menschenrechtsverletzungen verwickelte Angehörige des peruanischen Militärs bedeutet hätte. Nun sitzt ihr der Künstler Fernando de Szyslo vor.

    Niebel mit strammem Programm

    Nach Angaben des BMZ wird Dirk Niebel in Peru Gespräche zu den Themen Dezentralisierung, Good Governance, Alternative Entwicklung zum Drogenanbau, Ländliche Entwicklung und Ressourcenschutz sowie Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft führen, das Alumniportal Deutschland in Peru präsentieren, den Grundstein für ein Ausbildungszentrum für Umwelttechnologien legen, und sich zum Ehrenbürger von Tocache ernennen lassen.

  • „Tren Macho“ fährt wieder

    Die Strecke des Tren Macho - Huancayo - Huancavelica. Karte: MTC
    Die Strecke des Tren Macho – Huancayo – Huancavelica. Karte: MTC

    Nach mehrmonatigen Aufräumarbeiten ist seit gestern die als „Tren Macho“ bekannte Zugstrecke zwischen Huancayo und Huancavelíca wieder befahrbar. Die Schienen waren im vergangenen Januar, insbesondere im Abschnitt der Provinz Yauli, von mehreren Erdrutschen verschüttet worden. Nachdem nun die Sanierungsarbeiten weitgehend abgeschlossen wurden, soll nach Angaben von Carlos Noriega García, Staatssekretär für Eisenbahnwesen im peruanischen Transport- und Kommunikationsministerium (MTC), schon in den kommenden Tagen der normale Betrieb wieder aufgenommen werden.

    Der „Tren Macho“, bis heute im Besitz des peruanischen Staates, wird dann wieder jeden Morgen -außer Mittwochs- gegen 6:30 mit seinen drei Passagier- und einem Gepäckwagen vom Bahnhof Chilca (Huancayo) nach Huancavelica fahren. Er überquert auf einer Fahrstrecke von 128 Kilometern 15 Brücken und durchfährt 38 Tunnel.

  • Rund 20.000 Bäckereien in Peru, „Dunkelziffer“ höher

    Bäckerei bei Mendan: Garantiert in deiner Aspan-Statistik. Foto: Damian Raiser / INFOAMAZONAS.
    Bäckerei bei Mendan: Garantiert in keiner Aspan-Statistik. Foto: Damian Raiser / INFOAMAZONAS.

    In Peru gibt es rund 20.000 Bäckereien, in denen insgesamt rund 200.000 Menschen arbeiten. Das geht aus Daten der peruanischen Vereinigung der Bäckerei- und Konditoreiunternehmer (ASPAN) hervor. Knapp die Hälfte davon sei in Lima angesiedelt, so der ASPAN-Vorsitzende Pío Pantoja. Zudem konsumiere der Durschnittsperuaner pro Jahr insgesamt 28 Kilo Brot, so Pantoja weiter, und weise damit etwas mehr als ein Viertel des jährlichen Brotkonsums eines Durschnittsdeutschen auf.

    Dabei muss aber darauf hingewiesen werden, dass die „Dunkelziffer“ an Bäckereien und produzierten, sowie konsumierten Broten wesentlich höher liegt. Insbesondere im ländlichen Raum Perus gibt es sehr lange Brotbacktraditionen, die nur selten ihren Weg in offizielle Statistiken finden. Die möglichen Gründe sind vielfältig:

    Traditionelle Brote in Colcamar (Amazonas / Peru). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Traditionelle Brote in Colcamar (Amazonas / Peru). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Viele Bäcker haben ihr Gewerbe gar nicht angemeldet, oder backen vorwiegend in ihrer „Freizeit“ und arbeiten eigentlich woanders. An anderen Orten wird das Brot nicht mit Geld bezahlt, sondern in Naturalien – oder ist eben direkt für religiöse oder gesellschaftliche Zeremonien gedacht. Und weil in Peru jeder zumindest dort, wo die nächste Gesundheitsbehörde weit entfernt ist, einfach eine Bäckerei eröffnen kann, wer sich mit Teig auskennt und einen Ofen hat, kann die ASPAN-Statistik durchaus als „löchrig“ angesehen und die wahre Zahl an Bäckereien als wesentlich höher angenommen werden.

    Aaus diesem „Graubereich“ kommen sie meist, die „Innovationen“, die dann in Lima präsentiert werden, als ob sie gerade erst erfunden worden wären: Die Chutas aus Cusco, die Anís-Brötchen aus Junín, die Wawas aus Ayacucho oder das inzwischen dank staatlicher Förderung allerorts bekannte „Papapan“ mit Kartoffeln.

    Denn dort, fernab der peruanischen Sternerestaurants und Kochschulen, wird wirklich experimentiert, mit allem, was Perus Landwirtschaft zu bieten hat: Kiwicha, Quinua, Mais, Kürbis, Yucca, jeder Art von Früchten und Gemüse, mit Weizen – und natürlich Kartoffeln.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Peru produziert mehr Bier … und trinkt es auch

    Peruanische Brauereien werden in diesem Jahr wohl rund 12 Millionen Hektoliter Bier produzieren, wie die peruanischen SABMiller-Ableger Backus y Johnston heute in Lima bekannt gaben. Als Quasi-Monopolist produziert allein Backus (deckt nach eigenen Angaben fast 90% des peruanischen Biermarktes ab) 11 Millionen Hektoliter Bier pro Jahr. In den vergangenen Jahren ist der Konsum dabei parallel zur Kaufkraft angestiegen. Jede Peruanerin und jeder Peruaner trinkt derzeit durchschnittlich 42 Liter Bier pro Jahr. Damit hat Peru zwar zugelegt, liegt aber dennoch hinter Kolumbien (50 Liter/Person/Jahr), Venezuela (80 Liter/Person/Jahr) und Mexiko (60 Liter/Person/Jahr) zurück.

    Ginge es nach den peruanischen Bierbrauern, würde diese Zahl wohl weiter ansteigen.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Peru bleibt Fair-Trade-Kaffee-Weltmeister

    Lager der Kaffee-Kooperative Rodriguez de Mendoza. Foto: M. Brugger.
    Lager der Kaffee-Kooperative Rodriguez de Mendoza. Foto: M. Brugger.

    Mit exportiertem Fair-Trade-Kaffee im Wert von umgerechnet 73 Millionen US-$ ist Peru zum 6. Mal Fair Trade-Kaffee-Weltmeister. Das gab der peruanische Kaffeeproduzenten-Dachverband JNC bekannt. Das entspricht rund 460.000 Zentnern. Damit bleibt das Produkt vor Bananen, Mango, Kakao, Tee und Zimt weiterhin das peruanische Fair-Trade-Exportprodukt Nr. 1. Nach JNC-Angaben stammen 95% des nach den Maßstäben der FLO (Fairtrade Labelling Organisation) produzierten Kaffees von Kooperativen kleiner Kaffeeproduzenten.

    Kaffee-Kooperative Rodriguez de Mendoza. Foto: M. Brugger.
    Kaffee-Kooperative Rodriguez de Mendoza. Foto: M. Brugger.

    Um als Fair-Trade-Produkt anerkannt zu werden, müssen bestimmte Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. So müssen beispielsweise für Produkte, die über das Fair-Trade-Unternehmen GEPA vertrieben werden, eine Reihe von Vorschriften wie die „Zahlung fairer Preise, die die Produktionskosten decken und darüber hinaus Spielraum für Entwicklungsaufgaben lassen, Langfristige und verlässliche Handelsbeziehungen, Förderung von ökologischem Anbau, Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik“ oder der „Ausschluss ausbeuterischer Kinderarbeit“ eingehalten werden.

    In Peru gibt es derzeit, wie der JNC berichtet, 39 Organisationen, die diesen Standards entsprechen. Darin sind 32.000 kleine Kaffeeproduzenten organisiert.

    Allein nach Deutschland wurden im Vergangenen Jahr 1,343,638 Kilo peruanischer Kaffee exportiert.

  • Gas-Streik in Südperu: Ausnahmezustand in La Convención (Cusco)

    Der Generalstreik  in mehreren Regionen Südperus gegen den Erdgasexport eskaliert. Nachdem es in den vergangenen Tagen bei Protesten zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften gekommen war, verhängte die peruanische Region über die Provinz La Convención (Region Cusco), insbesondere den Distrikt Echarate, den Ausnahmezustand. Damit bekommen Militär und Polizei weitgehende Möglichkeiten, Versammlungen zu verbieten, Häuser zu durchsuchen und Ausgangssperren zu verhängen.

    Die Demonstranten fordern, das Erdgas aus dem Camisea-Projekt zunächst für den inländischen Markt zu reservieren und erst dann Überschüsse zu exportieren. Zudem sollen die Förderregionen mehr von den Exporteinnahmen profitieren. Die Regierung wirft den Demonstranten – wie bei jeder Demonstration in den vergangenen Monaten – vor, auf radikale Weise Wahlkampf betreiben zu wollen.