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  • Peru: Journalisten kritisieren Geheimniskrämerei im Verteidigungs-Sektor

    Screenshot IPYS.org.
    Screenshot IPYS.org.

    Die peruanische Regierung ist bei der Nutzung eines Ermächtigungsgesetzes, das ihr die Umgestaltung des Verteidigungs-Sektors ermöglicht, offenbar über das Ziel hinaus geschossen. Das Legislativdekret 1129, durch das vor allem die Entscheidungsstruktur in Fragen der nationalen Sicherheit neu regelt, enthält mit seinem Artikel 12 einen Passus, der Aufnahmen, Mitschriften, Informationen und Dokumente, die mit der nationalen Sicherheit oder der Verteidigung zu tun haben, als „geheim“ einstuft. Menschenrechtler und Verteidiger der Pressefreiheit laufen Sturm.

    IPYS: Verstoß gegen interamerikanische Menschenrechtskonvention

    Die von Journalisten gegründete Nichtregierungsorganisation IPYS (sp. Instituto Prensa y Sociedad) sieht darin in dem Legislativdekret einen Verstoß gegen die interamerikanische Menschenrechtskonvention, sowie gegen geltende peruanische Gesetze zur Zugänglichkeit von Dokumenten. IPYS-Präsident Augusto Alvarez Rodrich kritisiert dabei vor allem, durch das Dekret würden von vorne herein alle Dokumente im Verteidigungssektor als „geheim“ eingestuft, während die Gerichte bislang ausgewogen fallabhängig urteilten. Journalisten, die kritisch über den Verteidigungs-Sektor berichteten, so Alvarez Rodrich weiter, drohe in Zukunft eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

    Auch der Investigativjournalist Ricardo Uceda kritisierte den Inhalt des Dekretes scharf, zeigte sich aber vorsichtig optimistisch: Er vertraue darauf, dass die Regierung den entsprechenden Passus zurücknehmen, so Uceda. In der Vergangenheit hatten Investigativjournalisten wiederholt Skandale im Verteidigunssektor aufgedeckt, insbesondere über Korruption und überhöhte Preise bei Käufen für die Streitkräfte.

    Komplexe Regelungen häufig über Ermächtigungsgesetze

    In der peruanischen Politik ist es nicht ungewöhnlich, dass die Kongressabgeordneten der Regierung einen Freibrief zur Änderung und Erlassung von Gesetzen in bestimmten Bereichen und für einen festgelegten Zeitraum ausstellen, insbesondere bei komplexen Sachverhalten. Ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass in den per Legislativdekret – ohne Zustimmung des Parlaments – erlassenen Gesetzen Dinge stehen, die weder bei den Betroffenen, noch im Parlament auf Zustimmung treffen.  Häufig kommt es deshalb in der Folge zu Protesten und sozialen Konflikten. Das hat häufig eine Rücknahme der entsprechenden Gesetze durch den Kongress zur Folge – in manchen Fällen leider erst dann, wenn bereits Todesopfer zu beklagen sind.

    Kritik an Präsident Humala

    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.
    Ollanta Humala Tasso. Foto: ANDINA.

    Präsident Ollanta Humala, der seine Karriere selbst beim Militär begann und zahlreiche seiner früheren Kollegen auf Chefposten beförderte, stand bereits mehrfach wegen Entscheidungen und Aussagen zu den Streitkräften in der Kritik. Erst vor wenigen Monaten war – ebenfalls per Legislativdekret – festgelegt worden, künftig alle wichtigen Kaufoperationen im Verteidigungsbereich, die Rückschlüsse auf Strategien zulassen könnten, nicht mehr öffentlich abzuwickeln. Als einzige Kontrollinstanz wurde der peruanische Rechnungshof mit einbezogen. Vielen Beobachtern reicht das nicht aus.

    Zudem bezeichnete Humala 2011 die Streitkräfte als eine Art „Priester jenseits des Guten und des Bösen“ und dachte laut über die Wiedereinführung des Pflichtwehrdienstes, sowie den erneuten Entzug des Wahlrechts für Soldaten und Polizisten nach. In diversen Bereichen bekommen ehemalige Wehrdienstleistende auf Initiative Humalas hin Vergünstigungen. So verfügt beispielsweise das kürzlich gegründete staatliche Stipendienprogramm Beca18 über ein eigenes Programm für diesen Personenkreis. Auch unterstützt Humala die Ausweitung der wirtschaftlichen Tätigkeiten des peruanischen Militärs, insbesondere der staatlichen Rüstungsindustrie.

    Auch Schulen von Neuregelung betroffen

    Das Legislativdekret sieht auch vor, die Themen „Sicherheit“ und „Verteidigung“ auf allen Stufen des Bildungssystems zu behandeln, wobei dem Bildungsministerium die Durchführung dieser Vorgabe obliegt. Bereits jetzt sind diese Themen Teil des Lehrplans.

    NACHTRAG (12.12.2012): Auch neues Disziplinarreglement in der Kritik

    Neben den Neuregelungen im Verteidigungsbereich sind nun auch die neuen Disziplinarregeln für Polizeikräfte in die Kritik geraten, die gestern über das Legislativdekret 1150 festgelegt wurden. Kritisiert wird insbesondere ein Passus, der praktizierte Homosexualität als Grund für die sofortige Versetzung in den Ruhestand einstuft. Der Dachverband der Homosexuellen-Selbstorganisation MHOL erklärte, Präsident Humala unterstreiche erneut die Homophobie seiner Regierung und verstoße gleichzeitig gegen den Menschenrechtsplan seines Kabinetts, der erst vor wenigen Tagen vorgestellt worden war.

  • Ica / Peru: Morddrohungen gegen Journalistin

    Lage der Pressefreiheit in Peru. Quelle: peruanischer Journalistenverband ANP
    Lage der Pressefreiheit in Peru. Quelle: peruanischer Journalistenverband ANP

    Die peruanische Journalistin Rosario Huayanca Zapata, die derzeit für die Menschenrechtskommission Ica (CODEHICA) arbeitet, hat mehrere Morddrohungen erhalten, sowohl telefonisch, als auch durch vier Patronen in einem Briefumschlag. Auf einem beiliegenden Zettel wurde zudem die Zahlung von 30.000 US-$ gefordert. Auch mehrere Familienmitglieder wurden bedroht, berichtet das Institut für Presse und Gesellschaft (IPYS), eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Pressefreiheit einsetzt. Zuletzt hatte Huayanca Zapata offenbar einen Verwaltigungsfall in der Stadtverwaltung von Tate untersucht. CODEHICA erstattete Anzeige gegen unbekannt.

  • Das Innenleben des limenischen Combi-Chaos

    Das Verkehrschaos in der peruanischen Hauptstadt Lima geht zurück auf schlecht geplante Verkehrspolitik, eine überstürzte Liberalisierung des öffentlichen Nahverkehrs in den 90er Jahren und Unternehmer, die Lücken in den bestehenden Gesetzen bis ins Extrem ausnutzen und an dem Chaos sehr gut verdienen. So ließe sich eine Artikelserie zusammenfassen, die INFOS, eine Internetplattform für investigativen Journalismus von der NGO IPYS, in den vergangenen Tagen veröffentlicht hat. Die Autoren Marco Sifuentes, Nicola Torriti Zolezzi, Rafael Vereau Gutierrez und Dánae Rivadeneyra haben sich dabei nicht nur die „Drei-Stufen-Problematik“ der als „Combi“ bekannten Kleinbusse in der peruanischen Hauptstadt angesehen, sondern auch Probleme mit den Taxis und dem neuen, einheitlichen Schnellbussystem „Metropolitano“. Aufhänger ist der Tod von Ivo Dutra, eines jungen Pressefotografen. Er wurde von einer Combi angefahren und starb kurze Zeit später in einer Klinik. Der Combi-Fahrer beging Fahrerflucht und wurde bis heute nicht gefunden.

    Kurz gefasst besteht, so die Autoren, besteht die „Drei-Stufen-Problematik“ darin, dass meist hinter der Route, die ein Bus fährt, drei Unternehmen stehen:

    1. Der „Besitzer“ der Route. Er hat auf legale oder weniger legale Weise die Konzession für eine Fahrroute bekommen, auf der er mit Kleinbussen fahren darf. Tut er aber meist nicht.
    2. Der Besitzer des Kleinbusses. Er kauft den Kleinbus und mietet sich bei dem Besitzer der Route ein. Damit darf er dessen Route befahren. Tut er aber meist nicht.
    3. Der Busfahrer und sein Kassierer. Sie mieten den Kleinbus und die Route. Daneben müssen sie über die Fahrkarten auch noch ihren eigenen Lohn und die Spritkosten verdienen. Gibt es einen Motorschaden oder ähnliches, muss die Miete für Bus und Route dennoch bezahlt werden.

    Hinzu kommt ein völlig veralteter Fahrzeugpark – ein Zustand, der unter Anderem auf die Liberalisierung der Einfuhr von Gebrauchtwagen während der 90er-(Fujimori)Jahre und der Öffnung der Möglichkeit, mit jedem verfügbaren Fahrzeug Personennahverkehr betreiben zu dürfen, geschaffen wurde. Ein weiteres Problem ist die extreme Überlappung verschiedener Routen, teilweise fahren mehr als 100 Busrouten über den selben Streckenabschnitt. Dies sei, so die INFOS-Autoren, zum einen der Korruption in Limas Nahverkehrsbehörde geschuldet, zum anderen aber der Möglichkeit anderer Städte im Umland, Genehmigungen für Strecken in und durch die Hauptstadt ausstellen zu dürfen. So hat einer der größten Nahverkehrsanbieter Limas (Orion) seinen Sitz in Callao.

    Wer über grundlegende Spanischkenntnisse verfügt, dem sei die Lektüre der folgenden Artikelserie wärmstens ans Herz gelegt:

    http://www.infos.pe/2011/08/transporte-publico-lim/