Kategorie: Bagua

Die Provinz Bagua liegt an der westlichen Grenze der Region Amazonas zur Nachbarregion Cajamarca. Besonders ihr heißer Nordosten macht sie zu einer Regenwaldprovinz, deren Einwohner vorwiegend von der Landwirtschaft leben. Neben Früchten wird in großen Mengen Reis und Zuckerrohr angebaut. Die Hauptstadt der Provinz heißt Bagua (nicht zu verwechseln mit Bagua Grande in der Nachbarprovinz Utcubamba).
Bagua hat 71.757 Einwohner. Mehr…

  • Präsident Humala unterzeichnet Indígena-Konsultationsgesetz in Imacita (Bagua)

    Der peruanische Präsident Ollanta Humala hat heute in der nordperuanischen Stadt Imacita (bei Bagua) das Indígena-Konsultationsgesetz unterzeichnet. Der Ort wurde ausgewählt, weil ganz in der Nähe im Jahr 2009 bei der Räumung einer Straßenblockade von Indigenen mehr als 30 Indígena, Mestizen und Polizisten getötet wurden („Baguazo“). Das Konsultationsgesetz, mit dem das Übereinkommen 169 der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) umgesetzt wird, verpflichtet staatliche Stellen dazu, Stellungnahmen der „ursprünglichen“ und „indigenen“ Bevölkerung Perus zu Vorhaben einzuholen, von denen diese betroffen sein könnten. Hätte es ein solches Gesetz bereits 2009 gegeben, wäre die Straßenblockade gegen mehrere Gesetzespakete und Regierungsdekrete, von denen sich die Indigenen betroffen sahen, möglicherweise nicht zu einem so drastischen Ende gekommen.

    Unterzeichnet wurde das Übereinkommen 169 ILO bereits in den 90er Jahren. Umgesetzt wurde es bislang nicht, lediglich das peruanische Energie- und Bergbauministerium hatte – nach dem Scheitern eines Konsultationsgesetzes im vergangenen Jahr – für seinen Sektor ein eigenes Konsultationsreglement beschlossen.

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  • Bagua Grande / Amazonas: Staatsanwaltschaft prüft Hinweise auf Indígena-Massengrab

    Nach Berichten von Einwohnern des Dorfes El Valor-Cruce Cayaltí (Distrikt El Milagro) über Massengräber mit weiteren Toten der als „Baguazo“ bekannten Zusammenstöße  zwischen Indígena und der Polizei am 5. Juni 2009 hat die Staatsanwaltschaft der Provinz Utcubamba die Ermittlungen aufgenommen. Bereits seit gestern sind bei „El Torito“ ein Anthropologe und ein Gerichtsmediziner im Einsatz, um die Grabungen an den von der lokalen Bevölkerung erwähnten Orten zu leiten. Die ersten beiden Grabungen verliefen allerdings, wie Staatsanwältin Karina Fuentes Torres gegenüber Radio „La Voz“ aus Bagua Grande erklärte, weitgehend erfolglos. Man habe mehr als zwei Meter tief gegraben, es seien aber keine menschlichen Überreste oder anderen Spuren gefunden worden, so Fuentes Torres weiter. Heute und Morgen sollen die Ausgrabungen fortgesetzt werden.

    Bereits kurz nach dem 5. Juni 2009 hatte es Spekulationen über weitere Todesopfer – 35 tote Indígena und Polizisten sind bislang offiziell registriert – gegeben, konkrete Beweise dafür gab es aber bislang nicht. Die Befragung hunderter kleiner Ortschaften im Norden der Region Amazonas durch die peruanische Volksanwaltschaft brachte ebenfalls keine Hinweise auf weitere Vermisste. Einzig von einem Polizisten fehlt seitdem jede Spur. Die nun eingeleiteten Ermittlungen gehen auf Aussagen mehrerer Kleinbauern des 208-Einwohner-Dorfes Cruce Cayaltí zurück. Was genau die Kleinbauern ausgesagt haben, wollte die Staatsanwaltschaft Utcubamba gegenüber INFOAMAZONAS unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht preisgeben.

    In den Wochen vor dem 5. Juni 2009 hatten Indígena und Sympathisanten zwischen Bagua Grande und Corral Quemado („Siempre Viva“) eine Fernstraße blockiert, um gegen eine Reihe von Gesetzesdekreten zu protestieren, durch die sie ihre rechtliche Position gegenüber Holz-, Agrar- und Bergbaukonzernen geschwächt sahen. Die Verhandlungen mit der örtlichen Polizei waren dabei schon weit fortgeschritten, als Spezialeinheiten der Nationalpolizei mit einer improvisierten versuchten, die Fernstraße zu räumen. Dabei, sowie bei einer anschließenden Racheaktion einer anderen Indígena-Gruppe, die ebenfalls im Protest in einer nahegelegenen Ölpumpstation Polizisten als Geiseln genommen hatte, wurden mehr als 30 Menschen getötet.

  • Gesundheitsdirektion Amazonas startet Tollwut-Impfkampagne

    In Condorcanqui gefangene Fledermaus. Foto: DIRESA

    Zum Schutz gegen die Ausbreitung der Tollwut durch Fledermausbisse hat die Gesundheitsdirektion der peruanischen Region Amazonas eine Impf- und Aufklärungskampagne gestartet. Insbesondere die Bewohner der Provinz Condorcanqui werden häufig von Fledermausplagen heimgesucht, weswegen sie im Mittelpunkt der Aktion stehen werden. Neben der Impfung wird auch ein Schüler-Malwettbewerb zu den Themen „Fledermäuse“ und „Tollwut“ durchgeführt, um Kinder und jugendliche zu sensibilisieren. Für Erwachsene gab es mehrere Informationsveranstaltungen in Río Santiago, Cenepa und Santa María de Nieva.

    Insgesamt sollen im Rahmen der Kampagne 20.000 Personen gegen die Tollwut geimpft werden. Jedes Jahr sterben in den Provinzen Bagua und Condorcanqui mehrere Personen an Tollwut, die hier vorwiegend durch blutsaugende Fledermäuse übertragen wird.

  • Alan García verspricht Asphaltierung der Route Achamaqui-Leymebamba-Balsas

    Bei seinem Besuch in der historischen Bergfestung Kuélap verkündete der peruanische Präsident Alan García, seine Regierung stelle 180 Millionen Nuevos Soles für die Asphaltierung der Straße Cruce Achamaqui-Leymebamba-Balsas bereit, die die Regionalhauptstadt Chachapoyas mit der Nachbarregion Cajamarca verbindet. Während seinem eineinhalbstündigen Besuch in Kuélap versprach García auch den Neubau des Santiago Apóstol-Krankenhauses in Bagua Grande, die Verbesserung des Wasser- und Abwassersystems in Bagua, sowie weitere Mittel für die Restaurierung von Kuélap. Begleitet wurde der Präsident von allen amtierenden Ministerinnen und Ministern.

    Von der Asphaltierung der Straße würden auch Besucher und Anwohner von Kuélap profitieren, da ein Teil der Strecke nach Kuélap auf  dieser Strecke zurückgelegt wird.

  • Nach Einigung im Bergbau-Streit: Aymaras heben Streik auf

    Nach ihrer Einigung mit der peruanischen Regierung haben Bewohnerinnen und Bewohner – insbesondere Aymara – im Süden der südperuanischen Region Puno nach mehreren Wochen ihre Proteste beendet. Am vergangenen Freitag hatten Abgesandte der Demonstranten durch Verhandlungen mit Regierungsvertretern die Rücknahme eines Regierungsdekretes erreicht, das einem kanadischen Unternehmen den Bergbau in einer Region gestattete, in der in der Vergangenheit durch wilden Bergbau ökologische Schäden angerichtet worden waren. Dies war eine der Hauptforderungen gewesen. Die entsprechende Verordnung wurde noch am Samstag im peruanischen Gesetzblatt veröffentlicht. Daneben wollten sie durchsetzen, dass im Süden der Region Puno keine  Bergbaukonzessionen mehr vergeben werden. Mit dieser Forderung waren sie zwar nicht erfolgreich, allerdings versprach das Energie- und Bergbauministerium künftig vor der Vergabe von Förderlizenzen vor Ort ein Konsultationsverfahren durchzuführen.

    Überschattet wurden die Verhandlungen von schweren Zusammenstößen in und um Juliaca (Puno). Dort war der örtliche Flughafen besetzt worden. Mehrere Fahrzeuge, Flugsicherheitseinrichtungen und Büros wurden zerstört und angezündet. Beim Versuch der Polizei, den Flughafen mit Tränengas und Warnschüssen zu räumen, wurden mindestens fünf Personen getötet.

    „Juliacazo“ – blutiges Erbe der García-Regierung?

    Die peruanische Tageszeitung „Peru21“ betitelte die Vorgänge bereits am Samstag als „Juliacazo“ und stellte sie damit in eine Reihe mit anderen ähnlichen Situationen der Regierung des peruanischen noch-Präsidenten Alan García, insbesondere dem „Baguazo“. Damals kamen bei der gewaltsamen Räumung einer Straßenblockade indigener, die gegen ein Regierungsdekret demonstrierten, mehr als 30 Menschen ums Leben. Die Parallelen sind unübersehbar: Die peruanische Regierung versuchte in beiden Fällen, per Dekret das Parlament zu umgehen und traf Beschlüsse, die die lokale, indigene Bevölkerung direkt betrafen. Der Dialog wurde erst spät gesucht und als er dann gesucht wurde, war es nicht nur viel zu spät, sondern auch unklar, wer denn eigentlich die legitime Ansprechpartner sind. Diese Versäumnisse, die dann manchmal – das war in Bagua so und aus Puno wird ähnliches gemunkelt – von lokalen, bis dahin weitgehend unbekannten Anführern, Fernseh- oder Radiosprechern genutzt wurden, um bekannt zu werden, in dem sie zu schärferen Protesten aufstacheln, führten auch jetzt wieder dazu, dass eine improvisierte Polizeiaktion zur Räumung der blockierten Infrasturktureinrichtung angeordnet wurde, die im Chaos mit Toten und Verletzten endete. Wie auch in Bagua vermutet Präsident García dahinter dann „dunkle Kräfte“, wie in Bagua steckt darin möglicherweise ein Körnchen Wahrheit, mehr aber auch nicht. Und noch eine Parallele haben der Baguazo und der Juliacazo: Hört man zum Thema zunächst die Lokalnachrichten aus Puno und dann die Nachrichten aus Lima, denkt man, es würde über unterschiedliche Ereignisse berichtet.

    Der gewählte Präsident Ollanta Humala wird sich gut überlegen müssen, wie soziale Konflikte künftig friedlich gelöst werden können. Und die außerparlamentarische Opposition Perus muss sich gut überlegen, ob sich ihre Ziele nicht auch weniger radikal erreichen lassen.

  • Region Amazonas prüft Einführung von regionalem Indígena-Konsultationsverfahren

    Nachdem ein entsprechendes Gesetz an Perus Präsident García, sowie dem fehlenden Willen des Parlaments gescheitert war, prüft die Regierung der nordostperuanischen Region Amazonas nun die Einführung eines eigenen, regionalen Indígena-Konsultationsverfahrens. Damit soll auf regionaler Ebene nicht nur das von Peru ratifizierte Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) umgesetzt, sondern auch möglichen neuen sozialen Konflikten vorgebeugt werden. Das Übereinkommen 169 der ILO sieht vor, dass Ureinwohner um ihre Stellungnahme zu Gesetzen gebeten werden müssen, deren Wirkung sie betreffen könnte („Konsultationsverfahren“). Ein entsprechender Konsultationsmechanismus könnte nun, wenn der Regionalrat zustimmt, per Regionalverordnung zumindest für die Region Amazonas in Kraft treten.

    Gleichzeitig rief auch der gewählte Kongressabgeordnete der Region Eduardo Nayap Kinin bei einem Besuch in Chachapoyas seine noch aktiven Vorgänger auf, sich im peruanischen Kongress weiter für die Durchsetzung eines landesweiten Konsultationsgesetzes einzusetzen. Der Aufruf erfolgte im Hinblick auf den zweiten Jahrestag des „Baguazo“, der blutigen Zusammenstöße zwischen Indígena, lokaler Bevölkerung und der Polizei im Umkreis der Stadt Bagua Grande am 5. Juni 2009. Damals hatten dort tausende Indígena zum Protest gegen ein gesetzgebendes Dekret zur Umwidmung von Land und zur Neuregelung der Forstwirtschaft, das sie betraf und über das sie nie Konsultiert worden waren, eine Straße und eine Erdölpumpstation besetzt. Als die Polizei gewaltsam versuchte, die Protestierenden zu zerstreuen, kam es auf beiden Seiten zu Gewalttaten, bei denen mehr als 30 Menschen getötet wurden.

  • Imaza / Amazonas: Boot versinkt im Marañón / drei Personen vermisst

    Nach der Havarie eines mit 17 Passagieren besetzten Bootes im Marañón werden noch immer drei Personen vermisst. Wie ein Korrespondent von Radio Activa berichtet, war das Boot bei Imacita (Distrikt Imaza / Provinz Bagua / Region Amazonas) auf einen Felsen aufgelaufen und zerschellt. Vierzehn Insaßen konnten ans Ufer schwimmen, von drei weiteren fehlt bislang jede Spur.

  • Bagua / Amazonas: Sieben Tote mit Tollwut-Verdacht

    In Condorcanqui gefangene Fledermaus. Foto: DIRESA

    In den nordperuanischen Provinzen Bagua und Condorcanqui (Region Amazonas) ist die Zahl von Todesfällen, die mit Tollwuterkrankungen in Verbindung gebracht werden, auf sieben angestiegen. Das bestätigte heute César Velásquez Vílchez, Chef der Gesundheitsdirektion Amazonas. Ob die Todesfälle alle wirklich auf Tollwut zurück gehen, ist allerdings unklar, da sich der entsprechende Nachweis vor Ort schwierig gestaltet. Wie Velásquez Vílchez berichtet, wehren sich oftmals die Familien der Verstorbenen gegen die Entnahme entsprechender Proben. Das letzte Todesopfer, das Tollwutsympthome aufwies, war ein vierjähriges Mädchen aus Yupicusa (Imaza / Prov. Bagua). Es war zunächst im Gesundheitszentrum Chiriaco behandelt worden, dann hatten die Eltern allerdings entschieden, es zu einem traditionellen Heiler zu bringen.

    Die Tollwut wird in der Region vorwiegend von Fledermäusen übertragen, weswegen die Gesundheitsbehörden inzwischen vielerorts Fallen zur Dezimierung der Fledermauspopulation aufgestellt haben. Daneben wurde mit der Impfung gegen die Tollwut begonnen. Das jährlich neu auftretende Problem wird dadurch verschlimmert, dass die Provinzen Bagua und Utcubamba mit medizinischem Personal völlig unterbesetzt sind. Niedriges Gehalt, sowie widrige Umstände wie insbesondere fehlende Infrastruktur macht die Grenzregion zum Nachbarland Ecuador für Mediziner unattraktiv. Hinzu kommt die schwierige Kommunikation mit Bewohnern der indigenen Gemeinschaften, da nur wenige Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden deren Sprachen verstehen.

    Ohne vorherige Impfung oder sofortige Behandlung verläuft die Tollwut-Infektion innerhalb von 15 bis 90 Tagen – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – tödlich. In diesem Jahr wurden aus Bagua und Condorcanqui bislang 1.200 Fälle von Fledermausbissen gemeldet.

  • Amazonas: Condorcanqui nach Regenfällen von Außenwelt abgeschnitten

    Die starken Regenfälle der vergangenen Tage haben auf der Straße zwischen Bagua und Santa María de Nieva mehrere Erdrutsche ausgelöst und so die nordperuanische Provinz Condorcanqui weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Wie Radio Nieva berichtet, ist vor allem der Abschnitt zwischen Wawik (Wawiko) und Puente Nievas (Distrikt Imaza / Provinz Bagua) auf einer Länge von rund 8 Kilometern betroffen. Zudem sollen achtzehn Häuser, sowie die Wasserversorgung von Wawik stark beschädigt worden sein.

    Probleme auch in Cumba

    Auch etwas weiter südlich, im Distrikt Cumba (Provinz Utcubamba) kam es aufgrund der Regenfälle zu Problemen. Der gestiegene Wasserstand des Marañón lässt derweil nur eingeschränkt Verkehr durch den Distrikt zu, der wichtige Ortschaften wie Lonya, Camporredondo und Ocallí mit der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße verbindet.

  • Kommentar: Wahlkampf mit Bagua

    Das Wort „Bagua“ wird immer mehr zu einem Kampfbegriff im laufenden peruanischen Präsidentschaftswahlkampf. Die Art seiner Verwendung zeigt aber, wie wenig Perus politische Klasse seit dem gewaltsamen Ende des Ureinwohner-Aufstandes am 5. Juni 2009 in der Nähe von Bagua Grande (deshalb „Baguazo“) hinzugelernt hat. Zunächst hatte Carlos Bruce, Kampagnenmanager des Kandidaten und Ex-Präsidenten Alejandro Toledo ein Fernsehduell in Bagua vorgeschlagen – ein vergiftetes Angebot  an Mercedes Aráoz, eine ehemalige Ministerin, die inzwischen ihre Kandidatur aufgegeben hat und die von Menschenrechtsgruppen als Baguazo-Mitverantwortliche angesehen wird.

    Nun hat auch der Präsidentschaftskandidat Manuel Rodriguez Bagua wieder als Ort für eine Debatte aller Anwärter auf die Nachfolge Alan Garcías wieder ins Spiel gebracht. Das war einerseits clever und weißt auf ein großes Loch in den politischen Programmen den meisten seiner Gegenkandidaten hin. Denn dort liegt der Fokus vorwiegend auf den Themen Infrastruktur, wirtschaftliche Stabilität, innere Sicherheit und soziale Sicherung. Ohne Frage, alles wichtige Themen, die jede neue Regierung schnell anzugehen hat. Ein Thema aber führt seit Jahren in Peru zu noch viel größeren Konflikten. Es ist die Frage, wie man im Peru der Zukunft in einem Land friedlich zusammen leben kann, das eine unglaubliche Menge verschiedener Kosmovisionen, Religionen und Sprachen beherbergt. Das ist es, was Bagua symbolisiert, auch wenn manche politischen Entscheider und auch Aktivisten das Problem gerne auf die Formeln „Konflikt um Bodenschätze“ oder „Konflikt um Grundeigentum“ reduzieren möchten.

    Die Frage ist allerdings, ob das Wort „Bagua“ dafür wirklich als Symbol taugt – und damit Bagua als Austragungsort für ein Fernsehduell qualifiziert. „Bagua“ steht für einen Ort, an dem Indigene und Mestizen aufeinandertreffen. Was aber  erschreckend viele Präsidentschaftskandidaten offensichtlich nicht wissen: Es gibt zwei Baguas. Ein Bagua, „Bagua Chica“ oder auch „Bagua Capital“ genannt, ist wirklich Ort eines solchen Zusammentreffens. Dieses Bagua ist allerdings nicht der Ort, der dem „Baguazo“ seinen Namen verlieh. Das ist Bagua Grande, wenige Kilometer entfernt. Hier sucht man allerdings vergeblich nach indigenen. Dort leben vorwiegend Mestizen, die von vorwiegend von der Reisindustrie und dem Handel leben. Dass ausgerechnet hier die Ureinwohner für mehrere Wochen zum Protest die Straße blockierten, hatte vor allem pragmatische Gründe: Durch Bagua Grande geht die nächstgelegene wichtige Verkehrsroute zwischen der Küste und Perus Nordosten, es war also mit dem größtmöglichen politischen Echo zu rechnen.

    Generell ist es nicht schlecht, mehrere Debatten an den verschiedenen Enden Perus zu fordern, wie es dieser Tage verschiedene Zeitungskommentatoren tun, denn jede, auch klimatische Zone hat eigene Probleme und Themen. Ob aber Bagua Grande als Prototyp einer Regenwaldstadt taugt, in der Mestizen und Indígena aufeinandertreffen, ist mehr als fraglich.