Kategorie: Kultur

Peru bietet einen enormen kulturellen Reichtum. Mehrere Kulturen hatten hier ihren Ausgangspunkt, darunter die Machu Picchu-Erbauer, die Inka. Obwohl während der Kollonialzeit zurückgedrängt, ist das kulturelle Erbe bis heute sehr reich an Mythen, Traditionen, Lebensstilen und Bauwerken.

  • Polemische Dekrete von Perus Regierung: Rückzieher zeichnet sich ab

    Mit einer Reihe von Legislativdekreten wollte die peruanische Regierung die Bereiche Verteidigung und innere Sicherheit umgestalten – und hat durch einige Artikel heftige Kritik auf sich gezogen. So wurde im neuen Disziplinarreglement der Nationalpolizei die sofortige Versetzung in den Ruhestand für Homosexuelle vorgeschrieben und die Geheimhaltung vieler Entscheidungen im Verteidigungsbereich vorgeschrieben. Gleichzeitig sah das Polizei-Disziplinarreglement für den Fall familiärer und häuslicher Gewalt lediglich eine Suspendierung zwischen 6 und 10 vor.

    Als „Pflichtwehrdienst für Arme“ bezeichnete der Journalist Augusto Alvarez Rodrich den Inhalt eines weiteren Dekretes. Nicht ganz zu unrecht: Finden die Streitkräfte nicht ausreichend Freiwillige, wird in Zukunft unter Schulabgängern ausgelost. Davon sind aber nicht alle betroffen. So sind nicht nur Menschen mit Behinderung, Straftäter und Haushaltsvorstände ausgenommen, sondern auch Studierende an Universitäten und Auslandsperuaner ausgenommen. Wer es sich leisten kann, wird also seine Kinder wohl möglichst schnell an einer Universität anmelden oder ins Ausland schicken.

    Gestern noch hatte selbst Präsident Humala die Regelung zum Umgang mit Homosexualität in den Reihen der Nationalpolizei gerechtfertigt, nach scharfer Kritik aus Zivilgesellschaft und Teilen der eigenen Regierung deutet sich zumindest hier ein Rückzieher an: Wie in der heutigen Ausgabe des Gesetzblattes „El Peruano“ zu lesen ist, wird der entsprechende Passus durch einen anderen ersetzt, der allgemein Sanktionen vorsieht, wenn Mitarbeiter der Nationalpolizei beim Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit erwischt werden. Gleichzeitig wird die Strafe im Fall familiärer Gewalt erhöht: Eigentlich habe es „11 bis 15 Tage“ heißen sollen und es habe sich lediglich um einen Fehler gehandelt, heißt es dort.

    Über die Themen „Geheimhaltung“ und „Pflichtwehrdienst“ gibt es bislang keine weiteren Stellungnahmen. Mehrere Kongressabgeordnete kündigten bereits an, die entsprechenden Dekrete im Parlament zum Thema machen zu wollen.

    Komplexe Regelungen häufig über Ermächtigungsgesetze

    In der peruanischen Politik ist es nicht ungewöhnlich, dass die Kongressabgeordneten der Regierung einen Freibrief zur Änderung und Erlassung von Gesetzen in bestimmten Bereichen und für einen festgelegten Zeitraum ausstellen, insbesondere bei komplexen Sachverhalten. Ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass in den per Legislativdekret – ohne Zustimmung des Parlaments – erlassenen Gesetzen Dinge stehen, die weder bei den Betroffenen, noch im Parlament auf Zustimmung treffen.  Häufig kommt es deshalb in der Folge zu Protesten und sozialen Konflikten. Das hat häufig eine Rücknahme der entsprechenden Gesetze durch den Kongress zur Folge – in manchen Fällen leider erst dann, wenn bereits Todesopfer zu beklagen sind.

    Kritik an Präsident Humala

    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.
    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.

    Präsident Ollanta Humala, der seine Karriere selbst beim Militär begann und zahlreiche seiner früheren Kollegen auf Chefposten beförderte, stand bereits mehrfach wegen Entscheidungen und Aussagen zu den Streitkräften in der Kritik. Erst vor wenigen Monaten war – ebenfalls per Legislativdekret – festgelegt worden, künftig alle wichtigen Kaufoperationen im Verteidigungsbereich, die Rückschlüsse auf Strategien zulassen könnten, nicht mehr öffentlich abzuwickeln. Als einzige Kontrollinstanz wurde der peruanische Rechnungshof mit einbezogen. Vielen Beobachtern reicht das nicht aus.

    Zudem bezeichnete Humala 2011 die Streitkräfte als eine Art „Priester jenseits des Guten und des Bösen“ und dachte laut über die Wiedereinführung des Pflichtwehrdienstes, sowie den erneuten Entzug des Wahlrechts für Soldaten und Polizisten nach. In diversen Bereichen bekommen ehemalige Wehrdienstleistende auf Initiative Humalas hin Vergünstigungen. So verfügt beispielsweise das kürzlich gegründete staatliche Stipendienprogramm Beca18 über ein eigenes Programm für diesen Personenkreis. Auch unterstützt Humala die Ausweitung der wirtschaftlichen Tätigkeiten des peruanischen Militärs, insbesondere der staatlichen Rüstungsindustrie.

  • Perus Zentralbank bringt neue 1-Sol-Münzen in Umlauf

    Kuntur Wasi (Kunturhuasi): Neue peruanische 1-Sol-Münze.Foto: ANDINA.
    Kuntur Wasi (Kunturhuasi): Neue peruanische 1-Sol-Münze.Foto: ANDINA.

    Die peruanische Zentralbank (BCR) bringt seit heute neue 1-Sol-Münzen (S/.1) in Umlauf, die den in der Region Cajamarca stehenden Kunturhuasi-Tempel (dt. „Haus des Kondors„, auch: Kuntur Wasi) zeigen. Nach Angaben der Zentralbänker wurden insgesamt 10  Millionen solcher Münzen geprägt. Neben dem Kunturhuasi-Tempel ist ein Monolith zu sehen, der zu dem Tempelkomplex gezählt wird, der in der Provinz San Pablo zu bewundern ist. Wie jede 1-Sol-Münze trägt auch diese auf der Rückseite das peruanische Wappen.

    Die Münze wurde im Rahmen der Serie „Riqueza y Orgullo del Perú“ herausgegeben, alle bisherigen Münzen behalten ihre Gültigkeit. Der Tempelkomplex Kunturhuasi liegt am Oberlauf des Jequetepeque-Flusses und wurde nach Meinung von Archäologen zwischen dem 11. und 2. Jahrhundert vor Christus für rituelle Zwecke genutzt. Neben Keramiken wurden in seinem Umfeld mehrere Gräber und Goldobjekte geborgen, darunter die „Krone der 14 Gesichter“.

  • Zerstörter Inca-Weg? Provinz Chachapoyas wehrt sich gegen Vorwürfe

    Am vergangenen Wochenende hatte José Trauco Ramos, Regionaldirektor für Kultur der peruanischen Region Amazonas, in einem Radiointerview der Provinzverwaltung Chachapoyas vorgeworfen, Teile des Inca-Wegenetzes Qhapaq Ñan zerstört zu haben, nun gingen die Beschuldigten in die Gegenoffensive. Es handle sich bei dem Weg, der ausgebessert worden sei, nicht um den Qhapaq Ñan, so die Provinzverwaltung in einer Pressemitteilung. Zudem warf Bürgermeister Zavaleta Tenorio dem Regionaldirektor vor, in seiner bislang 6jährigen Amtszeit nichts für den Erhalt von Kulturstätten wie dem Qhapaq Ñan getan zu haben.

    Trauco Ramos hatte behauptet, Mitarbeiter der Provinzverwaltung Chachapoyas hätten bei Straßenbauarbeiten rund 200 Meter des Qhapaq Ñan zerstört. Zudem kritisierte er, vor dem Beginn der Bauarbeiten habe man keine Stellungnahme seiner Behörde eingeholt. Auf das ursprüngliche Verteidigungsargument der Provinzverwaltung, man habe vom Verlauf des Qhapaq Ñan nichts gewusst und habe Schülerinnen und Schülern den Schulweg verbessern müssen, entgegnete der Regionaldirektor für Kultur, der Weg durchziehe die Region Amazonas auf einer Länge von 400 Kilometern, was bekannt sein müsse.

    Nach Daten des peruanischen Kulturministeriums endet der Qhapaq Ñan allerdings mehrere hundert Meter vor der betroffenen Stelle. Zudem handelte es sich offenbar nicht um die ersten Ausbesserungsarbeiten: Anwohner berichten, der Weg werde – von den Anwohnern selbst – Jahr für Jahr ausgebessert, vorwiegend mit Steinen aus dem Bett eines nahegelegenen Baches. Das war auch der Grund, warum die örtliche Staatsanwaltschaft eine Anzeige der Kulturdirektion gegen die Provinzverwaltung nach wenigen Tagen zu den Akten legte.

    Für den Fall einer weiteren Verbreitung der Vorwürfe kündigte die Provinzverwaltung eine Verleumdungsklage an.

  • Peru: Yale-Universität gibt verbleibende Machu Picchu-Fundstücke zurück

    Mit 35.000 Keramik-Fragmenten trifft dieser Tage die letzte verbleibende Ladung archäologischer Fundstücke in Cusco ein, die 1912 von dem US-Forscher und Abenteurer Hiram Bingham für Untersuchungen ausgeführt und seither von der Yale-Universität verwahrt wurden. Die ersten Stücke waren bereits im vergangenen Jahr übergeben worden und werden derzeit in der Casa Concha in der Regionalhauptstadt Cusco untersucht.

    Vorausgegangen war der Rückgabe ein jahrelanger Streit zwischen der Universität und der peruanischen Regierung. Letztere hatte schließlich mit rechtlichen Schritten gedroht, woraufhin sich die Universität bereit erklärte, die Fundstücke zurück zu geben.

    Zunächst werden die wertvollen Stücke in die Hauptstadt Lima geflogen, von wo aus sie von der Luftwaffe nach Cusco überführt werden. 218 der rückgeführten Fundstücke sind bereits im Machu Picchu-Museum der Casa Concha ausgestellt.

  • Peru: Inca-Weg Qhapaq Ñan bald Weltkulturerbe?

    Projekt Qhapaq Ñan. Bild: Ministerio de Cultura.
    Projekt Qhapaq Ñan. Bild: Ministerio de Cultura.

    Bei seinem Besuch in der Zentrale der UNESCO hat Perus Präsident Ollanta Humala vergangene Woche offiziell die Verleihung des Weltkulturerbe-Status für den peruanischen Teil des als „Qhapaq Ñan“ bekannten Inca-Wegenetzes beantragt. Der peruanische Qhapaq Ñan, bereits heute eine auch bei Reisenden beliebte Route, erstreckt sich über tausende Kilometer, vor allem durch die Andenregionen. Die Chancen auf Erfolg stehen dabei gut: Das Wegnetz zieht sich bis ins nordöstliche Nachbarland Kolumbien – wo die UNESCO den Qhapaq Ñan bereits als Weltkulturerbe anerkannte.

    Gemeinsame Strategie für 23.000 Kilometer Wege

    Dabei ist der Antrag einer größeren Strategie: Auch Teile Argentiniens, Boliviens und Ecuadors gehörten vormals zum Reich der Inca – und werden vom Qhapaq Ñan durchzogen. 2009 beschlossen diese Länder bei einem Treffen in der peruanischen Hauptstadt Lima, den Welterbestatus für das komplette Inca-Wegnetz anzustreben. Welche der im 15. Jahrhundert insgesamt bis zu 23.000 Kilometer messenden Wege noch begehbar sind, wird derzeit vielerorts von den Kulturbehörden geprüft.

    Die peruanischen Behörden erwarten, dass die Entscheidung über den Antrag noch über ein Jahr auf sich warten lassen wird. Bis dahin prüft die UNESCO unter anderem Kartenmaterial, den Zustand der Wege, sowie den historischen Wert.

    Juan Diego Flores wird UNESCO-Botschafter

    Im Rahmen seines Besuchs der UNESCO-Zentrale in Paris gab Perus Präsident Humala bekannt, man habe den peruanischen Tenor Juan Diego Flores als UNESCO-Botschafter vorgeschlagen. Der Sänger bestätigte den Vorschlag inzwischen auf seiner Internetseite. Juan Diego Flores unterstützt regelmäßig soziale Initiativen in Peru, die meist mit Musik und musikalischer Bildung zu tun haben.

  • Perus Nationalradio bietet künftig Nachrichten auf Quechua

    Foto: Radio Nacional.
    Foto: Radio Nacional.

    Quechua ist in Teilen Perus nach der Verfassung Amtssprache, dennoch sind staatliche Publikationen und tagesaktuelle Informationen bisher kaum in der Sprache verfügbar.

    Zwar gibt es mehrere Initiativen wie das „Red Quechua Peruana“ des Radioverbundes CNR, sowie mehrere Lokalsender, die Programme in der Sprache anbieten, in den meisten landesweiten Fernseh- und Radiostationen findet man Quechua, wenn überhaupt, im Bereich „Folkloremusik“. Der staatliche Rundfunk will das, zumindest für seinen Radiosender „Radio Nacional“, künftig ändern. Wie der Sender gestern mitteilte, konnte man die zweisprachige Journalistin Karina Benites gewinnen, eine regelmäßige Nachrichtensendung in Quechua zu konzipieren und durchzuführen.

    Quechua bislang fast nur in lokalen Medien

    Der Marktanteil von Radio Nacional liegt – ähnlich wie beim Staatsfernsehen – zumindest dort, wo es Konkurrenz gibt, für gewöhnlich weit abgeschlagen hinter den privaten Sendern. Gleichzeitig ist der Sender für gute Kulturprogramme bekannt, sowie für ausgewogene Nachrichten – letzteres allerdings nur, solange die Regierung nicht betroffen ist. Dennoch ist es ein Signal, dass nun einer der peruanischen Radiosender mit der höchsten Reichweite nun Wortbeiträge auf Quechua anbietet. In der Vergangenheit warfen peruanische Regierungen von NGOs geförderten Kleinradiosendern öfter vor, die Bevölkerung im Umfeld größerer Projekte in den Bereichen Bergbau oder Wasserkraft „falsch“ zu informieren – Versuche, selbst Informationen in der entsprechenden Sprache bereit zu stellen, blieben in den meisten Fällen aber aus.

    13,2% Quechua-Muttersprachler

    Auch in anderen Bereichen setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass dem Staat eine Vorreiterrolle bei der Förderung von Quechua und den zahlreichen weiteren in Peru verbreiteten Sprachen zukommt. Und das nicht von ungefähr: Selbst in der Hauptstadt Lima gaben bei der Volkszählung 2007 6,31% der Einwohnerinnen und Einwohner Quechua als Muttersprache an – die wirkliche Zahl liegt wohl noch ein ganzes Stück darüber, machen doch Linguisten und Soziologen bei Quechua-Muttersprachlerinnen und -sprachlern immer wieder ein Gefühl von Scham vor ihrer Sprache aus. Peru-weit liegt der Wert mehr als doppelt so hoch: 13,2% der über-5-jährigen gab an, mit Quechua aufgewachsen zu sein. Lässt man die großen Städte außen vor, liegt der Anteil sogar bei über 30%. In Regionen wie Apurímac und Huancavelica sind die Spanisch-Muttersprachler gar klar in der Unterzahl: in Apurímac wuchsen fast drei Viertel der Bevölkerung mit Quechua auf, in Huancavelica 64,6%.

    Diverse staatliche Initiativen

    Hilaria Supa Huamán. Foto: Congreso de la República.
    Ehemalige Leiterin der Bildungskommission: Hilaria Supa Huamán. Foto: Congreso de la República.

    Auch deshalb wurden einige Initiativen gestartet, den Staat fit für Quechua zu machen – auch wenn noch ein langer Weg zu gehen ist. Die Verfassung wurde übersetzt, während der vergangenen Legislaturperiode übernahm erstmals eine bekennende Quechua-Muttersprachlerin die Leitung der Bildungskommission des Parlaments, einige staatliche Stellen müssen (eigentlich…) Übersetzerinnen und Übersetzer vorhalten und für einige Sprachen werden erstmals Lehrmaterialien entwickelt. Auch die Privatwirtschaft startet erste Initiativen. So gibt es beispielsweise von den großen Telefongesellschaften Werbespots auf Quechua. Dennoch sind Quechua-Sprecherinnen und Sprecher bis heute Diskriminierung ausgesetzt, beispielsweise machte sich eine Tageszeitung – auf Initiative einer Fujimoristen-Abgeordneten – über die prekären Spanischkenntnisse einer Quechua-Muttersprachlerin im peruanischen Kongress lustig.

    Alles wird der Staatsrundfunk mit seiner Nachrichtensendung  nicht ändern können. Aber mit seinem Schritt zeigt der Sender zumindest, dass dem peruanischen Radio- und Fernsehinstitut (IRTP) die Problematik zumindest bewusst ist.

    Hinweis:
    Einen interessanten Beitrag zum Thema „Quechua in Peru“, insbesondere die peruanische Quechua-Politik finden Sie im Blog von Sabrina Železný.

  • Stierkämpfe als Kunst? Perus Kulturministerium bringt Tierschützer gegen sich auf

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruPerus Kulturministerium hat mit einer Gesetzesinitiative, die eine Anerkennung von Stierkämpfern als Künstler zum Ziel hat, bei Tierschutzorganisationen heftigen Unmut ausgelöst. Der Gesetzestext, der unter vielen anderen auch Sängerinnen und Sänger, Clowns, Mentalistinnen und Mentalisten, sowie angehörige des Schauspielberufs nennt, wurde von dem Ministerium zur öffentlichen Diskussion ins Internet gestellt.

    Stierkampfgegner Roger Torres von der Organisation Perú Antitaurino erklärte gegenüber der Tageszeitung La República, es sei unglaublich, dass ein Ministerium, das die Kultur fördern solle, ein so blutiges Spektakel für eine „künstlerische Aktivität“ halte. In der peruanischen Hauptstadt Lima gibt es mit der „Plaza de Acho“, in der seit gestern die Stierkämpfe der „Feria del Sr. de los Milagros“ laufen, eine große Stierkampfarena, auch in vielen kleineren Städten – beispielsweise Chota in der Region Cajamarca – gibt es zu besonderen Anlässen Stierkampfturniere. Zu den Befürwortern des Stierkampfs gehört -unter anderen- der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

    Kein Stierkampf für Kinder und Jugendliche?

    Derweil beschäftigt sich der peruanische Kongress auch mit Initiativen mehrerer Abgeordneten, die Minderjährigen den Einlass in Stierkampfarenen verbieten wollen. Durch die Initiative wolle man die psychische und moralische Integrität der Minderjährigen schützen, so der Fujimoristen-Abgeordnete Julio Rosas. Ausgegangen war die Initiative aber von dem Abgeordneten und ehemaligen Verteidigungsminister José Urquizo aus dem Lager der Regierungsfraktion der Nationalisten. Dessen Vorschlag ging sogar noch weiter: Er möchte Minderjährige auch den Zugang zu den populären Hahnenkämpfen verwehren.

    Kulturministerium will soziale Absicherung und Besitzrechte neu regeln

    Die scharfe Kritik aus diversen politischen Lagern hat das Kulturministerium offenbar überrascht, wohl auch deshalb, weil es sich beim Thema „Stierkampf“ eher um eine Nebenbaustelle handelt. Denn in erster Linie soll durch das geplante Gesetz die soziale Absicherung von Künstlerinnen und Künstlern, sowie das Besitz- und Verwertungsrecht künstlerischer Produktion auf eine neue Grundlage gestellt werden. So soll das geplante Gesetz Kunstschaffenden beispielsweise vereinfachen, ihre Forderungen durchzusetzen, wenn Konzert- oder Ausstellungsorganisatoren sich im Nachhinein weigern zu bezahlen.

  • Arequipa / Peru: Zahl der Colca-Tal-Besucher trotz Euro-Krise stabil

    Obwohl Touristen aus Europa den größten Teil der Besucher des Colca-Canyons in den südperuanischen Anden ausmachen, ist von der Euro-Schuldenkrise dort bislang nichts zu spüren. Nach Angaben der Tourismusverwaltung Autocolca blieb die Besucherzahl zwischen Januar und Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 139.788 weitgehend stabil. Bis zum Jahresende erwartet Autocolca-Direktor Fredy Jiménez Barrios noch über 50.000 Colca-Reisende mehr. Das könnte zu schaffen sein, beginnen vor Weihnachten doch die Sommerferien – und damit die Reisesaison.

    Vor allem inlands- und europäische Touristen zieht es ins Colca-Tal, nach Daten der Colca-Verwaltungsbehörde vor allem aus Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland, wobei in den vergangenen Jahren auch der Anteil von Reisenden aus den USA, sowie anderen südamerikanischen Ländern wie Argentinien, Chile, Brasilien und Bolivien stetig ansteigt. Der Colca-Canyon, der das Tal durchzieht, ist einer der größten seiner Art.

    Das Colca-Tal ist für seine spektakulären Landschaften, architektonischen Kleinode und häufigen Sichtungen von Andenkondoren mit großer Spannweite berühmt.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=sTw1rNVLQ7k

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Weitere Hinweise und Informationen finden Sie dort.

  • Schweiz: Mehrere Chancay-Skulpturen an Peru zurückgegeben

    Cuchimilco, Chancay-Kultur. Foto:  Nationalhistorisches Museum Lima.
    Cuchimilco, Chancay-Kultur. Foto: Nationalhistorisches Museum Lima.

    Nach langen Verhandlungen hat ein Schweizer gestern der peruanischen Botschaft in Bern vier Skulpturen der zentralperuanischen Chancay-Kultur übergeben, die vermutlich 1973 illegal ausgeführt worden waren. Nach übereinstimmenden Berichten peruanischer und schweizer Medien stammen die Objekte aus dem 14. und 15. Jahrhundert und standen auf einer „roten Liste“ des internationalen Museumsrates ICOM. Ursprünglich sollen die Skulpturen aus der Nähe von Huacho stammen. Ausgehandelt wurde die Übergabe vom schweizerischen Bundesamt für Kultur (BAK).

    Seit einigen Jahren betreibt Peru eine intensive Rückforderungspolitik ausgeführter Kulturgüter, besonders viel Aufmerksamkeit erhielt dabei der Fall der der Inka-Ruinenstadt Machu Picchu entnommenen Keramiken, die sich über Jahrzehnte in Archiven und Ausstellungen der Yale-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika befanden. Im Rahmen dieser Politik hat Peru mehrere Abkommen zur Kulturgüterrückführung abgeschlossen, darunter 2007 eines mit der Schweiz. Immer wieder kommt es zu Klagen und zu einem Vorgehen peruanischer Behörden gegen internationale Auktionshäuser, die mit der Versteigerung peruanischer Kulturgüter betraut sind.

    Die illegale Ausfuhr von historischen- und Kunstobjekten ist in Peru seit 1970 verboten.

    Die vollständige „Rote Liste“ peruanischer Kulturgüter finden Sie hier (Link zum ICOM, öffnet neues Fenster)!

  • Peruanische Reiseindustrie fordert Umbenennung von Amazonas, Loreto und San Martín

    Polemisiert: Carlos Canales, CANATUR-Vorsitzender. Foto: ANDINA.
    Polemisiert: Carlos Canales, CANATUR-Vorsitzender. Foto: ANDINA.

    Carlas Canales, Vorsitzender der peruanischen Vereinigung der Reisewirtschaft, mischt sich gerne in die Tagespolitik ein. Zuletzt beispielsweise, als er über die Negativeffekte klagte, die Proteste wie diejenigen um den Bergbau in der Region Cajamarca für den Tourismus brächten. Nun aber machte er einen Vorschlag, der vermutlich auf kaum einer Ebene mit Begeisterung aufgenommen wird. Es sei notwendig, einige Regionen, die zum Amazonasbecken gehörten, umzubenennen, so Canales gegenüber dem Fachportal „Infoturperu“. So sollte für Canales die Region Amazonas zur „Region Chachapoyas“ umbenannt werden, um der „Kultur zu huldigen, die dort gelebt hat“, aus der Region San Martín sollte, nach dem Fluss, der sie durchfließt eine „Region Marañón“ werden und die bisherigen Region Loreto sollte den Namen von Amazonas übernehmen – mit Hauptstadt Iquitos. Begründet wurden die Vorschläge vor allem damit, Touristen die Orientierung zu erleichtern. Durchzusetzen sein werden diese Vorschläge aber wohl nicht. So würden sich wohl alle Provinzen der heutigen Region Amazonas (außer vielleicht Chachapoyas, aber vermutlich nicht einmal diese) gegen eine Umbenennung in „Region Chachapoyas“ wehren. Der Grund: Das Volk der Chachapoya kontrollierte nie die gesamte Region, archäologische Funde konzentrieren sich vorwiegend auf den Süden. Bereits jetzt gibt es Rivalitäten zwischen Bagua Grande (Provinz Utcubamba) und Chachapoyas um die Vorherrschaft in der Region, die eine Umbenennung praktisch unmöglich machen würde. Gegen die Umbenennung der Region San Martín würde sich wohl nicht nur die Region selbst wehren, im ganzen Land würde es wohl zu Widerständen dagegen kommen, wird mit dem Namen doch einem der großen Kämpfer für die peruanische Unabhängigkeit gedacht.

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruAlso viel Wind um nichts? Nein, der Vorschlag, der wohl in den kommenden Wochen insbesondere in den angesprochenen Regionen kontrovers -aber ergebnislos- diskutiert werden wird, legt einen Schwachpunkt des sonst sehr professionellen peruanischen Marketings im Tourismusbereich offen. Dieser liegt in der traditionellen Gliederung Perus in Küste, Hochland und Regenwald anhand der Regionen, die längst überholt ist – und der schwachen Promotion von touristischen Leuchttürmen abseits der weltberühmten Inka-Stadt Machu Picchu (Region Cusco). Ansonsten wäre Iquitos längst als „die“ Urwaldstadt schlechthin bekannt – und der Norden der Region Amazonas würde als „Regenwald“ vermarktet, der Süden als „Gebirge, Flußtäler und Chachapoya-Ruinen“. Weil die Vermarktung aber nach Regionen erfolgt, weiß keiner so recht, wo Amazonas hingehört, mal wird es zum Amazonasbecken, mal zum Hochgebirge gezählt. Und so lesen sogar Schulkinder im Süden der Region auf über 3.000 Metern über dem Meeresspiegel in ihren Schulbüchern, sie würden im tropischen Regenwald leben.

    PS: Aus INFOAMAZONAS müsste dann wohl auch INFOCHACHAPOYAS werden…