• Kongress beschließt Fahrrad-Förderung und autofreien Tag

    Fahrrad in Belén (Iquitos / Loreto / Peru). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Fahrrad in Belén (Iquitos / Loreto / Peru). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Der peruanische Kongress hat die Förderung der Nutzung von Fahrrädern als „nachhaltiges Verkehrsmittel“ beschlossen. Zudem soll ab jetzt auch in Peru am 22. September -wie in vielen Teilen der Welt – ein autofreier Aktionstag begangen werden. Mit dem Gesetz, das bereits am 8. Oktober im Gesetzblatt „El Peruano“ veröffentlicht wurde, werden alle staatlichen Ebenen verpflichtet, bei der Planung und Durchführung von Verkehrsprojekten auch entsprechende Infrastruktur wie Fahrradwege und -stellplätze vorzusehen. Über den Fortschritt bei der Implementierung des Gesetzes soll dann ein jährlicher Bericht informieren.

    Inwieweit das Gesetz umsetzbar ist, wird sich zeigen müssen, da vielerorts bislang selbst grundlegende Beschilderung für Fußgänger und Fahrzeuge fehlt. Insbesondere in andinden Ortschaften mit extremer Hanglage dürfte die Förderung des Fahrradverkehrs eher schwer fallen.

    (Gesetz 29593).

  • Ex-Polizeichef Hidalgo übernimmt Perus Innenministerium

    Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Fernando Barrios wurde gestern Abend um 18 Uhr (Ortszeit) der ehemalige peruanische Polizeichef Miguel Hidalgo als Innenminister vereidigt.

    Miguel Hidalgo wurde 1952 in Chiclayo geboren und wuchs unter anderem in Chachapoyas und Cajamarca auf. 1973 wurde er Polizist und war Mitbegründer verschiedener Polizeieinheiten. 2009 übernahm er die Leitung der peruanischen Nationalpolizei PNP.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=1UphDsPsFiI

  • Gigantische Abfindung bringt Perus Innenminister zu Fall

    Unter extremem Druck hat Perus Innenminister Fernando Barrios heute Nachmittag seinen Rücktritt angekündigt. Zuvor war bekannt geworden, dass Barrios, der zuvor die staatliche Angestelltenkrankenkasse ESSalud geführt hatte, bei seinem Wechsel in die Regierung eine Abfindung von beinahe 190.000 Nuevos Soles bekommen hatte – 90.000 davon wegen „widerrechtlicher Entlassung“. Auf einen solchen Tatbestand konnte sich Barrios nach Angaben der Tageszeitung „Peru21“ bis zum Ende seines dreijährigen Vertrages bei Essalud berufen. Sein Arbeitsverhältnis endete dann mit seiner Berufung zum Minister am 13. September diesen Jahres, genau 2 Jahre, 11 Monate und 29 Tage nach seinem Arbeitsantritt bei Essalud.

    Obwohl Essalud inzwischen die Rechtmäßigkeit der Zahlungen bestätigt und Barrios selbst die Schenkung des Geldes an Pflegeheime der Angestelltenkrankenversicherung angekündigt hatte, wurden im Laufe des Tages die Rücktrittsforderungen immer lauter, zuletzt hatten selbst Abgeordnete seiner Partei (APRA) den Vorgang als „politisch gesehen unglücklich“ bezeichnet. Barrios selbst gestand ein, ihm habe bei dem Fall der politische Weitblick gefehlt. Dennoch sei bei den Zahlungen alles legal gewesen, so Barrios.

    Nach Angaben seiner Pressestelle hat Präsident García das Rücktrittsgesuch Barrios‘ angenommen. Die Vereidigung seines Nachfolgers wurde für heute 18 Uhr (Ortszeit) angekündigt.

  • Peru: Bevölkerung stimmt für Rückzahlung von Wohnungsbaufonds-Geldern

    Nach eineinhalb Monaten Auszählungszeit hat die peruanische Wahlbehörde ONPE vergangene Woche das positive Endergebnis der Volksabstimmung über die Rückzahlung von Geldern aus einem staatlichen Wohnungsbaufonds (FONAVI) bekannt gegeben. Tausende Menschen, die zwischen 1979 und 1998 in den Fonds einbezahlt hatten, entwickelten einen entsprechenden Gesetzentwurf, der nun mit überwältigen 66% der gültigen Stimmen angenommen wurde. Die peruanische Regierung muss nun eine Ad-Hoc-Kommission einrichten, die sich des Themas annimmt.

    Die peruanische Regierung hatte von Beginn an vor dem Gesetz gewarnt und den Initiatoren vorgeworfen, aus der Volksabstimmung politisch Kapital schlagen zu wollen. Damit lag man nicht ganz falsch, in zahlreichen Distrikten und Provinzen nahm an der Wahl am vergangenen 3. Oktober auch die „Partei der Fonavisten“ teil, die sich aus Referendumsbefürwortern gebildet hatte – allerdings ohne großen Erfolg. Dass die „ja“-Stimmen bei der Volksabstimmung dennoch so hoch gewannen, liegt wohl eher an der geringen Popularität der Regierung García, der man einen Denkzettel verpassen wollte.

    Interessant ist, dass die „ja“-Stimmen vorwiegend aus Regionen mit großen Städten kamen, während vorwiegend ländlich geprägte Regionen der Rückzahlung der FONAVI-Gelder eher kritisch gegenüber standen.

    Unter der Regierung des Ex-Diktators Alberto Fujimori wurde 1998 ein Gesetz beschlossen das dem peruanischen Staat die freie Verfügung über das FONAVI-Vermögen einräumte. Gleichzeitig wurden alle Schulden (Ley 26969) erlassen, die FONAVI-Teilnehmer noch bei dem Fonds hatten.

  • García: Yale gibt Machu Picchu-Fundstücke zurück

    Ein großer Erfolg für die peruanische Regierung und ein Wahlkampfthema weniger: Präsident Alan García gab die Einwilligung der Universität Yale bekannt, bis spätestens 2012 alle Fundstücke zurückzuführen, die nach der Wiederentdeckung der Inka-Ruinenstätte Machu Picchu 1911 in die USA gebracht worden waren. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit über die Besitzrechte an den Fundstücken, weswegen die Universität die Rückgabe verweigerte. Die peruanische Regierung hatte deshalb nicht nur Rechtsmittel eingelegt, sondern auch diplomatischen Druck aufgebaut.

    Die Stücke, die im Rahmen der Expedition des Archäologen Hiram Bingham geborgen worden waren, sollen nach Angaben des Presseamtes des peruanischen Präsidenten in der Universität San Antonio Abad (Cusco) untergebracht und weiteren Forschungen zugänglich gemacht werden. Dafür soll an der Universität ein neues Forschungszentrum entstehen. Zunächst ist die Rückführung besonders herausragender Objekte geplant, um zum hundertjährigen Jubiläum der Wiederentdeckung eine entsprechende Ausstellung zu gestalten.

    Vor wenigen Tagen war eine Abordnung der Universität Yale in Lima eingetroffen, um die Verhandlungen abzuschließen. Letztendlich soll, so das Presseamt, ein Telefonat zwischen García und Yale-Direktor Richard C. Levin den Ausschlag gegeben haben. Gleichzeitig bedankte sich der peruanische Präsident bei der Universität Yale. Ohne die gute Konservierung und Sammlung hätten sich wohl viele wertvolle Stücke in Privatsammlungen verloren, so García.

  • Loreto: Amazonas-Wasserstände normalisieren sich

    Der Hafen von Iquitos, 2005. Bild: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der Hafen von Iquitos, 2005. Bild: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    In den vergangenen Monaten wurden die niedrigsten Wasserstände am peruanischen Teil des Amazonas-Stromes seit beginn der Aufzeichnungen gemessen. Inzwischen haben sich diese aber dank der starken Regenfälle der letzten Tage wieder erholt und liegen sogar über dem Durchschnitt, wie der peruanische Wetterdienst SENAMHI gestern in Iquitos (Region Loreto) bekannt gab. Demnach ist für diese Jahreszeit ein Wasserstand von 108 Metern über dem Meeresspiegel normal, gestern lag die Marke dann sogar bei 109,56 Metern.

    Nach Angaben des SENAMHI nahm insbesondere die Wassermenge der Flüsse Ucayali und Huallaga stark zu, auch der Marañón, sowie der Ucayali konnten leicht zulegen.

    Am 9. Oktober lag der Wasserstand bei Iquitos mit 105,38 Metern über dem Meeresspiegel und machte vielerorts Schiffsverkehr und Trinkwasserversorgung unmöglich.

    Hinweis: Aufgrund der vielen Nachfragen finden Sie hier eine kurze Anleitung, wo sie aktuelle Pegelstände des Amazonas und anderer peruanischer Flüsse finden.

  • Andahuaylas: 17 Tote bei Busunfall

    Bei einem Busunfall in der Nähe der peruanischen Stadt Andahuaylas sind gestern Morgen nach Angaben des Nachrichtensenders RPP 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Kleinkinder. 15 weitere Passagiere wurden schwer verletzt in ein nahegelegenes Krankenhaus eingeliefert.

    Der Bus war aus noch ungeklärter Ursache von der Straße abgekommen und rund 150 Meter in die Tiefe gestürzt. Der Unfall ereignete sich bei Ccoripaccha im Distrikt Kishuará (Provinz Andahuaylas / Region Apurimac) an der Straße Andahuaylas – Incahuasi (Ayacucho).

  • Erdbebenserie erschüttert Südperu / Beben in Paita

    Eine Serie starker Erdbeben hat gestern Nachmittag und Abend (Ortszeit) große Teile Südperus erzittern lassen. Nach Angaben des peruanischen Institutes für Geophysik (IGP) war das erste – und mit einer Stärke von 5,5 auf der Richterskala kräftigste – Erdbeben um  14:36 Uhr zu spüren. Insbesondere Lomas, Nazca, Palpa, San Juan de Marcona und Chala waren davon betroffen. Das erste Nachbeben ereignete sich nur eine Minute später, das Epizentrum dieses Bebens der Stärke 5,2 lag dabei nur zwei Kilometer über dem des ersten.

    Ein zweites Nachbeben mit der Stärke 5,0 war dann um 20:31 Uhr zu spüren. Hier lag das Epizentrum ebenfalls nahe Lomas in einer Tiefe von 45 Kilometern.

    Von der Erdbebenserie waren insbesondere die peruanischen Regionen Ica und Arequipa betroffen. Über Schäden ist bislang nichts bekannt.

    NACHTRAG: Erdbeben erschüttert Paita

    Ein Erdbeben der Stärke 4,4 auf der Richterskala hat in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) das Umland der nordwestperuanischen Küstenstadt Paita (Region Piura) erzittern lassen. Nach IGP-Informationen war das Beben dort mit der Stärke II-III auf der modifizierten Mercalliskala zu spüren. Das Epizentrum lag rund 36 km südöstlich von Paita in einer Tiefe von 42 Kilometern.

  • Wahlen ’11: Kandidatenkarussel dreht sich

    Perus Parteien rüsten sich für den Wahlkampf.  Jeden Tag vermelden neue Parteien die Nominierung ihrer Kandidatinnnen und Kandidaten oder den Bau von Alianzen. Hier ein Überblick über mögliche Kandidaten und Bündnisse.

    Luis Castañeda, bislang Bürgemeister von Lima, führt insbesondere dort die Umfragen an. Seine – zumindest in der Hauptstadt –  hohe Popularität ist, wenn man der Presseabteilung seiner Partei Solidaridad Nacional glauben darf, bis nach Rom vorgedrungen. Dort soll sich Castañeda heute mit dem Papst getroffen und mit diesem über die Zukunft von Lima gesprochen haben. Thema soll aber auch die geforderte Rückführung von historischen Kunstobjekten nach Peru gewesen sein, die sich im Moment in der Universität Yale (USA) befinden. Damit hat Castañeda ein Thema angesprochen, das den Wahlkampf wohl mit prägen wird. Bei einem Treffen zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft vor wenigen Tagen erklärte Castañeda kürzlich, er sei ein Mann „der Taten“. Dass er dann das Treffen vor dem Beginn der Diskussion verließ, entspricht seinem Stil.

    Die christliche Volkspartei PPC ringt bislang noch mit sich, ob sie ihr Bündnis mit Castañedas „Solidaridad Nacional“ aufrecht erhalten soll oder doch mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen geht.

    Mercedes Aráoz, ehemalige Tourismus-, Außenhandels-, Wirtschafts- und Finanzministerin ohne Parteibuch wird wohl, wenn es nicht noch innerhalb der derzeitigen Regierungspartei APRA zu einer Revolution kommt, ebenfalls in den Ring steigen. Obwohl bereits vor Wochen zurückgetreten, wird sie noch immer für „Sondereinsätze“ in Anspruch genommen – zuletzt, um dem kolumbianischen Präsidenten die Errichtung eines gemeinsamen Marktes zwischen Chile, Peru und Kolumbien vorzuschlagen. Sie galt nicht nur lange als die „schönste Finanzministerin der Welt“, sondern hat durch ihren politischen Stil vor allem in wirtschaftsnahen Kreisen viele Anhänger gewonnen. Kritisiert wird sie insbesondere durch Ex-Premier Yehude Simon, der ihr in mehrern Interviews eine Mitverantwortung an den Ureinwohner-Aufständen im vergangenen Jahr vorwarf, bei deren gewaltsamer Beendigung mehr als 30 Menschen getötet wurden.

    Alejandro Toledo, Ex-Präsident, ist Kandidat seiner Partei Perú Posible und spielt in den aktuellen Umfragen ganz oben mit. Sein Wahlkampfteam kündigte bereits an, Toledos Frau Eliane Karp werde sich aus dem Wahlkampf heraushalten. Sie war in der Vergangenheit wiederholt durch in Peru unpopuläre Aussagen aufgefallen – die im Endeffekt meist auf ihren Mann zurückfielen. Ganz ohne Chance ist der „Mann aus dem Volk, der es ganz nach oben geschafft hat“, als der er sich gerne darstellt, dennoch nicht.

    Auch Ex-Militär Ollanta Humala, Gründer und Anführer der nationalistischen Partei, wird eine reale Chance eingeräumt, wie 2006 den zweiten Wahlgang zu erreichen. Humala wird nicht müde zu betonen, aus Peru kein zweites Chavez-Venezuela machen zu wollen. Obwohl zahlreichen sozialen Bewegungen nahestehend, ist Humalas Partei nur bedingt demokratisch strukturiert und in erster Linie auf seine Person ausgerichtet – ein Punkt, der nicht nur seine Partei betrifft. Ein Problem für Humala wird wohl, wie bereits 2006, seine engste Familie werden. So versuchte sein Bruder Antaúro Humala 2005, Präsident Toledo mit der Besetzung einer Polizeistation in Andahuaylas zu stürzen

    Marco Arana, Umweltaktivist und suspendierter Priester aus Cajamarca, schafft es bislang nur schwer, mit den Themen seiner Partei „Tierra y Libertad“ eine breite Öffentlichkeit zu finden. Obwohl seine Partei selbst nicht zur Präsidentschaftswahl antreten kann, betrachten ihn seine möglichen Gegner mit Argwohn. Er könnte in einem Bündnis mit „Fuerza Social“, der Partei der künftigen Bürgermeisterin von Lima, noch immer zum Kandidaten werden.

    Keiko Fujimori lässt derzeit nach einem fulminanten Kampagnenauftakt nur wenig von sich hören. Dass sich dies wieder ändert, ist zu erwarten. In aktuellen landesweiten Umfragen liegt die Diktatorentochter aber auf einem der vorderen Plätze.

    Der Ökonom Pedro Pablo Kuczynski tritt für eine ganze Reihe kleiner Parteien an, darunter Restauración Nacional, Alianza Por el Progreso und die humanistische Partei Partido Humanista Peruano. In den Umfragen taucht er bisher kaum auf, allerdings ist seine Nominierung auch erst wenige Tage alt.

    MEHR Artikel zu den Wahlen in Peru finden Sie im INFOAMAZONAS-Wahl-Spezial

  • Peruanische Polizei verteilt Fußgänger-Knöllchen

    Seit wenigen Tagen ist in Peru ein Gesetz in Kraft, nach dem auch Fußgänger für Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr zur Kasse gebeten werden. Über 2.000 solcher Strafzettel seien bereits verteilt worden, berichten peruanische Medien. Dass da viele Fußgänger „leider keine Ausweispapiere dabei haben“, bzw. „ihre Wohnadresse vergessen haben“ versteht sich von selbst.

    Dass es sich bei dem Gesetz um eines für Großstädte handelt, zeigte sich bereits nach wenigen Tagen. So wird aus Sicuani (Region Cusco), Chota (Cajamarca) und Chachapoyas (Amazonas) berichtet, die Polizei würde bislang auf Knöllchen für Fußgänger verzichten. Der Grund: Nur wenige Straßen und praktisch keine der wenigen vorhandenen Ampeln verfügt überhaupt über gekennzeichnete Fußgängerüberwege.

    Ohne entsprechende Beschilderung könne man keine Strafzettel verteilen, so Luis Enrique Farías von der Polizeidivision Canchis gegenüber Radio Sicuani.

    Nach dem Gesetz kostet das Ignorieren einer roten Ampel für Fußgänger 72 Nuevos Soles, das Aus- und Einsteigen aus und in ein fahrendes Fahrzeug immerhin noch 27 Nuevos Soles. Bei besonders schweren Fällen („betrunken oder unter Drogeneinfluss leichtfertig die Straße überquert“) werden 108 Nuevos Soles fällig, wer nicht rechtzeitig bezahlt, muss mit einem entsprechenden Eintrag bei INFOCORP, einer Art peruanischer Schufa, rechnen. Außerdem darf für zwei Jahre kein Führerschein erworben oder erneuert werden.