• Nach Mord an Reality-Kandidatin: Peru debattiert über Medien und Frauenrechte

    „Mut zur Warheit“ oder „Wert der Wahrheit“ ist der Titel einer peruanischen Reality-Show, die an den vergangenen Wochenenden höchste Einschaltquoten damit einfuhr, Kandidaten mit Hilfe eines Lügendetektors immer intimere Fragen beantworten zu lassen. Wird wahrheitsgemäß geantwortet, steigt das Preisgeld. Während der ersten Ausstrahlung vor wenigen Monaten saß eine 19jährige vor der Kamera, und gestand- mit Familie und Freund im Studio- ein, sich ihrer Herkunft zu schämen und sich prostituiert zu haben. Vergangene Woche verschwand die junge Frau plötzlich – bis am Wochenende plötzlich ihr Leichnahm auftauchte. Die peruanischen Medien machten den mutmaßlichen Mörder bald ausfindig: Ihr Freund. Obwohl auch die Polizei inzwischen in dessen Umfeld sucht, verneinte dieser in einer ersten Vernehmung die Verantwortung für den Tod des Opfers, gab aber an, mitgeholfen zu haben, den Leichnahm verschwinden zu lassen. Seitdem kocht die Gerüchteküche: Es sei aus Eiffersucht geschehen, titeln Boulevardzeitungen, es sei um das Preisgeld gegangen, sagen andere.

    Wie auch immer die Ermittlungen ausgehen: Der Mordfall hat in Peru eine Debatte ausgelöst, es wird über die Verantwortung von Medien gesprochen, aber auch über Gewalt gegen Frauen. Beto Ortíz, Moderator der Reality-Show, entschuldigte sich inzwischen bei den Eltern dafür, die Reality-Kandidatin nicht weiter begleitet zu haben, schloss aber eine Mitschuld an deren Tod aus. CONCORTV, das Selbstkontrollgremium peruanischer Medien, hatte die Sendung bereits vor dem Mord mehrfach kritisiert. Neben Forderungen nach einer Absetzung der Sendung gab es auch Rufe nach Gesetzesänderungen.

    Gleichzeitig begann aber eine weitere Debatte, die sich mit Frauenrechten beschäftigt. So wies der Blogger und Journalist Marco Sifuentes in seiner Kolumne für die Tageszeitung „La República“ darauf hin, dass das Fernsehformat in 30 Ländern ausgestrahlt wird, es aber nur in Peru zu einem Mord kam. Er vermutet als Ursache, dass in den anderen Ländern Gewalt gegen Frauen inzwischen wirklich als solche anerkannt wird – während es in Peru in 90% aller Fälle von Vergewaltigungen erwachsener Frauen zu keinem Urteil kommt – und eine „Beleidigung der Männlichkeit“ als Grund für Gewalt – in diesem Fall sogar Mord – gesellschaftlich akzeptiert ist.

  • Molinopampa / Amazonas: Palmenwald von San José und Ocol (Molinopampa) wird Schutzgebiet

    Bosque de Palmeras. Foto: SERNANP.
    Bosque de Palmeras. Foto: SERNANP.

    Die nordperuanische Region Amazonas ist einer der Vorreiter, wenn es um die Ausweisung privater Schutzgebiete geht. Mit dem „Bosque de Palmeras“ (dt. Palmenwald) hat das peruanische Umweltministerium vor wenigen Tagen im Distrikt Molinopampa (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) bereits das neunte private Schutzgebiet der Region ausgewiesen. Es handelt sich dabei um ein Areal von 10.920,84 Hektar, das zum Dörfchen Taulia gehört und vor allem mit Exemplaren der zur Gattung Ceroxylon gehörenden Palmen bewaldet ist. Diese Palmengattung ist insbesondere in den Anden beheimatet. Durch die Erhebung des Waldes nahe Ocol, Tingo, Pumahermana und San José zum Schutzgebiet soll eine weitere Abholzung und die Umwidmung zu Agrarflächen eingeschränkt werden. Das war nötig, da bereits die Hälfte des Palmenwaldes gerodet worden war.

    Der Entscheidung des Umweltministeriums vorangegangen war ein langwieriges Antragsverfahren, das neben den angrenzenden Ortschaften auch vom peruanischen Amazonas-Forschungsinstitut IIAP unterstützt worden war. Mehrere Forscher des IIAP (Instituto de Investigación de la Amazonía Peruana) hatten zuvor rund ein dutzend Pflanzen- und Tierarten identifiziert, die nur im nun geschaffenen Schutzgebiet zu finden sind.

    Der Palmenwald, für dessen Besuch in Chachapoyas (Hauptstadt der Region Amazonas) bereits erste Reiseanbieter werben, liegt zwischen 2.500 und 2.700 Metern über dem Meeresspiegel im Distrikt Molinopampa, rund 40 Kilometer östlich von Chachapoyas. Verwaltet werden wird er von der Bauernschaft Taulia, die damit die Verantwortung übernahm, das Schutzgebiet nachhaltig zu bewirtschaften, die Schutzgebiet-Behörde SERNANP (Servicio Nacional de Áreas Naturales Protegidas por el Estado) bei ihrer Arbeit zu unterstützen, sowie eine Umwidmung des Areals zu verhindern. In 40 Jahren wird dann erneut über die Vergabe der Schutzgebiets-Verwaltung entschieden.

    Inzwischen gibt es fast 150 Schutzgebiete in Peru, davon rund 50 private, von denen wiederum 9 in der Region Amazonas liegen. Das älteste in Amazonas ist das 2006 anerkannte „ACP Huiquilla“ (ACP – Área de Conservación Privada) Und es scheint sich auch finanziell zu lohnen: Im Jahr 2011 verzeichnete SERNANP in den peruanischen Schutzgebieten 1.035.310 Besucherinnen und Besucher.

  • INEI: 90% aller peruanischen Haushalte am Stromnetz

    Strommasten in Chachapoyas. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Strommasten in Chachapoyas. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Vor  8 Jahren waren es nur 75,7% und vor allem ländliche Gegenden haben aufgeholt: Neun von zehn peruanischen Haushalten sind heute an das Stromnetz angeschlossen. Wie aus dem jüngsten Quartalsbericht des peruanischen Instituts für Statistik und Informatik (INEI) hervorgeht, hat sich die Anzahl an Haushalten mit Stromanschluss in ländlichen Gegenden seit 2004 mehr als verdoppelt. Damals lag der Anteil elektrifizierter Haushalte noch bei 32%, heute sind es bereits 72,5%.

    Im städtischen Raum war das Wachstum wesentlich langsam – Hauptgrund dafür war aber, dass bereits 2004 94,3% aller städtischen Haushalte mit Strom versorgt wurden. Heute sind es 98,8%

    Auch in einem weiteren Punkt zeichnet sich eine klare Tendenz ab: Der chronischen Unterernährung bei Kindern unter 5 Jahren. Traf dies im Jahr 2000 noch auf 25,4% aller peruanischen Kinder unter 5 Jahren zu, waren es im ersten Quartal „nur“ noch 13,9%. Nimmt man statt den US-Amerikanischen aber die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), liegt Peru bei der Bekämpfung der Unterernährung von Kindern unter 5 Jahren weiter zurück. So leiden nach Kriterien der WHO heute 18,6% von ihnen trotz staatlicher Programme noch immer an chronischer Unterernährung.

    Peru in Zahlen und Statistiken. INFOAMAZONAS-Spezial.Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-Spezial Peru in Zahlen und Statistiken. Weitere Hinweise und Informationen finden Sie dort.

  • Peru: Handy-Verbot in Wahlkabinen

    Jurado Nacional de Elecciónes, peruanisches Wahltribunal. Bild: jne.gob.pe.
    Jurado Nacional de Elecciónes, peruanisches Wahltribunal. Bild: jne.gob.pe.

    Für die am kommenden Sonntag (30.09.) in vielen Teilen Perus stattfindenden Wahlen hat das Wahltribunal JNE die Mitnahme von Mobiltelefonen in die Wahlkabinen verboten. Die Telefone müssten bei Eintritt in das Wahllokal bei einem der Wahlhelfer abgegeben werden, so das JNE in einer Pressemitteilung. Hintergrund des Verbots ist, dass Handys mit eingebauter Kamera dazu genutzt werden können, zu überprüfen, wofür gestimmt wird. Dem Wahltribunal lagen offenbar Belege für Bestechungsversuche vor, bei denen Wählern Geld angeboten wurde, falls sie auf eine bestimmte Weise abstimmen und die entsprechende Wahl per Handyfoto belegen.

    Am kommenden Sonntag finden in insgesamt 270 Distrikten und Provinzen Perus -darunter 14 in der Region Amazonas – so genannte Abwahlprozesse statt, das bedeutet, es wird über den Verbleib von Bürgermeisterinnen und Gemeinderäten abgestimmt. Wird ein gewisses Quorum, sowie eine Mehrheit für die Abwahl erreicht, werden neue Bürgermeister oder Ratsmitgliederinnen notwendig. Erfolgreich verlaufen die Abwahlprozesse für ihre Initiatoren vor allem in kleinen, überschaubaren Distrikten.

    Die genaue Aufstellung aller abwahlbedrohten finden Sie hier! (Stand: 27.09.2012)

    Wenn Sie wissen möchten, ob Sie abstimmen dürfen, wo ihr Wahllokal liegt und ob Sie WahlhelferIn sind, finden Sie hier Informationen dazu (unter Eingabe ihrer DNI-Nummer).

    Landwirtin mit Mobiltelefon in Colcamar (Amazonas). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Landwirtin mit Mobiltelefon in Colcamar (Amazonas). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Weitere Informationen zum Thema Mobilfunk und Handys in Peru finden Sie im Dossier „Mobilfunkanbieter und Mobilfunkfrequenzen in Peru„.

  • Ucayali: Perus Polizei beschlagnahmt erneut Drogen-Flugzeug

    Die letzte Aktion ist gerade erst eine Woche her, schon konnte die peruanische Antidrogenpolizei (DIRANDRO) erneut ein Kleinflugzeug beschlagnahmen, das offenbar für den Transport von Kokain genutzt wurde. Der 57jährige Pilot bolivianischer Herkunft wurde festgenommen. Er hatte nach Angaben der Polizei drei Schrotflinten, ein Gewehr, sowie 250 Kilogramm Kokain bei sich. Der Polizeieinsatz fand nach Angaben der peruanischen Nationalpolizei bei einer illegalen Landepiste nahe der indigenen Gemeinschaft Santa Rosa de Sheshea (von einigen Zeitungen fälschlicherweise „Chechea“ genannt) im Distrikt Iparia (Provinz Coronel Portillo / Region Ucayali) statt. Das in Bolivien gemeldete Kleinflugzeug, eine Cessna 206 mit 6 Sitzen und einem Motor, sollte das Rauschgift in das südöstliche Nachbarland bringen, von wo es wiederum nach Europa geschmuggelt werden sollte.

  • Peru: Loretos Regionalpräsident hält an Regenwald-Eisenbahn fest

    Yvan Vásquez Valera, Regionalpräsident von Loreto. Foto: MINCETUR.
    Yván Vásquez Valera, Regionalpräsident von Loreto. Foto: MINCETUR.

    Eine landesweite Tageszeitung und die Ingenieurskammer der nordostperuanischen Regenwaldregion Loreto hatten das Projekt längst für tot erklärt: Gestern kündigte Regionalpräsident Yván Vásquez an, Ende 2013 oder Anfang 2014 werde mit den Bauarbeiten an der „Marañón-Express“ genannten geplanten Bahnstrecke zwischen Loretos Hauptstadt Iquitos und der Hafenstadt Yurimaguas begonnen. Yurimaguas, das ebenfalls zur Region Loreto gehört, ist einer der Endpunkte der nordperuanischen interozeanischen Straße, die den Warenverkehr zwischen Atlantik- und Pazifikküste über Peru und Brasilien hinaus vereinfachen soll. Zwischen Iquitos und Loreto ist der Waren- und Personentransport derzeit nur per Schiff oder Flugzeug möglich, was entweder mehrere Tage dauert oder aber sehr teuer ist. Mit der Eisenbahn möchte Regionalpräsident Vásquez nicht nur den Waren- und Personentransport, so Vásquez, schneller und bezahlbar machen, sondern gleichzeitig einem Problem vorbeugen, das sich insbesondere dort auftut, wo in Regenwaldregionen neue Straßen gebaut werden: Es kommt zu Ansiedlungen am Rande der Straßen und häufig zu unkontrollierter Abholzung.

    Derzeit arbeitet ein Konsortium an einem möglichen Routenverlauf. Ende kommenden Jahres soll dann eine Konzession für Bau und Betrieb der Bahnstrecke an ein Privatunternehmen vergeben werden. Gegner des Projekts rechnen damit, dass sich das Projekt finanziell nicht tragen wird – und, dass die Bauarbeiten einen Eingriff in Schutzgebiete mit sich bringen könnten. Dem ersten Vorwurf entgegnete Regionalpräsident Vásquez bereits vor einigen Monaten, in einem weiteren Schritt den Hafen von Iquitos ausbauen zu wollen und den Zug damit auch als Transportweg für brasilianische Exporte an die peruanische Küste zu nutzen. Bislang ist dies nur über den Wasserweg möglich – und dauert mehrere Tage. Insbesondere während der Trockenzeit führt das zu Problemen.

    Bald mit Bahnhof? Dorf am Amazonas zw. Iquitos und Yurimaguas. Foto: D. Raiser / Infoamazonas.
    Bald mit Bahnhof? Dorf am Amazonas zw. Iquitos und Yurimaguas. Foto: D. Raiser / Infoamazonas.

    Pläne zum Eisenbahnbau in der Region Loreto gab es bereits einige. So beispielsweise für einen Zug von Pimentel über Tarapoto nach Yurimaguas oder von Lambayeque nach Saramiriza. Über den Status von Ideen kamen sie allerdings kaum heraus. Derzeit wird auch die Machbarkeit der neuen Pläne geprüft, dazu gehört auch ein erster Kontakt mit denjenigen, die von den Bauarbeiten direkt betroffen sein könnten: Anwohner, insbesondere auch indigene Gemeinschaften.

  • Perus Finanzminister Castilla: Bestimmte Tourismus-Dienstleistungen weiter steuerfrei

    Luis Miguel Castilla, Perus Finanz- und Wirtschaftsminister. Foto: Norman Córdova / ANDINA.
    Luis Miguel Castilla, Perus Finanz- und Wirtschaftsminister. Foto: Norman Córdova / ANDINA.

    Nach Protesten der peruanischen Reisebranche hat Perus Finanz- und Wirtschaftsminister Luis Miguel Castilla einen Rückzieher gemacht. Es werde auch in Zukunft keine Mehrwertsteuer (IGV) für bestimmte Tourismus-Dienstleistungen fällig, so Castilla. Vor wenigen Tagen hatte ein Dekret seines Ministeriums unter den Reiseunternehmern für Unruhe gesorgt, das bisherige Mehrwertsteuerbefreiungen zurücknahm – gestern nun wurde eine Korrektur veröffentlicht, die mehrere Ausnahmen vorsieht. Damit müssen Touristen aus dem Ausland zwar künftig Mehrwertsteuer auf Tourismusdienstleistungen bezahlen, können diese – bei Vorlage entsprechender Quittungen im Büro der Steuerbehörde SUNAT im Flughafen Lima – aber zurückfordern. Die Rückzahlung soll dann innerhalb von rund 60 Tage erfolgen.

    Zurückgefordert werden kann beispielsweise die Mehrwertsteuer auf Essen, klar touristische Transporte (Überlandreisen sind explizit ausgeschlossen), Reiseführer, Folklore- und Teateraufführungen, Konzerte mit klassischer Musik, Opern und Ballette, solange sie (außer der Übernachtung) Teil eines Gesamtpaketes sind. Konzerte, die nicht darin zu fassen sind, sowie Taxi- oder Busfahrten sind ebenfalls ausgeschlossen. Zudem sollten Reiseunternehmen, die die Befreiung nutzen wollen, sich als Tourismus-Dienstleister beim Außenhandels- und Tourismusministerium (MINCETUR) registrieren lassen.

    Reiseindustrie zufrieden

    CANATUR, der Verband der peruanischen Reiseindustrie, begrüßte die Änderungen. Verbandspräsident Carlos Canales erklärte, die Änderung behebe wesentliche Mängel. Damit werde ein großer Beitrag zur Formalisierung der Tourismus-Industrie geleistet. CANATUR hatte befürchtet, durch den Aufschlag von 18% Mehrwertsteuer werde man gegenüber den Nachbarländern an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

    Mehrwertsteuerbefreiung auch für Reiseandenken?

    Nach Angaben des Finanzministeriums wird derweil auch an einem Dekret gearbeitet, das für ausländische Touristen die Rückzahlung der Mehrwertsteuer auf Souvenirs vorsieht.

  • Humala: Staat muss Vertrauen der Bürger gewinnen / 30.000 neue Polizisten?

    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.
    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.

    In einem außergewöhnlich langen Interview mit dem Nachrichtensender RPP hat der peruanische Präsident Ollanta Humala gestern angekündigt, er strebe an, den Staat für Bürgerinnen und Bürger wieder „vertrauenswürdig“ zu machen. Dafür müsse der Staat es schaffen, schnell und mit vereinten Kräften nationale Interessen wie den Kampf gegen den Terrorismus und die Korruption umzusetzen, so Humala. Dafür ist für den Präsidenten neben 30.000 weiteren Polizisten eine umfassende Versorgung mit Strom, Infrastruktur, Wasser, eine Industrialisierung, sowie eine Überarbeitung des Dezentralisierungsgesetzes notwendig. Der von ihm während seines Wahlkampfs im vergangenen Jahr bemühte „Wandel“ solle dabei in ländliche Regionen, häufig die ärmsten des Landes, „revolutionieren“.

    Humala kritisierte, das geltende Dezentralisierungsgesetz sei voller „Schlaglöcher“,  beschreibe die Beziehung zwischen der Regierung in Lima und den Regionalregierungen und Kommunen nicht ausreichend und beinhalte mit dem Abwahlprozess für letztere eine „Achillesferse“, die dazu führe, Positionen einzunehmen, die nicht den Interessen einer Region entsprechen – und das nur, um radikale Gruppierungen an der Unterschriftensammlung für die Abwahl zu hindern. Obwohl Präsident Humala damit wohl auch auf die Situation in Cajamarca anspielte, nannte er ausdrücklich die Probleme mit dem Gaskraftwerk in Kallpa (Chilca), einem der wichtigsten Energieliferanten der peruanischen Hauptstadt Lima, das wegen einer Anordnung des Ortsbürgermeisters heruntergefahren werden musste. Das Betreiberunternehmen wirft dem Bürgermeister vor, permanent nach Gründen zu suchen, um das Kraftwerk abschalten zu lassen. Ollanta Humala erklärte, es sei „peinlich“, wie manchmal lokale Interessen vor nationale Interessen gestellt würden. Alfredo Chauca, Bürgermeister von Chilca, wirft den Betreibern des Gaskraftwerks vor, seit 2006 keine Abgaben entrichtet, Bauarbeiten ohne Baugenehmigung vorgenommen und den Zivilschutz nicht um eine Betriebserlaubnis ersucht zu haben, worüber die Verantwortlichen bereits vor Monaten in Kenntnis gesetzt worden seien. Interessanterweise berichten lokale Medien, das Kraftwerk sei trotz Anordnung nicht heruntergefahren worden.

    Bereits in den vergangenen Monaten wurden mehrere Gesetzentwürfe für Änderungen am Dezentralisierungsgesetz vorgelegt, allerdings keiner mit der Unterschrift des Präsidenten. Statt einer grundlegenden Diskussion über eine Neuausrichtung der Dezentralisierung beinhalten sie allerdings lediglich Kürzungen der relativ geringen Autonomie der Regionalregierungen. Die Regionalregierungen selbst verlangen dagegen mehr Autonomie, insbesondere die Verwaltung ihrer eigenen Mittel.

  • Perus Polizei stellt um auf Digitalfunk

    Verkehrspolizistin beim Regeln des Verkehrs. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Verkehrspolizistin in Lima. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Wollen peruanische Polizisten einen Notruf absetzen, müssen sie auch heute noch häufig auf ihre privaten Mobiltelefone zurückgreifen. Denn: Nicht nur viele Fußpatrouillen haben kein Funkgerät, sondern auch zahlreiche Polizeiautos. Ob sich das schnell ändern wird, ist fraglich, dafür bekommen einige Polizeiautos und Rettungsleitstellen aber neue, offiziell abhörsichere und digitale Geräte. Denn das digitale Funksystem, das bereits seit einiger Zeit in La Punta im äußersten Osten der Provinz Callao getestet wird, soll ab März 2013 Stück für Stück in ganz Peru flächendeckend zum Einsatz kommen.

    Vizeinnenminister Roberto Reynoso, der stolz verbreitet, die peruanische Polizei werde dadurch das „beste Kommunikationssystem der Region“ haben, sprach nun von zunächst 6.000 Endgeräten, von denen 4.000 für Fußpatrouillen, 1.700 für Polizeiautos und 300 für Polizeidienststellen gedacht seien. Jedes davon versende seine Daten zu „100% verschlüsselt“, so Reynoso. Das ist wohl auch besser so, denn die neuen Funkgeräte haben einen GPS-Chip eingebaut, durch den der Standort seines Trägers permanent übermittelt wird – Datenmaterial, an dem bestimmt auch so mancher Krimineller interessiert wäre.

    Plaza de Armas, Cocabamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Bisher ohne Digitalfunk: Polizeiposten Cocabamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Während in den kommenden Jahren – bis 2016 – das ganze Land mit dem neuen Polizeidigitalfunk ausgestattet werden soll, ist nun zunächst die Hauptstadt Lima dran. Erster Schritt, so der Vizeinnenminister, ist lückenloser Empfang von „Pucusana bis Ancón, von Chosica bis Callao“. Nächste Schritte sind dann Arequipa, Tacna und Piura. Das verwendete System selbst kann offenbar mit bis zu 18.000 Endgeräten arbeiten, darunter auch mit speziellen Empfängern für Feuerwehr, Krankenwagen und Überwachungskameras. Für die Testphase werden wohl zunächst die Überwachungskameras des „Metropolitano“-Schnellbussystems in Lima angeschlossen. Neben dem Sprechfunk soll das neue System eines Tages auch den Zugang zu den Datenbanken der Melderegisterbehörde RENIEC ermöglichen, die auch Fingerabdrücke speichert.

    Auch die peruanische Notrufzentrale (Nummer: 105) soll weiter ausgebaut werden, so dass pro Tag bis zu 40.000 Anrufe entgegen genommen werden können. Bleibt zu hoffen, dass es gar nicht nötig sein wird, so viele Notrufe entgegen zu nehmen. Und, dass schon bald weitere Endgeräte erworben werden – ansonsten müssten peruanische Polizisten auch weiterhin auf ihre Privathandys oder öffentliche Satellitentelefone zurückgreifen.

  • Lima: Steit um Verlegung von La Parada-Großmarkt

    Pläne, den „La Parada“-Markt im Distrikt La Victoria der peruanischen Hauptstadt Lima zu verlegen gibt es schon lange, zu wenig wird er doch wichtigen Sicherheitsstandards gerecht und zu schwer ist die Belieferung. Die Metropolverwaltung Lima hat deshalb einen neuen Großmarkt bauen lassen, den „Gran Mercado Mayorista de Lima“ in Santa Anita. Doch die Händler von „La Parada“ weigern sich, umzuziehen. Sie verlangen statt dessen, „La Parada“ zu modernisieren. Das städtische Marktorganisationsunternehmen EMMSA, das von Perus ehemaligem Umweltminister Ricardo Giesecke geleitet wird, sieht dort aber ein Fehlen aller für den Marktbetrieb grundlegenden Gegebenheiten und Bürgermeisterin Susana Villaran gab bereits den Auftrag, auf dem Gelände des heutigen Marktes, auf dem vor allem landwirtschaftliche Produkte in großen Mengen gehandelt werden, einen Park anzulegen.

    Eingeweiht wurde der neue Großmarkt bereits gestern – Medien berichten von der Abwesenheit aller Händlerinnen und Händler. Angeführt wird der Widerstand gegen die Verlegung des Marktes von Margarita Valladolid, die auf dem Markt selbst mit Limetten, Mangos und Maracuyas handelt. In mehreren Interviews erklärte Valladolid, die Händler von La Parada seien generell gegen die Verlegung, weil sie Probleme für Händler und Kunden fürchteten. Zudem warf die Unternehmerin der Metropolverwaltung vor, nicht den Dialog zu suchen und forderte, die Konzessionen für Marktstände für mindestens 30 Jahre zu vergeben. Wie ernst es Valladolid aber wirklich mit ihrem Widerstand ist, steht seit heute Morgen in Frage. Da wurde im Frühstücksfernsehen aufgedeckt, dass sie sich selbst vor einigen Wochen für einen Platz im neuen Großmarkt hat registrieren lassen.

    EMMSA hofft, mit der Umsiedlung und eine bessere Marktorganisation jährlich allein 300.000 Nuevos Soles an Reinigungskosten einzusparen. Nach EMMSA-Angaben fielen für das städtische Unternehmen täglich rund 120 Tonnen Abfälle an. Im neuen Markt sollen Händler selbst für die Abfallentsorgung zuständig sein. EMMSA-Chef Giesecke kündigte derweil an,  den Dialog mit den Verlegungs-Gegnern zu suchen und schloss eine gewaltsame Verlegung aus.

    Hinweis: Lesen Sie auch den aktuellen Beitrag zum Thema: Lima / Peru: Zwei Tote bei Ausschreitungen wegen Schließung von Großmarkt La Parada.