Schlagwort: Vargas Llosa

  • Mario Vargas Llosa fordert Legalisierung von Drogen

    Ungewöhnliche Töne vom peruanischen Dauernobelpreiskandidat: In seiner Kolumne „piedra de toque“ der spanischen Tageszeitung „El País“ fordert Vargas Llosa die Legalisierung diverser Drogen. Nur so könnten lateinamerikanische Regierungen den Krieg gegen die Drogenmafia gewinnen, die, so Llosa, Mexiko fest im Griff hat und sich in Kolumbien, Bolivien und Peru, etwas langsamer auch in Chile und Uruguay verbreitet. Das sei die derzeit größte Bedrohung für die Demokratie in Lateinamerika, größer noch als der „autoritäre Populismus Hogo Chávez‘ und seiner Sateliten[staaten]“. Deshalb sollten, begleitet von entsprechenden Informationskampagnen, diverse Drogen legalisiert werden. Das Geld, das man dann bei den Antidrogenaktionen einspare, verpulvere derzeit und könnte dafür und für Entziehungsmaßnahmen eingesetzt werden.

    Bis dahin sieht Vargas Llosa aber noch einen schweren Weg, bei dem nicht nur die Personen, die sich aus Prinzip gegen die Legalisierung von Drogen aussprechen, überzeugt werden müssten. Vor allem diejenigen, die von der Illegalität der Drogen lebten – also Drogenkartelle, Produzenten, Schmuggler, etc. – würden sich dagegen stemmen, so Llosa.

    „Es ist absurd, einen Krieg zu erklären, den die Drogenkartelle bereits gewonnen haben“.

    Kolumne von Vargas Llosa in „El País“

    INFOAMAZONAS-Spezial Drogenprobleme und DrogenkonflikteMehr Informationen zum Thema „Peru“ und „Drogen“ finden Sie im Infoamazonas-Dossier Drogenprobleme.

  • "Museum der Erinnerung" soll Mitte 2011 stehen

    Bis Mitte 2011 soll das Museum der Erinnerung für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges fertig gestellt sein. Das gab der Vizepräsident des Museumsplanungskomitees Salomón Lerner Febres bekannt. Kürzlich war entschieden worden, das neue Museum in Miraflores (Lima)  zu errichten.

    Die Deutsche Regierung hatte im vergangenen Jahr Unterstützung in Höhe von 2 Millionen Euro für den Bau und Unterhalt zugesagt. Das hatte in Peru zu einer hitzigen Debatte über die Aufarbeitung der 80er und 90er Jahre geführt. Besonders Angehörige des Militärs fürchteten, ihre Version des Konfliktes würde nur einseitig dargestellt.

    Ab Mitte der 80er Jahre versetzten Terror- und Guerillaorganisationen wie der leuchtende Pfad (Sendero Luminoso) und MRTA durch Anschläge und Exekutionen ganz Peru in Angst und Schrecken. Auch nach den Gegenattacken der peruanischen Armee kamen nach Angaben der Wahrheits- und Versöhnungskommission mehrere tausend Unschuldige ums Leben.

    Um ein möglichst Plurales Museum zu schaffen, war ein Komitee zur Planung des Museums der Erinnerung unter der Führung des Schriftstellers und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mario Vargas Llosa eingerichtet worden.

    Das Grundstück, auf dem das Museum nun entstehen wird, liegt bezeichnenderweise in der „Avenida El Ejercito“ (Straße des Militärs) und beherbergte zuvor ein Mülltrennungsunternehmen, wie CNR berichtet.

  • San Borja eröffnet Kino für Blinde

    Ab jetzt können in San Borja (Lima) auch Sehbehinderte im Kino Harry Potter genießen. Wie die Distriktverwaltung bekannt gab, hat die örtliche Stadtbücherei neben ihrer Sektion Hörbücher und Bücher in Braille-Schrift nun auch ein kleines Kino eingerichtet, in dem Menschen mit Sehbehinderung – inkl. Popkorn – Kinofilme in voller Länge an“schauen“ können. Die speziell hergestellten Filme haben einen zusätzlichen Tonkanal, über den erklärt wird, was gerade passiert. So erfahren die Kinobesucher zum Beispiel, dass der Basilisk aus dem Harry-Potter-Band „Kammer des Schreckens“ „behaart und mit Narben übersäät“ ist. Wer eher klassisches bevorzugt, kann sich natürlich auch den Quijote de la Mancha, Prosa von Gabriel García Márquez oder eines der Werke Mario Vargas Llosas als Hörbuch anhören. Abendvorstellungen wird es leider nicht geben: Die Bibliothek schließt um 19 Uhr.

  • Ganz plötzlich: Museum der Erinnerung kommt doch

    Das „Museum der Erinnerung“ kommt. Das gab der peruanische Premierminister nach einem Treffen zwischen dem peruanischstämmigen Schriftsteller Mario Vargas Llosa und dem peruanischen Präsidenten Alan García bekannt. Demnach haben beide in einem persönlichen Gespräch ihre Differenzen ausgeräumt. Mitglieder der peruanischen Regierung hatten sich ursprünglich gegen die Annahme des Angebots Deutschlands, ein „Museum der Erinnerung“ für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges zu finanzieren, ausgesprochen.

    Der peruanische Aussenminister José Antonio García Belaunde sagte gegenüber der staatlichen Agentur ANDINA, das Museum werde ein breites Bild der Zeit des Terrors durch den Leuchtenden Pfad (Sendero Luminoso) zeichnen. Zudem habe der Präsident den Schriftsteller Vargas Llosa gebeten, Personen für die Erarbeitung eines Konzeptes für das Museum vorzuschlagen, so García Belaunde.

    Auch ehemalige Mitglieder der Wahrheits- und Versöhnungskommission (CVR) wie der Jurist Enrique Bernales und der Pater Gastón Garatea begrüssten die Entscheidung der peruanischen Regierung. Bernales betonte, es sei sehr wichtig, dass die „Lektionen gelernt“ würden und nicht versucht werde, das unversteckbare zu verstecken. Gastón Garatea forderte, nun wirklich unabhängige Persönlichkeiten für die Erarbeitung des Museumskonzeptes zu finden, um weitere Konflikte zu vermeiden.

    Als mögliche Kandidaten wurden bisher der umtriebige Bischof im Ruhestand von Chimbote, Luis Bambarén, Enrique Bernales Ballesteros, Frederick Cooper Llosa, Fernando de Szyszlo Valdelomar, der ehemalige Vorsitzende der Wahrheits- und Versöhnungskommission Salomón Lerner Febres und der Anthropologe Juan Ossio Acuña vorgeschlagen.

  • Vargas Llosa: "Peru braucht keine Museen"?

    Mit einem weiteren Artikel weist der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Schriftsteller Mario Vargas Llosa den peruanischen Verteidigungsminister Ántero Flores-Aráoz wegen dessen Reaktion auf das Angebot der deutschen Regierung, ein „Museum der Erinnerung“ für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges Ende des vergangenen Jahrhunderts zurecht. Der Verteidigungsminister und ehemalige Parteifreund Vargas Llosas hatte verlautbaren lassen, Peru brauche keine Museen, solange es Armut und soziale Missstände gebe.

    Hier einige Auszüge aus dem Artikel, der am 2. März in der Tageszeitung „El Comercio“ in der Kolumne „Stolpersteine“ veröffentlicht wurde:

    Nach dem Ende der Diktatur Alberto Fujimoris (der dieser Tage wegen Verbrechen gegen die Menschenrechte während seines Regimes verurteilt werden wird) entschied die demokratische Regierung, eine Wahrheits- und Versöhnungskommission einzusetzen, um den Umfang der Tragödie zu untersuchen. Unter der Leitung des respektierten Intellektuellen und Philosophen Dr. Salomón Lerner, ehemals Rektor der Pontificia Universidad Católica del Perú, stellte die Kommission eine Untersuchungt über diese blutigen Jahre und eine vorsichtige Analyse der Gründe und Folgen, sowie die Zahl der [verlorenen, Anm. d. Übers.] menschlichen Leben, des zerstörten öffentlichen und privaten Eigentums, der Folterungen, Entführungen, der verschwundenen Menschen und Siedlungen während dieser Jahre an. Ein großer Teil der Öentlichkeit erkannte die wertvolle Arbeit der Kommission an, aber, wie zu erwarten war, wurden ihre Schlussfolgerungen von Militärkreisen und Banden / Cliquen, die den Fujimorismus überlebt hatten und auf diesem Wege versuchten, einem Aufdecken ihrer Komplizentätigkeit mit einem autoritären Regime  vorzubeugen, das nicht nur mit Haut und Haaren kleptomanisch und korrupt war, sondern auch eine erschreckende Ansamlung von Morden, Folter und Verschwinden [im Sinne von Menschen verschwinden lassen, Anm. d. Übers.] mit der Ausrede des antisubversiven Kampfes beging, kritisiert und zurückgewiesen.

    […]

    Der Minister erklärte, dass in einem Land, wo so viele Schulen und Krankenhäuser fehlen und wo so viele peruaner Hunger leiden, ein Museum keine Priorität haben kann. Nach dieserPhilosophie dürften Länder erst dann Mittel in den Schutz archäologischen, monumentalen und künstlerischen Erbes investieren, wenn zuvor der Wohlstand und das Wohlergehen all ihrer Bevölkerung gesichert sei.  Hätte ein derartiger Pragmatismus schon in der Vergangenheit vorgeherrscht, wäre auch der Prado, der Luvre, die National Gallery,  die Hermitage und Machu Picchu  öffentlich versteigert worden, um Bleistifte, Schulfibeln und Schuhe zu kaufen.

    […]

    Ohne Zweifel haben sich auch in diesen neun sperrigen Bänden [des Berichts der Kommission, Anm. d. Übers.] Fehler eingeschlichen. Aber weder in den berücksichtigten Tatsachen, noch in den gezogenen Schlüssen gibt es auch nur das geringste Zeichen einer gewollten Einseitigkeit, sondern, ganz im Gegenteil dazu, findet man ein ehrliches und beinahe zwanghaftes Streben, mit größter Genauigkeit das Passierte darzustellen und unbeirrbar  dem fanatischen leuchtenden Pfades und den Mitgliedern des MRTA (emerretistas), die glaubten, durch grundloses, zahlreiches Töten aller politischen Gegner würden sie Peru das sozialistische Paradies bringen, die vorrangige Verantwortung an diesem monströsen Gemetzel nachweisen.

    Eigene Übersetzung für INFOAMAZONAS.

    Den kompletten Artikel auf Spanisch mit dem Titel „El Perú no necesita museos“ findet man unter:

    http://www.elcomercio.com.pe/impresa/notas/peru-no-necesita-museos/20090308/256015