Kategorie: Peru

Artikel, die das Andenland im allgemeinen betreffen.

  • Peru: Wassermangel in Limas Bankenviertel?

    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP
    Trinkwasser-Quellfassung bei Chachapoyas. Foto: EMUSAP

    Seit Jahren schießt in San Isidro, dem Bankenviertel der peruanischen Hauptstadt Lima, ein Hochhaus nach dem Anderen in die Höhe. Das führt jetzt zu Problemen mit der Wasserversorgung, zu deren Behebung der Distriktrat nun zu drastischen Maßnahmen greifen will: Neu- und Umbauten sollen auf maximal vier Stockwerke begrenzt werden. Vor wenigen Monaten hatte  Limas Wasserversorger SEDAPAL gewarnt, die Distrikte Surco und San Isidro bei anhaltendem Bevölkerungswachstum bald nicht mehr mit ausreichend Trinkwasser versorgen zu können. Auch beim Abtransport von Abwässern stößt SEDAPAL nach eigenen Angaben an seine Grenzen. Erneuerung und Ausbau des Wasser- und Abwassernetzes werden gleichzeitig durch ohne Baulizenz errichtete Häuser erschwert, die über den Rohrleitungen stehen.

    Um dem Problem Herr zu werden, wird nun nicht nur in San Isidro, sondern auch in Surcos Rathaus darüber nachgedacht, die Vergabe von Baulizenzen für Häuser mit mehr als vier Stockwerken zu untersagen. Zudem soll die Umdeklarierung von Ein- zu Mehrfamilienhäusern erschwert werden. Damit kommt das Problem des Wassermangels, das Tag für Tag hunderttausende Peruanerinnen und Peruaner direkt betrifft, auch im exklusiven Bankenviertel der peruanischen Hauptstadt an. SEDAPAL hat dabei offenbar die richtige Sprache gesprochen: Mehrkosten, die durch den wegen des Wohnungsbaus notwendigen Ausbaus der Wassernetze enstehen, muss der Investor tragen, zitiert die Tageszeitung „Peru.21“ einen Mitarbeiter des Unternehmens.

    Juliaca / Puno: Nur die Hälfte aller Haushalte mit eigenem Wasseranschluss

    Gleichzeitig wurde bekannt, dass mit Juliaca (Region Puno) in einer der am schnellsten wachsenden Städte Südperus (inzwischen vermutlich mehr als 300.000 Einwohner) lediglich rund die Hälfte aller Haushalte über einen eigenen Wasseranschluss verfügt. Während es mancherorts zumindest in der Straße einen öffentlichen Trinkwasser-Zugang gibt, bezieht mehr als ein Viertel der Haushalte sein Wasser aus selbst gegrabenen Brunnen. Noch gravierender ist die Lage in den umliegenden Dörfern, von denen kaum eines über eine geregelte Wasserversorgung verfügt.

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".

    Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Dossiers „Wasserkonflikte in Peru“.

  • Puno: Illegale Goldschürfer protestieren für Krankenhaus und höhere Goldpreise

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruDer Kampf der peruanischen Regierung gegen den illegalen Bergbau hat die Preise für auf diesem Weg produziertes Gold gedrückt und tausende Goldschürfer aus La Rinconada und Lunar de Oro (Distrikt Ananea / Provinz San Antonio de Putina/ Region Puno) auf die Barrikaden getrieben. Beide Orte leben – so wie große Teile des Distrikts Ananea, der sich von 4.600 auf 5.200 Meter über dem Meeresspiegel erstreckt – direkt oder indirekt vom Bergbau ohne entsprechende Genehmigung und sind somit besonders von den Regelungen betroffen, die insbesondere zur Bekämpfung und Regulierung der Arbeit der informellen Goldwäscher im ostperuanischen Regenwald beschlossen wurden. La Rinconada selbst, bis vor wenigen Jahren auf keiner offiziellen Karte eingezeichnet, hatte schon 2007 mehr als 12.000 Einwohner; rund 60% davon Männer, der Großteil davon in der illegalen Bergbaubranche beschäftigt. Fotos der vergangenen Jahre, die einen Rückschluss auf das Wachstum des Ortes zulassen, lassen darauf schließen, dass der Ort seit jenem Jahr weiter stark angewachsen ist. Nach offiziellen Angaben nahmen rund 20.000 Menschen an den Protesten teil.

    Punos Regionalpräsident kündigt Krankenhaus-Planung an

    Während die Regierung darauf setzt, die illegalen Goldschürfer zu registrieren, damit sie ihrer Tätigkeit künftig im Rahmen des Gesetzes nachgehen können, fordern diese eine Abschwächung der Vorgaben – und legten dafür bei Juliaca und Puno den Verkehr mehrerer Straßen lahm. Daneben fordern sie auch den Bau eines Krankenhauses, über dessen Ausgestaltung sie direkt mit Vertretern der Regierung verhandeln wollen. Dafür haben sie nun eine Protestpause bis kommenden Montag angekündigt. Die Pflicht zur Registrierung der Goldschürfer werden die Regierungsvertreter, deren Anreise der Gouverneur von Puno, René Calsín, gestern ankündigte, wohl nicht antasten. Für das Krankenhaus zeichnet sich aber bereits eine Lösung ab. So kündigte Punos Regionalpräsident Mauricio Rodríguez bereits den Start eines Planungsverfahrens an und sprach sich zudem für den Ausbau einer Straße von Ananea nach Lunar de Oro und La Rinconada aus. Ob das den Goldschürfern reicht, wird wohl der kommende Montag zeigen.

    2009 mehrere Tote bei Minen-Unfall

    Ende 2009 war eine Mine bei Lunar de Oro eingebrochen – drei Bergleute waren damals getötet, zahlreiche weitere verletzt worden. Zudem gab es wiederholt Proteste gegen die Bergbauaktivitäten im Distrikt Ananea, insbesondere von Anrainern des in den Titicaca-See mündenden río Ramis, dessen Wasser von Bergbau-Abwässern verunreinigt wird. Doch nicht nur in Puno, in vielen Teilen Perus stellt der informelle Bergbau ein Problem dar, da er wegen fehlender Regulierung, Kontrolle und Infrastruktur häufig zu sozialen Konflikten führt und es wegen des Einsatzes giftiger Chemikalien oder fehlender Beachtung von Standards zu großen Umweltproblemen kommt. Auch anderswo ist die Arbeitssituation eine schwierige, häufig kommt es zu Unfällen und Katastrophen, beispielsweise im April beim Einsturz einer Mine in Ica oder im Februar 2010 in Oyón (Lima).

  • Peru: 800 Alimente-Verweigerer im Gefängnis

    Peru macht Nägel mit Köpfen: Bereits gestern stellte die Regierung einen formellen Auslieferungsantrag, um einem in der spanischen Hauptstadt Madrid lebenden Alimente-Verweigerer den Prozess zu machen. Ihm droht bei Auslieferung eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Bereits seit einigen Jahren ist in Peru die Verweigerung von Unterhaltszahlungen für eigene Kinder ein Strafbestand – mit Folgen, die hoffentlich abschreckend wirken. Grund genug dafür gäbe es, denn nach Statistiken, die das peruanische Justizministerium gestern veröffentlichte, sitzen derzeit 800 Personen im Gefängnis, weil sie ihrer Unterhaltspflicht nicht nachgekommen sind, immerhin rund 1% der peruanischen Gefägnispopulation. Damit gab es einen rasanten Anstieg, noch im Februar waren es 554 Personen gewesen.

    Die drohende Gefängnisstrafe ist dabei nicht das einzige Druckmittel. So existiert daneben auch ein Internetsystem (REDAM), in dem jeder überprüfen kann, ob eine bestimmte Person mit Unterhaltszahlungen im Rückstand steht. Derzeit umfasst die Datenbank 1762 Einträge. Und das, obwohl viele Fälle gar nicht vor Gericht landen, sondern vor Ort von Friedensrichtern oder städtischen Jugendämtern (DEMUNA) geregelt werden.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Hinweise und weitere Informationen finden Sie dort.

  • Perus Kongress debattiert, Regionalregierungen zu stutzen

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Gleich 14 Gesetzesentwürfe liegen in diesen Tagen dem peruanischen Kongress vor, durch die Rechte und Kompetenzen von Regionalpräsidenten gestutzt werden sollen. Hintergrund ist eine Debatte darüber, ob Bürgermeister oder Regionalpräsidenten an Protestaktionen teilnehmen oder deren Organisation unterstützen dürfen. Auslöser war die Befeuerung von Protesten gegen das Bergbauprojekt „Conga“ in der peruanischen Region Cajamarca durch den dortigen Regionalpräsidenten Gregorio Santos Guerrero. Belangt werden kann dieser dafür nach bisheriger Rechtslage nicht.

    Das wollen mehrere Kongressfraktionen nun ändern. Während manche der Änderungsvorschläge -wie der der „Alianza para el gran Cambio“ (APGC)-Fraktion- in die Richtung gehen, die Kompetenzen und Zuständigkeiten der Regionalregierungen genauer zu präzisieren, fordern insbesondere die Fujimoristen die automatische Amtsenthebung von Bürgermeistern und Regionalpräsidenten, die „direkt oder indirekt“ an Protesten teilnehmen. Ähnlich weit geht die „Concertación Parlamentaria“-Fraktion. Sie möchte Regionalpräsidenten gar dazu zwingen, regelmäßig vor dem Kongress Rechenschaft abzulegen – nicht nur, dass es bereits auf regionaler Ebene Instanzen dafür gibt, es würden auch dem Kongress noch zusätzliche Aufgaben aufgehalst, obwohl bereits jetzt wegen der Arbeitsbelastung wichtige Projekte oft Monate oder gar Jahre warten müssen.

    Regionalpräsidenten gegen Gesetzesänderung

    César Villanueva, Regionalpräsident von San Martín. Foto: RRPP Region San Martín.
    Dagegen: ANGR-Vorstand César Villanueva. Foto: Region San Martín.

    Die Regionalpräsidenten wehren sich naturgemäß gegen die meisten der Vorschläge. César Villanueva, Regionalpräsident von San Martín und Vorsitzender der Versammlung der Regionalpräsidenten (ANGR) nannte das Projekt einen sinnlosen Racheakt gegen die Regionalregierungen, das die Dezentralisierung schwäche. Zudem gebe es bereits jetzt Mittel, um auf dem Boden des Gesetzes entsprechende Delikte zu ahnden, man müsse sie nur anwenden, so Villanueva gegenüber der Tageszeitung „La República“. Auch Mauricio Rodríguez, Villanuevas Amtskollege aus der südperuanischen Region Puno, kritisierte das Vorhaben der Kongressabgeordneten. Es handle sich um Gesetzesvorlagen, denen [mit Gregorio Santos] ein konkreter Name zugeordnet werden könne, so Rodríguez.  Es gehe den Abgeordneten deshalb vielmehr um „Rache“. Für die Vizepräsidentin von Arequipa, Soledad Fernández, liegt das Problem mit den Protestaktionen wie Straßenblockaden vielmehr darin, dass diese bereits jetzt verboten sind – aber nicht geahndet werden.

    Im Kongress selbst haben die Änderungsvorschläge Gegner und Befürworter. Der Abgeordneten Yohny Lescano (AP) sieht in ihnen ein „Damoklesschwert“, das die Demokratie beschädigen könnte. Juan Carlos Eguren (APGC) sieht dagegen eine Möglichkeit, „Versuchen, die Demokratie und den Einheitsstaat zu destabilisieren“ vorzubeugen. Auch Yehude Simon (APGC) unterstrich, man plane nicht, Regionalpräsidenten für Forderungen an die Nationalregierung abzusetzen. Man müsse allerdings verbieten, dass durch die Blockade von Straßen „den Ärmsten des Landes“ Leid angetan werde, so Ex-Premier Simon gegenüber der Agentur ANDINA.

  • Huánuco: Offenbar 13 Tote bei Reisebus-Absturz

    In der peruanischen Region Huánuco sind gestern Abend beim Absturz eines Reisebusses offenbar 13 Menschen ums Leben gekommen. 35 weitere wurden teils schwer verletzt. Der Bus des Unternehmens Bella Durmiente war nach Informationen der Straßenpolizei auf dem Weg von Pucallpa nach Lima, als er bei Streckenkilometer 221 der Federico Basadre aus noch ungeklärter Ursache von der Straße abkam und rund 80 Meter in die Tiefe stürzte. Wie der Nachrichtensender RPP berichtet, war möglicherweise ein Defekt an dem Reisebus Ursache für den Unfall. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus von Tingo María eingeliefert.

  • Freihandelsabkommen Peru – EU unterzeichnet

    Außenhandels- und Tourismusminister José Luis Silva Martinot. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / ANDINA.
    Außenhandels- und Tourismusminister José Silva. Foto: Juan Carlos Guzmán / ANDINA.

    Perus Außenhandels- und Tourismusminister José Silva Martinot hat gestern in Brüssel im Beisein von EU-Handelskommisar Karel De Gucht das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Peru unterzeichnet, von dem sich das Andenland eine Ausweitung des Handels mit dem Staatenverbund erhofft. Das Abkommen, über das bereits seit mehreren Jahren verhandelt wird und das ursprünglich die gesamte Andengemeinschaft einschließen sollte, muss nun von den einzelnen Parlamenten der EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Vorangetrieben worden war es auch von Präsident Ollanta Humala bei seiner Europareise vor wenigen Wochen. Im Wahlkampf hatte sich Humala 2011 noch kritisch über solche Abkommen geäußert und „Nachverhandlungen“ gefordert, diese Position nach der Wahl allerdings relativiert.

    Für Peru ist die Europäische Union vor allem als Absatzmarkt für Agrarprodukte interessant. Das Außenhandels- und Tourismusministerium hofft deshalb auf steigende Exporte von Sparkel, Paprika, Avokado, Oliven, Mandarinen, Orangen, Trauben, Süßkartoffeln, Pfirsichen, Knoblauch, Tomaten, Haselnüssen und Wollprodukten. Der Vertrag sei das Ergebnis eines langen Annäherungs- und Integrationsprozesses zwischen Peru und der Europäischen Union, die ein Markt mit großen Möglichkeiten biete, so Minister Silva nach der Unterzeichnung. Für die europäische Industrie interessant ist aber vermutlich vor allem der Zugriff auf Metalle wie Blei, Zink und Cadmium, die künftig zollfrei gehandelt werden können.

    Das Abkommen selbst war wiederholt kritisiert worden, vor allem von europäischen Menschenrechtlern, die sich unter Anderem konkrete Klauseln zum Schutz der Umwelt und der Menschenrechte gewünscht hatten. Die Erwähnung von Arbeitsrechten und Umweltfragen ging ihnen dabei nicht weit genug. Heinz Schulze, Vorsitzender der in Freiburg ansässigen Informationsstelle Perú e.V. befürchtet, das Freihandelsabkommen EU – Peru diene vor allem großen Agrar-Exportbetrieben wie den Spargelgroßproduzenten an der peruanischen Küste, werde vielen Kleinbauern aber neue Probleme bereiten. Zudem fürchtet der Peru-Aktivist, das Abkommen könne zu einer weiteren Verteuerung von Medikamenten führen. Auch in Peru war in den vergangenen Wochen vermehrt Kritik darüber aufgekommen, mit einem kriselnden Wirtschaftsraum ein Freihandelsabkommen abzuschließen.

    Die Europäische Union als Ganzes war in den vergangenen Jahren der weltgrößte Importeur peruanischer Produkte. So gingen 2011 rund 18% der peruanischen Exporte in die EU, was ungefähr 8,482 Milliarden US-Dollar entspricht – bei den USA waren es „lediglich“ 5,96 Milliarden. Auch das Volumen europäischer Exporte nach Peru nimmt stetig zu. Zwischen 2001 und 2011 stiegen diese um rund 14% pro Jahr.

    Hinweis: Den vollständigen Text dieses und anderer Freihandelsabkommen mit peruanischer Partizipation können Sie unter http://www.acuerdoscomerciales.gob.pe einsehen.

  • Anti-Drogen-Gipfel startet in Lima

    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.
    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.

    In der peruanischen Hauptstadt Lima wird seit heute im Rahmen eines internationalen Gipfeltreffens über ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen Drogen debattiert. Angereist sind Anti-Drogen-Experten aus aller Welt, die sich in den kommenden Tagen mit Themen wie der Zurückdrängung der Drogen-Nachfrage, der Senkung des Drogen-Angebots, sowie mit „best pratices“ zur alternativen Entwicklung beschäftigen werden. Nach Angaben der peruanischen Anti-Drogen-Behörde DEVIDA, auf deren Initiative der Gipfel zurückgeht, sind 76 Delegationen von Staaten und internationalen Organisationen vor Ort. Auch Vertreter mehrerer europäischer Staaten sind anwesend. Erst Anfang Juni hatte DEVIDA-Chefin Carmen Masías in Brüssel die peruanische Strategie zur Bekämpfung der Drogenkriminalität vorgestellt und dabei darauf hingewiesen, dass Peru bei diesem Kampf auf die Hilfe der Länder angewiesen, die für die Nachfrage nach Drogen verantwortlich sind. So handelt es sich bei der EU, um einen der größten Absatzmärkte der internationalen Drogenmafia, die in Peru vor allem Kokain und Marihuana produziert.

    Eröffnet wurde der Gipfel mit einer Rede von Perus Präsident Ollanta Humala. Dieser erklärte, er sei sicher, dass am Ende des Gipfels ein Abschlussdokument stehe, das einen Epochenwechsel im Kampf gegen die Drogen einleite, so Humala. Dafür sei es notwendig, so Humala weiter, neue Blickwinkel und Strategien zu suchen, um effektive Politiken für Anti-Drogen-Kampf zu entwickeln. Repression und härtere Gesetze führten nicht automatisch zum Erfolg gegen eine Mafia, die grenzüberschreitend arbeite, so der Präsident und hob die Beispiele San Martín und Ucayali hervor, wo offiziell durch Anbaualternativen und besseren Marktzugang die illegal produzierte Coca-Menge in den vergangenen Jahren abnahm.

    Mit neuer Chefin: DEVIDA. Foto: DEVIDA.
    Veranstaltet Anti-Drogen-Gipfel: DEVIDA. Foto: DEVIDA.

    Auf dem Anti-Drogengipfel, der noch bis Morgen andauern wird, soll es nicht nur um Möglichkeiten bi- oder multilateralen Vorgehens gegen die Drogenmafia und die Geldwäsche gehen, sondern auch um konkrete Projekte und erfolgreiche Strategien in verschiedenen Ländern. Den Initiatoren geht es dabei nach eigenen Angaben nicht nur darum, von den Konsumenten-Ländern mehr Geld für den Kampf gegen das Übel zu bekommen, sondern vielmehr auch darum, dass diese Länder ihre „Mitverantwortung“ für das Problem anerkennen – und entsprechend handeln.

    Während des Gipfeltreffens in der peruanischen Haupstadt Lima wird auch die Präsentation neuer Zahlen der US-Antidrogenbehörde DEA erwartet, die im vergangenen Jahr ein starkes Anwachsen der peruanischen Kokain-Produktion prognostiziert hatte. Pro Jahr wendet der peruanische Staat 230 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen Drogen auf – was offensichtlich nicht ausreicht.

    Übrigens: Der offizielle Titel der Veranstaltung lautet „Conferencia Internacional de Ministros de Relaciones Exteriores y Organismos Nacionales Especializados Contra el Problema Mundial de las Drogas“

    INFOAMAZONAS-Spezial Drogenprobleme und DrogenkonflikteMehr Informationen zum Thema „Peru“ und „Drogen“ finden Sie im Infoamazonas-Dossier Drogenprobleme.

  • Anti-Drogen-Gipfel in Lima beginnt

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruIn der peruanischen Hauptstadt Lima wird heute im Rahmen eines Gipfeltreffens über künftiges Vorgehen im Kampf gegen Drogen debattiert. Erwartet werden Anti-Drogen-Experten aus aller Welt. Nach Angaben der peruanischen Anti-Drogen-Behörde DEVIDA, auf deren Initiative der Gipfel zurückgeht, haben bereits mehr als 70 Staaten und internationale Organisationen ihre Teilnahme bestätigt. Erst Anfang Juni hatte DEVIDA-Chefin Carmen Masías in Brüssel die peruanische Strategie zur Bekämpfung der Drogenkriminalität vorgestellt und dabei darauf hingewiesen, dass Peru bei diesem Kampf auf die Hilfe der Länder angewiesen, die für die Nachfrage nach Drogen verantwortlich sind. So handelt es sich bei der EU, um einen der größten Absatzmärkte der internationalen Drogenmafia, die in Peru vor allem Kokain und Marihuana produziert.

    Auf dem Anti-Drogengipfel am 25. und 26. Juni in Lima soll es dann nicht nur um Möglichkeiten bi- oder multilateralen Vorgehens gegen die Drogenmafia und die Geldwäsche gehen, sondern auch um konkrete Projekte und erfolgreiche Strategien in verschiedenen Ländern. Den Initiatoren geht es dabei nach eigenen Angaben nicht nur darum, von den Konsumenten-Ländern mehr Geld für den Kampf gegen das Übel zu bekommen, sondern vielmehr auch darum, dass diese Länder ihre „Mitverantwortung“ für das Problem anerkennen – und entsprechend handeln.

    Während des Gipfeltreffens in der peruanischen Haupstadt Lima wird auch die Präsentation neuer Zahlen der US-Antidrogenbehörde DEA erwartet, die im vergangenen Jahr ein starkes Anwachsen der peruanischen Kokain-Produktion prognostiziert hatte.

    Mehr Informationen zum Thema „Peru“ und „Drogen“ finden Sie im Infoamazonas-Dossier Drogenprobleme.

  • Tarapoto / San Martín: Keine Spur von 2011 verschollenem Priester

    Alfonso Asencios Zuloaga CM. Foto: CNR.
    Alfonso Asencios Zuloaga CM. Foto: CNR.

    Der Fall des im vergangenen November in der peruanischen Region San Martín verschollenen Priesters Alfonso Asencios Zuloaga CM nimmt immer abenteuerlichere Wendungen. Am 23. November 2011 war Alfonso Asencios Zuloaga nach einer Pastoralreise von Chazuta (Provinz San Martín) aufgebrochen, um zu Fuß über Santa Elena nach Banda de Shilcayo (Provinz San Martín) zu gehen, wo seine Gemeinde ihren Sitz hat. Er kam dort aber nie an. Polizei und lokale Medien spekulieren, er könnte entführt und getötet worden sein, um Spendengelder für den Bau einer Kirche zu stehlen. Hinweise darauf gab es – nach 7 Monaten Ungewissheit – durch das Geständnis eines Mannes, der sich vergangene Woche der Polizei stellte. Mitglieder des Ordens der Vinzentiner, die vor Ort die Suche nach dem Priester vorantreiben, blieben bei ihren Einschätzungen bislang allerdings eher vorsichtig. Denn der geständige Luis Olivera Olano, der am vorletzten Sonntag im Distrikt Tres Unidos (Provinz Picota) verhaftet wurde, verwickelte sich wiederholt in Widersprüche und nannte mehrere Personen als Komplizen, mit denen er in der Vergangenheit offenbar bereits aneinander geraten war. Hugo Anteparra von der lokalen Tageszeitung „Voces“vermutet daher, Olivera Olano versuche offensichtlich, sich persönlicher Feinde zu entledigen. Wie genau die Polizei auf Luis Olivera Olano kam, wollte die Polizeidirektion Tarapoto auf Anfrage unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht mitteilen. Allerdings habe man ihn schon länger im Auge gehabt, so ein Polizeisprecher gegenüber INFOAMAZONAS.

    Fast 20 Jahre Ortskenntnis

    Der 65jährige Alfonso Asencios Zuloaga CM, gebürtig aus Huari in der peruanischen Region Áncash, kam gerade von einer Pastoralreise im weitläufigen Distritk Chazuta und war zuletzt am 23. November 2011 gegen vier Uhr Morgens auf der Plaza von Chazuta gesehen worden. Ursprünglich hatte er bereits einige Tage zuvor nach Banda de Shilcayo zu reisen geplant, wegen starker Regenfälle kam es aber zu einem Erdrutsch, der den Fahrweg dorthin unpassierpar machte. An jenem Mittwoch Morgen entschied er dann offenbar, zu Fuß nach Santa Elena zu gehen, wo er zwischen 10 und 11 Uhr Morgens hätte ankommen müssen, dann nach Bello Horizonte, um von dort mit dem Mototaxi nach Hause zu fahren. Nach Angaben der Prälatur Moyobamba war ihm dieser Weg gut bekannt, seit bald 20 Jahren arbeitet er in der Region. Bereits am Tag nach seinem Verschwinden wurden erste Suchaktionen gestartet – bislang ohne Erfolg. In der gesamten Kirchengemeinde „Virgen María de los Remedios“, die insgesamt 6 Distrikte umfasst, machten sich Menschen auf die Suche. Die Polizei schickte Experten und befragte Bewohner der Häuser am Rand möglicher Wege – keiner hatte etwas gesehen.

    Familie hält Asencios Zuloaga für tot

    Sollte sich das bestätigen, was eine Lokalzeitung über das Geständnis des verhafteten Luis Olivera Olano berichtet, wurde der Priester Asencios Zuloaga bei Santa Elena von Personen entführt, die in seinen Taschen große Mengen Spendengelder für den Bau einer Kirche im Distrikt Chazuta vermuteten. Als man kein Geld fand, soll er über mehrere Tage hinweg in einer Diskothek festgehalten worden sein. Die Authentizität eines Erpresserbriefs, in dem 30.000 Nuevos Soles als Lösegeld gefordert wurden, konnte bis heute nicht bestätigt werden. Die Familie Asencios Zuloagas geht inzwischen davon aus, dass der Priester Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Eine Nichte erklärte gegenüber der Tageszeitung „Ahora“, man durchlebe eine sehr schmerzhafte Situation und hoffe nun darauf, wenigstens den Leichnahm zu finden. Die Prälatur Moyobamba hat mehrere Gedenkgottesdienste angesetzt und forderte Polizei und Staatsanwaltschaft zu weiteren Suchanstrengungen auf.

  • Cajamarca / Peru: Newmont akzeptiert offenbar neue Bedingungen für Conga-Bergbauprojekt

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruNewmont, Hauptanteilseigner an dem umstrittenen „Conga“-Bergbauprojekt in der nordperuanischen Region Cajamarca, hat sich offenbar bereit erklärt, den Bau mehrerer Wasserresservoirs vorzuziehen, sowie bei den Bergbauaktivitäten zwei Bergseen, die als Abraumhalten vorgesehen waren, vorläufig zu verschonen. Damit war das Unternehmen auf die Forderungen des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala eingegangen, der dies nach Prüfung der Umweltverträglichkeitsstudie des Projektes durch drei ausländische Gutachter als Bedingung formuliert hatte. Den Bergbaukritikern in Cajamarca gehen diese Zugeständnisse allerdings nicht weit genug.

    Bereits seit Monaten tobt ein Streit zwischen Regierung, Conga-Gegnern und Regionalregierung in Cajamarca, sowie den Eignern des Tagebauprojektes Conga. Die Kritiker befürchten durch die Kupferförderung im Tagebau einen Eingriff in den Wasserhaushalt, der zu einer abnehmenden Wassermenge, sowie zu Wasserverschmutzung führen könnte; Regierung und Unternehmen bestreiten dies und erwarten durch die Einrichtung der Resservoirs gar eine höhere Wassermenge bei besserer Wasserqualität. Während das Unternehmen wegen zusätzlicher Auflagen um die Gewinnmarge fürchtet, fürchtet die Regierung den Ausfall von Steuereinnahmen, die sie für die zahlreichen angekündigten Sozialprogramme gut gebrauchen könnte. Gleichzeitig wird das Thema „Conga“ als politisches Sprungbrett verwendet – sowohl durch Premier Oscar Valdés, der mit einem harten „Law and Order“-Kurs auf die Zustimmung in der Hauptstadt hofft, als auch durch „Conga“-Kritiker wie den Regionalpräsidenten von Cajamarca, Gregorio Santos Guerrero, der das Umfeld der Proteste nutzte, um auch mit Gruppen in anderen Regionen Bündnisse zu schmieden.

    Währenddessen versucht die Regierung, in wenigen Monaten das nachzuholen, was in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde. In den Conga-Anrainerorten wurden 5 Milliarden Nuevos Soles in Infrastruktur investiert, nicht zuletzt um diejenigen von den weiter laufenden Protesten gegen das Bergbauprojekt abzuhalten, die nicht unbedingt wegen Umweltfragen daran teilnehmen. So gab es beispielsweise vor der Eskalation des Konflikts um „Conga“ auch Forderungen nach höheren finanziellen Anreizen für die Anrainerorte. Wie ein führender Mitarbeiter von Newmont Latin America gegenüber dem Nachrichtensender RPP erklärte, werde der „soziale Aspekt“ in Zukunft stärker betont. Nach Jahren nur mäßig erfolgreicher Zusammenarbeit im Rahmen des Bergbauprojekts Yanacocha wird es wohl einige Anstrengungen kosten, die Projektanrainer davon zu überzeugen.