Schlagwort: Kommentar

  • Kommentar zur Wahl am 5. Juni: Ungültige Stimme, nutzlose Stimme

    Ein Aufruf geistert derzeit per E-Mail und über soziale Netzwerke durch Peru: Die Forderung, bei der Präsidentschaftswahl am  5. Juni ungültig zu stimmen. Hintergrund dieses Aufrufes ist nicht nur die geringe Popularität der Kontrahenten Keiko Fujimori und Ollanta Humala, sondern auch ein Passus des peruanischen Wahlgesetzes (Art. 365 Abs. 2), nach dem eine Wahl annuliert wird, wenn mehr als zwei Drittel der abgegebenen Stimmzettel ungültig oder unausgefüllt sind. Dafür müssten über 12 Millionen der rund 19 Millionen wahlberechtigten Peruanerinnen und Peruaner so vorgehen. Genau das wollen die Initiatoren dieser Aufrufe – allein auf Facebook gibt es mehr als 5 entsprechende Gruppen mit tausenden Mitgliedern –  erreichen.

    Der Grund, warum dieser Plan scheitern wird, liegt in einem einfachen Gedankenspiel.

    Ollanta Humala erhielt in der ersten Wahlrunde 27,8% der insgesamt abgegebenen Stimmen (31,7% der gültigen Stimmen), Keiko Fujimori 20,7% (23,6% der gültigen Stimmen). Zusammen kamen beide auf fast 50% der insgesamt abgegebenen Stimmen. Da in der ersten Runde alle Wählerinnen und Wähler noch eine umfassende Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten aller politischen Richtungen hatten, können diese als Humala- bzw. Fujimori-Anhänger bezeichnet werden, die wohl auch in der zweiten Runde für den jeweiligen Kandidaten stimmen werden. Gewisse Wählerwanderungen sind natürlich denkbar, auch, weil beide Gruppierungen ihre Programme etwas verändert haben. Ein Rückgang der genannten Summe bis auf 33%, also rund einem Drittel, ist auch unwahrscheinlich, weil durch die Programmänderungen wiederum andere Wählergruppen hinzugewonnen wurden. Weiters sind Facebook und Co nicht in allen Teilen und Bevölkerungsschichten Perus verbreitet, der Aufruf wird also viele gar nicht erst erreichen. Kurzum: Es ist zwar nicht unmöglich, aber äußerst unwahrscheinlich, dass zwei Drittel der abgegebenen Stimmen ungültig oder unausgefüllt sind.

    Das bedeutet, jede ungültige Stimme ist eine nutzlose Stimme. Sie drückt zwar, wenn der Anteil ungültiger Stimmen sehr hoch ist, einen gewissen Protest aus, ansonsten aber nichts. Anstatt dafür zu sorgen, dass der Kandidat oder die Kandidatin mit der oder dem man notfalls noch leben könnte, gewählt wird, legt man sein Schicksal in fremde Hände. Und nicht nur seines, sondern auch das Schicksal der Familie, das der Region und des ganzen Landes.

    De la Nulidad Total (aus dem Ley Nº 26859, Ley Orgánica de Elecciones)
    Artículo 365.- El Jurado Nacional de Elecciones declara la nulidad total de las elecciones en los siguientes casos:
    1. Cuando los votos nulos o en blanco, sumados o separadamente, superan los dos tercios del número de votos válidos;
    2. Si se anulan los procesos electorales de una o más circunscripciones que en conjunto representen el tercio de la votación nacional válida.
    Artículo 366.- La resolución de nulidad es dada a conocer de inmediato al Poder Ejecutivo y publicada en el Diario Oficial „El Peruano“.
    […]
    Artículo 368.- En caso de anulación total, las nuevas elecciones se efectúan en un plazo no mayor de 90 (noventa) días.

     

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  • Kommentar: Präsident García beim Papst

    Präsident García, Vicuña-Umhang, Papst. Foto: SERPRESS/ANDINA
    Präsident García, Vicuña-Umhang, Papst. Foto: SERPRESS/ANDINA

    Eine Stunde und 20 Minuten habe Präsident García mit dem Papst verbracht, meldete heute Morgen die staatliche peruanische Nachrichtenagentur ANDINA. In der nächsten Meldung, die einige Minuten später veröffentlicht wurde, war es dann nur noch eine halbe Stunde. In jedem Fall, so ließ García über den Nachrichtensender „RPP“ seinem Volk mitteilen, man habe über das „Recht auf Leben“ (zu Deutsch: Die Ablehnung von Abtreibung), über die „Verteidigung christlicher Werte“ und über die „Ausrottung der Armut“ gesprochen. Auch zur körperlichen Verfassung des Papstes konnte García etwas erzählen. Er habe einen „klaren Blick“, eine „beneidenswerte körperliche Verfassung“ und „viel Energie“.

    Als kleines Dankeschön brachte der Präsident dem Papst dann gleich noch einen hübschen Umhang aus Vicuña-Wolle mit. Und eine Einladung, im kommenden Jahr nach Peru zu kommen. Ob mit oder ohne Vicuña-Umhang sollte so ein Peru-Besuch aber gut überlegt sein. Vermutlich würde der Papst schon am Flughafen von einer kreischenden Menschenmenge empfangen. Mit „Johannes Paul II“-Rufen.

  • Kommentar: Ein Tourismusminister pro Tourist!

    Einiges Glück hatte der Südafrikaner Lynton Lloyd gestern in Cusco. Seine Kamera wurde gestohlen. Aber: Zufälligerweise war der peruanische Tourismus- und Außenhandelsminister Martín Pérez Monteverde in der Nähe. Dieser, im Moment Gastgeber bei einem Arbeitstreffen des Forums „wirtschaftliche Zusammenarbeit Asien-Pazifik“ (APEC), bekam von dem Diebstahl Wind und verfügte, „man möge sich des Falles annehmen“. So wurde – wie die staatliche Nachrichtenagentur ANDINA berichtet – die Kamera innerhalb „weniger Minuten, in Rekordzeit“ wiedergefunden. Da hat sich Lynton Lloyd gefreut: „Ich hätte nie gedacht, dass das so schnell von Statten gehen würde. Ich bin, ehrlich, sehr dankbar und überrascht von der Liebenswürdigkeit der Peruaner“. Noch liebenswürdiger wäre es ja gewesen, man hätte ihm die Kamera erst gar nicht gestohlen. Trotz allem, Glück gehabt!

    Auch das deutsche Auswärtige Amt (AA) weiß von den Risiken. Peru liege, so das AA, was die Kriminalität betrifft, im lateinamerikanischen Mittelfeld. Das schließe für Touristen das Risiko ein, Opfer von Diebstählen oder Überfällen zu werden. Wer einmal auf einer peruanischen Polizeiwache eine Anzeige wegen Diebstahls aufgegeben hat, der weiß, dass gestohlene Objekte wirklich nur dann gefunden werden, wenn sich ein Tourismusminister dahinter klemmt. Deshalb wäre es für den Peru-Tourismus sicherlich förderlich, würde jedem Tourist ein entsprechender Minister zur Seite gestellt. Denn scheinbar, wenn sie denn will, kann die peruanische Nationalpolizei wirklich innerhalb „weniger Minuten, in Rekordzeit“ Diebstähle aufklären.