Schlagwort: informeller Bergbau

  • Wie der peruanische Staat seine Präsenz in der Fläche vorantreiben möchte

    Peru, mit einer Fläche, die fast dreieinhalb Mal die Bundesrepublik Deutschland fassen würde, hat ein Problem: Viele Sozialprogramme und Dienstleistungen des Staates sind für die Ärmsten der Armen gedacht, kommen aber in besonders armen, abgelegenen Regionen überhaupt nicht an.

    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.
    Die Lösung? Tambo San Juan de Yanacachi (4.045 m. ü. M.; Distrikt Ticlacayan / Provinz und Region Pasco). Foto: ANDINA.

    Das erschwert die Arbeit, lohnt es sich doch für alte Menschen in manchen Landesteilen kaum, beispielsweise die Armengrundrente „Pensión 65“ zu beantragen. Denn: Diese beträgt zwar 125 Nuevos Soles pro Monat – wird aber bislang nur über die Filialen der Nationalbank (Banco de la Nación) ausgezahlt. In manchen Orten, beispielsweise Chapiza am Río Santiago, einem Zufluss des Marañón in der nordperuanischen Provinz Condorcanqui (Region Amazonas) nahe der Grenze zum Nachbarland Ecuador, kostet die Reise zur nächstgelegenen Filiale in der Provinzhauptstadt Santa María de Nieva mehrere hundert Soles. Ähnlich verhält es sich mit anderen Sozialprogrammen – und das, obwohl Condorcanqui die mit Abstand ärmste Provinz der Region ist.

    Staat überzeugt bislang nicht

    Ermittlungsarbeit bislang nur mit Maulesel: Polizeiposten Cocabamba. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Ermittlungsarbeit nur mit dem Maultier: Polizeiposten Cocabamba (Provinz Luya / Region Amazonas). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Gleichzeitig siedeln sich in diversen Teilen Condorcanquis Goldschürfer an, um die Ufer des Marañón und seine Seitenarme illegal auf der Suche nach dem Edelmetall umzugraben. Die peruanische Regierung hat in den vergangenen Jahren ihr Vorgehen gegen den illegalen Bergbau verschärft und möchte erreichen, dass die Goldwäscher, zumindest grundlegende Umweltstandards einhalten und Steuern abführen.

    Doch, wie so häufig im von informellem Wirtschaftstreiben sehr geprägten Peru, ist es nicht einfach, Menschen dafür zu begeistern und davon zu überzeugen. Denn: Vielerorts ist der Staat höchstens marginal präsent, im besten Fall durch gewählte Bürgermeisterinnen, Lehrer oder Gesundheitspersonal. Die -nicht nur- wegen ihrer geringen Mitarbeiterzahl chronisch überforderte peruanische Polizei kann in zahlreichen großen und schwierig zugänglichen Regionen lediglich stichprobenartige Einsätze organisieren, weil ihr für mehr die Mittel, die Ausrüstung und die Infrastruktur fehlen.

    Coca-Bauern bislang ohne legale Alternative

    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Coca-Strauch. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Auch staatliche Fördermittel für den Hausbau oder die Grundbucheintragung von Häusern und Grundstücken können in vielen Regionen wegen fehlenden Wissens über deren Existenz und der großen Entfernung zu den Dienststellen der staatlichen Programme nicht abgerufen werden*. Ein Beispiel dafür ist die Region um Monzón (Provinz Huamalies / Region Huánuco), in der vor wenigen Tagen Perus Anti-Drogen-Zarin Carmen Masías (DEVIDA) öffentlichkeitswirksam erklärte, der Staat sei zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in der „Coca-Bastion“ präsent. Die Gegend ist in Peru bekannt für die Coca-Produktion für die Herstellung von Kokain und ging im vergangenen Jahr wegen der spektakulären Festnahme eines seit Jahrzehnten gesuchten Terroristen, sowie ihm angeblich nahestehender Cocabauern-Verbandsführer durch die Presse. Auch deshalb steht sie seit Jahren im Zentrum von vor allem durch die USA finanzierten Coca-Vernichtungsaktionen.

    Jede der vergangenen Regierungen in Lima hatte die Coca-Bauern dazu aufgerufen, die Coca-Pflanzungen zu Gunsten legaler Produkte aufzugeben und sich somit in den formellen Wirtschaftskreislauf einzuklinken. Aber der Anreiz dafür war gering: das Tal liegt -obwohl an einer Nationalstraße (14A) gelegen-  fernab attraktiver Märkte, Polizei und Vertreter von Sozial- und Agrarförderprogrammen hatten keine festen Büros vor Ort. Wenn der Staat in Form der Antidrogenpolizei auftauchte, führte das zu brutalen Konflikten, bei denen in den vergangenen Jahren mehrere Cocabauern-Vertreter getötet wurden. Die legale Wirtschaft und der Staat boten – und bieten teils noch immer – keine gangbare Alternative.

    Mit „Tambos“ in die Fläche

    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.
    Mit First Lady bei Tambo-Einweihung: Präsident Humala. Foto: Prensa Presidencia.

    Das soll sich nach Plänen der derzeitigen Regierung in den kommenden Jahren ändern. Nicht nur, dass der Bau eines Polizeipostens in Monzón bereits geplant ist. Vielmehr wurde ein Programm („Servicio de Apoyo al Hábitat Rural“) aufgelegt, das nach mythologischen Inka-Verwaltungszentren und -herbergen „Tambos“ benannt wurde. Im Rahmen des Programms werden in besonders abgelegenen Regionen im Einheitsdesign kleine Verwaltungszentren gebaut, die insbesondere Dienstleistungen der Nationalregierung, Fortbildungen, aber auch Finanzdienstleistungen der Nationalbank anbieten sollen. Seither sieht man Perus Präsident Humala, der 2013 zum „Jahr der Investitionen für die ländliche Entwicklung und die Ernährungssicherheit“ erklärt hat, mindestens einmal pro Woche einen solchen „Tambo“ einweihen.

    VRAEM: mit „Tambos“ gegen den Narcoterror?

    Eine Reihe solcher Gebäude wird derzeit auch in den Tälern der Flüsse Apurímac, Éne und Mantaro (kurz: VRAEM) errichtet, die andere prominente peruanische „Coca-Bastion“ neben dem Gebiet um die Flüsse Monzón und Huallaga. Das Kalkül dahinter: Einem dort im Bund mit der Drogenmafia agierenden Arm der Terrororganisation „Sendero Luminoso“ durch Unterstützung der Bevölkerung den Boden zu entziehen. Bisher war auch im VRAEM der peruanische Staat nur marginal präsent. Und dort, wo staatliche Einrichtungen vorhanden waren, ließ sich häufig kein Personal finden. Zu groß war die Angst vor dem Terror. Zu recht: Immer wieder gab es Anschläge auf öffentliche Einrichtungen, selbst Gesundheitzentren waren davor nicht sicher. Ob sich das mit dem „Tambo“-Bau verändern wird, muss sich noch zeigen.

    Erfolgreiche Strategie?

    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.
    DEVIDA-Chefin Carmen Masías. Foto: Presidencia.

    Für Carmen Masías, Chefin der staatlichen Anti-Drogen-Behörde DEVIDA, ist das Engagement aber ein Zeichen dafür, dass „Niemandsland“ erobert wird, um der Bevölkerung zu helfen, aus der illegalen Coca-Wirtschaft herauszukommen. Auch wenn diese Sichtweise wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist, gibt es erste Anzeichen, dass die Strategie zumindest mancherorts aufgeht: Zum ersten Mal gibt es seit kurzem im genannten Monzón-Tal keinen nennenswerten Widerstand mehr gegen die Coca-Vernichtungsarbeiten der Polizei, die erstmals vom peruanischen Staat mitfinanziert werden. Und auch zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Umland von Monzón, bisher stets im Kreuzfeuer zwischen Coca-Bauern und Nationalregierung, verpflichteten sich, den Kampf gegen die Drogenmafia zu unterstützen.

    Kein Allheilmittel

    Bei dem ganzen Engagement in Krisenregionen darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass es auch Regionen gibt, in denen kein Konflikt herrscht, die aber dennoch einer größeren Nähe staatlicher Institutionen dringend bedürfen. Regionen wie die Umgebung von Chapiza, wo bislang allerdings noch kein „Tambo“ in Aussicht ist. Andernorts wurden derweil die ersten eingeweiht: In Belén (Provinz Maynas / Region Loreto) und Chivay (Provinz Caylloma / Region Arequipa), bis 2016 will die peruanische Regierung insgesamt 500 Stück errichtet haben. Gleichzeitig sind die „Tambos“ kein Allheilmittel, Bürgerinnen und Bürgern dazu zu bringen, dem Staat zu vertrauen**. Aber die Einsicht, dass etwas kürzere Wege den Zugang zu seinen Dienstleistungen vereinfachen können, war ein wichtiger Schritt.

    * Es sei darauf hingewiesen, dass in der peruanischen Presse zudem häufig noch auf den Faktor „Korruption“ hingewiesen wird.
    ** In der peruanischen, wie auch in der deutschen Presse ist immer wieder davon zu lesen, der peruanische Staat müsse „Vertrauen zurück gewinnen“. Die Frage ist allerdings, ob ihm -insbesondere in abgelegenen Regionen- jemals Vertrauen entgegen gebracht wurde.

    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Lage des Flusses Apurímac, später Éne. Grafik: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Nähere Informationen zum Thema VRAEM finden Sie in den Beiträgen „Das VRAE heißt nun VRAEM“, sowie „Peru: Was ist und wo liegt das VRAE?“

  • Peru: Umweltverträglichkeit wird künftig vom Umweltministerium geprüft

    Umweltverträglichkeitsprüfungen führten in Peru bislang eine Reihe von Ministerien durch: Das Landwirtschaftsministerium, das Bergbau- und Energieministerium, in manchen Bereichen sogar das Produktionsministerium. Das ist nun vorbei, wenn Präsident Ollanta Humala in wenigen Tagen das Gesetz* unterzeichnet, das die Kongressabgeordneten gestern in Lima verabschiedeten: Es sieht die Gründung einer eigenen Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit vor, die dem Umweltministerium unterstehen soll.

    Abstimmungsergebnis: 66 dafür. Foto: MINAM.
    Abstimmungsergebnis: 66 dafür, keine Gegenstimme. Foto: MINAM.

    Immer wieder kam es in der jüngeren Vergangenheit in Peru zu Konflikten, insbesondere im Bergbausektor oder bei geplanten Wasserkraftwerken. Der Grund: Anwohnerinnen und Anwohner trauten den Umweltverträglichkeitsstudien nicht, die von Consulting-Unternehmen ausgearbeitet und meist von einem Ministerium geprüft wurden, dessen Aufgabe vor allem in der Förderung von Bergbau- und Energieprojekten liegt. Es kam vielerorts zu Großprotesten, bei den größten – denen um das in der Region Cajamarca geplante Kupfertagebauprojekt „Conga“ – wurden deshalb nachträglich ausländische Gutachter bestellt, um die Umweltverträglichkeit unabhängig zu prüfen.

    Neue Behörde soll Transparenz und Vertrauen schaffen

    Deshalb soll künftig der „Nationale Umweltzertifizierungsdienst“ (sp. Servicio Nacional de Certificación Ambiental para las Inversiones Sostenibles), kurz SENACE, die Prüfung der Umveltverträglichkeitsstudien übernehmen. Unterstellt sein wird die Behörde direkt dem Umweltministerium. Neben der Prüfung soll SENACE zudem ein Register führen, in dem alle Consulting-Unternehmen verzeichnet sind, die fähig sind, eine solche Studie zu erstellen. Der Hintergrund: Einige vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudien waren einfache Kopien anderer Dokumente, die lediglich mit kleinen Änderungen versehen waren. Auch das soll in Zukunft verhindert werden. Zudem soll mehr Transparenz geschaffen werden. So sind bislang die Studien nur schwer in den Tiefen der Internetseiten des Bergbau- und Energieministeriums zu finden, künftig sollen sie auf dem SENACE-Internetportal für jeden offen zugänglich sein.

    Hintertüren im Gesetzestext

    Allerdings hat der Gesetzgeber noch eine Hintertür eingebaut: So kann der Ministerrat in Lima per Dekret bestimmte Projekte von der Prüfung ausnehmen und diese einem anderen Ministerium übertragen. Das klingt zwar hypothetisch, ähnliches geschah aber in der Vergangenheit bereits mehrfach. So wurden Bergbauprojekte zu „nationalem Interesse“ erklärt – und konnten somit Gesetzeshürden wie das Verbot von Bergbau durch ausländische Unternehmen in Grenznähe umgehen. Und eine weitere Lücke findet sich im Text: „kleine“ Bergbauprojekte liegen im Zuständigkeitsbereich der Regionalregierungen – die entsprechenden Studien müssen deshalb nicht vom SENACE, sondern der zuständigen regionalen Stelle gefprüft werden.

    Manuel Pulgar Vidal, Perus Umweltminister. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.
    Setzte sich durch: Umweltminister Pulgar Vidal. Foto: Luis Iparraguirre / ANDINA.

    Machtkampf in der Regierung

    Für den Präsidenten der Kongresskommission für Umwelt und Ökologie Víctor Grandez ist das verabschiedete Gesetz dennoch ein großer Fortschritt. Endlich liege die Letztentscheidung und Kontrolle über die Umweltverträglichkeit bei der höchsten nationalen Umweltbehörde, so Grandez. Eingebracht worden war das Gesetz von der peruanischen Regierung, in der es zuvor selbst Streit über die Neuverteilung der Umweltkompetenzen gegeben hatte. Insbesondere das Bergbau- und Energieministerium, sowie das Landwirtschaftsministerium hatten sich gewehrt. Dennoch hatte sich Umweltminister Manuel Pulgar Vidal mit seinen Vorschlägen weitgehend durchgesetzt.

    Bergbau-Lobbyverband uneinig – und ein bisschen dagegen

    Insgesamt 64 Abgeordnete stimmten für das Gesetz, acht enthielten sich – Gegenstimmen gab es nicht. Das war erstaunlich, hatte der Bergbau-Unternehmerverband SNMPE doch kurz zuvor noch einmal seine Lobby-Maschine angeworfen. Zunächst hatte es offenbar keine Einigkeit zwischen den SNMPE-Mitgliedern gegeben, vorletzte Woche war dann Verbandspräsident  Pedro Martínez vorgeprescht und hatte gefordert, SENACE beim Präsidenten des Ministerrates anzusiedeln. Ansonsten bestehe die Möglichkeit von Interessenkonflikten, wenn das Umweltministerium die Regeln mache, aber gleichzeitig auch kontrolliere, so Martínez. Daneben kritisierte die SNMPE, die Zentralisierung der Umweltverträglichkeitsprüfung in einer Behörde könne den Bearbeitungsprozess noch weiter in die Länge ziehen. Diese Gefahr sahen die Abgeordneten offenbar nicht. Vielmehr sah Verónika Mendoza, die vor wenigen Monaten noch der Regierungsfraktion angehörte, es umgekehrt: Die Gründung von SENACE sei ein wichtiger Schritt zur Auflösung von Interessenkonflikten in den entsprechenden Fachbereichen, so Mendoza Frisch.

    Regierung verspricht neues Verhältnis zum Bergbau

    Das Verhältnis zwischen Staat, Anwohnern, Umwelt und Bergbau ist -freiwillig oder unfreiwillig- eines der Hauptthemen der derzeitigen peruanischen Regierung, seit die Konflikte um „Conga“ und ein Bergbauprojekt in der Provinz Espinar, sowie die Problematik des informellen Bergbaus international Aufmerksamkeit auf sich zogen. So wurden erst vor wenigen Tagen die Höchststrafen für Bergbauunternehmen, die sich nicht an Umweltauflagen halten, drastisch erhöht.

    *Ley 1461

    Logo des Dossiers "Wasserkonflikte".

    Dieser Beitrag ist Teil des INFOAMAZONAS-DossiersWasserkonflikte in Peru„, sowie „Bergbaukonflikte“.

  • Arequipa / Peru: Zwei Bergleute sterben in informellem Gold-Bergwerk

    Bei einer Explosion sind gestern Abend in der südperuanischen Region Arequipa zwei Bergleute von herabfallenden Felsbrocken getötet worden. Das berichtet die peruanische Nationalpolizei.

    Die beiden Kumpel, im Alter von 22 und 23 Jahren, arbeiteten offenbar in einem ungenehmigten Stollen bei Secocha (Distrikt Mariano Nicolas Valcarcel / Provinz Camaná), als in einem anderen, nahegelegenen Stollen eine zu groß dimensionierte Sprengladung gezündet wurde. Der improvisierte Stollen mit dem Namen Santa Rosa N° 1 de Secocha stürzte in sich zusammen und begrub die Bergleute unter sich.

    Secocha: Bergbaustadt mit schlechtem Ruf

    Secocha hat in Peru einen schlechten Ruf: Um das Jahr 2004 von Glücksrittern auf der Suche nach Gold gegründet, gilt es als wichtiges Zentrum des illegalen und halb-legalen Bergbaus. Kriminalität, Prostitution und der illegale Handel mit Sprengstoffen sind nach Berichten peruanischer Medien an der Tagesordnung. Unglücke gab es in der Vergangenheit immer wieder, nicht nur in improvisierten Bergwerken: Vor fast zwei Jahren starben 12 Bergleute – als der Kleinbus, in dem sie unterwegs waren, von der Straße abkam und einen Abhang hinabstürzte.

    Häufig Unfälle in illegalen Bergwerken

    Auch sind Unglücke dieser Art leider nicht ungewöhnlich. Erst im vergangenen April war es zu einem Unfall in einer improvisierten Kupfermine in der Region Ica gekommen. Dutzende Bergleute mussten mehr als vier Tage eingeschlossen unter großen Mengen Geröll ausharren, bis sie gerettet werden konnten. Die derzeitige peruanische Regierung versucht, all jene zu registrieren, die im informellen Bergbau beschäftigt sind, um in einem weiteren Schritt eine Formalisierung, Weiterbildung und die Einhaltung von Umweltstandards zu ermöglichen – ein schwieriges Unterfangen, dem sich manche Dachverbände illegaler Mineralienschürfer widersetzen. Auch der Einsatz giftiger Chemikalien führt immer wieder zu Problemen.

    Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

    Wie der Nachrichtensender RPP berichtet, sind inzwischen mehrere Mitarbeiter der zuständigen Staatsanwaltschaft vor Ort, um sich des Falls anzunehmen. Ob die Leichname bereits geborgen werden konnten, ist zur Stunde noch nicht bekannt.

  • Puno / Peru: Regierung verschärft Vorgehen gegen illegalen Bergbau

    Perus Premierminister Oscar Valdez. Foto: Jessica Vicente / ANDINA.
    Perus Premierminister Oscar Valdez. Foto: Jessica Vicente / ANDINA.

    Nicht nur der legale, auch der illegale Bergbau beschäftigt dieser Tage die peruanische Regierung. Nachdem seit Monaten verschärft gegen Goldwäscher in der Regenwaldregion Madre de Dios vorgegangen wird, reiste gestern eine Delegation unter Leitung von Perus Premierminister Óscar Valdés in die südperuanische Region Puno, um sich dort einen Eindruck von der Lage an den Flüssen Ramis und Suches zu machen, die insbesondere durch Abfälle aus dem ungenehmigten und unkontrollierten Berbau verschmutzt sind. Auch hier soll künftig schärfer gegen den illegalen Bergbau vorgegangen, sowie der legale besser kontrolliert werden, wie Energie- und Bergbauminister Jorge Merino Tafur bei einem Besuch in San Antonio de Putina ankündigte – einem der Zentren des illegalen Bergbaus, sowie Quellprovinz des Ramis. Dafür ist zunächst eine Registrierung all jener vorgesehen, die in diesem Bereich arbeiten.

    Jorge Merino Tafur, Bergbauminister. Foto: Norman Córdova / ANDINA.
    Jorge Merino Tafur, Bergbauminister. Foto: Norman Córdova / ANDINA.

    Die Verschmutzung insbesondere des Flusses Ramis ist auch deshalb heikel, weil er in den Titicacasee mündet. In der Vergangenheit kam es wiederholt zu Protesten der Titicacasee-Anrainer. Im September 2011 stellte die peruanische Regierung deshalb 148 Millionen Nuevos Soles bereit, um die größten Verschmutzungsquellen zu sanieren. Auch die Registrierung derjenigen, die sich ohne Genehmigung und Umweltverträglichkeitsprüfung dem Bergbau widmen, sowie der Kampf gegen den Handel so geförderter Mineralien, kommt nur langsam voran. So kam es vor wenigen Wochen zu Streiks und Protesten gegen entsprechende neue Gesetze, die meisten Demonstranten kamen offenbar aus der Provinz San Antonio de Putina.

  • Puno: Illegale Goldschürfer protestieren für Krankenhaus und höhere Goldpreise

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruDer Kampf der peruanischen Regierung gegen den illegalen Bergbau hat die Preise für auf diesem Weg produziertes Gold gedrückt und tausende Goldschürfer aus La Rinconada und Lunar de Oro (Distrikt Ananea / Provinz San Antonio de Putina/ Region Puno) auf die Barrikaden getrieben. Beide Orte leben – so wie große Teile des Distrikts Ananea, der sich von 4.600 auf 5.200 Meter über dem Meeresspiegel erstreckt – direkt oder indirekt vom Bergbau ohne entsprechende Genehmigung und sind somit besonders von den Regelungen betroffen, die insbesondere zur Bekämpfung und Regulierung der Arbeit der informellen Goldwäscher im ostperuanischen Regenwald beschlossen wurden. La Rinconada selbst, bis vor wenigen Jahren auf keiner offiziellen Karte eingezeichnet, hatte schon 2007 mehr als 12.000 Einwohner; rund 60% davon Männer, der Großteil davon in der illegalen Bergbaubranche beschäftigt. Fotos der vergangenen Jahre, die einen Rückschluss auf das Wachstum des Ortes zulassen, lassen darauf schließen, dass der Ort seit jenem Jahr weiter stark angewachsen ist. Nach offiziellen Angaben nahmen rund 20.000 Menschen an den Protesten teil.

    Punos Regionalpräsident kündigt Krankenhaus-Planung an

    Während die Regierung darauf setzt, die illegalen Goldschürfer zu registrieren, damit sie ihrer Tätigkeit künftig im Rahmen des Gesetzes nachgehen können, fordern diese eine Abschwächung der Vorgaben – und legten dafür bei Juliaca und Puno den Verkehr mehrerer Straßen lahm. Daneben fordern sie auch den Bau eines Krankenhauses, über dessen Ausgestaltung sie direkt mit Vertretern der Regierung verhandeln wollen. Dafür haben sie nun eine Protestpause bis kommenden Montag angekündigt. Die Pflicht zur Registrierung der Goldschürfer werden die Regierungsvertreter, deren Anreise der Gouverneur von Puno, René Calsín, gestern ankündigte, wohl nicht antasten. Für das Krankenhaus zeichnet sich aber bereits eine Lösung ab. So kündigte Punos Regionalpräsident Mauricio Rodríguez bereits den Start eines Planungsverfahrens an und sprach sich zudem für den Ausbau einer Straße von Ananea nach Lunar de Oro und La Rinconada aus. Ob das den Goldschürfern reicht, wird wohl der kommende Montag zeigen.

    2009 mehrere Tote bei Minen-Unfall

    Ende 2009 war eine Mine bei Lunar de Oro eingebrochen – drei Bergleute waren damals getötet, zahlreiche weitere verletzt worden. Zudem gab es wiederholt Proteste gegen die Bergbauaktivitäten im Distrikt Ananea, insbesondere von Anrainern des in den Titicaca-See mündenden río Ramis, dessen Wasser von Bergbau-Abwässern verunreinigt wird. Doch nicht nur in Puno, in vielen Teilen Perus stellt der informelle Bergbau ein Problem dar, da er wegen fehlender Regulierung, Kontrolle und Infrastruktur häufig zu sozialen Konflikten führt und es wegen des Einsatzes giftiger Chemikalien oder fehlender Beachtung von Standards zu großen Umweltproblemen kommt. Auch anderswo ist die Arbeitssituation eine schwierige, häufig kommt es zu Unfällen und Katastrophen, beispielsweise im April beim Einsturz einer Mine in Ica oder im Februar 2010 in Oyón (Lima).

  • Grubenunglück in Ica (Peru): Rettungsarbeiten gehen voran / Durchbruch möglicherweise schon heute

    httpv://www.youtube.com/watch?v=WJyjRG5qaUE
    Nach offiziellen Angaben gehen die Arbeiten zur Rettung der neun seit vergangenem Donnerstag verschütteten Bergleute in der südperuanischen Provinz Ica (Region Ica) voran. Bergbauexperten aus verschiedenen Teilen Perus gruben sich in vierstündigen Schichten mehrere Meter durch die Erdmassen, deren Sicherung sich als sehr kompliziert herausstellte, da immer mehr Sand und Geröll nachrutscht. Wie die peruanische Frauenministerin Ána Jara, die vor Ort die Rettungsarbeiten koordinert, gegenüber dem Radiosender RPP berichtete, fehlen nur noch wenige Meter, um zu den Bergleuten vorzudringen. Noch heute werde es möglicherweise zum Durchbruch kommen, so Jara. Über einen Schlauch halten die Rettungskräft Kontakt zu den verschütteten Kumpel und versorgen diese mit Wasser, Nahrung und Medikamenten. Es soll ihnen den Umständen entsprechend gut gehen. Seit gestern 21 Uhr (Ortszeit) können die Helfer über Klopfzeichen mit den Verschütteten kommunizieren.

    Das „Cabeza de Negro“-Kupferbergwerk im Distrikt Yauca del Rosario wurde in den 80er Jahren legal ausgebeutet, dann aber geschlossen. Mehrere Familien öffneten den Stollen anschließend erneut, um weitgehend ohne Sicherheitsmaßnahmen und ohne Genehmigung weiter Kupfer zu fördern. Der Distrikt Yauca del Rosario hat 1.117 Einwohner und liegt rund 282 Kilometer südlich der peruanischen Hauptstadt Lima.

  • Nach Protesten mit Toten und Verletzten: Goldwäscher zurück am Verhandlungstisch

    Seit vergangener Woche ist illegaler Bergbau in Peru ein Strafbestand, der mit bis zu 10 Jahren Haft bestraft werden kann. Wer heute ohne Lizenz beispielsweise nach Gold schürft, hat aber noch ein Jahr, um seine Tätigkeit zu formalisieren. Zahlreiche Goldwäschergremien fühlten sich dadurch zu unrecht kriminalisiert, streikten und protestierten in den vergangenen Monaten wiederholt, zuletzt in den vergangenen Wochen. Bei Ausschreitungen in der Region Madre de Dios, einem Zentrum des illegalen Bergbaus, kamen in der vergangenen Woche drei Personen ums Leben. Nun haben sich Vertreter der Goldwäscher mit Abgesandten der peruanischen Regierung wieder zu Gesprächen getroffen und das offensichtlich zumindest teilweise erfolgreich. So hoben die Goldwäscher in Madre de Dios ihre Protestmaßnahmen auf, nachdem man sich auf Mechanismen zur Registrierung der Goldwäscher, ihrer Maschinen, sowie möglicher Fördergebiete geeinigt hatte, lediglich mehrere Abgesandte von in Nationalparks und anderen Schutzgebieten tätigen lehnten die Vorschläge ab. In Tacna, Arequipa, La Libertad und Puno wird derweil weiter gestreikt, die dortigen Goldschürfer fordern eine Verlängerung der Formalisierungsfrist auf bis zu vier Jahre.

    Die peruanische Regierung möchte durch die Registrierung der Goldwäscher eine bessere Steuerung des Goldbergbaus, sowie bessere Lebensbedingungen für Goldschürfer und Anwohner erreichen. Deshalb ist die Ausweisung von Gebieten geplant, in denen legal geschürft werden darf. Dadurch sollen auch die Umweltfolgen unter Kontrolle gebracht werden. Zudem soll die Steuerhinterziehunsquote in diesem Bereich gesenkt werden.

  • Goldwäscherproteste in verschiedenen Teilen Perus

    In den peruanischen Regionen Piura, La Libertad, Ayacucho, Apurímac und Madre de Dios protestieren dieser Tage Goldproduzenten ohne Schürfgenehmigung. Sie wollen die Rücknahme eines erst kürzlich erlassenen Gesetzesdekretes erzwingen, das den informellen Bergbau unter Strafe stellt. Wer dennoch ohne Genehmigung schürft, muss mit bis zu 12 Jahren Haft rechnen.

    Am größten sind die Proteste auch diesmal in der Region Madre de Dios, die für den umgreifenden informellen Bergbau bekannt ist. Bereits mehrfach war über die Region der Ausnahmezustand verhängt worden, um des Problems der Umweltzerstörung, sowie der sozialen Probleme im Umfeld des informellen Bergbaus, Herr zu werden – bislang mit durchwachsenem Erfolg. Das lag nicht zuletzt an der unklaren Rechtslage. Diese wurde nun klarer gestaltet – die Goldwäscher fühlen sich durch die neuen Regelungen ungerecht in die kriminelle Ecke gestellt.

    In Puerto Maldonado (Region Madre de Dios) kam es in den vergangenen Tagen wiederholt zu Ausschreitungen, Straßenblockaden und zur Plünderung von Geschäften. Die Demonstranten fordern zunächst, Premier Óscar Valdés und Energie- und Bergbauminister Jorge Merino müssten nach Madre de Dios reisen, um mit der Vereinigung der Goldwäscher direkt zu verhandeln. Die Zentralregierung lehnt dies bislang ab und lud eine Abordnung in die Hauptstadt Lima ein. Die Goldwäscher lehnten das Angebot bislang ab und forderten mehr Unterstützung beim Umstieg auf legale Fördertechniken.

    Konkret geht es den Protestierenden um die Gesetzesdekrete DL 1099, 1100, 1101, 1102 und 1103. Sie fürchten, diese Dekrete könnten das Ende für den Bergbau auf kleiner Skala bedeuten.

    NACHTRAG: Goldwäscher in Piura, La Libertad, Ayacucho und Apurímac stoppen Proteste
    Wie die Tageszeitung „La República“ berichtet, haben die Goldwäschervereinigungen der genannten Regionen beschlossen, die Protestmaßnahmen für fünf Tage aufzuheben, um unter Vermittlung einer Abordnung des peruanischen Kongresses Verhandlungen mit der Regierung zu ermöglichen. Sollte aber bis Montag keine Lösung gefunden werden, werde es auch zu Protesten der Gremien informeller Schürfer in den Regionen Puno, Cusco, Arequipa und Ica kommen, so der Vorsitzende der peruanischen Vereinigung kleiner Bergbaubetriebe CONAMI, Hernán de la Cruz Enciso.