Schlagwort: Serie Wasserkonflikte

  • Cajamarca / Peru: Was die Conga-Gutachter empfehlen

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".Vergangene Woche legten die drei Gutachter, die sich über mehrere Wochen hinweg im Auftrag der peruanischen Regierung mit der Umweltverträglichkeitsstudie zum umstrittenen Bergbauprojekt „Conga“ befasst haben, ihren Abschlussbericht vor – und bescheinigten dieser, sie nach internationalen Maßstäben sauber verfasst worden. Zu einigen Punkten, die Anwohner und Umweltaktivisten dem Unternehmen Yanacocha, das „Conga“ durchführen möchte, nahmen die Gutachter Stellung, viele Befürchtungen konnten dabei wohl ausgeräumt werden. Einer Aussage, ob das Projekt durchgeführt werden kann oder nicht, enthalten sich die Gutachter aber ausdrücklich.

    Während Teile der Bevölkerung Cajamarcas sich damit dennoch nicht abfinden, beschäftigt sich Yanacocha mit dem Abschlussbericht der Gutachter aus Portugal und Spanien. Denn dieser ist bei näherer Lektüre keinesfalls eine Jubelschrift auf „Conga“, vielmehr werden Versäumnisse von Unternehmen und Staat aufgezeigt und zahlreiche Vorschläge gemacht, wie es in Zukunft besser laufen könnte. Einige dieser Vorschläge sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

    1. Gemeinsame und starke Kontrolle von Wasserständen
    Zwar weisen die Gutachter darauf hin, dass die Daten in der Umweltverträglichkeitsstudie korrekt waren, allerdings handelte es sich um eine sehr dünne Datenbasis. Dafür werden mehrere Gründe genannt:

    • Die geographische Datenbasis für ländliche Regionen Perus ist allgemein dürftig
    • Mehrere Messstationen von Yanacocha wurden – inklusive Datenmaterial – von Unbekannten zerstört
    • Es waren überhaupt sehr wenige Messstationen

    Um in der Zukunft Konflikte und Misstrauen zu vermeiden empfehlen de Gutachter daher:

    • Der Aufbau von mindestens 5 Messstationen in allen direkt von „Conga“ betroffenen Bachtälern
    • Der Aufbau von Messstationen an der Fassung von Bewässerungskanälen
    • Der Aufbau einer Vergleichs-Messstation an von „Conga“ nicht betroffenen Bächen, um nachweisen zu können, ob Unregelmäßigkeiten im Wasserstand auf das Projekt oder aber auf andere Faktoren zurückzuführen sind
    • Bessere Sicherheitsmaßnahmen an den Messstationen, um Vandalismus zu verhindern
    • Die Echtzeit-Veröffentlichung des gemessenen Pegelstandes, sowie die regelmäßige manuelle Kontrolle durch eine Art „Wasser-Komitee“, zu dessen Gründung Soziologen herangezogen werden sollen
    • Die Einbindung von Hochschulen, die akademisch fundiert die Messungen überprüfen, sowie die Interpretation der Messwerte vornehmen können bei gleichzeitiger Einrichtung eines entsprechenden Lehrstuhles auf Kosten von Yanacocha
    • Regelmäßig über die Messwerte informieren und bei Problemen rechtzeitig Alarm schlagen.

    2. Zahl der Bewässerungs-Nutznießer erhöhen und Reservoir-Verwaltung klar regeln

    Auch bei der Zahl der einbezogenen möglichen Betroffenen sehen die Gutachter keinen Verstoß gegen gültige Normen. Dennoch empfehlen sie, die Zahl technisch möglicher Nutznießer möglichst hoch -höher als derzeit – anzusetzen. Das sei ein Zeichen „guter Nachbarschaft“, wie es im Gutachten heißt. Zudem empfehlen die Gutachter, die Verwaltung der geplanten Wasserreservoirs klar zu regeln, die hydrologisch gesehen die vier Bergseen ersetzen sollen, die für die Durchführung des „Conga“-Projektes trocken gelegt werden müssten. Entsprechende Pläne müssten, so die Gutachter, auch die Zeit nach dem Ende des Projektes beinhalten, sowie Rücklagen und andere Mittel benennen, die auch für die Reaktion auf Probleme notwendig seien. In die Verwaltung müssten -unter Führung der Wasserbehörde ANA – auch die Nutzer des Wassers, sowie die betroffenen Kommunalverwaltungen eingebunden sein. Weiter wird empfohlen, die Reservoirs selbst größer auszulegen als bislang geplant.

    3. Regelmäßige Kontrolle des Grundwassers

    Was das Grundwasser betrifft, empfehlen die Gutachter, das Verhalten des Grundwassers im Einflussbereich des Bergbauprojektes mindestens alle vier Jahre zu kontrollieren. Damit, so das Gutachten, könnten mögliche unerwartete Folgen des Projektes schon früh vorausgesehen werden. Zudem wird die regelmäßige Prüfung auf mögliche Verunreinigungen und die Erstellung einer Karte mit kontaminationskritischen Punkten angeregt.

    4. Untersuchung der Wasserqualität vor und während der Gold- und Kupferförderung

    Damit später Vergleiche gezogen werden können, werden bereits seit 2003 regelmäßig Wasserproben genommen. Die Gutachter empfehlen allerdings, die Zahl der Proben, sowie die Zahl der untersuchten Bäche und Flüsse zu erhöhen, um ein genaueres Bild zu bekommen.  Aus den bisherigen Messungen geht beispielsweise hervor, dass das Wasser des „Perol“-Bergsees, der als Tagebau dem Projekt weichen soll, für den menschlichen Konsum ungeeignet ist. Zudem wurde im Rahmen der Messungen festgestellt, dass -durch Mensch und Vieh- vielerorts auch die Trinkwasserversorgung mit Fäkalbakterien verseucht ist.

    5. Verzicht auf die Nutzung zweier Bergseen und Verbesserung der Abraumlagerstätten

    Obwohl nicht bis zum Ende ausgearbeitet, empfehlen die Gutachter die Prüfung von Alternativen zur Nutzung der Bergseen Azúl und Chica als Abraumhalden. Bislang ist geplant, vier Bergseen zu nutzen, Perol und Chailhuagón für den Tagebau, die anderen beiden für den Abraum. An dem Tagebau Chailhuagón soll über 14 Jahre hinweg 160 Millionen Tonnen, am Tagebau Perol über 19 Jahre hinweg 344 Millionen Tonnen Erde und Gestein bewegt werden.

    Einige dieser Empfehlungen waren bereits in der ursprünglichen Umweltverträglichkeitsprüfung enthalten – diese umfasste allerdings viele Bände und war, auch das kritisieren die Gutachter, kaum zu durchschauen, sowie merklich von Nicht-Spanisch-Muttersprachlern verfasst.

    „Conga“-Gegner fordern Ende des Projekts bis 31. Mai
    Die Wortführer der Anti-Conga-Proteste einigten sich gestern darauf, der Regierung ein Ultimatum zu stellen. Wie der RPP Noticias berichtet, drohen sie mit einem Generalstreik, sollte das „Conga“-Projekt nicht bis zum 31. Mai beerdigt sein. Zudem sei ab kommendem Freitag die Einrichtung einer Bürgerwehr geplant, die sich ausschließlich der Überwachung der vier Bergseen widme, um die Wiederaufnahme der Arbeiten zu verhindern.

    Hinweis: Die Gutachter beschäftigten sich ausschließlich mit dem Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung der das Thema „Wasser“ betrifft. Über andere Teile der Studie machten sie keine Aussagen.

    Den gesamten Bericht der Gutachter finden Sie unter http://www.minem.gob.pe/archivos/proyecto_conga_1.pdf (In einem neuen Fenster!).

  • Cajamarca: Bergbau-Gutachter mahnen Verbesserungen am Conga-Projekt an

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".Das lang erwarete Gutachten zur Umweltverträglichkeitsprüfung des umstrittenen Bergbauprojektes Conga in der nordperuanischen Region Cajamarca gibt nach Berichten peruanischer Medien keine Empfehlung über dessen Durchführbarkeit ab, mahnt aber Nachbesserungen an. Die Gutachter hatten gestern kurz die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt, erst heute soll es im Internet veröffentlicht werden. Für das „Conga“-Projekt, in dessen Rahmen im Tagebau Gold und Kupfer gefördert werden soll, müssen insgesamt vier Bergseen trocken gelegt und gegen mehrere künstliche Wasserreservoirs ausgetauscht werden. Dadurch, sowie durch den Bergbaubetrieb selbst, fürchten die Gegner des Projekts einen gravierenden Eingriff in Ökosystem und Wasserhaushalt. Einer der Gutachter erklärte, Bergbau könne niemals ohne Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt werden. Allerdings sei im Rahmen des Gutachtens eine hohe Belastung des Grundwassers mit menschlichen und tierischen Fäkalien nachgewiesen worden, weswegen dieses auch weder für Mensch, noch für Tier als Trinkwasser nutzbar wäre.

    Nach Angaben von Umweltminister Manuel Pulgar Vidal empfehlen die Gutachter, bei der geplanten Abraumhalde im Gebiet des bisherigen „Perol“-Bergsees nachzubessern, sowie eines der Wasserreservoirs größer anzulegen als bislang geplant.

    Regionalpräsident Santos Guerrero spricht von „großem Sieg“

    Gregorio Santos Guerrero, Regionalpräsident von Cajamarca und erklärter Gegner des Conga-Projektes, sprach von einem „großen Sieg“ für die Region. Das vorgelegte Gutachten leute eine Zeitenwende in der peruanischen Bergbaugeschichte ein, der Staat habe nun verstanden, dass der Staat zunächst „Vertrauen schaffen“ müsse, so Santos. In Cajamarca selbst gingen derweil nach Polizeiangaben rund 2.000 Menschen auf die Straße, um, streng bewacht von tausenden Polizistern, gegen „Conga“ zu demonstrieren. In anderen Teilen Perus kam es zu Solidaritätskundgebungen.

    In den vergangenen Wochen hatte es in der Region Cajamarca wiederholt Protestaktionen in großem Ausmaß gegen das Bergbauprojekt gegeben, dabei kam es auch zu Gewaltakten gegen Einrichtungen des Unternehmens, gegen öffentliche Einrichtungen, sowie gegen Journalisten. Die Regierung, bis dahin ebenfalls nur begrenzt zu Konzessionen bereit und immer mit einer großen Zahl von Polizisten und Soldaten im Einsatz, verhängte darauf hin den Ausnahmezustand über große Teile der Region – und beauftragte drei ausländische Gutachter, die Umweltverträglichkeitsprüfung noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese wurde kurz vor dem Ende der Regierungszeit unter dem damaligen Präsidenten Alan García offenbar kaum geprüft durchgewunken.

    Eingetreten ist nun das erwartete „ja, aber…“, das Bergbauprojekt wird wohl durchgeführt werden, aber mit einigen Änderungen. Von Yanacocha, dem Betreiber des Bergbauprojektes, gab es bislang keine Stellungnahme. Den Ausgang hatte man aber offenbar auch dort bereits erwartet. Bereits am 1. April hatte Newmont Mining, Hauptanteilseigner an Yanacocha, dem Unternehmen, das „Conga“ durchführen will, gemeldet, es sei „zeitnah mit der Wiederaufnahme“ des Projektes zu rechnen.

    Regionalrats-Verordnung gegen Conga verfassungswidrig

    Wohl nicht ganz zufällig veröffentlichte gestern auch das peruanische Verfassungsgericht seine Entscheidung zu einer Verordnung, für die der Regionalrat von Cajamarca Ende Dezember 2011 einstimmig votiert hatte. Die Verordnung, nun als verfassungswidrig eingestuft, verbot Bergbauaktivitäten in Quellgebieten und erklärte das „Conga“-Projekt wegen Mängeln in der Umweltverträglichkeitsprüfung für undurchführbar. Damit, so die Richter, habe die „Regionalregierung Cajamarca seine Normgebungskompetenzen überschritten“, da sie keine Verordnungen zum mittleren und Großbergbau erlassen dürfe. Die Entscheidung über die Zulässigkeit bestimmter Aktivitäten in Quellgebieten obliege zudem der nationalen Wasserbehörde ANA (Autoridad Nacional del Agua). Die Regionalregierung Cajamarca kündigte an, vor einem internationalen Gericht gegen das Urteil zu klagen.

  • Peru: Auswege aus dem Conga-Dilemma

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".In der nordperuanischen Andenregion Cajamarca bereiten sich Umweltaktivisten und Regionalregierung auf neue Protestaktionen gegen das Bergbauprojekt „Conga“ vor, von dem sie Gefahren für das Ökosystem und die Wasserqualität rund um Ortschaften auf der Ostseite der Anden befürchten. Auch die Regierung bereitet sich vor, bereits vor Wochen wurden weitere Polizeikräfte in die Region verlegt. Der Grund: Bereits für vergangenen Montag angekündigt und inzwischen zweimal verlegt war die Veröffentlichung eines Gutachtens dreier Experten aus Europa und den USA über die Umweltverträglichkeitsprüfung, die dem Bergbauprojekt zu Grunde liegt.

    Die Regierung erhofft sich, dass ihr durch das Gutachten die Entscheidung darüber, ob „Conga“ durchgeführt werden kann oder nicht, abgenommen wird – und, dass „Conga“ durchgeführt werden darf, möglicherweise mit einigen zusätzlichen Auflagen. Sollte es dazu kommen, wird es wohl neue Proteste in Cajamarca geben. Die Wege für einen einfachen Kompromiss sind bereits seit Monaten verstellt, die Fronten verhärtet. Währenddessen versucht die Zentralregierung, durch die Förderung von Infrastrukturprojekten den Streikwillen zu brechen. Denn die Proteste entflammten zunächst nicht nur wegen der befürchteten Wasserverschmutzung, sondern vor auch wegen in der Vergangenheit gebrochener Versprechen des „Conga“-Betreibers Yanacocha, den Bau von Infrastruktur voranzutreiben. Die Umweltaktivisten, zu einem großen Teil Landwirte aus der Provinz Celendín, fürchten insbesondere den Eingriff in den Wasserkreislauf durch die Nutzung von vier Bergseen für den Tagebau und als Abraumhalden. Die Umweltverträglichkeitsprüfung wurde von der Vorgängerregierung offensichtlich ohne ausreichende Prüfung angenommen.

    Im Folgenden sollen einige Szenarien aufgezeigt werden, die Umweltaktivisten und Regierung derzeit zur Verfügung stehen.

    Szenario 1: Die Gutachter sagen „Conga läuft so, wie es ist“

    Das wäre das Horrorszenario. Die Fronten würden sich wohl weiter verhärten. Aktivisten und Regionalregierung würden ihr Gesicht verlieren, wenn sie die Proteste einfach aufgeben würden. Die Zentralregierung wäre zum Handeln gezwungen, um beispielsweise gegen Straßenblockaden vorzugehen. Premierminister Oscar Valdés, ehemals Innenminister und Soldat, würde wohl auf möglichst hartes Durchgreifen setzen. Nicht zuletzt auch die schlechte Ausrüstung der Polizei, sowie entsprechende Einsatzpläne würden wohl zu gewaltsamen Zusammenstößen führen. Wie die Vergangenheit zeigt, wahrscheinlich mit Toten und Verletzten.

    Szenario 2: Die Gutachter sagen „Conga ja, aber nicht so“

    Das ist das derzeit realistischste Szenario. Es bietet allen Seite die Möglichkeit, sich aus der Affäre zu ziehen und dabei das Gesicht zu bewahren. Die Protestbewegung würde vermutlich gespalten in Hardliner, die „Conga“ um jeden Preis verhindern wollen und denjenigen, die konstruktiv bei der Veränderungen der Projektplanungen mitwirken möchten. Die Regierung würde noch intensiver in Infrastruktur investieren, um Arbeitsplätze zu schaffen und möglichst vielen Unzufriedenen, die bislang an Anti-Conga-Protesten teilnahmen, die Grundlage zur Kritik zu entziehen. Gleichzeitig würde die Regierung wohl auf eine strikte Umsetzung der von den Projektbetreibern versprochener sozialer Hilfsprojekte pochen. Es würden wohl einzelne Modifikationen am „Conga“-Projekt vorgenommen, möglicherweise würden mehr Wasserresservoirs gebaut oder nicht, wie bislang geplant, vier Bergseen zum Schürfen und für den Abraum trocken gelegt, sondern eine geringere Anzahl. Gemäßigte Aktivisten und die Regionalregierung von könnten das als Erfolg für sich verkaufen, die Regierung hätte ihren Grundsatz von „Gold UND Wasser“ durchgesetzt und der Projektbetreiber könnte weiter machen, lediglich die „Hardliner“ würden weiter kämpfen – im schlimmsten Fall mit extremen Mitteln. A propos Projektbetreiber: Ein Grund dafür, dass den Versprechen der „Conga“-Betreiber kaum einer Glauben schenkt, liegt in diesen selbst. Seit Jahren betreibt dieser die nahegelegene „Yanacocha“-Goldmine und hat sich dabei als relativ unzuverlässiger Partner für Infrastruktur- und Sozialprojekte präsentiert. Als dies im vergangenen Jahr publik wurde, wurde kräftig investiert – allerdings nicht in die Projekte, sondern in Öffentlichkeitsarbeit. Das bringt uns zu einer weiteren Möglichkeit, die weitgehend mit diesem Szenario übereinstimmt:

    Szenario 3: Conga ja, aber ohne Yanacocha

    Sollte es eine Möglichkeit geben, vor dem Hintergrund des Gutachtens Yanacocha beispielsweise eine bewusste Täuschung bei der Erstellung des Umweltverträglichkeitsprüfung nachzuweisen, könnte die peruanische Regierung nach Mechanismen suchen, dem Unternehmen die Konzession zu entziehen, ohne dafür vor einem Handelsgericht belangt werden zu können. Wie bei Szenario 2 könnten dies Unzulänglichkeiten bei der Prüfung oder den geplanten Umweltschutzmaßnahmen sein. In diesem Fall würde ein neuer Konzessionär gesucht, der das Projekt weiterführen würde. Dieser könnte unbelastet von Versäumnissen in der Vergangenheit arbeiten und sich durch soziale und Infrastrukturprojekte in den Ortschaften der Projektanrainer systematisch für ein positives Bild sorgen. Möglicherweise würden auch manche technischen Festlegungen – wie beispielsweise die Zahl der benötigten Bergseen – neu verhandelt. Das würde das Lager der „Conga“-Gegner ebenfalls spalten, vermutlich aber zu einem wesentlich kleineren Lager von Hardlinern führen. Die Regionalregierung könnte sich von einem neuen Betreiber den Schutz von Wasserressourcen garantieren lassen. Der derzeitige Konzessionär würde wohl nach rechtlichen Mitteln suchen, die Entscheidung anzufechten. Deshalb wäre eine saubere Vorarbeit des peruanischen Staates notwendig.

    Szenario 4: Kein Conga

    Das unrealistischste Szenario, bekamen die Gutachter doch den Aufrag, Verbesserungen für die Umweltverträglichkeitsprüfung vorzuschlagen – und nicht, Aussagen über die generelle Durchführbarkeit des Projektes  zu treffen. Für die Regierung würde es durch ein solches Ergebnis innenpolitisch einfacher, das „Conga“-Projekt zu beerdigen, das sie bisher verteidigt hat. Gleichzeitig müsste sie aber auf erwartete künftige Einnahmen zur Finanzierung der ambitionierten staatlichen Sozialprogramme verzichten. Zudem würde es wohl zu Klagen gegen den peruanischen Staat vor internationalen Handelsgerichten kommen, der Rechts- und Steuerstabilität garantiert. Für die Aktivisten wäre es ein Erfolg auf ganzer Linie, der wohl zu ähnlichen Protestaktionen in anderen Teilen Perus führen würde.

    NACHTRAG: Umweltminister Vidal relativiert Gutachten bereits

    Während sich herauskristallisiert, dass „Conga“ von den Gutachtern wohl mit ein paar Änderungen als durchführbar eingestuft wird, macht sich Umweltminister Manuel Pulgar Vidal, deren Gutachten ein wenig zu relativieren. Man müsse diesem „den Heiligenstatus nehmen“, so Pulgar Vidal. Das Gutachten soll rund 270 Seiten umfassen und liegt der peruanischen Regierung unbestätigten Medienberichten zufolge bereits seit gestern vor.

  • Peru: 76,2% aller Haushalte an öffentliche Wasserversorgung angeschlossen / extremes Stadt-Land-Gefälle

    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP
    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP

    Insgesamt 76,2% aller peruanischen Haushalte sind an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen, gerade in ländlichen Gebieten ist es allerdings nicht einmal die Hälfte davon. Das geht aus der jüngsten Haushaltsbefragung (ENAHO) durch das peruanische Nationalinstitut für Statistik und Informatik (INEI) hervor. Demnach haben 67,5% aller Haushalte einen Wasseranschluss im Haus (ländlicher Raum: 35,6%), 8,7% teilen ihn sich mit Nachbarn oder haben einen öffentlichen Wasserhahn vor dem Haus. Aus Flüssen oder Bächen beziehen 15,1% der peruanischen Haushalte ihr Wasser (ländlicher Raum: 47,8%), aus einem Brunnen 3,4% (ländlicher Raum: 8,5%) und 1,8% per Tankwagen.

    93,3% aller peruanischen Haushalte hat nach INEI-Angaben Zugang zu aufbereitetem Wasser – das in vielen Fällen allerdings keine Trinkwasserqualität hat. Auch hier lässt sich ein Stadt-Land-Gefälle feststellen: Während in den Städten insgesamt 97% Zugang zu aufbereitetem Wasser haben, liegt der Prozentsatz der Haushalte im ländlichen Raum lediglich bei 85,1%. Besonders schlecht ist übrigens die Lage in den peruanischen Urwaldregionen. Hier haben lediglich 79,5% der Haushalte Zugang zu aufbereitetem Wasser.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Peru: Regierung schnürt Gesetzespaket gegen illegalen Bergbau

    Eine Reihe von Gesetzen zur effektiveren Bekämpfung des illegalen Bergbaus bereitet derzeit die peruanische Regierung vor. Insbesondere das Umwelt-, Arbeits- und Innenministerium planen, den Rechtsrahmen zu erneuern und so den Kampf gegen die Verschmutzung von Flüssen, den Transport illegaler Chemikalien, sowie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu erleichtern. Rund um den illegalen Bergbau hat sich in Peru eine Schattenwirtschaft entwickelt, die nach Ansicht der peruanischen Regierung pro Jahr rund eine Milliarde US-$ umsetzt, dabei aber weder Steuern abführt, noch Arbeits- oder Umweltrecht beachtet. Im vergangenen Dezember hatte der peruanische Kongress der Regierung bis Ende April das Recht eingeräumt, an den Parlamentariern vorbei Gesetze zu erlassen, um den Rechtsrahmen entsprechend anzupassen.

    Im Umweltbereich ist geplant, die stockenden Raumordnungsverfahren fortzuführen, um beispielswese Gebiete ausweisen zu können, in denen Bergbau generell verboten wird. Zudem werden Wiederaufforstungsprojekte für vom illegalen Bergbau zerstörte Wälder geplant.

    Das Innenministerium arbeitet derweil an einer Reihe von Vorschriften, die Beschlagnahme und Zerstörung von Geräten und Chemikalien ermöglichen sollen, die für den illegalen Bergbau genutzt werden. Das beinhaltet beispielsweise die Zerstörung von Schwimmbaggern und Goldwaschanlagen. Mehrere Großoffensiven zur Zerstörung solcher Anlagen mussten in den vergangenen Monaten wiederholt gestoppt werden, weil die Rechtsgrundlage nicht immer klar war. Zudem soll die Polizei künftig bei Umweltdelikten und bei Ausbeutung jeder Art früher einschreiten. Auch das Geldwäschegesetz soll verschärft werden.

    Das Arbeitsministerium beschäftigt sich mit den sozialen Folgen des härteren Vorgehens gegen illegale Goldwäscher. So plant das Ministerium, diverse Beschäftigungsprogramme aufzulegen, um den Umstieg in den legalen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Zunächst soll dafür eine Koordinationsstelle eingerichtet werden. Im informellen Bergbausektor sind nach Regierungsschätzungen rund 100.000 Menschen beschäftigt.

    Das Landwirtschaftsministerium plant, die Wasserbehörde ANA (Autoridad Nacional de Agua) zu stärken.

    In fast allen Regionen Perus wird illegal nach Gold und anderen Mineralien geschürft, am stärksten betroffen sind allerdings die Regionen Madre de Dios, Puno, Piura, Arequipa, Cusco, Lima, La Libertad und Apurímac. Auch im Norden der der Region Amazonas haben sich in den vergangenen Monaten, wie die Wasserbehörde Bagua Grande gegenüber INFOAMAZONAS bestätigte, zahlreiche informelle Goldwäscher niedergelassen.

  • Durchbruch am Olmos-Tunnel

    Im Beisein des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala haben die Arbeiter des Olmos-Tinajones-Bewässerungsprojektes kurz vor Weihnachten das letzte fehlende Stück Andengebirge durchbrochen und so den Weg für das Wasser frei gemacht, das schon bald große Wüstenflächen der nordwestperuanischen Region Lambayeque urbar machen soll. Wenn der Tunnel von fast 20 Kilometern Länge ausgebaut ist, soll er einen Teil des Wassers des Huancabamba-Flusses von der dem Amazonasbecken zugewandten Anden-Ostseite unter dem Gebirge hindurchleiten und damit Landwirtschaft im großen Stil ermöglichen, vor allem für Agrarexporte. Auf beiden Seiten des Tunnels warteten gespannt Mitarbeiter des Olmos-Tinajones-Projekts gemeinsam mit zahlreichen Regionalpolitikern. Dem Regionalpräsidenten von Lambayeque, Humberto Acuña, wurde symbolisch ein Gefäß mit Wasser aus dem Huancabamba-Fluss überreicht.

    Die Planungen für das Projekt begannen bereits vor rund 80 Jahren, inzwischen wurde mit „Alto Piura“ bereits ein zweites, ähnliches Tunnelprojekt begonnen. Neben dem Tunnel wurde ein gigantischer Staudamm errichtet, der für einen gleichmäßigen Wasserzufluss sorgen soll. Die Bewässerungsanlagen in der Küstenregion sind derweil noch im Aufbau. Nach Ansicht der Regionalregierung bedeutet das Projekt für die Region Lambayeque einen „großen Sprung nach vorn“. Es wird die Entstehung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen erwartet.

    Während das Olmos-Tinajones-Projekt in Lambayeque grundsätzlich positiv gesehen wird, regt sich Kritik an der Vergabe der Flächen, die durch das Wasser urbar gemacht werden sollen. Insbesondere bisherige Anwohner, sowie kleinere Agrarunternehmer beklagten sich über die extrem hohen Mindestgebote bei der Versteigerung der Flächen und die Aufteilung in sehr große Einheiten. Nur wenige Großunternehmen haben im Endeffekt den Zuschlag erhalten. So erhielten in der ersten Versteigerungsrunde Mitte Dezember 10 Unternehmen für den Preis von 102 Millionen US-$ den Zuschlag zur Nutzung von 19.900.000 Hektar. Die zweite Versteigerungsrunde wird in den kommenden Tagen beginnen. Federführend bei der Durchführung des Olmos-Projektes ist der in Peru sehr einflussreiche brasilianische (u.a.) Baukonzern Odebrecht.

  • Trotz vorläufigem Stopp: Proteste gegen Bergbauprojekt „Conga“ gehen weiter

    Die Protestaktionen gegen das Bergbauprojekt Conga gehen in der Provinz Celendín (Region Cajamarca) auch nach der Ankündigung des Unternehmens Yanacocha, das Projekt vorläufig auf Eis zu legen, weiter. Der vorläufige Stopp habe an der Situation „nichts geändert, so Wilfredo Saavedra, einer der Anführer der Proteste, gegenüber dem Nachrichtensender RPP. Die Demonstranten fordern, dem „Conga“-Projekt, in dessen Rahmen Gold gefördert werden soll, endgültig die Genehmigung zu entziehen. Sie fürchten irreversible Beeinträchtigungen für die Umwelt, insbesondere Wasserverminderung und -verschmutzung.

    Seit nun 7 Tagen kommt es in verschiedenen Teilen der Region Cajamarca zu Protesten. Mehrere Straßen sind blockiert. Nicht nur der Personen-, auch der Nahrungsmitteltransport wird dadurch erschwert, lokale Medien sprechen bereits von steigenden Preisen und leeren Regalen. Der Flughafen stellte vorrübergehend seinen normalen Flugbetrieb ein, lediglich eine Reihe von Flugzeugen der Luftwaffe konnten starten und landen, in denen sowohl militärisches Personal, als auch Zivilisten mit dringenden Reisegründen transportiert wurde.

    Auch die peruanische Bischofskonferenz forderte die Demonstranten auf, ihre Proteste beizulegen. Alle Möglichkeiten, einen gerechten, ausgeglichen, konstruktiven und tolleranten Dialog in einer Kultur des Friedens zu ermöglichen müssten ausgeschöpft werden, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Mons. Miguel Cabrejos Vidarte. Zudem forderte er Bevölkerung und Sicherheitskräfte auf, auf Gewalt zu verzichten.

  • Peru: höhere Wasserpreise für Stadt- und Provinzverwaltungen angekündigt

    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP
    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP

    Die peruanische Trinkwasseraufsichtsbehörde SUNASS plant, Distrikt- und Provinzverwaltungen die Subventionen zur Trinkwassernutzung von zu kürzen. Das würde einen starken Anstieg der Wasserpreise für diese Stellen nach sich ziehen. Grund der SUNASS-Pläne ist der großflächige Einsatz von Trinkwasser zur Bewässerung von öffentlichen Grünanlagen, insbesondere in Wüstenregionen der peruanischen Küste. Nach Informationen der Behörde setzen derzeit trotz chronischem Wassermangel alle Distrikt- und Provinzverwaltungen der peruanischen Hauptstadt Lima Trinkwasser zur Bewässerung ein, obwohl dies auch mit geklärten Abwässern möglich wäre.

    Das Problem liegt dabei allerdings nicht nur darin, dass die Stadtgärtner keine geklärten Abwässer einsetzen möchten, sondern vor allem in einem Mangel an Kläranlagen. Große Teile der limenischen Abwässer fließen ungeklärt in den Pazifik. Mit der Androhung höherer Wasserpreise möchte SUNASS deshalb auch Druck auf die örtlichen Politiker aufbauen, mehr Klärwerke zu bauen. Daneben fordert SUNASS, auf effizientere Bewässerungsmethoden umzusteigen.

    Kritik aus San Isidro und Pueblo Libre
    In einer ersten Stellungnahme kritisierten die Bürgermeister von San Isidro und Pueblo Libre den Plan. So sieht Magdalena de Monzarz Stier, seit wenigen Tagen Bürgermeisterin des Geschäftsviertels San Isidro, die Anstrengungen ihrer Distriktverwaltung nicht ausreichend gewürdigt, die bereits geklärte Abwässer zur Bewässerung ihrer Grünanlagen einsetzt. Der Bürgermeister von Pueblo Libre, Rafael Santos Normand, erklärte, er erwarte von der SUNASS einen Dialog mit den betroffenen Distrikten. Zudem sei auch in seinem Distrikt der Bau einer Kläranlage schon vor einiger Zeit angeregt worden, allerdings habe der „fehlende politische Willen der Zuständigen bislang die Ausführung behindert“. In einem Punkt herrscht aber Einigkeit: In der Notwendigkeit, künftig mit geklärtem Wasser zu gießen.

  • Loreto protestiert gegen Olmos-Projekt

    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA

    Wenige Tage vor dem Ablauf seiner Amtszeit hat der ehemalige peruanische Präsident Alan García Ende Juli noch per Dekret das Olmos-Tinajones-Projekt, durch das Wasser von der Ostseite der Anden die Andenwestseite Urbar machen soll, zu einem Staatsziel erklärt und damit in der Region Loreto eine Protestlawine losgetreten. In seltener Einigkeit wehren sich Regionalregierung, Kirchen, Uweltaktivisten und Kongressabgeordnete gegen den von ihnen befürchteten Eingriff in das „ökologische Gleichgewicht“. Regionalpräsident Iván Vásquez Valera fordert in einer Stellungnahme, das Dekret sofort zurück zu nehmen. Es gefährte das tropische Ökosystem und damit auch die Wirtschaft nicht nur Loretos, sondern aller [amazonischen] Regenwaldregionen, so Vásquez Valera. Gleichzeitig rufen zahlreiche Umweltgruppen für den 19. August zu einer Demonstration auf, um gegen das Dekret der García-Regierung, sowie gegen das Olmos-Projekt überhaupt zu protestieren.

    Das Olmos-Tinajones-Projekt besteht aus einem Staudaum („el Limón“), der den Huancabamba-Fluss aufstaut, um einen Teil des Wassers durch einen Tunnel („trasvase“) in die dem Pazifik zugewandte nordperuanische Wüstenregion zu leiten und dort landwirtschaftliche Großprojekte zu initiieren. Noch etwas weiter nördlich, in der Region Piura, ist ein ähnliches Projekt geplant.

    Während der Regierungszeit von Alan García kam es häufig zu sozialen Konflikten mit zahlreichen Toten, da wichtige wirtschafts- und sozialpolitische Entscheidungen ohne breite Diskussion und ohne Konsultation der Betroffenen per Dekret entschieden wurden.

  • Perus Umweltminister Brack sieht Olmos- und Alto Piura-Wasserprojekte in Gefahr

    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
    Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA

    Der peruanische Umweltminister Antonio Brack Egg hat bei einem Besuch in der nordperuanischen Stadt Piura davor gewarnt, dass das Wasser des Huancabamba-Flusses für die Projekte Olmos und Alto Piura nicht ausreichen könnte. Das berichtet die Tageszeitung „La República“. Beide Projekte sehen vor, Wasser des Huancabambaflusses von der dem Atlantik zugewandten Ostseite des Andengebirges durch gigantische Tunnel unter den Bergen hindurch zur Bewässerung von Wüstengebieten an der peruanischen Küste westlich der Anden zu leiten. Die Wassermenge gehe zurück und werde weiter zurückgehen, so Brack, da die Quellregion weitgehend entwaldet sei und weiter entwalded werde. Deshalb müsse man eine „aggresive Wiederaufforstung“ betreiben oder einen weiteren Tunnel von San Ignacio (Region Cajamarca) aus dem Schutzgebiet Namballe graben.

    Während das Olmos-Projekt bereits weit fortgeschritten ist, steht das „Alto Piura“-Projekt noch in der Planungsphase.