Starke Regenfälle haben in den vergangenen Tagen im Distrikt Balsas (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) den Jahuay-Bach über die Ufer treten lassen und damit mehrere Erdrutsche ausgelöst, durch die große Teile der Ortschaft Chacanto, sowie einige Straßenabschnitte zerstört wurden. Wie der Zivilschutz Amazonas berichtet, wurden vier Häuser vollständig zerstört, 20 weitere sind so schwer beschädigt, dass sie im besten Fall unter großem Aufwand wiederhergerichtet werden können. Auch der Polizeiposten nahe der am Marañón gelegenen Chacanto-Brücke wurde beschädigt. Da auch mehrere Abschnitte der Straße Chachapoyas – Leymebamba – Balsas weggeschwemmt wurden, ist eine Versorgung der Ortschaften am Ufer des Marañón derzeit nur von Cajamarca aus möglich.
Chacanto, Amazonas, Peru. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Auch mehrere Räumtrupps der Provinzverwaltung Chachapoyas sind auf dem Weg, um die betroffenen Straßenabschnitte zu reparieren. Schwierigster Teil der Arbeiten wird dabei der Wiederaufbau der Brücke, die Chacanto mit der Distrikthauptstadt Balsas verband und von den Wassermassen zerstört wurde. Gestern riefen aufgebrachte Einwohner Chacantos immer wieder bei Radiosendern in der Regionalhauptstadt Chachapoyas an, um sich über den Ausfall der Strom- und Wasserversorgung zu beschweren. Der peruanische Zivilschutz begann derweil auch in Chacanto mit Sicherungsarbeiten, stellte Zelte, Decken und Nahrungsmittel zur Verfügung. In Chachapoyas wurde zu Kleider-, Geld- und Essensspenden für die Betroffenen aufgerufen.
Yerbabuena: Schwere Schäden an Häusern und Forellenteichen
Auch der Río Santo Tomás in der Provinz Luya (Region Amazonas) trat über die Ufer – und richtete schwere Schäden an. In der Ortschaft Yerbabuena wurden mehrere Häuser weitgehend zerstört, zahlreiche weitere sind schwer beschädigt. Am härtesten traf das Wasser aber eine Gruppe von Kleinbauern, die eine Reihe von Forellenzuchtanlagen errichtet hatten. Ein Teil der Forellen wurde einfach weggeschwemmt, viele verendeten unter herabströmenden Schlammmassen.
Achamaqui-Kreuzung, hier noch unasphaltiert. Foto: RRPP Gob.Reg. Amazonas.
Seit Jahren angekündigt, hat das ICCSA-Konsortium gestern an der Achamaqui-Kreuzung, an der sich die Straßen nach Chachapoyas, Pedro Ruiz und Leymebamba (Alle Region Amazonas) treffen, die Asphaltierungsarbeiten an der Fahrpiste in Richtung Leymebamba begonnen. Anschließend sollen die Arbeiten bis nach Balsas (Amazonas) und Celendín (Region Cajamarca) ausgeweitet werden. Nach der Fertigstellung soll nicht nur die Nachbarregion Cajamarca schneller erreichbar sein, sondern auch Reiseziele und Sehenswürdigkeiten wie die Chachapoya-Ruinenstadt Kuélap, die für Webkunst und alte Bräuche bekannte Ortschaft La Jalca, sowie die Stadt Leymebamba selbst, die in einem Museum hunderte Chachapoya-Mumien beherbergt und Ausgangspunkt für Reisen zum Kondorsee und zum Birdwatching.
Für die Asphaltierung der insgesamt 376 Kilometer Straße sind Kosten in Höhe von 156 Millionen Nuevos Soles veranschlagt. Das ICCSA-Konsortium, das mit den Arbeiten betraut ist, bat derweil bei Verkehrs- und Reiseunternehmern um Verständnis für die vorrübergehenden Unterbrechungen der Straße, die durch die Bauarbeiten unabdingbar sein werden.
Die Straße von der Achamaqui-Kreuzung bis nach Leymebamba verläuft meist an der Grenze der Provinzen Luya und Chachapoyas, am rechten oder linken Ufer des Utcubamba-Flusses. Wegen der teils abenteuerlichen Streckenführung kam es in der Vergangenheit häufig zu Unfällen, immer wieder kamen Menschen in den Fluten des Utcubamba ums Leben, nachdem Fahrzeuge von der Straße abgekommen waren. Zudem wurde die Straße insbesondere in der Regenzeit häufig überschwemmt oder von kleineren Erdrutschen durchbrochen. Obschon in den vergangenen Jahren zusätzliche Sicherungsmaßnahmen installiert wurden, bleibt der Bau einer asphaltierten Straße auf dieser Route eine Herkulesaufgabe, die aber ohne Frage tausenden Menschen das Leben vereinfachen wird.
Neben Regionalpräsident José Arista hatte sich insbesondere auch Chachapoyas‘ Bürgermeister Diógenes Zavaleta durch Besuche bei diversen Ministern um die Asphaltierung der Straße bemüht.
Das Unternehmen AC Energia S.A. hat gestern in Balsas (Provinz Chachapoyas / Region Amazonas) die Umweltverträglichkeitsprüfung des geplanten Wasserkraftwerkes „Chadin 2“ vorgestellt, für das unterhalb der Stadt Balsas der Fluss Marañón aufgestaut werden soll. Gebaut werden, so geht aus der Zusammenfassung der Studie hervor, sollen mit einer Investitionssumme von rund 819 Millionen US-$ ein Staudamm, Maschinenhäuser, Straßen und einige Kanäle. Dem geplanten Stausee würden auch mehrere Ortschaften zum Opfer fallen, in der Region Amazonas beispielsweise Tupén und Mendan. Der Marañón trennt die Regionen Amazonas und Cajamarca voneinander, damit sind Orte beider Regionen betroffen.
Zuvor wurde die Umweltverträglichkeitsprüfung bereits in einigen der direkt von dem Projekt betroffenen Ortschaften vorgestellt, wo dem Projekt – nicht zuletzt wegen der notwendigen Umsiedlung, sowie dem Verlust von landwirtschaftlichen Anbauflächen – zunächst eher mit Skepsis begegnet wurde. Das Unternehmen möchte diese Skepsis vor allem durch Infrastrukturprojekte, Entschädigungen, sowie die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze abbauen. Um die Umsiedlung schmackhaft zu machen wurden gestern in Balsas mehrere Plakate aufgehängt, die zeigen sollten, wie andere Projekte des brasilianischen Konzerns Odebrecht, der auch hinter dem Chadin 2-Projekt steht, das Leben der Anwohner verändern. Zu sehen waren vorher-nachher-Bilder von baufälligen Bretterhütten mit löchrigem Strohdach, daneben einstöckige Häuser mit vergipsten Wänden, Wellblechdach, verglasten Fenstern, sowie einem Holzverschlag als Stall oder Abstellraum. Ob sich beispielsweise die betroffenen Bewohner von Tupén Grande davon überzeugen lassen, ist eher fraglich, gibt es dort doch bereits jetzt wesentlich schönere Gebäude.
Widerstand aus den betroffenen Distrikten
Betroffen: Marañón zwischen Tupén und Mendán. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
Dennoch hatte am vergangenen 10. Januar eine Gruppe von Landwirten aus Mendán (Distrikt Cocabamba / Provinz Luya) und aus dem Distrikt Chumuch (Provinz Celendín / Region Cajamarca) in einem Brief an Bergbau- und Energieminister Jorge Merino ihren Unmut über das Chadin II-Projekt ausgedrückt. „Bereits unsere Vorfahren bestellten diese Felder und heute sehen wir sie von diesem Projekt bedroht, das enorme Folgen für die Umwelt haben wird und mit unseren Feldfrüchten auch unsere einzige Einkommensquelle zerstört“, heißt es in dem Brief. Unterzeichnet wurde das Dokument nicht nur von Bürgermeister Jorge Rodriguez und dem Vertreter des Innenministeriums im Distrikt Chumuch, Percy Vásquez, sondern auch von 106 betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern von beiden Seiten des Marañón.
Auch 19 archäologische Fundstätten würden dem Stausee zum Opfer fallen, was mit diesen geschieht, ist bislang unbekannt. Zunächst, so geht aus der Umweltverträglichkeitsprüfung hervor, soll aber mit Hilfe von Spezialisten noch an einigen Orten gesucht werden, an denen weitere Fundstätten vermutet werden. 600 Megawatt soll von „Chadin 2“ produziert werden, nur wenige Kilometer Flussabwärts laufen bereits die Planungen für die Projekte „Veracruz“ und „Chadin 1“. Im Falle von „Chadin 2“ ist – wie bei den meisten in den vergangenen Jahren geplanten Wasserkraftprojekte in Peru – die treibende Kraft der brasilianische Konzern „Odebrecht“, der sich nicht zuletzt für den Export elektrischer Energie nach Brasilien stark macht.
Bürgermeister von Chachapoyas befürwortet „Chadin 2“
Befürwortet Chadin 2: Diógenes Zavaleta, Bürgermeister von Chachapoyas. Foto: MPCH.
Einer jedenfalls ist begeistert von dem Projekt: Diógenes Zavaleta Tenorio, Bürgermeister der Provinz Chachapoyas, die – mit dem Distrikt Balsas – am oberen Ende des geplanten Stausees ebenfalls direkt betroffen ist. Er bezeichnete das geplante Wasserkraftwerk Chadin 2 als „Megaprojekt, das die gesamte Region Amazonas voranbringen“ werde und – nicht zuletzt durch die erwarteten Steuereinnahmen – den wirtschaftlichen, sozialen und touristischen Fortschritt der Region Amazonas anstoße. Bekannt ist Balsas, da es in unmittelbarer Nähe der „Chacanto“-Brücke liegt, die Amazonas und Cajamarca verbindet und insbesondere zur Fahrt von Chachapoyas über Leymebamba und Celendín nach Cajamarca befahren wird.
Den Initiatoren und Befürwortern bleibt noch einiges zu tun, wenn sie die Anrainer vom Nutzen des Stausees überzeugen möchten. Wie wichtig das ist, zeigte in den vergangenen Monaten der Streit um das Bergbauprojekt „Conga“ in der Region Cajamarca – gegen das sich große Teile der Bevölkerung der Provinz Celendín, die auch von „Chadin 2“ betroffen ist, mit aller Kraft wehren. Insbesondere die Fragen der Umsiedlung, der Urbarmachung neuen Ackerlandes und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Zeit nach dem Abschluss der Bauarbeiten, sowie ökologische Aspekt werden bei der weiteren Diskussion um „Chadin 2“ vermutlich im Mittelpunkt stehen.
Zahlen
175 Meter hoch würde der Staudamm an seiner höchsten Stelle, 370 Meter breit an der breitesten. Für den Bau des Staudamms ist die Anstellung von 2.080 Personen geplant. Für die Bauarbeiten sind fünf Jahre angesetzt, anschließend ein weiteres Jahr bis zur Füllung des Stausees. 20 Ortschaften und Gehöfte würden überflutet, in denen insgesamt 970 Personen leben, die umgesiedelt werden müssten.
Hochwasser: Utcubamba in der Provinz Bongará. Foto: COER Amazonas
Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen haben in der Region Amazonas große Schäden angerichtet und weite Teile der Region von der Außenwelt abgeschnitten. Aus allen Teilen der Region werden eingestürzte Häuser gemeldet, zahlreiche Erdrutsche unterbrachen wichtige Zufahrtsstraßen. Wie der Zivilschutz heute Nacht bekannt gab, ist die Straße von Chachapoyas nach Pedro Ruiz (Provinz Bongará), die den Süden der Region mit der peruanischen Küste verbindet, bei Churuja zerstört worden und bis auf weiteres unpassierbar. Ähnlich ist die Situation bei Shipamarca, einem Straßendorf zwischen dem Achamaqui-Kreuz (Kreuzung Chachapoyas-Pedro Ruiz-Balsas) und Tingo und auf der Straße von Tingo nach Kuélap. Auch der Abschnitt Huincucho – Colcamar, der Colcamar an das Straßennetz anbindet, ist derzeit nicht befahrbar. Bereits seit einigen Tagen kann auch die Straße von Pipus nach Cheto nicht befahren werden und die Straße von Chachapoyas nach Rodríguez de Mendoza ist ebenfalls nur unter Lebensgefahr passierbar. Auch die Straße, die westlich von Chachapoyas Luya mit dem Dorf Trita verbindet, ist unterbrochen. Die Straße von Pedro Ruiz nach Bagua Grande ist noch immer nur eingeschränkt befahrbar, nachdem ihr Untergrund teilweise vom Utcubamba-Fluss so weit erodiert worden war.
Fernstraße Fernando Belaúnde Terry bei El Salao. Foto: Diario Ahora.
Allein in Chachapoyas stürzten bislang 10 Häuser ein, in einem Schulzentrum mehrere Toiletten. Auch in La Jalca (Provinz Chachapoyas) stürzten mehrere Häuser ein, über 50 Meerschweinchen und ein dutzend Schweine verendeten in den Wassermassen. Im nahegelegenen Yerba Buena (ebenfalls La Jalca / Provinz Chachapoyas) trat der Utcubamba über die Ufer und überflutete mehrere Wohnhäuser. Auch in Cajaruro (Provinz Utcubamba) stürzten bislang vier Häuser ein. In Churuja (Provinz Bongará) wurden mehrere Häuser überschwemmt, die örtlichen Hochwasserschutzmauern wurden teilweise zerstört. Zudem hat sich nach Angaben des Zivilschutzes im Flussbett eine große Menge Kies angesammelt, was die Gefahr weiterer Überschwemmungen erhöht. Ähnliche Meldungen kommen aus allen Teilen der Region.
Die Regionalregierung Amazonas verfügte nun, dass alle ihrer Mitarbeiter auch am Valentinstag, der in diesem Jahr peruweit eigentlich ein freier Feiertag ist, bereit stehen müssen.
Ein Erdrutsch hat die Straße Cruce Achamaqui-Balsas, die Chachapoyas mit der Region Cajamarca verbindet, bei Streckenkilometer 363 + 500 verschüttet. Auslöser waren die schweren Regenfälle der vergangenen Tage. Nach Angaben des Zivilschutzes von Chachapoyas sind bereits mehrere Räumfahrzeuge vor Ort und versuchen, die Befahrbarkeit der Straße wiederherzustellen. Auch bei Yerba Buena (Distrikt La Jalca / Provinz Chachapoyas), einige Kilometer weiter südlich, kam es zu Problemen, als der Utcubamba-Fluss über die Ufer trat und mehrere Bauten zum Hochwasserschutz mitriss, sowie zwei Häuser überflutete, wobei 10 Schweine und rund 50 Meerschweinchen getötet wurden.
Erst vor wenigen Tagen war ein Teil der Fernando Belaúnde Terry-Fernstraße bei El Salao (Distrikt Jamalca / Provinz Utcubamba / Region Amazonas) abgebrochen. Mitarbeiter des Straßenkonzessionärs IIRSA Norte arbeiten noch an einem alternativen Straßenverlauf.
Bei seinem Besuch in der historischen Bergfestung Kuélap verkündete der peruanische Präsident Alan García, seine Regierung stelle 180 Millionen Nuevos Soles für die Asphaltierung der Straße Cruce Achamaqui-Leymebamba-Balsas bereit, die die Regionalhauptstadt Chachapoyas mit der Nachbarregion Cajamarca verbindet. Während seinem eineinhalbstündigen Besuch in Kuélap versprach García auch den Neubau des Santiago Apóstol-Krankenhauses in Bagua Grande, die Verbesserung des Wasser- und Abwassersystems in Bagua, sowie weitere Mittel für die Restaurierung von Kuélap. Begleitet wurde der Präsident von allen amtierenden Ministerinnen und Ministern.
Von der Asphaltierung der Straße würden auch Besucher und Anwohner von Kuélap profitieren, da ein Teil der Strecke nach Kuélap auf dieser Strecke zurückgelegt wird.
11 Distrikte der Provinz Chachapoyas werden in den kommenden Jahren durch einen „Chachapoya-Abenteuerwanderweg“ verbunden. Er soll von Huancas über Chachapoyas, Levanto, San Isidro del Maino, Magdalena, Jalca Grande, Montevideo, Mariscal Castilla, Leymebamba, Chuquibamba nach Balsas am Marañón führen. Damit wird er viele archäologische und natürliche Sehenswürdigkeiten wie Ruinen aus verschiedenen Zeitaltern, beobachtungspunkte seltener Vögel und über Jahrhunderte unberührten Bergregenwald miteinander verbinden.
443.000 Soles stehen bereit
Neben der Aufstellung von Schildern auf der gesamten Länge des Weges umfasst das nun angestoßene Projekt auch die Förderung von Unterkünften, Rastmöglichkeiten und sanitären Einrichtungen in den Orten, die an der „Gran Camino Chachapoya†genannten Route liegen. Zudem werden die gepflasterten historischen Inkawege – soweit notwendig – wieder hergerichtet und mit wichtigen Wegen der bis heute genutzten Mauleselspfade verknüpft. Die Provinz Chachapoyas, sowie die beteiligten Distrikte, stellen dafür nach Angaben von Provinzbürgermeister Peter Lerche insgesamt 443.000 Nuevos Soles zur Verfügung (Wechselkurse auf chachapoyas.eu). Ein Teil des Geldes soll auch für die Ausbildung von Fremdenführern aus der Umgebung aufgewendet werden. Weitere Mittel wollen die beteiligten Bürgermeister auf einer für Anfang März vorgesehenen Reise nach Lima organisieren.
Wandern auf den Spuren der Chachapoya als Touristenattraktion
Die 120-Kilometer-Route war von dem als „Chasqui Peruano“ genannten Abenteurer und Tourismusberater Felipe Valera konzipiert worden und soll Teil des „Circuito Turistico Nor Oriental“ (CNT), also der nordostperuanischen Reiseroute werden. Wie sehr Abenteuerwanderwege dieser Art gefragt sind, zeigt der seit Jahren anhaltende Erfolg des „Camino Inca“ zum Inkaheiligtum „Machu Picchu“ bei Cusco. Dort muss inzwischen, wegen des großen Andrangs, manchmal der Weg gesperrt werden. Gute Aussichten also für die Route, die innerhalb von ca. 8 Tagen in normalem Wandertempo abgelaufen werden kann.