Schlagwort: Coca

  • Wie der peruanische Staat seine Präsenz in der Fläche vorantreiben möchte

    Peru, mit einer Fläche, die fast dreieinhalb Mal die Bundesrepublik Deutschland fassen würde, hat ein Problem: Viele Sozialprogramme und Dienstleistungen des Staates sind für die Ärmsten der Armen gedacht, kommen aber in besonders armen, abgelegenen Regionen überhaupt nicht an.

    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.
    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.

    Das erschwert die Arbeit, lohnt es sich doch für alte Menschen in manchen Landesteilen kaum, beispielsweise die Armengrundrente „Pensión 65“ zu beantragen. Denn: Diese beträgt zwar 125 Nuevos Soles pro Monat – wird aber bislang nur über die Filialen der Nationalbank (Banco de la Nación) ausgezahlt. In manchen Orten, beispielsweise Chapiza am Río Santiago, einem Zufluss des Marañón in der nordperuanischen Provinz Condorcanqui (Region Amazonas) nahe der Grenze zum Nachbarland Ecuador, kostet die Reise zur nächstgelegenen Filiale in der Provinzhauptstadt Santa María de Nieva mehrere hundert Soles. Ähnlich verhält es sich mit anderen Sozialprogrammen – und das, obwohl Condorcanqui die mit Abstand ärmste Provinz der Region ist.

    Staat überzeugt bislang nicht

    Ermittlungsarbeit bislang nur mit Maulesel: Polizeiposten Cocabamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Ermittlungsarbeit nur mit dem Maultier: Polizeiposten Cocabamba (Provinz Luya / Region Amazonas). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Gleichzeitig siedeln sich in diversen Teilen Condorcanquis Goldschürfer an, um die Ufer des Marañón und seine Seitenarme illegal auf der Suche nach dem Edelmetall umzugraben. Die peruanische Regierung hat in den vergangenen Jahren ihr Vorgehen gegen den illegalen Bergbau verschärft und möchte erreichen, dass die Goldwäscher, zumindest grundlegende Umweltstandards einhalten und Steuern abführen.

    Doch, wie so häufig im von informellem Wirtschaftstreiben sehr geprägten Peru, ist es nicht einfach, Menschen dafür zu begeistern und davon zu überzeugen. Denn: Vielerorts ist der Staat höchstens marginal präsent, im besten Fall durch gewählte Bürgermeisterinnen, Lehrer oder Gesundheitspersonal. Die -nicht nur- wegen ihrer geringen Mitarbeiterzahl chronisch überforderte peruanische Polizei kann in zahlreichen großen und schwierig zugänglichen Regionen lediglich stichprobenartige Einsätze organisieren, weil ihr für mehr die Mittel, die Ausrüstung und die Infrastruktur fehlen.

    Coca-Bauern bislang ohne legale Alternative

    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Auch staatliche Fördermittel für den Hausbau oder die Grundbucheintragung von Häusern und Grundstücken können in vielen Regionen wegen fehlenden Wissens über deren Existenz und der großen Entfernung zu den Dienststellen der staatlichen Programme nicht abgerufen werden*. Ein Beispiel dafür ist die Region um Monzón (Provinz Huamalies / Region Huánuco), in der vor wenigen Tagen Perus Anti-Drogen-Zarin Carmen Masías (DEVIDA) öffentlichkeitswirksam erklärte, der Staat sei zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in der „Coca-Bastion“ präsent. Die Gegend ist in Peru bekannt für die Coca-Produktion für die Herstellung von Kokain und ging im vergangenen Jahr wegen der spektakulären Festnahme eines seit Jahrzehnten gesuchten Terroristen, sowie ihm angeblich nahestehender Cocabauern-Verbandsführer durch die Presse. Auch deshalb steht sie seit Jahren im Zentrum von vor allem durch die USA finanzierten Coca-Vernichtungsaktionen.

    Jede der vergangenen Regierungen in Lima hatte die Coca-Bauern dazu aufgerufen, die Coca-Pflanzungen zu Gunsten legaler Produkte aufzugeben und sich somit in den formellen Wirtschaftskreislauf einzuklinken. Aber der Anreiz dafür war gering: das Tal liegt -obwohl an einer Nationalstraße (14A) gelegen-  fernab attraktiver Märkte, Polizei und Vertreter von Sozial- und Agrarförderprogrammen hatten keine festen Büros vor Ort. Wenn der Staat in Form der Antidrogenpolizei auftauchte, führte das zu brutalen Konflikten, bei denen in den vergangenen Jahren mehrere Cocabauern-Vertreter getötet wurden. Die legale Wirtschaft und der Staat boten – und bieten teils noch immer – keine gangbare Alternative.

    Mit „Tambos“ in die Fläche

    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.
    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.

    Das soll sich nach Plänen der derzeitigen Regierung in den kommenden Jahren ändern. Nicht nur, dass der Bau eines Polizeipostens in Monzón bereits geplant ist. Vielmehr wurde ein Programm („Servicio de Apoyo al Hábitat Rural“) aufgelegt, das nach mythologischen Inka-Verwaltungszentren und -herbergen „Tambos“ benannt wurde. Im Rahmen des Programms werden in besonders abgelegenen Regionen im Einheitsdesign kleine Verwaltungszentren gebaut, die insbesondere Dienstleistungen der Nationalregierung, Fortbildungen, aber auch Finanzdienstleistungen der Nationalbank anbieten sollen. Seither sieht man Perus Präsident Humala, der 2013 zum „Jahr der Investitionen für die ländliche Entwicklung und die Ernährungssicherheit“ erklärt hat, mindestens einmal pro Woche einen solchen „Tambo“ einweihen.

    VRAEM: mit „Tambos“ gegen den Narcoterror?

    Eine Reihe solcher Gebäude wird derzeit auch in den Tälern der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (kurz: VRAEM) errichtet, die andere prominente peruanische „Coca-Bastion“ neben dem Gebiet um die Flüsse Monzón und Huallaga. Das Kalkül dahinter: Einem dort im Bund mit der Drogenmafia agierenden Arm der Terrororganisation „Sendero Luminoso“ durch Unterstützung der Bevölkerung den Boden zu entziehen. Bisher war auch im VRAEM der peruanische Staat nur marginal präsent. Und dort, wo staatliche Einrichtungen vorhanden waren, ließ sich häufig kein Personal finden. Zu groß war die Angst vor dem Terror. Zu recht: Immer wieder gab es Anschläge auf öffentliche Einrichtungen, selbst Gesundheitzentren waren davor nicht sicher. Ob sich das mit dem „Tambo“-Bau verändern wird, muss sich noch zeigen.

    Erfolgreiche Strategie?

    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.
    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.

    Für Carmen Masías, Chefin der staatlichen Anti-Drogen-Behörde DEVIDA, ist das Engagement aber ein Zeichen dafür, dass „Niemandsland“ erobert wird, um der Bevölkerung zu helfen, aus der illegalen Coca-Wirtschaft herauszukommen. Auch wenn diese Sichtweise wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist, gibt es erste Anzeichen, dass die Strategie zumindest mancherorts aufgeht: Zum ersten Mal gibt es seit kurzem im genannten Monzón-Tal keinen nennenswerten Widerstand mehr gegen die Coca-Vernichtungsarbeiten der Polizei, die erstmals vom peruanischen Staat mitfinanziert werden. Und auch zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Umland von Monzón, bisher stets im Kreuzfeuer zwischen Coca-Bauern und Nationalregierung, verpflichteten sich, den Kampf gegen die Drogenmafia zu unterstützen.

    Kein Allheilmittel

    Bei dem ganzen Engagement in Krisenregionen darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass es auch Regionen gibt, in denen kein Konflikt herrscht, die aber dennoch einer größeren Nähe staatlicher Institutionen dringend bedürfen. Regionen wie die Umgebung von Chapiza, wo bislang allerdings noch kein „Tambo“ in Aussicht ist. Andernorts wurden derweil die ersten eingeweiht: In Belén (Provinz Maynas / Region Loreto) und Chivay (Provinz Caylloma / Region Arequipa), bis 2016 will die peruanische Regierung insgesamt 500 Stück errichtet haben. Gleichzeitig sind die „Tambos“ kein Allheilmittel, Bürgerinnen und Bürgern dazu zu bringen, dem Staat zu vertrauen**. Aber die Einsicht, dass etwas kürzere Wege den Zugang zu seinen Dienstleistungen vereinfachen können, war ein wichtiger Schritt.

    * Es sei darauf hingewiesen, dass in der peruanischen Presse zudem häufig noch auf den Faktor „Korruption“ hingewiesen wird.
    ** In der peruanischen, wie auch in der deutschen Presse ist immer wieder davon zu lesen, der peruanische Staat müsse „Vertrauen zurück gewinnen“. Die Frage ist allerdings, ob ihm -insbesondere in abgelegenen Regionen- jemals Vertrauen entgegen gebracht wurde.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen zum Thema VRAEM finden Sie in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“

  • Huamalíes / Huánuco: Antidrogenpolizei beschlagnahmt über 6 Tonnen Kokain-Grundstoffe

    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Ein Schlag gegen die Drogenmafia gelang gestern der peruanischen Antidrogenpolizei im Distrikt Monzón (Prov. Huamalíes / Region Huánuco). Die Beamten hatten, wie Enlace Nacional berichtet, im 185-Einwohner-Ort Matapalo, nordwestlich von Tingo María, drei Gebäude aufgespürt, in denen nicht nur 4,3 Tonnen Blätter des Coca-Strauchs, sondern auch mehr als 2 Tonnen Chemikalien zur Produktion des Rauschgifts Kokain gelagert wurden. Zwei der mutmaßlichen Drogenproduzenten konnten festgenommen werden. Neben den Coca-Blättern und Chemikalien wurde auch eine Pumpe beschlagnahmt, die im Produktionsprozess eingesetzt worden war. Die Polizei war mit vier Hubschraubern im Einsatz.

    Die Cocablätter, sowie mehrere Plastikbecken, die zur Produktion des Kokain-Grundstoffes „pasta básica“ genutzt werden, wurden eingeäschert.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=LMnSPYEnr3w

    Der Distrikt Monzón

    Der Distrikt mit seinen 18.751 Einwohnern (Stand: 2007) liegt in der Provinz Huamalíes, die wiederum Teil der Region Huánuco in Peru bildet. Die Provinzhauptstadt Monzón liegt 1.108 Meter über dem Meeresspiegel. Nach Angaben des peruanischen Statistik- und Informatikinstitutes INEI haben 46,8% der Haushalte im Distrikt Monzón weder einen Abwasser-, noch Wasser-, noch einen Stromanschluss.

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  • Peru: Regierung prüft finanzielle Unterstützung von Kokabauern, die umschulen

    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Die peruanische Regierung prüft derzeit, ob Kokabauern in Zukunft direkt Geld bekommen, wenn sie auf andere Agrarprodukte umsteigen. Derzeit seien Experten der Antidrogenbehörde DEVIDA dabei, durchzurechnen, was es kosten würde, Kokabauern über drei oder vier Jahre finanzell zu unterstützen, wenn sie beispielsweise auf Kakao oder Kaffee umsteigen, so Premierminister Salomón Lerner. Diese Zeit ist nötig, um den Zeitraum zu überbrücken, bis die Kakao- und Kaffeepflanzen erstmals Früchte tragen. Dafür, so Lerner weiter, könne man die gewaltsame Vernichtung illegaler Coca-Pflanzungen zurückfahren. Zunächst soll diese Anti-Drogen-Strategie auf einer Fläche zwischen 1.000 und 1.500 Hektar in den Tälern der Flüsse Apurímac und Éne (VRAE) ausprobiert werden, einem der peruanischen Haupt-Coca-Anbaugebiete, in dem rund 350.000 Menschen leben.

    Premier Salomon Lerner Ghitis. Foto: Carlos Lezama / ANDINA
    Premier Salomon Lerner Ghitis. Foto: Carlos Lezama / ANDINA

    Die Blätter der Coca-Pflanze sind Grundstoff für die Produktion des Rauschgifts Kokain. Für Premierminister Lerner ist die Coca-Vernichtungspolitik während der vergangenen 20 Jahre weitgehend gescheitert. Wie die Tageszeitung „Diario16“ berichtet, setzt DEVIDA-Chef Soberón vor allem auf die Förderung der Umstellung der Kokabauern auf andere Agrarprodukte. Zudem soll die Wirtschaft des VRAE durch den Bau eines Mega-Wasserkraftwerks angekurbelt werden.

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  • Ucayali: Coca-Bauern beenden Streik

    Nach einer vorläufigen Einigung mit der peruanischen Regierung haben die Coca-Bauern, die in den vergangenen Tagen die Federico Basadre-Fernstraße in Ucayali besetzt hielten, ihren Streik ausgesetzt. Die Coca-Bauern hatten von der Regierung gefordert, die Vernichtung von Coca-Pflanzungen zu stoppen und alle Coca-Bauern offiziell zu registrieren. Die nun erreichte Einigung sieht vor, dass nur die Felder zerstört werden, deren Besitzer nicht den Nachweis erbringen können, ihre Ernte an den staatlichen Coca-Monopolisten ENACO zu verkaufen.

    Die Einigung ist aber, so Serafín Andrés Luján, Generalsekretär der Coca-Bauernorganisation CONPACCP, an Bedingungen geknüpft und kündigte an, man werde den Streik fortführen, wenn die Regierung nicht innerhalb von 15 Tagen mit der Durchführung der Beschlüsse beginne. Der CONPACCP-Generalsekretär erklärte zudem,  seine Organisation fordere eine Rechnungsprüfung, in der untersucht werden soll, ob die Antidrogenbehörde DEVIDA Projektgelder aus dem Ausland während der vergangenen 20 Jahre ordnungsgemäß eingesetzt hat. Gegenüber der Tageszeitung „La República“ sagte Andrés Luján,  „Diese Mittel waren für die (zu Coca-Pflanzungen) alternative Entwicklung bestimmt und wir möchten wissen, wie sie ausgegeben wurden“.

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  • Ollantas Feuerprobe: Streikende Coca-Bauern blockieren Fernstraße in Ucayali

    Es könnte die erste Krise der neuen peruanischen Regierung werden: In der ostperuanischen Regenwaldregion Ucayali haben streikende Coca-Bauern im Protest gegen die Fortführung der Vernichtung illegaler Coca-Pflanzungen die Federico-Basadre Fernstraße besetzt. Sie fordern, die Coca-Vernichtung auszusetzen. Die Vernichtung der illegal angebauten Coca-Sträucher, deren Blätter vor allem zur Produktion des Rauschgifts Kokain verwendet werden, ist Teil der Anti-Drogen-Strategie der aktuellen peruanischen Regierung. Verhandlungen zwischen der Regierung und Abgesandten der Coca-Bauern blieben bislang erfolglos. Ricardo Soberón, Chef der Antidrogenbehörde DEVIDA drohte, die Verhandlungen platzen zu lassen, sollten die Straßenblockaden nicht aufgelöst werden.

    Besonders betroffen von der Straßenblockade sind die Großstädte Tingo María und Pucallpa in der Region Ucayali. Aber auch Teile der Nachbarregionen San Martín, Huánuco und Loreto bekommen die Folgen des Streiks zu spüren. Nach Angaben der Regionalregierung Ucayali treiben vielerorts Nahrungsmittelspekulanten die Preise für frische Lebensmittel in die Höhe, da Frischware die Fernstraße nur begrenzt passieren kann. Die Landwirte in den betroffenen Regionen können ihre Produkte nicht mehr weiterverkaufen.

    Die Coca-Bauern fordern derweil nicht nur das Ende der Cocastrauch-Vernichtung, sondern auch, offiziell registriert zu werden und dann legal weiter arbeiten zu können. Mit dieser Forderung sind sie gar nicht weit von DEVIDA-Chef Soberón entfernt. Die Initiatoren des Streiks kommen vor allem aus der Umgebung von Aguaytía (Provinz Padre Abad, Region Ucayali). Erst kürzlich hatte die peruanische Polizei dort mehr als 30 große Becken und mehrere rustikale Labors zerstört, die zur Produktion des Kokain-Grundstoffs „Pasta Básica“ verwendet wurden.

    Notstand in Leoncio Prado, Tocache und Padre Abad 

    Präsident Ollanta Humala hat für die Provinzen Leoncio Prado (Region Huánuco), Tocache (Region San Martín) und Padre Abad (Region Ucayali) den Notstand ausgerufen. Innenminister Oscar Valdés kündigte an, man werde zur Lösung der Situation (Straßenblockade) jede Art staatlicher Autorität einsetzen. Offiziell begründet wird der Notstand allerdings nicht nur mit den Coca-Protesten, sondern mit „anhaltenden Umtrieben der Terrororganisation ‚Leuchtender Pfad’“.

    Auch die vergangenen Regierungen Perus hatten auf die Vernichtung der Pflanzen gesetzt. Die jetzige plant aber, die Bekämpfungsstrategie insbesondere durch stärkere Chemikalienkontrolle und Geldwäschefahndung zu verbreitern. Besondere Brisanz erhält der derzeitige Konflikt auch dadurch, dass mehrere Abgeordnete der Präsidentenpartei Bewegungen von Coca-Bauern nahestehen oder angehören.

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  • Premierminister Lerner Ghitis: Coca-Strauch-Vernichtung wird fortgesetzt

    Perus Premier Salomon Lerner Ghitis vor dem Parlament: Foto: Carlos Lezama / ANDINA
    Perus Premier Salomon Lerner Ghitis vor dem Parlament: Foto: Carlos Lezama / ANDINA

    Der peruanische Premierminister Salomon Lerner Ghitis hat gestern in seiner Erklärung vor dem Parlament klar gestellt, dass die Vernichtung illegaler Coca-Pflanzungen durch Polizei und Militär Teil der Strategie der derzeitigen Regierung ist. Man werde keine einzige Droge legalisieren, illegale Coca-Anbauflächen und deren Zunahme nicht dulden und mit der Vernichtung von Coca-Pflanzen fortfahren, so Lerner Ghitis. Coca ist einer der Grundstoffe für die Herstellung des Rauschgifts Kokain.

    Gleichzeitig stellte Lerner Ghitis aber klar, die Coca-Vernichtung sei nicht die einzige Strategie der Regierung. So lobte der Premierminister auch das Modell der Region San Martín, in der die illegalen Coca-Pflanzungen durch die Förderung alternativer landwirtschaftlicher Produkte stark gesenkt werden konnten und kündigte an, dieses Modell auch auf andere Regionen ausweiten zu wollen. Hinzu kommen solle dann noch eine stärkere Kontrolle von Chemikalien, die zur Drogenproduktion genutzt werden und die bessere Ausrüstung der Antidrogenpolizei.

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  • Innenminister Valdés verkündet Wiederaufnahme der Coca-Vernichtung für Dienstag und fordert Fujimori-Verlegung

    Am kommenden Dienstag werden die Spezialeinheiten der peruanischen Polizei die Vernichtung illegaler Coca-Pflanzungen im oberen Huallaga-Tal wieder aufnehmen im oberen Huallaga-Tal. Das erklärte Innenminister Oscar Valdés in einem Interview mit der Tageszeitung „El Comercio“. An anderer Stelle versprach Valdés, den Kampf gegen die Drogenmafia zu verschärfen.

    Zudem sprach er sich dafür aus, den peruanischen Ex-Diktator Alberto Fujimori in ein normales Gefängnis zu verlegen. Es dürfe keine Privilegien geben, „und wenn er Präsident war, sollte die Strafe noch höher sein“, so Valdés. Alberto Fujimori sitzt derzeit wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einem eigenen ein, wo er sich nach peruanischen Medienberichten nicht nur als Künstler in verschiedenen Techniken versucht, sondern auch der Rosenzucht widmet.

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  • Padre Abad / Ucayali: Coca-Produzenten blockieren Fernstraße

    PE 5N zwischen Tingo María und Aguaytía. Karte: MTC.
    PE 5N zwischen Tingo María und Aguaytía. Karte: MTC.

    Eine Gruppe von Coca-Produzenten aus der Provinz Padre Abad (Region Ucayali) hat die ostperuanische Federico Basadre-Fernstraße zwischen Tingo María (Region Huánuco) und Aguaytía blockiert. Das berichtet der Radiosenderverbund CNR. Zuvor hatten verschiedene Organisationen von Coca-Produzenten zu Protesten gegen die Arbeit des CORAH-Projektes aufgerufen, dessen Mitarbeiter großflächig Coca-Anpflanzungen zerstören. CORAH ist eine Behörde des peruanischen Innenministeriums zur Kontrolle und Verringerung des Coca-Anbaus.

    Allein das staatliche Coca-Unternehmen ENACO darf mit Coca handeln, nur mit ENACO-Lizenz ist der Coca-Anbau legal. Nach Angaben der CNR haben sich auf beiden Seiten der Straßensperre hunderte Fahrzeuge aufgestaut, die eigentlich Ucayali, Huánuco oder die Region San Martín anfahren wollten. Ein Ende der Proteste ist bislang nicht in Sicht.

    Coca ist nicht nur eine rituelle Pflanze und ein traditionelles Heilmittel in den Anden, sondern auch Grundstoff für die Herstellung der Droge Kokain. Nach Einschätzung von Experten geht das Gros der Cocaproduktion in der Umgebung von Aguaytía in die Drogenproduktion. Während der Polizeiaktivitäten der vergangenen Tage wurden im direkten Umfeld der Stadt fünf illegale Drogenlabore entdeckt.

    Coca-Produzent stirbt bei Zusammenstößen mit der Polizei

    Wie der Nachrichtensender RPP berichtet, kam bei Aguaytía ein 39jähriger Coca-Produzent ums Leben, der gemeinsam mit Kollegen mit Gewalt versucht haben soll, die Polizei von der Zerstörung ihrer Coca-Felder abzuhalten. Zwei weitere Personen haben Schussverletzungen.

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  • Das (nicht nur) peruanische Coca-Problem

    Die Blätter des Coca-Strauches wurden von zahlreichen und werden von einigen andinen Kulturen als etwas sakrales verwendet, in religiösen wie auch in weniger religiösen Zeremonien. Viele Familien schwören auf Coca-Tee oder Mate de Coca als Hausmittel gegen fast jede nur vorstellbare Krankheit. Wanderer, Pferde- und Touristenführer schwören auf Coca-Blätter, um nicht höhenkrank zu werden. Bei Gemeinschaftsarbeiten auf dem Land  geht eine Tüte mit den getrockneten Blättern im Kreis durch die Gruppe. Und wie man sich anderswo auf ein Bierchen in der Kneipe trifft, kann es auch ein „bola“ genanntes Coca-Bällchen in der Backe tun, dessen Wirkung durch etwas Kalk verstärkt wird.

    Das Problem: Ein großer -möglicherweise der größte – Teil des angebauten Cocas geht nicht in die Teeproduktion, wird nicht gegen Höhenangst, für religiöse Zeremonien oder als Bierersatz verwendet. Er wird in improvisierten Labors zu „Pasta Básica“ verarbeitet, was einen ersten Schritt zur Kokainproduktion darstellt. Darunter leiden dann nicht nur die Gesellschaften der Länder, in die das fertige Kokain dann „exportiert“ wird.

    Klein- und Großbauern an den östlichen Hängen der Anden produzieren Coca. Ein Teil davon wird von dem staatlichen peruanischen Cocamonopolisten ENACO aufgekauft – Coca, das dann z.B. zu Tee weiterverarbeitet wird. Ein weiterer Teil geht in den „privaten“ Gebrauch, wird vom Produzenten selbst oder – wie Organisationen wie der Verband der Cocabauern Perus richtigerweise erklären – auf „traditionelle Weise“ z.B. in Zeremonien religiösen Charakters konsumiert. Wo ENACO aber nicht aktiv und eine andere Einnahmequelle nicht vorhanden ist, kommen diese Bauern leider viel zu oft bewusst oder unbewusst in die Fänge der Drogenmafia. Diese ist technisch sehr modern aufgestellt und verfügt über eigene Kampfeinheiten, was in den vergangenen Monaten bei zahlreichen Angriffen auf Posten der peruanischen Polizei oder des Militärs in den Tälern der Flüsse Apurímac und Ene (VRAE) schmerzlich offensichtlich wurde. Erst gestern kam bei einem solchen Angriff auf eine Kaserne ein Soldat ums Leben. Vor wenigen Wochen hatten Kampfeinheiten der Drogenmafia einen Hubschrauber der peruanischen Armee abgeschossen, als dessen Besatzung verletzte Soldaten bergen wollte.

    Mehrere Radio- und Fernsehsender, die im VRAE angesiedelt sind haben deshalb nun eine Kampagne gestartet, die eine neue Debatte anfachen soll. „La hoja de Coca ahora es sagrada?“ Ist das Coca-Blatt noch heilig?

    In einem kurzen Video wird dargestellt, dass Coca auch schon von den Kolonialherren missbraucht wurde. So wurden Minen- oder Plantagenarbeiter angehalten, in großen Mengen Coca zu konsumieren – um anschließend noch härter arbeiten zu können, ohne sich dessen bewusst zu sein.

    Der kurze Film im CHACHABLOG soll der Beginn sein zu einer unregelmäßigen Serie von Beiträgen zur Coca- und Kokainproblematik in Peru, ein Problem, das in Peru schon mehrere Jahrzehnte debattiert und noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, auf der Tagesordnung bleiben wird.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=b–6pcs6-RQ

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