• Peru: Heiße Debatte über Erhöhung der Parlamentarierbezüge

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Die Diäten wurden nicht erhöht, aber die Spesen: In Peru tobt eine heftige Debatte über die Bezahlung der Abgeordneten des Kongresses. Kurz vor Weihnachten hatte die Mehrheit des Parlaments dafür gestimmt, die Mittel für Repräsentationszwecke -vor Steuern- von rund 7.000 Nuevos Soles auf rund 15.000 Nuevos Soles mehr als zu verdoppeln. Von diesem Geld müssen die Abgeordneten beispielsweise ihre Reisen in die und innerhalb ihrer Wahlkreise finanzieren – sowie die von ihnen dort erwarteten Geschenke kaufen. Kritiker aus allen Parteien, insbesondere aber Staatsangestellte und Beamten kritisierten die Erhöhung als Unverhältnismäßig. Erst vor wenigen Monaten waren auch Lehrern, Polizisten und Ärzten die Gehälter erhöht worden – in einigen Fällen war Erhöhung aber eher kosmetischer Art.

    Ministerin wegen doppelter Bezahlung in der Kritik

    Stühlerücken: der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Heute nun hat die Kongressführung die Erhöhung erneut unverändert bestätigt. Das kam in den Medien schlecht an, wo nicht nur die Erhöhung an sich kritisiert wird. So bekommen insbesondere die Abgeordneten der Hauptstadt Lima ihr Fett weg, deren Bezüge stiegen, obwohl sie sich vorwiegend in Lima selbst aufhalten. Auch einige Ministerinnen und Minister mussten harsche Kritik einstecken, insbesondere Frauenministerin Ana Jara, die neben den Diäten in Höhe von monatlich 15.000 Nuevos Soles, sowie den Spesen auch noch ein volles Ministergehalt einstreicht. Aufgrund des großen Drucks der vergangenen Tage erklärte die Ministerin inzwischen, Spesen in Höhe von 70.000 Nuevos Soles zurück zu zahlen.

    Kongressführung bislang zurückhaltend

    Wohl chancenlos: Yehude Simon. Foto: ANDINA
    Yehude Simon. Foto: ANDINA

    Die Maßnahme ist also äußerst unpopulär – und die Kongressführung machte bislang kaum Anstrengungen, sie zu begründen. Einige Abgeordnete gingen deshalb nun in die Offensive. So erklärte der Abgeordnete Yehude Simon, er sei zum Mitglied einer Untersuchungskommission ernannt worden, die Unregelmäßigkeiten in zwei Kommunalverwaltungen in der Region Cajamarca nachgehe. Dafür müsse er immer wieder für mehrere Tage dorthin reisen – und diese Reisen über den Spesentopf abrechnen, so Simon Munaro sinngemäß gegenüber der Tageszeitung „El Comercio“. Dennoch war der Abgeordnete einer der Ersten, der öffentlich erklärte, die Differenz zwischen dem bisherigen und dem neuen Betrag künftig an den Kongress zurück zu zahlen. Anders der Abgeordnete José Luna, der erklärte, wer gute Kongressabgeordnete wolle, müsse auch ausreichend dafür zahlen.

    Premier Jiménez forder Erklärung

    Juan Jiménez Mayor, Perus Premierminister. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.
    Premierminister Juan Jiménez. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.

    Nach mehreren Tagen Debatte mischte sich inzwischen auch Premierminister Juan Jiménez in die Debatte ein und forderte die Kongressführung auf, die Gründe für die Erhöhung genauer zu erklären – und erhöhte damit den Druck auf die Abgeordneten. Auf die Abgeordneten der Institution, die von Peruanerinnen und Peruanern als eine der korruptesten des Landes wahrgenommen wird. Als im vergangenen Jahr die NGO Proética für eine landesweite Studie nach der korruptesten Institution fragen ließ, nannten 56% der Befragten die Gerichtsbarkeit, 52% die Polizei – und 47%* den Kongress.

    * sieht man sich die Zahl genauer an, ist es noch schlimmer: 45% halten den Kongress für „sehr korrupt“, 41% für „etwas korrupt“ – zusammen 12% mehr als noch 2010.

  • Trotz Widerstand des Präsidenten: Peru verpflichtet Unternehmen zur Anstellung von Menschen mit Behinderung

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Der peruanische Kongress hatte es bereits im vergangenen Juni beschlossen, Präsident Ollanta Humala hatte sich dagegen ausgesprochen, nun kommt es dennoch: Die Parlamentsabgeordneten haben ein Gesetz* verabschiedet, das die Rechte von Menschen mit Behinderung ausweitet.

    So gilt beispielsweise für Privatunternehmen ab 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig eine Quote von 3%, bei öffentlichen Einrichtungen in Höhe von 5%. Zuvor hatte sich Präsident Humala die Meinung des Unternehmerverbandes CONFIEP zu Eigen gemacht, dessen Präsident Humberto Speziani behauptet, durch das Gesetz würden Unternehmer gezwungen, auf Kosten von Angestellten ohne Behinderung „künstlich Stellen zu schaffen“ – und das Gesetz deshalb nicht unterzeichnet. Nun verabschiedeten die Kongressabgeordneten den Gesetzestext ein zweites Mal, womit das Präsidenten-Veto übergangen wurde.

    Obwohl das Gesetz bereits in Kraft ist, müssen die Betroffenen wohl noch ein wenig warten. Denn: Der Kongress räumte der Regierung eine Frist von mehreren Monaten ein, um das Gesetz zu reglementieren. In diesem Reglement werden voraussichtlich auch Übergangsregelungen enthalten sein, die Unternehmen und Behörden eine langsame Umsetzung der Vorgaben erlauben.

    Die peruanische Down-Syndrom-Vereinigung kritisierte das Vorgehen von Präsident Humala scharf. Bei der Neuregelung handle es sich um von der internationalen Arbeitsorganisation OIT empfohlene Schritte, die Inklusion von Menschen mit anderen Fähigkeiten voranzutreiben, so die Vereinigung in einer Stellungnahme. Zudem fehle es an ausreichender Berufsausbildung der geschätzt rund drei Millionen Peruanerinnnen und Peruaner mit Behinderung, heißt es in der Pressemitteilung.

    Auch andere Bereiche neu geregelt

    Neben der Einführung der Quote deckt das Gesetz noch zahlreiche weitere Bereiche ab. So werden bestimmte Medienunternehmen für einzelne Programme verpflichtet, Simultanübersetzung in Gebärdensprache oder Untertitel anzubieten. Auch wird die Förderung des Behindertensports festgeschrieben.

    *Ley N° 29973, Ley General de la Persona con Discapacidad

  • Perus Regierung erklärt 2013 zum „Jahr der Investition in die ländliche Entwicklung und die Ernährungssicherheit“

    Der Satz wird das gesamte Jahr über fast alle staatlichen und sogar einige private Schriftstücke schmücken: Die peruanische Regierung hat das Jahr 2013 zum „Jahr der Investition in die ländliche Entwicklung und die Ernährungssicherheit“ erklärt. Wie aus dem von Präsident Ollanta Humala und Premier Juan Jiménez unterzeichneten Dekret 001-2013-2013-PCM hervorgeht, wurde der Satz gewählt, um das Ziel der Regierung zu unterstreichen, staatliche Dienstleistungen auch in abgelegenen Regionen anzubieten, sowie die Landwirtschaft zu fördern und „die landwirtschaftliche Wertschöpfung anzuregen“. Konkret werden dafür die Technisierung, die Marktöffnung, die Weiterbildung, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, sowie die Erhaltung traditioneller Anbautechniken und -früchten genannt.

  • Chachapoyas bekommt S/. 5 Millionen für den Bau einer Mülldeponie

    Die Pläne und die zahlreichen durchgeführten Bildungsprojekte haben offenbar überzeugt: Die Provinz Chachapoyas bekommt vom peruanischen Umweltministerium 5 Millionen Nuevos Soles, um damit den Bau der seit Jahrzehnten dringend benötigten Mülldeponie zu beginnen. Bürgermeister Diógenes Zavaleta Tenorio, der zur Unterschrift entsprechender Verträge im Rahmen eines Treffens mit Präsident Ollanta Humala und Umweltminister Pulgar Vidal nach Lima gereist war, erklärte, mit dem Projekt könne endlich die bisherige Müllkippe an der Straße von Chachapoyas nach Rodríguez de Mendoza stillgelegt werden. Dort wird bis heute der Großteil des Mülls von Chachapoyas einfach einen Hang hinuntergekippt, wo er teils von Geiern gefressen und teils verbrannt wird – der Rest fällt in den Sonche-Fluss. Eine Gefahr nicht nur für Dörfer und Städte, die aus dem Sonche – oder, Flussabwärts aus dem Utcubamba – ihr Trinkwasser beziehen, sondern auch für die städtischen Angestellten. Erst vor wenigen Monaten starb ein Müllwagenfahrer, als sein Fahrzeug beim Müllabladen den Hang hinabstürzte.

    Seit Jahren schon wird an der Mülldeponie geplant, auch ein Grundstück steht – im Distrikt Huancas – bereits zur Verfügung. Auch mahnten die Teilnehmer der Bürgerhaushalte den Bau der Deponie seit Jahren immer wieder an – bislang fehlte aber das Geld. Wann nun mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, ist noch nicht bekannt.

  • Überschwemmungen in Moyobamba (San Martín): Drei Personen vermisst

    Starke Regenfälle haben Mitte der Woche in der peruanischen Provinz Moyobamba (Region San Martín) mehrere Bäche und Flüsse über die Ufer treten lassen. Dutzende Häuser wurden zerstört, drei Personen starben offenbar in den Fluten. Auch in der Nachbarprovinz Rioja kam es zu Schäden.

    Am Mittwoch trat in den frühen Morgenstunden der Tonchima-Fluss über die Ufer. Betroffen waren offenbar zunächst die Ortschaften La Libertad und Nueva Tabalosos im Distrikt Yorongos, wo mehrere Häuser einstürzten. Helfer des peruanischen Zivilschutzes sind rund um die Uhr im Einsatz.

  • Bongará / Amazonas: Aserradero-Brücke wird wieder aufgebaut

    Die durch mehrere Erdrutsche zerstörte Hängebrücke über den Utcubamba-Fluss bei der Ortschaft Aserradero (Distrikt Jamalca / Provinz Bongará / Region Amazonas) soll wieder aufgebaut werden. Wie die Regionalregierung mitteilt, wird der Bau mehr als eine Million Nuevos Soles kosten. Die Bauarbeiten sollen innerhalb von 180 Tagen abgeschlossen werden.

    Seit dem Einsturz der alten Brücke waren mehrere Ortschaften weitgehend isoliert.

  • Fröhliche Weihnachten

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruEin schönes und besinnliches Weihnachtsfest wünscht INFOAMAZONAS all seinen Leserinnen und Lesern!

     

     

  • Madre de Dios / Peru: Wahltribunal suspendiert Regionalpräsident Aguirre Pastor

    Wegen einer rechtskräftigen Verurteilung hat das peruanische Wahltribunal JNE den Regionalpräsidenten der ostperuanischen Regenwaldregion Madre de Dios, José Luis Aguirre Pastor, suspendiert. Sein Stellvertreter Jorge Alberto Aldazábal Soto übernahm das Amt. Aguirre Pastor war für schuldig befunden worden, 2010 die Verwaltungsverfahrensordnung (TUPA) der regionalen Gesundheitsbehörde geändert zu haben, ohne dazu berechtigt zu sein. Damit habe er gegen die Verwaltungsordnung verstoßen, so die Richter.

    Ein Urteil in erster Instanz hatte der bisherige Regionalpräsident angefochten, allerdings erfolglos. Bereits zuvor war er im selben Fall zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Nuevos Soles, sowie zu vier Jahren Haft verurteilt worden, die das Gericht allerdings zur Bewährung aussetzte. Für ein Jahr darf Aguirre Pastor nun kein öffentliches Amt ausüben.

    Aguirre Pastor selbst warf den Richtern vor, das Urteil und die Suspendierung seien politisch motiviert. Einige der Richter hätten Verbindungen zum illegalen Bergbau, gegen den er ankämpfe, so der suspendierte Regionalpräsident. Zudem sei ihm das damalige Schriftstück von einem juristisch kundigen Mitarbeiter zur Unterschrift untergejubelt worden, obwohl der Regionalrat hätte zustimmen müssen, erklärte Aguirre Pastor vor wenigen Monaten gegenüber der Tageszeitung „El Comercio“.

  • Loreto / Peru: Großbrand in Belén zerstört mehrere Häuserblöcke

    Ein Großbrand im Stadtteil Belén (dt. Betlehem) der peruanischen Regenwaldstadt Iquitos hat am heutigen Donnerstag offenbar mehrere Häuserblöcke komplett zerstört. Wie der Nachrichtensender RPP berichtet, sind mehr als 100 Familien davon betroffen. Der Stadtteil Belén, dessen Häuser zu einem großen Teil aus Holz gebaut sind und auf Stelzen stehen, ist das am schnellsten wachsende Viertel von Iquitos und bekannt für seine Märkte. Ob der Großbrand mit dem zu dieser Jahreszeit verbreiteten Handel mit Feuerwerkskörpern zusammen hängt, ist noch unklar.

    Nachtrag: 137 Häuser verbrannt – 18 Personen verletzt

    Wie der peruanische Zivilschutz berichtet, wurden durch den Großbrand insgesamt 137 Häuser zerstört. Eine Person trug dabei Verletzungen davon, 17 weitere mussten mit Vergiftungserscheinungen ärztlich behandelt werden. Nach Angaben der Feuerwehr von Iquitos konnte das Feuer um 19:10 Uhr (Ortszeit) gelöscht werden.

    Ausgelöst hatte den Brand nach Angaben des Nachrichtensenders RPP eine Unachtsamkeit in der mit Holz befeuerten Küche eines der Häuser. Ein Funke setzte das Haus in Brand. Das Feuer griff über auf ein Nachbarhaus, in dem eine Gasflasche explodierte. Die herumfliegenden Holzteile verbreiteten das Feuer weiter auf die umliegenden Häuser. Rund 1.500 Menschen verloren dadurch nach Schätzungen der Feuerwehr ihr Dach über dem Kopf.

  • Peru: Nationalpolizei gelingt Schlag gegen die Falschgeldmafia

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruDa staunten die Beamten nicht schlecht, als sie gestern eine geheime Druckerei aushoben: Die peruanische Nationalpolizei hat im Zentrum der Hauptstadt Lima gefälschte Wertscheine mit einem aufgedruckten Wert von vier Millionen US-Dollar, sowie vier Millionen Euro beschlagnahmt, die offenbar über Ecuador, Kolumbien und Venezuela, sowie über Chile und Argentinien in die USA und die EU eingeführt werden sollten. Eine Person wurde festgenommen, mehrere Druckmaschinen zerstört.

    Nach Angaben der Polizei wurde die Druckerei seit drei Monaten observiert. Dabei haben die peruanischen Kriminalisten offenbar mit europäischen Kollegen von Europol und der Brigada de Investigación Del Banco de España, sowie dem Secret Service zusammengearbeitet. Es handelte sich dabei um die erste direkte Zusammenarbeit in diesem Bereich zwischen Europol und peruanischen Behörden. „Der Erfolg der Operation wurde erst durch die exzellente Arbeit der peruanischen Behörden ermöglicht“, so Europol-Direktor Rob Wainwright.