• Sachapoyas / Amazonas: Polizei zerstört Mohnfelderfelder

    Die Antidrogenpolizei Chachapoyas hat bei Sachapoyas (Distrikt Bagua Grande / Provinz Utcubamba) drei Mohnfelder zerstört, deren Ernte zur Opiumproduktion genutzt werden sollte. Das berichtet die Lokalzeitung „Ahora“. Zudem wurden eine Tüte Marihuana und mehrere Kilogramm Mohnsamen beschlagnahmt. Zwei Personen wurden festgenommen. Um zu den Feldern zu kommen, mussten die Polizisten gemeinsam mit Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft 12 Stunden zu Fuß gehen. Wie „Ahora“ berichtet, mussten auch die festgenommenen die über 12stündige Reise zum Kommisariat Bagua Grande zu Fuß auf sich nehmen.

    Sachapoyas hat 383 Einwohner.

    INFOAMAZONAS-Spezial Drogenprobleme und DrogenkonflikteMehr Informationen zum Thema „Peru“ und „Drogen“ finden Sie im Infoamazonas-Dossier Drogenprobleme.

  • Peru, Mexiko, Chile und Kolumbien gründen Pazifik-Allianz

    Mit der Unterzeichnung der „Erklärung von Lima“ haben sich die Präsidenten Perus, Mexikos, Chiles und Kolumbiens am vergangenen Donnerstag auf die Gründung der Alianza del Pacífico (dt. Pazifik-Allianz) geeinigt. Die Gruppe dieser laterinamerikanischen Pazifik-Anrainerstaaten bezweckt damit, auf lange Sicht gegenseitig die Grenzen für Güter, Dienstleistungen und Personen zu öffnen. Damit tritt die Pazifik-Allianz nicht nur in Konkurrenz zum „Mercado Común del Sur“ (MERCOSUR) zwischen Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela, sondern auch zur Andengemeinschaft (CAN), deren Ziel ebenfalls die gegenseitige Öffnung der Märkte und Grenzen ist.

    Pikant ist, dass mit Kolumbien und Peru gleich zwei CAN-Mitgliedsstaaten Teil der Pazifik-Allianz werden. Die CAN sei ein Raum des freien Warenverkehrs und es sei nur schwer vorstellbar, dass sie darüber hinaus kommen werde, so der peruanische Außenminister José Antonio García Belaunde. Dagegen sind sich nach Ansicht von Perus Chefdiplomat die Länder der Pazifik-Allianz „im Klaren über ihre Entwicklungs- und Handelskriterien, sowie die Notwendigkeit, beim freien Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr voranzukommen“.

    Chiles Präsident Sebastián Piñera kündigte an, man strebe an, sich an den Pazifikanrainern zu orientieren, die nicht nur die Hälfte der Weltbevölkerung, sondern auch die Hälfte des Weltbruttoinlandsproduktes auf sich vereinen. Perus Präsident Alan García sah das ganze etwas nüchterner und sprach von den Schwierigkeiten, die dieser „Keim eines Abkommens“ noch mit sich bringen werde. Er erwähnte dabei unter anderem die notwendige Angleichung von Standards, Universitätstiteln und anderen für den Freihandel notwendigen Grundlagen.

    Rahmenabkommen möglicherweise im Dezember

    Bis Dezember diesen Jahres werden mehrere Arbeitsgruppen ein Rahmenabkommen als rechtliche Grundlage der Allianz erarbeiten. Beobachtend wird daran auch Panamá teilnehmen. Nach der formellen Gründung soll die Allianz zunächst für Panama, dann auch für weitere interessierte Staaten geöffnet werden.

    Begonnen hat die Anpassung rechtlicher Regelungen bereits zwischen Chile, Peru und Kolumbien. Die drei Länder hatten sich darauf geeinigt, ihre Aktienmärkte in Lima, Bogotá und Santiago de Chile zusammenzulegen.

  • Warum Aids, Krebs und kleinere Übel Peru nicht weiterhelfen

    Kein Artikel über die peruanischen Präsidentschaftswahl (inklusive vieler INFOAMAZONAS-Beiträge) konnte darauf verzichten: Das Zitat des peruanischstämmigen Schriftstellers und Politikers Mario Vargas Llosa, der im Mai 2009 in einem Interview erklärt hatte: „Ich denke nicht, dass meine Landleute so töricht sein werden, uns in das Dilemma zu bringen, zwischen Aids und Krebs im Endstadium entscheiden zu müssen, was Humala und Keiko Fujimori wären.“ Vielleicht haben die beiden auch deshalb so gut abgeschnitten, weil Vargas Llosa in Teilen der peruanischen Gesellschaft nicht sehr beliebt ist, vielleicht hatte er mit dem Satz eine selbsterfüllende Prophezeihung geschaffen.

    Wie dem auch sei, in Zukunft werden Artikel zum Thema auf INFOAMAZONAS zumindest bis zur zweiten Wahlrunde am kommenden 5. Juni frei von den Begriffen „Aids“, „Krebs“ und „kleineres Übel“ sein. Der Grund: Sie beschreiben vielleicht die Lage nicht schlecht, sind aber für die Zukunft unnötig wie ein Kropf und helfen nicht weiter. Ein Beispiel: Würde sich die absolute Mehrheit der wahlberechtigten Peruaner am 5. Juni für Ollanta Humala als „Krebs im Endstadium“ entscheiden, wäre er dennoch für fünf Jahre gewählt und Freund wie Feind müsste mit ihm Leben. Da er von großen Teilen der peruanischen „Linken“ unterstützt wird, ist nicht davon auszugehen, dass sich das Militär für eine Art „Selbstputsch“ – so wie Fujimori in den 90er Jahren – hinter ihn stellen würde. Also müsste er versuchen, seine Themen im Parlament durchzusetzen. Da seine Partei dort über keine Mehrheit verfügt, wären Alianzen unumgänglich. Ohne Zugeständnisse an andere Parteien ist das unmöglich. Wäre die Konsenssuche zwischen demokratischen Parteien Krebs im Endstadium, gäbe es die Schweiz längst nicht mehr.

    Ähnlich nutzlos ist das mit dem „kleineren Übel“, dem „mal menor“, das bereits bei der vergangenen Präsidentschaftswahl heraufbeschworen wurde und Peru fünf Jahre Alan García bescherte. Wie auch damals kocht derzeit die Gerüchteküche venezolanisches Geld für Humalas Wahlkampagne. Aus wirtschaftlicher Perspektive sehen nicht zuletzt deshalb insbesondere die wirtschaftsliberalen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten das kleinere Übel in Keiko Fujimori. Auf anderen Feldern wird Ollanta Humala als kleineres Übel benannt. Wer nun wissen will, wo er oder sie denn am 5. Juni sein Kreuzchen setzen sollte, dem hilft die Frage nach dem kleineren Übel nicht weiter. Wer wissen will, wo er oder sie am 5. Juni sein Kreuzchen setzen sollte, dem würde es eher helfen, sich die Wahlprogramme etwas genauer anzuschauen. Und sich dann nicht gegen, sondern für eine der Optionen zu entscheiden.

    Natürlich kann trotz aller Beteuerungen nicht ausgeschlossen werden, dass eine Regierung Fujimori Verbrecher der Fujimori-Diktatur begnadigt oder eine Regierung Humala protektionistische Maßnahmen ergreift. Da aber in jedem Fall eineR von beiden gewinnen wird, wäre nun die Zeit, sich dafür einzusetzen, dass den derzeitigen moderaten Tönen nach der Vereidigung am 28. Juli auch moderate Taten folgen. Möglichkeiten dafür gibt es, denn der/die GewinnerIn wird auf Unterstützung angewiesen sein und die peruanische Zivilgesellschaft hat nicht zuletzt am Ende der Fujimori-Diktatur gezeigt, wie stark sie sein kann. Radikale Maßnahmen können sich weder Keiko noch Humala erlauben, denn das mögen die -egal für welche Regierung- sehr wichtigen ausländischen Investoren gar nicht.

    Sollten AIDS, Krebs und andere Übel also in den kommenden Wochen doch noch einmal Themen werden, dann nur im Bereich „Gesundheitspolitik“. Da gehören sie hin.

  • Endergebnis der peruanischen Präsidentschaftswahl

    Einen Sieger brachte die erste Wahlrunde am vergangenen 10. April nicht hervor, dafür aber zahlreicher Verliererinnen und Verlierer. Die Ziffern sind schon einige Tage bekannt, hier noch einmal kurz für die LeserInnen von INFOAMAZONAS die Daten im einzelnen.

    1. Ollanta Humala Tasso vom Wahlbündnis Gana Perú erreichte 4.643.064 Stimmen, was  31,699% aller gültigen abgegebenen Stimmen entspricht. Damit tritt er am kommenden 5. Juni an der Stichwahl teil.

    2. Keiko Fujimori Higuchi vom Wahlbündnis Fuerza 2011 erreichte mit 3.449.562 Stimmen 23,551%. Als zweitplatzierte wird auch sie am 5. Juni auf den Stimmzetteln stehen.

    3. Pedro Pablo Kuczynski vom Wahlbündnis Alianza para el gran Cambio erreichte 2.711.332 und damit 18,511% der gültigen Stimmen. Damit bestätigte sich die Tendenz der letzten veröffentlichten Umfragen vor der Wahl. Dennoch reicht die Platzierung nicht zur Teilnahme an der Stichwahl.

    4. Alejandro Toledo Manrique von Perú Posible erhielt 2.289.540 Stimmen, was 15,631% der gültigen Stimmen entspricht.

    5. Luis Castañeda Lossio, vom Bündnis Solidaridad Nacional erhielt 1.440.242 Stimmen und damit nur 9,833 % der gültigen Stimmen.

    Alle anderen KandidatInnen erhielten weniger als 0,3%. Überraschenderweise erhielt auch der Kandidat von Fuerza Social, Manuel Rodríguez Cuadros, mehr als 9.000 Stimmen, obwohl er vor der Wahl seinen Rückzug angekündigt hatte.

    Quelle: Peruanische Wahlleitung ONPE.

    MEHR zu den Wahlen in Peru finden Sie im INFOAMAZONAS-Wahl-Spezial!

  • Gastbeitrag von James Siever: Humala und der „Chávez-Faktor“

    Wird auch diesmal wieder – wie 2006 – der „Chávez-Faktor“ für die Wahlentscheidung der Peruaner eine entscheidende Rolle spielen? Dies ist nicht auszuschließen, denn bei den Peruanern ist Hugo Chávez nämlich äußerst unpopulär. Man sieht in ihm einen Diktator, der noch dazu Vladomiro Montesinos, Fujimoris einstigen Geheimdienstchef, nach dessen Sturz in Caracas untertauchen ließ. Seine offene Parteinahme für Humala hatte diesem in der Stichwahl vor fünf Jahren den durchaus möglichen Sieg gekostet. Vor allem die städtische Ober- und Mittelklasse hatte ihre Stimme daher lieber dem wegen seiner desaströsen ersten Präsidentschaft in den 80er Jahren eigentlich wenig geschätzten Alan García gegeben.

    Aus den Erfahrungen der Stichwahl von 2006 scheint Humala aber gelernt zu haben. Er gibt sich bisher jedenfalls alle Mühe, dass er von den in der Mehrzahl konservativen Medien Perus nicht wiederum als „Strohmann“ von Hugo Chávez karikiert werden kann. Anders als vor fünf Jahren tritt er diesmal nicht nur äußerst moderat und gewinnend auf, statt auf Chávez beruft er sich öffentlich auch lieber auf den in Südamerika angesehenen ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula.

    Während Humala sich von Hugo Chávez distanziert hat, verteidigt Keiko Fujimori dagegen nicht nur die Diktatur ihres Vaters, angeblich läßt sie sich von diesem sogar beraten. Sollte sie gewinnen, könnte Peru also künftig aus der Gefängniszelle regiert werden. Oder sie entlässt ihn gar aus der Haft, so wie sie es mal als ihren wichtigsten Programmpunkt angekündigt hat. Trotz ihrer Beteuerungen, sich als Präsidentin an „Recht und Gesetz“ halten zu wollen, wäre dies nicht auszuschließen: Schließlich hätte sie als Präsidentin ja das Begnadigungsrecht!

    Dass das Regime von Keiko Fujimoris Vater eine der kriminellsten und korruptesten Diktaturen in der Geschichte Perus war, scheint allerdings vor allem die jüngeren Wähler nicht zu stören. Viele von ihnen wissen davon, wenn überhaupt, sowieso nur noch vom Hörensagen. In ihren Äußerungen über die Wahlen in Internetforen und Blogs lassen sie jedenfalls mehrheitlich eine deutliche Sympathie für die „china“ Keiko Fujimori als Präsidentin erkennen.

    Von einem Präsidenten Humala befürchten sie dagegen, dass er “die Grenzen schließen, die ausländischen Firmen aus Peru rauswerfen und nur noch heimische Marken erlauben will”. Dies läßt auf ein etwas einseitig merkantiles Verständnis von Demokratie bei der jungen Generation der Peruaner schließen, für die Freiheit offenbar zuallererst ungehinderter Konsum bedeutet. Dieser wäre jedenfalls bei einer Präsidentin Keiko Fujimori weiterhin garantiert, da sie die einst vom IWF verlangte und von ihrem Vater durchgesetzte neoliberale Wirtschaftpolitik der offenen Tür sicherlich fortsetzen wird.

    Anders dagegen Humala: Sollte er in der Stichwahl vorne liegen, könnte es in Peru wieder zu einem Wechsel hin zu einer mehr staatswirtschaftlich orientierten Politik kommen. So will er nicht nur höhere Investitionen in Bildung und Gesundheit durchsetzen, Humalas Programm zielt auch auf die Förderung von heimischer Industrie und Landwirtschaft, die er durch die freihändlerische Politik von Präsident Alan García bedroht sieht, sowie eine stärkere nationale Kontrolle über Perus Rohstoffe, die derzeit weitgehend in den Händen ausländischer Konzessionäre sind.

    Es ist ganau diese politische Programmatik, die Humala nicht nur in Perus Geschäftswelt und Oberklasse, sondern auch bei vielen, eher zur Mittelklasse gehörenden Selbständigen und Inhabern von kleineren Betrieben und Geschäften den Ruf eingebracht hat, in Wahrheit ein Kommunist zu sein. Zwar hat er seine früheren Versaatlichungspläne mittlerweile zurückgenommen. Doch hat er schon angekündigt, dass er auslaufende Konzessionsverträge mit den internationalen Rohstoffmultis nur zu deutlich höheren Abgaben für Perus Staatskasse neu verhandeln will. Dies hat bei den vielen internationalen Investoren zu ersten besorgten Reaktionen geführt und auch an Limas Börse sind die Kurse seit langer Zeit mal wieder gefallen.

    Sicher wird Humala in der Stichwahl wieder die Stimmen der ärmeren und von den Regierungen in Lima immer schon chronisch vernachlässigten Bevölkerung in den „pueblos jovenes“ der großen Städte sowie den ländlichen Regionen vor allem im Hochland bekommen. Anders als die dünne Oberschicht und die wohlhabendere Mittelklasse in den städtischen Zentren der Küste haben sie nämlich nicht von Perus seit Jahren anhaltendem und durch die hohen Rohstoffpreise getriebenen Wirtschaftsaufschwung profitiert.

    Doch ihre Stimmen alleine dürften Humala nicht zum Sieg über Keiko Fujimori verhelfen. Dazu müsste er zumindestens noch einen Teil der Wähler gewinnen, die in der ersten Runde für einen der ausgeschiedenen Kandidaten wie Ex-Präsident Toledo, dessen früheren Wirtschaftsminister Kuczynski oder Limas ehemaligen Bürgermeister Castañeda gestimmt haben. Unter ihnen könnte Humala am ehesten Unterstützer bei den nicht wenigen einstigen APRA-Wählern finden.

    Wegen des Totalausfalls der sozialdemokratischen APRA, die ohne eigenen Präsidentschaftskandidaten in die Wahl am 10. April gegangen war und bei den gleichzeitig stattgefundenen Kongresswahlen nur noch vier (!) der 120 Parlamentssitze erringen konnte, sind ihre einstigen Wähler nämlich nunmehr quasi politisch heimatlos. Wie konnte es nur zu diesem Niedergang dieser ältesten und traditionsreichsten Partei Perus kommen, hatte sie doch die letzten fünf Jahre mit Alan García sogar den Präsidenten gestellt?

    Nicht nur die Korruptionsskandale bei der Vergabe von Konzessionen an ausländische Rohstoffkonzerne während Alan Garcías auslaufender Amtszeit, die 2008 sogar zum Rücktritt seines Vertrauten Ministerpräsident Jorge del Castillo und dessen kompletter Regierung geführt hatten, sowie seine Ignoranz gegenüber den indianischen Ethnien und ihren Protesten gegen die Explorationen amerikanischer Ölkonzerne im Amazonasgebiet haben die APRA und ihre Anhänger frustriert. Mit seiner neoliberalen, einseitig Kapital und ausländische Investoren begünstigenden Politik hat Alan García vielmehr die einstigen politischen Ideale der APRA und ihres legendären Gründers Haya de la Torre verraten und so das sozialreformerische Selbstverständnis der alten Partei ruiniert.

    Die APRA kann sich und ihre politischen Traditionen jetzt dagegen durchaus bei Humala wiedererkennen. Tatsächlich könnte dessen Programm in weiten Teilen aus der Feder von Haya de la Torre stammen. Dieser hatte immer für eine bessere gesellschaftliche Integration der Hochlandbauern und indigenen Bevölkerung sowie für eine die Entwicklung der nationalen Industrie und Landwirtschaft fördernde Politik gekämpft. Auch Alan García hatte während seiner ersten Präsidentschaft in den 80er Jahren noch diese Politik verfolgt. Doch nun scheint eher Humala in der politischen Tradition von Haya de la Torre zu stehen, der – würde er heute wählen – eigentlich für Humala stimmen müsste!

    Wie Humala wurde auch Haya de la Torre immer nachgesagt, Kommunist zu sein, und mehrfach hatte Perus alte politische Oligarchie seinen Sieg an der Wahlurne durch Betrug oder mit Hilfe von Interventionen des Militärs verhindert. Für Humala dürfte es jedenfalls nicht einfach werden, diesmal die Stichwahl für sich zu entscheiden. Perus politische Rechte wird ihre gesamte finanzielle und mediale Macht aufbieten, um dies zu verhindern.

    James Siever

    Der Autor ist Verfasser des Buches „Alan Garcia. Der Schuldenrebell“, das 2009 bei Monsenstein und Vannerdat erschien.

  • Peru: 20fache Stauung des Marañón wird „nationales Interesse“

    Perus Präsident Alan García hat gestern per Dekret den Bau von insgesamt 20 Staudämmen zur Erzeugung von Energie am nordperuanischen Amazonas-Zufluss Marañón zum „nationalen Interesse“ erklärt. Damit wird der Plan in Zukunft von Behörden und Unternehmen besonders forciert. Die entsprechenden Pläne wurden in den 70er Jahren von sowjetischen und japanischen Ingenieuren entwickelt.

    Die Unterzeichnung des Dekretes erfolgte nach einem Treffen Garcías mit den Ministern für Energie und Bergbau, Umwelt und Landwirtschaft, sowie interessierten Vertretern aus der Energie- und Baubranche. Für die Durchführung des Projektes, das die Regionen Amazonas und Loreto, sowie auch Teile von Cajamarca umfasst, wird ein Zeitraum von 5-15 Jahren anvisiert. Dieser ist wohl auch nötig, beginnt sich doch in Amazonas und Cajamarca bereits Widerstand gegen die ersten konkreten Bauvorhaben zu bilden. Verstärken könnte sich dieser Widerstand, sollte auch das Umleiten von Marañón-Wasser zur Urbarmachung peruanischer Pazifikküstenregionen wie geplant umgesetzt werden. Präsident García wird die Unterschrift unter das Dekret leicht gefallen sein, seine Amtszeit endet am 27. Juli.

    Im Anschluss an die Unterzeichnung des Dekretes sprach Präsident García von einer beginnenden „Energie-Revolution“, die durch das Projekt ermöglicht werde und Peru zu einem wichtigen Energieexporteur mache. Damit werde „enormer Reichtum“ gesät, so García. Energie- und Bergbauminister Pedro Sánchez fügte hinzu, man solle dabei nicht nur auf den Energieexport setzen, sondern auch auf den Aufbau von Industrie, um auch „Produkte, nicht nur Elekrizität zu exportieren“. Umweltminister Antonio Brack erklärte, Peru sei durch seine Lage „gesegnet“, da Länder wie Deutschland gerade wegen ihres Alters 8 Atomkraftwerke abschalten und Energie bei Frankreich kaufen müssten und Israel mit dem Jordan über kein hydroenergetisches Potenzial verfüge. „Das Marañón-Projekt zeigt uns mit dieser regenerativen Energiequelle einen gesunden, sauberen und langfristig nachhaltigen Weg“, so Brack. Landwirtschaftsminister Rafael Quevedo hob vor allem die Möglichkeit hervor, die nordperuanischen Wüstenregionen zu bewässern.

    Nach Fertigstellung sollen die 20 Wasserkraftwerke 12.400 Megawatt produzieren. Allein 4.500 davon sollen auf das geplante Kraftwerk „Manseriche“ fallen, das am „Pongo de Manseriche“ errichtet werden soll, der wegen ihrer beeindruckenden Landschaft berühmten Schlucht in der Region Amazonas, durch die sich der Marañón auf dem Weg in den Regenwald zwängt.

    Insbesondere brasilianische Unternehmen haben Interesse an der Finanzierung und Durchführung des Projektes, sowie am anschließenden Energiekauf angemeldet.

    Die – leider kaum lesbare – Karte des Projektes ist auf dem Portal der Präsidialverwaltung unter http://www.presidencia.gob.pe/anexos/19710pa.pdf abrufbar.

  • Peru: Landwirtschafts- und Umweltministerium streiten über Gentechnik

    Der Streit über eine Verordnung des peruanischen Landwirtschaftsministeriums, durch die der Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) geregelt wurde, wird immer schärfer. Als die Verordnung 003, die unter anderem den Weg für die Einfuhr und den Anbau solcher Organismen unter Auflagen frei macht, vergangene Woche veröffentlicht wurde, kam es zunächst zu einem Aufschrei unter denjenigen, die sich in Peru für mehr ökologische Landwirtschaft einsetzen. Wortführer war zunächst Starkoch Gaston Acurio, dessen Stimme allerdings etwas leiser wurde, nachdem Vorwürfe laut wurden, auch manche Produkte seines Unternehmens wären nicht frei von Gentechnik. Seinem Ruf aber folgten zahlreiche Umwelt- und Agrarorganisationen.

    Auch Crisólogo Cáceres, Vorsitzender der Verbraucherschutzorganisation ASPEC, bedauerte das Vorgehen des Landwirtschaftsministeriums. „Während [GVO] in anderen Ländern verboten werden, wird hier die Einfuhr erlaubt, anstatt die Biodiversität zu schützen“, so Cáceres gegenüber der Tageszeitung „La República“. ASPEC kritisiert zudem, dass das im vergangenen Jahr in Kraft getretene peruanische Verbraucherschutzgesetz bislang nicht konsequent umgesetzt wird. So sind bislang viele nicht Gentechnik-freie Lebensmittel noch immer nicht ausreichend gekennzeichnet.

    Nach mehreren Tagen seltsamer Ruhe hat sich nun auch das peruanische Umweltministerium zu der Verordnung geäußert. Das Ministerium von Antonio Brack, der sich in der Vergangenheit wiederholt für ein „gentechnik-freies“ Peru ausgesprochen hatte, veröffentlichte auf seiner Internetseite eine Verlautbarung, in der es sich zwar nicht direkt gegen die Einfuhr gentechnisch veränderter Organismen ausspricht, aber darauf hinweist, dass diese peruanischen Landwirten in keinster Weise Vorteile, dagegen aber Nachteile und neue Abhängigkeiten bringen. Zudem, so die Verlautbarung, sei ökologische Landwirtschaft mit GVO unvereinbar, obwohl sie für Peru eine sehr wichtige Einnahmequelle darstelle.

    Die Reaktion des Landwirtschaftsministeriums ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden später wurde ebenfalls eine Verlautbarung ins Internet gestellt, in der darauf hingewiesen wurde, man habe die Gentechnik-Verordnung vorab mit dem Umweltministerium abgestimmt und bewege sich im Rahmen der aktuellen Rechtslage. Zudem habe man das hauseigene Agrarforschungszentrum INIA mit einem Labor ausgestattet, das gentechnisch veränderte Organismen identifizieren könne, so das Ministerium.

    Worin sich beide einig sind, ist, dass eine Regelung des Umgangs mit solchen Organismen nötig war, da für eine effiziente Kontrolle bislang die Rechtsgrundlage fehlte. Auch der peruanische Kongress hätte wiederholt die Möglichkeit gehabt, ein mehrjähriges Moratorium festzulegen, durch das ein Einfuhrverbot zugunsten neuer Forschungen hätte erreicht werden können. Entsprechende Gesetzesinitiativen gingen unter.

  • Utcubamba / Amazonas: Erdrutsch durchtrennt Fernstraße / Überschwemmung droht

    Durch das Abrutschen eines halben Berges wurde bei Salao in der Nähe von Puerto Naranjitos (Provinz Utcubamba / Region Amazonas) ein Teil der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße, die auch Teil der Fernverbindung zwischen der Atlantikküste und dem Nachbarland Brasilien ist, zerstört. Ein durch die Erdmassen entstehender Stausee bedroht derweil mehrere nahegelegene Ortschaften und weicht den Berg weiter auf, 40 Familien wurden bereits evakuiert. Nach Angaben von Radio Activa (Chachapoyas) rutschen noch immer Erdmassen und ganze Felsen in den Utcubamba-Fluss. Der regionale Zivilschutz der Region Amazonas prüft derweil, mehrere Felsen wegzusprengen, um den Abfluss des Wassers zu ermöglichen.

  • Keikos Vorsprung verfestigt sich

    Nach Auszählung von 92% der abgegebenen Stimmen bei der Präsidentschaftswahl in Peru am vergangenen Sonntag zeichnet sich eine Verfestigung von Keiko Fujimori auf dem zweiten Platz ab. Während der erstplatzierte Ollanta Humala mit 31,8% der gültigen Stimmen seinen ersten Platz behielt, stieg Keiko Fujimori auf 23,5% der gültigen Stimmen. Pedro Pablo Kuczynski sank auf 18,7%. Nach der aktuellen Hochrechnung erhielt Ex-Präsident Toledo 15,5%, Luis Castañeda Lossio 9,9%.

    Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist für den kommenden 5. Juni eine Stichwahl zwischen den bei den erstplatzierten angesetzt.

    MEHR zu den Wahlen in Peru finden Sie im INFOAMAZONAS-Wahl-Spezial!