Schlagwort: Defensoría del Pueblo

  • Peruanisches E-Government zwischen Vorreitern und Offlinern

    Vorbildlich: Provinzverwaltung Huamanga.
    Vorbildlich: Provinzverwaltung Huamanga.

    Mehrmals jährlich prämiert die staatliche peruanische Volksanwaltschaft die Regionalregierungen und Stadtverwaltungen, die das transparenteste und aktuellste Internetportal vorweisen. Regelmäßig schneidet dabei die nordostperuanische Regenwaldregion San Martín am besten ab, seit 2010 liegt die Region Amazonas an zweiter Stelle. Auch an Moquegua und Apurímac als Schlusslichter hat man sich bereits gewöhnt. Ein gutes Abschneiden wird von Bürgermeistern und Regionalpräsidenten als Propaganda genutzt, ein schlechtes als Wahlkampffutter für die Opposition, die Amtsinhabern öffentlichkeitswirksam „mangelnde Transparenz“ vorwerfen kann.

    Im Grunde genommen ist Peru – wenn man einmal vom Datenschutz absieht – im Bereich E-Governement ganz weit vorne. Es gibt strenge Vorgaben, wer was wann und in welcher Form auf seiner offiziellen Internetseite zu veröffentlichen hat. Städten, die sich keinen Programmierer leisten können oder wollen, werden fertige Seiten zur Verfügung gestellt, deren Inhalte dann nur noch in vorgefertigte Formulare eingetragen werden müssen. Möchte man beispielsweise die Bilanzsumme verschiedener Städte vergleichen, findet man entsprechende Zahlen immer an der selben Stelle. Und die Wahlbehörde ONPE träumt schon seit Jahren von Wahlen über Internet.

    Überhaupt sind der Phantasie der online-Verantwortlichen peruanischer Institutionen keine Grenzen gesetzt: Glaubt ein Ladenbesitzer, einen gefälschten Ausweis vorgelegt zu bekommen, kann er im Internet innerhalb von Sekunden überprüfen, ob die Daten mit der Einwohnermeldebehörde übereinstimmen. Vor einer Wahl kann ein Wahlberechtigter mit seiner Ausweisnummer nachschauen, in welchem Wahllokal er wählen muss – oder ob er dem Staat noch Geld schuldet, weil er einmal die Wahlpflicht ignorierte. Eine Frau kann per Smartphone nachprüfen, ob der junge Mann, der ihr im Café gegenübersitzt, einer anderen Frau noch Alimente schuldet. Und auch, wenn Busse eines bestimmten Reiseunternehmens regelmäßig die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 90km/h überschreiten, ist diese Information nur einen Klick entfernt. Soweit die theoretischen Möglichkeiten.

    Denn in der Praxis helfen ausführliche Daten auf einer Internetseite einer Distriktverwaltung wenig, wenn beispielsweise der einzige internetfähige Computer im Distrikt im Rathaus steht. Den Bürgerinnen und Bürgern des Distriktes wäre wohl mehr geholfen, wenn die entsprechenden Tabellen ausgedruckt am schwarzen Brett hängen würden. Ähnlich sieht es im Bildungsbereich aus: Seit Antritt von Bildungsministerin Patricia Salas müssen die Noten von Schülerinnen und Schülern vor der Zeugnisausgabe in ein Internetsystem eingetragen werden. Kurz vor Ende der Frist brach das System mehrmals wegen Überlastung zusammen, der Zugang wurde auf bestimmte Uhrzeiten begrenzt. Die Folge: Lehrer kleiner Dorfschulen mussten in die nächstgelegene Stadt reisen und dort -auf eigene Kosten- einen Computer mieten. Das ist nicht immer einfach, war beispielsweise im Dezember 2011 in der Region Amazonas der Zugang auf den Zeitraum 21-1 Uhr beschränkt. Normale Internetcafés sind da längst geschlossen.

    Erschreckend ist dabei nicht so sehr, dass eine bevölkerungsmäßig kleine und ländlich geprägte Provinz wie Chachapoyas (Region Amazonas) mit ihrer Internetseite lediglich 37% der Vorgaben erfüllt (Schlusslicht Tambopata: 0%), sondern dass beispielsweise die Hauptstadt Lima mit enormen finanziellen und personellen Möglichkeiten bis vor wenigen Monaten nur auf 86% kam. Ausnahmen bestätigen die Regel: Huamanga (Region Ayacucho) erreichte Ende 2011 100%.

    Es kann auch schief gehen: Internetseite der Regionalregierung Amazonas gehackt.
    Es kann auch schief gehen: Internetseite der Regionalregierung Amazonas gehackt.

    In der Region Moquegua, wo nur 37% der Vorgaben zum E-Government umgesetzt wurden, verfügen 60% der Haushalte im ländlichen Raum über keinen Anschluss an das Stromnetz, in den Städten der Region sind es immerhin 20%. In Apurímac (44%) ist die Situation ähnlich. Obwohl es im kontrollfreudigen Lima bestimmt gut ankommen würde, wenn auch das letzte Dorf der Region seine Internetseite aktuell hielte, überlegt sich wohl jeder Bürgermeister gut, ob er sich, seine Mitarbeiter, seine Zeit und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nicht besser dazu nutzt, Anträge für den Bau von Stromleitungen zu schreiben. A propos Anträge: Das zentrale System, in das regelmäßig der aktuelle Stand von Projekten eingetragen wird, ist natürlich auch nur online verfügbar – und wird von Regionalpräsidenten und Bürgermeistern regelmäßig als Hemmschuh bezeichnet, der die Durchführung der Projekte selbst weiter verlangsamt.

    Die Volksanwaltschaft selbst, die regelmäßig das Ranking erstellt, hält sich deshalb auch ausdrücklich zurück, die Umsetzung der E-Government-Vorgaben als Indikator für eine generell schlechte Arbeit von Regionalregierungen oder Stadtverwaltungen zu werden. Es handle sich um einen „wichtigen Indikator für die Umsetzung der Gesetze zur Transparenz und den Zugang zu Informationen, zu dem Regionalregierungen und Stadtverwaltungen verpflichtet“ seien, gebe aber keine Auskunft über eine „generell gute oder schlechte Amtsführung“, so Mónica Callirgos, die das Ranking für die Volksanwaltschaft erstellte.

  • Volksanwaltschaft: Polizeistationen weiter prekär

    In ihrem jüngsten Bericht zur Lage der Polizeistationen kommt die peruanische Volksanwaltschaft zu dem Schluss, dass diese noch immer nicht ausreichend ausgestattet sind. So wurde mehr als die Hälfte der Bauten, in denen Polizeistationen angesiedelt sind, als „unsicher im Katastrophenfall“ deklariert. Zudem verfügen noch immer über 200 Polizeistationen über keine Funkanlage und bei sieben von zehn Dienststellen fehlt das Personal für den normalen Streifendienst. Wichtige Gespräche meist über private Mobiltelefone geführt.

    Besonders schwierig ist dabei die Situation außerhalb der Hauptstadt Lima. Hier fehlen neben ausreichenden Schlafmöglichkeiten für die Polizisten auch zahlreiche Zellen, beispielsweise um Männer und Frauen getrennt einzusperren. Vielerorts gibt es dagegen ausreichend Zellen, aber keine Toilette für die Insaßen. In 7 von 10 untersuchten Polizeistationen war kein Material zur Sicherung von Beweisen vorhanden.

    Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich die Situation aber auf vielen Feldern. So verfügten fast alle untersuchten Polizeistationen über mindestens einen Computer, auch wenn ein kleiner Teil noch immer keinen Anschluss an das Stromnetz hat. Allerdings fehlt vielerorts noch immer der Zugang zu wichtigen Datenbanken der Polizei und des Personenstandsregisters. Besonders kritisch: Nur rund 11,8% der Polizeistationen haben Zugang zur offiziellen Polizeidatenbank, in der unter Anderem die Haftbefehle verzeichnet werden. Da außerhalb von Lima rund ein Drittel  der Polizeistationen keinen Zugang zu Internet und Telefon hat, ist dies aber nicht weiter verwunderlich.

    Doch selbst noch grundlegendere Dinge sind mancherorts knapp. So gibt fast die Hälfte aller Polizeidienststellen an, nicht auseichend Papier für ihre Arbeit zu haben. In 31 Fällen erklärten die Polizisten gar, ihnen werde gar kein Papier zur Verfügung gestellt.

  • Volksanwaltschaft: Illegaler Bergbau aus Ananea in die Provinz Carabaya (Puno) abgewandert

    Wie Luz Herquinio Alarcón von der Volksanwaltschaft Puno gestern gegenüber der peruanischen Tageszeitung „La República“ erklärte, haben sich viele Personen, die bislang im Distrikt Ananea (San Antonio de Putina) illegal nach Gold schürften, nun am Inambari-Fluss angesiedelt. Der Grund für die Abwanderung nach mehr als 20 Jahren war nach Angaben von Herquinio Alarcón eine Verstärkte Kontrolle in Ananea, nachdem es in der Region Puno wegen der Verschmutzung des Ramís-Flusses durch den illegalen Bergbau zu Protesten gekommen war. Auch für die Schürfarbeiten am Inambari-Fluss sind, wie die Volksanwaltschaft berichtet, keine Genehmigungen vorhanden. Insgesamt sollen inzwischen rund 2.000 Personen links des Inambari-Flusses in der Provinz Carabaya direkt im illegalen Bergbau arbeiten. Zum Umgraben des Bodens werden dabei neben giftigen Chemikalien auch große Maschinen eingesetzt.

    Der informelle Bergbau in Peru bringt dabei nicht nur Umweltprobleme mit sich. Immer wieder werden auch Fälle von Misshandlung und Ausbeutung auch minderjähriger bekannt.

  • Volksanwaltschaft: Polizei- und Grenzposten fehlt Basisausstattung

    Polizist beim Regeln des Verkehrs in Lima. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Polizist beim Regeln des Verkehrs in Lima. Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Peruanischen Polizei- und Grenzposten fehlen Computer, Waffen, Munition, Telefone, Feuerlöscher und in vielen Fällen gar Gebäude. Das geht aus einem Bericht der peruanischen Volksanwaltschaft hervor, den Volksanwältin Beatriz Merino gestern in der Hauptstadt Lima vorstellte. Sie sei „sehr besorgt“, dass viele Polizisten in Gebäuden arbeiten müssten, für die der peruanische Zivilschutz „hohe Einsturzgefahr“ festgestellt habe, so Merino. Jeder zehnte der 339 untersuchten Polizei- und Grenzposten wurde so eingestuft.

    Doch nicht nur die mangelhafte Ausstattung mit Gebäuden kritisiert der Bericht. So fehlt 120 Polizeiposten jegliche Kommunikationseinrichtung. 93 weitere haben immerhin ein Funkgerät, aber kein Telefon, von mobilen Funkgeräten oder Handys ganz abgesehen. Nur 130 der Posten haben Zugriff auf zentrale Datenbanken der Personenstands- und Einwohnermeldebehörde RENIEC über die Hälfte kann selbst die Polizeidatenbank selbst – in der beispielsweise Haftbefehle eingetragen sind – nicht erreichen. Nur wenige Polizeiposten verfügen über einen Feuerlöscher, die elektrischen Instalationen sind vielerorts nicht fachgerecht erfolgt und Notausgänge nicht gekennzeichnet. Für die spärlichen Fahrzeuge fehlt oftmals das Benzin.

    Doch führt die Volksanwaltschaft neben der Technik noch weitere Schwachpunkte auf. Rund die Hälfte der Polizeiposten hat keinen extra Raum für vertrauliche Gespräche wie sie beispielsweise bei familiärer Gewalt oder sexueller Belästigung oder gar Vergewaltigung dringend notwendig wären. Von getrennten Zellen für Frauen, Männer und Jugendliche einmal ganz abgesehen, über die 10% der untersuchten Einrichtungen nicht verfügen.

  • Peru: Indígena-Konsultationsgesetz ist angenommen

    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS
    Der peruanische Kongress (Congreso de la República). Foto: D. Raiser / INFOAMAZONAS

    Der peruanische Kongress hat gestern das Konsultationsgesetz beschlossen, nach dem – wie in der Übereinkunft 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO vorgesehen – in Zukunft die Ureinwohner, insbesondere in Perus Zentrum und im Osten des Landes bei Gesetzesvorhaben, die sie betreffen könnten, konsultiert werden müssen.

    Zuvor hatte die Verfassungskommission des peruanischen Kongresses ihre Forderung zurückgezogen, ein Vetorecht explizit auszuschließen.

    Bereits im vergangenen Juli hatte die peruanische Volksanwaltschaft (Defensoría del Pueblo) nach den schweren Zusammenstößen zwischen Ureinwohnern, lokaler Bevölkerung und der Polizei einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht. Der nun verabschiedete Text nimmt zahlreiche Anregungen des Defensoría-Entwurfs auf und basiert auf einer Vorlage der linksnationalistischen Partei (PNP).

    Der größte Indígena-Dachverband Perus, AIDESEP, begrüßte die Verabschiedung des Gesetzes mit dem sperrigen Titel „Gesetz über das Recht auf Vorabkonsultation der Inígena- und Urvölker, das im Übereinkommen N° 169 der internationalen Arbeitsorganisation festgelegt ist“ (Ley del Derecho a la Consulta Previa a los pueblos Indígenas u Originarios reconocido en el convenio N° 169 de la Organización Internacional del Trabajo), nach Angaben des Indígena-Informationsdienstes SERVINDI das erste seiner Art auf dem amerikanischen Kontinent. Das Gesetz sei ein Schritt für die Wiederherstellung von Vertrauen und Aussöhnung zwischen dem [peruanischen] Staat und den Indigenen Völkern, so Saúl Puertas, Mitglied der AIDESEP-Führung.

    Das verabschiedete Gesetz bekam auch die Unterstützung der Abgeordneten der Regierungspartei APRA.

    Den verabschiedeten Text können Sie hier herunterladen.

  • Volksanwaltschaft: In 60% der sozialen Konflikte Perus kommt der Dialog erst nach der Gewalt

    In 60% der derzeitig 255 aktiven sozialen Konflikte in Peru kam es erst nach einem Ausbrechen von Gewalt zu einem Dialog mit der Regierung. Das prangerte Miguel Lévano Muñoz von der Konfliktprävention- und Governance-Einheit der peruanischen Volksanwaltschaft (Defensoría del Pueblo) an. Als Beispiel nannte Muñoz die Konflikte bei den Protesten illegaler Schürfer, Bergbauunternehmer und Bergarbeiter, in deren Verlauf in den vergangenen Wochen bei einer Straßenblockade in Chala (Arequipa) mehrere Personen ums Leben kamen. Die Volksanwaltschaft wirft der peruanischen Regierung vor, nicht genug für die Vorbeugung solcher Konflikte zu tun. „Wir sehen noch eine nachsorgende, keine vorsorgende Haltung des Staates. Erst, wenn er die Gewalt zu Kenntnis nimmt, kümmert er sich darum [um die Konflikte]“, so Muñoz gegenüber CNR. Deshalb forderte alle staatlichen Ebenen auf, mehr für die Konfliktprävention zu tun, falls notwendig auch mit runden Tischen.

    Allein im März war die Anzahl registrierter Konflikte um 10 gestiegen, in sechs davon geht es um Umweltfragen.

  • Volksanwaltschaft: Zwei Häftlinge auf jeden Gefängnisplatz / Gefangenenzahl geht leicht zurück

    Gefängnis Huancas – Wachturm Nordwest. Foto: D. Raiser / infoamazonas.pe

    In den 69 peruanischen Gefängnissen sitzen doppelt so viele Menschen ein, als es eigentlich Plätze gibt. Das gab vergangene Woche José Ávila, Vorsitzender des Programms Gefängnis- und Strafthemen der peruanischen Volksanwaltschaft bekannt. Demnach sitzen derzeit 45.000 Menschen in peruanischen Gefängnissen, die große Mehrheit davon Männer. Den Gefängnissen würde oft allgemein die Aufgabe zugedacht, Menschen zu bestrafen, obwohl sie in erster Linie dazu gedacht seien, die Gesellschaft vor bestimmten Menschen zu schützen, so Ávila gegenüber CNR.

    Am schlimmsten ist die Situation in Lima, Huancayo und San Martín, wo mehr als doppelt so viele Gefangene einsitzen, als die Gefängnisse über Plätze verfügen.

    Zudem kritisierte Ávila, die Gefängnisverwaltungen würden nicht hart genug gegen die Nutzung von Handys im Inneren von Gefängnissen vorgehen. Vor wenigen Tagen waren bei einer Durchsuchung des Piedras Gordas-Gefängnisses 80 Handys gefunden worden.

    Gefangenenzahl geht leicht zurück

    Anstieg der Gefängnispopulation in Peru 1996-2010. Grafik: Peruanisches Justizministerium MINJUS
    Anstieg der Gefängnispopulation in Peru 1996-2010. Grafik: Peruanisches Justizministerium MINJUS

    Allgemein ist trotz der anhaltenden Überfüllung der Gefängnisse nach jahrelangem Anstieg ein leichter Rückgang der Gefangenenzahl zu beobachten. Nach Statistiken des peruanischen Justizministeriums saßen im Februar 2010 fast 500 Menschen weniger im Gefängnis, als noch im Vorjahr. Damit beträgt die derzeitige Gefangenenpopulation 43.981 Personen. Mehr als die Hälfte der Gefangenen wartet noch auf einen Richterspruch.

  • Peru 2009: 3.243 Tote bei 86.026 Verkehrsunfällen

    Obwohl noch immer sehr hoch, nahm die Zahl der Verkehrstoten auf peruanischen Straßen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr 2007 leicht ab. Das geht aus dem jüngsten Bericht über Verkehrssicherheit der peruanischen Volksanwaltschaft (Defensoría del Pueblo) hervor. Demnach kamen 2009 bei 86.026 offiziell registrierten Verkehrsunfällen insgesamt 3.243 Menschen ums Leben – was beinahe 10 Verkehrstoten pro Tag entspricht. Verletzt wurden 48.395 Personen.

    Allein in der Hauptstadt Lima verloren 635 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben. Jeder fünfte dieser Unfälle wurde von „Combis“, für den Personennahverkehr umgebauten Minivans, verursacht.

    Doch der Bericht stellt nicht nur diese Zahlen vor, die zumindest zaghaft in die richtige Richtung weisen, er gibt auch konkrete Hinweise, wo es Handlungsbedarf gibt. So sollte die Zusammenarbeit zwischen den Regionalregierungen und der Polizei gestärkt werden, so Eduardo Vega Luna von der peruanischen Volksanwaltschaft. Außerdem müsste so schnell wie möglich die Verkehrs- und Transportaufsichtsbehörde SUTRAN ihren Betrieb aufnehmen.

    Zu Beginn des vergangenen Jahre wurden in Peru die Strafen für Verkehrsdelikte drastisch erhöht. Zudem wurde eine Verkehrssünderdatei eingerichtet.

  • Das riesige Problem des informellen Bergbaus in Peru (Serie Bergbaukonflikte Teil I)

    informeller Bergbau in Madre de Dios. Foto: El Comercio 10.11.2009
    informeller Bergbau in Madre de Dios. Foto: El Comercio 10.11.2009

    Bergbau-Probleme braucht man in Peru nicht mit der Lupe zu suchen. Nicht erst seitdem das Blacksmith Institute den Bergbau- und Hüttenort „La Oroya“ als einen der verseuchtesten Orte der Erde identifiziert hat, begann sich das auch im Ausland herumzusprechen. Wie auch bei der Yanacocha-Mine in der peruanischen Region Cajamarca, in deren Umfeld Anwohner immer wieder die Verschmutzung ihrer Gewässer anprangern, ist es im Falle „La Oroya“ weitgehend klar, welches Unternehmen im Moment für die Verschmutzung, beziehungsweise deren Verhinderung zuständig ist. Nicht ganz so klar ist die Sache allerdings, wenn nicht ein großes Unternehmen den Bergbau betreibt, sondern hunderte oder tausende Glücksritter oder zwielichtige Unternehmer halb oder ganz illegal am Schürfen sind.

    Auslöser von Konflikten

    Das Problem, kaum zu Übersehen und außerhalb der Hauptstadt Lima weitgehend bekannt, kam im November vergangenen Jahres schließlich ganz oben auf die politische Agenda Perus. Die Tageszeitung „El Comercio“ titelte „Brutale Entwaldung in Madre de Dios“, noch stärker schreckte aber das abgedruckte Bild eines gigantischen Areals auf, das früher einmal von dichtem Regenwald bedeckt gewesen sein soll (Siehe Bild). Heute sieht man nur noch das Grau und Braun von toten Bächen, die durch verschmutzten Sand und rauhen Felsen fließen.

    Seitdem wird nach Lösungen gesucht für ein gewaltiges Problem mit einem Sektor, der Dank hoher Goldpreise riesige Gewinne einfährt. Das hat sich auch im letzten „Krisenreport“ der peruanischen Volksanwaltschaft (Defensoría del Pueblo) niedergeschlagen, in dem zahlreiche Bergbaukonflikte aufgeführt werden. Darunter ist auch der Fall „Reserva Comunal de Amarakaeri“, einem Schutzgebiet in Madre de Dios, in dem Goldschürfer ohne Lizenz zu Arbeiten begonnen hatten. Per Notfalldekret verbot Umweltminister Brack im Februar die Nutzung von „Dragas“ in Madre de Dios, kleine Schwimmbagger, die dort zum Goldschürfen im Wasser verwendet werden. Damit brachte er die Bergbau-Vereinigung Madre de Dios FEDEMIN gegen sich auf.

    MEM: Rund 100.000 Beschäftigte im illegalen Bergbau

    Schätzungen des peruanischen Energie- und Bergbauministeriums zeigen das Ausmaß des Problems, das wegen der Giftstoffe, die von informellen Goldschürfern in die Flüsse geleitet werden, ein ziemlich großes ist. Rund 100.000 Menschen, schätzt das Ministerium, arbeiten landesweit im illegalen Bergbau-Sektor und erwirtschaften damit bis zu 600 Millionen US-$ pro Jahr, wovon die geschädigte Bevölkerung und das ganze Land nichts abbekommen – wegen der fehlenden Kontrolle geht das Geld einfach am Fiskus vorbei. Damit birgt das Thema auch sozial einigen Sprengstoff, besonders in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit wir beispielsweise Madre de Dios.

    Probleme in vielen Teilen Perus

    Doch nicht nur Madre de Dios ist betroffen. Im vergangenen Jahr hatten Bewohner der Provinz Condorcanqui im Norden der Region Amazonas beklagt, mehrere Goldsucher aus Ecuador hätten illegal die Grenze überquert um auf peruanischer Seite nach Gold zu suchen. Das entsprechende Gelände glich nach dem Abzug der Goldsucher einem Schweizer Käse. In Puno wurden zwei gigantische Lastkraftwagen und zwei Bagger beschlagnahmt, mit denen illegaler Bergbau betrieben wurde.

    In Loreto, genauer gesagt auf dem Napo-Fluss (río Napo), beschlagnahmte vergangene Woche die peruanische Marine drei Schwimmbagger. Zuvor war die Marine bei einem Helikopterflug auf die Schiffe aufmerksam geworden. An Bord wurden nicht nur Werkzeuge zur Goldförderung und Pumpen gefunden, sondern auch zahlreiche Fässer mit hochgiftigem Quecksilber.

    Nun sollen die bisher illegalen Bergbauunternehmer und Goldschürfer dazu bewegt werden, auf legalen Bergbau umsteigen. Dafür müssten strenge Umweltrichtlinien eingehalten werden, ein entsprechendes Gesetz soll dabei helfen. Dass das Thema damit gelöst ist, ist eher unwahrscheinlich Viele der Glücksritter – die nach Angaben des peruanischen Umweltministeriums bis zu einer Million US-$ in einen der 150 in Madre de Dios aktiven Schwimmbagger investiert haben – werden ihr Geschäft nicht so einfach aufgeben wollen. Eine Bevölkerung, für die der Staat und seine Leistungen wenn überhaupt bisher nur abstrakt in Erscheinung getreten ist, davon zu überzeugen, Steuern und Abgaben zu bezahlen, ist ebenfalls eine Aufgabe, die nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Und selbst der Umstieg auf „legalen“ Bergbau garantiert – leider – noch immer keinen „sauberen“ Bergbau, da bisher – La Oroya und Yanacocha zeigen es – keine wirklich effiziente staatliche Kontrolle des peruanischen Bergbaus existiert. Weswegen die Bergbaukonflikte auch in Zukunft Monat für Monat den Krisenreport der Volksanwaltschaft dominieren werden.

  • Regierung emfpiehlt Rücknahme kritisierter Dekrete

    Einen urplötzlichen Richtungswechsel vollzog gestern Abend die peruanische Regierung. Premierminister Yehude Simon kündigte nach Gesprächen mit Apus (Oberhäuptern indigener Gemeinschaften) an, seine Regierung würde dem Kongress eine Gesetzesvorlage vorlegen, durch den die Dekrete 1090 und 1064, die die Neuverteilung, Klassifizierung und Umklassifizierung von Grund neu regelten, endgültig zurückgenommen würden. Bereits in den kommenden Tagen soll die Gesetzesvorlage debattiert werden.  Im Anschluss an die Ankündigung riefen zahlreiche Organisationen wie beispielsweise AIDESEP ihre Anhänger dazu auf, manche Strassen freizugeben.

    Derweil wird in diesen Tagen eine Kommission aus Abgesandten der katholischen Kirche, der Volksanwaltschaft, der Regierung, sowie der diversen Indígenaorganisationen ihre Arbeit aufnehmen.

    Für Verwirrung sorgt dieser Tage auch die überraschende Festnahme des Menschenrechtsanwaltes Carlos Rivera (IDL) bei dessen Rückkehr aus den USA. Carlos Rivera arbeitet derzeit an der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen während der ersten Präsidentschaft Alan Garcías in den 80er Jahren. Die Festnahme war von einem Richter verfügt worden, weil Rivera in einem Falle von Unterschriftfälschung gegenüber der Wahlbehörde ONPE für verdächtig befunden worden war. Die entsprechenden Vorladungen waren vom Gericht allerdings an eine veraltete Adresse zugestellt worden. Beobachter vermuten, dass der Zeitpunkt der Festnahme kein zufälliger war.