Schlagwort: Gesundheit

  • Peru: Verfassungsgericht hebt Verbot einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs zwischen Jugendlichen auf

    Tribunal Constitucional: das peruanische Verfassungsgericht. Foto: tc.gob.pe
    Tribunal Constitucional: das peruanische Verfassungsgericht. Foto: tc.gob.pe

    Wurde in Peru eine Frau mit weniger als 18 Jahren schwanger, stand bislang der Vater mit einem Bein im Gefängnis. Kam die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung zustande, ist dies auch weiterhin so. Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr ist aber künftig straffrei, das entsprechende Verbot wurde nun vom peruanischen Verfassungsgericht aufgehoben. 10.609 Bürgerinnen und Bürger hatten Verfassungsbeschwerde gegen einen entsprechenden Passus des Strafgesetzbuches eingelegt – mit Erfolg.

    Verfassungsgericht: „freie Ausübung der Sexualität“ ein Grundrecht

    In ihrem Urteil stellten die Richter fest, es sei verfassungsgemäß, „gewaltätigen und erzwungenen Geschlechtsverkehr“, sowie den Missbrauch von Schutzbefohlenen „zu verbieten“, insbesondere wenn es sich um Kinder und Jugendliche handle. Bei der „freien Ausübung der Sexualität“ handle es sich aber um ein Grundrecht, das man zumindest für 14-18jährige nicht einfach unter Strafen stellen dürfe, heißt es im Urteilstext.

    Verfassungsgericht mahnt bessere Aufklärung an

    Dabei beließen es die Richter allerdings nicht bleiben. Sie riefen zudem den peruanischen Kongress auf, eine neue, verfassungskonforme Gesetzesgrundlage zu schaffen, sowie im Bildungswesen die Aufklärung zu stärken. Dies sei wichtig, um trotz der Aufhebung des Verbotes die Zahl der Teenagerschwangerschaften zu verringern, so das Gericht, denn „es sei Konsens, dass eine Schwangerschaft in jungem Alter die körperliche, geistige und soziale Gesundheit der jungen Mutter“ beeinträchtige.

    Bislang bis zu 30 Jahren Haft für Geschlechtsverkehr

    Nach bisherigem Recht drohte Jugendlichen, denen Geschlechtsverkehr nachgewiesen werden konnte – also dort, wo es jemanden gab, der klagte – bis zu 30 Jahre Haft, egal, ob der Geschlechtsverkehr einvernehmlich oder erzwungen erfolgte. Denjenigen, die bereits verurteilt wurden, hilft das Urteil aber nicht: Es gilt nicht rückwirkend. Das Thema ist dabei kein Unwichtiges: Bei der Volkszählung 2007 gaben in der Region Amazonas rund 30% der befragten Frauen an, ihr erstes Kind im Alter zwischen 12 (0,2%, 162 Fälle) und 17 Jahren (11,2%, 9.251 Fälle) bekommen zu haben*.

    Frauenrechtlerinnen jubeln, konservative Bischöfe entsetzt

    Die Reaktionen auf das Urteil fielen erwartungsgemäß vielfältig aus. Die Direktorin der Frauenrechtsorganisation Flora Tristán, Ivonne Macassi, begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung der Richter. In zahlreichen Fällen habe das Verbot junge Mütter davon abgehalten, ärztlichen Rat einzuholen – aus Angst, die Väter könnten dafür ins Gefängnis kommen. Es sei richtig, einvernehmlichen und erzwungenen Geschlechtsverkehr unterschiedlich zu bewerten. Kritik an dem Urteil kam von konservativen Bischöfen. Die Eltern würden gezwungen, ihren minderjährigen Kindern den Geschlechtsverkehr zu erlauben, so Mons. José Antonio Eguren, Erzbischof von Piura und Tumbes. Das verletze die Aufsichtspflicht und das -recht der Eltern, so der Erzbischof. Der Vorsitzende der peruanischen Bischofskonferenz, Salvador Piñeiro, äußerte sich dagegen weniger kritisch, appellierte aber an Familien und Lehrer, Jugendlichen im Bereich Sexualität Orientierung zu bieten. Zu viele Kinder in Peru müssten ohne intakte Familie aufwachsen, so Piñeiro.

    * Werte aus anderen Regionen
    Mütter, die ihr erstes Kind mit weniger als 18 Jahren bekamen
    Loreto: 35,25% (22.600)
    Ayacucho: 23,65% (13.701)
    Callao: 23,42% (18.922)

  • Peru: Schulabbruch meist wegen Armut oder Schwangerschaft

    Jede und jeder Fünfte peruanische Jugendliche geht nicht zur Schule, die meisten davon aus finanziellen Gründen: Sie können entweder notwendige Materialien nicht bezahlen oder müssen arbeiten. Aber nicht nur Armut bringt Jugendliche zum Abbruch der Schulbildung: Jeder Vierte der 1.163.528 Schulabbrüche liegt nach Angaben des peruanischen Gesundheitsministeriums in einer Schwangerschaft begründet.

    Dagegen plant das Ministerium nun verstärkt vorzugehen. Man strebe an, durch die Verteilung von und Aufklärung über Verhütungsmittel alle Volljährigen, sowie durch Aufklärung der Minderjährigen die Zahl schwangerer Minderjähriger bis 2021 um 20% zu senken, so die Expertin Lucy del Carpio, die für ein entsprechendes Programm des Gesundheitsministeriums arbeitet.

    Weiterer Grund: Schlechte Zugänglichkeit

    Ein weiterer Grund, der zu frühem Schulabgang führt, ist fehlende oder schlechte Infrastruktur. Davon ist insbesondere der ländliche Raum betroffen, wo vielerorts – wenn überhaupt – lediglich Grundschulen vorhanden sind, während weiterführende Schulen nur durch zurücklegen hoher Distanzen erreicht werden können, was häufig zusätzlich durch schlechte Wege weiter erschwert wird.

  • Regionalregierung Amazonas kauft mobiles Krankenhaus

    Mobiles Krankenhaus in Chachapoyas. Foto: Region Amazonas.
    Mobiles Krankenhaus in Chachapoyas. Foto: Region Amazonas.

    Die Regionalregierung der peruanischen Region Amazonas hat ein mobiles Krankenhaus im Wert von 6 Millionen Nuevos Soles erworben, das aus 5 geländgegängigen Bussen besteht und pro Tag bis zu 200 Personen medizinisch versorgen können soll. Das mobile Krankenhaus soll künftig in abgelegenen Teilen der Region für eine bessere Gesundheitsversorgung sorgen. In Distrikten mit extremer Armut soll die Versorgung sogar kostenlos erfolgen, so Regionalpräsident José Arista beim Empfang der Busse. Bestückt sind die Busse mit Röntgen- und Ultraschallgeräten, ein Bus enthält einen komplett eingerichteten Operationssaal. Jeder der Busse verfügt unter anderem über einen Kompressor, einen Stromgenerator, einen Wassertank und Klimaanlage.

    Im ursprünglichen Projekt war lediglich der Kauf von vier Fahrzeugen, oder alternativ der Kauf von Containern angedacht worden. Mit relativ geringem finanziellen Mehraufwand wurde dann aber der Kauf der fünf Fahrzeuge möglich, die neben einem Lager auch ein Labor, sowie eine kleine Apotheke enthalten.

  • Bagua Chica / Amazonas: Gesundheitsbehörde bestätigt Dengue-Infektionen

    In der nordperuanischen Stadt Bagua (Provinz Bagua, Region Amazonas) hat das örtliche Krankenhaus „Heroes del Cenepa“ drei Dengue-Fälle bestätigt. Nach Angaben von Willy Soberón, Direktor des Gesundheitsnetzwerks der Provinz, wurden die infizierten Patienten inzwischen nach Chiclayo verlegt, um eine bessere medizinische Versorgung zu gewährleisten. Wie Radio Horizonte berichtet, ist unter den Infizierten ist auch ein 33jähriger Medizintechniker. Die Gesundheitsbehörden begannen deshalb, in den Gesundheitsposten der Provinz verstärkt Insektenvernichtungsmittel zu versprühen.

    Das Dengue-Virus wird durch verschiedene Stechmückenarten übertragen. Die Symptome ähneln häufig zunächst denen einer schweren Grippe-Erkrankung und umfassen häufig auch innerer Blutungen. Bei den Fällen, die nun in Bagua festgestellt wurden, handelt es sich um ein sogenanntes Dengue-Hämorrhagisches Fieber (DHF), einem besonders schweren Verlauf der Erkrankung. Insbesondere für Kinder kann DHF tödlich sein.

  • Computertomograph im Hospital Chachapoyas nimmt Arbeit auf

    Computertomograph im Hospital Virgen de Fátima Chachapoyas. Bild: DIRESA.
    Computertomograph im Hospital Virgen de Fátima Chachapoyas. Bild: DIRESA.

    Geliefert wurde er schon vor mehreren Jahren, nun soll er endlich die Arbeit aufnehmen: Der Computertomograph (CT) im Hospital „Virgen de Fátima“ in Chachapoyas (Region Amazonas). Das Gerät mit einem Wert von rund 1,4 Millionen Nuevos Soles wird ab den kommenden Tagen als Hilfsmittel bei der Diagnose von Tumoren, sowie Herz- und Hirnkrankheiten eingesetzt werden.

    Die Arbeit aufnehmen kann der Tomograph erst jetzt, da zunächst keinerlei bauliche und technische Infrastruktur vorhanden war. Zudem mussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospitals in die Bedienung des Apparates, des ersten seiner Art in der Region Amazonas, eingewiesen werden. 2008 war deshalb mit der Errichtung eines eigenen Gebäudes, sowie der Installation eines speziellen Stromanschlusses begonnen worden.

    Ganz billig wird die Nutzung aber nicht, für jede Untersuchung werden 300 Nuevos Soles fällig. Billiger als bisher ist es dennoch, war bisher für CT-Diagnosen eine Reise zur Küstenstadt Chiclayo notwendig.

    Das Hospital „Virgen de Fátima“ wird von der Region Amazonas betrieben.

  • Dengue-Notstand in Teilen Loretos und San Martín

    Die Gesundheitsbehörden der peruanischen Regionen San Martín und Loreto haben wegen der Häufung von Dengue-Erkrankungen den Gesundheits-Notstand ausgerufen. Zuvor war bekannt geworden, dass in der Regenwaldregion Loreto sechs Todesfälle wegen Dengue bestätigt wurden. Obwohl bislang in der Nachbarregion San Martín bislang kein Dengue-Fall bestätigt werden konnte, hat die regionale Gesundheitsdirektion dort mit Vorsorgemaßnahmen begonnen. So wurden nach Angaben der Regionalregierung in großem Stil Mosquitonetze und Chemikalien erworben, um der weiteren Ausbreitung Dengue-übertragender Stechmückenarten vorzubeugen. Gleichzeitig wurde die Medienkampagne verstärkt, in der über den Schutz vor Dengue informiert wird.

    Wegen Dengue: Loreto verhängt Ausgangssperre
    Um eine weitere Ausbreitung des Dengue zu verhindern, hat die Regionalregierung Loreto für Iquitos und Umgebung eine Ausgangssperre verhängt. Selbst wichtige Fahrten dürfen nur zwischen vier Uhr Morgens und 24 Uhr durchgeführt werden.

  • Peru: Kredite nur noch für Krankenversicherte

    Das peruanische Gesundheitsministerium hat in Peru mit einem Dekret eine heftige Debatte ausgelöst, das die Vergabe von Krediten an Menschen ohne Krankenversicherung verbietet. So fürchtet die Vereinigung der peruanischen Mikrofinanzinstitute, der Erlass würde informellen Geldleihern und Wucherern die Kunden in die Arme treiben.

    Mit dem Dekret verfolgt die peruanische Regierung das Ziel, die Mitgliedschaft in der beschlossenen universellen Krankenversicherung durchzusetzen und doppelte Überschuldung im Krankheitsfall zu verhindern. Deshalb müssen Geldinstitute in Zukunft vor der Kreditvergabe auf dem Internetportal einer noch zu schaffenden Behörde prüfen, ob ein Kunde bei einer Krankenkasse versichert ist. Sollte das nicht der Fall sein, muss ihm der Kredit verweigert werden. Auch, wer beispielsweise als Geschäftsmann Waren oder Dienstleistungen an den Staat verkaufen möchte, muss entsprechend versichert sein. Arbeitgeber werden in Zukunft verpflichtet, ihre Mitarbeiter entsprechend zu überprüfen.

    Innerhalb der kommenden 6 Monate sollen diese Regeln in mehreren Pilotprojekten angewandt werden. Auch in Peru ansässige Ausländer sind davon betroffen, so spricht das Dekret explizit von „Einwohnern“, nicht von „Peruanern“.

    Der Vorsitzende der Vereinigung peruanischer Privatkliniken (ACP), Alberto Valenzuela, begrüßte das Dekret. Es helfe, ganze Familie vor der Überschuldung zu schützen. Dagegen kritisiert Fernando Valencia von der Vereinigung der peruanischen Mikrofinanzinstitute (Asomif) die Regelung als „Absurd“. Damit werde die Arbeit der Finanzinstitute, den legalen Kreditsektor zu stärken und so Wucherern und anderen kriminellen Geldleihern das Geschäft zu entziehen, zunichte gemacht, so Valencia. Perus Wirtschafts- und Finanzminister Ismael Benavides erklärte, die Krankenversicherungspflicht sei wichtig, das Dekret allerdings verbesserungswürdig. Er werde Gesundheitsminister Oscar Ugarte entsprechende Vorschläge unterbreiten.

    Zeit für weitere Debatten und eventuelle Nachbesserungen gibt es dabei noch reichlich, denn die Anwendung wird erst in 18 Monaten verpflichtend. Nach Angaben des peruanischen Gesundheitsministeriums sind 25% der peruanischen Bevölkerung – rund 7 Millionen Menschen – nicht krankenversichert.

  • Peru: 409 Tote bei Kältewelle

    Die extreme Kälte des derzeitigen peruanischen Winters und ihre Folgen haben nach Angaben des peruanischen Gesundheitsministeriums allein in diesem Jahr mehr als 400 Menschen das Leben gekostet. In manchen Regenwaldregionen war die Temperatur an mehreren Tagen auf bis zu 10°C abgesunken, was vor allem Atemwegserkrankungen nach sich zog. Fast alle Todesopfer kamen aus den Risikogruppen, waren also Kinder unter 5 Jahren (200) oder Senioren über 60 Jahren (158).

    Besonders betroffen von der Kältewelle waren in diesem Jahr die Regenwaldregionen Loreto, San Martín und Ucayali, sowie die Andenregionen Arequipa, Huancavelica und Cusco. In den letztgenannten Regionen wurden Temperaturen von bis zu -20°C gemessen.

    Luis Suárez, Mitarbeiter des peruanischen Gesundheitsministeriums, sagte gegenüber RPP, in vielen Fällen kämen Armut, Kälte, Unterernährung und ein durch Holzfeuer verschmutztes Raumklima zusammen, alles Faktoren, die Atemwegserkrankungen verschlimmern. Er rief deshalb die Betroffenen auf, sofort ein staatliches Gesundheitszentrum aufzusuchen.

  • Los Olivos / Lima: Lungenmaschinen-Patient stirbt bei Stromausfall

    Im limenischen Distrikt Los Olivos verstarb heute ein 33jähriger Mann, als wegen eines Stromausfalls die für ihn lebenswichtige Lungenmaschine ausfiel. Das berichtet der Nachrichtensender RPP. Wie der Vater des toten mitteilte, verfügte die Lungenmaschine über eine Batterie, die Stromausfälle von bis zu drei Stunden überbrücken kann. Die Stromversorgung wurde allerdings, trotz Anfrage bei dem Versorgungsunternehmen, erst nach dieser Zeit wiederhergestellt. Ein Transport in das nächstgelegene Krankenhaus wäre wegen der gesundheitlichen Lage des Patienten nur mit einer Spezialambulanz möglich gewesen, die aber im Distrikt nicht verfügbar war. Die Ärzte der staatlichen Angestelltenkrankenversicherung EsSalud konnten schließlich nur noch den Tod feststellen.

  • Tarapoto / San Martín: Erste zentrale Blutbank Perus eingeweiht

    Die Blutbank der Region San Martín. Foto: MINSA.
    Die Blutbank der Region San Martín. Foto: MINSA.
    Als erste peruanische Region hat San Martín gestern eine zentrale Blutbank eingeweiht. Das berichtet die staatliche Agentur ANDINA. Von der Blutbank sollen künftig alle öffentlichen und privaten Krankenhäuser mit Blutkonserven versorgt werden. Die Kosten für den Aufbau der Einrichtung beliefen sich nach Angaben des Regionaldirektors für Gesundheit, Roger Rengifo Campos, auf 5.096.374 Nuevos Soles.

    In Zukunft sollen in der Institution Experten die Blutspende selbst, sowie die Kontrolle und Aufbewahrung der Blutkonserven organisieren.

    In einem ersten Schritt werden in den kommenden Tagen 2.500 Soldaten einer Spezialeinheit des peruanischen Militärs Blut spenden.