Schlagwort: Wahlrecht

  • Peru: Mehrheit für Wahlrechtsreform zeichnet sich ab

    Die von der peruanischen Regierung angestoßene Wahlrechtsreform bekommt Unterstützung: Die Generalsekretäre von 6 im Kongress vertretenen Parteien haben sich gestern darauf geeinigt, das derzeit noch geltende personalisierte Verhältniswahlrecht, das in seiner peruanischen Form zu einer Schwächung der Parteien führt, aufzuheben.

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Das geltende Wahlrecht sieht vor, dass in den Wahlkreisen Parteien je nach Bevölkerungszahl mehrere Kandidatinnen und Kandidaten aufstellen – und der Wahlkampf damit nicht nur zwischen Parteien, sondern auch innerhalb einer Partei selbst stattfindet. Zudem forderten einige der Parteichefs von der anwesenden Verfassungskommission des Kongresses Änderungen am geltenden Parteiengesetz, um für mehr Stabilität zu sorgen.

    Parteichefs gegen Genderquote

    Einen weiteren Vorschlag lehnten die Generalsekretäre von APRA, Perú Posible, Acción Popular, Alianza Por el Progreso, Unión por el Perú, sowie dem Partido Popular Cristiano allerdings einhellig ab: die von Premierminister Juan Jiménez vorgeschlagene Quotenregelung. Diese sieht vor Wahllisten immer abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen. Damit sollte nicht nur dem relativ geringen Frauenanteil im peruanischen Parlament entgegen gewirkt, sondern auch den Befürwortern des personalisierten Mehrheitswahlrechts der Boden entzogen werden. Denn vergangene Initiativen zur Wahlrechtsänderung scheiterten vor allem daran, dass Frauen für gewöhnlich kaum auf aussichtsreiche Listenplätze kommen. Die bislang bestehende Möglichkeit, Kandidatinnen und Kandidaten aus dem unteren Teil der Wahlliste auszuwählen, bietet Kandidatinnen zumindest in der Theorie die Möglichkeit, trotz eines schlechten Listenplatzes gewählt zu werden. Auch werden die oberen Plätze gerne an wohlhabende Kandidaten vergeben, die viel Geld in den Wahlkampf investieren können – weswegen das geltende Wahlrecht 2011 beispielsweise dem Awajún Eduardo Nayap Kinin ins Amt verhalf.

    Kompromiss mit Gana Perú?

    Juan Jiménez Mayor, Perus Premierminister. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.
    Für die Gender-Quote: Perus Premier Juan Jiménez. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.

    Die Mehrheit im Kongress haben auch die sechs Parteien zusammen nicht, sollten sie sich aber mit der Regierungsfraktion Gana Perú auf einen Kompromis einigen können, der auch eine Antwort auf die Gender-Problematik enthält, ist eine Verabschiedung möglich.

    Peruanisches Parteisystem extrem zersplittert

    Das peruanische Parteiensystem ist -nicht nur, aber auch wegen des Wahlrechts- extrem zersplittert. Häufig sind Parteien nicht mehr als unverbindliche Wahlvereine, Ad Hoc-Koalitionen sozialer Bewegungen mit teils sehr unterschiedlichen Zielen oder Privat- oder Familienunternehmen, die mit dem klaren Ziel gegründet werden, nach der Wahl Kapital aus dem Amt zu schlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Als Kandidaten werden häufig Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nomminiert, die keinerlei politische Erfahrung haben, aber ob ihrer Berühmtheit dennoch gewählt werden. Der Begriff „Familienunternehmen“ ist ebenfalls wörtlich zu nehmen – ein großer Teil der Parteigründer und heutigen Führungspersönlichkeiten der Präsidentenpartei PNP kommen aus der Familie von Präsident Ollanta Humala, sowie seiner Frau Nadine Heredia. Auch ist es nicht ungewöhnlich, dass Kongressabgeordnete während der Legislaturperiode die Partei wechseln (sp. „transfugismo„) – oder gar eine neue Gründen. Anläufe, dies per Gesetz zu unterbinden, sind bereits mehrere Male gescheitert.

  • Peruanische Regierung plant Wahlrechtsreform und Gender-Quote

    Juan Jiménez Mayor, Perus Premierminister. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.
    Premierminister Juan Jiménez. Foto: Juan Carlos Guzmán Negrini / Andina.

    Mit dem provokanten Vorschlag einer Quotenregelung hat die peruanische Regierung die Debatte über Änderungen am Wahlrecht angestoßen. Ein Gesetzesentwurf, den Premierminister Juan Jiménez gestern in der Hauptstadt Lima vorstellte, sieht vor, Parteien und Wahlbündnisse dazu zu verpflichten, jeweils abwechselnd einen Mann und eine Frau -oder umgekehrt- auf ihre Listen zu stellen.

    Dies soll allerdings nur gelten, bis jedes Geschlecht mit mindestens 30% auf der Liste vertreten ist. In diesem Zusammenhang schlägt die Regierung auch das Ende der so genannten Präferenzstimme vor, die in der Vergangenheit zu einer Destabilisierung von Parteien und Parteibündnissen geführt hat. Nach dem System der Präferenzstimme, einer Art personalisiertem Verhältniswahlrecht, wird nicht nur für eine Partei, sondern – durch Angabe einer Nummer – auch für einen Kandidaten oder eine Kandidatin gestimmt. Das hat zur Folge, dass nicht nur die Parteien, sondern auch die Listenkandidaten derselben Partei im Wahlkampf miteinander stehen

    Wahlrecht führt zu Kämpfen in der eigenen Partei

    Eduardo Nayap Kinin bei seiner Vereidigung. Bild: peruanischer Kongress.
    Eduardo Nayap Kinin bei seiner Vereidigung. Bild: peruanischer Kongress.

    Ursprünglich sollte damit erreicht werden, dass auch Kandidatinnen und Kandidaten, die von der Parteispitze nicht durch persönliche Gegenleistungen auf fordere Listenplätze gesetzt wurden, eine Chance haben – was insbesondere auch Frauen zu Gute kommen sollte. In der Praxis führte das allerdings zu keiner Änderung – und hatte teils groteske Folgen. So führt bis heute Alfonso Maslucan, vergangene Legislaturperiode Kongressabgeordneter der heutigen Regierungspartei PNP für die Region Amazonas, Prozesse gegen seinen Parteikollegen Eduardo Nayap Kinin, der Anfang 2011 mit leichtem Vorsprung in das peruanische Parlament gewählt wurde. Maslucan, der auch 2011 auf Platz 1 der PNP-Liste stand, aber dennoch weniger Direktstimmen bekam, wirft Parteikollege Nayap Kinin Wahlbetrug vor. In erster Instanz wurden die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. Nayap Kinin -selbst Indígena- erhielt in manchen Wahllokalen der vorwiegend von Indígena besiedelten Provinz Condorcanqui über 90% der gültigen Stimmen – sie gaben den Ausschlag.

    Bisher häufig: Wahlverlierer trotz meister Stimmen

    José Alfonso Maslucán Culquí, PNP. Foto: RRPP Maslucán.
    Wahlverlierer: Alfonso Maslucán, PNP. Foto: RRPP Maslucán.

    Und noch ein Ungleichgewicht soll die Wahlrechtsreform angehen. Denn bisher kommt es vor, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit vielen Stimmen nicht in den Kongress kommen, weil ihrer Partei nur eine bestimmte Anzahl von Sitzen zustehen, eine Überhangmandatsregelung gibt es nicht, da die genaue Zahl der Kongressabgeordneten (130) festgeschrieben ist. Auch das wurde dem genannten José Maslucan 2011 zum Verhängnis. Obwohl er rund 2.000 Stimmen mehr auf sich vereinigen konnte als der Kandidat Hector Becerril Rodriguez vom Fujimoristen-Bündnis Fuerza 2011, zog Becerril Rodriguez in den Kongress ein. Denn: Von der Gesamtstimmenzahl her stand dem heutigen Regierungsbündnis Gana Perú, das aus der PNP hervorgegangen ist, nur ein Sitz zu.

    Jiménez: Nehmen Gender-Fokus ernst

    Wann genau sich das Parlament nun mit dem Thema beschäftigen wird, ist noch nicht bekannt. Auch für den Präsidenten des Ministerrates Juan Jiménez ist die Vorlage noch nicht das Ende der Diskussion. Man wolle aber ein klares Signal geben, dass die Regierung den Gender-Fokus ernst nehme, so Jiménez.

  • Wegen Führungskrise: Regionalpräsidenten kehren zurück

    Hugo Ordóñez Salazar, Regionalpräsident von Tacna. Foto: CNR.
    Hugo Ordóñez Salazar, Regionalpräsident von Tacna. Foto: CNR.

    Nur zwei Wochen, nachdem dutzende peruanische Regionalpräsidenten unbezahlten Urlaub nahmen, um sich zur Wiederwahl stellen zu dürfen, sind mehrere schon wieder zurück auf ihrem Posten. Neben dem Regionalpräsidenten von Cajamarca, der seinem Stellvertreter nur wenige paar Minuten auf dem Präsidentenstuhl gönnte, entschied nun auch Rómulo Triveño, Regionalpräsident von Ica, den Wahlkampf-Ring zu verlassen und sich wieder dem Präsidentenamt zu widmen. Im Fall der Region Tacna wird ebenfalls davon ausgegangen, dass Regionalpräsident Hugo Ordóñez in den kommenden Tagen sein Amt wieder übernimmt.

    Grund für die „Rücktritte vom vorläufigen Rücktritt“ ist, so Hugo Ordóñez, das Verhalten der Stellvertreter, die an die Stelle der Regionalpräsidenten vorgerückt sind. Ihm seien mehrere Fälle bekannt, in denen die Stellvertreter schon wenige Tage nach dem „Urlaubsbeginn“ des Amtsinhabers zahlreiche Angestellte gegen Freunde und Bekannte ausgewechselt und bereits in der Durchführung befindliche Projekte gestoppt hätten, so Ordóñez.

    Wollen peruanische Regionalpräsidenten zur Wiederwahl antreten, müssen sie mindestens 120 Tage vor der Wahl unbezahlten Urlaub nehmen. Damit soll verhindert werden, dass sie ihr Amt, sowie die durchgeführten Projekte für ihren Wahlkampf missbrauchen.

  • Peruanisches Parlament beschließt Stichwahl für Regionalpräsidenten

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser
    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser

    Sollte bei der Wahl zum Regionalpräsidenten in einer der 25 peruanischen Regionen in Zukunft kein Kandidat mehr als 30% der gültigen Stimmen bekommen, ist künftig eine Stichwahl notwendig. Das hat der peruanische Kongress beschlossen. Die Befürworter erhoffen sich von der neuen Regelung eine höhere Repräsentativität der Regionalpräsidenten. Bisher waren wiederholt Kandidaten mit weniger als 30% der gültigen Stimmen zu Regionalpräsidenten geworden. In der nun eingeführten Stichwahl, die höchstens 30 Tage nach der ersten Wahlrunde durchgeführt werden muss, treten die beiden Kandidaten gegeneinander an, die in der ersten Runde die höchsten Stimmanteile bekommen. Dort reicht dann die einfache Mehrheit der gültigen Stimmen aus.

    Kritiker bemängeln, man habe die Regionalregierungen bei der Entscheidung völlig übergangen. Wenn, dann solle man auch für Kongress- und Bürgermeisterwahlen eine Stichwahl einführen, forderte Hugo Ordóñez, derzeit Vorsitzender der Versammlung der Regionalregierungen. Zudem sei es seltsam, dass die „Spielregeln“ während des Wahlkampfes geändert würden, so Ordóñez. Bereits im kommenden Jahr werden in Peru die Regionalpräsidenten neu gewählt.

    Der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser
    Der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser

    Auch der ehemalige Direktor der peruanischen Wahlbehörde ONPE, Fernando Tuesta, sprach sich dafür aus, die Gesetzesänderung noch einmal zu überdenken. Eine zweite Wahlrunde würde nur unnötige Kosten verursachen und dabei keine besseren Kandidaten hervorbringen, so Tuesta.

    64 Abgeordnete im peruanischen Kongress hatten für die Gesetzesänderung gestimmt. Es gab 28 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen.

  • Kongress debattiert Wahlrechtänderung

    Der peruanische Kongress debattiert dieser Tage die Abschaffung der sogenannten „Vorzugsstimme“ bei der Kongresswahl. Bisher hat jedeR Wahlberechtigte bei der Kongresswahl eine Stimme für eine Parteiliste. Es ist aber möglich, einen bestimmten Listenkandidaten besonders zu unterstützen. Hierzu muss man die Listennummer des Kandidaten neben dem Parteisymbol auf dem Wahlzettel eintragen. Hinter der Abschuffung steht ein breites Parteibündnis, das sich vor allem eine Vereinfachung der Wahl und so auch ein schnelleres Walergebnis verspricht. Auch sollen damit innerparteiliche Konflikte zwischen den Listenkandidaten zu verhindert werden. Weibliche Abgeordnete verschiedener Fraktionen wollen dem Projekt aber nur zustimmen, wenn damit weitere Änderungen einhergehen, die Geschlechtergerechtigkeit auf den Wahllisten garantieren. Sie befürchten, dass durch die Änderung des Wahlrechts weniger Frauen in den Kongress kommen würden. Frauen haben bei den meisten peruanischen Parteien deutlich schlechtere Listenplätze als Männer.