Schlagwort: Wahlen 10/11

  • Peru: Wahl am 5. Juni erstmals mit Wahlcomputern

    Bei der Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt am kommenden 5. Juni werden erstmals Wahlcomputer zum Einsatz kommen. Wie der verantwortliche für Informatikprojekte der peruanischen Wahlbehörde ONPE, Ricardo Saavedra, gegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur ANDINA erklärte, soll dieser Abstimmungsmodus zunächst im Distrikt Pacarán (Provinz Cañete / Region Lima) getestet werden. Dort werden bereits seit einigen Wochen Hard- und Software für die Stimmabgabe getestet. Auch die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer wurden eigens dafür geschult.

    Sollte das Pilotprojekt, an dem wohl 1.350 Wahlberechtigte teilnehmen werden, erfolgreich ablaufen, wird es für kommende Wahlprozesse auch auf andere Regionen ausgeweitet. Zunächst hatte es auch in Peru Kritik an der elektronischen Stimmabgabe gegeben, for allem wegen der Frage der Möglichkeit der Wahlfälschung. Insbesondere nach der über einen Monat andauernden Auszählung der Stimmen der Bürgermeisterwahl in Lima waren diese aber weitgehend verstummt, versprechen die Computer doch eine schnelleres Ergebnis.

    Die Soft- und Hardware der Wahlcomputer wurde gemeinsam von Informatikern der Wahlbehörde ONPE, der Universität San Marcos und der Universidad Católica unter Aufsicht der Organisation amerikanischer Staaten (OAE) entwickelt. Derzeit wird das Computersystem im Auftrag der OAE von einem Spezialunternehmen überprüft. Am Tag der Wahl sollen in Pacarán neben diversen ONPE-Spezialisten auch nationale und internationale Wahlbeobachter zugegen sein, um den korrekten Ablauf der elektronischen Stimmabgabe zu kontrollieren.

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  • Kommentar zur Wahl am 5. Juni: Ungültige Stimme, nutzlose Stimme

    Ein Aufruf geistert derzeit per E-Mail und über soziale Netzwerke durch Peru: Die Forderung, bei der Präsidentschaftswahl am  5. Juni ungültig zu stimmen. Hintergrund dieses Aufrufes ist nicht nur die geringe Popularität der Kontrahenten Keiko Fujimori und Ollanta Humala, sondern auch ein Passus des peruanischen Wahlgesetzes (Art. 365 Abs. 2), nach dem eine Wahl annuliert wird, wenn mehr als zwei Drittel der abgegebenen Stimmzettel ungültig oder unausgefüllt sind. Dafür müssten über 12 Millionen der rund 19 Millionen wahlberechtigten Peruanerinnen und Peruaner so vorgehen. Genau das wollen die Initiatoren dieser Aufrufe – allein auf Facebook gibt es mehr als 5 entsprechende Gruppen mit tausenden Mitgliedern –  erreichen.

    Der Grund, warum dieser Plan scheitern wird, liegt in einem einfachen Gedankenspiel.

    Ollanta Humala erhielt in der ersten Wahlrunde 27,8% der insgesamt abgegebenen Stimmen (31,7% der gültigen Stimmen), Keiko Fujimori 20,7% (23,6% der gültigen Stimmen). Zusammen kamen beide auf fast 50% der insgesamt abgegebenen Stimmen. Da in der ersten Runde alle Wählerinnen und Wähler noch eine umfassende Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten aller politischen Richtungen hatten, können diese als Humala- bzw. Fujimori-Anhänger bezeichnet werden, die wohl auch in der zweiten Runde für den jeweiligen Kandidaten stimmen werden. Gewisse Wählerwanderungen sind natürlich denkbar, auch, weil beide Gruppierungen ihre Programme etwas verändert haben. Ein Rückgang der genannten Summe bis auf 33%, also rund einem Drittel, ist auch unwahrscheinlich, weil durch die Programmänderungen wiederum andere Wählergruppen hinzugewonnen wurden. Weiters sind Facebook und Co nicht in allen Teilen und Bevölkerungsschichten Perus verbreitet, der Aufruf wird also viele gar nicht erst erreichen. Kurzum: Es ist zwar nicht unmöglich, aber äußerst unwahrscheinlich, dass zwei Drittel der abgegebenen Stimmen ungültig oder unausgefüllt sind.

    Das bedeutet, jede ungültige Stimme ist eine nutzlose Stimme. Sie drückt zwar, wenn der Anteil ungültiger Stimmen sehr hoch ist, einen gewissen Protest aus, ansonsten aber nichts. Anstatt dafür zu sorgen, dass der Kandidat oder die Kandidatin mit der oder dem man notfalls noch leben könnte, gewählt wird, legt man sein Schicksal in fremde Hände. Und nicht nur seines, sondern auch das Schicksal der Familie, das der Region und des ganzen Landes.

    De la Nulidad Total (aus dem Ley Nº 26859, Ley Orgánica de Elecciones)
    Artículo 365.- El Jurado Nacional de Elecciones declara la nulidad total de las elecciones en los siguientes casos:
    1. Cuando los votos nulos o en blanco, sumados o separadamente, superan los dos tercios del número de votos válidos;
    2. Si se anulan los procesos electorales de una o más circunscripciones que en conjunto representen el tercio de la votación nacional válida.
    Artículo 366.- La resolución de nulidad es dada a conocer de inmediato al Poder Ejecutivo y publicada en el Diario Oficial „El Peruano“.
    […]
    Artículo 368.- En caso de anulación total, las nuevas elecciones se efectúan en un plazo no mayor de 90 (noventa) días.

     

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  • Eduardo Nayap und Héctor Becerril, Amazonas‘ neue Kongressabgeordnete

    Mit dem evangelischen Pastor Eduardo Nayap Kinin (Gana Perú) und dem Lebensmittelchemiker Héctor Virgilio Becerril Rodríguez (Fuerza 2011) stehen die neuen Kongressabgeordneten der nordperuanischen Region Amazonas fest. Nayap Kinins Parteikollege Alfonso Maslucán erhielt zwar mehr Stimmen (16.051) als Becerril Rodríguez (14.946), fiel aber dem im peruanischen Wahlrecht festgeschriebenen Präferenzstimmensystem zum Opfer. Wegen der nicht ausreichenden Stimmenzahl der Regionalliste von Gana Peru in Amazonas steht dieser kein zweiter Platz im Parlament zu. Maslucán Culqui hatte zunächst das Ergebnis mehrerer Wahllokale angefochten. Wäre die Anfechtung erfolgreich gewesen, hätte er noch an Nayap Kinin vorbeiziehen können, das peruanische Wahltribunal entschied aber gestern, die Anfechtung nicht zuzulassen.

    Eduardo Nayap Kinin gehört den Awajún an, einer Jívaro-Ethnie, die vor allem im Norden der Region Amazonas* beheimatet ist. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in Costa Rica, wo er Theologie, Soziologie und Lehramt Mathematik studierte, bei verschiedenen Sozialprojekten arbeitete und sich als Pastor diverser Kirchen betätigte. Die höchsten Stimmenanteile erhielt er in den Wahllokalen der Provinzen Condorcanqui und Bagua. Héctor Virgilio Becerril Rodríguez aus Milpuc (Provinz Rodríguez de Mendoza) studierte Pharmazie und Lebensmittelchemie in Lima und Trujillo, arbeitete als Universitätsdozent und war zuletzt bei dem zu „Grupo Oviedo“ gehörenden peruanischen Agrargiganten Pomalca S.A.A. angestellt

    *Region Amazonas – nicht zu verwechseln mit Amazonasregion oder gar Amazonasbecken. Die Region Amazonas beschreibt eine Verwaltungseinheit, die vom Territorium her in seiner derzeitigen Form mit dem Departamento Amazonas übereinstimmt.

    Nachtrag: Eduardo Nayap Kinin bekam übrigens nicht, wie beim Deutschlandradio Kultur zu lesen ist, 100% der Stimmen. Dafür müsste er wohl mit Nachnamen mindestens Fujimori oder Montesinos heißen…

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  • Peru: Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten am 29. Mai

    Das letzte Fernsehduell der peruanischen Präsidentschaftsbewerber findet am 29. Mai im Hotel JW Marriott in Miraflores (Lima) statt. Teilnehmen werden die beiden Erstplatzierten der ersten Wahlrunde, Keiko Fujimori und Ollanta Humala. Das haben die Wahlbündnisse Fuerza 2011 und Gana Perú beschlossen. Das Duell wird um 20 Uhr (Ortszeit) beginnen und über das Staatsfernsehen TVPeru übertragen. Hauptorganisatoren sind neben dem peruanischen Wahltribunal JNE die Wahlbeobachterorganisation Transparencia und der peruanische Ableger des US-amerikanischen National Democratic Institute. Bereits eine Woche zuvor soll es eine Debatte zwischen den Verantwortlichen der jeweiligen Wahlprogramme geben.

    Die Stichwahl zwischen Ollanta Humala und Keiko Fujimori findet am 5. Juni 2011 statt. Wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen kann, wird am 28. Juli, dem Nationalfeiertag, in den peruanischen Präsidentenpalast in Lima einziehen.

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  • Perus Zeitungen im Wahlkampf: Noch 23 Tage Hass

    In 23 Tagen werden Perus Wähler in einer Stichwahl den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Perus Präsident Alan García bestimmen. Auf dem Weg dahin wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Die Kandidaturen von Ollanta Humala und Keiko Fujimori spalten Peru. Besonder sichtbar wird dies an den großen Tageszeitungen, die sich auch für die fadenscheinigsten Schmutzkampagnen nicht zu schade sind und, ohne es klar zuzugeben, gegen einen und für einen anderen Kandidaten schreiben. So müsste man Ollanta Humala nach der Lektüre der peruanischen -eigentlich- „Qualitätszeitungen“ El Comercio und Peru21, sowie dem Correo, der aber immer am rechten Rand fischt, für einen glühenden Anhänger Hugo Chávez‘ halten, der die gesamte Industrie verstaatlichen, die Abtreibung vollständig legalisieren und die Steuern erhöhen möchte und sich vor allem durch tägliche Meinungswechsel auszeichnet. Und Keiko Fujimori erscheint nach einem Blick in La Primera und teilweise auch in La República wie eine Marionette ihres Vaters, die sofort ihren Vater begnadigen, jegliche Demokratie abschaffen, Frauen zwangssterilisieren und sich die Taschen mit großen Mengen Steuergeld füllen würde.

    Gründe für diese Angst haben natürlich auch die Kandidatin und der Kandidat selbst geliefert, Ollanta Humala durch frühere Wahlprogramme und einen nicht immer kohärenten Diskurs und Keiko Fujimori durch die öffentliche Bewunderung der Regierungszeit ihres zeitweise diktatorisch herrschenden Vaters. So gibt es auch keine Sicherheit, dass nicht doch die eine oder andere Befürchtung eintritt. Da aber in den meisten Zeitungen (denen auch oft Radio- und Fernsehsender gehören) nicht einmal der Versuch einer ausgewogenen Berichterstattung unternommen wird, werden die Gräben zwischen beiden Lagern noch weiter vertieft, obwohl es in Peru bereits jetzt zu viele soziale Gegensätze und Konflikte gibt. Und die Angst, die viele Peruaner hinter vorgehaltener Hand äußern, der oder die Unterlegene könnte sich nach der Wahl an die Macht putschen, wird noch größer.

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  • Peruanischer Wahlkampf wird immer härter / Druck auf Journalisten

    Die Wahlen sind erst in fast vier Wochen, doch der peruanische Wahlkampf ist an Härte und Schmutz bereits kaum zu überbieten. Einen traurigen Höhepunkt bot in den vergangenen Tagen der Rauswurf oder Druck auf Journalistinnen und Journalisten, die sich kritisch mit der Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori auseinandergesetzt hatten. Derweil werden sowohl auf der Seite Fujimoris, als auch ihres Kontrahenten Ollanta Humala, böswillige Gerüchte lanciert, um die Kandidatur des oder der jeweils anderen zu beschädigen. Gleichzeitig werden beide täglich zum Unterzeichnen von Verpflichtungserklärungen gedrängt, mit denen gesellschaftliche (insbesondere wirtschaftliche) Gruppierungen aller Couleur Fujimori und Humala gegen Unterstützung auf ihren Kurs einschwören wollen. Durch die aufgeheizte Stimmung kommt es immer wieder zu tätlichen Angriffen gegen Humala, Fujimori, sowie die jeweiligen Anhänger, für die dann jeweils der oder die andere verantwortlich gemacht wird.

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  • Endergebnis der peruanischen Präsidentschaftswahl

    Einen Sieger brachte die erste Wahlrunde am vergangenen 10. April nicht hervor, dafür aber zahlreicher Verliererinnen und Verlierer. Die Ziffern sind schon einige Tage bekannt, hier noch einmal kurz für die LeserInnen von INFOAMAZONAS die Daten im einzelnen.

    1. Ollanta Humala Tasso vom Wahlbündnis Gana Perú erreichte 4.643.064 Stimmen, was  31,699% aller gültigen abgegebenen Stimmen entspricht. Damit tritt er am kommenden 5. Juni an der Stichwahl teil.

    2. Keiko Fujimori Higuchi vom Wahlbündnis Fuerza 2011 erreichte mit 3.449.562 Stimmen 23,551%. Als zweitplatzierte wird auch sie am 5. Juni auf den Stimmzetteln stehen.

    3. Pedro Pablo Kuczynski vom Wahlbündnis Alianza para el gran Cambio erreichte 2.711.332 und damit 18,511% der gültigen Stimmen. Damit bestätigte sich die Tendenz der letzten veröffentlichten Umfragen vor der Wahl. Dennoch reicht die Platzierung nicht zur Teilnahme an der Stichwahl.

    4. Alejandro Toledo Manrique von Perú Posible erhielt 2.289.540 Stimmen, was 15,631% der gültigen Stimmen entspricht.

    5. Luis Castañeda Lossio, vom Bündnis Solidaridad Nacional erhielt 1.440.242 Stimmen und damit nur 9,833 % der gültigen Stimmen.

    Alle anderen KandidatInnen erhielten weniger als 0,3%. Überraschenderweise erhielt auch der Kandidat von Fuerza Social, Manuel Rodríguez Cuadros, mehr als 9.000 Stimmen, obwohl er vor der Wahl seinen Rückzug angekündigt hatte.

    Quelle: Peruanische Wahlleitung ONPE.

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  • Keikos Vorsprung verfestigt sich

    Nach Auszählung von 92% der abgegebenen Stimmen bei der Präsidentschaftswahl in Peru am vergangenen Sonntag zeichnet sich eine Verfestigung von Keiko Fujimori auf dem zweiten Platz ab. Während der erstplatzierte Ollanta Humala mit 31,8% der gültigen Stimmen seinen ersten Platz behielt, stieg Keiko Fujimori auf 23,5% der gültigen Stimmen. Pedro Pablo Kuczynski sank auf 18,7%. Nach der aktuellen Hochrechnung erhielt Ex-Präsident Toledo 15,5%, Luis Castañeda Lossio 9,9%.

    Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist für den kommenden 5. Juni eine Stichwahl zwischen den bei den erstplatzierten angesetzt.

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  • Wahlleiterin Chu: In einer Woche könnte Wahlergebnis feststehen

    Die Chefin der peruanischen Wahlbehörde ONPE, Magdalena Chu, schätzt, dass das Ergebnis der gestrigen ersten Runde der Präsidentschaftswahlen erst in einer Woche feststehen wird. Grund dafür sind neben den großen Distanzen zu manchen Wahllokalen auch angefochtene Wahllokalereignisprotokolle. Wird gegen ein solches Wahllokalereignisprotokoll, das auch das Endergebnis der Abstimmung in einem Wahllokal enthält, Einspruch erhoben, muss das peruanische Wahltribunal JNE angerufen werden. Bei den vergangenen Bürgermeisterwahlen in der Hauptstadt Lima wurden so viele Einsprüche erhoben, dass das Wahltribunal zum Abarbeiten mehr als einen Monat benötigte. Bis zur letzten Entscheidung des Tribunals kann kein Endergebnis angegeben werden. Die aktuellen Hochrechnungen werden allerdings dennoch weiterhin auf der Internetseite der Wahlbehörde veröffentlicht.

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  • Kommentar: Peru wählt fürs Andenparlament…und keiner weiß, worum es geht

    Neben dem neuen Präsidenten und den Kongressabgeordneten werden am kommenden Sonntag auch die peruanischen Abgeordneten für das Andenparlament – eine Einrichtung der EU-ähnlichen Andengemeinschaft (CAN) – gewählt. Leider kennt kaum jemand die Kandidaten und mit dem Wissen um die Aufgaben und Kompetenzen des Andenparlaments sieht es ganz ähnlich aus. Einzig das Gehalt der Abgeordneten erregt hin und wieder aufsehen.

    So ist der Vorschlag, der heute von diversen peruanischen noch-Kongressabgeordneten in verschiedenen Nachrichtensendungen verbreitet wurde, nicht weiter verwunderlich. Der Kongressabgeordnete Víctor Andrés García Belaunde (Acción Popular) kündigte an, kommende Woche ein Gesetzesprojekt vorzulegen, um die Abgeordneten für das Andenparlament in Zukunft nicht mehr direkt vom Volke, sondern vom Parlament aus den eigenen Reihen, wählen zu lassen. Manche Länder der Andengemeinschaft handeln genauso, allerdings nur, weil sie die Modifizierungen das Cartagena-Abkommen, das die Grundlage für die heutige Andengemeinschaft bildet, noch immer nicht umgesetzt haben. Ganz falsch ist der Vorschlag mit der Entsendung von Abgeordneten insofern nicht, dass die Funktion des Andenparlamentes bis heute vor allem darin besteht, gemeinsame politische Ziele zwischen den einzelnen CAN-Staaten zu koordinieren (Koheränz). Er greift aber zu kurz, da die derzeitige Rolle des Andenparlamentes nicht die ist, die es eigentlich haben sollte. So kann das Parlament bislang keine Entscheidungen treffen, sondern lediglich Empfehlungen zu Themen aussprechen, die vom CAN-Generalsekretariat oder den Mitgliedsstaaten auf die Tagesordnung gesetzt wurden.

    Fehlende Sachkenntnis bewies dann auch der Vorsitzende der Justizkommission des peruanischen Parlamentes, Rolando Sousa, der forderte, die peruanischen Abgeordneten des Andenparlamentes sollten Abgesandte des Außenministeriums sein. Denn mit dem Rat der Außenminister, verfügt die Andengemeinschaft bereits über ein Gremium von Außenministern und deren Abgesandten.

    Dabei wird die Wichtigkeit der Andengemeinschaft für den Alltag häufig unterschätzt. Denn dank ihr können hunderttausende Migranten in Kolumbien, Bolivien, Ecuador und – auch wenn das Land kein volles Mitglied ist – teilweise auch in Chile legal arbeiten und sich sozial absichern. Besonders Bewohner von Grenzregionen profitieren, denn dank des vereinfachten Personenverkehrs innerhalb der CAN reicht ein Personalausweis, um in ein Nachbarland zu reisen. Dazu werden Stück um Stück Grenzkontrollen zusammengelegt, so dass nur noch einmal kontrolliert wird. Auch Waren können einfacher transportiert werden. Und bei vielen grenzüberschreitenden Sozial- und Umweltprojekten wissen nicht einmal die begünstigten, dass dahinter die Andengemeinschaft steckt. Mit dem Andengerichtshof haben „Andenbürger“ die Möglichkeit, die Einhaltung der Menschenrechte im Heimatland auch dann einzuklagen, wenn die nationale Justiz entsprechende Vergehen nicht ahndet.

    Lauter Gründe also, warum denjenigen, die diesen Sonntag zur Wahl gehen, aber auch Kongressabgeordneten wie Rolando Sousa oder Víctor Andrés García Belaúnde, das Andenparlament am Herzen liegen sollte. Denn auch wenn es in den kommenden Jahren vermutlich wieder an Wichtigkeit verliert, wird es als Vorbild für das Parlament der Union südamerikanischer Nationen (UNASUR) die künftige Entwicklung Südamerikas entscheidend mitprägen. Damit könnten die fünf peruanischen Andenparlamentsabgeordneten mehr Einfluss erlangen, als viele der zukünftigen Hinterbänkler im peruanischen Kongress, die in diesen Tagen vor der Wahl die Schlagzeilen füllen.

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