Schlagwort: Journalismus

  • Peru: Vier Journalisten bei Autounfall getötet

    Beim Absturz ihres Vehikels sind gestern in den Bergen der peruanischen Region Junín vier Journalisten ums Leben gekommen. Das Fahrzeug der Journalisten, auf Reportagereise in die Provinz Chanchamayo, kam in den frühen Morgenstunden aus noch ungeklärter Ursache von der Straße ab und stürzte über 100 Meter in die Tiefe, bevor es im Tarma-Fluss auseinanderbrach und liegen bliebt.

    Unter den Toten befindet sich neben dem 67jährigen Javier Ascue, der sich als Reporter der Tageszeitung El Comercio für besonders gefährliche Missionen einen Namen gemacht hatte, auch María Gilda Gómez, Provinzvorsitzende des Journalistenverbandes ANP. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten offenbar widrige Wetterverhältnisse, ob diese Ursache des Unfalls waren, ist bislang nicht bekannt.

  • Ricardo Uceda: Todesschwadronen gegen Verbrecher

    Viel Aufsehen erregt derzeit in Peru ein Artikel des investigativen Journalisten Ricardo Uceda. Der Journalist, der mit seinen Recherchen und Büchern über die Gräueltaten des Fujimori-Regimes und dessen Geheimdienst SIN („Muerte en el Pentagonito“) bekannt wurde, schrieb in der peruanischen Ausgabe der Zeitschrift „Poder 360°“ einen Artikel über eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Verbrechern, die bei Polizeieinsätzen im nordwestperuanischen Trujillo ums Leben kamen.

    Uceda zufolge kamen in Trujillo 2007 und 2008 mindestens 46 Verbrecher durch Waffen der Polizei ums Leben. Vor 2007 dagegen gab es nur sehr wenige Fälle dieser Art. Im Jahr 2007 war mit dem Dekret DL 982 der Polizei und den Streitkräften Straffreiheit für „Verletzung oder Tod“ eingeräumt worden, die bei der „Ausführung ihrer Aufgaben verursacht werden.“ Der Journalist sieht darin einen klaren Hinweis auf die Existenz von „Todesschwadronen“, die gezielt Verbrecher ohne Prozess hinrichten. Der peruanische Premier Javier Velásquez Quesquén verwies das Thema gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ANDINA ins Land der „Phantasie oppositioneller Sektoren“.

    Schon vor einiger Zeit berichteten peruanische Medien von mehreren Schutzgeldmafias in Trujillo, die von Geschäftsleuten jeder Art – inklusive Taxi- und Motorikschafahrer – eine gewisse Summe monatlich verlangt. Der Reportage Ucedas zufolge, hatten deshalb Polizisten Geschäftsleute um eine gewisse „Kolaboration“ gebeten, um im Gegenzug das „Sicherheitsproblem“ zu lösen. Nach offiziellen Polizeiberichten sei es in der folgenden Zeit häufiger zu Schusswechseln zwischen Verbrechern und der Polizei gekommen – die für die angeblich angreifenden Verbrecher dann meist tödlich endete. In mehreren Fällen nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf, die sie aber – unter Verweis auf DL982 schon bald wieder einstellen musste. Uceda schreibt von zahlreichen Zeugenaussagen, in Wirklichkeit seien die angeblichen und mutmaßlichen Verbrecher nicht auf frischer Tat ertappt worden, sondern von zu Hause oder von der Arbeit entführt und dann hingerichtet worden. Das von den Geschäftsleuten gesammelte Geld habe dann dazu gedient, den „Tatort“ entsprechend herzurichten.

    Für den Polizeikommandanten Elidio Espinoza, den Uceda für den Kopf des Todesschwadrons hält, hat die peruanische Staatsanwaltschaft inzwischen eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert.

    Einen der Fälle, die Uceda dokumentierte ist der des als „Loco Álex“ (verrückter Alex) bekannten Alexander Fernández Bazán, in den Elidio Espinoza, sowie fünf weitere Polizisten verwickelt sein sollen. Offiziellen Angaben der Nationalpolizei PNP sei „Loco Álex“ gestorben, als er sich gemeinsam mit zwei weiteren Verbrechern eine Schießerei mit der Polizei geliefert hat. Bei der anschließenden Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft sagte ein Zeuge aus, er sei zum angeblichen Zeitpunkt der angeblichen Schießerei im Haus von „Loco Álex“ gewesen – dieser habe sich gerade geduscht, als die Polizei in die Wohnung gestürmt sei um ihn mitzunehmen. Nur wenige Stunden später sei er in ein Krankenhaus eingeliefert worden – mit gebrochenen und abgeschnittenen Fingern.

    Noch streitet die peruanische Regierung ab, es gebe „Todesschwadrone“, die Verbrecher ohne Prozess hinrichten. Der erste politische Kopf wird aber wohl bald Rollen. Der derzeitige Innenminister war früher einmal Polizeichef in Trujillo.

  • Journalisten-Mordprozess wird wieder aufgerollt

    Der Prozess über den Mord an dem Journalisten Alberto Rivera wird wieder aufgerollt. Das entschied das oberste peruanische Gericht (Corte Suprema de Justicia). Grund dafür sind Unregelmäßigkeiten in dem ursprünglichen Prozess am Regionalgericht Ucayali, in dem der dringend tatverdächtige Bürgermeister von Coronel Portillo, Luis Valdez, freigesprochen wurde. Zudem wurde die Verbeamtung des Staatsanwaltes D. Rodríguez rückgängig gemacht, der nach der Entscheidung des Gerichtes nicht in Berufung gegangen war. Während Luis Valdez, der verdächtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, freigesprochen wurde, hatte das Regionalgericht Ucayali am 14. November A. F. Pizango, als ausführender Täter zu 35 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von  100.000 Nuevos Soles und seinen Komplizen Alex Ventura Panduro zu 20 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Letzterer hatte Pizango 300 US-Dollar für den Mord an Alberto Rivera Fernández angeboten.

    == Wiederaufnahme des Verfahrens am 9. März 2009

    Das Regionalgerichtes Ucayali hat nun den Termin für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Luis Valdéz auf Frühjahr 2009 festgelegt.