Kategorie: Wirtschaft

Aktuelles aus der peruanischen Wirtschaft, sowie der Wirtschaftspolitik.

  • Peru: Umweltverträglichkeit wird künftig vom Umweltministerium geprüft

    Umweltverträglichkeitsprüfungen führten in Peru bislang eine Reihe von Ministerien durch: Das Landwirtschaftsministerium, das Bergbau- und Energieministerium, in manchen Bereichen sogar das Produktionsministerium. Das ist nun vorbei, wenn Präsident Ollanta Humala in wenigen Tagen das Gesetz* unterzeichnet, das die Kongressabgeordneten gestern in Lima verabschiedeten: Es sieht die Gründung einer eigenen Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit vor, die dem Umweltministerium unterstehen soll.

    Abstimmungsergebnis: 66 dafür. Foto: MINAM.
    Abstimmungsergebnis: 66 dafür, keine Gegenstimme. Foto: MINAM.

    Immer wieder kam es in der jüngeren Vergangenheit in Peru zu Konflikten, insbesondere im Bergbausektor oder bei geplanten Wasserkraftwerken. Der Grund: Anwohnerinnen und Anwohner trauten den Umweltverträglichkeitsstudien nicht, die von Consulting-Unternehmen ausgearbeitet und meist von einem Ministerium geprüft wurden, dessen Aufgabe vor allem in der Förderung von Bergbau- und Energieprojekten liegt. Es kam vielerorts zu Großprotesten, bei den größten – denen um das in der Region Cajamarca geplante Kupfertagebauprojekt „Conga“ – wurden deshalb nachträglich ausländische Gutachter bestellt, um die Umweltverträglichkeit unabhängig zu prüfen.

    Neue Behörde soll Transparenz und Vertrauen schaffen

    Deshalb soll künftig der „Nationale Umweltzertifizierungsdienst“ (sp. Servicio Nacional de Certificación Ambiental para las Inversiones Sostenibles), kurz SENACE, die Prüfung der Umveltverträglichkeitsstudien übernehmen. Unterstellt sein wird die Behörde direkt dem Umweltministerium. Neben der Prüfung soll SENACE zudem ein Register führen, in dem alle Consulting-Unternehmen verzeichnet sind, die fähig sind, eine solche Studie zu erstellen. Der Hintergrund: Einige vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudien waren einfache Kopien anderer Dokumente, die lediglich mit kleinen Änderungen versehen waren. Auch das soll in Zukunft verhindert werden. Zudem soll mehr Transparenz geschaffen werden. So sind bislang die Studien nur schwer in den Tiefen der Internetseiten des Bergbau- und Energieministeriums zu finden, künftig sollen sie auf dem SENACE-Internetportal für jeden offen zugänglich sein.

    Hintertüren im Gesetzestext

    Allerdings hat der Gesetzgeber noch eine Hintertür eingebaut: So kann der Ministerrat in Lima per Dekret bestimmte Projekte von der Prüfung ausnehmen und diese einem anderen Ministerium übertragen. Das klingt zwar hypothetisch, ähnliches geschah aber in der Vergangenheit bereits mehrfach. So wurden Bergbauprojekte zu „nationalem Interesse“ erklärt – und konnten somit Gesetzeshürden wie das Verbot von Bergbau durch ausländische Unternehmen in Grenznähe umgehen. Und eine weitere Lücke findet sich im Text: „kleine“ Bergbauprojekte liegen im Zuständigkeitsbereich der Regionalregierungen – die entsprechenden Studien müssen deshalb nicht vom SENACE, sondern der zuständigen regionalen Stelle gefprüft werden.

    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.
    Setzte sich durch: Umweltminister Pulgar Vidal. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.

    Machtkampf in der Regierung

    Für den Präsidenten der Kongresskommission für Umwelt und Ökologie Víctor Grandez ist das verabschiedete Gesetz dennoch ein großer Fortschritt. Endlich liege die Letztentscheidung und Kontrolle über die Umweltverträglichkeit bei der höchsten nationalen Umweltbehörde, so Grandez. Eingebracht worden war das Gesetz von der peruanischen Regierung, in der es zuvor selbst Streit über die Neuverteilung der Umweltkompetenzen gegeben hatte. Insbesondere das Bergbau- und Energieministerium, sowie das Landwirtschaftsministerium hatten sich gewehrt. Dennoch hatte sich Umweltminister Manuel Pulgar Vidal mit seinen Vorschlägen weitgehend durchgesetzt.

    Bergbau-Lobbyverband uneinig – und ein bisschen dagegen

    Insgesamt 64 Abgeordnete stimmten für das Gesetz, acht enthielten sich – Gegenstimmen gab es nicht. Das war erstaunlich, hatte der Bergbau-Unternehmerverband SNMPE doch kurz zuvor noch einmal seine Lobby-Maschine angeworfen. Zunächst hatte es offenbar keine Einigkeit zwischen den SNMPE-Mitgliedern gegeben, vorletzte Woche war dann Verbandspräsident  Pedro Martínez vorgeprescht und hatte gefordert, SENACE beim Präsidenten des Ministerrates anzusiedeln. Ansonsten bestehe die Möglichkeit von Interessenkonflikten, wenn das Umweltministerium die Regeln mache, aber gleichzeitig auch kontrolliere, so Martínez. Daneben kritisierte die SNMPE, die Zentralisierung der Umweltverträglichkeitsprüfung in einer Behörde könne den Bearbeitungsprozess noch weiter in die Länge ziehen. Diese Gefahr sahen die Abgeordneten offenbar nicht. Vielmehr sah Verónika Mendoza, die vor wenigen Monaten noch der Regierungsfraktion angehörte, es umgekehrt: Die Gründung von SENACE sei ein wichtiger Schritt zur Auflösung von Interessenkonflikten in den entsprechenden Fachbereichen, so Mendoza Frisch.

    Regierung verspricht neues Verhältnis zum Bergbau

    Das Verhältnis zwischen Staat, Anwohnern, Umwelt und Bergbau ist -freiwillig oder unfreiwillig- eines der Hauptthemen der derzeitigen peruanischen Regierung, seit die Konflikte um „Conga“ und ein Bergbauprojekt in der Provinz Espinar, sowie die Problematik des informellen Bergbaus international Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wurden erst vor wenigen Tagen die Höchststrafen für Bergbauunternehmen, die sich nicht an Umweltauflagen halten, drastisch erhöht.

    *Ley 1461

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    Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Dossiers „Wasserkonflikte in Peru„, sowie „Bergbaukonflikte“.

  • Paris: Perus Präsident Humala bittet um OECD-Aufnahme

    Bei seinem Besuch in der Organisationszentrale in Paris vergangene Woche hat der peruanische Präsident Ollanta Humala den Wunsch geäußert, sein Land in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufzunehmen. Man wolle mit Hilfe dieser Organisation, die derzeit 34 der weltweit reichsten Länder umfasst, Verbesserungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastrukturentwicklung erreichen, so Humala. Das wolle man durch die dynamische Wirtschaft, sowie das andauernde Wachstum gewährleisten. Bereits jetzt sind mehrere lateinamerikanische Länder Mitglieder der OECD: Neben Chile beispielsweise Mexiko und Kolumbien.

    OECD-Generalsekretär Angel Gurría äußerte sich dazu in seinem Statement allerdings nicht, er gratulierte aber der peruanischen Regierung dafür, das Wirtschaftswachstum für den Kampf gegen Armut nutzen zu wollen.

  • Peru: Zehnjähriges Gentechnik-Moratorium in Kraft

    Peruanische Maiskolben. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Vermutlich Gentechnikfrei: peruanische Maiskolben. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Mit der Verabschiedung des Reglements durch den Ministerrat ist seit vergangener Woche das vom peruanischen Kongress beschlossene 10jährige Einfuhr- und Herstellungs-Moratorium für genetisch modifizierte Organismen in Kraft getreten. Das Reglement, von Umweltschützern seit langem gefordert, sieht Kontrollen und Strafen vor, letztere bis zu einer Höhe von 10.000 UIT-Steuereinheiten (derzeit etwa 36,5 Millionen Nuevos Soles, rund 11 Millionen Euro). Zudem lege es erstmals spezifische Zuständigkeiten für die Kontrolle fest, so Umweltminister Manuel Pulgar Vidal.

    Demnach sind künftig vor allem das Umwelt-, sowie das Landwirtschaftsministerium zuständig, aber auch der Zoll und das Außenhandels- und Tourismusministerium, so der Minister. Agrarverbände wie Conveagro und der Unternehmerverband CONFIEP, sowie Vertreter von Umweltschutzverbänden sollen bei der Implementierung der Kontrollen unterstützen. Neben Kontrollen und dem vorübergehenden Einfuhrverbot setzt das Umweltministerium vor allem auf Bildung und Wertschätzung des vorhandenen Artenreichtums: Es sei wichtig, die technischen Grundlagen zu erwerben, die heimische Biodiversität zu untersuchen und zu schützen, so Pulgar Vidal.

    Moratorium stand auf der Kippe

    Zuletzt hatte es ausgesehen, als ob das geplante Moratorium scheitern würde, der damalige Präsident Alan García Pérez verweigerte Mitte 2011 seine Unterschrift. Der Kongress beharrte allerdings darauf und beschloss vor rund einem Jahr das 10jährige Moratorium.

  • Peru: Inca-Weg Qhapaq Ñan bald Weltkulturerbe?

    Projekt Qhapaq Ñan. Bild: Ministerio de Cultura.
    Projekt Qhapaq Ñan. Bild: Ministerio de Cultura.

    Bei seinem Besuch in der Zentrale der UNESCO hat Perus Präsident Ollanta Humala vergangene Woche offiziell die Verleihung des Weltkulturerbe-Status für den peruanischen Teil des als „Qhapaq Ñan“ bekannten Inca-Wegenetzes beantragt. Der peruanische Qhapaq Ñan, bereits heute eine auch bei Reisenden beliebte Route, erstreckt sich über tausende Kilometer, vor allem durch die Andenregionen. Die Chancen auf Erfolg stehen dabei gut: Das Wegnetz zieht sich bis ins nordöstliche Nachbarland Kolumbien – wo die UNESCO den Qhapaq Ñan bereits als Weltkulturerbe anerkannte.

    Gemeinsame Strategie für 23.000 Kilometer Wege

    Dabei ist der Antrag einer größeren Strategie: Auch Teile Argentiniens, Boliviens und Ecuadors gehörten vormals zum Reich der Inca – und werden vom Qhapaq Ñan durchzogen. 2009 beschlossen diese Länder bei einem Treffen in der peruanischen Hauptstadt Lima, den Welterbestatus für das komplette Inca-Wegnetz anzustreben. Welche der im 15. Jahrhundert insgesamt bis zu 23.000 Kilometer messenden Wege noch begehbar sind, wird derzeit vielerorts von den Kulturbehörden geprüft.

    Die peruanischen Behörden erwarten, dass die Entscheidung über den Antrag noch über ein Jahr auf sich warten lassen wird. Bis dahin prüft die UNESCO unter anderem Kartenmaterial, den Zustand der Wege, sowie den historischen Wert.

    Juan Diego Flores wird UNESCO-Botschafter

    Im Rahmen seines Besuchs der UNESCO-Zentrale in Paris gab Perus Präsident Humala bekannt, man habe den peruanischen Tenor Juan Diego Flores als UNESCO-Botschafter vorgeschlagen. Der Sänger bestätigte den Vorschlag inzwischen auf seiner Internetseite. Juan Diego Flores unterstützt regelmäßig soziale Initiativen in Peru, die meist mit Musik und musikalischer Bildung zu tun haben.

  • Perus zweite Metro-Linie startet 2013 in Huancayo

    Die peruweit zweite lokale Schnellbahnverbindung soll im März 2013 in der zentralperuanischen Andenstadt Huancayo ihren Betrieb aufnehmen. Sie wird dann Chilca mit Huancayo, sowie Tambo verbinden, eine Strecke von rund sieben Kilometern, die bei einer Geschwindigkeit von rund 45km/h in ungefähr 15 Minuten zurückgelegt werden soll. Inzwischen kamen die Triebwagen in der Hauptstadt Lima an, wo sie gestern von einem von stolz erfüllten Dimas Aliaga, Bürgermeister von Huancayo, der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Betrieben wird die Strecke von der Eisenbahngesellschaft Ferrocarril Central Andino (FCCA), der Streckenverlauf soll einen Teil der bereits vorhandenen Bahnstrecke, sowie einige neu zu bauende Trassen umfassen.

    Insgesamt sechs Triebwagen, die bereits Ende Oktober per Schiff den Hafen von Callao erreichten, sollen zu Beginn rund 10.000 Fahrgäste pro Tag über die sieben bislang geplanten Haltestellen hinweg transportieren – um schließlich auf die angepeilten bis zu 30.000 Fahrgäste pro Tag zu kommen. Der allgemeine Fahrpreis soll bei einem Nuevo Sol liegen. Betreiberunternehmen und Rathaus erhoffen sich von der „Metro Wanka“, wie die Metro von Huancayo auch genannt wird, eine Entlastung der Straßen.

    Nach Angaben der Provinzverwaltung von Huancayo handelt es sich bei den Triebwagen um als Y-Tog bekannte Schienenbusse deutscher Fabrikation (DÜWAG), die mit Motoren von Mercedes Benz ausgestattet sein sollen. Beide Projektträger investieren zusammen insgesamt rund 10 Millionen Nuevos Soles in das Projekt.

    Eisenbahngesellschaft plant weitere Routen

    Bislang war die FCCA vor allem im Transport von Waren und Mineralien aktiv, auch wenn bereits bisher vereinzelte Touristen- und Fahrgastrouten angeboten werden. Das soll sich nun offenbar ändern: FCCA plant derzeit an Regionalzügen, die Tambo mit Concepción und Jauja verbinden sollen. Auch international werden Ambitionen gezeigt: Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen an einem Konsortium beteiligt, das den brasilianischen Hafen von Santos mit dem peruanischen Hafen von Paita per Eisenbahn verbinden möchte.

    Erste Metro in Lima

    Erst vor wenigen Monaten hat die erste peruanische Metro-Strecke ihren Betrieb aufgenommen: Die Linie 1 der Metro Lima. Derzeit wird am zweiten Streckenabschnitt gebaut.

  • Stierkämpfe als Kunst? Perus Kulturministerium bringt Tierschützer gegen sich auf

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruPerus Kulturministerium hat mit einer Gesetzesinitiative, die eine Anerkennung von Stierkämpfern als Künstler zum Ziel hat, bei Tierschutzorganisationen heftigen Unmut ausgelöst. Der Gesetzestext, der unter vielen anderen auch Sängerinnen und Sänger, Clowns, Mentalistinnen und Mentalisten, sowie angehörige des Schauspielberufs nennt, wurde von dem Ministerium zur öffentlichen Diskussion ins Internet gestellt.

    Stierkampfgegner Roger Torres von der Organisation Perú Antitaurino erklärte gegenüber der Tageszeitung La República, es sei unglaublich, dass ein Ministerium, das die Kultur fördern solle, ein so blutiges Spektakel für eine „künstlerische Aktivität“ halte. In der peruanischen Hauptstadt Lima gibt es mit der „Plaza de Acho“, in der seit gestern die Stierkämpfe der „Feria del Sr. de los Milagros“ laufen, eine große Stierkampfarena, auch in vielen kleineren Städten – beispielsweise Chota in der Region Cajamarca – gibt es zu besonderen Anlässen Stierkampfturniere. Zu den Befürwortern des Stierkampfs gehört -unter anderen- der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

    Kein Stierkampf für Kinder und Jugendliche?

    Derweil beschäftigt sich der peruanische Kongress auch mit Initiativen mehrerer Abgeordneten, die Minderjährigen den Einlass in Stierkampfarenen verbieten wollen. Durch die Initiative wolle man die psychische und moralische Integrität der Minderjährigen schützen, so der Fujimoristen-Abgeordnete Julio Rosas. Ausgegangen war die Initiative aber von dem Abgeordneten und ehemaligen Verteidigungsminister José Urquizo aus dem Lager der Regierungsfraktion der Nationalisten. Dessen Vorschlag ging sogar noch weiter: Er möchte Minderjährige auch den Zugang zu den populären Hahnenkämpfen verwehren.

    Kulturministerium will soziale Absicherung und Besitzrechte neu regeln

    Die scharfe Kritik aus diversen politischen Lagern hat das Kulturministerium offenbar überrascht, wohl auch deshalb, weil es sich beim Thema „Stierkampf“ eher um eine Nebenbaustelle handelt. Denn in erster Linie soll durch das geplante Gesetz die soziale Absicherung von Künstlerinnen und Künstlern, sowie das Besitz- und Verwertungsrecht künstlerischer Produktion auf eine neue Grundlage gestellt werden. So soll das geplante Gesetz Kunstschaffenden beispielsweise vereinfachen, ihre Forderungen durchzusetzen, wenn Konzert- oder Ausstellungsorganisatoren sich im Nachhinein weigern zu bezahlen.

  • Peru: höhere Bußgelder für schwarze Schafe im Bergbausektor

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruWie aus dem neuen Umwelt-Bußgeldkatalog für Begbaubetriebe hervorgeht, den das peruanische Umweltministerium gestern veröffentlichte, wurde die Höchststrafe für nicht umgesetzte Umweltauflagen um den Faktor 1.000 erhöht. Waren -nach der 2012 gültigen Steuereinheit UIT – in jedem Fall 36.500 Nuevos Soles (10 UIT) fällig, können nun Bußgelder von bis zu 36.500.000 Nuevos Soles (10.000 UIT) verhängt werden. Im Gegensatz zum Vorwert ist die Strafe aber nicht mehr genau festgelegt, sie errechnet sich vielmehr durch den entstandenen Schaden.

    Abschreckende Wirkung

    Zuständig für die Anwendung des neuen, aus 12 Kategorien bestehenden Bußgeldkataloges ist bei großen und mittelgroßen Bergbauprojekten die Evaluierungs- und Umweltkontrollbehörde OEFA, die dem Umweltministerium unterstellt ist. Nach Angaben des Umweltministeriums soll durch die Anhebung der Bußgelder vor allem eine abschreckende Wirkung erreicht werden.

    Bergbau in Peru: Ein kontroverses Thema

    In Peru ist das Thema Bergbau ein sehr kontroverses. Immer wieder kommt es zu Konflikten, häufig mischen sich dabei Umweltbedenken – oder gar Schäden – mit sozialen Faktoren wie extremer Armut im Umfeld von legalen und illegalen Bergbauaktivitäten. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt beispielsweise das Conga-Projekt in der Region Cajamarca. Dort will das Unternehmen Yanacocha S.R.L., das in der Nähe bereits Gold im Tagebau fördert, vor allem Kupfer fördern. Derzeit liegt das Projekt nach Druck der peruanischen Regierung auf Eis – Yanacocha treibt vorarbeiten wie den Bau mehrerer Wasserreservoirs gleichzeitig weiter voran.

    Umweltministerium möchte mehr Kompetenzen

    Da bislang zahlreiche Kompetenzen der Umweltverträglichkeitsprüfung über diverse Ministerien verteilt sind, legte das peruanische Umweltministerium kürzlich ein Gesetzesprojekt vor, mit dem die Gründung der Zertifizierungsbehörde SENACE angestrebt wird. Diese Behörde soll in erster Linie dem Umweltministerium unterstehen. Die Initiative passierte bereits mehrere Kongresskommissionen durchlaufen und wird wohl demnächst in einer Plenarsitzung thematisiert.

    OEFA-Tribunal bestätigt Bußgeld wegen Nachlässigkeiten bei Conga-Projekt

    Die höchste OEFA-Verwaltungebene hat ein gegen das Bergbauunternehmen Yanacocha S.R.L. verhängtes Bußgeld in Höhe von 127,75 UIT-Steuereinheiten bestätigt. Das bedeutet, das Unternehmen muss 466.287,50 Nuevos Soles an den Staat überweisen. Zuvor hatte die Kontrollbehörde festgestellt, dass mehrere in der Umweltverträglichkeitsstudie für das geplante Conga-Projekt gemachte Versprechen nicht eingehalten wurden. So wurde offenbar der Mindestabstand von 50 Metern zwischen Untersuchungsplattformen des Unternehmens, Feuchtgebieten und Wasserläufen nicht eingehalten und damit der Lebensraum von Flora und Fauna gestört – obwohl diese als „fragile Ökosysteme“ gelten und deshalb unter Schutz stehen. Yanacocha S.R.L. kündigte an, das Bußgeld zu begleichen und gegen die Entscheidung nicht gerichtlich vorzugehen.  Dennoch teile man die Auffassung negativer Auswirkungen auf die Umwelt in den bemängelten Fällen nicht, so Yanacocha in einer Pressemitteilung.

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    Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Dossiers „Wasserkonflikte in Peru“, sowie „Bergbaukonflikte“.

  • Arequipa / Peru: Zahl der Colca-Tal-Besucher trotz Euro-Krise stabil

    Obwohl Touristen aus Europa den größten Teil der Besucher des Colca-Canyons in den südperuanischen Anden ausmachen, ist von der Euro-Schuldenkrise dort bislang nichts zu spüren. Nach Angaben der Tourismusverwaltung Autocolca blieb die Besucherzahl zwischen Januar und Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 139.788 weitgehend stabil. Bis zum Jahresende erwartet Autocolca-Direktor Fredy Jiménez Barrios noch über 50.000 Colca-Reisende mehr. Das könnte zu schaffen sein, beginnen vor Weihnachten doch die Sommerferien – und damit die Reisesaison.

    Vor allem inlands- und europäische Touristen zieht es ins Colca-Tal, nach Daten der Colca-Verwaltungsbehörde vor allem aus Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland, wobei in den vergangenen Jahren auch der Anteil von Reisenden aus den USA, sowie anderen südamerikanischen Ländern wie Argentinien, Chile, Brasilien und Bolivien stetig ansteigt. Der Colca-Canyon, der das Tal durchzieht, ist einer der größten seiner Art.

    Das Colca-Tal ist für seine spektakulären Landschaften, architektonischen Kleinode und häufigen Sichtungen von Andenkondoren mit großer Spannweite berühmt.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=sTw1rNVLQ7k

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Weitere Hinweise und Informationen finden Sie dort.

  • Arequipa / Peru: Zwei Bergleute sterben in informellem Gold-Bergwerk

    Bei einer Explosion sind gestern Abend in der südperuanischen Region Arequipa zwei Bergleute von herabfallenden Felsbrocken getötet worden. Das berichtet die peruanische Nationalpolizei.

    Die beiden Kumpel, im Alter von 22 und 23 Jahren, arbeiteten offenbar in einem ungenehmigten Stollen bei Secocha (Distrikt Mariano Nicolas Valcarcel / Provinz Camaná), als in einem anderen, nahegelegenen Stollen eine zu groß dimensionierte Sprengladung gezündet wurde. Der improvisierte Stollen mit dem Namen Santa Rosa N° 1 de Secocha stürzte in sich zusammen und begrub die Bergleute unter sich.

    Secocha: Bergbaustadt mit schlechtem Ruf

    Secocha hat in Peru einen schlechten Ruf: Um das Jahr 2004 von Glücksrittern auf der Suche nach Gold gegründet, gilt es als wichtiges Zentrum des illegalen und halb-legalen Bergbaus. Kriminalität, Prostitution und der illegale Handel mit Sprengstoffen sind nach Berichten peruanischer Medien an der Tagesordnung. Unglücke gab es in der Vergangenheit immer wieder, nicht nur in improvisierten Bergwerken: Vor fast zwei Jahren starben 12 Bergleute – als der Kleinbus, in dem sie unterwegs waren, von der Straße abkam und einen Abhang hinabstürzte.

    Häufig Unfälle in illegalen Bergwerken

    Auch sind Unglücke dieser Art leider nicht ungewöhnlich. Erst im vergangenen April war es zu einem Unfall in einer improvisierten Kupfermine in der Region Ica gekommen. Dutzende Bergleute mussten mehr als vier Tage eingeschlossen unter großen Mengen Geröll ausharren, bis sie gerettet werden konnten. Die derzeitige peruanische Regierung versucht, all jene zu registrieren, die im informellen Bergbau beschäftigt sind, um in einem weiteren Schritt eine Formalisierung, Weiterbildung und die Einhaltung von Umweltstandards zu ermöglichen – ein schwieriges Unterfangen, dem sich manche Dachverbände illegaler Mineralienschürfer widersetzen. Auch der Einsatz giftiger Chemikalien führt immer wieder zu Problemen.

    Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

    Wie der Nachrichtensender RPP berichtet, sind inzwischen mehrere Mitarbeiter der zuständigen Staatsanwaltschaft vor Ort, um sich des Falls anzunehmen. Ob die Leichname bereits geborgen werden konnten, ist zur Stunde noch nicht bekannt.

  • Peru: Kritik an Ausweitung möglicher Geheimkäufe für Militär und Polizei

    Per Dekret hat Ende Oktober die peruanische Regierung verfügt, Polizei und Streitkräften im Falle eines Ausnahmezustandes zu ermöglichen Waffen und andere Objekte zu kaufen, ohne öffentlich darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Mehrere Abgeordnete der Opposition kritisieren den Vorgang heftig. Bereits seit 2001 sind entsprechende Regelungen in Kraft – die Liste kaufbarer Güter wurde nun aber stark erweitert und enthält beispielsweise Medikamente, Baumaterialien und Fahrzeuge.

    Perus Verteidigungsminister Pedro Cateriano. Foto: Carlos Lezama / ANDINA.
    Perus Verteidigungsminister Pedro Cateriano. Foto: Carlos Lezama / ANDINA.

    Während der Fujimori-Regierung in den 90er Jahren wurden viele Käufe des Verteidigungministeriums ebenfalls geheim abgewickelt, eine Modalität, die überbordender Korruption Tür und Tor öffnete und sich weitgehend der Kontrolle entzog. Daran erinnerten nun die Kritiker des Dekretes*, von dem offenbar bereits Gebrauch gemacht wurde. So gestand Verteidigungsminister Pedro Cateriano ein, den Bau und die Einrichtung zahlreicher neuer Polizei- und Militärstützpunkte in den als „VRAEM“ bekannten Tälern der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro „geheim“ abgewickelt zu haben. Die VRAEM gelten als Rückzugsort von Terroristen des Leuchtenden Pfades (Sendero Luminoso) und der Drogen-Mafia, sowie als eines der zentralen peruanischen Coca-Anbaugebiete. Das Vorgehen war dabei von dem Dekret gedeckt: In den VRAEM gilt seit einem Jahr der Ausnahmezustand, die vorhandenen Polizeiposten sind schlecht ausgestattet und deshalb oft selbst Opfer von Terror-Attacken. Zudem könnte das Wissen über die gekauften Güter einen Rückschluss auf Taktik und Umfang der Planungen erlauben – ein weiteres Kriterium des Regierungsdekretes.

    García Belaúnde: Dekret ein „Desaster“

    Der limenische Kongressabgeordnete für die Acción Popular-Partei Víctor Andrés García Belaúnde nennt das Dekret ein Desaster. „Ich bin schwer enttäuscht von der Entscheidung, bei Geheimkäufen ist keine Kontrolle möglich“, so García Belaúnde gegenüber RPP Noticias. Luis Iberico Núñez, für die oppositionelle Alianza Para el Gran Cambio im Kongress und Vizepräsident der Verteidigungskommission, warnte Verteidigungsminister Cateriano davor, einen großen „Fehler“ zu machen. Diese Art von Kaufoperationen sollten sehr transparent gehandhabt werden, so Iberico Núñez. Der APRA-Abgeordnete und Politikveteran Mauricio Mulder forderte Cateriano auf, mit seinem Amt dafür zu garantieren, dass es keine Korruption und kein Schmiergeld gebe. Kritik wurde aber auch an dem erweiterten Einkaufskatalog geübt, insbesondere an der Möglichkeit, Fahrzeuge, Essensrationen, Flugzeuge und Medikamente zu erwerben.

    Rechnungshof prüft vorab

    Ganz ohne Kontrolle dürfen Innen- und Verteidigungsministerium allerdings selbst im Ausnahmezustand nicht auf Einkaufstour gehen. So muss der Rechnungshof zuvor alle geplanten geheim-Käufe abnicken. Die Institution hat sich in der jüngeren Vergangenheit einen Ruf als Korruptionsbekämpfer erarbeitet. Verteidigungsminister Cateriano kündigte zudem an, es gebe derzeit keine Pläne, Medikamente oder Essen zu kaufen. Für die Zukunft schloss er es allerdings nicht aus.

    Häufig Korruption bei Käufen von Militär und Polizei

    Die Kritik wäre wohl wesentlich weniger hart ausgefallen, gäbe es in Peru nicht eine lange Geschichte ausgeprägter Korruption bei Käufen für Militär und Polizei. In den vergangenen Jahren mussten dutzende Ausschreibungen annuliert und Ausschreibungsgewinner disqualifiziert werden, weil Korruption und Vetternwirtschaft nachgewiesen werden konnte. Betroffen war beispielsweise der geplante Kauf von Polizeiautos, Polizeiuniformen, Armeetransportern, koreanischen Flugzeugen und der Reparatur  russischer Kampfhubschrauber.

    Kritik aus Chile

    Auch in Perus südlichem Nachbarland Chile stieß das Dekret auf Ablehnung. Für den Vorsitzenden des Ausschusses für Außenpolitik im chilenischen Parlament, Jorge Tarud, bereitet sich Peru damit auf ein für das Land negatives Urteil des internationalen Gerichtshofes in Den Hag vor. Dort wird derzeit über den Verlauf der Seegrenze zwischen Peru und Chile verhandelt – ein Thema, das in beiden Ländern regelmäßig die Gemüter erhitzt. Auch Chile ist nicht gerade ein Beispiel für Transparenz bei Rüstungsausgaben. Allerdings ist Peru das Land, das sich seit Jahren für Transparenz und Kontrolle im militärischen Bereich einsetzt. Kritik wurde in Chile vor allem daran geübt, dass das Dekret auch Geheimhaltung beim Bau von Militäranlagen in Grenzgebieten ermöglicht. Verbalkonflikte dieser Art sind zwischen den beiden Nachbarländern allerdings – trotz inzwischen enger wirtschaftlicher Bindung – sehr häufig.

    *Es handelt sich um das Decreto Supremo N° 205-2012-EF, das von Verteidigungsminister Cateriano, Innenminister Pedraza, Wirtschafts- und Finanzminister Castilla, Premier Juan Jiménez, sowie Präsident Humala unterzeichnet wurde.