Die Provinz Bagua liegt an der westlichen Grenze der Region Amazonas zur Nachbarregion Cajamarca. Besonders ihr heißer Nordosten macht sie zu einer Regenwaldprovinz, deren Einwohner vorwiegend von der Landwirtschaft leben. Neben Früchten wird in großen Mengen Reis und Zuckerrohr angebaut. Die Hauptstadt der Provinz heißt Bagua (nicht zu verwechseln mit Bagua Grande in der Nachbarprovinz Utcubamba).
Bagua hat 71.757 Einwohner. Mehr…
Ein Gericht in der peruanischen Provinz Alto Amazonas (Region Loreto) hat die Unschuld der Journalisten Geovanni Acate und Pater Mario Bertolini festgestellt, denen Anstachelung zu Straßenblockaden vorgeworfen wurde. Gleichzeitig verurteilte das Gericht allerdings mehrere führende Köpfe lokaler sozialer Bewegungen zu jeweils vier Jahren Freiheitsstrafe. Allen war vorgeworfen worden, im Juni 2009 – im Umfeld der als „Baguazo“ bekannten Zusammenstöße zwischen Ureinwohnern, lokaler Bevölkerung und der Polizei – zu Straßenblockaden und anderen Protestaktionen aufgerufen zu haben. Die Verteidigung hatte stets auf die Meinungsfreiheit verwiesen.
Pater Mario Bertolini, Pfarrer der Gemeinde Barranquita in San Martín, stand wegen des Prozesses bereits kurz vor der Abschiebung. Geovanni Acate Coronel ist Direktor des Diözesandsenders „Radio Oriente“ aus Yurimaguas. Die Verteidigung der verurteilten Adilia Tapullima, Gorki Vásquez, Elias Sánchez, Javier Alava und Bladimiro Tapayuri kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.
Radioantennen. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
Seit dem 5. Juni 2009, dem Tag des „Baguazo“, kam es wiederholt zu Maßnahmen gegen kirchliche oder der katholischen Kirche nahestehende Radiosender im Norden Perus. So wurde den Sendern „Radio La Voz“ (Bagua) und „Radio Horizonte“ (Chachapoyas) vorrübergehend Lizenzen entzogen. Erst nach großem Protest durften die Radios wieder senden.
Ein Team von Archäologen hat bei Casual im nordperuanischen Distrikt La Peca (Provinz Bagua / Region Amazonas) acht mit mumifizierten menschlichen Überresten gefüllte Tongefäße gefunden. Wie Grabungsleiter Quirino Olivera Núñez gegenüber der Tageszeitung „El Comercio“ erklärte, handelt es sich dabei um Objekte, die bislang noch keiner prähistorischen peruanischen Kultur zugeordnet werden konnten und rund 2.600 Jahre alt sind.
Jedes der gebrannten Tongefäße ist ca. 1,20 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Zum Schutz ihrer Toten verschlossen die noch unbekannten Bestatter an den Gefäßen ein Deckel an. Eines der Gefäße ist kunstvoll verziehrt, die Archäologen vermuten daher, dass es sich dabei um die Knochen eines Mitglieds der damaligen lokalen Elite handelt. Ähnliche Funde waren vereinzelt bereits in der Vergangenheit gemacht worden, vorwiegend durch Landwirte auf ihren Feldern. Zum ersten Mal konnte nun eine entsprechende Fundstätte nach wissenschaftlichen Kriterien untersucht werden.
Der Fundort, eine Grabungsstätte in der Nähe des 282-Einwohner-Dörfchens Casual, das sich in der Nähe von Bagua (Chica/Capital) befindet, war nach Einschätzung der Archäologen eine Tempelanlage.
Mit großer Mehrheit hat der peruanische Kongress die Gründung der „Fabiola Salazar Leguía“-Universität mit Sitz in Bagua (Provinz Bagua / Region Amazonas) beschlossen. Namensgeberin der Universität ist eine Abgeordnete der Regierungspartei APRA, die im vergangenen Jahr bei einem Autounfall ihr Leben verloren hatte, als sie in ihrem Amt als Abgeordnete unterwegs war.
Angeboten werden sollen zunächst die Fachbereiche Agraringenieurwesen, Zivilingenieurwesen, Biotechnologie, Außenhandel und Tierzucht. Damit tritt die neue Universität teilweise in direkte Konkurrenz zur ebenfalls noch jungen Universität Chachapoyas, die ebenfalls Fächer wie Tierzucht und Agrarindustrieingenieurswesen anbietet, beziehungsweise anzubieten plant.
Für den Aufbau der Universität hat die Regionalregierung Amazonas drei Millionen Nuevos Soles bereitgestellt, zwei Millionen sollen vom peruanischen Bildungsministerium, und eine weitere Million von der Provinzverwaltung Bagua kommen.
Das nun verabschiedete Gründungsgesetz wurde von der peruanischen Regierung eingebracht. Es geht aber auf einen Entwurf des oppositionellen Kongressabgeordneten José Maslucan zurück, der die Region Amazonas vertritt. Dieser hatte dem Projekt allerdings den – parteipolitisch unverdächtigeren – Namen „Heroes del Cenepa“, zum Gedenken an den Cenepa-Konflikt zwischen Peru und Ecuador in den 90er Jahren, gegeben.
Nach der Gründung wird die neue Universität zunächst von einem Organisationskommitee unter den strengen Blicken des peruanischen Rates für Universitätszulassungen, CONAFU, geleitet werden. Erst, sobald entsprechende Infrastruktur und Personal bereit steht, wird die Universität in die Unabhängigkeit entlassen.
Logo Regionalregierung Amazonas – Gobierno Regional Amazonas
Die Regionalregierung Amazonas hat die Ureinwohner-Sprachen Awajún, Wampis und Quechua als offizielle Amtssprachen anerkannt. Die Entscheidung des Regionalrates fußt auf dem Artikel 55 der peruanischen Verfassung, in dem festgelegt ist, dass in erster Linie Spanisch, aber in Regionen, wo Ursprachen vorherrschen, auch diese Amtssprache sind.
In den Distrikten Imaza und Aramango (Provinz Bagua), sowie in der Provinz Condorcanqui gehören rund 90% der Bevölkerung zu den Awajún oder den Wampis. Insbesondere im Süden der Region wird in einigen Orten bis heute Quechua gesprochen.
Die Anerkennung bedeutet, dass vermehrt Lehrer für diese Sprachfamilien ausgebildet und eingesetzt werden können. Zudem bedeutet der Schritt eine Selbstverpflichtung der Regionalregierung, auch Gesundheitspersonal mit entsprechenden Sprachkenntnissen einzusetzen. Bei Gerichtsprozessen müssen entsprechende Übersetzer gestellt werden.
Aus welchen Mitteln die entsprechenden Fortbildungen finanziert werden sollen geht aus dem Beschluss des Regionalrates nicht hervor. Da Ende des Jahres eine neue Regionalregierung ihre Arbeit aufnehmen wird, ist von einer baldigen Durchsetzung deshalb nicht auszugehen.
Die folgenden Bilder, Collagen und Skulpturen sind Teil der Ausstellung „Einheit in der Vielfalt“, für die Studierende und Lehrpersonal der Kunsthochschule Chachapoyas ihre Sicht auf die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Zivilisten am 5. Juni 2009 bei Bagua Grande künstlerisch verarbeitet haben. Damals verloren 33 Menschen ihr leben, darunter mehrere Indígena. Unter den Künstlern sind Indígena und Polizisten. Die Bilder sind Eigentum der Kunsthochschule, die Veröffentlichung erfolgt mit dem Einverständnis der Künstler.
Amazonas en duelo. Künstlerin: Ofelia Huaman Luliquis. Technik: Öl auf Leinwand. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.Achijatin, von Ricardo Carrascal Oyarce. Technik: Öl auf Leinwand. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
Die folgenden Bilder, Collagen und Skulpturen sind Teil der Ausstellung „Einheit in der Vielfalt“, für die Studierende und Lehrpersonal der Kunsthochschule Chachapoyas ihre Sicht auf die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Zivilisten am 5. Juni 2009 bei Bagua Grande künstlerisch verarbeitet haben.
Culpables? no lo se! Künstler: Jhonson Puerta Salazar. Technik: Öl auf Leinwand. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONASS/N (ohne Titel). Künstler: Henry Mego Fernandez. Technik: Öl auf Leinwand. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.Despojo. Künstler: Percy Huaman Defina. Technik: Öl auf Holz. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONASEl reencuentro. Künstler: José Luis Esteves Zuta. Technik:Kohle auf Papier. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die Regionalregierung Amazonas und die Provinzverwaltung Chachapoyas, die Verantwortlichen für den Tod von Polizei und Zivilisten am vergangenen 5. Juni zu ermitteln, sowie den „Tag des peruanischen Rums“ auf einen anderen Tag zu verlegen. In der Stellungnahme, die von allen Regionalräten gemeinsam mit allen Stadträten aus Chachapoyas unterschrieben wurde, werden deshalb die Zentralregierung, der Kongress, die Nationalpolizei, die Juikative, sowie die Staatsanwaltschaft dazu aufgerufen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Geschehnisse in den Provinzen Utcubamba und Condorcanqui aufzuarbeiten.
Zudem wird der peruanische Kongress aufgefordert, die Festlegung des „Tages des peruanischen Rums“ auf den ersten Samstag jeden Monats Juni zurückzunehmen, da dieser heuer auf den 5. Juni fällt. Auch eine landesweite Schweigeminute um Punkt 10:00 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr MEZ) wird gefordert.
Am 5. Juni vergangenen Jahres kam es im Umkreis der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße in der Provinz Utcubamba zwischen der Marañón-Brücke und Bagua Grande zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Zivilisten – darunter zahlreichen Indígena, die die Straße im Protest gegen mehrere Legislativdekrete für mehrere Wochen besetzt hatten. 11 Polizisten und 10 Zivilisten kamen hier ums Leben. Bei einer anschließenden Racheaktion gegen Polizisten im Umfeld der Erdölpumpstation 6 (Estación Nº 6) wurden weitere 12 Polizisten getötet. Ein Polizist wird bis heute vermisst. Zahlreiche Meldungen über weitere Opfer wurden von der peruanischen Volksanwaltschaft Untersucht, konnten aber nicht bestätigt werden.
Für den nun kommenden 4. und 5. Juni sind in Bagua zahlreiche Gedenkakte angesetzt, darunter eine Messe dort, wo alles seinen begann: Auf dem Straßenabschnitt rund um die Zahlstelle „Siempre Viva“ / Curva del Diablo der Fernando Belaúnde Terry-Straße nur wenige Kilometer vor Bagua Grande (Provinz Utcubamba).
Hinweis zum Ort des Geschehens: Bagua, Bagua Grande, Utcubama, Baguazo, Region Amazonas
Aufgrund sehr widersprüchlicher auf INFOAMAZONAS eingegangener Suchwörter hier ein paar Klarstellungen von Begriffen rund um die verschiedenen Baguas:
Bagua: Eine Provinz im Osten der Region Amazonas. Die Provinzhauptstadt ist Bagua, auch als Bagua Chica oder Bagua Capital bekannt. Die Provinz ging 1941 aus den Nachbarprovinzen Luya und Bongará hervor. 1984 wurde die Provinz Bagua in die Provinzen Bagua (Norden) und Utcubamba (Süden) aufgespalten. Im Nordwesten der Provinz leben Angehörige der Ethnien Awajún und Wampis.
Bagua Grande: Die bevölkerungsreichste und wohl kommerziell stärkste Stadt der Region Amazonas. Bagua Grande ist die Hauptstadt der Provinz Utcubamba.
Condorcanqui: Provinz im Norden der Region Amazonas. Neben Mestizen leben dort vorwiegend Angehörige der Ethnien Awajún und Wampis.
Utcubamba: Provinz, die 1984 aus dem Südteil der damaligen Provinz Bagua hervorging. Die Hauptstadt ist Bagua Grande. Sie wird von der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße durchzogen, auf der es im vergangenen Jahr zu den schweren Zusammenstößen kam.
Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße: Ehemals „Carretera Marginal de la Selva“, heute offiziell „Carretera Interoceanica del Norte“ (nördliche interozeanische Straße), verbindet die peruanische Küste über Olmos, Corral Quemado, Bagua Grande, Pedro Ruiz, Moyobamba und Tarapoto mit der Hafenstadt Yurimaguas, die über den Amazonas wiederum die Hauptverbindung nach Iquitos darstellt. Die Straße war in den Wochen vor dem 5. Juni vergangenen Jahres von Ureinwohnern besetzt gehalten worden.
Region Amazonas: Nicht zu verwechseln mit gleichnamigen Regionen in den Nachbarländern oder gar mit dem Amazonasgebiet als ganzem. Die Region Amazonas ist eine Verwaltungseinheit unterhalb der nationalen Ebene. Sie verfügt über einen Regionalpräsidenten, sowie 7 gewählte Regionalräte. Dazu kommen Regionaldirektionen der verschiedenen Ministerien auf nationaler Ebene
Baguazo: Begriff, der von peruanischen Medien für die Zusammenstöße am 5. Juni 2009 eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine in Peru gebräuchliche Form zur Beschreibung von Krisen jeder Art. Dabei wird an einen Orts- oder Firmennamen die Endung „zo“ angehängt. Anderes Beispiel: Moqueguazo. Im peruanischen Boulevard wird die Endung häuig verwendet, um auf ein (vermeintlich) großes Objekt oder Geschehen hinzuweisen.
Die Spannungen steigen vor dem ersten Jahrestag des blutigen „Baguazo“ am 5. Juni vergangenen Jahres, als mehr als 30 Personen im Umland von Bagua Grande ihr Leben bei der Räumung einer besetzten Straße, sowie einer anschließenden Racheaktion verloren, immer weiter an. Mehrere Organisationen habe angekündigt, rund um den Ort „Siempre Viva“ an der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße Gedenkveranstaltungen abzuhalten. Doch unter den verschiedenen Organisatoren herrscht bei weitem keine Einigkeit. So kritisiert unter anderem die Organisation „Frente de Defensa de Amazonas“, sowie die Vereinigung der Bürgerwehren der Provinz Utcubamba die angekündigte Teilnahme des Präsidenten der Region Amazonas, Oscar Altamirano Quispe.
Gleichzeitig berichtet die Tageszeitung „El Comercio“, die Polizei in Bagua und Bagua Grande habe für den 5. Juni Verstärkung angefordert, da man eine erneute Besetzung der „Estación 6“ fürchte, wo im vergangenen Jahr 12 Polizisten ermordet worden waren. Gleichzeitig grassiert die Angst, dass mehrere Maschinengewehre, die damals toten Polizisten entwendet wurden, im Rahmen der Feierlichkeiten für Mordanschläge verwendet werden könnten.
Die Indígena-Organisationen ORPIAN und AIDESEP haben einen friedlichen Verlauf der Gedenkfeiern angekündigt.
Bei Siempre Viva wird es am 5. Juni eine Messe geben.
Wenige Tage nach dem schweren Erdbeben der Stärke 6,2 auf der Richterskala steht den Orten an den Ufern der Flüsse Marañón und Utcubamba eine neue Katastrophe bevor. Der Erdrutsch, der über einen Kilometer der Fernando Belaúnde Terry-Straße bei „El Aserradero“ zwischen Pedro Ruiz und Bagua Grande mitgerissen hatte, schüttete auch das Flussbett des Utcubamba-Flusses zu, wordurch ein künstlicher Stausee entstand. Nach Angaben des Zivilschutzes waren in den vergangenen Tagen oberhalb des „Aserradero“-Sektors starke Regenfälle verzeichnet worden. Aus Angst, zu dem natürlichen Anstieg des Wasserpegels könnte noch eine Flutwelle hinzukommen, wurden bereits zahlreiche Ortschaften an den Ufern des Utcubamba und – nach dessen Mündung – des Marañón auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet. Bis zu 20.000 Personen müssten im Falle einer Überschwemmung evakuiert werden, so der Zivilschutz Amazonas.
Der künstliche Stausee sei auf rund 18.000.000 m³ angewachsen, so Víctor Cruzalegui, technischer Leiter des regionalen Zivilschutzes.
Erdbebenschäden an Häusern, Straßen und Stromnetz
Bagua Grande (Utcubamba): Zerstörtes Haus nach dem Erdbeben. Bild: INDECI
Nach dem jüngsten Bericht des Zivilschutzes wurden bei dem Erdbeben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch 44 Wohnhäuser zerstört, 198 weitere beschädigt. Auch 12 öffentliche Gebäude weisen Schäden auf. Rund 1.000 Meter Straße rund um den Sektor „Aserradero“ (Streckenabschnitt 266+500) im Distrikt Jamalca (Provinz Utcubamba) sind unbefahrbar, 10% des Stromnetzes der Region Amazonas war für mehrere Stunden außer Betrieb. Die meisten Schäden wurden in der Provinz Chachapoyas verzeichnet. Es wurden keine Todesfälle wegen des Erdbebens verzeichnet.
Luftbrücke nach Lima und Fernverkehr über Leymebamba-Balsas-Celendin-Cajamarca
Wegen der Schäden um den „Aserradero“ kann die bei Überlandbussen und Lastkraftwagen bevorzugte Strecke Chachapoyas-Bagua Grande-Olmos-Chiclayo derzeit nicht befahren werden. Einzig Passagieren mit guter Kondition und wenig Gepäck können nach Angaben der Regionaldirektion für Verkehr und Kommunikation mit einem zweistündigen Fußmarsch den zerstörten Straßenabschnitt umgehen, wobei dabei vor der Gefahr weiterer kleiner Erdrutsche gewarnt wird. Ein Teil des Verkehrs wird über die Strecke Chachapoyas-Balsas-Celendin-Cajamarca umgeleitet, die wegen des Straßenzustands allerdings nur von kleineren Fahrzeugen befahren werden kann.
Zudem sind für den heutigen Tag, sowie kommenden Montag und Mittwoch, Hilfsflüge der peruanischen Luftwaffe angekündigt. Personen, die dringend in die peruanische Hauptstadt Lima reisen müssen, können ihren Platz dafür im Rathaus von Chachapoyas reservieren, der Flugpreis beträgt 100 Nuevos Soles, zuzüglich Flughafengebühr.
Spekulanten treiben Preise hoch
Derweil berichten lokale Medien aus Chachapoyas, aber auch aus Tarapoto (Region San Martín) über Preissteigerungen in Folge der unpassierbaren Straße. Die Staatsanwaltschaft hat mit stichprobenartigen Kontrollen begonnen, um ungerechtfertigte Preissteigerungen zu unterbinden. Da bestimmte Produkte von der peruanischen Küste ins Hochland und die Regenwaldregionen gebracht werden, ist es bereits schlechte Tradition, dass skrupellose Spekulanten besonders die Hühner-, Bier- und Gaspreise in die Höhe schnellen lassen.
Die Polizisten, die im vergangenen Jahr bei dem gescheiterten Versuch, die von Ureinwohnern besetzte Fernando Belaúnde Terry-Straße im Norden Perus zu räumen, getötet wurden, sollen zu Nationalhelden ernannt werden. Das erklärte der peruanische Premierminister Javier Velásquez Quesquén nach einem Treffen mit Angehörigen der Polizisten. Damit wolle man sie für ihr „Opfer bei der Verteidigung der Gesellschaft und der Ordnung“ ehren, so Quesquén. Mit der Ehrung einher geht das Versprechen, die Hinterbliebenen der Polizisten finanziell zu Unterstützen.
Am 5. Juni 2009 hatten Beamten der peruanischen Polizei versucht, den Straßenabschnitt rund um das Straßendorf „Siempre Viva“ zu räumen, den mehrere Gruppen von Ureinwohnern (Indígena) über Wochen hinweg besetzt gehalten hatten, um gegen eine Reihe von Legislativdekreten der peruanischen Regierung zu demonstrieren, durch die sie ihre Rechte angegriffen sahen. Kurz zuvor hatten die Indígena mit einem lokalen Polizeigeneral die Räumung der Straße ausgehandelt. Noch bevor die Straße friedlich geräumt werden konnte, wurden Polizeieinheiten und -hubschrauber losgeschickt, um die Straße zu räumen. Im Umfeld der Straße, aber auch in umliegenden Orten kam es daraufhin zu Ausschreitungen, Zusammenstößen und Racheakten, in deren Folge mindestens 33 Menschen starben, darunter neben Polizisten auch Indígena und andere Bewohner der umliegenden Provinzen.
Aserradero nach dem Erdbeben. Bild: Regionalregierung Amazonas
Das Erdbeben, das in der Nacht auf Mittwoch den peruanischen Norden erschüttert hat, ging nicht spurlos vorüber. Stück für Stück wird bekannt, dass doch mehr Schäden angerichtet wurden, als zunächst vermutet. Dabei hielt das Beben der Stärke 6,2 auf der Richterskala glücklicherweise nur für wenige Sekunden an.
In Chachapoyas
Haus der Familie Pingus nach dem Erdbeben. Foto: Stadtverwaltung Chachapoyas.
So wurde in Chachapoyas ein Haus fast vollständig zerstört. Im Stadtviertel Santa Rosa de Lima hielten mehrere Wände des Hauses nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes dem schweren Beben nicht stand. Die Bewohner konnten sich retten. An rund 100 Gebäuden wurden bei einer ersten Evaluation Schäden festgestellt, hauptsächlich handelt es sich dabei um gespaltene Lehmwände und herabgefallene Dachziegel. 10 Gebäude wurden vom Zivilschutz als „Unbewohnbar“ eingestuft.
Im Gebäude einer staatlichen Lehrerfortbildungseinrichtung waren mehrere Holzdielen zerbrochen, Tafeln von den Wänden gefallen und Tische umgestürzt.
In der Provinz Bagua
In Bagua Chica / Capital brach ein Rohr der Wasserversorgung. Große Teile der Stadt sind deshalb noch immer ohne Trinkwasser.
In der Provinz Utcubamba
Aus der Provinz Utcubamba wird der Einsturz eines Hauses gemeldet. Zahlreiche Gebäude seien leicht beschädigt worden, so der Zivilschutz Bagua Grande.
In Kuelap
In der Chachapoya-Festung Kuelap, wichtigstes Reiseziel der Region Amazonas, gab es nach ersten Angaben der regionalen Außenhandels- und Tourismusbehörde DIRCETUR keine schweren Schäden. Zur Sicherheit habe man aber ein Expertenteam nach Kuelap geschickt, um genauere Untersuchungen vorzunehmen, so der zuständige Regionaldirektor Enrique Serván Santillán.
Straßenlage
Aserradero: Straße nach dem Erdbeben. Bild: Stadtverwaltung Chachapoyas.
Mehrere Straßenabschnitte im Umland wurden durch das Erdbeben stark beschädigt. Die Straße von Chachapoyas über Tingo nach Leymebamba war vorübergehend nicht befahrbar. Der Abschnitt „El Aserradero“ der Fernando Belaúnde Terry-Straße, die Piura an der peruanischen Küste mit den nordperuanischen Anden- und Urwaldregionen verbindet, rutschte erneut ab und riss dabei mehrere Straßenkilometer mit sich. Nach Angaben des Konzessionsinhabers der Straße, IIRSA Norte, wird die Straße für mehrere Tage nicht befahrbar sein. Die Route verbindet nicht nur Piura mit dem Urwald, sondern ist gleichzeitig die zentrale Verbindung zwischen den Nord- und Südprovinzen der Region Amazonas. Aserradero war ein Dorf an der Mitte der Strecke Pedro Ruiz – Bagua Grande, das bereits mehrfach von Erdrutschen heimgesucht wurde. Daneben sind auch Teile der Straße von Chachapoyas nach Pedro Ruiz vorrübergehend unpassierbar, wie die Stadtverwaltung Chachapoyas mitteilt.
Luftwaffe organisiert Luftbrücke
Ab Samstag wird die peruanische Luftwaffe eine Luftbrücke organisieren, um Bewohnerinnen und Bewohner der von der Außenwelt abgeschnittenen Provinzen die Reise nach Lima zu ermöglichen. Nach Angaben von Dr. Peter Lerche, Bürgermeister von Chachapoyas, hat das Verteidigungsministerium bereits alles notwendige in die Wege geleitet. Der Flug in alten Transportmaschinen dauert rund eine Stunde und kostet weniger als ein Busticket: 100 Soles + Flughafengebühr. Auch für kommenden Montag und Mittwoch sind Flüge angekündigt, für die eine Registrierung im örtlichen Rathaus notwendig ist.