Schlagwort: Arbeitsrecht

  • Peru: Hunderttausende Verwaltungsbeamte streiken gegen regelmäßige Prüfungen

    Peru: Hunderttausende Verwaltungsbeamte streiken gegen regelmäßige Prüfungen

    Stühlerücken: der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.
    Der peruanische Kongress, Innenansicht. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Neues Beamtengesetz sieht regelmäßige Prüfungen vor und schränkt Streikrecht ein

    In fast allen Teilen Perus kam es am vergangenen Donnerstag wieder zu Streiks und Protesten von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern im öffentlichen Dienst, nach Schätzungen der Gewerkschaften sollen bis zu 500.000 Personen ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt haben. Sie protestierten damit gegen die derzeit im peruanischen Kongress debattierte gesetzliche Neuregelung ihres Arbeitsverhältnisse. Eine Vorlage der Regierung sieht unter anderem eine arbeitsrechtliche Vereinheitlichung vor, beispielsweise was Einstellungs- und Verbeamtungs-, sowie Aufstiegsmöglichkeiten angeht. Bislang existieren zahlreiche verschiedene Regelungen, teils für bestimmte Fachbereiche, aber auch für bestimmte Altersgruppen.

    Was den Demonstranten bei der Neuregelung aber besonders sauer aufstößt, sind die vorgeschriebenen regelmäßigen Prüfungen, die in der 72seitigen Gesetzesvorlage enthalten sind. Demnach müssten sich verbeamtete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig auf ihre Eignung überprüfen lassen – auch mit Hilfe schriftlicher Tests. Was die Regierung einen „Weg zu einer besseren öffentlichen Verwaltung nennt“, sieht der Gewerkschaftsbund CGTP daher in einer Reihe mit den Massentlassungen während der Fujimori-Diktatur. Die neuen Regeln sehe wilkürliche Entlassungen vor und verstoße gegen Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Peru unterzeichnet habe, so die CGTP in einer Stellungnahme.

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS.

    Am Donnerstag war geplant gewesen, den Gesetzestext im Parlament zur Debatte zu stellen. Nachdem es aber auf der Plaza de Armas der peruanischen Hauptstadt Lima, ebenso wie im Umfeld des Kongresses zu massiven Protesten und Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war, wurde die Debatte vertagt. Auch in den meisten anderen Teilen Perus kam es zu Protesten. In Chachapoyas besetzten Verwaltungsmitarbeiter für mehrere Stunden die Plaza de Armas.

    Ein paar Beispiele aus dem Gesetzestext:

    • „Der Beamtenstatus endet, wenn einer der Folgenden Gründe eintritt: a) Tod b) Kündigung aus eigenem Antrieb c) Pensionierung […] j)  Abschaffung des Postens aufgrund technologischer, struktureller oder organisationstechnischer Gründe, im Sinne von wissenschaftlichen oder verwaltungstechnischen Innovationen oder neuen Notwendigkeiten, die sich durch eine Wandel des sozialen oder ökonomischen Umfeldes ergeben und zu Änderungen in der Organisationsstruktur der Institution führen.“
    • „Der Zugang zur Weiterbildung im öffentlichen Dienst muss auf objektive Kriterien aufbauen, die die optimale Nutzung der zur Verfügung gestellten Mittel garantieren, sowie auf Unparteilichkeit und  Gerechtigkeit, um so die Diskriminierung von Personen zu verhindern.“
    • „Die Einrichtungen, die die Evaluation, die in diesem Gesetz vorgeschrieben sind, ohne erkennbaren Grund nicht durchführen, können keine zusätzlichen Investitionsmittel beantragen, bis sie der Vorschrift nachgekommen sind.“

  • Wegen Drohung gegen Flughafenmitarbeiterin: Perus Arbeitsminsminister muss gehen

    INFOAMAZONAS Peru-Nachrichten, Neuigkeiten aus PeruWegen der skandalösen Entlassungsdrohung gegen eine Mitarbeiterin des Flughafens der Stadt Arequipa musste Perus Arbeitsminister José Villena Petrosino gestern zurücktreten. Obwohl das Rücktrittsgesuch von ihm selbst eingereicht wurde, hatte er gestern den Rückhalt bei seinen Ministerkollegen verloren. Ende November war Villena nach einer Kongressteilnahme in Arequipa zu spät zum Flughafen gekommen, als das Flugzeug bereits die Motoren am laufen hatte. Er gab sich als Angehöriger des Sicherheitspersonals des Arbeitsministers aus und verlangte, das Flugzeug zu stoppen. Als sich die Flughafensicherheit und die Mitarbeiterin am Check-In-Schalter weigerten, dem Wunsch zu entsprechen, rastete der Minister aus, fotografierte die Mitarbeiter, drohte ihnen mit Entlassung und wurde, wie aus der Anzeige der Mitarbeiterin am Check-In-Schalter hervorgeht (die diese inzwischen nach eigenen Angaben auf Druck von außen wieder zurück genommen hat) handgreiflich.  Schließlich griff das Sicherheitspersonal ein, Villena flog nach weniger als einer Stunde Wartezeit im nachfolgenden Flugzeug. Ein Handyvideo, das im Internet zirkuliert, belegt den Vorfall.

    Widersprüche von Villena und Regierung

    Zunächst hatte der Arbeitsminister, der als Vertrauter von First Lady Nadine Heredia galt, die Vorwürfe abgestritten, war aber dennoch nach Arequipa gereist, um sich bei der Flughafenmitarbeiterin zu entschuldigen. Diese Reise wurde von den peruanischen Medien als Schuldeingeständnis gewertet. Erschwerend kam für die meisten Kommentatoren hinzu, dass ausgerechnet der oberste Hüter der Arbeitsrechte Mitarbeitern deshalb mit Entlassung droht, weil sie ihre Arbeit vorschriftsgemäß verrichten. Und die Rücknahme der Anzeige: Die einflussreiche Juristin und Journalistin Rosa María Palacios schrieb noch gestern in der Tageszeitung „La República“, dieser Fall illustriere, wie es so oft bei Übergriffen auf Frauen ablaufe: Die Opfer nähmen (unter Druck) ihre Anzeige zurück. Justizministerin Eda Rivas schloss sich dieser Argumentation öffentlich an. Im peruanischen Kongress mehrten sich die Stimmen für eine Interpellation des Ministers.

    Villenas Nachfolgerin bereits vereidigt

    Perus neue Arbeitsministerin: Nancy Laos Cáceres. Foto: Presidencia Perú.
    Perus neue Arbeitsministerin: Nancy Laos Cáceres. Foto: Presidencia Perú.

    Nach zähen Wochen mit durchaus widersprüchlichen Situationsbewertungen durch Regierungsmitglieder wich letztlich offenbar auch Präsident Ollanta Humala von Villena Petrosino ab. Als Humala gestern zu spät zu einem Festakt der Marine erschien und dort erklärte, er habe noch „einige wichtige Dinge zu erledigen“ gehabt, war dies bereits als Ankündigung des anstehenden Ministerwechsels interpretiert worden – zu Recht, wie sich gestern Nachmittag (Ortszeit) herausstellte: Noch gestern Abend wurde die Arbeitsrechtlerin Nancy Laos Cáceres als neue Arbeitsministerin vereidigt.

    Die Nachfolgerin: Arbeitsrechts-Expertin Nancy Laos Cáceres

    Laos Cáceres, die über diverse Abschlüsse diverser Universitäten von Rang und Namen verfügt (PUCP, PAD-Universidad de Piura, Harvard, Yale…und Villareal), arbeitete zuletzt als Anwältin im Bereich Arbeitsrecht. Zuvor hatte sie sich als Arbeitsrichterin betätigt und war Dekanin der Notarskammer. In einer ersten Stellungnahme nach der Vereidigung kündigte sie an, Dialogräume für Arbeitskämpfe und -konflikte schaffen zu wollen, um landesweit zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen. Zudem, so Laos Cáceres, werde sie auf Überwachung und Kontrolle der Einhaltung der Arbeitsrechte setzen. „Wir möchten ein Gleichgewicht im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern  herstellen“, so die neue Arbeitsministerin. Dass es sich dabei um ein hochgestecktes Ziel handle, sei ihr bewust, so Laos Cáceres.

    Reaktionen vorwiegend positiv

    Erste Reaktionen fielen vorwiegend positiv aus. Humberto Speziani, Vorsitzender des Unternehmerverband CONFIEP erklärte, Laos Cáceres sei gut ausgebildet, verfüge über große Erfahrung und sei für das Amt bestens geeignet. Auch Carmela Sifuentes, Präsidentin des Gewerkschaftsbundes CGTP,  begrüßte den Wechsel an der Spitze des Arbeitsministeriums. Negativ wurde allerdings von einigen politischen Kommentatoren die Löschung der Internetseiten der bisherigen Anwaltskanzlei von Laos Cáceres bewertet, auf der die bisherigen Klienten aufgezählt wurden – darunter notorische Problemverursacher wie das Unternehmen Doe Run Perú.

    Mit der Übernahme des Arbeitsministeriums durch eine Frau erhöht sich die Anzahl der Frauen im aktuellen Ministerkabinett auf sieben.

  • Flughafenmitarbeiter attackiert? Perus Arbeitsminister in der Kritik

    Ausgerechnet der oberste Hüter des peruanischen Arbeitsrechts nimmt es offenbar selbst damit nicht so genau: Arbeitsminister José Villena drohte gestern in der Andenstadt Arequipa offenbar mehreren Flughafenmitarbeitern mit Entlassung, sollten sie nicht einen startenden Linienflieger für ihn aufhalten. Villena kam, wie aus gestern in diversen Nachrichtensendungen veröffentlichtem Videomaterial hervorgeht, zu spät zum Flughafen und verlangte vom Sicherheitspersonal, die bereits startende Maschine der Fluggesellschaft LAN aufzuhalten. Als das Personal der Forderung nicht nachkam, wurde der Minister aggresiv und drohte nach Angaben des Flughafen-Sicherheitsdienstes damit, die Glaswand hin zum Flugsteig zu durchbrechen und für die Entlassung der verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sorgen. Zudem berichtet die Tageszeitung „La República“, eine Mitarbeiterin sei zur Seite geschubst worden und habe sich dabei verletzt.

    Der Minister, der sich, so der Bericht des Sicherheitsdienstes weiter, offenbar zunächst als „Bodyguard eines Ministers“ ausgegeben hatte, bestreitet die Vorwürfe. Es habe sich lediglich um ein „Missverständnis“ gehandelt, so Villena. Zudem habe es das Wortgefecht – das auf dem Videomaterial zu sehen ist – nie gegeben, so der Arbeitsminister weiter. Er flog 1,5 Stunden später mit einem anderen Linienflieger in die Hauptstadt Lima zurück.

  • Peru: Parlament beschließt mehr Rechte für „feste freie“ Mitarbeiter des Staates

    Personen, die als abhängige Subunternehmer für staatliche Stellen Leistungen erbringen, die denen eines Angestellten entsprechen, erhalten in Peru ab dem kommenden Jahr mehr Rechte und müssen beispielsweise den Personen, die die selbe Arbeit verrichten, künftig auch finanziell nach spätestens drei Jahren gleich gestellt werden. Damit wird das in Peru als CAS (Contratación Administrativa de Servicios) bekannte System, das 2008 von der damaligen Regierung unter Präsident Alan García am Parlament vorbei beschlossen wurde, zurückgenommen, das es staatlichen Stellen ermöglichte, Aufgaben auszulagern und den entsprechenden Kleinstunternehmern Arbeitsrechte weitgehend zu verwehren. Obwohl Personen mit CAS-Vertrag häufig mehr verdienten, kritisieren Gewerkschaften die Regelung seit ihrer Einführung, denn ihnen blieben viele arbeitsrechtliche Vorteile von staatlichen Angestellten und Beamten vorenthalten. Obwohl im Text des Legislativdekretes 1057 von 2008 ausdrücklich ausgeschlossen, war das CAS-System häufig dazu genutzt worden, normale staatliche Angestellte in das CAS-System zu drängen. So wurden mancherorts sogar Lehrerstellen für den Regelunterricht zugunsten von CAS-Personal gestrichen, dessen Vertrag nach wenigen Monaten oder einem Jahr immer wieder neu ausgehandelt werden kann. Die jetzige Entscheidung spricht Personen mit CAS-Verträgen auch das Recht auf Weihnachtsgeld, die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, sowie 30 Tage Urlaub zu.

    Der frühere Wirtschafts- und Finanzminister Ismael Benavides kritisierte den Beschluss des peruanischen Parlaments. Dieser werde die Staatsausgaben erheblich erhöhen, so Benavides.

    Für die Umsetzung der Änderungen isteine generelle Reform der Bezahlung staatlicher Angestellter und Beamter notwendig, an deren Beschluss die Opposition im peruanischen Kongress derzeit noch zweifelt.

    Nach Schätzungen des Wirtschafts- und Finanzministeriums haben derzeit rund 180.000 Menschen einen CAS-Vertrag.

    Eine Zusammenfassung der wichtigsten (bisherigen) CAS-Regelungen finden Sie auf den Se iten des Premierministers unter http://www.pcm.gob.pe/InformacionGral/sgp/preguntas-cas.htm (in einem neuen Fenster).