Gute Nachrichten für die Angehörigen der Ethnie der Aguaruna im Norden der peruanischen Region Cajamarca: Im Distrikt San José de Lourdes (Provinz San Ignacio) soll ab dem Schuljahr 2012 erstmals offiziell Unterricht in der Sprache Awajún abgehalten werden. Nach Angaben der regionalen Bildungsbehörde werden derzeit Lehrmaterialien erstellt und die Ausschreibung zur Anstellung von Lehrerinnen und Lehrern mit Awajún-Kenntnissen vorbereitet. Leider gebe es allerdings nur wenige Awajún-Experten, so César Flores Berríos, Bildungsdirektor von Cajamarca, weswegen man im Moment die Durchführung von Sprachkursen für Lehrer während der kommenden Sommerferien plane. Der Distrikt San José de Lourdes beherbergt rund 25 Aguaruna-Gemeinschaften.
Der Distrikt San José de Lourdes liegt an der Grenze Perus zu Ecuador am Nordende der Region Cajamarca.
Schulbuch in Awajún. Foto: Gobierno Regional de San Martín.
Die wiedergewählte Regionalregierung von San Martín hat zwei Schulbücher in der Ureinwohner-Sprache Awajún veröffentlicht. Mit den Schulbüchern Kijus-1 und Chijikas 1 können in Zukunft Kinder aus indigenen Gemeinschaften in ihrer Muttersprache lernen. Die Grundschul-Lesebücher wurden von Pancho Tanques Atchut erarbeitet, der selbst mit Awajún als Muttersprache aufwuchs und heute als Spezialist für zweisprachige Bildung bei der Regionaldirektion für Bildung der Region San Martín in Moyobamba arbeitet. In mehreren Pilotprojekten soll das Material – 1.500 Bücher – nun an 27 Schulen im Umland von Rioja und Moyobamba verteilt werden. Zu dem Projekt, mit dem das Lesevermögen der Schülerinnen und Schüler verbessert werden soll, gehören auch Lehrerfortbildungen.
Bei der Pisa-Studie 2009 erreichte Peru in der Kategorie „Leseverstehen“ nur den drittletzten Platz, vor Aserbaidschan und Kirgisistan.
Die südperuanische Stadt Quillabamba (Distrikt Santa Ana / Provinz La Convención / Region Cusco) bekommt eine eigenständige staatliche Universität. Das beschloss gestern der peruanische Kongress. Bislang gab es dort lediglich eine Außenstelle der Universität San Antonio Abad del Cusco, deren Einrichtungen in Quillabamba Grundlage der neuen Universität sein werden. Auch finanziell übernimmt die „interkulturelle Universität Quillabamba“ die Mittel, die bislang der Außenstelle zur Verfügung standen.
Zunächst sollen von der neuen Universität die Fächer Landwirtschaft, Ernährungsingenieurwesen und Ökotourismus weitergeführt werden, die bislang in Quillabamba von der Universität San Antonio Abad angeboten worden waren. Hinzukommen wird wohl ein erziehungswissenschaftlicher Studiengang, der aus der staatlichen pädagogischen Hochschule ISEP-Quillabamba hervorgeht.
Quillabamba ist mit rund 26.573 Einwohnern (nur Quillabamba) die Hauptstadt der Provinz La Convención.
Mit großer Mehrheit hat der peruanische Kongress die Gründung der „Fabiola Salazar Leguía“-Universität mit Sitz in Bagua (Provinz Bagua / Region Amazonas) beschlossen. Namensgeberin der Universität ist eine Abgeordnete der Regierungspartei APRA, die im vergangenen Jahr bei einem Autounfall ihr Leben verloren hatte, als sie in ihrem Amt als Abgeordnete unterwegs war.
Angeboten werden sollen zunächst die Fachbereiche Agraringenieurwesen, Zivilingenieurwesen, Biotechnologie, Außenhandel und Tierzucht. Damit tritt die neue Universität teilweise in direkte Konkurrenz zur ebenfalls noch jungen Universität Chachapoyas, die ebenfalls Fächer wie Tierzucht und Agrarindustrieingenieurswesen anbietet, beziehungsweise anzubieten plant.
Für den Aufbau der Universität hat die Regionalregierung Amazonas drei Millionen Nuevos Soles bereitgestellt, zwei Millionen sollen vom peruanischen Bildungsministerium, und eine weitere Million von der Provinzverwaltung Bagua kommen.
Das nun verabschiedete Gründungsgesetz wurde von der peruanischen Regierung eingebracht. Es geht aber auf einen Entwurf des oppositionellen Kongressabgeordneten José Maslucan zurück, der die Region Amazonas vertritt. Dieser hatte dem Projekt allerdings den – parteipolitisch unverdächtigeren – Namen „Heroes del Cenepa“, zum Gedenken an den Cenepa-Konflikt zwischen Peru und Ecuador in den 90er Jahren, gegeben.
Nach der Gründung wird die neue Universität zunächst von einem Organisationskommitee unter den strengen Blicken des peruanischen Rates für Universitätszulassungen, CONAFU, geleitet werden. Erst, sobald entsprechende Infrastruktur und Personal bereit steht, wird die Universität in die Unabhängigkeit entlassen.
Schwangere Schülerinnen dürfen in Zukunft nicht mehr an der Unterrichtsteilnahme gehindert werden. Das hat der peruanische Kongress entschieden. Bislang mussten werdende Mütter ihre Klasse verlassen, um für ihre Mitschülerinnen kein „schlechtes Vorbild“ zu sein.
Wie die Abgeordnete Hilaria Supa, Vorsitzende der Bildungskommission des peruanischen Kongresses, in ihrem Redebeitrag erklärte, wird duch das nun verabschiedete Gesetz die zweithäufigste Ursache für einen Schulabbruch in Peru abgeschafft.
Das Gesetz wurde von allen politischen Gruppen im Parlament unterstützt und wurde ohne Gegenstimme verabschiedet.
Hilaria Supa Huamán. Foto: Congreso de la República.
Mit Hilaria Supa Huamán wurde zum ersten Mal in der Geschichte eine Quechua-Muttersprachlerin für die Präsidentschaft der Bildungs-Kommission des peruanischen Kongresses designiert. Hilaria Supa, Abgeordnete der Linksnationalisten (PNP), stammt aus der Provinz Anta in der südperuanischen Region Cusco. Während ihrer Arbeit als Menschenrechtsaktivistin hatte Supa Huamán energisch für den Zugang zu Bildung, insbesondere für Frauen, gekämpft. Daneben setzte sie sich engagiert für Landrechte und die gerechte Verteilung von Wasser ein. Für gewöhnlich beginnt Supa Huamán ihre Redebeiträge in ihrer Muttersprache Quechua. Wegen der fehlenden Sprachkenntnisse der meisten anderen Abgeordneten und fehlenden Übersetzern muss sie diese anschließend meist noch einmal auf Spanisch wiederholen.
Abgeordnete der Regierungspartei APRA, sowie der Fraktion der Fujimori-Parteien kritisierten die Designierung Supas. So erklärte die ehemalige Inneministerin und APRA-Abgeordnete Mercedes Cabanillas, Hilaria Supa verfüge nicht über die fachliche Einigung, die Bildungs-Kommission zu leiten. Ähnlich argumentiert auch die Fujimori-Abgeordnete Martha Hildebrandt. Eine ihrer Fraktion nahestehende Zeitung hatte im vergangenen Jahr eine Kampagne gegen Hilaria Supa gestartet. An prominenter Stelle war ein Foto veröffentlicht worden, das die Abgeordnete mit einem vollgeschriebenen Block in der Hand zeigte – ihre Aufschriebe enthielten mehrere Rechtschreibfehler. Verschiedene Kommentatoren zogen daraufhin ihre Eignung als Kongressabgeordnete in Zweifel und forderten -glücklicherweise vergeblich- beispielsweise einen Universitätsabschluss als Kriterium für die Kongresskandidatur. Eine Reihe von Linguistik-Experten verteidigten Supa, die Schuld dafür liege eher bei der fehlenden zweisprachigen Erziehung in den staatlichen Schulen.
Genau dort liegt nun auch die Hoffnung peruanischer Bildungsexperten, die die Designierung Hilaria Supas feiern. Sie hoffen, davon könnte ein Schub für die Verbesserung der Bildungssituation insbesondere in ländlichen Regionen Perus ausgehen. Wie es ist, wenn das Bildungssystem auf dem Land nicht funktioniert, hat Supa am eigenen Leib spüren müssen. Ihre Bildung hat sie sich weitgehend selbst erarbeitet.
Eine interessante Interpretation von „One Laptop per Child“ (OLPC), zu Deutsch „Ein Laptop pro Kind“ bietet das peruanische Bildungsministerium. Denn dort wurden daraus nun 0,06 Laptops pro Kind. So überreichte Präsident Alan García Pérez heute in Rimac, einem Distrikt der peruanischen Hauptstadt Lima, feierlich 29.414 Exemplare der OLPC-Laptops, die auf Spanisch „Una Laptop Por niño“ heißen und stellte dabei fest, Peru sei jetzt nicht mehr ein passives, sondern ein interaktives Land. So wie einst Südkorea oder Singapur, wo es eine gesellschaftliche „Revolution“ gegeben habe.
García sagte auch, es sei „schrecklich“, wenn er daran denken müsse, wie Peruaner bis heute alphabetisiert würden: Es würde beigebracht, „mit der Hand“ zu schreiben und zu lesen, „während in Europa, Japan, den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten Ländern die Kinder im Schulalter digital alphabetisiert werden“, so García wörtlich. Die „Schuld“ hat er sich dann wohl auch selbst zuzuschreiben, seine Regierung führte eine aggressive Alphabetisierungskampagne durch – zumindest auf dem Land mit Stift und Papier.
Wie das peruanische Bildungsministerium erklärte, werden in Lima 29.414 OLPC-Laptops verteilt, die dann von 455.366 Schülern, sowie 17.936 Lehrern genutzt werden sollen. Landesweit wurde für die kommenden Monate ein Projekt angekündigt, für das 230.705 OLPC-Laptops an 718.499 Schüler und 85.413 Lehrer in 16.412 Schulen verteilt werden. Das wären dann 0,32 Laptops pro Kind, beziehungsweise, rechnet man auch die Lehrer mit ein, 0,29 Laptops pro Nutzer.
Peru ist Großabnehmer der OLPC-Laptops, zahlreiche Schulen, besonders im ländlichen Raum, wurden bereits damit ausgerüstet – dabei bekam zumindest an der INFOAMAZONAS bekannten Schule wirklich jedes Kind ein Exemplar. Neben den Laptops wurde in diesem Fall auch ein zentraler Computer für das Lehrpersonal eingerichtet.
Die peruanische Lehrergewerkschaft SUTEP hat alle peruanischen Lehrer für heute zu einem 24stündigen Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft wirft der derzeitigen Regierung vor, eine aggresive Politik zur Privatisierung der Bildung zu betreiben, sowie von Korruption durchsetzt zu sein. Auch eine Lohnerhöhung, sowie eine Nachzahlung für die Unterrichtsvorbereitungszeit werden gefordert.
Das peruanische Bildungsministerium nannte den angekündigten Streik „illegal“ und kündigte an, Lehrern durch den Streik verursachte Fehlzeiten von deren Lohn abzuziehen.
Dabei sind die Lehrer nicht die einzigen, auch in der Universität Nacional Federico Villareal (Lima) fallen derzeit zahlreiche Kurse aus, nachdem Studierende im Protest gegen das Universitätsdirektorium einen Hörsaal besetzt haben. Zuvor hatte das Direktorium angekündigte Wahlen zur Neubesetzung der Universitätsführung abgesagt.
Lange hatten sie davon geträumt, jetzt wird der Traum vieler Einwohner der nordperuanischen Andenstadt Chota (Provinz Chota, Region Cajamarca) wahr: Sie bekommen eine eigene Universität. Das berichten übereinstimmend die staatliche Nachrichtenagentur, sowie Radio Santa Mónica. Die neue Universität „Universidad Nacional Autónoma de Chota“, die in erster Linie technische Fächer beherbergen soll, geht aus einer Zweigstelle der Universität Cajamarca hervor und wird von der dem Orden der Augustiner-Rekollekten nahestenden Nichtregierungsorganisation Haren Alde unterstützt.
Im peruanischen Kongress stimmten 76 Abgeordnete für die Gründung der Universität und damit 15 mehr als notwendig.
Von der neuen Universität erhoffen sich ihre Planer ein soziales, kulturelles und vor allem ökonomisches Aufleben der Provinz Chota.
Bagger an der Baustelle zur Straße Chachapoyas-Higos Urco. Foto: Regionalregierung Amazonas.
Nur wenige Monate nach Übergabe der endgültigen Betriebserlaubnis an die Toribio Rodriguez de Mendoza-Universität Chachapoyas wird für Studenten und Lehrpersonal schon bald ein weiterer Traum wahr: Die Straße zum Universitätscampus wird asphaltiert. Das berichtet Radio Horizonte. Demnach wurde bereits mit den Vorarbeiten an Teilen der Strecke begonnen, über die dann das neben der Universität gelegene Denkmal der Higos Urco-Schlacht, sowie die umliegenden Stadtviertel Tushpuna und Higos Urco noch schneller erreicht werden können.
In der Vergangenheit hatten sich Bus- und Taxiunternehmer wiederholt geweigert, die Universität zum normalen Fahrpreis anzufahren. Als Grund gaben sie den hohen Verschleiß an ihren Fahrzeugen wegen des schlechten Straßenzustands an. In der Folge mussten wiederholt hunderte Studierende zu Fuß zum etwas außerhalb der Stadt liegenden Universitätscampus laufen.
Die Asphaltierungsarbeiten werden von der Regionalregierung Amazonas finanziert, die dafür 9.361.000 Nuevos Soles aufgebringt. Bis Anfang komenden Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.