Schlagwort: MINEM

  • Apurímac: Zusammenstößen wegen ausbleibender Ergebnisse im Bergbau-Dialog / Zahlreiche Verletzte

    In der peruanischen Region Apurímac kam es gestern nach der Abreise der Ministerdelegation, die an einem runden Tisch zu einem  Bergbau-Konflikt teilgenommen hatte, zu Zusammenstößen mit der Polizei. In der Provinz Andahuaylas wurde ein Verwaltungsgebäude der Regionalregierung angezündet, es brannte vollständig aus. Wie Oscar Rojas Palomino, Provinzbürgermeister von Andahuaylas, gegenüber RPP Noticias erklärte, war es zur Eskalation gekommen, nachdem Landwirtschaftsminister Miguel Caillaux und Energie- und Bergbauminister Carlos Herrera abgereist waren, ohne zuvor das Protokoll der vorangegangenen vierstündigen Verhandlungen zu unterzeichnen. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei wurden rund ein dutzend Demonstranten, sowie 16 Polizisten verletzt. Erste Berichte, es habe auch Todesopfer gegeben, wurden inzwischen dementiert.

    In den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche Protest- und Blockadeaktionen gegeben, mit denen Einwohner der Region Apurímac gegen die Vergabe von Bergbaukonzessionen in Quellregionen von Flüssen und Bächen demonstrierten.

    In einer gemeinsamen Erklärung sprach das Umwelt-, sowie das Landwirtschaftsministerium gestern von vorhandener „Desinformation“ bei den Bergbaugegnern. So sei derzeit kein Inhaber einer Bergbaukonzession in einer der Quellregionen der Provinz Andahuaylas aktiv. Die vorhandene Verschmutzung von Wasserwegen und die Zerstörung von Ackerflächen sei vielmehr ein Produkt des illegalen Bergbaus, zitiert die Pressemitteilung Landwirtschaftsminister Caillaux.

    Die Region Apurímac liegt in Südperu, zwischen den Regionen Ayacucho, Cusco und Arequipa. Nach Ergebnissen der Volkszählung 2007 arbeiten rund 1,7% aller ArbeitnehmerInnen im Bergbau-Bereich.

  • Demonstranten fordern Geld von Yanacocha und blockieren Route Cajamarca-Bambamarca

    Seit nun 5 Tagen halten rund 300 Demonstranten die Straße von Cajamarca nach Bambamarca auf Höhe des Distrikts Encañada (Provinz Cajamarca) im Protest gegen die Bergbauunternehmung Yanacocha besetzt. Mehrere Abschnitte der Straße wurden mit Steinen und Baumstämmen blockiert, neun Fahrzeuge von Subunternehmern von Yanacocha wurden angezündet. Wie Radio Santa Mónica (Chota) berichtet, kommen die Demonstranten vor allem aus Santiago de Chanta Alta, aber auch aus anderen umliegenden Orten. Angeführt werden die Proteste von Jorge Vásquez, dem Distriktbürgermeister von Encañada, der vor Verschmutzung des Trinkwassers durch Bergbauaktivitäten und dem Austrocknen mehrerer Quellen und Bergseen warnt. Mehrere an der Straßenblockade beteiligte Personen, die von einem Reporter von „Panorama Cajamarquino“ nach dem Grund der Blockade gefragt wurden, gaben allerdings einen anderen Grund für ihre Anwesenheit an. Sie kritisierten, dass Yanacocha den Distrikt lediglich mit mehreren kleineren Infrastrukturprojekten bedachte, die dann von Bauarbeitern von Außerhalb durchgeführt wurden. Yanacocha „investiert nicht in die Entwicklung des Distrikts La Encañada und stellt keine lokalen Arbeitskräfte ein“, so ein Demonstrant gegenüber der Lokalzeitung. Eine dritte Version hat verbreitet das Bergbauunternehmen selbst. In einer Pressemitteilung beschuldigt Minenbetreiber Yanacocha Bürgermeister Vásquez, das Unternehmen um 200 Millionen Soles erpressen zu wollen, um damit seine Wiederwahl zu sichern. Deshalb weigert sich die Führungsebene des Unternehmens bislang, an einem runden Tisch teilzunehmen, den Regionalpräsident Gregorio Santos, Distriktbürgermeister Jorge Vásquez und José Luis Carbajal vom peruanischen Energie- und Bergbauministerium (MINEM) einrichten wollen, um das Problem zu lösen.

    Proteste auch in Llagamarca
    Nicht nur in La Encañada, auch in Llagamarca kam es am vergangenen Wochenende zu Protestaktionen gegen Yanacocha. Wie die Tageszeitung „El Mercurio“ berichtet, werfen Landwirte aus dem Distrikt Baños del Inca (Provinz Cajamarca) dem Unternehmen vor, die Wassermenge des Hauptbewässerungskanals von 25 auf 11 Liter pro Sekunde verringert zu haben.

  • Proteste gegen Wasserkraftwerk Inambari (Serie Wasser-Konflikte II)

    Peru hat mit riesigen Flüssen mit hohem Gefälle, hohen Bergen und tiefen Tälern zweifelsohne ein unglaubliches Potenzial zur Stromerzeugung durch Wasserkraft. Die Projekte, die Tag für Tag durch peruanische Medien geistern, haben wahrhaft gigantische Ausmaße. 2.200 Megawatt Leistung pro Jahr soll beispielsweise das Wasserkraftwerk Inambari erbringen, vier Milliarden US-$ soll es nach Angaben des peruanischen Energie- und Bergbauministeriums MINEM kosten. Dafür müsste in Cusco, Puno und Madre de Dios der Inambari-Fluss aufgestaut werden. 221.000 Hektar Land würden im entstehenden Stausee verschwinden, wie Egasur, ein Konsortium diverser brasilianischer Unternehmen und derzeit im Besitz einer Lizenz für Studien rund um das Projekt, bekannt gab. Von den vier Milliarden US-$ sollen 200 Millionen für die Wahrung der „Umweltverträglichkeit“ bereit stehen, so Egasur. Die „Umweltverträglichkeit“ schließt auch die Entschädigung für diejenigen ein, die umgesiedelt werden. Das Inambari-Projekt ist eines von fünf, deren Realisierung die peruanische gemeinsam mit der brasilianischen Regierung vorantreibt.

    In den betroffenen Regionen regt sich allerdings Protest: Bewohner des Inambari-Tals wollen sich nicht damit abfinden, ihre Heimat verlassen zu müssen. Umweltschützer warnen davor, angeblich unberührte Waldflächen dem Stausee zu opfern. Auch die peruanische Ingenieurskammer (Colegio de Ingenieros) kritisiert die derzeitige Planung. Allerdings stellen die Ingenieure nicht das Projekt selbst oder gar die Stromerzeugung durch Wasserkraft in Frage, sondern die Verträge über das Inambari-Projekt. Sie befürchten, der peruanische Markt werde von der Stromerzeugung nichts abbekommen und forderten deshalb kürzlich in einem offenen Brief, erst dann Strom zu exportieren, wenn der eigene – stark wachsende – Bedarf gedeckt sei. Zudem fehle es an technischen und sozialen Studien zum Projekt, wodurch die peruanische Seite ihre Position selbst unnötig geschwächt habe. Wie peruanische Medien berichten, würden auch 65 Kilometer der erst kürzlich eröffneten interozeanischen Straße, die im Süden Perus die Küste mit Brasilien verbindet, in den Fluten verschwinden.

    In der Region Puno sind für die kommenden Tage erste Streiks gegen das Projekt angekündigt.

    Paquitzapango: 6-7 Ureinwohner-Gruppen im geplanten Stausee

    Auch ein weiteres Projekt könnte noch für Konflikte sorgen. Auf der Fläche des geplanten Stausees leben nach Angaben des peruanischen Umweltministers Antonio Brack Egg 6-7 Gruppen von Ureinwohnern. Der Paquitzapango-Staudamm würde in Junín den Éne-Fluss aufstauen und eine Leistung von 1.379 MW aufweisen.