• Telefon-Abhörung, Journalistenkauf, Oppositionellenkauf: Fujimori bekennt sich schuldig

    Auf Schuldig in allen Punkten plädierten heute bei der Eröffnung des Gerichtsprozesses gegen den peruanischen Ex-Diktator Alberto Fujimori sowohl der Angeklagte selbst, als auch sein Anwalt Cesar Nakazaki. Damit kann schon am kommenden Mittwoch das Urteil gesprochen werden. Der Schritt war von Beobachtern bereits erwartet worden. Damit entgeht Fujimori der Gegenüberstellung mit zahlreichen Zeugen, Beweisen, sowie den Opfern der – wie er nun selbst eingestandt – von ihm angeordneten Abhörmaßnamen gegen Oppositionelle und dem Kauf der redaktionellen Linie von peruanischen Medienkonzernen und Oppositionsabgeordneten im peruanischen Kongress.

    Im Anschluss an den Verhandlungstermin erklärte Anwalt Nakazaki gegenüber der Presse, man habe diese Entscheidung getroffen, weil man kein Vertrauen in den peruanischen Justizapparat habe.

  • Fujimori-Prozesse: Nächster Teil beginnt heute

    Ab heute muss sich der peruanische Ex-Diktator Alberto Fujimori erneut vor einem peruanischen Gericht verantworten. In dem neuen Prozess, der heute beginnt, geht es sowohl um den Kauf der Redaktionslinie diverser Medien, wie z.B. dem „Cable Canal de Noticias (CCN)“ (Fall „medios de comunicación“) und um den Kauf der Stimmen oppositioneller Kongressabgeordneter (Fall „congresistas tránsfugas“), als auch um die Abhörung von Oppositionspolitikern (Fall „interceptación telefónica“).

    Die Staatsanwaltschaft fordert 8 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 5 Millionen Nuevos Soles.

  • "Petroaudios"-Skandal bringt Bauminister Allison zu Fall

    Der Skandal um die Mitschnitte von Telefongesprächen zahlreicher Personen des öffentlichen Lebens Perus zieht weiter Kreise und hat nun ein weiteres Opfer gefordert. Der peruanische Bauminister Francis Allison trat gestern zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er das Unternehmen „Bussiness Track“ (BTR) mehrfach juristisch beraten hatte. BTR hatte über Jahre hinweg Telefongespräche abgehört und die so gewonnenen Informationen teilweise meistbietend verkauft. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen Journalisten des Fernsehprogrammes „Cuarto Poder“ auf „América TV“ Tonträger zugespielt, die Gespräche zwischen einem ehemaligen Apra-Minister und dem Vertreter eines Erdölförderunternehmens enthalten. Aus den Gesprächen ging hervor, dass ein bestimmtes Förderunternehmen bei der Vergabe von Förderlizenzen einen Vorteil bekommen sollte. Die Veröffentlichung dieses als „Petroaudios“ bekannt gewordenen Materials hatte zum Rücktritt der Regierung von Premierminister Jorge del Castillo geführt. Mit Francis Allison wird nun auch das jüngste Apra-Kabinett unter Javier Velasquez Quesquén von dem Skandal eingeholt. Francis Allison war vor weniger als 3 Monaten als Bürgermeister von Magdalena (Lima) zurückgetreten, um das Amt als Bauminister anzutreten.

    In einer ersten Stellungnahme sprach Allison von einer „Schmutzkampagne“ gegen seine Person und erklärte, er habe von den illegalen Machenschaften von BTR keine Kenntnis gehabt. Derzeit untersucht eine Kommission des peruanischen Parlamentes den Fall „Bussiness Track’“.

    Ein Nachfolger Allisons ist noch nicht bekannt.

  • Hualgayoc/Cajamarca: Consolidada SA stellt Bergbau vorübergehend ein

    Nach mehrfachen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Befürwortern der Bergbauaktivitäten im cajamarquinischen Hualgayoc wurde nun ein Vorläufiger Stopp der Abbauaktivitäten vereinbart. Das berichtetn übereinstimmend die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA und der Radiosenderverbund CNR. Demnach hatten Vertreter der Bevölkerung des Dorfes „Vista Alegre“ nach langem Ringen mit Vertretern der Regionalregierung Cajamarca, sowie Vertretern verschiedener Ministerien beschlossen, dass das Bergbauunternehmen „Consolidada SA.“ vorerst den Abbau stoppt und gleichzeitig ein runder Tisch für den weiteren Dialog eingerichtet wird.

    Mit dem vorläufigen Stopp der Mine soll vor allem die Gewaltspirale gestoppt werden, die sich auch in der Bevölkerung der Provinz Hualgayoc – besonders des Dorfes Vista Alegre – entwickelt hatte. Der Konflikt hatte bereits mehrere Personen das Leben gekostet.

    Die erste Sitzung des runden Tisches ist für die erste Oktoberhälfte angesetzt.

  • Endlich: Feste Regeln für den Import kenianischer Kamelmilch

    Vergangenes Jahr waren die Kamele, die ein marrokanischer Prinz bei einem Staatsbesuch nach Peru mitgebracht hatte, leider wegen falscher Ernährung verstorben. Dennoch müssen peruanische Kunden nicht dauerhaft auf deliziöse Kamelmilchprodukte verzichten. Denn seit gestern gelten in Peru feste Regeln für den Import von Kamelmilch aus Kenia. Ausgearbeitet wurde das Regelwerk, dessen Folgen noch völlig unabsehbar sind, von der zuständigen Behörde SENASA.

    Darin steht, dass die Milch selbst oder daraus hergestellte Produkte nur nach Peru importiert werden dürfen, wenn:

    • das Milchkamel auch wirklich in Kenia geboren ist und aufgezogen wurde
    • Die kenianische Veterinärmedizinische Behörde die Molkerei zertifiziert hat
    • In einem Radius von 10 Kilometern um die Molkerei in den vergangenen 60 Tagen keine Tierseuche grasiert hat.

    Was nun noch fehlt, ist ein Importeur.

  • Flädlesuppe, wenig Bier: Oktoberfest in Lima

    Auch Limenen müssen auf das „traditionelle deutsche Oktoberfest“ nicht verzichten. Dafür sorgt ein Hotel in der peruanischen Hauptstadt Lima. Der Pressemitteilung zufolge wird es dort vier Tage lang „Live-Shows typisch deutscher Musik und Tänze“ geben, sowie „Spezialitäten und Delikatessen“ der deutschen Küche. Dazu gehören demnach:
    -Wurstsalat (ensalada de salchichas)
    -Kartoffelsalat (ensalada de papas)
    -Ein Buffet aus Schinken, Salami, Cabanossi und verschiedener Würste
    -Flädlesuppe (sopa de crépes)
    -Kasseler (lomo ahumado)
    -Spätzle
    -Semmelknödel
    -Berliner
    -Apfelstrudel
    -Weißweincreme
    -Fruchtsalat.

    Von Bier steht nichts in der Pressemitteilung. Aber wer verbindet „Oktoberfest“ auch mit Bier.

    Ein persönlicher Ratschlag: „Brathendl“ schmeckt auch bei den Ketten „Bembos“, „Kenkos“ oder „Corralito“ sehr lecker. Nur heißt es dort „pollo a la brasa“.

  • Ein Ärgernis weniger: Flughafensteuer soll mit dem Ticket bezahlt werden

    Das peruanische Verkehrs- und Kommunikationsministerium MTC plant, in Zukunft die Flughafensteuer (Tarifa Unica por Uso de Aeropuerto, TUUA) nicht mehr wie bisher an peruanischen Flughäfen zu kassieren, sondern von den Fluglinien in den Ticketpreis einrechnen zu lassen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA.

    Verkehrsminister Cornejo erklärte, Peru sei das einzige Land, in dem die Flughafensteuer noch extra kassiert würde, was unnötige Unannehmlichkeiten wie lange Schlangen und Wartezeiten mit sich bringen würde. Nach Angaben des Ministers haben alle in Peru aktiven Fluglinien ihre Unterstützung für den Plan angekündigt. Das Finanzministerium und die Steuerbehörde SUNAT müssen noch zustimmen.

    Bisher ist es notwendig, vor dem Abflug von einem peruanischen Flughafen die Flughafengebühr an einem Schalter zu entrichten.

  • La Oroya: Polizist stirbt bei Bergarbeiter-Streik

    Bei den Protesten der Bergarbeiter in der Andenstadt La Oroya kam nach Angaben des Nachrichtensenders RPP ein Polizist ums Leben. Vier weitere wurden verletzt. Nach Angaben des Provinzstaatsanwaltes von Yauli, Juan Alcántara, hatten Streikteilnehmer vom Hang herab Steine auf die Polizisten geworfen, die dieser Tage verhindern sollen, dass die „Carretera Centrál“, die peruanische Zentralautobahn, von den Bergarbeitern besetzt werden kann.

    Wie RPP weiter berichtet, verfügte der verstorbene Polizeibeamte über einen Schutzhelm, der habe die Wucht des Steins aber nicht mindern können.

    Die Bergarbeiter des Unternehmens Doe Run streiken, um die peruanische Regierung dazu zu bewegen, ihrem Unternehmen mehr Zeit für die Einführung ihres Umweltplans (PAMA) zu gewähren. Bereits drei Mal war die Frist verlängert worden. Zuletzt hatte Doe Run 36 weitere Monate gefordert, die Regierung hatte sich aber auf 20 Monate festgelegt.

  • Reporter ohne Grenzen verurteilen Schließung von "Radio La Voz de Bagua"

    In einer gestern veröffentlichten Stellungnahme verurteilt die NGO Reporter ohne Grenzen erneut die Schließung der Radiostation „La voz de Bagua“. Der Sender war um den vergangenen 5. Juni wiederholt von Mitgliedern des damaligen Ministerialkabinetts beschuldigt worden, während der schweren Zusammenstöße zwischen Indígena und der Polizei am vergangenen 5. Juni die Gewalt angeheizt zu haben – wofür aber nie Beweise vorgelegt wurden. Nur wenige Tage später hatte das Transport und Kommunikationsministerium (MTC) aufgrund angeblicher administrativer Probleme der Radiostation derren Schließung verfügt. Reporter ohne Grenzen schreibt dazu:

    The Ministry of Transport and Communications (MTC) has maintained its arbitrary ban on Radio La Voz de Bagua, a station based in Peru’s northern Amazonas region, refusing on 15 September to allow it to resume broadcasting. The station has been stripped of its licence since 8 June.

    Radio La Voz de Bagua was accused of inciting violence in June during an outbreak of protests and rioting by local indigenous groups and clashes with the security forces. Reporters Without Borders believes the charges are unfounded.

    According to the Institute for Press and Society (IPYS), a Peruvian NGO, the radio station has received three more communications from the ministry since July – two demands for the payment of fines for broadcasting violations in 2005 and 2007 and a legal notice concerning an irregularity in March of this year.

    Der volle Text findet sich unter:

    http://www.rsf.org/Amazon-radio-taken-off-air-for.html

  • Cusco: ISS wird mit Machu Picchu sprechen

    Für die zweite peruansiche Kontaktaufnahme zur internationalen Raumstation ISS hat sich die Universidad Nacional de Ingeniería (UNI) etwas besonderes ausgedacht. Nachdem am vergangenen 20. August zum ersten Mal in peruanischem Territorium aus den Installationen der UNI in Lima Kontakt zur ISS – die in spanischsprachigen Ländern EEI (Estación Espacial Internacional) heißt – aufgenommen wurde, sollen für das zweite Mal Antennen, Computer und andere notwendige Einrichtungen in das Zentrum der vorkolumbianischen Inka-Kultur Machu Picchu transportiert werden. Von hier aus wollen die Wissenschaftler dann eine nach eigenen Angaben „kosmische“ Verbindung herstellen. Der hierfür geplante Termin ist der 12. April 2010, der 49. Jahrestag des Weltraumfluges der russischen Raumkapsel Vostok 1  mit Juri Gagarin an Bord.

    Gesprächspartner der UNI auf der ISS wird diesmal der russische Kosmonaut Gennady Ivanovich Padalka sein, der beim letzten Kontakt mit Peru versprochen hatte, Machu Picchu zu besuchen – sobald er wieder auf der Erde ankomme.