Schlagwort: museo de la memoria

  • "Museum der Erinnerung" jetzt "Stätte der Erinnerung"

    Das Hauptquartier des peruanischen Militärs in San Borja (Lima). Foto: D. Raiser
    Das Hauptquartier des peruanischen Militärs in San Borja (Lima). Foto: D. Raiser

    Die Einrichtung zum Gedenken der Opfer des peruanischen Bürgerkriegs, bisher unter dem Arbeitsnamen „Museum der Erinnerung„, soll den offiziellen Namen „Stätte der Erinnerung“ bekommen. Das gab der Vorsitzende der Planungskommission, der Schriftsteller Mario Vargas Llosa bekannt. Damit soll unterstrichen werden, dass an diesem Ort nicht etwas längst vergangenes gezeigt wird.

    Derweil traf sich Vargas Llosa gestern mit dem Generalkommandanten des peruanischen Militärs, Otto Guibovich. Man habe einige Zweifel über das Projekt ausräumen können und Ideen rund um das Projekt ausgetauscht, so Vargas Llosa nach dem Treffen im Hauptquartier des peruanischen Militärs.

    In den vergangenen Monaten hatten Angehörige des Militärs das Projekt immer wieder scharf kritisiert. Sie befürchteten, an der Gedenkstätte könnte das Militär als ganzes verteufelt, die Grausamkeit der Terrorgruppe Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) dagegen als geringer dargestellt werden. Unter den schärfsten Kritikern ist auch Verteidigungsminister Rey, den Vargas Llosa vorraussichtlich als nächsten treffen wird.

  • "Museum der Erinnerung" bekommt heute sein Grundstück

    Die Stadtverwaltung Miraflores übergibt heute ein 8.000 m²-Grundstück für das sogenannte „Museum der Erinnerung“. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, mit dem Bau der Erinnersungsstätte für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges in den 80er und 90er Jahren zu beginnen. Der Bau und die Einrichtung des Museums wird unter anderem von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Bei der Übergabe wird auch der Präsident der Planungskommission, der Schriftsteller Mario Vargas Llosa, sowie der ehemalige UN-Generalsekretär Javiér Pérez de Cuellar anwesend sein. Das Grundstück liegt im Distrikt Miraflores (Lima) mit Blick aufs Meer.

    Gleichzeitig hat die Planungskommission eine Diskussion über den Namen der Einrichtung begonnen. Möglicherweise werde das Projekt in „Raum der Erinnerung“ umbenannt, erklärte der Anthropologe Juan Ossio gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ANDINA. Das Wort „Museum“ werde für gewöhnlich als etwas „langsames, bürokratisches“ betrachtet, so der Anthropologe.

  • Ganz plötzlich: Museum der Erinnerung kommt doch

    Das „Museum der Erinnerung“ kommt. Das gab der peruanische Premierminister nach einem Treffen zwischen dem peruanischstämmigen Schriftsteller Mario Vargas Llosa und dem peruanischen Präsidenten Alan García bekannt. Demnach haben beide in einem persönlichen Gespräch ihre Differenzen ausgeräumt. Mitglieder der peruanischen Regierung hatten sich ursprünglich gegen die Annahme des Angebots Deutschlands, ein „Museum der Erinnerung“ für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges zu finanzieren, ausgesprochen.

    Der peruanische Aussenminister José Antonio García Belaunde sagte gegenüber der staatlichen Agentur ANDINA, das Museum werde ein breites Bild der Zeit des Terrors durch den Leuchtenden Pfad (Sendero Luminoso) zeichnen. Zudem habe der Präsident den Schriftsteller Vargas Llosa gebeten, Personen für die Erarbeitung eines Konzeptes für das Museum vorzuschlagen, so García Belaunde.

    Auch ehemalige Mitglieder der Wahrheits- und Versöhnungskommission (CVR) wie der Jurist Enrique Bernales und der Pater Gastón Garatea begrüssten die Entscheidung der peruanischen Regierung. Bernales betonte, es sei sehr wichtig, dass die „Lektionen gelernt“ würden und nicht versucht werde, das unversteckbare zu verstecken. Gastón Garatea forderte, nun wirklich unabhängige Persönlichkeiten für die Erarbeitung des Museumskonzeptes zu finden, um weitere Konflikte zu vermeiden.

    Als mögliche Kandidaten wurden bisher der umtriebige Bischof im Ruhestand von Chimbote, Luis Bambarén, Enrique Bernales Ballesteros, Frederick Cooper Llosa, Fernando de Szyszlo Valdelomar, der ehemalige Vorsitzende der Wahrheits- und Versöhnungskommission Salomón Lerner Febres und der Anthropologe Juan Ossio Acuña vorgeschlagen.

  • Wie Claudia, Heidemarie und Alberto Peru aufschreckten

    Wenn selbst der konservative Schriftsteller Mario Vargas Llosa mit „linken“  peruanischen Menschenrechtsgruppen einer Meinung ist, dann muss wirklich etwas schwerwiegendes vorgefallen sein. Vargas Llosa ist einer von  zahlreichen peruanischen intellektuellen Unterzeichnern eines offenen Briefes, in dem die peruanische Regierung aufgerufen wird, das Angebot Deutschlands anzunehmen, ein „Museum der Erinnerung“ für die zahlreichen Opfer des peruanischen Bürgerkrieges Ende des vergangenen Jahrhunderts zu errichten.

    Das Angebot für den Bau des Museums und seinen Unterhalt in Höhe von über 2 Millionen US-$ (die peruanische Volksanwältin Merino spricht von € 1,65 Mio) hatte die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul  im vergangenen März nach dem Besuch einer Fotoausstellung über die Schrecken des Bürgerkriegs in Lima gemacht.

    García: Bericht der Wahrheitskommission nur eine Meinung unter vielen

    Die peruanische Regierung hatte das Vorhaben aber abgelehnt. Verteidigungsminister Antero Flores erklärte gegenüber der BBC,  ein Museum würde sowieso niemandem nützen. Premierminister Yehude Simon gab dagegen bekannt, man habe das Angebot nicht abgelehnt, wolle das Geld aber lieber für Reparationszahlungen an die Opfer des Bürgerkrieges verwenden. Nicht festlegen wollte sich auch Präsident Alan García. Gegenüber Fernsehreportern sagte García, es gebe neben dem Bericht der peruanischen „Kommission für Wahrheit und Versöhnung“ (CVR) – auf dem die Ausstellung beruhte, die die deutsche Ministerin besucht hatte -  noch „hunderttausende andere“ Meinungen und Ansichten zu den Geschehnissen in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts. Indirekt warf er der deutschen Initiative vor, ein einseitiges Projekt zu planen.

    Damit reiht sich García in die Reihe derer ein, die an dem Bericht der Kommission vor allem kritisieren, er würde die Leiden der Polizisten, Militärs und lokalen Autoritäten während des Bürgerkrieges ausklammern.  Er klammert sie aber nicht aus.

    Dem Bericht zufolge kamen durch den Konflikt mit Terrorgruppen wie MRTA oder Sendero Luminoso rund 70.000 Menschen ums Leben. Fast die Hälfte davon durch die peruanischen Streit- und Sicherheitskräfte.

    „Museumsstreit“ fördert schon jetzt die Erinnerung

    Wie der Streit ausgehen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Die peruanische Volksanwaltschaft (Ombudsman) „Defensoría del Pueblo“, unter deren Regie das Museum gebaut und betrieben würde, plädierte für das Projekt.

    Gleichzeitig ist der Streit ein Zeichen dafür, dass noch zahlreiche offene Wunden vorhanden sind – und Politiker, die möglicherweise Angst davor haben, dass auch ihre dunkle Geschichten vom Ende des 20. Jahrhunderts noch ans Licht kommen. Dabei wurde dieser „Erinnerungsschub“ nicht allein von dem Museumsprojekt ausgelößt. Auch der Film der peruanischen Regisseurin Claudia Llosa, der vor dem Hintergrund der politischen Gewalt spielt, sorgt für Gesprächsstroff. Und nicht zuletzt das anstehende Urteil gegen den peruanischen Ex-Diktator Alberto Fujimori sorgt bei vielen seiner Anhänger für blank liegende Nerven. Wie auch der Prozess gegen Fujimori ist dieser Museumsstreit einer, der nur Pate steht für viel tiefer liegende Probleme.  Aber allein der Streit hat einiges bewegt – schon lange war das Thema „Erinnerung“ nicht mehr so präsent in der peruanischen Öffentlichkeit.

    Der offene Brief an die peruanische Regierung:

    http://www.pucp.edu.pe/idehpucp/images/docs/comunicado%20de%20apoyo%20al%20museo%20de%20la%20memoria%20version%20final%2028.02.09.pdf