Kategorie: Amazonas

Die Region Amazonas liegt im Norden Perus. Zur Kolonialzeit und in der jungen Republik Peru war die Region – insbesondere die Hauptstadt Chachapoyas – Ausgangspunkt für Entdeckungs-, Missions- und Handelsreisen in das Amazonasbecken.

Heute ist Amazonas nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, der Perus Küste über die Anden mit den Regenwaldregionen Loreto, Huánuco und San Martín verbindet, sondern auch ein Reiseziel, das mit dem Ruinenkomplex Kuelap und „Gocta“, dem dritthöchsten Wasserfall der Welt, fernab der etablierten Tourismusrouten mit seinem Regenwald im Norden und den Hochanden im Süden einiges zu bieten hat.

  • Peru: Justizminster Jiménez Mayor kündigt Bau weiterer Gefängnisse an

    Der peruanische Justizminister Juan Jiménez Mayor hat den Bau von sechs neuen Gefängnissen in diesem Jahr angekündigt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA berichtet, sollen die Justizvollzugsanstalten in Cochamarca (Region Pasco), Chincha (Region Lima), Satipo (Region Junín), Yurimaguas (Region Loreto), Juanjuí ( Region San Martín) entstehen. Das Gefängnis von Iquitos (Region Loreto) soll weiter ausgebaut werden. Durch den Neubau soll die kritische Lage vieler peruanischen Gefängnissen etwas abgemildert werden, die völlig überfüllt sind. Die meisten der genannten Gefängnisse sollen noch in diesem Jahr eingeweiht werden. Nach Angaben des Justizministeriums sitzen in peruanischen Gefängnissen derzeit 58.000 Menschen ein – obwohl die Anstalten lediglich Platz für 27.000 Personen bieten.

    Ein Blick auf die derzeitigen Zahlen in Iquitos (Region Loreto) ist der Bau der neuen Gefängnisse dringend notwendig. So bietet beispielsweise das Männergefängnis Platz für 416 Personen – 990 sitzen derzeit ein. In Bauga Grande (Region Amazonas) ist Platz für 60 Insaßen, 200 sitzen derzeit ein, in Chachapoyas (ebenfalls Amazonas) gibt es 288 Plätze bei derzeit 540 Insaßen. Das Gefängnis Tarapoto bietet Platz für 180 Personen und ist derzeit mit 560 Personen völlig überfüllt. Das Gefängnis Juanjuí soll Platz für 750 Personen schaffen, das in Yurimaguas für 500. Die Gefängnisbehörde INPE geht von einem weiteren Anwachsen der Gefängnispopulation aus.

  • Bagua Grande / Peru: Weiter keine Spur von bei Baguazo verschollenem Polizisten

    Felipe Bazán Caballero mit dem Foto seines Sohnes. Foto: Radio La Voz.
    Felipe Bazán Caballero mit dem Foto seines Sohnes. Foto: J. Flores/ Radio La Voz.

    Der 5. Juni 2009, als bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Indigenen rund um Bagua mindestens 34 Personen starben, war der letzte Tag, an dem der peruanische Polizist Felipe Bazán Soles gesehen wurde. Seither ist er verschwunden und um die Umstände – Bazán war in der Polizei-Vorhut bei der Räumung einer von Indigenen besetzten Fernstraße – ranken sich zahlreiche Legenden. Der Vater des vermissten Polizisten, Felipe Bazán Caballero, hat selbst lange nach seinem Sohn gesucht und Polizei und Politik um Hilfe gebeten. Im vergangenen Jahr hat die Nationalpolizei mehrere Beamte für die Suche abgestellt. Aber wie Radio „La Voz“ berichtete, waren diese häufiger in örtlichen Nachtlokalen anzutreffen, als bei der Suche.

    Vor wenigen Tagen nun berichteten peruanische Medien, die Polizei habe eine Tüte mit Knochen gefunden, die „wahrscheinlich“ dem verschollenen Polizisten zuzuordnen seien. Inzwischen ist klar: Es handelte sich um Tierknochen. Mehrere Gerichtsmediziner aus der Hauptstadt Lima hatten die Knochen untersucht, wohl in der Hoffnung, zum dritten Jahrestag das Verschwindens von Felipe Bazán Soles aufgeklärt zu haben.

    Verschwunden bei Zusammenstößen zwischen Indígena und der Polizei

    Bereits wenige Tage nach dem 5. Juni 2009, an dem Bazán Soles verschwand, veröffentlichten mehrere Zeitungen Fotos, die ihn schwer verletzt im Beisein mehrerer Indígena zeigten. Für die Familie Bazán Soles ein Hoffnungsschimmer. Die Polizei veranlasste die Festnahme aller Personen, die auf dem Foto zu sehen waren. Diese sagten aus, nichts über den Verbleib des Polizisten zu wissen. Einige wurden sogar weiter festgehalten, nachdem Computerexperten bereits festgestellt hatten, dass alle Fotos kräftig am Computer nachbearbeitet worden waren. In den ersten Tagen nach dem Verschwinden durchkämmten Bürgerwehren und wenige Polizisten die Hügel rund um das Straßendorf „Siempre Viva“, das Zentrum der Straßenblockade der Indigenen, die vorwiegend aus der nördlich gelegenen Regenwaldprovinz Condorcanqui, sowie der Nachbarprovinz Bagua gekommen waren. Die Indígena hatten mit ihrer Straßenblockade gegen mehrere Regierungsdekrete protestiert, von deren Wirkung sie fürchteten, ihre Heimat an Holzfäller, Agrar- oder Bergbauunternehmen verlieren. Als in der Nähe von „Siempre Viva“ die ersten Schüsse fielen, wurde möglicherweise auch Felipe Bazán Soles verletzt oder getötet.

    Zunächst gab es Gerüchte, Bazán Soles sei als Geisel in den Norden der Region Amazonas verschleppt, gleich verbrannt oder in den Marañón-Fluss geworfen worden. Für keine dieser Behauptungen gab es bislang Belege. Felipe Bazán Caballero, der Vater des vermissten, macht die Indigenen nicht für das Verschwinden seines Sohnes verantwortlich, vielmehr sprach er ihnen mehrfach öffentlich seinen Dank bei der Unterstützung seiner Suche aus. Dennoch vermutete er, dass mehrere Indígena, die sich am 5. Juni 2009 bei „Siempre Viva“ aufhielten, wüssten, was mit seinem Sohn passierte. Für Bazán Caballero haben aber viele der damals beteiligten Angst, in einen der noch laufenden Prozesse, in denen unter Anderem versucht wird die Schuldfrage für die Zusammenstöße zu klären, hineingezogen zu werden.

    Formell für Tot erklärt

    Erst vor wenigen Tagen war Felipe Bazán Soles von einem Richter in Chiclayo formell für tot erklärt worden. Obwohl die Familie bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, Bazán Soles noch einmal lebend zu sehen, war dies nötig gewesen, um Frau und Kindern den Zugang zur Witwenrente zu ermöglichen. Auch die Familien der anderen 23 toten Polizisten warten bis heute auf die Wohnhäuser, die ihnen 2009 von der damaligen Regierung versprochen worden waren.

    Vor wenigen Tagen wurde der dritte Jahrestag des Verschwindens Felipe Bazán Soles‘, sowie der heute als „Baguazo“ bekannten Zusammenstöße zwischen Polizei, Indígena und Anwohnern begangen. Inzwischen wird die Regierung von einer Partei gestellt, die sich damals klar auf die Seite der Indígena gestellt hatte. Gelernt hat der peruanische Staat dennoch bislang wenig: So wird weder ernsthaft nach vermissten oder getöteten Polizisten gesucht, noch  werden ernsthafte Versuche unternommen, Konflikte vor dem Ausbruch zu lösen, wie die Beispiele der vermissten Polizisten in La Convención, sowie die Zusammenstöße zwischen Bergbaugegnern und der Polizei in Espinar zeigen.

    2009 gestanden die Abgeordneten im peruanischen Kongress übrigens zu, dass die Regierungsdekrete, die den „Baguazo“ ausgelöst hatten, die Rechte der Indígena einschränkte – und kassierte sie sofort wieder ein. Sehr traurig, dass dies nicht vor dem „Baguazo“ erkannt worden war – noch trauriger, dass Anführer mancher sozialer Proteste offenbar daraus den fatalen Schluss gezogen haben, bei Protesten und Streiks bis zum Äußersten gehen zu müssen, um ein Ziel zu erreichen und dabei manchmal offen mit einem „neuen Baguazo“ drohen. Und mindestens ebenso traurig, dass weiterhin zur „Lösung“ von Konflikten zunächst eine große Anzahl von Polizeikräften an den Ort des Konflikts geschickt wird, Polizeikräfte, die häufig nicht hinreichend ausgebildet, schlecht bezahlt und schlecht ausgerüstet sind – so, wie damals Felipe Bazán Soles.

  • Utcubamba / Amazonas: Straßenräuber stirbt bei Schießerei mit der Polizei

    Bei der peruanischen Stadt Bagua Grande (Provinz Utcubamba / Region Amazonas) wurde gestern bei einem Schusswechsel mit der Polizei ein Straßenräuber getötet. Drei weitere Übeltäter konnten auf ihren Motorrädern flüchten. Mehrere Autos hatten sie bereits mit Waffengewalt ausgeraubt und waren gerade dabei, ein Taxi auszurauben, als zufällig eine Polizeistrafe vorbeifuhr. Die Räuber flüchteten; als die Polizei die Verfolgung aufnahm, eröffneten sie das Feuer. Die Polizisten aus Bagua Grande und Lonya Grande, eigentlich auf dem Weg, ein auf der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße (Interoceanica Norte) gestohlenes Motorrad zu beschlagnahmen, erwiderten das Feuer, wobei offenbar einer der Räuber tödlich getroffen wurde mit dem Motorrad in den Straßengraben stürzte. Die anderen drei warfen nach Angaben der Polizeidirektion Amazonas ihre Rucksäcke mit Diebesgut ab und flüchteten durch unwegsames Gelände abseits der Straße, weswegen eine weitere Verfolgung durch die Polizeistreife nicht möglich war. Von den übrigen Verbrechern fehlt bislang noch jede Spur.

     

     

  • Endlich: Straße Chachapoyas-Leymebamba wird asphaltiert

    Achamaqui-Kreuzung, hier noch unasphaltiert. Foto: RRPP Gob.Reg. Amazonas.
    Achamaqui-Kreuzung, hier noch unasphaltiert. Foto: RRPP Gob.Reg. Amazonas.

    Seit Jahren angekündigt, hat das ICCSA-Konsortium gestern an der Achamaqui-Kreuzung, an der sich die Straßen nach Chachapoyas, Pedro Ruiz und Leymebamba (Alle Region Amazonas) treffen, die Asphaltierungsarbeiten an der Fahrpiste in Richtung Leymebamba begonnen. Anschließend sollen die Arbeiten bis nach Balsas (Amazonas) und Celendín (Region Cajamarca) ausgeweitet werden. Nach der Fertigstellung soll nicht nur die Nachbarregion Cajamarca schneller erreichbar sein, sondern auch Reiseziele und Sehenswürdigkeiten wie die Chachapoya-Ruinenstadt Kuélap, die für Webkunst und alte Bräuche bekannte Ortschaft La Jalca, sowie die Stadt Leymebamba selbst, die in einem Museum hunderte Chachapoya-Mumien beherbergt und Ausgangspunkt für Reisen zum Kondorsee und zum Birdwatching.

    Für die Asphaltierung der insgesamt 376 Kilometer Straße sind Kosten in Höhe von 156 Millionen Nuevos Soles veranschlagt. Das ICCSA-Konsortium, das mit den Arbeiten betraut ist, bat derweil bei Verkehrs- und Reiseunternehmern um Verständnis für die vorrübergehenden Unterbrechungen der Straße, die durch die Bauarbeiten unabdingbar sein werden.

    Die Straße von der Achamaqui-Kreuzung bis nach Leymebamba verläuft meist an der Grenze der Provinzen Luya und Chachapoyas, am rechten oder linken Ufer des Utcubamba-Flusses. Wegen der teils abenteuerlichen Streckenführung kam es in der Vergangenheit häufig zu Unfällen, immer wieder kamen Menschen in den Fluten des Utcubamba ums Leben, nachdem Fahrzeuge von der Straße abgekommen waren. Zudem wurde die Straße insbesondere in der Regenzeit häufig überschwemmt oder von kleineren Erdrutschen durchbrochen. Obschon in den vergangenen Jahren zusätzliche Sicherungsmaßnahmen installiert wurden, bleibt der Bau einer asphaltierten Straße auf dieser Route eine Herkulesaufgabe, die aber ohne Frage tausenden Menschen das Leben vereinfachen wird.

    Neben Regionalpräsident José Arista hatte sich insbesondere auch Chachapoyas‘ Bürgermeister Diógenes Zavaleta durch Besuche bei diversen Ministern um die Asphaltierung der Straße bemüht.

  • Amazonas: Bürgermeister und Räte von 14 Distrikten müssen sich der Abwahl stellen

    Insgesamt 14 Distriktbürgermeister und -räte der peruanischen Region Amazonas müssen sich am kommenden 30. September einem Abwahlreferendum stellen. In jedem der Distrikte gelang es den Initiatoren des Abwahlprozesses, gültige Unterschriften von mindestens 25% aller Wahlberechtigten zu sammeln. Besonders in der Provinz Luya wird es in vielen Distrikten zu einem Urnengang kommen, in dessen Rahmen die Wählerinnen und Wähler über den Verbleib von Bürgermeistern und und Distrikträten entscheiden werden: In Cocabamba, Conila, San Cristóbal, San Jerónimo, sowie in Santo Tomás. In der Provinz Chachapoyas sind Cheto, Huancas, Montevideo und San Francisco de Daguas betroffen. In Bongará müssen Bürgermeister und Räte von San Carlos, Shipasbamba und Valera um ihren Verbleib im Rathaus bangen, lediglich ein Abwahlreferendum gibt es in der Provinz Bagua (El Parco), sowie in Rodríguez de Mendoza (Vista Alegre). In den Provinzen Condorcanqui und Utcubamba bekam – trotz mehrerer Initiativen – keiner der Initiatoren die notwendigen Unterschriften zusammen.

    Peru-weit wird es 283 Abwahl-Referenden geben, die meisten davon in den Regionen Áncash (41) und Lima (38).In 279 Fällen geht es um die Abwahl von Distriktbürgermeistern und -räten, lediglich in vier Provinzen gelang es den Abwahlinitiatoren, die notwendigen Unterschriften zu sammeln: Bolívar (Region La Libertad), Pallasca (Region Áncash), Pisco (Region Ica), sowie Mariscal Cáceres (Region San Martín).

  • Perus Parlament beschließt härtere Strafen für Landbesetzer

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Personen, die illegal Land besetzen, um darauf zu leben oder es weiter zu verkaufen, sollen künftig schärfer bestraft werden. Das hat vergangene Woche der peruanische Kongress beschlossen. So wurden mehrere Passagen des Strafrechts, sowie der Strafprozessordnung so abgeändert, dass Landbesetzer und -räuber künftig mit zwei bis fünf Jahren Haft bestraft werden können. Im besonders schweren Fall, also wenn bei der Landbesetzung beispielsweise Sprengstoffe oder Waffen benutzt werden, Angehörige des öffentlichen Dienstes beteiligt sind oder staatliches Eigentum oder archäologische Stätten besetzt oder beeinträchtigt werden, sind gar bis zu 10 Jahren Haft vorgesehen.

    108.000 Häuser auf besetzten Grundstücken allein in Lima

    Damit möchten die Abgeordneten einem Problem begegnen, das in ganz Peru um sich greift und regelmäßig zu Konflikten führt: die Invasion von privaten oder öffentlichen Grundstücken, um dort selbst zu bauen, oder das Grundstück weiter zu veräußern. Die Zahlen sprechen für sich: Bei der Volkszählung 2007 gaben die Besitzer von 5,5% aller peruanischen Hausbesitzer an, auf besetztem Land zu leben – in Wirklichkeit liegt die Zahl wahrscheinlich noch höher. Allein in der Hauptstadt Lima sind es offiziell rund 108.000*. Häufig sind die Landbesetzer mittellose Landbewohner, die sich in der Stadt erhoffen, an dem überall propagierten wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben, jedoch nicht über ausreichend Mittel verfügen, ein Grundstück legal zu erwerben. In wenigen Fällen handelt es sich dabei um Einzelaktionen, meist aber um von zwielichtigen Geschäftemachern geplante Invasionen im großen Stil. Denen hatte der Staat bislang kaum etwas entgegen zu setzen, weswegen dieser illegaler Geschäftszweig der „Land-Dealer“ („Traficante de Tierras“) geradezu florierte.

    Ist ein Grundstück bereits mehrere Male weiterverkauft, wird es immer schwieriger, dieses wieder dem ursprünglichen Besitzer zu übergeben. Viele Behörden gehen deshalb dazu über, zu schauen, wie der Grundstücksbesitz dann nachträglich legalisiert werden kann. In manchen Fällen kommt es zu nachträglichen Kaufverträgen. Ganze Stadtviertel, die unreguliert und häufig ohne jegliche Stadtplanung vor sich hinwuchsen, wurden mit der Zeit – auch, weil ein ganzes Stadtviertel nicht einfach problemlos umgesiedelt werden kann – zu „echten“ Stadtvierteln erklärt, denn in den jungen Invasionsvierteln, in Peru „Asentamientos Humanos“ genannt, darf der Staat eigentlich keine Infrastruktur wie Schulen, Wasserleitungen oder Stromanschlüsse bauen und legen. Dort, wo die Eigentumsfragen zumindest oberflächlich geklärt sind, nimmt sich dann eine eigene Behörde (COFOPRI) des Problems an.

    Bis Urteile gesprochen werden, sind Fakten geschaffen

    Sobald Präsident Ollanta Humala das nun verabschiedete Gesetz unterzeichnet, können Richter die rasche Räumung der betroffenen Grundstücke anordnen. Auch das war bislang problematisch: Ein Urteil ließ oft Monate oder gar Jahre auf sich warten, bis zu seiner Verkündung waren dann bereits Fakten geschaffen, Häuser gebaut und provisorische Wege angelegt. Vielerorts sind sogar bereits, in beeindruckender Eigeninitiative errichtet, Stromleitungen und Anschlüsse an das Kabelfernsehen vorhanden. Für den Abgeordneten Gustavo Rondón Fudinaga (Solidaridad Nacional) ein Unding. Die organisierte Besetzung fremder Grundstücke zur Geschäftemacherei sei „eine Straftat, die fahrlässig mit Hoffnungen spiele“, so Rondón Fudinaga in der Parlamentsdebatte.

    Aber auch die neuen Regelungen lassen wohl noch immer das eine oder andere rechtliche Schlupfloch, das den Besetzungs-Planern, die richtig viel Geld verdienen, ihre Arbeit auch künftig ermöglichen wird. Beispielsweise wird eine Lücke nicht geschlossen, nämlich die, was passiert, wenn der Landbesitzer gar nicht klagt. Was sich zunächst paradox anhört, macht Sinn, wenn man an Grundstücke denkt, die durch den Staat als „unbebaubar“ oder „unbewohnbar“ deklariert wurden, beispielsweise, weil sie in Bachnähe liegen und regelmäßig von Hochwassern betroffen sind. Solche Grundstücke, normalerweise schwer verkäuflich, kann der ursprüngliche Besitzer so noch an den Mann oder die Frau bringen, in der Hoffnung, dass die Ansiedlung nachträglich genehmigt wird und er doch noch Geld für seine Grundstücke sieht. Wer einmal aus der Hauptstadt Lima in jedweder Richtung in die Anden fährt, erkennt bald, dass viele der Siedlungen am Stadtrand wohl auf legalem Wege so niemals genehmigt worden wären.

    Auch können Landbesetzer manchmal mit Sympathien rechnen, beispielsweise wenn das Grundstück selbst auf nicht ganz durchsichtigen Wegen in Besitz gebracht wurde oder die Besitzer wirkliche oder gefühlte Wucherpreise verlangen. Zudem geht vielerorts geht die Ausweisung neuer Baugebiete -wenn überhaupt- nur schleppend voran. Ist es dann soweit, haben sie häufig Preise, die für Zuzugswillige auserhalb des bezahlbaren liegen.

    „endemisches Problem“

    Damals Plastikplanen, heute Hütten: Invasión 16 de Oktubre in Chachapoyas. Foto: MPCH.
    Damals Plastikplanen, heute Hütten: Invasión 16 de Oktubre in Chachapoyas. Foto: MPCH.

    Doch nicht nur die Hauptstadt Lima ist betroffen, in den meisten peruanischen Städten greift dieses „endemische Problem“, wie es Alberto Beingolea, Vorsitzender der Justizkommission des peruanischen Kongresses, nannte, um sich. Selbst in der Stadt Chachapoyas (Region Amazonas) kam es bereits mehrfach zu illegaler Landnahme – bislang wurde nachträglich immer aufs neue legalisiert. Derzeit ist ein weiterer Fall anhängig. In der Hafenstadt Chimbote (Region Áncash), nördlich von Lima, wurde der ungeplante Bau eines Stadtviertels seinen Bewohnern zum Verhängnis: dort brannte vor wenigen Monaten fast ein ganzes „Asentamiento Humano“ nieder. Dass es dort keine Todesopfer zu beklagen gab, war dabei vor allem eines: Glück.

    Mit dem verabschiedeten Gesetz wurde ein wichtiges Thema angegangen. Gelöst ist es damit aber noch nicht, sind doch hunderttausende Peruanerinnen und Peruaner direkt davon betroffen. Perus Gefängnisse sind sowieso chronisch überfüllt, die Bevölkerung wächst und die anhaltende Landflucht wird auch weiterhin dazu beitragen, dass mittellose Land- und Stadtbewohner am Rand der Städte nach einer besseren Zukunft suchen – und, dass den „Land-Dealern“ das Geschäft nicht ausgeht.

     

    * Anzahl Häuser auf besetztem Grundstück: Lima (107.591), Piura (71.148), La Libertad (23.489), Callao (18.463) – Daten: INEI (2007) .

  • Zelada-Busunfall auf der Strecke Chachapoyas-Mendoza: 19 Tote, 7 Verletzte

    Nach mehrstündiger Suche steht nun die Zahl der Personen fest, die gestern bei dem tragischen Absturz eines Busses des Unternehmens Transporte Zelada ihr Leben verloren. Demnach überlebten 19 Personen den Unfall nicht, sieben Personen wurden so schwer verletzt, dass sie noch immer medizinischer Versorgung benötigen. Der Bus war gegen 18 Uhr aus Chachapoyas in Richtung Rodriguez de Mendoza abgefahren und kam gegen 20 Uhr – wenige Fahrminuten vor der Ankunft – aus noch ungeklärter Ursache von der Straße ab und stürzte über 100 Meter in die Tiefe.

    Regionalpräsident José Arista ordnete eine zweitägige Trauerbeflaggung in der gesamten Region Amazonas an. Wie die Provinzverwaltung Rodriguez de Mendoza mitteilt, konnte eines der Todesopfer bislang nicht identifiziert werden.

    Der Absturz des Zelada-Busses war nicht der erste schwerwiegende Unfall des relativ kleinen Transportunternehmens. In der Vergangenheit gab es bereits zwei weitere Unfälle, insgesamt sind es nun mehr als 50 Personen, die bei Zelada-Unfällen ihr Leben verloren. Die Verkehrskontrollbehörde SUTRAN leitete die Prüfung des Entzugs der Routenlizenz ein.

  • Amazonas / Cajamarca: Umweltverträglichkeitsprüfung des Marañón-Wasserkraft-Projektes Chadin 2 vorgestellt

    Wasserkraftprojekt Chadin 2. Karte: Geoservidor MINAM.
    Wasserkraftprojekt Chadin 2. Karte: Geoservidor MINAM. (für Vollansicht draufklicken)

    Das Unternehmen AC Energia S.A. hat gestern in Balsas (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) die Umweltverträglichkeitsprüfung des geplanten Wasserkraftwerkes „Chadin 2“ vorgestellt, für das unterhalb der Stadt Balsas der Fluss Marañón aufgestaut werden soll. Gebaut werden, so geht aus der Zusammenfassung der Studie hervor, sollen mit einer Investitionssumme von rund 819 Millionen US-$ ein Staudamm, Maschinenhäuser, Straßen und einige Kanäle. Dem geplanten Stausee würden auch mehrere Ortschaften zum Opfer fallen, in der Region Amazonas beispielsweise Tupén und Mendan. Der Marañón trennt die Regionen Amazonas und Cajamarca voneinander, damit sind Orte beider Regionen betroffen.

    Zuvor wurde die Umweltverträglichkeitsprüfung bereits in einigen der direkt von dem Projekt betroffenen Ortschaften vorgestellt, wo dem Projekt – nicht zuletzt wegen der notwendigen Umsiedlung, sowie dem Verlust von landwirtschaftlichen Anbauflächen – zunächst eher mit Skepsis begegnet wurde. Das Unternehmen möchte diese Skepsis vor allem durch Infrastrukturprojekte, Entschädigungen, sowie die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze abbauen. Um die Umsiedlung schmackhaft zu machen wurden gestern in Balsas mehrere Plakate aufgehängt, die zeigen sollten, wie andere Projekte des brasilianischen Konzerns Odebrecht, der auch hinter dem Chadin 2-Projekt steht, das Leben der Anwohner verändern. Zu sehen waren vorher-nachher-Bilder von baufälligen Bretterhütten mit löchrigem Strohdach, daneben einstöckige Häuser mit vergipsten Wänden, Wellblechdach, verglasten Fenstern, sowie einem Holzverschlag als Stall oder Abstellraum. Ob sich beispielsweise die betroffenen Bewohner von Tupén Grande davon überzeugen lassen, ist eher fraglich, gibt es dort doch bereits jetzt wesentlich schönere Gebäude.

    Widerstand aus den betroffenen Distrikten

    Marañón zwischen Tupén und Mendán. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Betroffen: Marañón zwischen Tupén und Mendán. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Dennoch hatte am vergangenen 10. Januar eine Gruppe von Landwirten aus Mendán (Distrikt Cocabamba / Provinz Luya) und aus dem Distrikt Chumuch (Provinz Celendín / Region Cajamarca) in einem Brief an Bergbau- und Energieminister Jorge Merino ihren Unmut über das Chadin II-Projekt ausgedrückt. „Bereits unsere Vorfahren bestellten diese Felder und heute sehen wir sie von diesem Projekt bedroht, das enorme Folgen für die Umwelt haben wird und mit unseren Feldfrüchten auch unsere einzige Einkommensquelle zerstört“, heißt es in dem Brief. Unterzeichnet wurde das Dokument nicht nur von Bürgermeister Jorge Rodriguez und dem Vertreter des Innenministeriums im Distrikt Chumuch, Percy Vásquez, sondern auch von 106 betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern von beiden Seiten des Marañón.

    Auch 19 archäologische Fundstätten würden dem Stausee zum Opfer fallen, was mit diesen geschieht, ist bislang unbekannt. Zunächst, so geht aus der Umweltverträglichkeitsprüfung hervor, soll aber mit Hilfe von Spezialisten noch an einigen Orten gesucht werden, an denen weitere Fundstätten vermutet werden. 600 Megawatt soll von „Chadin 2“ produziert werden, nur wenige Kilometer Flussabwärts laufen bereits die Planungen für die Projekte „Veracruz“ und „Chadin 1“. Im Falle von „Chadin 2“ ist – wie bei den meisten in den vergangenen Jahren geplanten Wasserkraftprojekte in Peru – die treibende Kraft der brasilianische Konzern „Odebrecht“, der sich nicht zuletzt für den Export elektrischer Energie nach Brasilien stark macht.

    Bürgermeister von Chachapoyas befürwortet „Chadin 2“

    Befürwortet Chadin 2: Diógenes Zavaleta, Bürgermeister von Chachapoyas. Foto: MPCH.
    Befürwortet Chadin 2: Diógenes Zavaleta, Bürgermeister von Chachapoyas. Foto: MPCH.

    Einer jedenfalls ist begeistert von dem Projekt: Diógenes Zavaleta Tenorio, Bürgermeister der Provinz Chachapoyas, die – mit dem Distrikt Balsas – am oberen Ende des geplanten Stausees ebenfalls direkt betroffen ist.  Er bezeichnete das  geplante Wasserkraftwerk Chadin 2 als „Megaprojekt, das die gesamte Region Amazonas voranbringen“ werde und – nicht zuletzt durch die erwarteten Steuereinnahmen – den wirtschaftlichen, sozialen und touristischen Fortschritt der Region Amazonas anstoße. Bekannt ist Balsas, da es in unmittelbarer Nähe der „Chacanto“-Brücke liegt, die Amazonas und Cajamarca verbindet und insbesondere zur Fahrt von Chachapoyas über Leymebamba und Celendín nach Cajamarca befahren wird.

    Den Initiatoren und Befürwortern bleibt noch einiges zu tun, wenn sie die Anrainer vom Nutzen des Stausees überzeugen möchten. Wie wichtig das ist, zeigte in den vergangenen Monaten der Streit um das Bergbauprojekt „Conga“ in der Region Cajamarca – gegen das sich große Teile der Bevölkerung der Provinz Celendín, die auch von „Chadin 2“ betroffen ist, mit aller Kraft wehren. Insbesondere die Fragen der Umsiedlung, der Urbarmachung neuen Ackerlandes und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Zeit nach dem Abschluss der Bauarbeiten, sowie ökologische Aspekt werden bei der weiteren Diskussion um „Chadin 2“ vermutlich im Mittelpunkt stehen.

    Zahlen

    175 Meter hoch würde der Staudamm an seiner höchsten Stelle, 370 Meter breit an der breitesten. Für den Bau des Staudamms ist die Anstellung von 2.080 Personen geplant. Für die Bauarbeiten sind fünf Jahre angesetzt, anschließend ein weiteres Jahr bis zur Füllung des Stausees. 20 Ortschaften und Gehöfte würden überflutet, in denen insgesamt 970 Personen leben, die umgesiedelt werden müssten.

  • Rodriguez de Mendoza / Amazonas: Bus stürzt in die Tiefe / mehr als 10 Tote

    Mehr als 10 Personen verloren gestern ihr Leben, als ein Bus des Unternehmens „Zelada“ auf dem Weg von Chachapoyas in die Nachbarprovinz Rodriguez de Mendoza von der Straße abkam und in die Tiefe fiel. Wie der Regionalgouverneur der Region Amazonas, José Santos, gegenüber dem Nachrichtensender RPP bestätigte, starben bei dem Unfall rund 15 Menschen, acht weitere werden mit teils schweren Verletzungen in einem der Krankenhäuser von Chachapoyas behandelt. Der Unfall ereignete sich offenbar gegen 20:30 Uhr (Ortszeit) bei „El Arenal“, nachdem bereits drei Viertel der Strecke zurückgelegt waren.

    Mehr in Kürze.

  • Utcubamba / Amazonas: Erdrutsch bei Jamalca zerstört Häuser und Straßen

    Bei durch die starken Regenfälle der vergangenen Wochen ausgelösten Erdrutschen wurden im Distrikt Jamalca (Provinz Utcubamba / Region Amazonas) 25 Häuser zerstört, sowie schwere Schäden an mehreren Straßen angerichtet. Wie der Zivilschutz Amazonas berichtet, kam es zuvor zu Überschwemmungen, nachdem der Olom-Bach über die Ufer getreten war und die Straße nach Guayacán unpassierbar gemacht hatte. Wie Radio Horizonte aus Chachapoyas berichtet, wurde dabei offenbar auch ein Lastwagen von der Straße gedrückt, Personen kamen dabei glücklicherweise nicht zu Schaden. Auch die Straße zur Ortschaft Pirurco ist wegen kleinerer Erdrutsche derzeit unbefahrbar.

    Der Distrikt Jamalca schreibt inzwischen eine lange, traurige Geschichte tragischer Erdrutsche. So war vor wenigen Jahren das Dorf „Aserradero“ an der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße (IIRSA Norte) nach einem Erdrutsch fast vollständig in den Fluten des Utcubamba-Flusses verschwunden. Die Bewohner von „Aserradero“ wurden in Folge mehrmals umgesiedelt – und wurden wieder Opfer von Erdrutschen. Auch das IIRSA Norte-Konsortium, das die Fernstraße betreibt, die die nordostperuanischen Urwaldregionen mit der Küste verbindet, musste nun schon drei Mal den Straßenabschnitt auf Höhe des verlassenen „Aserradero“ neu bauen. Immer war die Straße wieder abgerutscht. Auch in diesem Jahr kam es nicht nur dort, sondern auch an der ebenfalls gefährdeten Stelle „El Salao“ zu neuen Erdrutschen, weswegen die Straße derzeit nur eingeschränkt befahrbar ist.

    Neben IIRSA Norte entsandte nun auch die Regionalregierung Amazonas schweres Gerät nach Jamalca, um die Aufräumarbeiten voranzutreiben. Gegenüber Radio „La Voz“ aus Bagua Grande beschwerten sich allerdings Anwohner, die Hilfe laufe viel zu langsam an.

    Probleme auch in Rodriguez de Mendoza

    Auch in der Provinz Rodriguez de Mendoza kam es wegen der starken Regenfälle zu Problemen. So war die Straße San Nicolas – Huambo vorrübergehend unpassierbar, im Distrikt Limabamba wurde eine Fußgängerbrücke schwer beschädigt. Im Distrikt Longar wurden mehrere Wohnhäuser Opfer der Fluten.