Schlagwort: Susana Baca

  • Peru: PREMIERMINISTER LERNER ZURÜCKGETRETEN

    Ex-Premier Salomon Lerner Ghitis. Foto: Carlos Lezama / ANDINA
    Ex-Premier Salomon Lerner Ghitis. Foto: Carlos Lezama / ANDINA

    Der peruanische Präsident Ollanta Humala hat heute das Rücktrittsgesuch von Premierminister Salomón Lerner angenommen. Alle Ministerinnen und Minister haben ihr Amt zur Verfügung gestellt. In den nächsten Stunden soll der bisherige Innenminister Oscar Valdes Dancuart als neuer Premierminister vereidigt werden. Salomón Lerner bekleidete das Amt des Premierministers seit dem 28. Juli 2011.

    Als Grund für seinen Rücktritt gab Lerner in seinem Rücktrittsgesuch an, einer „Anpassung der Leitlinien der Regierung“ nicht im Wege stehen zu wollen. In Peru wird derweil über weitere Hintergründe spekuliert. Dabei wird insbesondere über die Unzufriedenheit Lerners mit dem in Teilen Cajamarcas verhängten Ausnahmezustand, sowie die unrechtmäßige vorrübergehende Festnahme mehrerer Anführer der Proteste in Cajamarca spekuliert.

    Sein Nachfolger Oscar Valdes war Humalas Vorgesetzter an der Militärakademie. Er wurde unter Anderem dadurch bekannt, dass ihm die Fujimori-Regierung den Aufstieg verweigerte. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst betätigte er sich als Geschäftsmann.

    Welche Minister werden ausgewechselt?

    Mit der Ernennung Valdes Dancuarts zum künftigen Premierminister wird auch darüber spekuliert, wer mit Lerner das Kabinett verlässt. Dabei fallen vor allem die Namen der Minister für Landwirtschaft, Umwelt, Energie und Bergbau, sowie Kultur. Die ersten Drei vor allem wegen Uneinigkeit und Querschüssen bei der Bewertung der Umweltverträglichkeitsprüfung eines umstrittenen Bergbauprojektes in der Andenregion Cajamarca. Kulturministerin Baca steht bereits seit ihrer Ernennung im Kreuzfeuer der Kritik, da sie erst über einen Monat nach Amtsantritt ihre Künstlerkarriere auf Eis legte.

    Sollte sich der Wechsel an der Spitze des Kulturministeriums bestätigen, könnte dies zu neuen Konflikten führen, denn das Kulturministerium ist federführend an der Reglementierung eines Indígena-Konsultationsgesetzes beteiligt. Dieses war erst nach langen Protesten, bei deren Auflösung mehr als 30 Menschen getötet wurden, beschlossen worden. Die Reglementierung muss bis Januar fertig gestellt werden – ein Wechsel im Vizeministerium für interkulturelle Angelegenheiten könnte deren Fertigstellung verhindern.

  • Führungswechsel in der Indígena-Behörde INDEPA sorgt für Aufregung

    Die peruanische Indígena-Behörde INDEPA – das Institut zur Entwicklung Andiner, Amazonischer und Afroperuanischer Völker – hat mit dem Juristen Gustavo Arturo Zambrano Chávez einen neuen Chef – und mit dem Wechsel an der Spitze einigen Wind aufgewirbelt. Denn die Vorgängerin Raquel Yrigoyen Fajardo, eine Koriphäe im Bereich interkulturellen Rechts, ging nach eigenen Angaben nicht freiwillig.

    In Interviews nach ihrer Entlassung stellte Yrigoyen Fajardo selbst die -inzwischen von diversen Nachrichtenportalen und Nichtregierungsorganisationen gern übernommene- Vermutung auf, sie wäre ausgewechselt worden, weil sie sich in ihrer Arbeit kritisch mit einem Gasförderprojekt auseinandergesetzt hatte, das sich mit einem Schutzgebiet überschneidet. Den Raum für Spekulationen dieser Art hatte Kulturministerin Susana Baca selbst gelassen, denn die ministerielle Verfügung, die den Wechsel an der INDEPA-Spitze auslöste, enthielt keinerlei Angaben zu den Gründen.

    Für die Eintschätzung der Juristin Yrigoyen spricht, dass sie sich erst vor wenigen Tagen vor dem peruanischen Kongress kritisch zur Genehmigung von Förderaktivitäten im Gasfeld 88 im Schutzgebiet Kugapakori Nahua Nanti geäußert hatte. Das kommt in Peru nicht überall gut an, denn das Gasfeld 88 wird immer wieder zum Politikum, wenn es um die Frage geht, ob das Gas von dort zunächst für den Eigengebrauch oder den Export verwendet werden soll. Im Wahlkampf versprach Gana Perú, das Parteienbündnis von Präsident Ollanta Humala, das Gasfeld 88 für den heimischen Markt zu reservieren. Ein anderer Konfliktpunkt innerhalb der Regierung war auch die Forderung der Ex-INDEPA-Chefin, ihrer Behörde mehr politisches Gewicht zu geben. Bei seiner Gründung unter Ex-Präsident Alejandro Toledo hatte der INDEPA-Chef formell den Rang eines Ministers. Heute untersteht INDEPA dem Vizeminister für Interkulturalität.

    Auch Vizeminister Otta muss gehen

    Der Hauptgrund für die Ablösung von Raquel Yrigoyen war aber wohl ein anderer. Wie der in Indígena-Fragen für gewöhnlich gut informierte Nachrichtendienst SERVINDI berichtet, stimmte die Chemie nicht zwischen der Ex-INDEPA-Chefin und  Vicente Otta, dem Vizeminister für Interkulturalität, der ebenfalls seinen Hut nehmen musste. Außerdem erklärte Kulturministerin Baca in einer Pressekonferenz, Otta habe nun mehr Zeit „seine privaten Probleme“ zu lösen – was sie damit genau meinte, wollte sie dann aber doch nicht sagen. Dass gleich beide gehen müssen, ist (nicht nur) für die peruanische Politik normal: Geht der Kopf, gehen die politischen Beamten gleich mit. Mit Yrigoyen Fajardos Nachfolger, dem Juristen und Rechtssoziologen Gustavo Arturo Zambrano Chávez und dem bisherigen Zuständigen für Umweltfragen der peruanischen Volksanwaltschaft Iván Lanegra Quispe als neuem Vizeminister für Interkulturalität habe man nun ein „technisch versiertes Team“, das „Gemeinsam mit den indigenen Völkern“ arbeiten werde, so Baca.

    In den vergangenen Monaten hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von INDEPA vor allem an Durchführungsverordnungen für ein erst kürzlich verabschiedetes Gesetz gearbeitet, das die Konsultation der Indígena vorschreibt, die von staatlichen Entscheidungen betroffen sein könnten. Indígena-Verbände fürchten nun, dass die bereits geleistete Arbeit in den Papierkorb wandert. Vizeminister Lanegra Quispe versprach aber, dort mit der Arbeit anzufangen, wo die Vorgänger aufgehört hatten – und, dass die Durchführungsverordnungen bis 12. Januar 2012 auf dem Tisch liegen werden.

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    Wer etwas über den neuen INDEPA-Chef erfahren möchte, dem sei ein Blick in seine Masterarbeit über Corporate Social Responsibility am Thema „Tintaya“ empfohlen:
    http://liu.diva-portal.org/smash/get/diva2:224637/FULLTEXT01

  • Peru: Politiker fordern Rücktritt von Kulturministerin Baca

    Sängerin und Perus Kulturministerin: Susana Baca. Foto: ANDINA/ Ministerio de Cultura.
    Sängerin und Perus Kulturministerin: Susana Baca. Foto: ANDINA/ Ministerio de Cultura.

    Der Druck auf die peruanische Kulturministerin und Sängerin Susana Baca wird immer größer, dennoch schließt sie den Rücktritt weiter aus. Die Ministerin war während ihrer bislang  knapp 2 Monate an der Spitze ihres Hauses bereits mehr als 31 Tage privat unterwegs, zu Konzerten in aller Welt. Das hatte ihr bislang den Unmut von Kommentatoren und Politikern aus der zweiten Reihe beschert. Nun forderte aber auch Julio Rosas, Präsident der Kulturkommission des peruanischen Kongresses, Ministerin Baca zum Rücktritt auf. „Es wurden über 2.000 Bücher aus der Nationalbibliothek gestohlen, archäologische Stätten werden zerstört, die UNESCO zeigt sich besorgt über Schäden in Zitadelle Machu Picchu, aber sie [die Ministerin] ist in privaten Angelegenheiten unterwegs“, begründete Rosas seine Forderung.

    Zunächst war die Ernennung von Susana Baca zur Kulturministerin gefeiert worden. Man erhoffte sich, die populäre afroperuanische Sängerin werde auch als Fachfrau dem erst kürzlich gegründeten Ministerium Aufmerksamkeit verschaffen. Das hat sie geschafft, wenn auch vermutlich anders als erhofft.

    So schrieb der Analyst Mirco Lauer vor wenigen Tagen in der Tageszeitung „La República“, auch wenn es sich vielleicht paradox anhöre, sei die Führung eines Kulturministeriums in Wirklichkeit keine Kulturveranstaltung, sondern ein „komplexes und spezialisiertes Verwaltungsamt“. Susana Baca sei aber – obwohl eine, so Lauer, hervorragende Sängerin und Persönlichkeit – alles Verwaltungstechnische fremd.

    Präsident Ollanta Humala und Premier Salomón Lerner halten dennoch weiterhin an der Ministerin fest. So schloss Lerner vor wenigen Tagen den Rauswurf Bacas aus und Vizepräsident Omar Chehade bezeichnete die Rücktrittsforderungen als „übertrieben“. Die Ministerin habe versichert, vertraglich verpflichtet zu sein, die derzeitige Konzertreihe noch abzuschließen, ansonsten drohten ihr hohe Vertragsstrafen, so Chehade, in den kommenden „Wochen oder Monaten“ werde sich die Situation dann aber „normalisieren“.

    AM DIENSTAG: SUSANA BACA LIVE IN BERLIN

    Wer die peruanische Kulturministerin einmal live hören und sehen möchte, dem bietet sich am kommenden Dienstag, dem 20. September 2011 die Chance. Susana Baca wird um 20 Uhr im Haus der Kulturen der Welt auftreten. Die Programmankündigung  klingt vielversprechend:

    „Eine Stimme wie ein ruhiger Sturm: Susana Baca, „The Voice of Black Peru“ interpretiert Songs, die tief in dunklere Gefühlswelten eintauchen – Schmerz, Nostalgie, Sehnsucht. 

    Susana Baca ist die neue Kulturministerin Perus – das hält die 67-jährige Latin Grammy-Gewinnerin nicht davon ab in Europa Konzerte zu geben! Als Sängerin ist sie seit über einem Jahrzehnt international erfolgreich. In ihrer Musik betont sie afroperuanische Traditionen, die sie mit Son, Salsa, Cumbia oder auch Klängen aus New Orleans und Spanien vermischt. In Peru gilt sie gemeinhin als Idol. Nun ist sie die erste schwarze Frau, die ein hohes Regierungsamt in ihrem Heimatland bekleidet.“

    Der Eintritt kostet 19 Euro, ermäßigt 15.

  • Peruanische Nationalbibliothek sucht verschwundene Bücher

    Kulturministerin Susana Baca, BNP-Direktor Ramón Mujica, Kampagne "Se Busca". Foto: ANDINA.
    Kulturministerin Baca, BNP-Direktor Mujica bei der Kampagneneröffnung. Foto: ANDINA.

    Mit ernstem Gesicht stellte der Direktor der peruanischen Nationalbibliothek (BNP) Ramón Mujica kürzlich das erschreckende Ergebnis einer Teilinventur historischer Bücher vor. Obwohl nur rund 300.000 Werke überprüft wurden – von mehr als 8 Millionen -, stießen die BNP-Mitarbeiter auf etwas, das Mujica als „systematischen Verlust“ bezeichnet: 935 historische Dokumente und Bücher sind nicht mehr aufzufinden. Darunter auch ein Originalexemplar eines Quechua-Wörterbuches, das Anfang des 17. Jahrhunderts von dem spanischen Jesuiten Diego Gonzáles Holguín verfasst wurde und damit eines der ersten in Peru gedruckten Bücher war, sowie ein 1524 in Paris gedrucktes Werk Erasmus‘ von Rotterdam.

    Nun versucht die BNP, mit einer internationalen Kampagne die Schriftstücke zurückzubekommen. So kündigte Bibliotheksdirektor Mujica an, in den kommenden Tagen eine Liste der 935 fehlenden Exemplare im Internet zu veröffentlichen. Insbesondere Experten oder Sammler sollen dazu bewegt werden, die Dokumente zurückzugeben. Einen ersten Erfolg konnte die BNP dabei schon verbuchen: So reisten Mitglieder einer chilenischen Familie extra in die peruanische Hauptstadt Lima, um 30 Werke des peruanischen Schriftstellers Ricardo Palma zu übergeben, zwei davon handsigniert. Nach eigenen Angaben waren die Bücher Teil einer Erbschaft. 30 weitere Bücher sollen in den kommenden Tagen übergeben werden – die derzeitigen Besitzer haben die Rückgabe angekündigt, warten aber aus Angst, wegen des Besitzes der gestohlenen Bücher angezeigt zu werden, noch ab.

    Auch für diejenigen, die wissentlich auf illegalem Wege in den Besitz der Stücke gekommen sind und deshalb nicht einfach bei der Bibliothek vorsprechen wollen, hat sich die Büchereileitung etwas ausgedacht. So können die „verlorenen“ Bücher anonym in drei geschlossenen Konventen der Erzdiözese Lima abgegeben werden.

    Parallel zur Kampagne „Se Buscan“ wird die Bibliothek nun mit neuen Sicherheitseinrichtungen im Wert von 5 Millionen Nuevos Soles ausgestattet. Künftige Diebstähle sollen damit erschwert werden. Videoüberwachung gab es in der historischen Abteilung schon länger – abschreckend wirkte diese allerdings offensichtlich nicht. Lediglich einzelne Diebstähle wie der des Werkes „Una vida de Santo Toribio de Mogrovejo“ von 1679 durch einen Wachmann konnten dadurch bislang aufgeklärt werden.

    In diesem Jahr feiert die peruanische Nationalbibliothek ihren 190. Geburtstag.