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  • Premiere im peruanischen Parlament: Quechua-Muttersprachlerin wird Bildungs-Kommission leiten

    Hilaria Supa Huamán. Foto: Congreso de la República.
    Hilaria Supa Huamán. Foto: Congreso de la República.

    Mit Hilaria Supa Huamán wurde zum ersten Mal in der Geschichte eine Quechua-Muttersprachlerin für die Präsidentschaft der Bildungs-Kommission des peruanischen Kongresses designiert. Hilaria Supa, Abgeordnete der Linksnationalisten (PNP), stammt aus der Provinz Anta in der südperuanischen Region Cusco. Während ihrer Arbeit als Menschenrechtsaktivistin hatte Supa Huamán energisch für den Zugang zu Bildung, insbesondere für Frauen, gekämpft. Daneben setzte sie sich engagiert für Landrechte und die gerechte Verteilung von Wasser ein. Für gewöhnlich beginnt Supa Huamán ihre Redebeiträge in ihrer Muttersprache Quechua. Wegen der fehlenden Sprachkenntnisse der meisten anderen Abgeordneten und fehlenden Übersetzern muss sie diese anschließend meist noch einmal auf Spanisch wiederholen.

    Abgeordnete der Regierungspartei APRA, sowie der Fraktion der Fujimori-Parteien kritisierten die Designierung Supas. So erklärte die ehemalige Inneministerin und APRA-Abgeordnete Mercedes Cabanillas, Hilaria Supa verfüge nicht über die fachliche Einigung, die Bildungs-Kommission zu leiten. Ähnlich argumentiert auch die Fujimori-Abgeordnete Martha Hildebrandt. Eine ihrer Fraktion nahestehende Zeitung hatte im vergangenen Jahr eine Kampagne gegen Hilaria Supa gestartet. An prominenter Stelle war ein Foto veröffentlicht worden, das die Abgeordnete mit einem vollgeschriebenen Block in der Hand zeigte – ihre Aufschriebe enthielten mehrere Rechtschreibfehler. Verschiedene Kommentatoren zogen daraufhin ihre Eignung als Kongressabgeordnete in Zweifel und forderten -glücklicherweise vergeblich- beispielsweise einen Universitätsabschluss als Kriterium für die Kongresskandidatur. Eine Reihe von Linguistik-Experten verteidigten Supa, die Schuld dafür liege eher bei der fehlenden zweisprachigen Erziehung in den staatlichen Schulen.

    Genau dort liegt nun auch die Hoffnung peruanischer Bildungsexperten, die die Designierung Hilaria Supas feiern. Sie hoffen, davon könnte ein Schub für die Verbesserung der Bildungssituation insbesondere in ländlichen Regionen Perus ausgehen. Wie es ist, wenn das Bildungssystem auf dem Land nicht funktioniert, hat Supa am eigenen Leib spüren müssen. Ihre Bildung hat sie sich weitgehend selbst erarbeitet.

  • Machu Picchu / Cusco: Aufräumarbeiten nach Überschwemmungen

    In der peruanischen Region Cusco haben nach den schweren Regenfällen der vergangenen Wochen die Aufräumarbeiten begonnen. Im Fordergrund der Arbeiten steht die Wiederherstellung der zentralen Fremdenverkehrsrouten. Wie das Verkehrs- und Kommunikationsministerium MTC mitteilt, soll schon in wenigen Tagen mit der Reparatur der wichtigsten Hauptstraßen begonnen werden. Für die vollständige Reparatur der Bahnstrecke zum Hauptreiseziel Machu Picchu werden bis zu vier Monate veranschlagt, so die Eisenbahngesellschaft Ferrocarril Transandino (FTSA) in einer Pressemitteilung. Auf einzelnen Etappen der Strecke, so die FTSA, wird der Verkehr aber bereits vorher wieder aufgenommen.

    Dort, wo das Wasser inzwischen teilweise abgeflossen ist, wird langsam das wirkliche Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Nachdem um den 23. Januar die Regenfälle extrem zugenommen hatten, traten zahlreiche Flüsse über die Ufer, kleine Bäche wurden zu reißenden Strömen. In Yanama und Purubamba (Dist. Anta/Prov. Zurite/Reg. Cusco) wurden von einem sonst eher ruhigen Bach mehrere Wohnhäuser mitgerissen, in Pampaconga (Dist. Limatambo) trat der Jatumayo-Fluss über die Ufer und löste mehrere Erdrutsche aus. Der Vilcanota-Fluss riss im Distrikt Urcos (Prov. Quispicanchis) ebenfalls mehrere Wohnhäuser, Teile einer Straße und eine Brücke mit sich. Zahlreiche bereits bestellte Felder wurden zerstört. Auch Nachbardistrikte vermelden Schäden. In Huarcapay y Lucre (Prov. Quispicanchi) trat der Huacarpay-See über die Ufer, was nicht nur mehrere Häuser, sondern auch das Trink- und Abwasserystem zum Einsturz brachte. Im Distrikt Machu Picchu (Prov. Urubamba) wurden Teile des weltberühmten Inka-Weges verschüttet. In wenigen Tagen soll dieser aber wieder geräumt sein, wie das zuständige Ministerium mitteilte. Nach Angaben des peruanischen Zivilschutzes sind 9 Schulen wegen der Regenfälle eingestürzt, an 21 Schulgebäuden kam es zu schweren Schäden.

    Inzwischen bestätigte auch das Regionalbüro Cusco des peruanischen Wetterdienstes SENAMHI, dass es sich bei den schweren Regenfällen um ein ungewöhnliches Wetterphänomen handelte. Die im gesamten Januar gemessene Regenmenge pro Quadratmeter lag fast doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt. So regnete es im Januar in Cusco insgesamt 267,7 Liter pro Quadratmeter, normal sind 142 L/m², so SENAMHI-Regionaldirektor Zenón Huamán. Auch für Februar und März erwartet der Wetterdienst noch starke Regenfälle, was aber ob der anhaltenden Regenzeit nicht ungewöhnlich ist. Zudem werden sie vermutlich nicht die Stärke wie im Januar haben, so Huamán.

    In Aguas Calientes (Distrikt Machu Picchu) kehrt langsam Ruhe ein. Zahlreiche Läden und Restaurants sind noch geschlossen, die Straßen sind „ruhig“, es seien nur wenige Menschen zu sehen, so Jhoni Ramírez, die als Staatsanwältin in Aguas Calientes arbeitet gegenüber der Nachrichtenagentur ANDINA. Alle Touristen, die dies gewünscht hätten, seinen inzwischen evakuiert worden. Inzwischen ist auch Staatsanwältin Ramírez, gemeinsam mit anderen Lokalautoritäten dabei, die genauen Schäden festzustellen.

    Schäden wurden auch in der Nachbarregion Puno festgestellt, die ebenfalls schwer von den Unwettern getroffen wurde. In Macusani, an der südwestlichen der Provinz Carabaya, verendeten nach Angaben der Provinzbürgermeisterin Nancy Rossel Angles 3.000 Alpakas in den Wassermassen. Zudem wurde bestelltes Ackerland in einem Umfang von 67.000 Hektar mitgerissen. Auch die Lacca Brücke, die Carabaya mit den Nachbarprovinzen Azángaro und San Román verband, wurde vom Macusani-Fluss mitgerissen. Die Brücke, Teil der südlichen interozeanischen Fernstraße, die Brasilien mit der peruanischen Küste verbindet, hatte der Strömung nicht mehr stand gehalten. Auf beiden Seiten der Brücke sollen sich inzwischen lange Schlangen gebildet haben.

    Derweil wird in Peru auch erste Kritik laut am Krisenmanagement und den Präventionsmaßnahmen. Kritiker bemängeln, Häuser wären unter anderem im Distrikt Machu Picchu selbst zu nah am Fluss gebaut worden, zudem hätten viele Lokal- und Regionalregierungen die Töpfe für Präventionsmaßnahmen nicht voll ausgeschöpft.