Im nordwestperuanischen Distrikt Olmos (Provinz und Region Lambayeque) traten die Flüsse Olmos und Cascajal über die Ufer und rissen Häuser Tiere und mehrere Menschen mit, fünf Personen werden nach Angaben des Zivilschutzes Lambeyeque noch immer vermisst. Fünf weitere Personen konnten gestern aus den Flut gerettet werden und erholen sich in einem nahegelegenen Krankenhaus. Rund 50 Häuser sollen zerstört worden sein. Seit vergangenem Freitag hatte es rund um Olmos fast ununterbrochen geregnet.
Auch in den Distrikten Pacora und Íllimo kam es zu Problemen. So trat der La Leche-Fluss über die Ufer und zerstörte bislang 30 Wohnhäuser im Distrikt Illimo, sowie rund 85 im Distrikt Pacora.
Im Beisein des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala haben die Arbeiter des Olmos-Tinajones-Bewässerungsprojektes kurz vor Weihnachten das letzte fehlende Stück Andengebirge durchbrochen und so den Weg für das Wasser frei gemacht, das schon bald große Wüstenflächen der nordwestperuanischen Region Lambayeque urbar machen soll. Wenn der Tunnel von fast 20 Kilometern Länge ausgebaut ist, soll er einen Teil des Wassers des Huancabamba-Flusses von der dem Amazonasbecken zugewandten Anden-Ostseite unter dem Gebirge hindurchleiten und damit Landwirtschaft im großen Stil ermöglichen, vor allem für Agrarexporte. Auf beiden Seiten des Tunnels warteten gespannt Mitarbeiter des Olmos-Tinajones-Projekts gemeinsam mit zahlreichen Regionalpolitikern. Dem Regionalpräsidenten von Lambayeque, Humberto Acuña, wurde symbolisch ein Gefäß mit Wasser aus dem Huancabamba-Fluss überreicht.
Die Planungen für das Projekt begannen bereits vor rund 80 Jahren, inzwischen wurde mit „Alto Piura“ bereits ein zweites, ähnliches Tunnelprojekt begonnen. Neben dem Tunnel wurde ein gigantischer Staudamm errichtet, der für einen gleichmäßigen Wasserzufluss sorgen soll. Die Bewässerungsanlagen in der Küstenregion sind derweil noch im Aufbau. Nach Ansicht der Regionalregierung bedeutet das Projekt für die Region Lambayeque einen „großen Sprung nach vorn“. Es wird die Entstehung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen erwartet.
Während das Olmos-Tinajones-Projekt in Lambayeque grundsätzlich positiv gesehen wird, regt sich Kritik an der Vergabe der Flächen, die durch das Wasser urbar gemacht werden sollen. Insbesondere bisherige Anwohner, sowie kleinere Agrarunternehmer beklagten sich über die extrem hohen Mindestgebote bei der Versteigerung der Flächen und die Aufteilung in sehr große Einheiten. Nur wenige Großunternehmen haben im Endeffekt den Zuschlag erhalten. So erhielten in der ersten Versteigerungsrunde Mitte Dezember 10 Unternehmen für den Preis von 102 Millionen US-$ den Zuschlag zur Nutzung von 19.900.000 Hektar. Die zweite Versteigerungsrunde wird in den kommenden Tagen beginnen. Federführend bei der Durchführung des Olmos-Projektes ist der in Peru sehr einflussreiche brasilianische (u.a.) Baukonzern Odebrecht.
Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
Wenige Tage vor dem Ablauf seiner Amtszeit hat der ehemalige peruanische Präsident Alan García Ende Juli noch per Dekret das Olmos-Tinajones-Projekt, durch das Wasser von der Ostseite der Anden die Andenwestseite Urbar machen soll, zu einem Staatsziel erklärt und damit in der Region Loreto eine Protestlawine losgetreten. In seltener Einigkeit wehren sich Regionalregierung, Kirchen, Uweltaktivisten und Kongressabgeordnete gegen den von ihnen befürchteten Eingriff in das „ökologische Gleichgewicht“. Regionalpräsident Iván Vásquez Valera fordert in einer Stellungnahme, das Dekret sofort zurück zu nehmen. Es gefährte das tropische Ökosystem und damit auch die Wirtschaft nicht nur Loretos, sondern aller [amazonischen] Regenwaldregionen, so Vásquez Valera. Gleichzeitig rufen zahlreiche Umweltgruppen für den 19. August zu einer Demonstration auf, um gegen das Dekret der García-Regierung, sowie gegen das Olmos-Projekt überhaupt zu protestieren.
Das Olmos-Tinajones-Projekt besteht aus einem Staudaum („el Limón“), der den Huancabamba-Fluss aufstaut, um einen Teil des Wassers durch einen Tunnel („trasvase“) in die dem Pazifik zugewandte nordperuanische Wüstenregion zu leiten und dort landwirtschaftliche Großprojekte zu initiieren. Noch etwas weiter nördlich, in der Region Piura, ist ein ähnliches Projekt geplant.
Während der Regierungszeit von Alan García kam es häufig zu sozialen Konflikten mit zahlreichen Toten, da wichtige wirtschafts- und sozialpolitische Entscheidungen ohne breite Diskussion und ohne Konsultation der Betroffenen per Dekret entschieden wurden.
Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
Der peruanische Umweltminister Antonio Brack Egg hat bei einem Besuch in der nordperuanischen Stadt Piura davor gewarnt, dass das Wasser des Huancabamba-Flusses für die Projekte Olmos und Alto Piura nicht ausreichen könnte. Das berichtet die Tageszeitung „La República“. Beide Projekte sehen vor, Wasser des Huancabambaflusses von der dem Atlantik zugewandten Ostseite des Andengebirges durch gigantische Tunnel unter den Bergen hindurch zur Bewässerung von Wüstengebieten an der peruanischen Küste westlich der Anden zu leiten. Die Wassermenge gehe zurück und werde weiter zurückgehen, so Brack, da die Quellregion weitgehend entwaldet sei und weiter entwalded werde. Deshalb müsse man eine „aggresive Wiederaufforstung“ betreiben oder einen weiteren Tunnel von San Ignacio (Region Cajamarca) aus dem Schutzgebiet Namballe graben.
Während das Olmos-Projekt bereits weit fortgeschritten ist, steht das „Alto Piura“-Projekt noch in der Planungsphase.
Schon in wenigen Wochen sollen 27 Familien umgesiedelt werden, die auf dem Gelände wohnen, das für die Bewässerungsflächen des Olmos-Tinajones-Projektes (PEOT) in Nordperu vorgesehen ist und nun versteigert wird. Im Rahmen des Projektes wird Wasser des Huancabamba-Flusses auf der Ostseite der peruanischen Anden durch einen Tunnel zur trockeneren Westseite des Gebirges geleitet, um dort den Wüstenboden urbar zu machen. Das Dorf „La Algodonera“, in das die betroffenen Bewohner des PEOT-Geländes umgesiedelt werden sollen, befindet sich nach Angaben von Radio Marañón bereits im Bau. Die Schule, sowie die Dorfhalle seien bereits fertiggestellt.
Nach Angaben der Projektinitiatoren ist „La Algodonera“ bereits der zweite Ort umgesiedelte Anwohner. In der Region Cajamarca wurden bereits Teile des Dorfes Huabal verlegt, das sich auf dem Gelände befand, das von dem Staudamm des Olmos-Tinajones-Projektes („El Limón“) überflutet worden war.
Ein schweres Erdbeben hat gestern um 22:22:52 große Teile Nordperus erschüttert. Nach Angaben des peruanischen geophysischen Institutes IGP lag das Epizentrum des Bebens mit der Stärke 5,0 auf der Richterskala rund 44 Kilometer nördlich von Olmos (Region Lambayeque) in einer Tiefe von 85 Kilometern. Obwohl der peruanische Zivilschutz bislang noch keine entsprechenden Schadensmeldungen bereit gestellt hat, ist von großen Schäden auszugehen, da das Beben in Olmos mit der Stärke V, in Huancabamba, Chulucanas und Sechura mit der Stärke IV und in Piura und Chiclayo mit der Stärke III auf der modifizierten Mercalli-Skala zu spüren war.
Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
Rund drei Monate nach den gefährlichen Felsstürzen auf der Baustelle des Olmos-Tunnels, bei denen 10 Bauarbeiter verletzt wurden, hat das verantwortliche Unternehmen Odebrecht Perú die Arbeit wieder aufgenommen. Zuvor musste der Tunnelbohrer überholt und repariert werden. Ursprünglich waren dafür sieben Monate veranschlagt worden.
Auf der Baustelle wird nun wieder 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche in Schichten gearbeitet.
Nach Angaben der Projektbetreiber fehlen noch ca. 3,9 Kilometer zur Fertigstellung des dann rund 20-Kilometer-Tunnels. Über den Tunnel soll Wasser aus dem aufgestauten Huancabamba-Fluss von der Ostseite der nordperuanischen Anden an die westlich gelegene Küsten geleitet werden, um dort bis zu 43.500 Hektar Wüste und Brache urbar zu machen.
Zehn Mitarbeiter des nordperuanischen Olmos-Tinajones-Projektes, in dessen Rahmen ein Tunnel von der Andenost- zur Westseite gegraben wird, sind bei einem Felssturz an der Baustelle teilweise schwer verletzt worden. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA. Ersten Berichten zufolge waren mehrere Felsbrocken im Inneren des Berges aus der Tunneldecke gebrochen und hatten dabei auch 14 Meter Metallstützen unter sich begraben. Unter den Verletzten ist auch der Sicherheitsinspektor des Projektes.
Nach Angaben der Projektbetreiber fehlen noch ca. 3,9 Kilometer zur Fertigstellung des Tunnels. Über den Tunnel soll Wasser von der Ostseite der nordperuanischen Anden an die westlich gelegene Küsten geleitet werden, um dortige Wüstengegenden urbar zu machen.
Peru hat ein Wasserproblem. Auf der Westseite der Anden gibt es zu wenig, auf der Ostseite etwas mehr Wasser. Das führt immer häufiger zu Konflikten, nicht zuletzt weil durch den Klimawandel erste Andengletscher am abschmelzen sind – der Hauptwasserspeicher für die peruanische Wüstenregionen an der Küste. Das Thema ist kein neues und zahlreiche Ideen wurden und werden entwickelt, um das Problem zu entschärfen. Der Wunsch, die Wüste als landwirtschaftliche Anbaufläche durch Bewässerung nutzbar zu machen und das unaufhaltsame Wachstum der Städte an der Küste – allen voran die Hauptstadt Lima und die benachbarte Hafenstadt Callao – machen den Bemühungen da immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Großangelegte Werbekampagnen zum Wassersparen, wie sie beispielsweise der limenische Wasserversorger SEDAPAL durchführt, zeigen nur mäßig Wirkung. Eine Verbesserung der Kanalanlagen, durch die der Versickerung des kostbaren Nasses entgegengewirkt werden soll, führen weiter, lösen das Problem aber auch nicht endgültig.
Staudamm "El Limón" des Olmos-Projektes, Präsident García im Schlauchboot. Foto: Sepres / ANDINA
So plante bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die damalige peruanische Regierung, die auch wieder die heutige ist, Wasser von der Ostseite der Anden, die dem Amazonasbecken zugewandt ist, durch einen Tunnel in die Wüste zu pumpen. Das Projekt wurde unter dem Titel „Proyecto Especial Olmos Tinajones“ (PEOT) bekannt und umfasst einen gigantischen Staudamm und einen noch gigantischeren Tunnel, der sich über 20 Kilometer durch die Anden bohrt. Schon 2010 soll durch diesen Tunnel Wasser in Richtung Pazifik fließen, das ansonsten in Richtung Atlantik geflossen wäre. 100.000 Hektar Wüste sollen dadurch landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden, erklärte Präsident García, als er sich am 5. Juni diesen Jahres auf der Baustelle fotografieren ließ. Der Staudamm „El Limón“ ist bereits fertig gestellt und der Stausee beginnt sich zu füllen.
Doch schon bevor der Stausee vollständig gefüllt ist, tritt bereits ein Problem auf, das sich vermutlich in den kommenden Jahren noch verschlimmern wird. Bauern unterhalb des Staudammes berichten von einem extrem niedrigen Wasserstand des aufgestauten Huancabamba-Flusses. Es droht ein Konflikt zu entstehen, in dem sich die Kleinbauern unterhalb des Staudammes – besonders in der Region Cajamarca – als Verlierer und die Landwirte auf der gegenüberliegenden Andenseite als Gewinner gegenüber stehen. Sollte das Beispiel des Wassertransportes zur gegenüberliegenden Andenseite Schule machen und auch in anderen Regionen eingesetzt werden, sind die Folgen nicht abzusehen. Nicht nur in Peru tätige Nichtregierungsorganisationen warnen vor den Folgen, auch Umweltexperten sehen in Projekten dieser Art Probleme für den Wasserhaushalt des Amazonasbeckens – und damit für einen der weltweit größten CO2-Speicher.
Die betroffenen Kleinbauern in Cajamarca haben inzwischen gemeinsam mit José Felipe Puican Chávez von der lokalen Wasserbehörde und anderen Wasserwirtschaftsexperten einen runden Tisch gegründet, um das Problem genauer zu analysieren und mögliche Lösungen zu suchen. Damit ist ein erster Schritt getan. Die Probleme selbst sind damit aber noch nicht gelößt, das Thema wird wohl noch des öfteren auf die Tagesordnung kommen. Im besten Fall friedlich.
NACHTRAG:
In der Provinz Espinar (Region Cusco) kam es nach Angaben der CNR dieser Tage zur Besetzung des Rathauses, nachdem das Gerücht umgegangen war, der örtliche Bürgermeister würde den Protest der Bürger gegen das als „Majes II“ bekannte Staudamm- und Bewässerungsprojekt nicht mehr unterstützen.
Über 20 Kilometer lang soll der Tunnel werden, durch den schon bald Wasser von der atlantischen Seite der Anden aus dem Huancabamba-Fluss auf die Pazifikseite nach Lambayeque gepumpt werden soll. Neben der Wasserversorgung auf der Pazifikseite der Anden soll der für das Projekt gebaute Staudam auf der Atrlantikseite auch zur Stromproduktion eingesetzt werden können. Die Kosten der Bauarbeiten werden auf 250 Millionen US-$ geschätzt und begannen 2006. Insgesamt arbeiten im Rahmen der Baurarbeiten rund 600 Personen. Die Idee des Wassertransports in dieser Art ist bereits über 80 Jahre alt.
Umweltschützer befürchten schwerwiegende Folgen für das Amazonasbecken, wenn das Wasser – anstatt durch das Amazonasbecken in den Atlantik zu fließen – in den Pazifik fließt. 100.000 Hektar verwüstetes Ackerland sollen durch das Projekt in Lambayeque urbar gemacht werden.